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Durch chronische Depression keine Motivation mehr

bethany

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Hallo, Ihr Lieben!

Ich möchte mich kurz vorstellen. Seit vielen Jahren leide ich schon an Depressionen. Hinter mir liegen Klinikaufenthalte und einige Therapien. Tja. inzwischen ist die Depression chronisch und ich lebe mit ihr - zumindest versuche ich es. Ich liebe meinen Job (ich arbeite mit Kindern), er gibt mir viel, allerdings ist er natürlich auch anstrengend, wie ihr euch denken könnt.

Am meisten leide ich darunter, dass ich ständig so blockiert und gelähmt bin. Ich kann mich kaum konzentrieren, mich kaum motivieren. Nur im Umgang mit den Kindern bin ich sehr lebendig, weil ich den Kontakt einfach mag und ich mich dort auch nütztlich fühle. Die Kids wecken mein Herz einfach auf. Man kennt mich als sehr empathischen Menschen, der sich gut in andere hineindenken kann. Eigentlich ja alles gut für meinen Beruf. Schuldgefühle habe ich trotzdem. Bin ich tragbar? Darf ich auch mal sauer sein, oder bin ich dann schon nicht mehr tragbar? All diese ganz grundsätzlichen Fragen.

Was mich wirklich fertigmacht, ist die Tatsache, dass ich keinen habe, der mir Mut machen würde, der mir eine echte Spiegelung geben würde, leider ist das auch in der Therapie nicht so. Ich bin so mutlos, rutsche immer weiter in diesen Kreislauf. Dabei bin ich mir bewusst, dass da hauptsächlich auch alte Filme in meinem Kopf ablaufen, aber ich schaffe es einfach nicht, ihnen den Einfluss auf mich zu entziehen. Es ist alles so mühselig, so unsagbar zäh. Ich fühle mich wie in einer Falle. Dabei müsste ich ja nach all den Jahren eigentlich schon wissen, wie ich mit so etwas umzugehen habe.

Vielleicht kennt ihr das ja auch. Man fühlt sich wie ein Alien. Da gibt es keinen, der einen wirklich verstehen könnte. Man versucht immer wieder, sich mitzuteilen, aber man scheitert kläglich. Und man verliert die Lust, überhaupt noch etwas zu erzählen. Das ist fast das Schlimmste daran.

Puh. Es tat zumindest schon einmal gut, das hier so aufzuschreiben. Danke fürs Lesen

Bethany

02.12.2018 18:11 • #1


Liselotte

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Liebe Bethany,

Dein Beitrag hat mich total angesprochen, da es so viele Gemeinsamkeiten zwischen uns gibt. Auch ich arbeite mit Kindern, und liebe diese Arbeit. Auch ich habe eine unendliche Geschichte mit Depressionen und momentan bin ich ganz unten, will aber nicht ins Krankenhaus, sondern suche nach Wegen es anders zu schaffen. Auch ich denke, nach diesen langen Kämpfen, die so viel Kraft gekostet haben , müsste ich doch endlich besser damit umgehen können , aber da spielen so viele andere Faktoren eine Rolle. Ich lebe alleine, meine erwachsene Tochter lebt ihr Leben und will mich so nicht kennen, das ist das Allerschlimmste. Ja, nur ganz kurz hatte ich den Impuls, Dir zu antworten und ich kann leider momentan auch nicht so viel an Trost spenden, da ich selbst ziemlich sprachlos und ideenlos bin. Nur vielleicht, Du bist nicht allein.

02.12.2018 19:09 • x 1 #2


bethany


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Liebe Liselotte,

vielen lieben Dank für deine Zeilen. Weißt du, alleine die Tatsache, dass du mir sagst, ich sei damit nicht alleine, ist Trost genug für mich. Zumindest ist es der wichtigste Schritt. Und man möchte meinen, dass es doch gar nicht so schwer sein könnte, Verständnis zu bekommen, aber für mich ist das leider nicht zu bekommen in meinem Umfeld.

Im Übrigen bin ich auch alleinstehend, habe keine Partnerschaft. Das wiederum ist etwas, was mir auch oft zum Nachteil ausgelegt wird - von wegen: Du hast es gut, musst viel Zeit haben usw. Ehrlich gesagt fühle ich mich fast schon richtig minderwertig, weil ich diesen vermeintlichen Vorteil nicht nutze. Was die Leute immer nicht sehen, ist, dass man halt auch komplett alleine mit allem ist. Das mit deiner Tochter tut mir leid. Bei mir ist es mit meinen Vater so. Er verleugnet diesen Teil in mir. Depression gibt es für ihn nicht. Es fühlt sich so an, als würde er mich selbst dadurch verleugnen. Das kann man keinem klarmachen, der das nicht selber schon mal erlebt hat, wie sich das anfühlt.

Fühl dich gedrückt!

02.12.2018 19:17 • x 1 #3


Liselotte

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Oh, wie schön, Deine Antwort.
Nein, das kann wohl wirklich niemand nachvollziehen, es ist als würde einem immer wieder ins Herz gestossen werden. Man sieht dem geliebten Menschen in die Augen und da ist nur Härte. Wahrscheinlich auch Angst sich den schmerzlichen Seiten des Lebens auch nur für eine Umarmung zuzuwenden. Wenn Du nicht so sein kannst, wie ich Dich brauche, dann lass mich in Ruhe. Ja, sogar eine Scham für die eigene Mutter. Meine ganze Liebe, meine ganze Kraft habe ich ihr bedingungslos gegeben ....das ist eine menschliche Katastrophe, sagt meine liebe Therapeutin. Keine Ahnung wie man das wegsteckt?
Es tut mir sehr leid, dass auch Du diese Erfahrung mit Deinem Vater machen musst. Ich habe nie eine Familie gehabt. Habe mir das immer sehr gewünscht, aber die Vorraussetzungen haben nicht ausgereicht, das Überleben hat zuviel Kraft gekostet.
Ich drücke Dich einfach mal ganz lieb und bin mir sicher, das Du den Kindern viel geben kannst, denn das können wir ziemlich gut, uns den unbefangenen Kinderseelen empathisch zu öffnen.

02.12.2018 19:50 • #4


bethany


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Es ist wirklich eine menschliche Katastrophe, was du da erleben musst. Gib die Hoffnung nicht auf, vielleicht kommt die Einsicht irgendwann. Manchmal ist das Leben der beste Lehrer! Aber ich verstehe, was du meinst. Dieses Weggeworfenwerden wie ein nutzloser Gegenstand, das ist einfach unglaublich schmerzhaft. Ich glaube, wegstecken kann man das gar nicht. Man kann nur lernen, damit zu leben und für sich selbst da zu sein.

Eine eigene Familie hat bei mir auch nie geklappt, weil ich immer viel zu sehr beschäftigt damit war, irgendwie die Balance zu halten. Mehr war nicht drin. Und dann die Frage, ob man sich so anderen zumuten kann. Aber wenigstens habe ich viele Kinder ;-), wenn ich schon selber keine Mama bin.

02.12.2018 19:56 • x 2 #5


Liselotte

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Vielen lieben Dank für Deine Worte. Ich wünsche Dir einen aushaltbaren 1.Advent, habe eben eine Kerze angezündet und bin in Gedanken einfach mal bei allen, denen das Herz schmerzt.

02.12.2018 20:11 • x 2 #6


bethany


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Das wünsche ich dir auch. Mach dir einen gemütlichen Abend und sorge gut für dich!

02.12.2018 20:13 • x 1 #7


Sven29

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Guten abend ihr lieben erstmal eucheinen schönen 1 advent, wenn man das so sagen kann war immer ein begeisterter weihnachtsfan habe mich immer drauf gefreut zur zeit freue ich mich auf nichts mehr bin antriebsarm denke viel nach und habe das gefühl nicht mehr gurt genug zu sein neben meinen üblichen symptomen. lg

02.12.2018 20:20 • x 1 #8


Acon

Acon

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Hallo Bethany,
bin jetzt auch schon 18 Jahre mit meiner Depression verbandelt. Ich weiss wie dieses Kämpfen einen mitnimmt. Dieses auf und ab, hab das Gefühl ein Stehaufmännchen zu sein. Manches Mal geht gar nichts mehr und Du kommst Dir so schuldig vor. Dann noch solche Kommentare wie reiss Dich mal zusammen, zeigt immer wieder, wie schwer es Aussenstehenden fällt sich in uns hineinzuversetzen. Darüber kann ich mich nicht mehr aufregen, es stimmt mich eher traurig, denn sie wissen nicht wovon sie reden und machen sich auch nicht die Mühe sich mit Depressionen und uns als Betroffene tiefergehen zu beschäftigen. Ich freue mich zu lesen, das Du an der Arbeit mit Kindern Deine Freude hast. Nimm es so wie es ist und stelle Deine Tragbarkeit nicht in Frage. Solange die Kinder sich zu Dir hingezogen fühlen, bist Du am richtigen Platz.
Ich umarme Dich und wünsche Dir noch einen schönen ersten Advent.

Liebe Grüße
Andrea

02.12.2018 20:35 • x 1 #9


bethany


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Ja, das macht traurig. Unendlich traurig und ich fühle mich auch immer entfernter von der Welt da draußen.

02.12.2018 20:42 • #10


Pilsum

Pilsum

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Hallo bethany,
Zitat:
Tja. inzwischen ist die Depression chronisch und ich lebe mit ihr - zumindest versuche ich es.


gut, Deine Depression hat sich eventuell etwas verfestigt. Das bedeutet aber nicht, dass Du sie nicht deutlich
abschwächen kannst.
Zitat:
Ich liebe meinen Job (ich arbeite mit Kindern), er gibt mir viel, allerdings ist er natürlich auch anstrengend, wie
ihr euch denken könnt.


Das freut mich für Dich.
Zitat:
Nur im Umgang mit den Kindern bin ich sehr lebendig, weil ich den Kontakt einfach mag und ich mich dort auch nützlich fühle.


Was ist bei Erwachsenen aus Deiner Sicht denn so völlig anders?
Zitat:
Man kennt mich als sehr empathischen Menschen, der sich gut in andere hineindenken kann.


Erwachsene suchen doch empathische Menschen immer und überall.
Dann wirst Du eine gefragte Frau und Gesprächspartnerin sein.
Zitat:
Schuldgefühle habe ich trotzdem.


Warum?
Zitat:
Darf ich auch mal sauer sein, oder bin ich dann schon nicht mehr tragbar?


Du musst immer wieder auch mal sauer sein dürfen. Sonst wäre es ein Widerspruch zu Deiner Empathiefähigkeit.

Zitat:
Was mich wirklich fertigmacht, ist die Tatsache, dass ich keinen habe, der mir Mut machen würde, der mir eine echte Spiegelung geben würde, leider ist das auch in der Therapie nicht so.


Hier verstehe ich Dich sehr gut. Leider ist dies ein Missstand in der Psychologie und der Medizin.
Sagst Du denn schon mal jemandem, dass Du gern fair gespiegelt werden möchtest?
Außerdem, wenn Du aufmerksam schaust und zuhörst, wie andere Menschen auf Dich reagieren, dann sollte
das schon sehr viel hilfreiches "spiegeln" sein.

Zitat:
Dabei bin ich mir bewusst, dass da hauptsächlich auch alte Filme in meinem Kopf ablaufen,


Na klar. Was hältst Du davon, wenn Du hin und wieder mal einen neuen Film dazwischen
mogelst?
Zitat:
aber ich schaffe es einfach nicht, ihnen den Einfluss auf mich zu entziehen.


Am Anfang kann das schon mal schwierig sein. Das Gehirn hat einen natürlichen Schutz
gegen neue Dinge. Diesen gilt es jeweils neu zu überwinden. Das kostet Kraft und Willen, also Energie.
Zitat:
Es ist alles so mühselig, so unsagbar zäh.


Nur in der ersten Zeit. Danach geht es immer leichter, bis es richtig Spaß macht,
neue Gedankenwege zu gehen.
Zitat:
Man versucht immer wieder, sich mitzuteilen, aber man scheitert kläglich.


Das verstehe ich nicht. Du teilst Dich doch hier mit und ich habe den Eindruck, dass ich
Dich einwandfrei verstehe.
Oder denkst Du ich rede an Dir vorbei?

Viele Grüße

Bernhard

02.12.2018 22:54 • x 3 #11


bethany


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Hallo Pilsum,

die Depression begleitet mich jetzt seit zwei Jahrzehnten, mit teils massiven Episoden (zuvor wahrscheinlich auch schon, nur dass es da keine Diagnose gab). Deshalb fällt mir der Optimismus schwer. Was ich aber schon auch glaube, ist, dass man damit leben lernen kann. Es ist eine Krankheit. Bedauerlicherweise wird diese Krankheit immer noch nicht als solche akzeptiert. Man muss sich ständig rechtfertigen, wird als empfindlich eingestuft bzw. so, als habe man was, was doch jeder hat. Leider kann sich auch von therapeutischer Seite keiner durchringen, die Depression als das zu benennen, was sie ist: eine Krankheit. Auf den Arztrechnungen und Berichten steht sie aber sehr wohl drauf (und zwar als schwere depressive Episode benannt). Prinzipiell finde ich es gut, wenn man nicht so schnell als psychisch krank abgestempelt wird. Aber jeder anderweitig Erkrankte erhält Mitgefühl und vor allen Dingen Nachsicht. Bei der Depression ist das nach meinem Empfinden nicht so. Das hat gar nicht so sehr was mit Mitleid zu tun, sondern mit der Tatsache, dass man versteht, dass derjenige halt nicht einfach nur schlecht drauf ist.

Kinder sind sehr offen, sie schenken einem ihr Herz und ihr Vertrauen, sie sind noch unbeschwertet, herzlicher. Leider habe ich mit Erwachsenen oft die Erfahrung machen müssen, dass sie einen verraten bzw. dass sich auch keine Ebene finden lässt, weil ich mich anders fühle und mich andere Dinge beschäftigen. Ich will das auch gar nicht werten, aber da ist eine tiefe Kluft, ich glaube ehrlich gesagt auch bedingt durch die Depression. Natürlich gibt es einige, bei denen das anders ist, fast schon Seelenverwandte. Aber das ist selten und diese Freundschaften verlafuen dann aus irgendwelchen Gründen auch wieder im Sande (Umzug usw.). Ich habe einfach nicht mehr die Kraft, wieder enttäuscht zu werden und vor allem mich erklären zu müssen. Klingt alles seltsam für euch bestimmt, aber es ist wirklich schwer.

Woran das liegt, dass ich mich emotional nicht wirklich mitteilen kann, weiß ich nicht. Eloquent genug wäre ich eigentlich, daran kann es nicht liegen. Aber es ist einfach eine seelische Konstellation, die von außen nicht einfach so zu verstehen ist. Es geht mir ja schon so, wenn ich das, was ich schreibe, hier lese. Ich mach da auch keinem einen Vorwurf. Es ist einfach aussichtslos.

03.12.2018 14:08 • x 1 #12


Pilsum

Pilsum

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@bethany

Hallo bethany,
Zitat:
die Depression begleitet mich jetzt seit zwei Jahrzehnten, mit teils massiven Episoden (zuvor wahrscheinlich auch
schon, nur dass es da keine Diagnose gab). Deshalb fällt mir der Optimismus schwer.
Was ich aber schon auch glaube, ist, dass man damit leben lernen kann.


Das ist eine hilfreiche Einstellung von Dir. Wie man mit Depressionen einigermaßen
gut zurechtkommen kann, darum geht es auch in diesem Forum.
Zitat:
Bedauerlicherweise wird diese Krankheit immer noch nicht als solche akzeptiert. Man muss sich ständig rechtfertigen,


Das kannst Du so und auch anders sehen. Im Grunde muss sich niemand rechtfertigen,
wenn er depressiv ist. Ein Depressiver hat aber oft den Eindruck, er/sie müsste sich rechtfertigen.
Zitat:
Aber jeder anderweitig Erkrankte erhält Mitgefühl und vor allen Dingen Nachsicht. Bei der Depression ist das
nach meinem Empfinden nicht so.


Was genau erwartest Du denn von anderen an Mitgefühl? Was sollen sie hauptsächlich an Dir oder Deinem
depressiven Verhalten akzeptieren?

Zitat:
Das hat gar nicht so sehr was mit Mitleid zu tun, sondern mit der Tatsache, dass man versteht, dass derjenige
halt nicht einfach nur schlecht drauf ist.


Jetzt verstehe ich Dich nicht ganz. Die akzeptieren doch, dass Du oft schlecht drauf bist.
Oder etwa nicht?

Zitat:
Kinder sind sehr offen, sie schenken einem ihr Herz und ihr Vertrauen, sie sind noch unbeschwertet, herzlicher.
Leider habe ich mit Erwachsenen oft die Erfahrung machen müssen, dass sie einen verraten bzw. dass sich
auch keine Ebene finden lässt, weil ich mich anders fühle und mich andere Dinge beschäftigen.


Möglicherweise sprichst Du hier von einer Ursache Deiner Depressionen.
Zitat:
Leider habe ich mit Erwachsenen oft die Erfahrung machen müssen, dass sie einen verraten


Erwachsene verhalten sich tatsächlich völlig anders, als Kinder.
Hättest Du denn Interesse daran, besser zu verstehen, wie sich Erwachsene verhalten und warum sie das machen?
Bestimmt würde Dir das deutlich weiterhelfen.
Zitat:
Ich will das auch gar nicht werten, aber da ist eine tiefe Kluft.


Das musst Du aber werten! Unbedingt, deswegen scheint es Dir oft schlecht zu gehen.
Zitat:
Ich habe einfach nicht mehr die Kraft, wieder enttäuscht zu werden und vor allem mich erklären zu müssen.


Erwachsene Menschen sind meistens zufriedener, wenn sie sich oft erklären.
Warum willst Du anderen nicht erklären, wie Du denkst und was Du für Lebensansichten hast?
Zitat:
Klingt alles seltsam für euch bestimmt, aber es ist wirklich schwer.


Für mich klingt das überhaupt nicht seltsam, sondern logisch.

Zitat:
Woran das liegt, dass ich mich emotional nicht wirklich mitteilen kann, weiß ich nicht.


Du kannst es herausfinden, wenn Du es möchtest.
Zitat:
Eloquent genug wäre ich eigentlich, daran kann es nicht liegen.


Ich weiß. Gerade depressive Menschen haben viel zu sagen. Sie machen es aber nicht
und ziehen sich zurück, weil sie irgendwann den Mut verloren haben.
Zitat:
Aber es ist einfach eine seelische Konstellation, die von außen nicht einfach so zu verstehen ist.



Von außen finde ich, ist es für mich ziemlich gut zu verstehen.
Kann es sein, dass Du die Konstellation von innen noch besser verstehen solltest?
Zitat:
Es ist einfach aussichtslos.


Bestimmt ist es nicht aussichtslos.
Nur, sehr schwierig, wenn Du darauf bestehst, das Deine Sichtweise unveränderbar sein soll.

In eine Diskussion mit Dir möchte ich gern einsteigen.
Dazu solltest Du bereit sein, Dir einiges einmal aus einer anderen Richtung anzuschauen.
Dies braucht Dir keine Angst zu machen, weil Du Deine Grundeinstellung dadurch nicht verlierst.

Viele Grüße

Bernhard

04.12.2018 01:15 • #13


bethany


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Zitat von Pilsum:
Das kannst Du so und auch anders sehen. Im Grunde muss sich niemand rechtfertigen,
wenn er depressiv ist. Ein Depressiver hat aber oft den Eindruck, er/sie müsste sich rechtfertigen

Leider nehme ich das anders wahr. "Wieso hast du keine Energie, warum geht es dir schlecht? Du hast doch alles, was du brauchst." oder "Das geht doch jedem so, bei mir ist das genauso". Also ich fühle mich da schon so, als müsse ich mich für mein Empfinden rechtfertigen.

Zitat von Pilsum:
Was genau erwartest Du denn von anderen an Mitgefühl? Was sollen sie hauptsächlich an Dir oder Deinem
depressiven Verhalten akzeptieren?

Eigentlich nur, dass man sieht, dass das nichts mit Wollen, sondern mit Nicht-Können zu tun hat. Schlicht, dass dahinter eine Krankheit und keine Charakterschwäche bzw. Faulheit steckt bzw. dass es nichts damit zu tun hat, dass man sich einfach doof anstellt.


Zitat von Pilsum:
Jetzt verstehe ich Dich nicht ganz. Die akzeptieren doch, dass Du oft schlecht drauf bist.
Oder etwa nicht?

Das ist aber eben der Punkt. Ich bin halt einfach nicht mal schlecht drauf, so wie das jeder mal ist. Eine Depression ist viel mehr als das. Ich fühle mich da in meinem Leid durch die Krankheit nicht ernstgenommen, das ist eine Bagatellisierung.

Ich arbeite ja in einem sozialen Beruf, insofern bin ich im Umgang mit Menschen (auch mit Erwachsenen) durchaus kompetent. Außerdem kann ich mich gut in andere Perspektiven hineinversetzen. Daran sollte es nicht liegen. Andere Perspektiven sind mir immer willkommen, wenn es sich um konstruktive Impulse handelt. Viel zu oft hat man ja auch selbst blinde Flecken.

Es gibt halt immer wieder Dinge, die man selbst erleben muss, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Jemand, der noch keine Depression hatte, der tut sich damit vielleicht einfach schwer. Das ist kein Vorwurf, wohl aber Fakt. Das würde einem bei körperlichen Erkrankungen in aller Regel nicht passieren. Mich persönlich trifft das sehr, weil das nicht gerade Vertrauen schafft, sich zu öffnen, und man das meiste dann auch eher mit sich selbst ausmacht. Es trennt mich von anderen, es hat nichts Verbindendes.

04.12.2018 14:59 • x 1 #14


Pilsum

Pilsum

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@bethany

Hallo bethany,

ich vermute, Du beschreibst genau den schwierigen Punkt bei einer Depression.
Du nimmst vieles völlig anders wahr.

Für andere ist dies schwer zu verstehen. Weil sie können Deine Sichtweise nicht erkennen.
Sie glauben etwas zu besprechen, was sie als Wirklich ansehen. Auch wenn sie damit nicht immer Recht haben.
Nun kommst Du und sagst. Das was ihr seht, ist nicht so. Ich sehe es anders.

Welche Antwort sollen Dir die anderen darauf geben?
Das ganze wird noch dadurch verstärkt, das ein depressiver gar nicht sagt, wie er etwas sieht, sondern sich
meistens nur zurückzieht und unglücklich ist.
Wie empfiehlst Du das Problem zu lösen?

Zitat:
Wieso hast du keine Energie, warum geht es dir schlecht?


Darauf kannst Du doch antworten. Was sagst Du denen dann? Warum geht es Dir so schlecht?

Zitat:
Also ich fühle mich da schon so, als müsse ich mich für mein Empfinden rechtfertigen.


Ein bisschen ist das tatsächlich beidseitig so. Wenn Du mit mir reden willst, dann werde ich Dich immer fragen,
warum Du etwas so siehst.
Und Du darfst das Gleiche auch von mir erwarten. Wir müssen gegenseitig das vertreten und verteidigen, was
wir sagen. Das sind wir uns gegenseitig schuldig, wenn wir beide uns ernst nehmen wollen.

Zitat:
Eigentlich nur, dass man sieht, dass das nichts mit Wollen, sondern mit Nicht-Können zu tun hat.


Nicht wollen oder nicht können, meiner Meinung nach gibt es dazwischen fast keinen Unterschied.
Hier sprichst Du eine zentrale Frage von Depressionen an. Warum kannst Du in Teilbereichen nicht versuchen
Zusammenhänge einmal etwas anders zu sehen. Zusammenhänge sind fast immer logisch, also
folgerichtig im Kopf erstellt.
Welchen Nachteil hast Du, wenn Du geringfügig von Deiner bisherigen Denkweise abweichst?

Zitat:
dass dahinter eine Krankheit und keine Charakterschwäche bzw. Faulheit steckt bzw. dass es nichts damit
zu tun hat, dass man sich einfach doof anstellt.


Hier stimme ich Dir voll zu. Es hat nichts mit dumm anstellen, nicht mit Charakterschwäche oder Faulheit zu tun.
Wer wollte Dir denn so etwas einreden?

Zitat:
Eine Depression ist viel mehr als das. Ich fühle mich da in meinem Leid durch die Krankheit nicht ernstgenommen,


Drehen wir uns jetzt nicht im Kreis?
"Alles nicht so schlimm", darf man nicht sagen.
Was sollte man denn sagen? "Sieh mal, Du bist krank. Setze Dich zu uns und höre einfach nur zu." Wäre das
eine akzeptable Antwort für Dich?
Zitat:
Jemand, der noch keine Depression hatte, der tut sich damit vielleicht einfach schwer.


Ich tue mich sehr schwer, das gelten zu lassen, was Du in diesem letzten Satz sagst.
Wenn ich Dir nun sage, Du verstehst mich nicht, weil Du Dich nicht im mich hineinversetzen kannst, dann
unterbreche ich doch damit jegliche weiteren Gespräche über das Thema Depression.

Mauerst Du Dich damit nicht freiwillig ein?
Zitat:
Das würde einem bei körperlichen Erkrankungen in aller Regel nicht passieren.


Dies sehe ich komplett anders. Dort gibt es nach meiner Ansicht genau die gleiche Verhaltensweise.
Vielleich etwas seltener.
Zitat:
Mich persönlich trifft das sehr, weil das nicht gerade Vertrauen schafft, sich zu öffnen, und man das meiste
dann auch eher mit sich selbst ausmacht.


Ich finde, das Meiste muss man immer mit sich selbst ausmachen. Besonders dann, wenn man gesund bleiben will.

Zitat:
Es trennt mich von anderen, es hat nichts Verbindendes.


Erkennst Du eventuell schon hier unsere sehr unterschiedlichen Sichtweisen?
Verbindendes stellt man meiner Meinung nach besser häufig auf andere Weise her.

Ob wir dies allerdings weiter ausdiskutieren können, ohne das Du Dich schlecht fühlst,
das weiß ich nicht.

Deine Meinung dazu interessiert mich sehr.

Viele Grüße

Bernhard

04.12.2018 22:40 • #15




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