113

Regelmäßig duschen bei psychischen Erkrankungen für Minimalisten

maya60
Liebe Resi, danke für deinen "revolutionären" Aspekt! Stimmt ja überhaupt! Das hatte ich noch gar nicht in Verbindung miteinander gebracht! Wie viele Frauen, ich auch, lieben es gerade wie ihr Mann duftet ohne mit künstlichen Gerüchen eingedieselt zu sein! Daher ja auch der Spruch "Den kann ich gut riechen." Dass die besondere Note des Eigengeruchs und der Pheromone eine ganz entscheidende Rolle mit beim Verlieben spielen, ist ja längst bekannt und wie mein Mann duftete, das betörte mich von Anfang an.

Und mit meinem Minimalisten-Duschen gab es ja wie gesagt nie das Problem des unhygienischen Stinkens, gerade weil ich versuchte, wie es mit "weniger ist mehr" ist.
Aber ohne all die künstlichen Düfte, die ich früher nahm, weil alle sie nahmen, lernte ich meinen Eigengeruch auch kennen. Bisher dachte ich aber: Was sich wohl bei mir verändert hat im Stoffwechsel, dass ich heute viel besser rieche als früher?

Danke für deinen wertvollen Hinweis!

Und was das Streiten betrifft und das Uneinssein, bin ich ja selber als durchaus streitbar bekannt und in der Familie habe ich gegenüber den Großfamilien in allem meine Minimalstandards unserer Lebensform daheim durchgesetzt, aber da kannte ich jeden Einzelnen und wusste, wie was gemeint ist.

Hier im Forum weiß ich das nicht, aber ich weiß, dass wir alle hier unsere tief verletzbaren Themen haben und uns gegenseitig brauchen und guttun. Ich habe mich auch schon aus Teildiskussionen zurückgezogen, weil ich merkte, dass es um eine andere Störung ging als meine und dass darum eine andere Behandlungsweise nötig war als ich sie kenne. Erst hatte ich da aber auch nur gedacht: Was ist denn hier los? Wieso denn so? Bis ich merkte: maya, innerhalb dieser anderen Diagnose wird mit Angst anders umgegangen als du es brauchst und kennst. Und trotzdem teilen wir ganz viele andere Erfahrungen miteinander und lesen uns gegenseitig gerne, tauschen uns aus und unterstützen uns.

Und mein Thema hier ist ein hochsensibles Thema. Viele haben tiefe Wunden, weil sie von anderen und sich selbst viel zu lange falsch beurteilt und damit verurteilt wurden und dann noch in einer der "Haupttugenden" der Deutschen, der Reinlichkeit und Ordnung. Faul, schlampig, unverantwortlich, das müssen wir nicht nochmal hören.
Damit überhaupt herauszukommen und dass jemand, dem es genauso geht, auch herauskommt und mir hier antwortet, das ist schon ganz schön ungeschütztes Rauskommen.
Da möchte ich nicht streiten und damit das Thema verlieren und stattdessen wieder solche Diskussionen vorführen wie wir Betroffenen sie eben schon viel zuoft erlitten haben. Das war mir nicht der Sinn dieses Themas.

Liebe Grüße! maya

01.11.2019 13:03 • x 1 #31


Jedi
Hallo maya60 !

Ich habe aufmerksam hier "maya" deine Beträge gelesen u. konnte einen Zusammhang herstellen,
zwischen der Achtsamkeit u. deinem Thread, "Minimalisten-Duschen als Erfolgserlebnis" !

In Achtsamkeits-Kursen kann man sehr gut erleben, wie schwer es Menschen fällt, ob mit Depression/Angststörung oder
sogenannten Normalos, durch bewusster werden minimalistische Tätigkeiten auszuführen.
Beispiel: "Jeder von uns steht nach dem Aufwachen, einfach so aus dem Bett auf.
Eine Wahrnehmung unserer Umgebung fehlt doch meist ?
Aufstehen u. Wahrnehmen von Geräusche - Gerüche - unsere Gedanken - Dunkelheit u. Helligkeit- Wärme u. Kälte -
den Druck auf unsere Fusssohlen, wenn sie den Boden berühren - unseren Körper, wenn wir uns strecken, uvm. !
Dies nehmen wir oft doch gar nicht mehr bewusst wahr !

Ich selbst habe erlebt, dass ich im Bett noch liegend, mit mir gekämpft habe, nur um auf die Toiltte zu gehen.
Für jeden "Normalo" selbstverständlich, für einen Ausgebrannten(BO) u. Depressiven Menschen ein Kraftakt,
der Wissenschaftlich erklärt, eine Energie vorraussetzt, wie die von einem Leistungssportler.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von 111Sternchen222:
dass die Leute die hier lesen vielleicht irgendwann begreifen, dass es nicht damit zu tun hat " sich einfach nur mal zusammenzureißen"

"Sternchen" hat absolut recht, es geht nicht um das Zusammenreißen oder mach doch mal, sondern,
der Depressive braucht dann Mitgefühl, ein Verstehen wollen u. eine Zusage, die er leider sich nicht selbst geben kann,
es ist so auch in Ordnung, wie es gerade einmal ist.
Dies soll nicht als Aufforderung verstanden werden, den Zustand so weiter beizuhalten !
Aber Mitgefühl u. eine Zusage nicht gleich stigmatisiert zu werden u. eine Zusage der Hoffnung,
dass es wieder anders werden kann.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von 111Sternchen222:
.Weil der Betroffenen sich eben nicht " einfach mal aufraffen kann um eben schnell zu duschen " oder " mal kurz die Wohnung saugen"

Genau so ist es !
Und so bedarf der Angsterkrankte u. depressive Mensch nun dringend einer Behandlung !
Diese kann in einer Akut-Klinik erfolgen, villt. ein Einstieg mit einem Antidepressiva u. natürlich einer Psychotherapeutischen Begleitung !
Antidepressiva u. Psychotherapie gehören für mich persönlich unbedingt immer zusammen (je nach festgestellten Schweregrad der Depression u. Angsterkrankung) !
Zu einem späteren Zeitpunkt, kann dann eine Rehamaßnahme sinnvoll sein !
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Achtsamkeit bietet sich für Depressiv-Erkrankte auch deshalb gut an, weil genau dies Minimalistische hier Wichtig wird !
Dies bedeutet, ersteinmal mehr sich seiner Möglichkeiten bewusst zu werden !
Wer nicht einfach mal soeben unter die Dusche springen kann, der braucht kleinste Schritte, die ihm den Druck nehmen,
"Du musst" - "Du solltest" - "Du könntest" !
Der Depressive darf sein reduziert sein wahrnehmen u. seine akt. Möglichkeit ausprobieren.
Positve Erfahrung, gerade bei minimalistischen Schritten, fördern mit der Zeit in unserem Gehirn andere Bilder von Uns als Person u. von dem was unseren Möglichkeiten angeht.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von 111Sternchen222:
Danke Maya, dass du dir die Mühe machst hier richtungsweisend zu schreiben und den Menschen die mit sich nicht im reinen sind, was ihre Symptome angeht, mitnimmst in deinen Alltag.

Da kann ich voll zustimmen !
Dieser Thread kann Mut machen, die Symptome besser zu verstehen u. Minimalistischen- Duschen,
wer es denn einmal geschafft hat, als eine positive Erfahrung zu verbuchen.
diese Erfahrung wird in unserem Hirn verknüpft u. so kann es als ein ausreichendes Erleben spürbar werden, mit einem solchen Erfolgserlebnis sich selbst einmal zu beschenken.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von 111Sternchen222:
So kann man zeigen :" es ist keine Schande, sondern eine fiese unberechenbare Krankheit!"

Eine Schande ist es eh nicht !
Aber ich habe gelernt u. das habe ich in der Zeit meiner Reha, als Patientensprecher lernen können,
dass es für Außenstehende, Familie-Partner,Freunde u. Bekannte u. für Arbeitskollegen es einfach nicht oder nur schwer möglich ist, sich in ein Verhalten u. Erleben eines Depressiv-Erkrankten auch nur Ansatzweise hineinzudenken.
Ich habe in den Gesprächen mit Angehörigen meiner Mitpatienten sehr viel darüber erfahren,
was es heißt, "Ich bin Angehöriger eines an Depression Erkrankten zu sein.
Bin da sehr Erfürchtiger geworden u. habe sehr viel an Respekt gegenüber Angehörigen gewinnen können.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ich mache gerne aufmerksam auf die Robert-Enke-Stiftung !
Robert Enke(ein bekanter Bundesliga Fussball-Torhüter) war an Depression-Erkrankt u. hatte sich nach 10 Jahren mit dieser Erkrankung einen Suizid begangen.
Teresa Enke(Ehefrau) stellte jetzt ein virtuelles Projekt vor, wo mit Hilfe einer VR-Brille einen Eindruck vermittelt werden soll, was es heißt an einer Depression zu erkranken.
Sehr interessant u. wieder ein Schritt, diese Erkrankung aus ihrer Stigmatisierung u. Tabuzone zu holen !
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein toller Thread "maya", "Minimalistischen-Duschen als Erfolgerlebnis" , zudem noch sehr viel zu schreiben wäre u.
bestimmt hier auch noch von vielen Forenmitgliedern geschrieben wird.

LG Jedi

01.11.2019 13:15 • x 2 #32


maya60
Minimalisten-Ordnung: Als unser Sohn noch ein Schulkind war und mir langsam aber sicher die Felle in Sachen Haushalt und Ordnung zusammen mit meinen Kräften wegschwammen, wechselte ich nach einer zu unergiebigen Verhaltenstherapie zu einer ärztlichen Psychotherapeutin, die mir relativ schnell sagte: "Sie müssen ins Krankenhaus." So krank war ich! Nachdem ich ihr klar gemacht hatte, dass ich nicht erst seit kurzem mit diesen Belastungen lebte und nicht ins Krankenhaus ginge, arbeiteten wir weiter miteinander.
Und sie sagte mir ganz rigoros: Wenn Sie ein ganzes Haus zu versorgen haben und keine Haushaltshilfe wegen Überreizung ertragen, dann schließen sie einfach einige Räume im Haus, für die Sie keine Kraft mehr haben als verbotene Zone, fertig! (Natürlich darf darin nichts Verderbliches sein.) Sehen Sie zu, dass sie mit Hilfe Ihres Mannes die Alltagsräume und weiterhin Ihren Sohn verantwortlich und liebevoll versorgen und seine Räume sichtsauber halten.

Und so haben wir es gemacht.

Eine ehemalige Kollegin von mir ist von ihrem Vermieter aus ihrer Wohnung geklagt worden, weil sie so verzweifelte mit ihrem Chaos daheim, dass sie hinterher alles liegen ließ und das natürlich dann auch schon gesundheitsschädigend wurde.
Sie hatte das niemandem eingestanden und von Minimallösungen wusste sie auch nichts. Soweit hätte es vielleicht nicht kommen müssen.

Liebe Grüße! maya

01.11.2019 13:22 • x 1 #33


maya60
Lieber Jedi, danke für deine so wichtigen Verknüpfungen von Achtsamkeit und Minimal-Lösungen und deine anschaulichen Beispiele. Alle anschaulichen konkreten Beispiele aus unserem eigenen Leben, die wir alle hier beschreiben, helfen so weiter. Ich bin auch für jedes dankbar.

Und vor allem stimmt es eben, wie du schreibst, dass unser Inneres durch die Erfolgserlebnisse mit Achtsamkeit und Minimalschritten dies auch wirklich als Erfolgserlebnisse abspeichert und das führt zu einer Riesenentlastung. Daraus folgt mehr Zuversicht und Sicherheit, weniger Kraftverlust und die Motivation, vorsichtig und langsam weitere Minimal-Lösungen zu finden. Für unseren behinderten Sohn tat ich das doch aus lauter Liebe auch ständig, warum nicht für mich?

Ich habe auch einen hohen Respekt für liebevolle Angehörige von Depressiven. War ja seit Kindheitszeiten selber eine und habe selber miterlebt, wie meine Mutter nie Haushalt und Körperhygiene bei sich und 4 Kindern, davon eins lernbehindert, vernachlässigte, dafür aber mehrere Zusammenbrüche hatte und seit dem Alter von 50 Jahren frühverrentet ist. Was das für eine Leistung ist und war, wusste ich schon damals und darum tut es mir ja auch so leid, dass meine Mutter noch weitere tiefgehende psychische Störungen hat, die sie nicht behandeln lässt und nicht einsieht, die es unmöglich machen, ihr Dankbarkeit und Liebe jetzt zurückzugeben, aber das ist ein anderes Thema.

Aber es war ständiger Hochleistungssport meiner Mutter! Das stimmt so, lieber Jedi! Aufstehen morgens kann Leistungssport sein. Jeden Morgen.

Und gerade weil ich als Betroffene aufgrund der weiteren Baustellen meiner Mutter so dermaßen überfordert und emotional verletzt wurde als Kind und Jugendliche und darüber hinaus von meiner depressiven Mutter, darum habe ich mit den Minimal-Lösungen erarbeitet, dass mein Mann zu keinem Zeitpunkt überlastet wurde. Die Verantwortung und den Umgang mit meinen Krankheiten trage ich selbstverantwortlich selbst und die behindertengerechte Begleitung unseres Sohnes auch, wobei wir natürlich uns über alles austauschen und Aufgaben aufteilen und einspringen, wo auf einmal die Kräfte versagen oder mein Mann Geschäftsreisen hat. Mit Minimal-Lösungen!

Natürlich kommt einiges zu kurz in unserer Familie wie in jeder im übrigen, natürlich vermisst mein Mann, was mir krankheitsbedingt nicht möglich ist und ich, was ihm als Nerd und Workaholic nicht möglich ist. Aber er wertschätzt und bewundert, was mir trotzdem möglich ist und was mir gerade durch meine besonderen Wege ganz außerordentlich gut möglich ist, nämlich Einfühlung und Wertschätzung der kleinen Dinge und Lob für die Besonderheiten jedes Einzelnen, aber auch flexibler Minimalisten-Umgang mit seinem Workaholic-Leben, wo seine Kollegen Meckerei daheim ernten. Ich dagegen weiß: Nobody is perfect. Und trotzdem einzigartig.

Und so kann ich sagen: Wir leben gut miteinander.

Liebe Grüße! maya

01.11.2019 13:50 • x 3 #34


Liebe Maya ich finde Deinen Eingangstext zu diesem Thread einfach wunderschön! Weil so lebenszugewandt und sinnvoll und menschlich! Dies ist doch die Grundlage im Leben, wie man ein Ziel erreichen kann: kleine sinnvolle Schritte den momentanen Möglichkeiten angepasst, besonders der momentanen Lebenskraft. Ich würde dem noch gerne den Satz eines Steinmetzes beifügen, den er aus der langjährigen Tradition seines Handwerkes übernommen hat: "Hast Du ein Werk fertig, setze Dich 10 Minuten davor und freue Dich über das Gelungene, erst dann wende Dich dem nächsten zu." Alles was einem gelingt, würdigen und daraus Kraft schöpfen. Liebe Grüße Lisa.

01.11.2019 13:54 • x 4 #35


maya60
Danke, liebe Lisa für dein Verständnis und deine einfühlsamen Worte. Und den Spruch des Steinmetzes erkläre ich zum Motto-Spruch dieses Themas, weil er einfach so wahr ist! Minimal-Lösungen sind auch ein Kunsterke und kostbar und schön und Erfolgserlebnis. Setze dich hin und würdige und wertschätze sie und erst dann mach weiter.

Liebe Grüße! maya

01.11.2019 14:03 • x 3 #36


Wie viele viele Jahre habe ich mich selber entmutigt und gequält mit Ansprüchen, die ich nicht erfüllen konnte in der Krankheit und dadurch das Wenige, das mir hätte gelingen können, auch nicht mehr machen können/zu machen gewagt! Es tut mir im Rückblick weh! Darum berührt mich Dein Text sehr! Er sollte als erstes gelehrt werden in der Therapie.

01.11.2019 14:09 • x 3 #37


maya60
Zitat von Lisa1962:
Wie viele viele Jahre habe ich mich selber entmutigt und gequält mit Ansprüchen, die ich nicht erfüllen konnte in der Krankheit und dadurch das Wenige, das mir hätte gelingen können, auch nicht mehr machen können/zu machen gewagt! Es tut mir im Rückblick weh! Darum berührt mich Dein Text sehr! Er sollte als erstes gelehrt werden in der Therapie.


Das finde ich eben auch! Danke, liebe Lisa!

01.11.2019 14:11 • x 2 #38


maya60
Und übrigens, sogar zu diesem so empfindlichen Thema sind "normal" und "krank" sehr oft hinter allen Fassaden und Tabus gar nicht so sehr auseinander wie wir "Kranken" sie uns schamhaft und schuldgebeugt riesengroß herfantasieren.

Dadurch, dass in so einigen Berufsbereichen der Alltag mittlerweile auch für "Normalo" nicht mehr auf "normale" Weise zu schaffen ist, dass viele zwischen Jetlag, Überstunden und Überarbeitung auch Schlafstörungen und Chaos in ihren Wohnungen haben, sich zu duschen vergessen und vom Oberhemd nur das Teil bügeln, das man in der Anzugsjacke noch sehen kann, abends zuviel Alk. oder Schlimmeres oder Schlaftabletten einwerfen, um wenigstens etwas zu schlafen und morgens Literweise Kaffee trinken, um aus dem Schlafmangel herauszukommen oder zu Aufputschmitteln greifen, kommen wir uns schon sehr nahe.

Workaholic zu sein wird verehrt im Sinne der Produktivität, aber nur solange, wie das häufige Burnout danach überwunden wird. Wird es nicht überwunden und wächst sich zu einer Erschöpfungsdepression aus, denn finden wir uns ganz schnell sogar in demselben Wartezimmer wieder. Ich sage meinem Mann oft: "Ich habe bloß eine Diagnose und du nicht, weil ich zum Arzt gegangen bin und du nicht."

Aber auch von mehrfach überlasteten Familienmüttern zwischen Berufswahnsinn und unbändigen heutigen Erziehungsansprüchen höre und lese ich ihre "Erschöpfungsschlampereien", die keine Schlampereien sind, sondern kluge Minimal-Lösugen oft genug.

Pflegepersonal und SozialarbeiterInnen, LehrerInnen, medizinisches und therapeutisches Personal, Polizisten, Soldaten uvm., wo der Alltag sie krankmachend überfordert und das "normal" ist. Da finden sich dieselben Themen wie bei uns und jede/r denkt: Bloß nicht verraten, dass ich es nicht gebacken kriege! Wie machen die anderen das bloß alle?

Von daher sind solche Stiftungen wie die Robert-Enke-Stiftung auf die @Jedi schon so wichtig verwies, mehr als wichtig, damit wir uns gegenseitig ermutigen und nicht aufgeben. Auch der ehemalige UEFA-Trainer Babak Rafati hat dazu nach seinem Suizidversuch ein so wichtiges Buch geschrieben und wird seitdem von vielen Firmen und Institutionen eingeladen, um über Präventionen und krankmachende Berufsüberforderungen und Ansprüche sowie lebensgefährdende Tabus vorzutragen, das ist mittlerweile sein Beruf, so präsent ist dieses Thema.

01.11.2019 14:58 • x 4 #39


Fisch611
Sehr spannender Beitrag für mich. Ich bin von ziemlich weit oben nach ganz unten gefallen. Sprich: erfolgreich in einer Führungspostion, schönes Eigenheim, immer gepflegt und gestylt, Reisen, Freundeskreis, Hobbys. Nach außen alles perfekt. Aber den Spruch des Steinmetzes habe ich nie beherzigt, ich habe nie wertgeschätzt, was ich alles bewegt habe. Es war nie genug und ich habe immer auf der Soll-Seite gelebt.
Heute ist es schon Erfolg, wenn ich aus dem Bett komme. Wenn ich schaffe vor die Hautüre zu gehen. Wenn ich schaffe, den dunklen Tag zu überleben. Und jetzt sollte ich endlich anfangen diese winzigen Dinge zu feiern. Ich habe die Kommode im Flur aufgeräumt. Yeah! Ich habe ein Buch bestellt! Hurra! Es fällt mir schwer, aber es ist ein Anfang.

01.11.2019 15:47 • x 3 #40


Jedi
Hallo

Victor Staudt, der nach einem Suizidversuch ´99, beide Beine verlor.
Dieser Mensch hat mit seinem Buch ("Die Geschichte meines Selbstmord") u. seinen vielen Vorträgen,
depressiven Menschen so viel Mut gemacht u. Kraft gegeben, bis ihm selbst die Kraft verlassen hat.
Er hat sich mit Medikamenten, anfang September dieses Jahres das Leben genommen.

Ein echter Mutmacher, ein toller Mensch, dem ich selbst bei einem Vortrag begegnen durfte u.
einer, von dem man annahm, dass er seine Depression im Griff zu haben schien.

Ich persönlich habe allergrößten Respekt nicht nur vor diesem so mutmachenden Menschen,
sondern ich habe auch Respekt vor seinem Suizid !

Warum schreibe ich das gerade hier ?
Depression ist eine heimtückische Erkrankung u. nicht wenige Menschen haben sich Aufgrund dieser Erkrankung
das Leben genommen !
Die Depression sollte man niemals unterschätzen !

LG Jedi

01.11.2019 16:02 • x 4 #41


maya60
Hallo Fisch, ähnliche Erfahrungen wie deine lese ich sooft in Burnout-Foren, eigentlich müsste man viele Berufsbereiche überdachen und zum psychiatrischen oder psychosomatischen Krisenzentrum erklären, so wie dort Schindluder mit der Gesundheit der MitarbeiterInnen und eben auch im vollen Stress betriebsblind mit sich selber betrieben wird.

Ich kenne das selber von jeder meiner früheren Arbeitsstellen und sogar aus Ehrenämtern, wo dieser Stress mittlerweile aus lauter Überdrehtsein im Tagestempo völlig unnötigerweise auch um sich greift.

Wie Fliegen, die immer wieder vor dieselbe Fensterscheibe fliegen und es nicht kapieren. Ich kenne das von mir und anderen so gut.

Und da ja alles in den "Niederungen der Alltagsorganisation", also Haushalt, Kinder, Familie usw. nicht als Arbeit gilt und man dafür nicht bezahlt wird, darf das natürlich einen auch nicht weiter aufhalten. Und wenn das noch zusätzlich stresst, kann man sich nirgendwo darüber beschweren, ist doch keine Arbeit.

Und wenn man dann beruflich von ganz oben krankheitsbedingt runterpurzelt (wie ich auch vor Jahren), dann ist das, was man dann angehen soll, alles so peinlich unerheblich und demütigend mitunter. Kommt damit jemals wieder Lebensqualität und Freude?

Komischerweise ja! Komischerweise sogar manchmal tiefere als man jemals vorher kannte.

01.11.2019 16:08 • x 1 #42


maya60
Stimmt, @Jedi Depressionen soll man niemals unterschätzen!

Und die eigene Gewohnheit und Neigung, immer wieder vor, in und nach dem Burnout und der Depression die eigenen Grenzen zu vergessen, sollte man genauso wenig unterschätzen.

Und eben sich und andere Depressive nicht überfordern.

Und das muss breites öffentliches Thema sein und bleiben und zwar mit anschaulichen Berufs.- und "Freizeit"- Beispielen! Wer kennt schon noch die eigenen Grenzen, wenn alles darauf hin zielt, sie zu ignorieren?

Und überholte lebensgefährliche Tabus und Fassaden sollten niedergerissen werden.

Naja, wir haben damit ja schon angefangen------

01.11.2019 16:23 • x 1 #43


Jedi
Hallo maya60 !

Zitat von maya60:
Und die eigene Gewohnheit und Neigung, immer wieder vor, in und nach dem Burnout und der Depression die eigenen Grenzen zu vergessen, sollte man genauso wenig unterschätzen

Stimmt absolut maya !
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von maya60:
Und eben sich und andere Depressive nicht überfordern.

Stimmt auch u. passt genau in deinen Thread !
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von maya60:
Wer kennt schon noch die eigenen Grenzen,
wenn alles darauf hin zielt, sie zu ignorieren?

Ja, da sind wir selbst gefordert u. auch selbst dafür verantwortlich !
Seine eigenen Grenzen zu kennen u. diese zu beachten, gehört zu unserem fühlen können.
Nun bestimmen unsere Prägung u. Konditionierung sehr stark unser Denken u. Handeln u.
wie sich unsere Gefühle u. Emotionen entwickeln.

Ignorieren unserer Grenzen, setzt voraus, unsere Grenzen zu kennen.
Sicherlich hast Du damit recht, aber wenn es uns schon schwerfällt, unsere Bedürfnisse zu benennen u. sie auch zu vertreten,
sie gar einzufordern, was bleibt da noch ?

Zitat von maya60:
Tabus und Fassaden sollten niedergerissen werden

Das wird so kommen, denn die steigenden Zahlen, derer die an Depression erkranken, nimmt Dramatische Formen an.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zitat von maya60:
lese ich sooft in Burnout-Foren, eigentlich müsste man viele Berufsbereiche überdachen und zum psychiatrischen oder psychosomatischen Krisenzentrum erklären, so wie dort Schindluder mit der Gesundheit der MitarbeiterInnen und eben auch im vollen Stress betriebsblind mit sich selber betrieben wird.

Ich habe es schon des öfteren beschrieben,
"Jeden Tag kommen kleine- bedürftige- verletzte- nach Liebe u. Anerkennung hungernde Kinder in Erwachsenen- Körper
an ihre Arbeitsplätze.
Und nicht wenige suchen dort ihre Lücke an Bedürftigkeit aufgefüllt zu bekommen.
So steht nicht selten der Chef, für den Vater-Konflikt.
Der Chef überträgt nicht selten, seinen Eltern-u. Partner-Konflikt auf seine Mitarbeiter.
Dabei sitzt das wahre Problem in uns selbst, in unserem kleinen noch verletzten u. bedürftig gewordenen inneren Kind.
So meine ganz persönliche Meinung u. Erfahrung !

Doch die meisten Menschen glauben nicht an dieses nach Liebe schreiende Kind in uns.
Natürlich ist dieses innere Kind als eine Metapher zu betrachten, aber dadurch können wir lernen, einen Zugang zu unseren Gefühlen u. Emotionen zu bekommen.
Wir können Selbsterfahrung machen u. werden Selbstbestimmter.
Wir müssen uns dann auch nicht weiter klein machen, uns unbedeutend fühlen, mit Schuldgefühlen belasten, sich im Kreisel von "Warum Fragen" drehen u. können so auch lernen, unsere Bedürftigkeit anzunehmen u. unsere Möglichkeiten real einzuschätzen.

Für mich könnte sich hier der Kreis zu dem Thema dieses Thread schließen,
sich seiner Bedürftigkeit u. Möglichkeiten real bewusst werden u. Minimalisten-Duschen als Erfolgserlebnis dabei,
als eine positive Erfahrung zu erleben.

LG Jedi

01.11.2019 17:18 • x 3 #44


maya60
@Jedi
Zitat Jedi: Für mich könnte sich hier der Kreis zu dem Thema dieses Thread schließen,
sich seiner Bedürftigkeit u. Möglichkeiten real bewusst werden u. Minimalisten-Duschen als Erfolgserlebnis dabei,
als eine positive Erfahrung zu erleben.



Lieber Jedi, da setze ich auch gerne und einfach einen Punkt dahinter.

01.11.2019 18:34 • x 2 #45





Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag