Zum Glück habe ich die gro0e Show der Wertschätzung bei uns an der Schule nicht mehr mitmachen müssen.
Im vergangenen September hat die Chefin das Jahresthema durchgesetzt. Die verschiedenen Meinungen in der Diskussion wurden einfach niedergebügelt. Das allein zeugt nicht gerade von Wertschätzung.
Wie sollen Kinder an Wertschätzung herangeführt werden, wie sollen sie ein Gefühl dafür entwickeln, wenn einige Kolleginnen genau das Gegenteil davon an den Tag legen? Ich fand es fürchterlich, dass sogar die Schulleiterin und deren Stellvertreterin sich ziemlich wenig wertschätzend sowohl den Schülern als auch einigen Kollegen gegenüber verhalten haben und dies auch noch tun, wie ich selber immer wieder gehört habe. Dabei aber eine derart fiese Maske zu tragen, dass einem, wenn man mal hinter diese geschaut hatte, schlecht wurde, ist schon eine niederträchtige "Kunst".
Da wurden Kinder um eine Förderstunde gebracht,
mobile Reserven bekamen alles Ungeliebte zugeschustert und selber tranken die eigentlichen Klassenleiterinnen schwatzend einen Kaffee im Lehrerzimmer;
Da wurde ein Kochclub gegründet mit gemeinschaftlichem Mittagessen, doch wer nicht mitmachen wollte oder konnte, wurde aus dem Lehrerzimmer gebeten. "Keine Schule jetzt, wir ESSEN."
Da wurden sich gegenseitig Schulstunden freigegeben, "also gell, ich müsste mal in die Stadt, übernimmst du bitte die 2b, ich gleich es dir dann aus." Von der Chefin gebilligt.
Da wurde manchem im Kollegium Interesse geheuchelt, und wenn die betreffende Person aus dem Zimmer ging, wurde gelästert von der üblen Art.
Nie mehr - früher mit einem anderen Schulleiter immer gemeinschaftlich - wurde gemeinsam über Aktionen entschieden. Das machten diejenigen unter sich aus, die glaubten, das Steuer des Schulschiffes an sich reißen zu müssen. Sie stülpten uns dann die Entscheidung einfach über. War man dagegen, wurde man im mindesten Falle als Langweiler und darüber hinaus als Störenfried, Spielverderber oder wie bei mir "die Alte kann halt nimmer" bezeichnet.
Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, schulisch gut für mich zu sorgen. Hatte mein eigenes Material, musste um nichts bitten, kam mit den Eltern klar. Ich machte meinen Dienst, hatte viel Freude mit und an den Kindern und hielt mich ansonsten recht bedeckt.
Das Thema Wertschätzung zeigte besondere Auswüchse, als etwas Seltsames festgelegt wurde: Angeblich war ja das Image der Schule nach außen nicht das beste (ich habe aber nie davon gehört und kenne etliche nette und wohlmeinende Menschen am Schulort) sei, müsste man sich um eine gute Außenwirkung bemühen und daher das Umfeld der Schule wertschätzen. Wie es uns Kollegen damit erging, danach fragte die Schulleitung nicht. Gewisse Personen pickten sich die süßesten Rosinen aus dem Aufgabenkatalog heraus und der Rest bekam Dinge zu erledigen, über die man eigentlich hätte lachen müssen, wäre uns nicht speiübel geworden. Freilich war alles mit der Klasse zu erledigen. Es kostete wertvolle Unterrichtszeit, den ganzen Wust vorzubereiten.
Ich selber hätte das AWO-Personal durch "Wellness" = Lehrerinnen massieren, Entspannungslieder singen

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Märchen vorlesen entlasten sollen. Dafür, dass diese Lehrerinnen dann keine Hausaufgaben betreuen konnten, wurden einfach Mütter angeheuert, die sich dafür dann extra Urlaub nehmen sollten. Na, ist das wertschätzend den Eltern gegenüber?
Meinen Part konnte ich nicht mehr übernehmen, weil ich da schon im Krankenstand war. Zum Glück. Es wurde eigens für meinen Projektanteil eine mobile Reserve beordert, die Show durchzuführen, und bitte mit Plakatgestaltung und Eintrag ins Gemeindeblättle, als "Beweis". Die Schulleitung und diejenigen, die sich ebenfalls dafür hielten, misstrauten anderen Kollegen gründlich).
Im Falle dieses Schulprojekts wurde Wertschätzung sicherlich überbewertet.
Im normalen Alltag genügte es, wenn Erwachsene wie Kinder mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gingen, ein Gespür für das Befinden eines anderen erlernten und einige Grundregeln des täglichen Miteinander beherzigten. Kinder können es von Natur aus. Das habe ich so oft in all den Jahren erlebt.
Mein Beitrag ist sehr lang geworden. Aber das Thema Wertschätzung im Dienst liegt mir schon lange ziemlich erdrückend auf der Brust.