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Ich bin bipolar - suche Gleichgesinnte und Austausch

Bella72

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Hallo zusammen,

ich habe hier im Forum kaum Beiträge über Bipolare gefunden und beschlossen, ein neues Thema aufzumachen. Ich bin bipolar, genauer gesagt Bipolar II. Ich würde mich freuen, wenn andere Betroffene sich mit mir austauschen würden z.B. über hilfreiche Medikamente, Therapien, Erfahrungen, Umgang mit dem Umfeld usw. Welche Probleme am größten sind, wie das Umfeld reagiert
Ich freue mich auf Euch
Liebe Grüße

09.10.2019 10:27 • x 4 #1


Bella72

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Um es Euch leichter zu machen, hierzu Beiträge zu schreiben, erzähle ich vielleicht ein bisschen von mir. Ich habe die Krankheit seit 20 Jahren. Sie begann mit Depressionen und erst mit den Jahren kam die Diagnose "bipolar". Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den Depressionen, die extrem stark sind. Die Manien waren meist direkt nach einer Depression (sog. Hypomanie) oder eher leicht ausgeprägt. Mein Leben wurde sehr stark von dieser Krankheit beeinflusst wobei ich sehr dankbar bin, dass ich trotzdem ein normales Leben in stabilen Phasen leben kann und auch noch arbeite.
Mein Fehler in der Vergangenheit war, immer wieder die Medikamente abzusetzen. Dies hatte verheerende Folgen. Nun bin ich auf Lithium eingestellt und hoffe, damit wirklich langfristig stabil zu sein aber wissen tut man das ja nie. Außerdem nehme ich aktuell noch Venlafaxin und Lamotrigin.
wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

09.10.2019 14:17 • x 3 #2


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maya60

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Hallo Bella, ein Verwandter von mir ist bipolar, aber ich habe keinen Kontakt mit ihm. Seine Erkrankung "begann" mit einer stark manischen Phase. Im Nachhinein nehme ich an, dass zuvor für ihn angeblich "typische" Verhaltensweisen auch schon manische und depressive Phasen gewesen sein könnten.

In seiner ersten von allen wahrgenommenen manischen Episode war er irgendwie völlig hyperaktiv und unverantwortlich, was Termine, Rücksichtsnahme, Alltagsstruktur, Lebensplanung und -ziele als Erwachsener, Selbstverantwortlichkeit, finanzielle Selbständigkeit (ewiger Student) und Einkaufverhalten (online-Bestellungen plötzlich von teurem sinnlosen Zeugs) anging. Er wurde zuvor schon sowieso so von seiner Familie kritisiert und nun war das aber so extrem, dass alle merkten, da stimmt was nicht. Seine langjährige Freundin hielt es mit ihm nicht mehr aus und sagte wohl auch, das war nicht das erste Mal.

Ich verstand es im Nachhinein überhaupt nicht, dass seine Familie nicht schon viel eher merkte, dass da etwas mit seiner psychischen Gesundheit nicht stimmte.

Ich erinnere mich noch, ehrlich gesagt mit Horror, da war unser Sohn erst 3 Jahre alt, also vor 16 Jahren, und Sohni war ja mit seinen eigenen Baustellen ein echtes Turbokind und ich nur fertig mit meinen Kräften, da war dieser Verwandte bei uns zu Besuch mitten in dieser ersten manischen Phase. Mein Mann musste weg auf Geschäftsreise und dieser junge Mann verschwand erstmal eine ganze Nacht zum Feiern in München, obwohl er schon in einem Alter war, wo er damit mal allmählich aufhören musste und berufstätig werden sollte.
Ich bekam schon Panik, dass er seinen Flieger heim am nächsten Mittag verpasst, er wohnt nicht in D, und war stinksauer und überfordert . Als er dann übernächtigt, aber fröhlich auftauchte und sich erstmal Schlafen legen wollte, habe ich ihn so "autoritär" zusammengefaltet, dass er packt und alles zusammensucht. Dann fand er sein Flugticket nicht und meine Freundin kam noch von Nebenan, um mit zu suchen.
Danach habe ich ihn unter ständiger Einschüchterung mit Sohni auch noch im Schlepptau selber zum Flughafen begleitet, um auch sicher zu sein, dass er da nicht verloren ging.

So und schlimmer ging es dann seiner Familie noch weiter. Anschließend wurde er schrecklich depressiv und bekam dann die Diagnose bipolar. Beide Phasen waren grauenhaft für ihn und sein ganzes Umfeld. In der manischen Phase war es für ihn wohl nicht so grauenhaft, weil er sich als King fühlte, aber im Nachhinein sah er ja alles, was in der Zeit zu Bruch gegangen war in seinem Leben.

Bei ihm war es darum auch lebenswichtig, dass er immer Medikamente nahm. Das tat er auch und heute ist er längst berufstätig, verheiratet und zufrieden, soweit ich das aus der Entfernung mitbekomme.

Er konnte sich an seine manischen Phasen im Nachhinein gar nicht mehr erinnern. Wie ist das bei dir?

Ich weiß nicht, ob hier im Forum mehr bipolare Leute sind, nehme es aber an, oder?

Liebe Grüße! maya

10.10.2019 17:29 • x 1 #3


bones

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Was ist denn mal blöd gefragt, der Unterschied zwischen bipolar1 und 2? Seh da kein Unterschied.

10.10.2019 17:51 • x 1 #4


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maya60

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Hab gerade mal bei Mr. Google geschaut und gefunden, wie Bella schon ihre Erkrankung beschreibt, dass bei bipolar 2 die manischen Phasen sehr abgeschwächt sind und deshalb auch Hypomanie genannt werden, während bipolar 1 starke Manie im Wechsel mit Depression kennzeichnet.

10.10.2019 17:59 • x 1 #5


bones

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Zitat von maya60:
Hab gerade mal bei Mr. Google geschaut und gefunden, wie Bella schon ihre Erkrankung beschreibt, dass bei bipolar 2 die manischen Phasen sehr abgeschwächt sind und deshalb auch Hypomanie genannt werden, während bipolar 1 starke Manie im Wechsel mit Depression kennzeichnet.


Nur wegen der manischen und hypomanisch Phasen werden 1 und 2 benannt? Was ist mit der Phase wo manisch und depressive Phase zusammen passieren? Also wo die kurven zur gleich Zeit nach oben steigt und runter fällt. Was ist das für bipolar störung?

10.10.2019 18:18 • x 1 #6


Bella72

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Hallo zusammen,
vielen lieben Dank für Euer Interesse und die Erfahrungen, die Ihr mit der Krankheit gemacht habt. Ich denke, in diesem Forum sind eher weniger Bipolare.
@ Maya: Dein Verwandter hat offenbar eine ziemlich starke und länger anhaltende Manie gehabt. Sein Verhalten spricht sehr dafür und das ist für das Umfeld extrem anstrengend. Du hast toll reagiert und ihm damit sicherlich sehr geholfen. Ich freue mich für ihn, dass er stabil geworden ist´. Ohne Medikamente geht das bei der Erkrankung leider nicht. Bzw. Gott sei Dank gibt es diese Medikamente. Ich hatte nie wirklich ausgeprägte Manien. Zwar schon einige Symptome wie Schlaflosigkeit, Unruhe, ein tolles Hochgefühl, kaum Hunger, viel Alk. und Zig. aber ich habe mich Gott sei Dank nie großartig verschuldet oder alles hergeschenkt oder bin richtig aggressiv geworden. Trotzdem waren diese Phasen für mein Umfeld auch unangenehm. Ich habe ein gutes Buch zu diesem Thema gelesen "Die Unwiderstehlichen". Da bekommt man einen guten Einblick in die Welt der Maniker. Kann ich nur empfehlen, ist auch unterhaltsam. Oder auch "Die Welt im Rücken" , sehr gut uns anspruchsvoll . Falls Ihr Interesse habt.
Das mit Bipolar 1 und 2 hast Du gut erkannt!
@bones
ja im Grunde geht es bei der Unterscheidung um die Ausprägung der Manien. Die Phasen wo beides gleichzeitig auftritt, nennt man Mischphasen. Oder auch Rapid Cycling, wenn sich die Phasen sehr schnell abwechseln. Das ist besonders schwer zu behandeln und für den Betroffenen und die Angehörigen extrem schwierig, da man ja nie weiß, in welcher Stimmung sich der Betroffene gerade befindet. Auch von dem Medikamenten her schwer einzustellen, kann man sich ja vorstellen. Diese Menschen haben es extrem schwer im Leben und werden oft ausgegrenzt.
Die Selbstmordrate ist bei Bipolaren bei 25-30% also mehr als bei Depressionen, schon heftig oder?
Ich freue mich auf weitere Beiträge und wünsche Euch ein schönes Wochenende
Bella

11.10.2019 11:04 • x 4 #7


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maya60

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Hallo Bella, ja, "die Unwiderstehlichen", das kann ich mir vorstellen. Mein Verwandter betörte auf den ersten Blick auch durch seine Leichtlebigkeit, seine strahlende Laune und seine Selbstsicherheit, aber bei genauerem Hinsehen waren eben, wie du das auch schon beschreibst, auch Alk. und Dro. und Zig. viel im Spiel und allgemein eine Grenzenlosigkeit und Hemmungslosigkeit, die unverantwortlich und zerstörerisch und selbstzerstörerisch war.
In Künstlerkreisen wurde Manie auch wohl häufiger mit Genie verwechselt oder es traf tatsächlich gleichzeitig zu.

Kannst du dich denn noch an alles aus deinen hypomanischen Phasen erinnern? Mein Verwandter, der ja lange und viel und stark manisch war, konnte sich im Nachhinein kaum noch an alles erinnern, was er angestellt hat während der manischen Phase. Vor allem konnte er sich in tiefster Depression gar nicht mehr einfühlen.

Dieser Wechsel von Kontrollverlust bei ausgeprägten manischer Phase und tiefster Niedergeschlagenheit muss ja auch für´s Selbstbild unglaublich verunsichernd und unverständlich sein, stelle ich mir vor.

Du scheinst deine Erkrankung aber gut im Griff zu haben, oder? Die Gefahr besteht ja wohl, dass viele während ihrer manischen Phasen keine Medikamente mehr einnehmen, oder?

Dir auch ein schönes WE und liebe Grüße! maya

11.10.2019 11:29 • #8


Bella72

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Hallo Maya,

ja ganz viele Künstler wie Virginia Woolf, Hemingway, Dáli, van Gogh usw. waren bipolar. Ich behaupte, dass ein "normaler Mensch" gar nicht zu solchen Leistungen fähig ist. Wahn und Genie liegen sehr nah beisammen. Somit ist die Erkrankung Fluch und Segen zugleich.
Ich kann mich noch an fast alles erinnern. Meine Ratio scheint sehr stark ausgeprägt zu sein . Und ich habe auch keine genialen Dinge vollbracht.
Du sagst es, dieser Wechsel ist brutal. In der Depression wird einem erst so richtig bewusst, was man alles angestellt hat und das wiederum verstärkt die Depression. Ganz abgesehen von finanziellen und sozialen Verlusten. Und ja, viele setzen in den guten Phasen die Medikation ab. Ein Teufelskreis.
Ich denke, die Krankheit mittlerweile ganz gut im Griff zu haben. Dennoch werde ich Zeit meines Lebens damit leben müssen. Was kommt, weiß ich nicht. Meine Ärztin sagt, sie hat Patienten, die bis zu 30 Jahren mit Lithium stabil bleiben. Das wäre natürlich ein Traum. Ich habe einen Sohn mit 7 Jahren den ich über alles liebe. Allein für ihn möchte ich stabil bleiben. Und mein Mann hat unglaublich viel mitgemacht. Ich hatte vor und nach der Geburt einen extrem starke Depression und er stand allein mit dem Säugling da. Und dann 2016 eine gaaaanz schlimme Zeit. Es ist ein Wunder, dass er zu mir gehalten hat.
Allerdings ist man unter Lithium irgendwie gefühllos, gleichgültig, gedämpft. Wenn man die intensiven Gefühle der Manie kennt, ist es nicht so leicht, sich mit dieser "Mittelmäßigkeit" abzufinden. Auch aus diesem Grund wird es oft abgesetzt. Welche Diagnose hast Du eigentlich?

11.10.2019 12:10 • x 2 #9


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maya60

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Hallo Bella, ich habe die Diagnosen ADHS mit ausgeprägter Hyperaktivität und Reizoffenheit und die Zweitdiagnose chronische Erschöpfungsdepression und dann gibt es da noch ein vererbtes Kriegstrauma meiner Mutter, das mir von Zeit zu Zeit andersartige depressive Episoden beschert.

Da es die Diagnose "ADHS bei Erwachsenen" in D erst gab, als ich 49 Jahre alt war, rannte ich mein Leben lang unbehandelt leidvoll herum und meine Hyperaktivität mit ihrem Hyperfokus, wenn mich etwas begeistert, hat schon einige Anklänge in ihrer Impulsivität, die mich manische Episoden und auch das "Unwiderstehliche" daran nachvollziehen lassen.

Auch hyperaktive Impulsivität hat was von Zügellosigkeit und Gefahren der Zerstörung und Selbstzerstörung und Selbsterschöpfung und braucht viel Selbstregulation und mitunter wie bei mir eben auch Medikamente, um nicht komplett auszubrennen und in Dauererschöpfung zu versinken.


Liebe Grüße! maya

11.10.2019 12:29 • #10


Bella72

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Puh, das hört sich auch seeehr anstrengend an. Welche Medikamente nimmst Du? Helfen sie Dir? Dann sind Dir manische Zustände auch nicht fremd. Oft ist es ja eine Vermischung verschiedener Krankheitsbilder. Das Schubladendenken ist eh zweifelhaft. Aber die Ärzte müssen natürlich wissen, in welche Richtung sie ungefähr behandeln sollen. Auch verständlich.
Bist Du aktuell stabil`? Was hilft Dir?

11.10.2019 12:33 • x 1 #11


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maya60

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Hallo Bella, und wie anstrengend das war! Tierisch! Bis ich 49 Jahre alt war, war ich quasi Jahrzehntelang dauerüberreizt und dauererschöpft und zunehmend vor lauter Erschöpfung dauerdepressiv. Und dadurch immer weniger belastbar. Mein ganzes Leben war von Kleinauf unbewusste Selbstregulation, Selbstmedikation und ab 46 Jahren brauchte ich Antidepressiva.

Für mich galt die "normale" Wahrnehmung schon als Kind nicht mehr, weil mich alles überreizte, ich musste meine ganz eigenen Wege finden, um zu entspannen und runterzukommen mit meiner Reizoffenheit. Rückzug, Tricks über Tricks und auch Experimente mit ungesunden Wegen der Betäubung in meiner Jugend.

in den populärwissenschaftlichen Büchern zur Hochsensibilität fand ich mich wieder, nur half mir der Ansatz der Hochsensibilität als normalem Persönlichkeitsmerkmal eben kein bisschen weiter, weil ich mir sicher war, dass meine Reizoffenheit und Überreizung von der Fliege an der Wand krank sein mussten. Aber außer "extrem stressanfällig" stand nicht im Angebot und nichts half von Seiten der Medizin. Bis ich 49 Jahre alt war.

Zum Glück gelang mir trotzdem ein Leben mit Beruf, Familiengründung und Lebendigkeit, aber meine Gefühlswelt war grauenhaft zwischen Überreizung und Depri, schrecklich.

Was mir von Kleinauf halt, war der Rückzug täglich stundenlang mit Lesen, Schreiben und als Kind und jetzt wieder "im Alter" mit Spiritualität. Da kann sich meine innere Hypie, meine Hyperaktivität, unschädlich geistig und geistlich austoben und das erdet mich sehr.
Ich nehme eine niedrige Dosis Medikinet erwachsen mit demselben Wirkstoff wie Ritalin täglich und das rettet mich täglich vor Erschöpfung und zur Dämpfung meiner Reizoffenheit und zur Stabilisierung meiner völlig zerriebenen Emotionen nehme ich Venlafaxin, also ein Antidepressivum, täglich, das brauche ich recht hoch dosiert.

Seit 10 Jahren bin ich also nun immer stabiler und konnte damit dann auch mein inneres tief verstecktes vererbtes Kriegstrauma mitsamt seiner Trigger entdecken und bearbeiten. Deshalb hatte ich im Sommer nochmal eine 4 monatige depressive Episode, was schwer war und zum Glück selten. Einfach ausgelöst durch wochenlanges dunkles Regenwetter. Ebenso wie ich immer einen Winterblues in dunklen Jahreszeiten bekam und das, weil mein lange unentdecktes Kriegstrauma, im Bombenkeller im Dunklen verschüttet zu sein, getriggert wurde.

In diesem Jahr bin ich ein gutes Stück weiter in der Erkenntnis und Bearbeitung gekommen. Und meine hyperaktive Impulsivität ist durch Selbstregulation, ständige psychologische Begleitung und Medikamente zur Spontanität geworden, die ich in meiner geistigen und spirituellen Kreativität auslebe, was meine Lebensqualität vergrößert statt schädigt wie früher.

Aber meine Kräfte sind futsch. Ich bin zwar innerlich recht ausgeglichen, aber muss dafür auch einiges tun und bin echt ausgebrannt durch die Jahrzehnte ohne Bremse!

Ohne diese emotionalen Qualen früher war mein Leben schon in Ordnung, aber dieses "ohne" gab es eben selten. Heute schon, aber ein normales Leben lebe ich nicht, trotzdem ein zufriedenes, aber schon sehr eigenbrötlerisch mit eigenbrötlerischem Mann und eigenbrötlerischem Sohn zusammen. Die sind beide auch neurodivers, mein Mann hochbegabt und unser Adoptivsohn autistisch. Das passt gut.

Liebe Grüße! maya

11.10.2019 12:55 • #12


Bella72

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Erstmal danke für Deine Offenheit und Hut ab vor dem, was Du trotz Deiner Handicaps geschafft hast .
Das hört sich nach einem Achterbahn-Leben an.
Dieses vererbte Trauma, wie muss ich mir das vorstellen? Und wie bist Du drauf gekommen, dass es das ist? Winterdepressionen treten ja auch so auf. Ein Mangel an Licht und ´Vitamin D. Also biochemisch erklärbar.
Ich beschäftige mich auch mit Spiritualität aber meine Ratio ist immer dabei. Ich denke auf jeden Fall, dass wir ein sehr komplexes Konstrukt aus körperlichem und seelischem Anteil sind und uns beides beeinflusst. Die Forschung ist ja gerade dran, die Genetik und auch die Biologie, also z.B. was an biologischen Prozessen abläuft und eventuell psychische Erkrankungen hervorruft, zu ermitteln. Die stehen im Grunde am Anfang. Immerhin gibt es Medikamente, die unser Leiden mildern können.
Ich nehme auch an Studien teil, weil ich die Forschung voranbringen möchte.
Du hast ein autistisches Kind, das ist eine SEHR große Herausforderung. Wie alt ist er? Wie schaffst Du das alles? Ich ziehe erneut den Hut vor Dir.
Ich habe mal gehört. dass jeder nur soviel auferlegt bekommt, wie er tragen kann. Also kannst Du enorm viel tragen.

Ganz liebe Grüße

11.10.2019 13:15 • x 1 #13


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maya60

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Liebe Bella, ich musste ja mein ganzes Leben lang durch Selbstbeobachtung meine Selbstregulation hinkriegen und als jetzt nach 50 Jahren endlich Raum frei wurde, wo ich nicht dauererschöpft und dauerdepressiv war, da kam ich nach und nach drauf, dass ich verbunden mit meiner Mutter Panikanfälle und schwer depressive Stimmungen bekam. Und dass ich auf Dunkelheit im Haus überreagierte.

Meine Mutter war psychisch auch sehr instabil und wir hatten Angst vor ihr als Kinder und bis heute versucht sie immer noch, brutale Streits vom Zaun zu brechen. Ich habe mich davon abgewandt.

Aber ich fragte mich mehr und mehr, wieso Panik, wieso reagiere ich so massiv?

Dann, je besser es mir psychisch ansonsten ging und je tiefer wieder meine mich tragende Spiritualität wurde, desto mehr traute ich mich immer tiefer in meine Ängste, die ich immer rausschrieb.

Und so kam ich irgendwann dahinter, dass ich riesige Angst davor hatte, lebendig begraben zu sein. Und meine Mutter ist als Kind im Bombenkeller verschüttet worden und hat Flashbacks deswegen, gibt das aber nie zu.

Dann fiel mir nach und nach auf, dass ich getriggert bin und angespannt und depressiv wurde, sobald es dunkler wurde am Tag oder vom Wetter, das war psychische Anspannung und Anstrengung, ganz abgesehen von meiner Klaustrophobie. So kam ich immer mehr dahinter und konnte mit szenischem Schreiben diese Ängste in mir zum Sprechen bringen und so sind diese Trigger schon deutlich zurückgegangen. Sie wollten ja nur gesehen werden. Sie banden auch viel psychische Kraft.

Spirituell kann ich nicht mit meiner Ratio sein, sondern nur mit meiner Intuition, damit konnte ich auch die autistische Welt meines Sohnes verstehen. Die ersten 11 Jahre mit ihm waren hart, auch da half mir mein Glaube, und heute ist er erwachsen und es ist viel leichter geworden. Meine Ration sieht aber die hohe Wirksamkeit meiner Spiritualität und hat zusammen mit meiner Hypie den Forschungsfokus Bibelforschung am Wickel.
Ich habe mit unserem Sohn und auch in einigen anderen Bereichen in der Kombination von Intuition und Ratio trotz aller Einschränkungen sehr hohe Leistungen erbringen können, danach bin ich aber regelmäßig zusammengebrochen.

Mein ADHS-Experte meinte nach meiner Diagnose-Phase lapidar: "Wenn Sie nicht so intelligent wären, wären sie garantiert in der Gosse gelandet." Ja, danke auch.

Da ich mich immer nur auf mich und meine Grenzen und meine Wahrnehmung stützen konnte und auf meinen Glauben bin ich mental ziemlich stark gewesen, wenn es sein musste und meine Hyperaktivität ließ mich immer über alle Schmerzgrenzen gehen. Ich war sowieso dauernd erschöpft.

Toll war das alles nicht, aber der menschliche Organismus ist schon ein erstaunliches Wunderwerk der Anpassung.

Wie gelang dir dein Leben so einigermaßen?

Liebe Grüße! maya

11.10.2019 14:36 • #14


Bella72

Bella72

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Liebe Maya,

Du hast auch ein gewaltiges Päckchen zu tragen. Hut ab und großen Respekt vor Deiner Energie und Deinem Durchhaltevermögen
Der Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen und das ist Dir mehr als gelungen. Irgendwo habe ich gehört, dass jeder nur soviel auferlegt bekommt, wie er tragen kann und belastbare Menschen eben mehr bekommen. Vielleicht ist es tatsächlich so.

Wie stark ist der Autismus bei Deinem Sohn ausgeprägt? Das stelle ich mir unglaublich schwer vor, damit umzugehen. Ich habe einen 7 Jährigen Sohn und da ich vor und nach der Geburt schwerste Depressionen hatte und Medikamente nehmen musste, hatten wir große Angst, mit ihm könnte etwas nicht in Ordnung sein, was Gott sei Dank nicht so ist. Er ist mein kleiner Engel, der alles für mich ist.

Bei mir begann das Ganze mit 27 Jahren, ich kam gerade aus langen Beziehung, deren Trennung überaus schmerzhaft für mich war, hatte einen neuen Job angenommen und wohnte zum ersten Mal alleine. Da brach die erste Depression aus. Ihr folgten leider noch viele und irgendwann auch leichte Manien.
Wie kam ich klar, gute Frage. Ich würde sagen, dass ich eine Kämpferin bin und auch immer tolle Menschen an meiner Seite hatte und habe, die mich unterstützen. Und gute Ärzte, Therapeuten. Aber im Grunde muss man selbst schaffen. In der Depression bin ich leider zu nichts in der Lage und leide unglaublich. Doch sobald ich wieder kann, fange ich an zu kämpfen.
So habe ich es geschafft, im Berufsleben zu bleiben, eine gute Ehe zu haben, mein wundervolles Kind und einen großen Freundeskreis. Leider bin ich mittlerweile gehbehindert, was meine frühere Sportlichkeit sehr einschränkt. Aber gut, so ist es eben. Meine Behinderung könnte viel schlimmer sein, das muss ich mir jeden Tag sagen. Und vielleicht geschieht doch ein Wunder und ich laufe irgendwann wieder normal, wer weiß!

Wie kamst Du drauf, dass Deine Ängste mit dem Erlebnis Deiner Mutter zusammenhängen? Das musst Du mir näher erklären wenn Du magst
Liebe Grüße
Bella

14.10.2019 10:53 • x 1 #15


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maya60

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Liebe Bella, danke für deine Anerkennung, deine Empathie und deinen Respekt vor meiner "Lebensleistung"! Das tut sehr gut.

Ich kann dasselbe nur von Herzen an dich zurückgeben, denn wie bei mir schienen auch bei dir hormonelle Veränderungen wie vor und nach der Schwangerschaft bei dir sowie insgesamt große Lebensveränderungen wie Alleinewohnen, berufliche Einmündung und Veränderungen sowie auch Beziehungsenden, also alle Lebenssituationen mit hohem Stresslevel, zu Depressionen zu führen!
Und du hast dennoch dein Leben mit Beruf, guter Ehe und Elternschaft in deiner Hand behalten. Glaub mir, wenn eine weiß, welche Leistung das in einem "Achterbahnleben" ist, dann ich! Meine höchste Anerkennung und Freude für dich!

Vielleicht magst du auch im "Tagebuch"-Bereich schreiben und dich weiter mit mir und anderen austauschen? Das wäre mir lieber, weil der Bereich im Unterschied zu diesem Öffentlichen hier nur für die Forums-Mitglieder einsehbar ist?

Ich habe ganz ganz viel zu meiner Krankheitsbiografie und meiner angestrengten Lebensbewältigung in meinem Tagebuch "Meine Tagebuch-Lebenslinien" erzählt im Sinne von therapeutischem Schreiben, das mir von Kleinauf ohne Namen dafür eine wahre Kraftoase war. Vielleicht magst du ja auch da lesen?

Ich glaube, gleich der 3. Text dort von mir ist zu meiner Krankheitsbiografie und immer wieder zu allen Lebensthemen. Da kannst du dich gerne überall einklinken, ich finde Austausch toll.

Nur auf den ersten Seiten meines Tagebuches sind noch viel Austauschbeiträge zur gegenseitigen Begrüßung hier im Forum, danach wird es kontinuierlich mit Texten von mir mit und ohne Antworten.

Auch mein Steckenpferd Spiritualität in ausufernder Breite und Hyperfokus als Basis und Hobby meines Lebens wirst du dort finden.

Vielleicht magst du auch ein Tagebuch eröffnen? Damit lernt man sich gegenseitig und selber recht gut detaillierter kennen, finde ich und auch die Verläufe von Krankheitsepisoden und Ursachen dafür ist immer nachlesbar und zu überschauen.

Liebe Grüße! maya

14.10.2019 13:21 • #16


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Mandinka

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Ich kannte über meinen Ex-Mann vor vielen Jahren auch einen manisch-depressiven jungen Mann. Er hatte extreme manische Phasen und konnte sich danach nicht mehr wirklich erinnern. Er fragte dann auch mitunter, ob er denn wieder sehr schlimme Sachen gemacht hätte. Oft war er auch in Kliniken untergebracht. Das Tragische war, daß er sehr begabt war, aber aufgrund seiner Unberechenbarkeit niemand mit ihm arbeiten wollte.

Ich selbst habe gerade seit einigen Wochen einen neuen Partner kennengelernt, der unglaublich umtriebig, um nicht zu sagen "getrieben" ist. Ich bin ja mittlerweile eher der sehr vorsichtige, langsame, ruhige Typ - obwohl das in meiner Jugend auch noch etwas anders war. Vielleicht kommt er mir auch nur verstärkt getrieben vor, weil ich eben selbst so ein "Phlegma" bin. Aber manchmal hat er für mich auch bereits leicht manische Züge. Ständig auf Achse, ständig am Machen und Tun, schnelle Planänderungen, viel Shoppen . Für einen wirklichen Maniker dürfte er jedoch nicht seit vielen Jahren offensichtlich erfolgreich im Beruf sein - oder?

15.10.2019 12:49 • #17


Bella72

Bella72

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Hallo Mandinka,

vielen lieben Dank für Deinen Beitrag!
Es ist schon erstaunlich, dass Du Dir wieder einen sehr aktiven Partner gesucht hast. Vielleicht braucht Deine phlegmatische Seite einen Gegenpol
Ich denke, die Grenze zwischen einem sehr aktiven gesunden Menschen und einem Maniker ist fließend. Die reine Manie ist auch selten, schau mal:
http://www.psychosoziale-gesundheit.net.ternet.pdf
vielleicht ist da was hilfreiches für Dich dabei.

Ich würde einfach mal abwarten und sehen wie es sich entwickelt. Wenn ihr erst so kurz zusammen seid, kennst Du ihn ja noch gar nicht richtig. Vielleicht hast Du auch die Gelegenheit in seinem Umfeld mal die Fühler auszustrecken, ob es da Hinweise auf eventuelle psychische Auffälligkeiten bei Deinem Freund gibt.
Aber wichtig finde ich, dass Du die erste Phase einer neuen Liebe trotzdem genießt. Man weiß ja nie, was kommt.

Mit dem Erfolg im Beruf würde ich sogar umgekehrt sehen. Wenn die Manie nicht so stark ist, kann es gut sein. Der Zustand fördert ja die Leistungsfähigkeit und die Menschen sind sehr charismatisch. Es gibt ein Buch "Die Unwiderstehlichen". Dieser Ausdruck trifft es ganz gut finde ich.

Halte mich doch auf dem Laufenden wenn Du magst!
Liebe Grüße von Bella

15.10.2019 13:52 • x 1 #18


Bella72

Bella72

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@maya60,
Lieben Dank für Deinen Hinweis. Ich wusste nicht, dass nur der Tagebuch Bereich nicht öffentlich ist! Ich werde mir Dein Tagebuch mal durchlesen und vielleicht eröffne ich auch eins.
Einen schönen Tag wünsche ich Dir!
Liebe Grüße

16.10.2019 10:22 • x 2 #19


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Mandinka

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Hallo Bella, Danke für deinen Beitrag. Das Buch werde ich mir mal anschauen bzw. besorgen. Bis später. LG

16.10.2019 11:31 • x 1 #20


Bella72

Bella72

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Sehr gerne Mandinka,
das Buch ist aber kein Fachbuch sondern eher ein Einblick in die Welt der Maniker. Manchmal auch amüsant, denn sie sind auf jeden Fall schillernde Persönlichkeiten.
Liebe 'Grüße

16.10.2019 12:28 • x 1 #21


Bella72

Bella72

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Hallo Forum,

gibt es noch Beiträge von anderen Mitgliedern hier? Sonst würde ich das Thema schließen. Offenbar sind hier kaum bipolare Menschen.
Liebe Grüße
Bella

20.10.2019 22:09 • #22


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Orangia

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Hallo
Ich bin 54 Jahre alt, komme aus Schleswig-Holstein und bin seit einigen Jahren berentet.
Eigentlich bin ich schon mein ganzes Leben lang, von Kindes Beinen an, depressiv, habe eine Angststörung und Zwangsgedanken.
Seit 2011 habe ich die Diagnose bipolare Störung. Bis heute waren das sehr schlimme Jahre, seit einem Jahr geht es mir langsam immer besser, obgleich ich nichts verändert habe an Medikamenten oder Verhalten.
Ich habe / hatte keine Phasen in dem Sinne. Meistens war ich schwer depressiv.
Manisch war ich nur ein Mal und das dann aber auch richtig und über einen längeren Zeitraum.
Bin dann auch in die Psychose gerutscht.
Ich kann mich noch an alles ganz genau erinnern. Ich habe immer Angst, so eine Phase könnte nochmal wieder kommen.
Aber ich denke, meine Medikamente halten das im Zaum.
Das für den Anfang.
Liebe Grüße

25.10.2019 14:44 • x 1 #23


Bella72

Bella72

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Liebe Orangia,
das freut mich sehr, dass Du Dich gemeldet hast. Danke Dir!
Das tut mir sehr Leid, dass Du berentet bist. Ist das schwer für Dich oder eher eine Erleichterung?
Magst Du mir ein bisschen von Deiner Manie erzählen? Ich hatte über Jahre die Diagnose Depressionen. Und das bipolare hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt aber wie Du auch sagst, herrschen bei die depressiven Phasen vor und sind extrem schwer und die "Manien" waren eher schwach ausgeprägt und kürzer, meisten kamen sie direkt nach der Depression, sog. Hypomanien.
Eine Psychose hatte ich wenn dann in der Depression. Wie hat sich das bei Dir bemerkbar gemacht? Ich war davon überzeugt, dass ich nicht krank sei und mir deswegen auch keiner helfen könne. Ich spiele meinem Umfeld nur was vor und bin ein ganz schlechter Mensch, der es nicht verdient hat zu leben.
In der Manie habe ich eher an Spirituelle Dinge geglaubt. Aber alles noch im Rahmen. Für mein Umfeld war es allerdings sehr anstrengend.
Welche Medikamente nimmst Du? Lithium scheint ja das Mittel der Wahl zu sein. Ich nehme es erst seit Dezember letzten Jahres. Dazu noch Venlafaxin und Lamotrigin und bis vor kurzem noch Quetiapin.
Hast Du Nebenwirkungen? Ich kämfpe mit starker Müdigkeit und Erschöpfung, Vergesslichkeit und immer so einem "Wattegefühl" im Kopf
Liebe Grüße
Bella

26.10.2019 13:20 • x 1 #24


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Orangia

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Hallo Bella,
das muss dir nicht leid tun, daß ich berentet bin. Es ist derzeit ein Segen. Vielleicht kann ich irgendwann nochmal stundenweise was machen, vielleicht Ehrenamt .mal sehen. Im Moment geht es nicht.
Das war 2011 als ich meine Manie hatte, oder eben auch Psychose, kann das nicht so genau trennen.
Ich habe da bereits jahrelang Venlafaxin genommen, mal 75mg mal 150 mg.
Es fing damit an, daß ich nur noch sehr wenig Schlaf brauchte, morgens um 4 aufstand und anfing zu bügeln oder sonstwas.
Trotzdem war ich den Tag über überhaupt nicht müde und war quietschvergnügt. Hatte eine super gute Laune.
Das ging ungefähr eine Woche so. Eines Tages bekam ich eine extreme Panikattacke. Sie kam innerhalg von 30 Sekunden von null auf hundert. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits viel Kaffee getrunken und viel geraucht.(rauche jetzt nicht mehr).
Ich war nur mit Slip und Bademantel bekleidet, barfuß .und lief in meiner Panik zu den Nachbarn und trommelte an die Haustür. Als ich dann bei denen auf dem Sofa saß und ein Glas Wasser bekam, war die Attacke vorbei, durchgeknallt war ich aber dennoch, total überdreht. Mit Herzrasen.
Da ich die Haustür zugeschlagen habe, kam ich nicht mehr rein und meine Nachbarin rief meinen Mann im Geschäftt (wir waren damals selbstständig)
Der kam dann auch und hat mich reingelassen, mußte aber zurück ins Geschäft. Den Rest des Tages blieb ich Slip und Bademantel.
Am nächsten Tag das gleiche Schauspiel. Wieder im Bademantel ohne BH, nur Slip. Wieder eine heftige Panikattacke.
Diesmals allerdings hab ich mich ins Auto gesetzt und bin in die Stadt zum Laden gefahren. Völlig meschugge.
Vor lauter Aufregung habe ich meine Tage bekommen, das lief mir dann am Bein runter. So bin ich über den Bürgersteig in den Laden gegangen. Mein Mann sah mich und überlegte nicht lange und schloß die Ladentür. Dann habe ich wie ein Wasserfall wirres Zeug geredet ohne Punkt und Komma. Mein Mann holte das Auto vor die Ladentür, damit ich nicht wieder über den Bürgersteig muss, wo mich alle sahen. So konnte ich relativ ungesehen ins Auto schlüpfen.
Ich fand da nichts ungewöhnliches dran in dem Moment.
Zuhause bekam ich "Geschäusche im Kopf", als wenn das Uhrwerk/Gehirn arbeitet. Klick klack pling ploing.
Mein Mann hat meine Ärztin angerufen und die hat mich dann in die Psychiatrie eingewiesen. Da war ich dann 5 Wochen und wurde medikamentös eingestellt. Es ging mir auch wieder relativ gut, abgeschwächte Form der Manie wahrscheinlich.
Dann sind mein Mann und ich in die Türkei geflogen, der Urlaub war lange gebucht.
Dort kam es zu verschiedenen Symptomen, ich war immer noch manisch, entwickelte dann aber Ängste, konnte nicht durch einen Tunnel gehen, konnte den Spreiseraum nur unter größter Anspannung betreten und schnell essen schnell wieder raus., konnte nicht alleine am Strand bleiben wenn Mann zum Klo mußte, ging dann mit.
Unser Hotelzimmer war im 5. Stockwerk und ich hatte das Gefühl.ich muss da jetzt runterspringen.
So ein mißratener Urlaub. Tat mir für meinen Mann leid.
Als Krönung entwickelte ich plötzlich Flugangst und wußte nicht, wie ich nach hause kommen sollte. Totale Panik.
Von dem Hotel-Arzt bekam ich dann Alprazolam und damit ging es.
Kaum wieder in Deutschland, ging ich wieder in die Klinik.Wieder Medi-Änderung.Das war so in groben Zügen meine Manie/Psychose.

Meine Medikamente heute:
100 mg Pregabalin/Lyrica
400 mg Quetiapin /Seoquel
90 mg Duloxetin / Cymbalta
425 mg Lithium

Liebe Grüße
Orangia

26.10.2019 15:14 • x 1 #25


Bella72

Bella72

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wow das war dann aber schon ein heftiger Ausschlag. Wie ist Dein Mann damit umgegangen? Hattest Du in den vergangenen Jahren wieder leichte Hochs? Zumindest war Deine Manie ziemlich kurz. Gut, dass Du gleich in die Klinik bist. Das mit dem wenigen Schlaf, Kaffe und Zig. kenne ich auch gut. Und Unruhe, Getriebenheit, super gute Laune, das Gefühl, alles zu schaffen. Aber Panikattacken kenne ich nicht.
Hast Du das Gefühl, dass Dich das Lithium stabil hält? Verträgst Du es gut?
Was hast Du beruflich gemacht?
Ich arbeite noch/wieder. Manchmal ist es nicht so leicht mit dem Vergessen und der Unkonzentriertheit aber ich bin dankbar für jeden Monat, den ich schaffe. Am Mittwoch musste ich mal einen ganzen Tag Ruhe einlegen, weil ich nicht mehr konnte. Meine Hausärztin meinte aber, dass sie auch psychisch gesunde Patienten hat, die ab und zu eine "Auszeit" nehmen. Das hat mich irgendwie beruhigt. Montag greife ich wieder an.
In meier Manie 2016 hatte ich die Medikamente abgesetzt. Ich hatte Herzrasen und Kreislaufprobleme, schlief wenig, war überdreht, hab viel geraucht, Kaffe und Alk. getrunken, hatte die Vision, dass ich früher mal eine Heilerin war und auch in diesem Leben dazu berufen bin, hatte extreme körperliche Empfindungen, habe kaum gegessen usw. Darauf folgte eine fürchterliche Depression mit verheerenden Folgen.
Meine Medikamente werde ich nie wieder absetzen, das hoffe ich zumindest

26.10.2019 15:44 • x 1 #26


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Orangia

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Von dem Lithium halte ich ehrlich gesagt nicht so viel. Es wird mir aber nahe gelegt es zu nehmen als Phasenprohylaxe.
Ich denke das Quetiapin hilft mir neben dem Lyrica am meisten.
Meine schlimmen Angstzustände sind um einiges besser geworden.
Als Nebenwirkung sehe ich hauptsächlich die Gewichtszunahme, und ich schlafe recht lange, meistens 10,11 Stunden mit meist 3 Unterbrechungen wegen Toi-Gang, schlafe nie durch, schon immer.
Ich habe ein schlechtes Kurzzeitgedächntis, manchmal weiß ich nicht mehr was ich am Vortage gelesen habe.
Dafür bin ich" in Watte gepackt", es kommt alles negative nicht mehr so sehr an mich heran.
Ich bin ziemlich gelassen geworden, kann gut mal 5 gerade sein lassen, was vorher nicht ging, wie z.B. im Haushalt.
Längeren Gesprächen kann ich oftmals nicht folgen, ich schalte dann ab, ist mir einfach zuviel.

Ich bin gelernte Zahnarzthelferin, habe nach meiner Scheidung aber nichts als ZAH gefunden und bin für 5 Jahre in der Altenpflege gelandet. Danach habe ich im eigenen Geschäft mitgearbeitet. Als ich krank wurde und länger ausfiel ging es dann auch mit dem Laden bergab und wir mußten nach insgesamt 4 Jahren schließen, weil ich einfach fehlte.

Mein Mann (2.Ehe) hat sich ganz toll verhalten und konnte mich gut " händeln ". Er ist mein Ruhepol,
war und ist mir eine große Stütze.

Was ich noch zur Manie sagen kann .ich hatte den besten *piep* meines Lebens. Absolut auf dem Höhenflug.
Nicht, das es jetzt nicht mehr toll ist.aber DAS war einfach nur Hammer.

26.10.2019 16:58 • x 1 #27


Bella72

Bella72

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Hallöchen,

ich habe das Lithium auch immer abgelehnt. Es hat einfach einen sehr schlechten Ruf. Ich habe schon einiges an Medikamenten gehabt. Sehr lange Lamotrigin als Stabilisator. Aber letztes Jahr bin ich eben mit dieser Medikation (Lamotrigin und Citalopram) doch wieder in eine Depression gekommen. Deswegen hat sowohl meine Familie als auch die Ärzte total Druck gemacht, dass ich das Lithium ausprobieren soll.

Als ich entlassen wurde, hatte ich Lithium, Quetiapin, Venlafaxin und Lamotrigin. Das war mir einfach Zuviel und ich habe das Quetiapin dann weg gelassen. Davon war ich so müde, dass ich zu fast gar nichts mehr im Stande war.
Ich bin auch sehr entspannt. Mein Mann empfindet es mehr als Faulheit und Gleichgültigkeit. Nicht so einfach damit umzugehen. Und ich schaffe nur noch die Hälfte von dem was ich früher geschafft habe. Das ist schon hart. Naja, Hauptsache keine Phasen mehr.

Und das mit dem *piep* kenne ich
Wieviel Quetiapin nimmst Du?
Liebe Grüße

28.10.2019 11:31 • x 1 #28


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Orangia

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Bist du denn berufstätig oder wie gestaltest du deinen Tag ?
Derzeit nehme ich 400 mg Seroquel prolong abends oder zur Nacht. Schlafe damit aber auch nicht besser.

28.10.2019 11:52 • x 1 #29


Bella72

Bella72

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ich arbeite 25 Stunden die Woche. 2 Tage davon ganztags im Büro (da habe ich über 1 Stunde mit dem Auto einfach) und den Rest zuhause per Home Office. Dann habe ich einen kleinen Sohn mit 7 Jahren, habe viele Termine mit Arztterminen, Physio, Ergotherapie (wegen der Gehbehinderung) und einen großen Freundeskreis. also gut zu tun. Früher habe ich das alles mit links gemacht und jetzt eben nicht mehr so. Und der Haushalt ist ja auch noch da wobei mein Mann da echt ein Engel ist.
400mg ist ziemlich viel oder? aber es kommt drauf an, welche Form man nimmt habe ich gelernt. Das retardierte (das müsste das Prolong sein) gibt ja den Wirkstoff über den Tag verteilt ab und macht nicht sofort müde und das unretardierte macht sofort müde, dafür aber auf einmal. Mir reichen da 20 mg und ich schlafe wie ein Stein. Ich sollte 100 mg Abends nehmen und ich war am nächsten Tag wie im Koma. Interessanterweise hat mir eine andere Psychiaterin gesagt, dass man das unretardierte gar nicht als Stimmungsstabilisator sondern als Beruhigungsmittel nimmt- naja, da sagt jeder was anderes

28.10.2019 12:49 • x 2 #30

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