Bin ich bipolar?

nonick

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Liebe Leute,


ich war schon länger nicht mehr hier, hoffe aber, dass Ihr mir trotzdem antwortet.

Ich, w, in den 30-ern, hatte vor einigen Jahren eine schwere depressive phase, die ich dank Medikamenten und Therapie aber gut in den Griff bekommen habe.

Nun, seit ca. 2 Monaten, geht/ging es mir wieder relativ schlecht. Fast jedes Wochenende Heulkrämpfe und nicht in der Lage, aufzustehen.

Vor 2 Wochen dann ein absoluter Tiefpunkt mit absoluter Gefühlslosigkeit und kolossaler Erschöpfung, Selbstzweifel und Hoffnungslosigkeit- das ganze hat dann auch fast 2 Wochen angedauert.
Und nun, plötzlich, seit gestern, blendende Laune, die sogar besser ist als normal, ein totales Selbstvertrauen und das Gefühl, dass ich schon alles wuppen werde, es überhaupt keine Probleme gibt.

Es ist für mich schwer zu unterscheiden, ob das normale gute Laune ist oder schon fast in Richtung Manie. Die typischen Symptome- Kaufsucht, extremer Redeflash etc... habe ich nicht. Aus der Vergangenheit kenne ich auch einzelne Tage, an denen binnen eines Tages die Stimmung von einem Extrem zum anderen gekippt ist...

Kennt Ihr, die “typisch” depressiven, auch solche Hochphasen ? Ich bin natürlich froh, dass es mir wieder besser geht, aber ziemlich irritiert und verunsichert

11.07.2012 19:09 • #1


Steffi

Steffi

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Hallo nonick,

Zitat:
Kennt Ihr, die “typisch” depressiven, auch solche Hochphasen ?

ja, ich kenne diese Phasen. Bin selbst seit unzähligen Jahren bipolar und erlebe es wie von Dir geschildert.

Wurde bei Dir denn eine bipolare Störung schon festgestellt oder weiß Dein Arzt von den Phasenwechseln ?
Nimmst Du Medikamente ?

11.07.2012 20:49 • #2


nonick


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hallo Steffi,

danke für deine schnelle Antwort. der erste Psychiater, den ich hatte, hat Fragen dazu gestellt, es aber absolut ausgeschlossen, weil ich eben nicht zu extremen Verhaltensweisen neige bzw. meine Hochstimmung nach außen wohl nicht so auffällt. Bei meinem jetzigen Arzt habe ich es noch nicht angesprochen, aber da haben eben meist die depressiven Phasen überwogen und ich habe die Hochstimmung gedanklich ausgeblendet bzw. gar nicht erwähnt. Momentan nehme ich keine Medikamente, aber ich habe hier noch zwei Rezepte für Venlafaxin und Trazodon liegen....
Ach, und noch ein Nachtrag... ich neige manchmal zu extremen Reaktionen bzw. aggressiven verbalen Ausbrüchen, dies aber nie in den Hochphasen...



Liebe Grüße

11.07.2012 21:08 • #3


Steffi

Steffi

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Hallo nonick,

ich verweise dich hier mal auf einen Link, der - wie ich finde - umfassend erklärt, was bipolare Störungen bedeuten, wie und wodurch sie entstehen usw.
http://www.psychose.de/wissen-ueber-psychosen-51.html

U.a. können Manien / Hypomanien auch durch Antidepressiva ausgelöst werden. Es gibt eine Reihe antidepressiver Medikamte, die Manien zumindest fördern.
Es ist, finde ich, völlig normal, wenn man gegenüber dem Arzt eine Phase der Hochstimmung nicht extra erwähnt. Wüssten wir, dass solche Phasen manisch geprägt sind, wäre es keine Manie mehr. Du selbst merkst ja gar nicht, wann eine solche Hochstimmung "krank" ist und wann einfach nur gute Laune.
Zitat:
ich neige manchmal zu extremen Reaktionen bzw. aggressiven verbalen Ausbrüchen, dies aber nie in den Hochphasen...

Auch das gehört dazu. Ich kenne es aus eigener Erfahrung.
Das Überwiegen der depressiven Phasen gegenüber manischen ist eigentlich die Regel. Allerdings gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen. Ich z.B. erlebte früher Monate lange wechselnde Phasen, während ich heute innerhalb von Tagen von einer in die nächste Phase rutsche, ohne dabei ein Muster zu erkennen, das mir sagen könnte, weshalb das so ist. Meine Phasen sind zum Glück nicht mehr so stark ausgeprägt, weil ich seit inzwischen 40 Jahren Medikamente nehme, die ausgleichend wirken.

Ich möchte Dir keinesfalls einreden, dass Du bipolar bist. Du solltest die bisher an Dir beobachteten Symptome und Reaktionen aber unbedingt mit Deinem Arzt besprechen. Denn wenn es so sein sollte, gibt es geeignetere Medikamente als die, die Du jetzt bekommen hast.

12.07.2012 11:27 • #4


Knoten

Knoten

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Hallo nonick,

ich lebe seit längerem mit der Diagnose Bipolar 2, was bedeutet, dass ich zwischen Hypomanie und tiefe Depression schwanke. Es hat schon einige Zeit gedauert, bis bei mir diese Diagnose gestellt wurde. Vorher galt ich als Depressiv.

Mein Psychiater erklärte mir, dass es sehr schwer sei, den Unterschied zwischen Depressiv und Bipolar 2 zu erkennen.
Ich möchte aber klar sagen: Denke nicht das du Bipolar bist, solange diese Diagnose nicht zweifelsfrei gestellt ist!

Auch ich empfehle ein Gespräch, ein gutes und langes Gespräch, mit deinem Arzt. Beobachte dich gut, frage Menschen, die dich gut kennen, ob sie bestimmte Verhaltensweisen an dir erkennen. Manchmal bin ich zu selbstkritisch mit mir und hole mir Ansichten meines Partners, der mich objektiver betrachten kann. Er ist auch bei meinen Arztterminen dabei, und erläutert meinem Psychiater, was er an mir feststellt.

LG, Knoten

16.07.2012 07:27 • #5


nonick


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Habt vielen Dank für Eure Antworten ! Der Link hat mir schonmal weitergeholfen und ich werde meinen Psychiater kontaktieren, sobald er aus dem Urlaub ist.

Heute war wieder ein extremes Auf und Ab. Vom Gefühl es nichts geht mehr, ich muss mich sofort krankschreiben lassen bis hin zum Gefühl, dass doch alles ganz okay ist.... Das ist irgendwie total anstrengend und hält mich davon ab, meine Medikamente anzufangen, da sie eindeutig für Depressionen induziert sind.....

16.07.2012 19:40 • #6




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