112

Regelmäßig duschen bei psychischen Erkrankungen für Minimalisten

maya60
Hallo Zusammen,
irgendwie beschämt gestehen viele von uns von Zeit zu Zeit hier im Forum sich und uns anderen, dass wir ernsthafte Probleme mit dem regelmäßigen Duschen haben.

Dass es sowas hier in unserer Putzfanatiker-Nation Deutschland überhaupt gibt, mussten wir entsetzt realisieren und da merkten wir: Oh je, wir sind wirklich krank.

Ja genau! Sind wir auch! Das ist ein typisches Symptom von akuter Depression oder chronischer Depression, die mehr ist als leicht.

Kleiner Selbst-Test? Versuche, dich zum Duschen mit einer dicken Belohnung zu motivieren oder sag dir, dass du erst die schöneren Dinge des Tages machen darfst, wenn du vorher geduscht hast.
Wenn du gesund bist, klappt das. Wenn du so depressiv bist, dass du das Dusch-Problem hast, nicht oder nur mit einem so großen Kraftaufwand, dass du danach fix und fertig bist.
Darum habe ich auch dieses Motto. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen." bei Depressionen als völlig kontraproduktiv erkannt. Das kann mitunter zu tagelangem Nichtstun führen, weil die "Arbeit" eben nicht funktioniert - und kommt damit in den Bereich der schwarzen Pädagogik, erinnert an Kinder, die stundenlang vor ihrem Teller festgezwungen wurden, bis er leer war.

Aber auch im Rahmen des unregelmäßigen Duschens gibt es noch weitere Putzfanatiker-demütigende Abstufungen des "Niedergangs", oh, so unendlich viele, das hätte ich ja nie geahnt, wie tief ich da noch "sinken" kann.
Nein, für was alles ich zu schwach werden kann. So ist die Depressions-bezogene Realität. Die Sauberfrau-Bewertungen haben darin überhaupt nichts zu suchen, es sei denn, ich werde wieder gesund und es sei denn, ich stimme diesen Bewertungen dann überhaupt jemals wieder zu, wenn ich durch meine Krankheit ganz andere Werte kennengelernt habe.

Es ist so wichtig, finde ich, dass die Schwäche, die das regelmäßige Duschen zeitweise oder länger verhindert, als ein Krankheitssymptom gilt, sonst bauscht sich dieses Dusch-Thema zu einem eigenen riesigen Problem auf mit Angst und Abneigung.

Es ist aber eins von mehreren Schwäche- und Antriebsproblemen, also eine Folge von Krankheit.

Daher finde ich es so wichtig, das Duschen so zu gestalten, dass ich es, wenn auch unregelmäßig, dann aber auch schaffe und wenn mehr Kraft und Antrieb da ist, auch wieder regelmäßiger, ohne dass ich dann erst noch vor einer Dusch-Phobie stehe, weil ich das Symptom so ideologisch und emotional aufgeladen habe.

Damit das Duschproblem auch nur ein Depressionsproblem bleibt, ist es wichtig, dass das Duschen schaffbar und ein Erfolgserlebnis ist.


Mein heute schaffbarer Minimalstandard war daher:


Nur die wichtigsten Körperstellen waschen und abtrocknen, dann in den Bademantel geschlüpft und erstmal wieder hingelegt.


Kann sein, dass ich nächstes Mal mir nur die Haare wasche. Vielleicht nehme ich, wenn ich dann schnell fertig bin und mich danach fühle noch schnell den Lappen und wische mal wieder Wasserflecken von den glänzenden Duschapparaturen.

Eincremen tue ich die trockenen Hautstellen dann und wann außerhalb der Duschzeremonie.

Dasselbe gilt für andere Körperpflege-Dinge, die früher vielleicht mal zusammen mit dem Duscheputzen in einem Rutsch gelangen.


Aber heute bin ich eine minimalistische Duscherin und emotional ist es eben der fehlende Antrieb, die fehlende Stärke, die dazu wichtig sind, aber auch nur diese als Krankheitssymptome.

Finde ich wichtig!

31.10.2019 14:27 • x 5 #1


Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Das tägliche Duschen regt meinen Kreislauf an und ich fühle mich danach nicht nur köprerlich rein sondern auch von jeglichem inneren Ballast mehr befreit.

Deswege möchte ich alleine aus diesem Grund nur ungern auf meine tägliche Duschgewohnheit verzichten, eben weil der Duschvorgang mein Gemüt positiv beeinflusst!

Das Duschen am Abend ist zu einem täglichen Ritual geworden, wobei ich mir bildlich vorstelle, wie alles Negative von mir abgespült wird.

31.10.2019 15:02 • x 3 #2


maya60
Liebe laluna, ist doch wunderbar! Dann ist für dich das Duschen ein Erfolgserlebnis und vielleicht kann dein inneres Bild dazu, wie alles Negative abgespült wird, auch anderen helfen.

Falls es das aber nicht tut, dann rege ich dazu an, Minimalstandards zu setzen statt sich ein eigenes Duschproblem aufzubauen oder aufzugeben. Im Sinne von: Alles, was aus hygienischen Gesundheitsaspekten sein muss. Vergleichbar der Situation, wenn ich zu schwach bin, regelmäßig aufzuräumen, bringe ich aber in jedem Fall die Sorte Müll raus, die aus hygienischen Gründen raus muss, auch wenn Altpapier und Leergut sich länger stapeln dürfen, bis ich wieder mehr Kraft habe.

Liebe Grüße! maya

31.10.2019 15:18 • x 1 #3


Das ist sicher richtig nur habe ich selbst schon festgestellt, dass auch stapelndes Papier, Müll ansich mehr belastend auf mich einwirkt.

Habe mich auch schon mal mit Feng shui beschäftigt, vielleicht sehe ich es auch deswegen etwas anders.

Alles, was ich vor mir herschiebe blockiert mich auf Dauer. Deswegen brauche ich einen Plan, um notwendige Routine nicht aus den Augen zu verlieren.

31.10.2019 15:32 • x 3 #4


maya60
Liebe laluna, es gibt aber für viele wie für mich Phasen schwerer und schwerster Depressionen, in denen wir selbst dazu zu schwach sind, uns der Belastungen durch sich ansammelnden Papiermüll noch zu entledigen. (Und wir haben dann hoffentlich fleißige Mitbewohner und Helfer im Umfeld, die es uns abnehmen.)
Wir können dann z.B. morgens nur dazwischen wählen, ob wir uns mühevoll dazu aufraffen, etwas zu frühstücken und unsere Medikamente regelmäßig zu nehmen und uns dann wieder völlig erschöpft für Stunden ins Bett zu legen oder alle Müllsorten rechtzeitig wegzubringen.

Wir sind dann zu schwach und krank, um uns noch mit Feng Shui zu beschäftigen.
Wir kriegen es nicht mehr hin, Dinge abzuarbeiten, ob mit oder ohne Plan. Wir haben nicht mehr die Kraft für alle oder nicht mal mehr die meisten notwendigen Routinen. Ist wieder mehr Kraft da, klappt da wieder mehr, denn es ist keine Frage der Einsicht oder Organisation, sondern der depressiven Schwäche und Antriebslosigkeit bei schwerer Depression.

Aber jeder Einzelne hat seine Bereiche, die ihm liegen und gut tun. Andere gehen aber gar nicht mehr. Was für die einen wie dich Pläne und Routinen sind, sind für andere wie mich z.B. Lesen und Schreiben und Spiritualität, die immer gehen.

Deswegen geht es anderen doch wieder ganz anders und Haushalt und Körperpflege sind klassische Bereiche der depressiven Antriebsstörungen, sonst würde ich das ja gar nicht hier schreiben. Diese Bereiche wurden erst und nur während der Depression problematisch.

An diese AdressatInnen richten sich meine Minimalideen.

Liebe Grüße! maya

31.10.2019 15:50 • x 1 #5


Blume71
Zitat von laluna74:
Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Das tägliche Duschen regt meinen Kreislauf an und ich fühle mich danach nicht nur köprerlich rein sondern auch von jeglichem inneren Ballast mehr befreit.

Deswege möchte ich alleine aus diesem Grund nur ungern auf meine tägliche Duschgewohnheit verzichten, eben weil der Duschvorgang mein Gemüt positiv beeinflusst!

Das Duschen am Abend ist zu einem täglichen Ritual geworden, wobei ich mir bildlich vorstelle, wie alles Negative von mir abgespült wird.


Hallo - das ist bei mir genauso!
Außerdem liebe ich es, wenn das heiße Wasser meinen Nacken runterläuft. Danach ist jede Nackenverspannung besser - vor allem abends.

Liebe Grüße

31.10.2019 15:51 • x 3 #6


maya60
Ich bin mir nicht sicher, wie hilfreich es in einem Thema ist, in dem es um Tipps für konkrete depressive Probleme geht, über die zu schreiben und zuzugeben eh schon nicht einfach ist, weil sie mitunter die Grenzen der Pflegebedürftigkeit berühren, wenn die, die andere depressive Probleme haben, (da nicht alle alle depressiven Symptome haben, logisch) dann schreiben: Nee, das Problem hab ich nicht! Ich fühle mich super in dem Bereich. Kopfkratz!

Ja, das ist ja wunderbar, aber meine Tipps richten sich ja an andere.

Mein Thema ist nicht: Könnt ihr euch nicht zum Duschen aufraffen oder genießt ihr das Duschen?


Liebe Grüße! maya

31.10.2019 16:08 • x 2 #7


Zitat von maya60:
Liebe laluna, es gibt aber für viele wie für mich Phasen schwerer und schwerster Depressionen, in denen wir selbst dazu zu schwach sind, uns der Belastungen durch sich ansammelnden Papiermüll noch zu entledigen. (Und wir haben dann hoffentlich fleißige Mitbewohner und Helfer im Umfeld, die es uns abnehmen.)


auch da muss ich von mir ausgehen. Wenn ich mich gehen lasse - und ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man gar nicht mehr hochkommt. Das erlebe ich ansatzweise immer dann, wenn ich zu lange im Bett liegen bleibe. Dann komme ich oft kaum noch in die Gänge. Auch Fernsehnachmittage wirkten sich früher negativ auf meinen Antrieb aus. Deswegen vermeide ich solche Dinge mittlerweile grundsätzlich.

Ich denke nicht, dass es immer gut ist, von Mitbewohnern viel abgenommen zu bekommen. Ich brauche Erfolgserlebnisse und wenn ich solche Dinge nicht umsetzen kann, dann wirkt das auch widerum negativ aufs Gemüt.

Es geht ja nicht darum, dass ich alles 100% umsetzen muss, aber zumindest habe ich täglich den Anspruch an mich selbst, mich morgens soweit zurecht zu machen, dass ich jederzeit dem Nachbar die Türe öffnen kann, sollte er oder auch jemand anders bei mir klingeln, außerdem ist ein täglicher Spaziergang effektiver als es sich im Hausanzug auf der Couch gemütlich zu machen. Das kann ich abends tun, wenn es richtig dunkel ist, aber nicht tagsüber.

Ich war noch nie in Kur bzw. in Reha aufgrund meiner Störung, aber ich habe noch nie gehört, dass man da untätig die Zeit verbringt. Auch da gibt es geregelte Abläufe (auch Küchendienste) , eben weil es zur Genesung beiträgt.

31.10.2019 16:22 • x 1 #8


Zitat von maya60:
Liebe laluna, es gibt aber für viele wie für mich Phasen schwerer und schwerster Depressionen, in denen wir selbst dazu zu schwach sind, uns der Belastungen durch sich ansammelnden Papiermüll noch zu entledigen. (Und wir haben dann hoffentlich fleißige Mitbewohner und Helfer im Umfeld, die es uns abnehmen.)


auch da muss ich von mir ausgehen. Wenn ich mich gehen lasse - und ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man gar nicht mehr hochkommt. Das erlebe ich ansatzweise immer dann, wenn ich zu lange im Bett liegen bleibe. Dann komme ich oft kaum noch in die Gänge. Auch Fernsehnachmittage wirkten sich früher negativ auf meinen Antrieb aus. Deswegen vermeide ich solche Dinge mittlerweile grundsätzlich.

Ich denke nicht, dass es immer gut ist, von Mitbewohnern viel abgenommen zu bekommen. Ich brauche Erfolgserlebnisse und wenn ich solche Dinge nicht umsetzen kann, dann wirkt das auch widerum negativ aufs Gemüt.

Es geht ja nicht darum, dass ich alles 100% umsetzen muss, aber zumindest habe ich täglich den Anspruch an mich selbst, mich morgens soweit zurecht zu machen, dass ich jederzeit dem Nachbar die Türe öffnen kann, sollte er oder auch jemand anders bei mir klingeln, außerdem ist ein täglicher Spaziergang effektiver als es sich im Hausanzug auf der Couch gemütlich zu machen. Das kann ich abends tun, wenn es richtig dunkel ist, aber nicht tagsüber.

Ich war noch nie in Kur bzw. in Reha aufgrund meiner Störung, aber ich habe noch nie gehört, dass man da untätig die Zeit verbringt. Auch da gibt es geregelte Abläufe (auch Küchendienste) , eben weil es zur Genesung beiträgt.

31.10.2019 16:23 • x 2 #9


Entschuldigung, ich möchte hier niemandem zu nahe treten, aber das ist ein Thema, was mich fast in Rage versetzt.

Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass je mehr Hilfe ich annehme, um so mehr ich mich auf andere verlasse, desto größer die Abhängigkeit, was eben auch wieder die Hilflosigkeit verstärkt.

Ich kann nur jedem raten täglich das Bestmögliche selbst zu tun.

31.10.2019 16:40 • x 2 #10


maya60
Liebe laluna, ich entschuldige mich auch, falls ich dir zu nahe getreten bin und weiß ganz genau, dass weder du noch ich das wollen.
Wenn mein Thema, das als Hilfestellung gemeint ist, von dir ganz anders aufgefasst wird als ich es meine, weil wir unterschiedliche Erfahrungen und Einstellungen dazu haben, dann würde ich sagen, dann stellen wir fest, dass das so ist.

In anderen Themen ist das ganz anders.

Und wenn ich gleich weitere Minimalisten-Beispiele schreibe, weil ich weiß, dass es unter Depressiven viele wie mich gibt, dann ist das nur, wie es von Anfang an von mir gemeint war, eine Hilfestellung für diejenigen, die ähnliche Probleme haben wie ich und wo genau das vielleicht hilft oder zu vermeiden hilft, das Depressions-Symptom zu einem immer größeren eigenen Problem zu machen.

Die meisten von uns hier im Forum haben Depressionen unterschiedlicher Schwere, unterschiedlich lange, kombiniert mit unterschiedlichen weiteren Krankheiten, Lebenssituationen, Altersgruppen, Medikamenten, Psychotherapien, Lebenserfahrungen und -Einstellungen und was nicht alles. Da ist es klar, dass wir hier eine Vielfalt von Unterschieden haben.

Unser Forum ist aber so harmonisch und wohltuend, dass ich das schon ganz vergessen hatte, du auch?

Also schreibe ich, was ich aus ehrlicher Erfahrung als Erleichterungs-Tipps weitergeben möchte und du auch. Wie wär´s?

Und ansonsten lese ich weiter so gerne deine Beiträge wie bisher auch.

Liebe Grüße! maya

31.10.2019 17:27 • x 1 #11


Blume71
Zitat von maya60:
Ich bin mir nicht sicher, wie hilfreich es in einem Thema ist, in dem es um Tipps für konkrete depressive Probleme geht, über die zu schreiben und zuzugeben eh schon nicht einfach ist, weil sie mitunter die Grenzen der Pflegebedürftigkeit berühren, wenn die, die andere depressive Probleme haben, (da nicht alle alle depressiven Symptome haben, logisch) dann schreiben: Nee, das Problem hab ich nicht! Ich fühle mich super in dem Bereich. Kopfkratz!

Ja, das ist ja wunderbar, aber meine Tipps richten sich ja an andere.

Mein Thema ist nicht: Könnt ihr euch nicht zum Duschen aufraffen oder genießt ihr das Duschen?


Liebe Grüße! maya


Entschuldige @maya60 - da hatte ich wohl etwas missverstanden!

31.10.2019 17:30 • x 1 #12


maya60
Liebe Blume, entschuldige, vielleicht habe ich auch etwas missverstanden. Und dann tut es mir leid, wenn euch meine Antworten weh getan haben. Wie ich schon gerade laluna geschrieben habe.

Liebe Grüße! maya

31.10.2019 17:34 • #13


Liebe maya,

das hast du nun wirklich sehr diplomatisch dargestellt und es hat mich erreicht .

Das will auch gelernt sein

Gruß laluna

31.10.2019 17:37 • x 2 #14


maya60
Liebe laluna, wenn ich auf meine alten Tage noch diplomatisch würde, das wäre ja was. Ich bin so froh, wenn meine Gedanken dich aber erreicht haben, denn nachdem ich erstmal meinen Verwirrungs- und-Ärger-Tunnelblick auf unseren Austausch habe runterkühlen und sich weiten lassen, blieben zwei Regungen in mir übrig: Erstaunen, dass wir hier auf einmal so unterschiedlich reagierten mit unseren Selbsthilfetipps und das absolute Wissen, dass wir hier in diesem Forum nicht gegeneinander sind, dass ich zu dir Vertrauen habe, zu Blume natürlich auch, und nicht mit dem Kopf durch die Wand will (nachdem ich mich beruhigt hatte ). Und dass ich vielleicht mit meinem Thema meine blinden Flecken oder im Austausch mit dir mein Brett vor dem Kopf habe.

Liebe Grüße! maya

31.10.2019 17:54 • #15





Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag