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Disziplin im Leben ist Freiheit / Chaos ist anstrengend?

Liselotte
Ich mag dieses Wort Disziplin ( Zucht, Ordnung) überhaupt nicht,
es erinnert mich sofort an sehr, sehr schlimme Zeiten,
in denen Disziplin nicht mehr hinterfragt wurde.

Es ist etwas was von außen gefordert wird,
und immer wieder soll diese Disziplin für mich umbenannt werden,
vielleicht in einen Tagesablauf,
der mir durch Wiederholungen Zeit zum Nichtdenken schenkt?

Chaos,
ich bin das Chaos,
ich schaffe es nicht Ordnung zu halten,
vielleicht weil ich so unter Zeitdruck stehe,
da die Uhr tickt,
und so viele Dinge mich interessieren.

Was ist realistisch,
was kann ich besonders gut,
was macht mir die größte Freude,
wo entwickelt sich sofort ein flow?

Wäre hilfreich hier Erfahrungen von anderen zu lesen,
vielleicht klappt es ja dann besser mit einem diszipliniertem Chaos schneller ans Ziel zu gelangen?

03.03.2019 08:17 • x 1 #1


Axel61
Disziplin ist etwas, was ich von mir selbst verlange und nicht erreiche Ich will abnehemen damit ich fit werde um eine lange Motorradtour zu machen und dann kaufe ich Gummibärchen im Angebot und trinke Wein. Ich muss mich mehr bewegen um die Gesundheit zu verbessern und hocke auf der Kautsch. Ich sollte Schreiben sofort abheften und schmeisse den Umschlag einfach auf den Esstisch. Ich räume die Spühlmaschine nicht gleich aus und dann stapelt sich das Geschirr in der Spühle. Könnte jetzt noch lange weitermachen.

Aber es stimmt: Chaos ins anstrengend. Irgenwann muß man ja do ran und dan kostet es mehr Zeit das Chaos zu beseitigen, als wenn man gleich Ordnung gehalten hätte. Und viel mehr Nachdenken muss man auch.

03.03.2019 10:06 • x 2 #2


Liselotte
na, das sind ja noch überschaubare disziplinierte Aufgaben, die da vor Dir liegen.
Außerdem hast Du ja ein klares Ziel,
eine lange Motorradtour.

03.03.2019 10:32 • x 2 #3


Axel61
Das ist wohl das Wesentliche. Man muss sich klar mache, dass man selbst am Meisten davon hat. Sonst wird das nix.

03.03.2019 10:39 • x 1 #4


Ylvi13
Ich frage mich grade, ob man sich im Chaos nicht verzetteln kann, ob manches untergeht, nicht genügend Beachtung findet, vielleicht gar nicht gesehen wird, kann man angefangenes zum Ende bringen und wie geht das in den zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ich mochte es schon immer klar und übersichtlich, halbwegs geordnet. Schätze mal, kräftig anerzogen und beibehalten. Jetzt mit der Krankheit habe ich festgestellt, dass eine Tagesstruktur an der ich mich langhangeln kann, gut für mich ist. Eine gewisse Planung bringt Stabilität und tut meinem Sicherheitsbedürfnis gut. Meine Uhr tickt auch, im Chaos würde ich mir dauernd im Weg stehen oder auf die Füsse latschen.

03.03.2019 13:25 • x 2 #5


Alexandra2
Chaos für Alle:
Ich habe mich dem Chaos früh ergeben, auch durch die Arbeit, und gedacht, das gehört so. Nun merke ich den Unterschied: es entlastet das gesamte Hirn, Ordnung zu haben. Nichts was ablenkt, nichts was mich anspringt (das müsste auch noch.), keine Ablenkung, keine Verdrängungsleistung. Die ist mega anstrengend.
Im Chaos ging immer etwas verloren, geriet in Vergessenheit, machte immense Konzentration nötig und sorgte für ein schlechtes Gewkssen.
Meine Aufgabe ist der Wochenplan, jeden Tag eine wiederkehrende Tätigkeit, nur diese.
Anderes, z.B. Kellerregal entrümpfeln, ist ein Projekt über Wochen.
Ich bin immer wieder verblüfft, wieviel Freiraum im Kopf durch diese Vorgehensweise entsteht.
Ordnung habe ich nun partiell, was mich nicht mehr stört. Manchmal ist da die Sehnsucht nach leeren Flächen, es ist immer so laut im Kopf, und wenn ich eine geschaffen habe, ist endlich Ruhe. Eine Wohltat.

03.03.2019 14:45 • x 1 #6


Liselotte
Ich bin mir bewusst, woher diese Tendenz zum absoluten Chaos bei mir kommt.
Es gab in meiner Kindheit, solange ich mit meiner Mutter leben musste, so eine Art von aufrechtzuerhaltenden Kulisse von absoluter Sauberkeit und penetranter Ordnung um mich herum. Kein Krümel durfte sich auf den Oberflächen befinden. Sobald sie einen fand, gab es unberechenbare Anfälle von Zorn, ja Wahnsinn. Sie schlug mich nicht mit ihren Händen, sondern mit einem Kleiderbügel aus Holz, der immer griffbereit an der Garderobe hing, mit der Aussage: "an Dir mache ich mir doch nicht meine Finger schmutzig".
Es gab eine komplett eingerichtete Küche, es gibt sie heute noch, die einem Werbeprospekt von schöner Wohnen glich. Aber meine Mutter konnte nicht kochen, sie wurde nie benutzt. An Feiertagen gab es maximal eine Dose Ravioli.
Kartoffeln wurden in einem Glas gekauft, dann brauchte man nicht zu schälen und Dreck wurde vermieden.
Nach dem Händewaschen musste man den Wasserhahn polieren, ein Fleck wurde sofort bestraft.
Es gab keinen Ort für Kreativität, es gab keinen Ort der Ruhe, es gab nur diese Fassade, die jedoch niemals von jemanden besichtigt wurde. Keiner durfte diesen Raum betreten, es gab keine Freunde, Bekannte, Verwandte. Es gab nur Sie und ihre Sklavin, mich. Dann gab es meine Stiefschwester, die irgendwann, als ich dieses Haus fluchtartig immer wieder verlassen hatte, das gleiche Schicksal dann von mir übernehmen musste. Sie ist schwerst Dro.abhängig und dadurch auch kriminell geworden.

04.03.2019 08:45 • x 1 #7


Alexandra2
Liebe Liselotte,
Du hast auch so gelitten, wie furchtbar, immer diese Angst im Nacken, die Ablehnung, aus der das Gefühl 'ich bin nicht richtig' entsteht. Diese Gewalt, die uns in Dauerspannung sein lässt, wir haben unser ganzes Leben mit einem streßgeprägtem Nervensystem zu tun. Und deshalb brauchen wir viele viele Pausen.
Und diese Niedertracht der Mütter, manchmal mit unverhohlener Freude, entsetzt zutiefst. Du hast das überlebt und Dir geschworen, ich handele vollkommen anders. Es ist schon ein Luxus, sich reflektieren zu können. Ich meine es in dem Sinne, daß Viele es nicht können, weil sie keine Worte finden für das was sie erlebten, Angst haben, sich Hilfe zu holen.
Es ist mir unbegreiflich, daß die Gesellschaft wegschaut, sich wenige trauen, einzugreifen.

Die Hexe ist Vergangenheit, und wir räumen das Trümmerfeld in uns weiter auf. Vieles ist schon entrümpelt, Manches umfunktioniert, und Manches liegt noch da, wartet auf die Bearbeitung. Zwischen dieser ganzen Vergangenheit blühen schon Blümchen, die positiven Gefühle uns selbst und anderen gegenüber, die Lebenserfahrung, wozu Du doch in der Lage warst,wo Du mehr bewältigst und neu geschaffen hast, als Du Dir jemals vorstellen konntest.
Ich stelle mir gerade einen halbwilden Garten vor, der etwas eingerichtet werden möchte: eine Hängematte zwischen alten Obstbäumen, eine Recamiere, ein Teehäuschen, ein großes Rosenbeet, viele Vogelhäuschen.
Ein ganz privates Refugium über das wir allein bestimmen, wer reindarf, wer nicht. Dort können wir entspannen, weiter arbeiten, wenn wir das möchten (!). Dort ist nur Platz für Empathie, Geduld, Wertschätzung und Liebe.
Ich nehme Dich mal ganz feste in den Arm Liselotte,

04.03.2019 11:55 • x 4 #8


Axel61
Was mich das ganze Frühjahr immer belastet ist die Steuer-Erklärung Jedes Jahr bekomme ich eine Mahnung vom Finanzamt. Dabei müsste ich nur alles gleich eintippen. Die Belege sind ja ab Ende Januar da. Könnte bis Ende März locker erledigt sein. Aber neeeeiiiiinnnn, ich lasse es rumliegen. Dabei weis ich es doch besser. Jedes Jahr das gleiche Drama

04.03.2019 12:19 • #9


Luna1985
Zitat von Axel61:
Was mich das ganze Frühjahr immer belastet ist die Steuer-Erklärung Jedes Jahr bekomme ich eine Mahnung vom Finanzamt. Dabei müsste ich nur alles gleich eintippen. Die Belege sind ja ab Ende Januar da. Könnte bis Ende März locker erledigt sein. Aber neeeeiiiiinnnn, ich lasse es rumliegen. Dabei weis ich es doch besser. Jedes Jahr das gleiche Drama



Ich warte auch immer die Mahnung ab. Passiert ja sonst nichts weiter. Wenn man gleich ne Strafe zahlen müsste, würde ich es wohl früher machen. Selbstdisziplin ist auch nicht meine Stärke

04.03.2019 12:49 • #10


Luna1985
Zitat von Liselotte:
Ich mag dieses Wort Disziplin ( Zucht, Ordnung) überhaupt nicht,
es erinnert mich sofort an sehr, sehr schlimme Zeiten,
in denen Disziplin nicht mehr hinterfragt wurde.

Es ist etwas was von außen gefordert wird,
und immer wieder soll diese Disziplin für mich umbenannt werden,
vielleicht in einen Tagesablauf,
der mir durch Wiederholungen Zeit zum Nichtdenken schenkt?

Chaos,
ich bin das Chaos,
ich schaffe es nicht Ordnung zu halten,
vielleicht weil ich so unter Zeitdruck stehe,
da die Uhr tickt,
und so viele Dinge mich interessieren.

Was ist realistisch,
was kann ich besonders gut,
was macht mir die größte Freude,
wo entwickelt sich sofort ein flow?

Wäre hilfreich hier Erfahrungen von anderen zu lesen,
vielleicht klappt es ja dann besser mit einem diszipliniertem Chaos schneller ans Ziel zu gelangen?



Man darf nicht vergessen, dass jeder Mensch anders ist. Für den einen ist Ordnung Freiheit, für den anderen das Chaos. Je nachdem, wovon man sich befreien will. Jeder will sich in seinem Wohn- und Arbeitsumfeld wohl fühlen. Der eine braucht dafür das Chaos, der andere die Ordnung. Beides ist in Ordnung

04.03.2019 12:56 • x 2 #11


Alexandra2
An Axel, ich gehe jedes Jahr mit dem Antrag und Krams hin und kläre alles sofort, zumindest den Anfang. Stell Dir vor, die Beamten haben nicht einmal mit der Wimper gezuckt und blieben stets freundlich bei meinem Nullkommanull- Gedächtnis. 6 Mal war ich letztes Jahr da, bis Alles komplett war. Gefühlte 350 Fragen haben sie auch beantwortet.
Eingangs habe ich gesagt, daß ich krank bin und sie nicht ärgern will.
Es tat mir gut, daß sie mir halfen, ich weiß dass sie das müssen. Dadurch bin ich motiviert, mich rechtzeitig auf die Socken zu machen.
Liebe Grüße

04.03.2019 13:11 • x 2 #12


Axel61
Seit 2 Jahren ist das Service-Center hier abgeschafft. Man muss jetzt Termine machen. Begründung: Geht doch alles Online. Hab ich jetzt auch 2 mal gemacht. Nach anfänglichem ist es auch ok. Belege muss ich keine mehr einreichen. Bis auf Stichproben glauben die jetzt alles, wenn es da keine großen Abweichungen zwischen den Jahren gibt. Das Erleichtert die Sache eigentlich erheblich.

@liselotte: Disziplin ist für mich selbst. Da was von außen kommt ist eine Anforderung zu Gehorsam. Da beißt man bei mir auch auf Granit.

04.03.2019 13:30 • x 4 #13


Acon
Steuererklärung, absoluter Stress.
Bei mir kommt eh nichts raus.
Ich bin ein bisschen zweigeteilt. Wenn ich bei der Buchhaltung, beim Belege eingeben bin, dann bin ich überordentlich, muss ja alles seine Ordnung haben.
Aber mein Schreibtisch zu Hause war das absolute Chaos, obwohl ich habe immer gewusst wo was lag. Wenn meine Kinder mal auf der Suche nach einem Tacker oder Locher waren, dann kamen sie ohne zu suchen erstmal zu mir, dann habe ich den Lageplan im Gedächtnis aufgerufen und beschrieben, wo das Gesuchte zu finden war. Und zum Schluss kam dann immer von mir, das Ding ja wieder dahin in mein geordnetes Chaos zu legen, wo es gewesen war. Schliesslich darf mein Chaos nicht durcheinander kommen. Im Moment habe ich so kleinere Chaosecken, was die letzten Sachen anbelangt, aber mir fehlt halt noch der passende Schreibtisch für das Chaos.

Liebe Grüße
Andrea

04.03.2019 21:29 • x 3 #14


Liselotte
@Acon
Na, der Schreibtisch wird bestimmt bald kommen.

05.03.2019 19:58 • x 1 #15




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