Puh, Würde. Ein großes Wort. Eines, das in unserer Politik und Gesellschaft nur allzu gerne klein geschrieben wird. Ich würde das gerne machen, wir würden diese Hilfe generieren, wenn...
Das Grundgesetz ist ein Recht, das die Menschen unseres Volkes gegenüber dem Staat haben. Das wird gerne vergessen, dass es offiziell ja gar nicht unterhalb uns Menschen gilt. Nicht das Grundgesetz. Und im BGB steht nix von der Würde.
Als kinderloser Mensch kann ich über behinderte Kinder nicht mitreden, aber über behinderte Menschen im Alltag. Nun ist meine Beste schwerbehindert und dennoch büßt sie dadurch keinen Funken Würde ein. Ich wüsste sowieso nicht was eine Behinderung mit der Würde des Menschen zu tun haben soll. Das eine hat doch mit dem anderen nix zu tun.
Und noch unlogischer finde ich die Aussage, dass es immer weniger geistig behinderte Menschen geben wird, aufgrund der Abtreibungspolitik. Bitte? Wir leben in Zeiten mit hervorragenden medizinischen Möglichkeiten, behinderte Menschen können heute so viel länger leben als früher; Kinder, die in früheren Zeiten aufgrund von Behinderungen oder Erkrankungen kurz nach der Geburt gestorben sind, können heute oft ein hohes Alter erreichen... Klar gibt es Frauen, die abtreiben und das sollen sie auch dürfen. Wir haben die medizinischen Möglichkeiten Leben, das von der Natur aussortiert wurde, zu erhalten, und genauso haben wir die Möglichkeiten etwas abzubrechen, das so nicht gewollt wurde. Das vielleicht niemals Liebe erführe, das sogar aus einer Vergewaltigung entstanden ist. Es gibt so viele Gründe warum eine Frau eine Schwangerschaft abbricht und sie ist sicherlich niemals leichtfertig! Das ist ein schwerer Eingriff in den Körper und viel mehr noch in die Seele. Sowas macht man nicht mal eben statt einen Kaffee trinken zu gehen. Es macht mich wütend, wenn darüber so abfällig geredet wird.
Mache ich mir über meine Würde Gedanken? Ja, es gab immer wieder Momente, da wurde ich mir meiner Würdelosigkeit bewusst. Z.B. wenn ich sturzbetrunken nur noch mehr trinken wollte und kein Ende mehr fand. Da war mir schon in diesem Moment klar wie würdelos ich mich verhielt und entsprechend geschämt habe ich mich am nächsten Tag. Geändert an meinem Verhalten hat es nichts.
Seit meiner Aufarbeitung mache ich mir natürlich Gedanken darüber wie viel Würde ich in einem bestimmten sehr nahen Personenkreis besessen habe. Nämlich gar keine. Wer derart über Grenzen hinwegsteigt, wer einen Menschen so behandelt wie ich behandelt wurde, der achtet keine Würde, der nimmt die Würde dieser Person gar nicht wahr. Und auch hier führt es dazu, dass ich mich wieder in der Scham sehe, dass ich so meiner Würde beraubt wurde. Es fühlt sich n.ackt an, wenn man seine eigene Würde nicht wahren darf.
Meine Würde zu bewahren und zu achten fühlt sich für mich wiederum eher nach Stolz an. Stolz und Trotz. Vielleicht, weil ich so würdelos groß wurde, dass ich es nicht wirklich in mir fühlen kann. Für mich hat dieses ganze Thema viel mit Scham zu tun, den für einen eventuellen Stolz in mir schäme ich mich auch.