Liebe @Manu-ela ,
natürlich kümmern wir uns um unsere Kinder. Aber wir sind keine eierlegenden Wollmilchsäue- auch wir haben begrenzt Reserven, auch wir müssen Hilfen in Anspruch nehmen lernen. Es hat nichts damit zu tun, sein Kind im Stich zu lassen. Manchmal braucht man Profis, die einem und dem Kind die Welt erklären können, damit sie für sie verstehbar und handhabbar wird.
Ich habe mich unglaublich lange für meinen Sohn gerne eingesetzt, aber da das Engagement durch andere ebenso viel Energie geraubt hatte, kam ich an meine Grenzen, bis zum Zusammenbruch. Wir dürfen und müssen rechtzeitig die Notbremse ziehen, das ist unsere Verantwortung für uns selbst und das Kind. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt das Kind ist.
Es ist ja natürlich, daß wir die Profis argwöhnisch betrachten und zur Stelle sind, wenn etwas schief zu laufen scheint. Dem KiJuPsychiater meines Sohnes hatte ich nach jahrelangem Ärger (er gab mir die Schuld an den vielen Behandlungsterminen meines Sohnes in der Vergangenheit) die Leviten gelesen. Es ist so praktisch, als Alleinerziehende für alles verantwortlich gemacht zu werden. Für das Mobbing in der Schule, Lehrer, die meinen Sohn regelmäßig anschnauzten etc...einfach für alles, das war unfair und ich ging nie wieder hin, stellte meinem Sohn aber meine Akzeptanz zu seiner eigenen Entscheidung in Aussicht. Er wollte auch nicht mehr hin zum KiJu Psych... bekam auch erst vor den ersten Prüfungen Methylphenidat, damit ein Minimum an Konzentration möglich wurde, all die Jahre vorher wurde das abgelehnt. Mein Sohn war durch die Reizüberflutung in der Schule regelmäßig überfordert und konnte überhaupt nicht arbeiten. Deshalb wurde er angeschnauzt.
Das erzähle ich nur, um deutlich zu machen, daß es Grenzen gibt und gesund ist, sich rechtzeitig zu distanzieren. Wenn man zusammenbricht, ist keiner mehr da, der sich kümmern kann. Als es bei mir soweit war, war mein Sohn einigermaßen stabil und konnte selbst für sich sorgen. Gottseidank. Ich habe Jahre gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen und hatte immer das Gefühl, das schaffe ich nicht mehr.
Du bist ein Mensch und darfst diese normale Dynamik, Mutter macht alles und das Kind bleibt in seiner gewohnten Rolle, verändern. Wenn einer sich verändert, passiert das auch beim anderen. Und entweder beginnst Du frühzeitig vor einem Zusammenbruch oder wirst durch ihn ausgebremst. Und was dann? Ja, was dann? Ich kann nur dringend davor warnen, davor die Augen zu verschließen. Bei mir ist es gerade so nochmal gut gegangen. Aber meine Nerven sind so strapaziert, daß ich nie wieder so belastbar sein werde, wie ich war. Das ist eine traurige Erkenntnis, aber gut daran ist, daß mein Sohn inzwischen über sich hinaus gewachsen ist. Glück gehört eben auch dazu.
Unterm Strich hätte ich nie gedacht, daß er so unabhängig werden könnte, wie er jetzt ist mit seiner Behinderung und Krankheiten, sie holen ihn immer wieder ein. Und er lernt täglich, damit zu leben. Mehr kann man nicht erwarten. Aber das Schönste an dem ist, zu sehen, wie ihm Flügel wuchsen und er Flugübungen macht. Wurzeln hat er, genau wie Deine Tochter. Fliegen lernen ist schwer, aber möglich und dazu gehört auch, sie nicht mehr unter
unseren Flügeln zu behalten. Sanftes Ablösen ist möglich...
viele liebe Grüße Alexandra
