999

Selbstliebe lernen - wie schafft man das?

Frederick1

Frederick1

1097
6
1737
liebe Anouk,

oh DU, jetzt werde ich fast ein wenig rot bei so viel Lob. Ja aber Lob, Wertschätzung tut uns echt so was von gut, gerade das ehrliche, offene, herzliche. Mein Therapeut sagte mir mal, er kenne in seinem Leben auch die Depression. DU liebe Anouk, das hat unsere Beziehung echt verändert. Wäre er nicht mein Arzt, wir würden echt gute Freunde sein, ich vermute, er ist noch sensibler wie ich. Leider sehe ich ihn jetzt nur noch alle drei Monate.
Ich kenne auch Therapeuten, die mit dem Thema Depression eher sachlich und analytisch umgehen. Das finde ich auch sehr wichtig, aber gerade auch, wie kann ich mit meiner Depression leben, überleben.

Mir tut da auch Musik sehr gut, Musik die mich anspricht, mich und mein Herz berührt, das ist was Schönes und Gutes.

Leben im Ein (Klang) mit mir selbst. So wie als Mensch gestimmt bin. Wenn ich meine Gitarre stimme, muss ich eine Saite anziehen, die andere wieder lockerer lassen, so das sie alle zusammen stimmen, sie sich gut anhören.

So muss ich auch in meinem Leben manches gelassener und lockerer sehen, bei anderen Dingen muss ich mehr auf mich aufpassen. Schön, das manche Saite in dir wieder zum Klingen kommen darf.

Denn DU darfst einverstanden sein mit DIR, die zu sein, die DU bist. Einverstanden mit den Eigenschaften die DU besitzen darfst. Einverstanden sein auch mit deinen Grenzen. Und da darfst DU, ja wir alle, dies immer wieder tapfer annehmen und akzeptieren.

Leider ist die Liebe zu uns selbst uns Menschen nicht angeboren. Wenn ich sie durch die Eltern nicht erwerbe, oder nur ungenügend ewerbe, dann fehlt mir diese Fähigkeit. Aber wir dürfen diese Fähigkeit erlernen. Aber nicht mit Pflicht und Druck, mich pflichtgemäß lieben. Da habe ich keine Freude im Leben. Und du sollst dich doch an dir freuen liebe Anouk.

Das darf ich auch empfinden, fühlen. Meine Grenzen, mein Geschlecht, meine S., mein Alter usw.

Habe ich ein Ja zu meinen Beziehungen, oder wenn ich gerade nicht so die Beziehungen habe, ein JA zu meinen Kindern, meiner materiellen Lage, meiner Stellung, meinem Beruf.

DU das Annehmen meiner Depression macht mir heute auch noch Probleme. Aber schlauerweise, wenn ich es akzeptieren kann, dann geht es mir damit besser. Ohne mein JA zu mir inclusiv Depression geht es mir nicht so gut.

Denn die Depri bleibt, auch wenn ich sie ablehne.

Oder wenn ich sage, ich lebe meine Frau, dann liebe ich mich selbst, weil die Liebe zu mir selbst und meiner lieben Frau zusammen gehört, das kann ich ja nicht trennen.

Wenn ich mein Selbst angenommen habe, einverstanden bin mit mir selbst, dann kann ich mich in Liebe zu meiner Frau auch mal los lassen, was mir immer wieder so wichtig scheint.

Du und das dürfen wir ein Leben lang lernen. Mich annehmen, mich lieben kann ich aber nur, wenn ich es zu lasse, mich lieben zu lassen, wenn ich mich annehmen lasse. Vom DU zum DU.

Und das gefällt mir hier so im Forum, immer wieder neu, das wir die Erfahrung vom geliebt sein hier machen dürfen, angenommen sind, so wie wir sind, egal wo wir gerade in unserem Leben stehen, egal was für einen Mist ich wieder gebaut habe.

Kein Mensch kann auf Dauer leben ohne Anerkennung und Bestätigung. Wir Männer brauchen das vielleicht noch mehr als die Frauen hier.

Wenn ich mich selbst nicht annehmen und lieb haben kann, dann bin ich ein ständig fordernder Nimmersatt, der immer wieder nach Liebe verlangt, ohne dafür etwas geben zu können.

Auch das ich meinen Körper annehme und liebe, auch wenn er älter wird, mich trotzdem bewege, mich trotzdem vor den Spiegel stelle und mich annehme.

Auch diese Leistungsvergötzung. Wer nichts leistet gilt nichts, denn Leistung ist nötig damit der Apparat funktioniert. Als Versager wirst du ausgeschlossen geächtet, das ist nicht fair, jeder Mensch kann auch einmal versagen.

Wirst du aber geächtet, kannst du dich nicht mehr so achten. Wenn dir jeder Wert abgesprochen wird, kannst du dich selbst nicht mehr so annehmen, wert schätzen.

In der Depression kannst du dich oft nicht so lieben. Du bist da so was von verletzlich. Du klammerst dich an andere Menschen, wirbst verzweifelt um Anerkennung und geliebt werden. Aber gut, dass wir und das im Forum hier schenken können.

Diese Gefühle, ich verfalle, werde konsumiert, aufgefressen, ich werde immer weniger, alles ist farblos, verödet, erkaltet, ich bin bedroht, habe nur Feinde, alle sind gegen mich, niemand versteht mich usw,,

Mir hat meine Frau einmal eine Kaffeetasse geschenkt, da steht drauf, ich bin einzigartig und geliebt. Und diese einfache Tasse tut mir immer wieder so gut, weil da spüre ich auch die Liebe und Annahme die dahinter steckt.

Es ist gut, das wir hier im Forum nicht allein sind. Das tut gerade in der Depression gut, oh es gibt andere, denen geht es so wie mir. Und auch mal was Witziges tut gut, singen, Musik machen.

Das wir uns schon Gedanken machen, aber nicht immer so schwere. Aber das wir uns immer wieder Mut zusprechen.

Ja wir können den ganzen Tag uns ärgern und grübeln, aber wir müssen es nicht.

Versöhnt leben, vergeben. Wie schnell geht was schief, du bist verärgert, du bist verletzt. Aber wenn ich Menschen immer wieder etwas nachtrage, breche ich eines Tages unter meiner Last zusamen. Und wenn ich immer im Krieg mit mir lebe, kriege ich auch keine Ruhe.

Mit der Akzeptanz ist es bisschen wie mit der Toleranz. Ist eine gute Sache, wenn ich sie mit meinem Leben füllen kann.

Aber nicht wenn ich sage, ist mir sowieso alles egal- Doch liebe Anouk, wir dürfen viel liebevoller und barmherziger mit uns selbst und anderen Menschen immer wieder umgehen. Weg von der zähneknirschenden Akzeptanz, hin zur Annahme mit Freude.

Und genau das wünsche ich dir und mir, uns allen hier. Das wir unser Leben mehr und mehr annehmen können, nicht nur verkrampft, sondern auch mit Freude. Liebe und Annahme hat ja auch etwas mit Freude zu tun.


in guten Gedanken für dich, und immer wieder Freude für dich,

ganz viele liebe Grüße


Frederick

10.04.2019 16:07 • x 2 #181


Frederick1

Frederick1

1097
6
1737
liebe Anouk,


ich wünsche dir immer wieder Freude für dein Leben, in deinem Leben.










liebe Grüße,

Frederick

10.04.2019 16:29 • #182


me02

19
1
6
Zitat von Jedi:
Halio me02 !


nun, wenn du lust hast u. dir zeit dafür nehmen möchtest, dann lies hier die wirklich tollen beiträge zudem thema dieses Thread.
dann horch in dich rein, was von den, auch unterschiedlichen meinungen, sich für dich stimmig anfühlt.
du wirst dabei mit sicherheit etwas finden, womit du ersteinmal anfangen kannst, dich in sich Selbst zu lieben zu üben.

denn den weg sollte jeder selbst für sich suchen u. für sich das passende finden !
denn es gibt dabei kein richtig oder falsch !
nicht der eine weg ist der richtige oder gar der falsche !

meine ganz persönliche meinung wäre, nur durch Erfahrung machen !
am besten durch positive Erfahrung !

meine persönliche erfahrung ist, dass beides ein prozess ist, der seine zeit benötigt.
diese kann idividuell sehr unterschiedlich sein.
auch den für sich gefundenen u. gangbaren weg zu gehen, ist sehr individuell u. zu wünschen ist, dass jeder sein angepeiltes ziel auch erreichen mag.

ohne jetzt für Rowi eine antwortvorwegzunehmen, schreibe, frage u. tausche dich mit den anderen hier zu diesem thema aus, was dich gerade dazu bewegt.

LG Jedi




Hallo Jedi,

Vielen lieben Dank für deine Antwort.

mfg me02

11.04.2019 15:13 • x 1 #183


Anouk67

Anouk67

403
1
714
Lieber Frederick,

Danke für Deine Worte und die Freude.

Wertschätzung- Kommt für mich in der heutigen Zeit viel zu kurz. Dafür nehmen sich viel Leute keine Zeit. Mit der Kritik hingegen sind sie umso großzügiger. Das Wertschätzung bei den Mitmenschen besser ankommt als Kritik und womöglich so das Miteinander verbessert, wird dabei völlig übersehen.
Schade, es könnte vieles leichter sein.

Depression- sachlicher Umgang gegenüber Emphatie, das ist individuell unterschiedlich. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung nur sagen, ich kann und konnte mit den Emphaten besser arbeiten. Es war einfacher für mich.

Musik- Ich selbst spiele kein Instrument, ich wollte es nie. meine Kindheit war sowieso schon völlig mit Sport vollgestopft, da wollte ich nicht noch ein Instrument lerne. Ich liebe tanzen, in jeder Form, ich habe jahrelang Ballett gemacht, sämtliche Abzeichen in Standard und Latein Tänzen und ich mag auch Freestyle. Den Tanzsport musste ich vor Jahren aufgeben, weil meine Füße das nicht mehr mitgemacht haben, aber Freestyle geht immer noch. Musik ist für mich eine unglaubliche Bereicherung meiner Gefühlswelt und ich kann mir nicht vorstellen ohne sie zu sein.

Akzeptanz- Es ist genauso wie Du schreibst, ob man die Depression akzeptiert oder nicht, sie geht nicht weg. Wenn man sie aber akzeptiert, ist sie leichter zu ertragen.

Liebe- Lieben und geliebt werden, eine wunderbare Erfahrung und es ist fantastisch, dass wir ein Leben lang lernen dürfen. Ich habe hier in diesem Forum auch sehr viel gelernt und das in extrem kurzer Zeit, weil die Gemeinschaft mir geholfen hat. Ich habe immer noch einen Weg zu gehen, aber die ersten Schritte sind gemacht auf dem Weg zu mir selbst. Ich erlaube mir das so zu nennen, weil es mir leichter fällt.

Leistungsvergötzung- oh ja, Nur wer was leistet, ist was wert. Wer nichts leistet, wird nicht gebraucht. Das ist falsch. Außerdem stellt sich mir die Frage Leistung in was ? Sport, Karriere, Reichtum ? Es gibt soviel verschiedene Bereiche. Unsere Welt bietet soviel, da wäre ich ganz vorsichtig zu sagen jemand leistet nichts. Einen Menschen als wertlos anzusehen, zeigt sowieso eine Geisteshaltung, die ich nicht akzeptieren kann und will. Fehler gehören zum Leben und passieren jedem, das ist auch ich gut so. Aus Fehlern dürfen wir lernen.

Weg von der zähneknirschenden Akzetanz hin zur annehmenden Freude. Das beschreibt es für mich ungeheuer treffend. Wie oft erwische ich mich mit verkrampftem Kiefer. Hundertmal pro Tag reicht nicht. Und das ist nur der Körperliche Ausdruck.

Ich habe kürzlich an den Erfinder der Trennkost gedacht. Diese wurde ursprünglich von einem Mediziner entwickelt, um dem Körper bei der Bekämpfung von Krankheiten zu helfen. Wenn der Körper keine unnötige Kraft in die Aufnahme der Nährstoffe stecken muss, dann hat er sie zum bekämpfen der Krankheit übrig. Wenn er außerdem noch richtig und gut ernährt wird, dann ist das optimal.

So ähnlich sehe ich das inzwischen auch mit der Depression. Zu viel grübeln, zu schwere Gedanken überlasten uns. Akzetanz der eigenen Situation des eigenen ichs, helfen und erleichtern. Wir haben keine Energie zum verschwenden, wir müssen sinnvoll damit umgehen. Toleranz gegenüber uns selbst und den Mitmenschen erleichtert uns den Alltag auch aus meiner Sicht.

Das alles ist nicht leicht und geht auch nicht von heute auf morgen, aber das ist ein Weg in den es sich lohnt Zeit und Energie zu investieren, weil auf lange Sicht gesehen das Leben mit der Depression für uns und unsere Lieben damit leichter wird.

Ich wünsche allen, die hier lesen und schreiben viel Freude für den heutigen Sonntag
Anouk

14.04.2019 10:15 • x 6 #184


Jedi

Jedi


639
5
1714
Hallo Anouk67 !

Zitat von Anouk67:
Wertschätzung- Kommt für mich in der heutigen Zeit viel zu kurz.

Villt. weil es einigen menschen an eigener wertschätzung fehlt ?
ich persönliche glaube, wer sich so selbst nicht annehmen u. wertschätzen kann, der wird es schwer haben, andere zu wertschätzen, wie sie sind !
Zitat von Anouk67:
Mit der Kritik hingegen sind sie umso großzügiger.

ist für mich dann auch erklärbar.
wenn ich mich nicht selbst wertschätzen kann, mich eher verurteile, wie ich bin, dann soll ich einen anderen gut finden, ihn wertschätzen ?
damit mach ich mich noch kleiner, wie ich mich möglicherweise schon fühle u. über mich selbst schon denke.
es gibt eine ganze reihe von menschen, die haben gelernt, "das leben ist schwer", "das leben ist kurz u. besch.",
"das leben bedeutet kämpfen, um nicht letzter zu werden", usw.
so verhalten sie sich oft gegenüber anderen menschen. oftmals unbewusst, wird der Andere, als konkurrent, als gegner angesehen u. da bleibt wenig spielraum für wertschätzung !

Gut aber auch, dass es auch noch recht viele Andere menschen gibt, die durchaus ihren mitmenschen, mit einem wertschätzenden gedanken betrachten.

Zitat von Anouk67:
die ersten Schritte sind gemacht auf dem Weg zu mir selbst. Ich erlaube mir das so zu nennen, weil es mir leichter fällt.

es so zu nennen ist völlig richtig !
der weg heißt, "Selbsterfahrung" u. die Selbsterfahrung, die wir in unserer therapeutischen begleitung erfahren, führt uns bestenfalls zu unserem eigentlichen inneren kern.

Zitat von Anouk67:
Nur wer was leistet, ist was wert. Wer nichts leistet, wird nicht gebraucht.

so ist das prinzip des kapitalismus !
Zitat von Anouk67:
Das ist falsch.

aus unserer jetzigen sicht, wo unsere leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, wo wir erkrankt sind, sagen wir das ist falsch !
nur der zufall der geburt, dass wir hier in Europa geboren sind, zeigt uns, dass leistung sich lohnen kann.
die menschen in den westlichen ländern fliegen in der welt umher, machen urlaub, kaufen billige Jeans aus Indien, essen fleisch aus massentierhaltung, manche besitzen ein haus oder mehere oder ein auto oder mehere, wir können in restaurant, italienisch/türkisch/persisch/indisch, usw. essen gehen, wir kaufen die tollsten schuhe, die fünfte armbanduhr, können in die unterschiedlichsten läden unsere lebensmittel, zum teil aus der ganzen welt einkaufen, uvm.

damit will ich niemanden u. mir selbst kein schlechtes gewissen machen, aber dies ist nur durch das leistungsprinzip möglich, sich das alles leisten zu können.
der menschliche wert, wird in einem solchen system, immer nach seiner leistung u, verfügbarkeit gemessen.

können wir nicht mehr so funktionieren, trifft es irgendwann zu, dass wir aufgrund von Alter oder Erkrankung nicht mehr das leisten können, verlieren wir oft zu allererst unseren eigenen Wert aus den augen, noch bevor wir die kündigung erhalten (heute heißt es, der betrieb muss wirtschaftlicher werden u. personalkosten müssen verschlangt werden) beim jobcenter landen, ins KG rutschen oder bei Hartz4 landen.
oft stellen wir schon früh selbst unseren eigenen wert infrage !
dafür sind eine ganze reihe unterschiedliche gründe für verantwortlich !
Zitat von Anouk67:
Einen Menschen als wertlos anzusehen, zeigt sowieso eine Geisteshaltung

Stimmt !
der Obdachlose auf der straße,
der/die bei der Tafel anstehen, für ein warmes mittagessen oder um einkäufe zu machen,
der/die, die schon frühzeitig aus gründen von krankheit, eine erwerbslosenrente beziehen, aufstocken müssen, waren oft nicht faule menschen, frauen die kinder erzogen haben u. arbeiten waren, männer mit guten berufsabschlüssen, einer langen betriebszugehörigkeit, mache gar mit akademische abschlüsse u. doch ist in ihrem leben etwas passiert, was sie hat ins schlingern geraten lassen u. sie konnten manchmal die katastrophe nicht mehr verhindern.
auch hier sind die gründe vielfälltig !

nun können wir alle nach unserem sinn hier auf der erde gedanken darüber machen.
dies ist ein weites thema u. möchte jetzt kein neues feld eröffnen.
doch zwei fragen möchte ich hier lassen,
- "ist der sinn meines lebens der, dass ich da bin" ?
- "auch wenn ich nichts mehr leisten kann, was bestimmt dann meinen Wert" ?

Zitat von Anouk67:
Toleranz gegenüber uns selbst und den Mitmenschen erleichtert uns den Alltag auch aus meiner Sicht.

Stimmt absolut
Toleranz u. Mitgefühl sind wichtige elemente für eine gesunde seele !

LG Jedi

14.04.2019 14:36 • x 3 #185


Anouk67

Anouk67

403
1
714
Lieber Jedi,

Ist der Sinn meines Lebens, dass ich hier bin?
Nein, denn ich habe nichts dazu beigetragen hier zu sein, ich konnte es nicht aktiv beeinflussen, dass ich in diese Welt geboren werde. Das Leben oder die Existenz ist ein Geschenk. Der Sinn aus meiner Sicht ist, was ich mit diesem Geschenk mache. Wie ich es mit Sinn erfülle. Ein Sinn ist sicherlich die Liebe zu mir und meinen Mitmenschen, für mich gehört die Achtung jedweden Lebewesens dazu. Wir können unserem Leben einen Sinn geben, der kommt nicht von selbst. Geld und Erfolg alleine macht nicht glücklich. Man sehe sich die vielen abgestürzten Stars und Sternchen an. Die haben alles wenn man den derzeitigen Mainstream Vorgaben glauben darf. Offensichtlich fehlt ihnen aber doch was.
An dieser Stelle erinnere ich mich an meine Großtante, nie verheiratet, hat nie viel Geld gehabt, war aber immer gut drauf und hatte immer Zeit für mich. Sie nahm das Leben locker. Ich erinnere mich an einen Streit zwischen Ihr und meiner Oma (Ihrer Schwägerin). Es war Samstags um die Mittagszeit und die Tante war dran mit Straße kehren. Es war nicht erledigt. Normalerweise 10.00 Uhr Straße kehren.
Meine Großtante hat gesagt, ich hatte was besseres zu tun. Meine Oma ist fast ausgeflippt, der heilige Kehrplan. Meine Tante hat das eher frei interpretiert, sie hat es gemacht, aber dann wann es Ihr passte und sie hat sich da nie Vorschriften machen lassen. Meine Tante war immer mein Vorbild, weil sie glücklich und zufrieden war und ein Freigeist. Meine Großmutter war gefangen in Ihren Plänen, ich muss hier ich muss da. Die typische Definition der eigenen Person über Leistung. Sie war verbissen und verkniffen. Tantchen war da ganz anders, immer fröhlich und hat was nicht geklappt, war das eben so.

Auch wenn ich nichts mehr leisten kann, was bestimmt dann meinen Wert,
Nun ich selber, mein Verhalten. Leistung hat nichts damit zu tun, ob ich freundlich oder unhöflich bin. Außerdem stelle ich erneut die Frage Leistung in was? Beruf? Ich denke, da gibt es Alternativen. Man kann sich ein Ehrenamt suchen, man kann anderen helfen zB in Vereinen. Da gibt es etliche Möglichkeiten, die aber oftmals nicht so einfach zu finden sind. Meine Schwägerin ermöglicht den Kindern im örtlichen Kindergarten die Waldspaziergänge, weil sie einfach mitgeht. Es gibt nicht genug Kindergärtnerinnen und sonst gäbe es eben keine Waldspaziergänge. Wenn ich nur noch existiere und auf Hilfe angewiesen bin, dann darf ich freundlich sein. Pflege ist ein sehr anstrengender Beruf und diese Leute freuen sich auch über Lob und wenn man Ihnen die Arbeit nicht noch schwerer macht, als sie ohnehin schon ist. Auch das läuft wieder auf die Akzeptanz des eigenen Schicksals hinaus, denn ohne Akzeptanz wird man verbiestert und übel gelaunt.

Liebe Grüße
Anouk

15.04.2019 08:14 • x 2 #186


Machara

Machara

552
1
1169
Zitat von Anouk67:
Wenn ich nur noch existiere und auf Hilfe angewiesen bin, dann darf ich freundlich sein.


Es wäre schön wenn das so wäre. Aber als Pflegekraft kann ich sowas nicht erwarten. In der Pflege ist Biografie Arbeit ein ganz wichtiger Bereich. Wenn ich die Geschichte eines zu betreuenden Menschen kenne so kann ich sein Verhalten viel besser verstehen.
Die Frau die im Krieg vergew. worden ist und sich jetzt nicht von einer männlichen Pflegekraft waschen lassen möchte. Diese Frau kann nicht freundlich sein wenn man ihr einen Pfleger schickt.

Selbstliebe Selbstakzeptanz

Und wenn es mir schlecht geht warum soll ich dann freundlich sein ?
Darf ich mir nicht erlauben ungehalten zu sein ?
Darf nicht auch mal wütend sein ob meines Schicksals ?

15.04.2019 08:36 • x 3 #187


Anouk67

Anouk67

403
1
714
Liebe Machara,

Sicher darf man auch mal ungehalten sein. Das ist menschlich. Ich selber habe meine beiden Großtanten gepflegt, die an Demenz erkrankt waren und sie waren beide bösartig und aggressiv. Das war sehr traurig zu sehen, aber wie Du sagst, wenn man die Geschichte kennt ist es etwas anderes. Meine eine Großtante hat nur drei Leute akzeptiert, Ihre Haushaltshilfe, die sie schon Jahre vor Ihrere Erkrankung kannte, meinen Vater und mich. Die Haushaltshilfe hat eingekauft und die Grundpflege übernommen. Meine Vater hat Sonntags gekocht, was er vorher noch nie gemacht hat und ich war für die Sauberkeit und den Garten zuständig und immer Samstags dort. Ich habe es Ihr nie übel genommen wenn Sie böse war, das war pure Verzweiflung, weil Sie merkte, sie kann nicht wie Sie will. Aber sie hat auch immer gelächelt wenn ich kam. Ach Du bist wieder da, das war meine Entschädigung.
Wir haben das Recht wütend zu sein und auch mal sauer, mir ging es mehr um die Grundhaltung. Wenn ich mein Schicksal annehme und sei es noch so schwer, dann denke ich, kann man es besser ertragen. Eine nicht Akzeptanz ändert nichts an den Umständen, die bleiben gleich, aber in die Wut geht eine Menge Energie, die anders vielleicht helfen würde Die Situation zu erleichtern.

Über die Situation in der Pflege, da bin ich sprachlos. Ich habe vieles gesehen, mir tun die Menschen leid und die Pfleger auch. Als ich in die Situation mit meiner Tante kam, dass niemand mehr akzeptiert wurde (die andere Großtante) habe ich für die Pflege mein Studium mitten in den Diplomprüfungen für 1 Jahr unterbrochen, um für Sie da zu sein. Ich sah keinen anderen Weg und habe es einfach gemacht und bis heute nicht bereut, auch wenn viele damals den Kopf geschüttelt haben. Auch ich musste zum Schluss aufgeben, ich konnte einfach nicht mehr und sie musste ins Heim. Ich habe sie besucht, sie wollte niemanden mehr sehen, auch mich nicht und ich bin sicher sie hat mich erkannt. Ich habe es akzeptiert auch wenn es mir unendlich schwer fiel. Wenige Tage später ist sie gestorben.

Zurück zu den Betroffenen, ich kenne eine junge Dame, die sitzt seit vielen Jahren im Rollstuhl und hat mit diversen weiteren sehr ernsthaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sie ist immer freundlich grüßt jeden, nimmt am Leben Teil, engagiert sich für Behinderte und hat Spaß am Leben. Ich hab sie mal gefragt wie sie das macht, die Antwort war simpel, was soll ich denn sonst machen ? Zu Hause rumhocken und heulen ? Was hätte ich davon?

Das die Biographie in der Pflege einegrosse Rolle spielt kann ich nur unterschreiben. Leider wird da zu wenig gesprochen, getan und aufgeklärt. Ich bewundere jeden, der diesen Beruf ergreift, ich hätte es nicht gekonnt.

Liebe Grüße
Anouk

15.04.2019 08:59 • #188


Frederick1

Frederick1

1097
6
1737
liebe Anouk,

oh ganz vielen lieben Dank für deine ehrlichen und klugen Worte. Seit ich hier über Wertschätzung schreibe gehe ich wieder viel besser mit mir selbst um. Es hilft mir, mir darüber Gedanken zu machen, das diese Gedanken immer tiefer in mein Leben einfließen, ich immer wertvoller mit mir umgehe, und so auch automatisch mit anderen Menschen.

DU in keiner anderen Zeit haben Menschen so viele Veränderungen erfahren wie wir heute. Und diese Veränderungen machen uns auf der einen Seite glücklich, aber manches bedrückt mich auch sehr. Die Herausforderung, unser heutiges Leben zu leben, diese ganzen neuen Medien, Veränderung in der Wirtschaft, an den Arbeitsplätzen in einem brutalen Tempo.

Und da hast DU recht liebe Anouk, Werte sind da nicht mehr so gefragt, und so ein Werteverlust tut sehr weh.

Für mich ist das größte Problem, das Menschen oft nur noch wie Produkte behandelt werden, und das viele Menschen sich da sinnlos vorkommen. Für mich aber hat nach wie vor jedes Leben seinen Sinn.

Und das wir Menschen , auch ich, uns immer wieder ablehnen. Ich möchte Selbstvertrauen leben, das Gute für mich leben, mich nicht immer so ablehnen, sondern annehmen.

In vielen Beziehungen ahnen Menschen, das sie gefährdet ist. Sie mögen sich noch immer, aber anstatt sie sich auf ihre Liebe besinnen hören sie nicht auf, sich immer wieder neu zu streiten und Vorwürfe zu machen. Und immer mehr Menschen trennen sich, anstatt in der Liebe zu sich selbst zu wachsen, sich immer wieder in Liebe anzunehmen.

Wieso bin ich gegen mich selbst, das ist doch dumm! Wenn ich mich ablehne, lehne ich doch auch das Gute für mich ab.
Ich komme nicht zu mir, bin nicht bei mir, erkenne nicht mein wahres SEIN.

Und wenn du so denkst und lebst, denkst du dies auch über andere Menschen, so das du glaubst, alle Menschen sind gegen dich. Ich mache mir Menschen zu Feinden, und die davon nichts wissen.

Ich verhalte mich destruktiv, liebe nicht, sondern lehne nur noch ab. Und ich mache mich selbst einsam. Und ich verleiere den Blick für die guten Werte, die es trotz allem noch gibt.

Ich lebe im Spannungsfeld zwischen einem JA und NEIN für mein eigenes Leben. Aber ich muss mich davon beherrschen lassen, von der negativen Macht, die nein zu meinem Leben sagt.

JA für mich und mein Leben, auch wenn ich nicht fehlerlos bin. Es gibt keine fehlerlosen Menschen, das Perfekte.

Es gibt im Leben auch die Lüge, das Scheitern, das Versagen, die Resignation, meine Ängste, die Ungerechtigkeit usw.

Ich kann mich lieben, aber auch ablehnen, es liegt aber in erster Linie an mir selbst, nicht nur an den Umständen.

Ich darf es lernen, entscheidend im Leben ist nicht worauf ich schaue, auf das was nicht mehr ist, sondern auf das was noch ist, und wie können wir das Beste daraus machen.

Mein Leben wird von dem bestimmt, was mir das Wichtigste für mein Leben ist. Mache ich meine Depression zum Wichtigsten, meine Leiden, meine Einschränkungen usw., dann wird davon mein ganzes Denken, fühlen. mein Tun, mein Handeln bestimmt, und auch meine Beziehungen zu Menschen.

Liegt mir dagegen das Leben mehr am Herzen, wieder leben trotz mancher Enttäuschung, Versagen usw.

dann darf ich das Wertvolle, das Beste in meinem Leben wieder leben. Wir werden das Schwere immer noch sehen, aber es ist nicht mehr das Wichtigste, Leben heute ist viel wichtiger.

Ob unser Leben wieder gelingt, ich mein Leid besser gestalten kann, das hängt davon ab, ob ich wieder leben möchte.

DU, diese Freiheit haben wir, und in dieser Freiheit liegt auch unsere innere Würde.

Oft finde ich nur in der Stille, in der Ruhe, einen Sinn, einen guten Wert für mein eigenes Leben.

Ich darf meinen tiefen inneren Sinn bei mir selbst suchen, nicht bei anderen.

Ich darf mein Leben selbst führen.

Ich habe etwas was ich lieben und annehmen darf, zuerst mich selbst. Ich muss nicht mehr innerlich verhärten.


Und das wünsche ich dir liebe Anouk, gute und wertvolle Gedanken für unser Leben. Das wertvolle Gedanken für uns selbst, uns immer wertvoller machen. Ich glaube das es für jeden Menschen einen Sinn im Leben gibt, solange wir noch leben und atmen.


in guten Gedanken für dich,

ganz viele liebe Grüße,


Frederick

15.04.2019 16:52 • x 1 #189


me02

19
1
6
Hallo Alle zusammen,

ich weiß nicht mehr weiter, egal wo ich arbeite also egal was ich mache es ist NIE GENUG und es wenden sich viele Menschen gegen mich, ich kann langsam nicht mehr . ich weiß auch nicht mehr weiter, mein Ehrgeiz ist nur temporär da dadurch erreiche ich auch keines meiner Ziele, und Thema wie gesagt ich kann nicht alles im Kopf behalten ich vergesse einiges und anscheinend bin ich eine sehr langsame Arbeiterin auch wenn ich mich anstrenge es nicht zu sein.ich kann einfach nicht mehr ich probiere irgendwo es positiv zu sehen aber sobald mehr als eine Sache aufeinander folgen will ich nicht mehr nicht mehr hier auf dieser Welt leben/sein.

vllt wissen Sie was zu tun ist.

15.04.2019 18:42 • x 2 #190


Machara

Machara

552
1
1169
Liebe Anouk

Zitat von Anouk67:
Ich sah keinen anderen Weg und habe es einfach gemacht und bis heute nicht bereut, auch wenn viele damals den Kopf geschüttelt haben. Auch ich musste zum Schluss aufgeben, ich konnte einfach nicht mehr und sie musste ins Heim.


Weißt du das ist kein einfacher Bereich.

Selbstliebe ist im Pflegebereich immer wieder Thema und für mich ein Bereich wo man es evtl "anpacken" kann.

Vor 15 Jahren habe ich gesagt es ist doch Selbstverständlich das sich Kinder um ihre Eltern / Tanten
Ehefrauen sich um ihre Ehemännern oder umgekehrt kümmern usw.

Dieser " Pflegeauftrag " ist mir schon in meiner Jugend mit auf den Weg gegeben worden.
Ich habe einige Familienangehörige in der häuslichen Umgebung gepflegt und bin beinahe daran zu Grunde gegangen.

Zitat von Anouk67:
habe es einfach gemacht und bis heute nicht bereut, auch wenn viele damals den Kopf geschüttelt haben.


Um so schöner ist es das es bei dir geklappt hat.

Es gab eine Zeit da habe ich keinen Kontakt zu meinen Eltern gehabt da ich ihren Erwartungen bezüglich ihrer Pflege nicht gerecht werden konnte.

Ich habe klare Grenzen für mich gezogen und gut für mich gesorgt .

Ich habe viele Menschen kennengelernt die durch die Pflege eines Angehörigen über ihre eignen Grenzen gegangen sind und dadurch krank wurden. Da ist Selbstliebe ganz weit weg gewesen. Da geht es dann um Aufopferung .

Die Unterbringung in einem Heim bedeutet nicht abgeschoben zu werden. Wenn die eigne Kraft nicht reicht ist es der richtige Weg. Regelmäßige Besuche und sich kümmern ist auch ein Teil von Pflege und Anteilnahme.

Mein Vater lebt in einem Heim und durfte lernen das seine Kinder ihn nicht pflegen wollen.
Die Diskussionen mit ihm waren nicht schön. Er ist nicht allein und wir kümmern uns aber es geht nur in einem Heim
"Unser Erbe" dient dazu das Heim zu zahlen und ich finde es gut.

Auch bei meiner Schwiegermutter habe ich dafür gesorgt das sie die letzten Monate in einem Heim gelebt habt.
Meine Tochter rief damals weinend an und sagte Mama ich kann nicht mehr. Das war eine ganz schlimme Zeit.
Mit viel Streit und Ärger. Aber ich wollte nicht zulassen das meine Tochter krank wurde.

In Pflegebereich nicht über seine Grenzen zu gehen und bei sich zu bleiben ganz wichtig.

Selbstabgrenzung oder Umgang mit Distanz und Nähe.

Ich erlaube mir zu sagen ich kann die Pflege nicht übernehmen.

Ich erlaube mir zu sagen ich komme an Ostern nicht zu dir.

LG

15.04.2019 20:05 • x 2 #191


Alexandra2

Alexandra2

1762
9
2759
Liebe Machara,
Ich bewundere Deine Stärke und sehe es ganz genauso.
Diese romantische Verklärtheit, Angehörige müssen Pflege übernehmen. Diese stillschweigende Erwartung ist absolut rücksichtslos und überfordert alle. In Großfamilien mag es gehen.
Und die Moralkeule lenkt von eigenen Ängsten der Hinfälligkeit und Abhängigkeit ab. Ich finde Besuche im Heim wunderbar, der Kontakt bleibt bestehen und die Versorgungslücke Beschäftigung wird geschlossen.
Als meine aggressive, giftige Mutter ins Heim kam, hat mein Vater sie täglich besucht, mein Sohn und ich am Wochenende- mit Tee und Kuchen im Gepäck. Das schlechte Gewissen musste eine Weile bearbeitet werden.
Aber das Schönste war, daß Mutter dort Freundinnen hatte. Etwas, das sie nie erlebt hatte.
Und mein freundlicher Vater erfuhr dort, gemocht und freudig erwartet zu werden.
Ich bin dankbar, daß die Beiden das erleben durften.
Liebe Grüße
Alexandra

16.04.2019 06:41 • x 4 #192


Juju

Juju

807
7
776
Zitat von Machara:
Liebe Anouk



Weißt du das ist kein einfacher Bereich.

Selbstliebe ist im Pflegebereich immer wieder Thema und für mich ein Bereich wo man es evtl "anpacken" kann.

Vor 15 Jahren habe ich gesagt es ist doch Selbstverständlich das sich Kinder um ihre Eltern / Tanten
Ehefrauen sich um ihre Ehemännern oder umgekehrt kümmern usw.

Dieser " Pflegeauftrag " ist mir schon in meiner Jugend mit auf den Weg gegeben worden.
Ich habe einige Familienangehörige in der häuslichen Umgebung gepflegt und bin beinahe daran zu Grunde gegangen.



Um so schöner ist es das es bei dir geklappt hat.

Es gab eine Zeit da habe ich keinen Kontakt zu meinen Eltern gehabt da ich ihren Erwartungen bezüglich ihrer Pflege nicht gerecht werden konnte.

Ich habe klare Grenzen für mich gezogen und gut für mich gesorgt .

Ich habe viele Menschen kennengelernt die durch die Pflege eines Angehörigen über ihre eignen Grenzen gegangen sind und dadurch krank wurden. Da ist Selbstliebe ganz weit weg gewesen. Da geht es dann um Aufopferung .

Die Unterbringung in einem Heim bedeutet nicht abgeschoben zu werden. Wenn die eigne Kraft nicht reicht ist es der richtige Weg. Regelmäßige Besuche und sich kümmern ist auch ein Teil von Pflege und Anteilnahme.

Mein Vater lebt in einem Heim und durfte lernen das seine Kinder ihn nicht pflegen wollen.
Die Diskussionen mit ihm waren nicht schön. Er ist nicht allein und wir kümmern uns aber es geht nur in einem Heim
"Unser Erbe" dient dazu das Heim zu zahlen und ich finde es gut.

Auch bei meiner Schwiegermutter habe ich dafür gesorgt das sie die letzten Monate in einem Heim gelebt habt.
Meine Tochter rief damals weinend an und sagte Mama ich kann nicht mehr. Das war eine ganz schlimme Zeit.
Mit viel Streit und Ärger. Aber ich wollte nicht zulassen das meine Tochter krank wurde.

In Pflegebereich nicht über seine Grenzen zu gehen und bei sich zu bleiben ganz wichtig.

Selbstabgrenzung oder Umgang mit Distanz und Nähe.

Ich erlaube mir zu sagen ich kann die Pflege nicht übernehmen.

Ich erlaube mir zu sagen ich komme an Ostern nicht zu dir.

LG


Mich hat die Pflege meiner Eltern über Jahre wirklich krank gemacht und heute, gerade jetzt bekomme ich die Quittung.
Ich habe es nicht geschaftt "nein" zu sagen. Wenigstens brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich habe mich aufgeopfert. Aber ich habe hoffentlich noch genug Zeit mich davon zu genesen und wieder Spaß und Freude am Leben zu empfinden.

16.04.2019 07:35 • x 3 #193


Anouk67

Anouk67

403
1
714
Liebe Machara,

Ich kann voll und ganz nachvollziehen was Du schreibst. Jegliche Art der Verklärung liegt mir fern. Ich habe meine Großtanten in Ihrem jeweiligen zu Hause gepflegt, weil ich das wollte, und die Möglichkeit hatte. Die beiden haben das nicht erwartet. Für den Rest der Familie war es einfach bequem. Für mich war es rückblickend eine große Berreicherung, ich habe viel gelernt.

Meine Mutter ist seit 3 Jahren ein Pflegefall und mein Vater kümmert sich ums sie. Wenn das nicht mehr geht, bleibt nur das Heim. Das wissen beide, das haben wir vor Jahren schon geklärt. Ich werde meine Mutter und meinen Vater nicht pflegen, das kann und will ich nicht. Wenn das Erbe draufgeht, dann ist das so. Es ist Ihr Geld und soll Ihnen eine bestmögliche Versorgung sichern.
Also auch ich erlaube mir zu sagen, ich kann die Pflege nicht übernehmen.

Die Tante meines Mannes und seit Januar auch meine Schwiegermutter sind in einem Pflegeheim. Meine Schwägerin hat am Anfang noch versucht, die Versorgung zu Hause zu ermöglichen, aber es ging einfach nicht mehr. Die Erwartungshaltung der Mutter war so hoch, das könnte sie nicht erfüllen.
Wir haben als Familie gemeinsam entschieden, das das Pflegeheim die einzige Option ist, zum Glück ohne jeden Streit.

Ich sehe das Thema Selbstliebe in Zusammenhang auch als sehr schwierig an. Die Gefahr der Aufopferung ist groß auch sind vielfach die Erwartungen an die Pflegenden sehr hoch. Da eine ausgewogene Balance zu finden ist schwierig.

Trotz all dieser Aspekte bleibe ich dabei das eine positive Grundhaltung mit einem gesunden Maß an Akzeptanz und Toleranz aus meiner Sicht für mich die beste ist. Da möchte ich hin. Diese Diskusion hier hat mir noch etwas anderes verdeutlicht, mit dem ich lange zu kämpfen hatte. ich bin inzwischen auch überzeugt, dass ich das Recht auf Selbstliebe habe. Ich darf mich selber lieben, um andere lieben zu können und um mit mir selbst liebevoll umzugehen. Mich hat das Wort lange abgestoßen und war eher im Sinne von Narzissmus besetzt, aber ich habe dank der Diskusionen hier ein neues Verständnis bekommen und dafür bin ich sehr sehr dankbar.

Viele Grüße
Anouk

16.04.2019 07:51 • x 2 #194


Machara

Machara

552
1
1169
Hallo MeO2

ich habe deine Beiträge gelesen. Es tut mir sehr leid das es dir nicht gut geht. Für mich ist es schwierig dir etwas zu schreiben was dir spontan helfen kann. Wobei eine Idee hätte ich mache hier im Forum ein Tagebuch auf . Das ist dann dein Platz wo wir uns austauschen können. Ein Platz den du dir einrichten kannst.

Liebe Grüße
Machara

16.04.2019 09:28 • x 1 #195




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag