maya60
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Heute ging es prima, weil es immer noch um diese Zeit morgens hell ist und was hatte ich letzten Monat am Johannitag der Sonnenwende für eine Angst, dass es schon schnell wieder damit vorbei ist. Ja, an solchen sonnigen Morgen wie heute komme ich meist gut aus dem Bett und kann den "Himmel auf Erden" wie er gemeint ist, durchschimmern sehen. Dann ist es damit aber auch schon vorbei, wenn ich Bilder vom Hochwasser woanders sehe, von Krieg, Flucht, Hunger, Gewalt von Menschen und Natur wie es die meisten weltweit als Normalität kennen.
Gestern dagegen war es ein zähes Ringen ohne Sonnentag für mich psychisch und ich kann dagegen nicht mehr tun. Es liegt nur sehr bedingt in meinen Händen und hat Jahrzehnte gebraucht, meine unsichtbare Psyche zu verstehen. Das war und ist den meisten Menschen weltweit nie vergönnt, leben sie doch hauptsächlich dem Überleben.
Ebensowenig wie der Durchblick über die Umweltkatastrophe, die sich weltweit anbahnte. Mittlerweile ist das in aller Ohren, in allen Medien. Aber bis vor wenigen Jahren wusste ich schlicht gar nicht, wo unser Müll entsorgt wird, dass es so viel zuviel ist, über all die grausame Tierhaltung uvm.
Und noch mein Großvater wuchs mit einer großen Angst vor der Natur auf ohne Strom und fließendes Wasser im Haus. Noch bis nach dem 2. Weltkrieg, also weniger als 100 Jahren, hieß Winterzeit Massensterben, Hunger, Erfrieren, Überfälle, Blitztote, Epidemien, Missernten und anschließendes Verhungern oder Flucht, Sterben vieler Mütter bei und nach der Geburt, wenige Kinder überlebten ihre Kinderjahre.
Da gab es nur bei den privilegierten Romantikern in den Künsten das Schwärmen für die Schönheit der Natur seit der Industrialisierung, für die Massen der Landbevölkerung und der Selbstversorger*innen war die Natur vor allem eins: schön grausam.
Alle Sonnengesänge der Völker waren Beschwörungen ihrer heilenden und nährenden Kräfte, sie wurde ja sogar als Gott verehrt. Obwohl sie in Dürre und Wüste auch grausam war. Denn alle Götter waren grausam.
Grausamkeit verknüpft mit Schönheit und Hoffnung und Liebe und Freude, Fressen wie Gefressenwerden, das machte schon immer diese Schöpfung aus, machte die Natur aller darin lebenden Geschöpfe aus. Besonderes aggressives Überleben zeigte der Homo Sapiens und schob sich so vom Gefressenwerden und Überrolltwerden durch Naturkatastrophen und Kriege und Krankheiten immer mehr an die Spitze der Nahrungskette.
Toxische Männlichkeit? Toxische Weiblichkeit? Tja, wir sind die Auslese der Aggressivsten, die überlebten! Nicht die Netten!
Die grausame und todbringende Natur zu unterwerfen war ein verständlicher Menschheitswunsch - so dass er sogar in der Genesis der Bibel als Gottesauftrag seinen Platz fand.
Noch mein Opa jagte jeden Maulwurfshaufen mit Kabit in die Luft, für ihn war die Natur nichts Fragiles, sondern eine massive Bedrohung, wo es hieß: Wir oder sie.
Und dementsprechend erfanden wir uns unsere Götter oder erspürten und verstanden sie so - im Grunde spiegeln sie uns selbst.
So dass ich schon finde, dass solch eine machtmissbräuchliche Kirche mit ihrem machtmissbräuchlichen Gott auch nicht meinen Glauben verdient hat. Wie ich auch finde, dass niemand eine solch grausame Welt und Natur verdient hat.
Zitat von Excellent66:Mensch schaut mal hin ,hier auf Erden ist der Himmel die Natur gibt uns alles was wir brauchen , und die Erde ist wunderschön , aber wir treten sie mit Füßen ruinieren sie , schänden sie rauben sie aus
Und doch bin ich Kirchenmitglied und christlich, aber ich bin mehr spirituell als religiös. Ich bin christlich im mystisch-tiefenpsychologisch-spirituellen Jesusverständnis eines beispielsweise Eugen Drewermanns.
Und alles, was ich über christliche Mystik lebensbereichernd erlernte, verdanke ich klösterlicher Mystik, die ich z.B. in den Gottesdiensten der Jesuiten in München dankbar verkoste und genieße.
Auch ich meine, dass der Himmel schon auf Erden beginnt und offen ist spirituell, obwohl die Erde grausam schön und schön grausam ist.
Dies schreibe ich nicht als Konfrontation gegen irgendwen, schon gar nicht gegen dich, Excellent66, sondern als meinen Beitrag zum Thema Glauben als christliche Mystikerin.
Denn ohne meine Spiritualität wäre ich verloren und nicht ich - und mich würde es auch verletzen, würde sie mir einfach als Blödsinn bezeichnet oder als Einbildung oder Geistesstörung. Dennoch muss man sich kritisch austauschen, denn Kirche ist auch grausam schön und schön grausam.
Liebe Grüße und einen guten Wochenstart allen! maya60 🌾🐪


