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Was ist unsere Rolle in diesem Leben ?

Frederick1

Frederick1

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lieber Jedi,

ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für dein so wichtiges Thema hier bedanken. Mein Therapeut sagt mir immer wieder, dieses Thema ist das Wichtigste für mein Leben. Und er hatte Recht. Und so frage ich mich immer wieder, wie ich selbstbestimmter Leben kann, mein Leben immer echter und tiefer werden darf.

Das ich immer mehr Freude für mein Leben bekomme, auf dem Weg zu mir selbst. Der Gedanke, das ich gut bin, der fällt mir auch noch nicht immer leicht. Ich weiß, das ich immer wieder Fehler machen werde, aber ich darf mich immer wieder mit mir selbst und meinem Leben versöhnen. Ich muss nicht immer alles richtig machen, ich habe die Freiheit zu experimentieren.

Mut zu meinem unvollkommenen Leben finden. Denn wenn ich immer wieder in der Angst leben muss, ich darf ja keine Fehler mehr machen, nichts mehr wagen, dann kann ich mich und mein Leben nie entfalten.

Ich bin und darf Thomas sein. Und ich möchte mich nicht fragen, wieso ich nie Thomas war.


viele liebe Grüße an dich,

Frederick

01.05.2019 18:17 • x 1 #61


Jedi

Jedi


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Hallo Frederick1 !

Zitat von Frederick1:
so frage ich mich immer wieder, wie ich selbstbestimmter Leben kann, mein Leben immer echter und tiefer werden darf.

ich denke, dass es für dich/ uns wichtig sein kann, dass nötige vertrauen darin zu entwickeln, der sein zu wollen, der ich bin.
heute versuchen sich sehr viele an Selbstoptimierung.
ich finde es schrecklich, denn wir werden als original geboren u. eine ganze reihe von menschen sterben als kopie.
an sich immer neu zu optimieren, kann zur sucht werden u. ich bin überzeugt, dass eine nachhaltige zufriedenheit, nicht erreicht werden kann.
sind das möglicherweise nicht die menschen, die sich villt. im stillen irgendwann die frage stellen,
"wer bin ich, wenn ich niemand sein muss" ?
"was ist der sinn (Rolle) in diesem/ meinem leben" ?
landen wohlmöglich in irgendeiner sucht, weil das "normale" leben, sie so nicht ertragen können u. sich selbst so auch nicht aushalten können ?

du beschreibst es des öfteren treffend in deinen beiträgen u. ich würde dir da zustimmen, dass ein weg wäre, zu einem authentischen selbst zu werden, zu einer unverstellten lebenswirklichkeit zu finden u. dazu zählt für mich,
dass nicht immer an mir herumzuändern !
mich nicht immer mit anderen zu vergleichen !
mich mit meiner eigenen durchschnittlichkeit auszusöhnen !
mir meiner begrenztheit bewusst zu werden u. sie zu akzeptieren !
meine schattenseite, als zu mir gehörig anzunehmen u. mir erlaube, meine stärken, meine talente immer bewusst zu sein !
diese erkenntnisse nun als chance zu betrachten, um weiter daran wachsen zu können.

Zitat von Frederick1:
Und ich möchte mich nicht fragen, wieso ich nie Thomas war.

ich möchte mir nicht vorstellen wollen, was in einem menschen vorgehen mag, wenn er sich diese frage stellt u. erkennen muss, dass er falschen vorstellung, überzeugungen von sich selbst u. seiner lebenwirklichkeit gefolgt war.

LG Jedi

01.05.2019 19:56 • x 2 #62


maya60

maya60

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Ich habe mich mal gefragt, was ich (notgedrungen) nur deshalb mache, weil ich durch meine Krankheiten eingeschränkt bin. Dabei kam heraus, dass ich niemals so viel in krankheitsnotwendiger Stille gelernt und gelebt hätte an Mitmenschlichkeit und Verständnis. Auch hätte ich nie soviel Mühe hinein gesteckt, Dinge unterhaltsam, lustig und friedlich zu gestalten.

Und nie im Leben hätte ich soviel über Mystik und Spiritualität gelernt und weitergegeben.

Ich wäre niemals im seelsorgerischen Bereich ehrenamtlich tätig geworden. Ich hätte niemals im Behindertenbereich als Autorin und Redakteurin mich engagiert, in der Flüchtlingshilfe.

All meine Gaben hätte ich in was anderes gesteckt. Das ist eine interessante Erkenntnis bezogen auf meine Rolle im Leben.

02.05.2019 11:46 • x 2 #63


Frederick1

Frederick1

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lieber Jedi,

DU vielen herzlichen Dank. Ja Leben könnte so einfach sein, wenn wir es annehmen können. Wenn ich freier werden könnte von mir selbst. Mir wurde einmal ein Rat gegeben, wie ich am besten wieder aus meiner Depression raus komme.

Ich sollte einmal darüber nachdenken, wie ich einem Menschen eine Freude machen könnte.
das würde mir sehr helfen. Oh, das hat mich zuerst wütend gemacht. Aber dann habe ich gemerkt, wenn ich mich mit meinem Leben nicht nur um mich selbst drehe, nicht nur ständig über mich und meine Depression nachdenke, das hilft mir tatsächlich.

Nicht nur fragen was das Leben mir schenkt, nicht nur empfangen, sondern auch mal versuchen zu geben.

Also das hat mich jetzt nicht von heute auf morgen wieder gesund gemacht, aber es tut mir gut, wenn ich mich nicht nur um mich selbst drehe. Und ich habe auch gelernt, nur wenn ich mich selbst annehmen und lieb haben kann, kann ich auch andere Menschen annehmen und lieben.

Wenn ich mich für mich entscheide, dann können mich andere Menschen ablehnen, trotzdem stehe ich zu mir. Wenn ich wieder Gefühle für mich empfinde, für mein wertvoll sein, dann setzte ich mich auch wieder für mich selbst ein.

Kein Mensch darf mir dann mehr meine Würde nehmen. Und ich darf mir selbst meine Wünsche erfüllen.

Auch wenn ich schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht habe, darf ich immer wieder nach guten Erfahrungen suchen, weil ich es mir wert bin. Mein Urteil über mich selbst ist wichtiger, als wie andere Menschen mich beurteilen, auch mal verurteilen.

Denn Angst vor dem Leben ist auch Angst vor Menschen.

Kein Mensch ist so wie wir. Keiner hat meine ganz eigene Geschichte. Und deshalb musst du dich mit niemandem vergleichen.

Das sollte mich doch freier machen in meinem Leben.


Manchmal fühle ich mich wie ein eigesperter Vogel,

der in einem Käfig sitzt,

die Türen sind aus Gold,

doch verschlossen ist der Käfig nicht.


Und eigentlich könnten wir doch fliegen, raus fliegen, weg fliegen, in die Freiheit, in die Weite fliegen.

Und diese Freiheit wünsche ich dir und mir, den Mut zu fliegen.


liebe Grüße,

Frederick

02.05.2019 17:23 • x 2 #64


maya60

maya60

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Es gibt so Tage, da ist es einfach nur meine Rolle, in meiner Wrackhaftigkeit auf einmal viel mehr Nähe zu haben zu allen und mit allen, die sich so grau durch die Großstadt schieben und die meisten tragen irgend ein Elend im Herzen und irgendwie verbindet uns das und wir sind alle unglaublich herzlich zueinander.

06.05.2019 15:01 • x 5 #65


Jedi

Jedi


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Hallo ihr Lieben !

Zitat von maya60:
Es gibt so Tage, da ist es einfach nur meine Rolle,

bei deinem interessanten beitrag, kam mir ein buchtitel in den sinn u. der heißt,
"Wer bin ich u. wenn ja, wie viele" ? ist von einem Philosophen Richard David Precht.
ich bin überzeugt, dass unser seelenleben von verschiedenen anteilen bestimmt wird.
Sigmund Freud unteilte die menschliche seele in Es, Ich u. Über-ich.
Friedhelm Schulz von Thun sprach von einem "inneren Team" u. ein bekannter Familientherapeut Richard Schwartz nannte es die "innere Familie".
ich denke, dass jeder es schon selbst einmal so erlebt hat, dass unser Denken u. Handeln von den verschiedenen Anteilen bestimmt wurde.
1. bspl. was villt. jeder kennt, "Wir sind auf eine feier eingeladen, ein teil von uns freut sich u. würde gerne dabei sein.
ein anderer teil erzählt uns davon, dass es in der woche stressig war u. wir schon so einige termine hatten u. eigentlich lieber auf der couch wären.
ein weiterer teil der sich meldet, dieser teil heißt , "das schlechte Gewissen" u. es erzeugt druck, denn du musst dich entscheiden, gar evtl. dein nicht teilnehmen an der feier auch absagen.
dabei beeinflussen unsere gedanken, die gefühle u. emotionen u. dies wird für uns auch physisch spürbar.

uns sind auch einige dieser anteile bestimmt bekannt u. vertraut.
der innere Antreiber, der innere kritiker od. richter, der innere vermeider, der katastrophisierer, um einige unserer neg. Anteile zu nennen.
wir müssen aber diesen nervensägen nicht schutzlos ausgeliefert sein.
es gibt aber bei jedem von uns auch eine instanz, die ich dem namen, Co-Therapeut gegeben habe.
er ist eine ausgleichende instanz, der versucht uns zu erden, unsere seele wieder in balance zu bringen u. kommuniziert mit den anteilen, die es weniger gut mit uns meinen.
Möchte da aber jetzt nicht näher darauf eingehen, da es zu umfangreich würde u. sicherlich ein neuer Thread wert wäre.

ich habe die erfahrung gemacht, wenn wir verständnis für diese unsere verschieden anteile aufbringen, dann werden wir besser erkennen können, warum wir uns auf unsere weise verhalten u. können beginnen einfluss darauf zu nehmen.
diese unsere verhaltensweisen entsprechen auch den rollenverhalten, die wir oft unbewusst einnehmen.
dazu gehört sicherlich eine der uns bekanntesten, "die Opferrolle".

LG Jedi

06.05.2019 16:22 • x 4 #66




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