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Depressiver Ehemann / unsere Familie zerbricht - was tun?

FC2012

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Hallo zusammen,
ich bin neu hier. Mein Mann sagt von sich selbst, dass er wieder eine depressive Phase hat. Da ich schon 2012 seine Depressionen mitbekommen habe, weiß ich, dass er da Recht hat. Mein Mann war Anfang des Jahres 2013 dann für 3 Monate in einer Tagesklinik und hat eine Therapie gemacht. Im Anschluss hatte er dann eine Therapeutin, zu der er anfangs 1 x in der Woche, danach alle 14 Tage gegangen ist. Nach etwa einem Jahr hat er diese Besuche dann abgebrochen, da er meinte keine Zeit mehr dafür zu haben. In der Zeit ist er von einem (sehr gesicherten, aber nicht ausgefüllten) Arbeitsverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt. Ich habe das zwar damals kritisch gesehen, da ich weiß, was es heißt selbstständig zu sein. Aber er war so unglücklich in seinem Arbeitsverhältnis, dass ich das damals als Neuanfang und Chance gesehen habe. Es sind dann einige Dinge passiert, die sehr unschön waren, die haben meinen Mann (verständlicherweise) ziemlich runter gezogen. Dann kam aber eine sehr gute Chance, die er auch ergriffen hat.

Dennoch habe ich gespürt, dass er teilweise doch sehr negative "Einschläge" gezeigt hat. Seit etwa einem Jahr spüren wir dieses aber auch in der Familie. Hier zu Hause macht niemand etwas richtig - die Kinder sind generell lästig, machen alles falsch, "funktionieren" nicht und wären am Besten schon aus dem Haus (7 und 13 Jahre). Mein Mann kommt um 20 Uhr von der Arbeit nach Hause (der 7-jährige ist dann schon im Bett und die 13-jährige versteckt sich mittlerweile in ihrem Zimmer), am Wochenende liegt mein Mann bis nachmittags im Bett und danach ist er in seinem Zimmer, schaut TV und trinkt. Wenn er mit uns spricht ist das generell in einem sehr unfreundlichen und mehr als sarkastischen Ton. Ich kann das (im Moment) noch irgendwie aushalten, aber die Kinder brechen bei mir oft in Tränen aus und fragen, was sie falsch gemacht haben. Ich komme mit dem Spagat "Verständnis für meinen Mann" und "wie erkläre ich die Situation den Kindern" immer mehr in Bedrängnis, da ich nicht weiß, wie ich was erklären soll und wo ich ansetzen soll, dass alle verstehen was los ist.

Eine weitere Therapie lehnt mein Mann ab, auch Medikamente, die er damals genommen hat, möchte er nicht nehmen. Wenn er mit mir spricht, sagt er zwar, dass er depressiv ist, aber er lässt immer durchscheinen, dass in erster Linie die Selbstständigkeit Schuld hat und danach die Kinder, die nicht "funktionieren". Mit mir spricht er eigentlich auch nur sehr sarkastisch, unfreundlich oder gar nicht. Nach einem Jahr gehe ich langsam an meine Grenzen. Deswegen schreibe ich jetzt hier und hoffe, dass ich irgendwoher einen Tipp bekomme wie ich weitermachen kann/was ich noch machen kann. Ich weiß, dass man mit depressiven Menschen viel Geduld haben muss und ganz viel Verständnis - aber was ist, wenn sie sich keine Hilfe holen wollen, was ist, wenn die Familie daran zerbricht? Weder mir noch den Kindern geht es gut. Ich komme damit klar - aber was ist mit den Kindern? Könnt ihr mir helfen? Liebe Grüße, FC2012

22.05.2019 21:25 • #1


Pilsum

Pilsum

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Hallo FC,

Deine Situation ist sicher sehr schwierig. Teilweise wird Dein Mann recht haben, wenn er sagt, dass die
Selbständigkeit für ihn eine große Belastung darstellt.
Helfen kannst Du ihm in diesem Bereich vermutlich nur wenig oder gibt es Möglichkeiten ihn zu entlasten?
Zitat:
Wenn er mit uns spricht ist das generell in einem sehr unfreundlichen und mehr als sarkastischen Ton. Ich kann das (im Moment) noch irgendwie aushalten, aber die Kinder brechen bei mir oft in Tränen aus und fragen, was sie falsch gemacht haben.


Hier solltest Du klar aufzeigen, dass es nicht geht, wie er mit euch umgeht.
Kann es sein, dass er noch nicht gemerkt hat, wie sehr er Dich und die Kinder damit belastet?
Wenn möglich versuche ihm das mal ruhig zu erklären. Sperrt er sich, dann solltest Du
heftig Klartext reden, weil er kann seine Probleme nicht an euch auslassen.
Setze Grenzen!
Zitat:
und danach die Kinder, die nicht "funktionieren"


Vermutlich habt ihr doch eine Arbeitsteilung. Er macht seinen Job und Du hoffentlich
den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Folglich soll er Dich ansprechen, wenn
er der Meinung ist, dass die Kinder nicht funktionieren und mit den Kindern unbedingt
vernünftig reden.

Viele Grüße

Bernhard

23.05.2019 09:03 • x 2 #2


Alexandra2

Alexandra2

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Liebe FC2012, hertlich willkommen im Forum.
Ich kann mir vorstellen, wie schwierig bzw unmöglich der Spagat für Dich ist und auch Du als Partnerin wirst nicht gesehen.
Jemand muss Deinem Mann klar machen, daß eine Depression keine Hängematte ist, auf der Mann sich ausruht und vor dort aus Gift versprüht. Die Krankheit lässt sich gut behandeln, wenn dein Mann das einsieht bzw einsehen muss, weil die Familie letzlich zerbrochen wäre.
Ohne ihn zu kennen, halte ich es für das Beste, daß Du deine Kinder und Dich in Schutz nimmst, sei es daß Ihr alleine wegfahrt oder vorübergehend woanders lebt. Du kannst das als Bedenkzeit für ihn und Dich nehmen, wenn er Deine Schilderungen, wie er mit Euch umgeht, nicht ernst nimmt.
Du kannst ja überlegen, was das Minimum für Dich und die Kinder (frage sie) ist, damit Ihr wieder zurückkehrt. Und Dein Mann kann überlegen, was er gegen die Krankheit dauerhaft unternimmt ab sofort. Ohne Behandlung wird sich die Situation verschlechtern. Ob der "Schuß vor den Bug" ausreicht, daß er so etwas wie Krankheitseinsicht entwickelt, wird sich zeigen. Und das ist jetzt auch zweitrangig.
Deine Kinder und Du brauchen Sicherheit. Etwas, das Dein Mann nicht geben kann. Aber er kann nicht länger erwarten, daß Ihr sein Verhalten duldet.
Liebe Grüße
Alexandra

23.05.2019 10:38 • x 2 #3


FC2012


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Hallo, ihr beiden!
Vielen Dank, für eure Antworten. Darauf möchte ich noch einmal eingehen.
Ich kann meinen Mann in der Selbstständigkeit nicht entlasten, da er einen Job macht von dem ich keine Ahnung habe. Ich bin selber selbstständig (seit 2006), arbeite aber von zu Hause und kann für die Kinder da sein. Ich weiß aber schon sehr lange, dass es "solche und solche Zeiten" gibt. Es kann immer mal ein Monat ganz mau sein und man verdient fast gar nichts. Wenn ein Monat gut läuft muss man eben immer etwas auf Seite packen. Allerdings muss ich sagen, dass es bei meinem Mann seit fast einem Jahr nie schlecht gelaufen ist - dennoch spricht er immer davon, dass er nicht weiß wie es nächsten Monat weiter gehen soll und wie er alles bezahlen soll. Wenn der Monat dann rum ist, war er wieder so gut, dass nichts in Frage steht. Er denkt aber immer negativ.

Ich habe schon mehrfach versucht mit ihm darüber zu sprechen wie er mit uns redet - und wie sehr uns das belastet. Aber er meint, das wären wir quasi selber schuld. Irgendeines der Kinder hat immer etwas falsch gemacht - und da reden wir von Dingen wie: Der Stuhl stand nicht am Tisch, sonder etwas schräg davon ab oder der Mülleimer unter dem Schreibtisch war nicht geleert oder der 7-jährige hat seine Socken auf der Couch ausgezogen und vergessen wegzuräumen. Wenn man dann in "sein Zimmer" geht, in das er sich permanent zurückzieht sieht man das reine Chaos: Bierflaschen und Dosen auf dem Boden (könnte man mindestens 3 Kästen mit füllen), Klamotten, Tbk, Kronkorken.

Letzte Woche habe ich einen Freund von uns getroffen (auf einer Geburtstagsparty auf der wir eigentlich gemeinsam eingeladen waren, er aber nicht mit wollte), der sprach mich an (man kann auch sagen "motzte" mich an) wie wir denn zu Hause mit meinem Mann umgehen würden. Er hätte ihm neulich erzählt, dass wir ihn permanent ausgrenzen, nicht beachten und schlecht behandeln. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich weiß ja um seine Depressionen und behandele ihn alles andere als schlecht. Der 7-jährige ist zwar immer sehr traurig wenn Papa so sarkastisch und unfreundlich mit ihm spricht, sich nichts erzählen lassen möchte - aber er geht jeden Morgen und Abend (wenn er noch wach ist) hin, drückt seinen Papa (auch wenn da nichts zurück kommt) sagt ihm fröhlich "Guten Morgen" und "Gute Nacht". Ich lasse mir nie anmerken, wie traurig mich das macht und wenn ich ihn darauf anspreche mache ich das immer mit viel Fein- und Mitgefühl und mache ihm nie Vorwürfe. Nur unsere Tochter ist sehr auf Distanz gegangen, weil sie diese Unfreundlichkeit nicht aushält. Mein Mann grenzt sich selber aus indem er am Wochenende nur in seinem Zimmer ist,an keinem gemeinsamen Essen teilnimmt, zu keiner Einladung mit geht und generell eigentlich nichts mit uns unternimmt. Aber seinem Freund erzählt er, dass wir das machen? Das hat mich sehr verletzt.

Ich habe Angst ihm "die Pistole auf die Brust zu setzen" - ich habe Angst, dass ich damit alles falsch mache/es schlimmer mache. Aber was mache ich, wenn er immer weiter meint, dass er nichts ändern muss, dass er keine Hilfe braucht? Ich habe auch Angst, dass er so tief reinrutscht, dass es nachher nicht mehr mit einer Gesprächtstherapie getan ist, dass er wieder in eine Klinik muss. Dann wäre das eine finanzielle Katastrophe.

Eigentlich wollten wir in den Sommerferien wenigstens eine Woche mit unserem Wohnwagen nach Holland fahren. Er bügelt das Thema aber immer ab. Ich habe schon überlegt alleine mit den Kindern zu fahren.

Liebe Grüße,
Claudia

23.05.2019 11:19 • #4


Jedi

Jedi

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Hallo FC2012 !

Zitat von FC2012:
Ich habe schon überlegt alleine mit den Kindern zu fahren.

Ausdrücklich möchte ich dir sagen, Ja, tu es !
es ist wichtig für dich u. die kinder !
Zitat von FC2012:
Ich habe Angst ihm "die Pistole auf die Brust zu setzen" - ich habe Angst, dass ich damit alles falsch mache/es schlimmer mache.

damit machst du nichts schlimmer, wie es schon ist !
falsch machen, kannst du damit auch nichts, denn es ist dir doch klar, dein mann ist an einer Depression erkrankt u. benötigt hilfe.
Du u. deine Kinder habt auch ein leben, außerhalb der erkrankung deines Mannes, des Vaters.
Zitat von FC2012:
Ich weiß, dass man mit depressiven Menschen viel Geduld haben muss und ganz viel Verständnis

schön das du so denkst.
doch der depressive mensch, kann geduld u. verständnis auch bekommen, wenn er seinen teil dazu beiträgt, dass heißt, dass er therapeutische hilfe inanspruch nehmen sollte u. überlegen, ob Antidepressiva ihm für eine gewisse zeit von nutzen sein können.
wenn er aber eine hilfe verweigert, kann auch ein depressiv erkrankter mensch nicht seine familie tyrannisieren u. auf verständnis u. geduld hoffen.

aus meiner sicht u. das ist auch meine persönliche meinung, nachdem was ich gelesen habe,
Sorge du gut für Dich u. die Kinder !
Schärfe deinen lebrensfokus auf dich u. die kinder !

alles was von seiten deines mannes kommt, sollte dich nicht weiter verletzen u. lasse es nicht so nah an dich herankommen.
dein mann ist für sich allein verantwortlich u. muss selbst herausfinden, was wichtig wäre jetzt zu tun.
Zitat von FC2012:
drückt seinen Papa

Zitat von FC2012:
unsere Tochter ist sehr auf Distanz gegangen, weil sie diese Unfreundlichkeit nicht aushält.

und da schrillen bei mir alle Alarmglocken !
und eine Räumliche Trennung könnte zum schutz der Kinder u. zu deinem schutz, auch eine möglichkeit bedeuten !

nicht falsch verstehen !
ich möchte hier nicht zu einer Trennung auffordern, doch könnte dies zu einer option werden, wenn dein Mann nicht ein einsehen bekommt u. sich hilfe sucht !
denn es ist spürbar, allein wenn du das verhalten deiner kinder hier beschreibst, schaden von ihnen abzuwenden.

ich wünsche dir, dass dein mann noch rechtzeitig ein einsehen bekommt u. sich hilfe holt.
dir u. deinen kinder wünsche ich, dass die schwierige situation, in der du u. die kinder stecken, so wenig wie möglich schaden anrichtet.
dein Fokus richte jetzt auf Dich selbst u. deine Kinder !

LG Jedi

23.05.2019 14:02 • x 4 #5


FC2012


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Hallo Jedi,
danke, für Deine Antwort.

Ich meine ja auch, dass mein Mann dringend Hilfe braucht - aber er lässt da nicht mit sich reden. Vor einigen Tagen meinte er, dass er ja die Medikamente, die er vor Jahren genommen hat wieder nehmen könnte. Da hat er wohl irgendwo noch Reste. Ich habe Bedenken geäußert wegen der Dosierung - ob er das noch weiß. Er meinte, sein Hausarzt würde ihm die Medikamente dann auch verschreiben, wenn sie aufgebraucht sind. Ich dachte dann, dass das besser ist als nichts und habe ihm zugestimmt. Ich habe aber keinen Überblick, ob er die Tabletten jetzt nimmt. Ich fürchte eher nicht. Außerdem ist es damit ja bestimmt nicht getan.

Ich habe mittlerweile Angst das Thema noch einmal anzusprechen. Er ist sowieso permanent genervt und freundlich kommt ihm eigentlich nichts über die Lippen. Jetzt habe ich es in der lezten Zeit schon ein paar Mal vorsichtig probiert mit ihm zu sprechen, aber das hat nichts gebracht.

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Im Moment habe ich Angst um meine Tochter - sie braucht doch eigentlich uns beide. Sie zieht sich zurück - und mein Mann ist beleidigt, weil sie ihn "nicht beachtet" und geht dann auf Konfrontation: Er geht zu ihr ins Zimmer, guckt sich um, findet eine Kleinigkeit warum er "schimpfen" kann, macht das und geht dann. Vor ein paar Monaten war sie dann immer sehr, sehr traurig - heute geht sie dann total auf Distanz.

Ich frage ihn in etwa zwei Wochen nochmal wegen des Urlaubs - wenn er dann immer noch ausweicht, werde ich ihm vorschlagen, dass ich mit den Kindern alleine fahre.

Vielen Dank nochmal für Deine Hilfe,
Claudia

23.05.2019 16:21 • x 1 #6


Alexandra2

Alexandra2

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Liebe Claudia,
Das Muster Papa ist krank und darf alles, und Du bist der Puffer, hat ausgedient. Ich denke, es nützt niemandem, auf Deinen Mann einzureden. Er ist jetzt emotional so nicht erreichbar. Deshalb ist es umso wichtiger, daß Du Dich um Dich vermehrt kümmerst und falls ein Spruch kommt, nicht rechtfertigen. Stattdessen könntest Du ganz emotionslos sagen, daß momentan alles auf Dir lastet. Punkt.
Solange Du für ihn denkst und handelst, bist Du überfordert und Dein Mann sieht ggf keine Notwendigkeit, sich Hilfe zu holen. Die besteht nicht nur in einer Packung Pillen.
Laß ihn seine Erfahrungen machen, während Du Dich um Dich und die Kinder kümmerst. Wenn es jemanden gibt, dem Dein Mann zuhört und Glauben schenkt, könntest Du da mal vorsichtig nachfragen.
Ich wünsche Dir starke Nerven, eine gesunde Distanz zum veränderten Mann und die Kraft für Dich und Deine Kinder da zu sein.
Liebe Grüße
Alexandra
P.S. in der Depression ist das Gefühlsleben verändert und nicht mit dem Verstand zu steuern

23.05.2019 17:26 • x 2 #7


Jedi

Jedi

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Hallo FC2012 1

Zitat von FC2012:
aber er lässt da nicht mit sich reden.

nun, dass ist sehr schade !
Zitat von FC2012:
Vor einigen Tagen meinte er, dass er ja die Medikamente, die er vor Jahren genommen hat wieder nehmen könnte. Da hat er wohl irgendwo noch Reste.

ich denke, dass es sich bei den medikamenten, um Antidepressiva handelt.
sie ohne Fachärztliche beratung, würde ich davon abraten, einfach welche einzunehmen.
zumal sie offensichtlich schon älteren datums sein könnten ("die er vor Jahren genommen hat")
das verschreiben von Antidepressiva gehört meiner erfahrung nach, in fachärztliche hände u. nicht einfach von einem Hausarzt verordnet.
dazu sind die fachbereiche zu unterschiedlich.
auch gehört für mich die einnahme von Antidepressiva u. eine psychotherapeutische begleitung zusammen.
aber dafür wäre eine einsicht deines mannes, sich professionell helfen zu lassen von nöten.
Zitat von FC2012:
Außerdem ist es damit ja bestimmt nicht getan.

das hast du sicherlich schon richtig erkannt !
Zitat von FC2012:
Er ist sowieso permanent genervt und freundlich kommt ihm eigentlich nichts über die Lippen. Jetzt habe ich es in der lezten Zeit schon ein paar Mal vorsichtig probiert mit ihm zu sprechen, aber das hat nichts gebracht.

das muss für dich u. die kinder wirklich schwer auszuhalten sein.
Zitat von FC2012:
Er geht zu ihr ins Zimmer, guckt sich um, findet eine Kleinigkeit warum er "schimpfen" kann, macht das und geht dann. Vor ein paar Monaten war sie dann immer sehr, sehr traurig - heute geht sie dann total auf Distanz.

dieser vorfall zeigt, wie wichtig es nun ist, dass Du gut für dich u. deine Kinder sorgst !
Zitat von FC2012:
Im Moment habe ich Angst um meine Tochter - sie braucht doch eigentlich uns beide.

im Moment braucht sie nur Dich !
denn ein wirkliches Vater- Tochterverhältnis scheint zur zeit nicht wirklich möglich u. machbar !
Zitat von FC2012:
Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kindern.

und das ist jetzt sehr sehr wichtig !
Zitat von FC2012:
Ich frage ihn in etwa zwei Wochen nochmal wegen des Urlaubs - wenn er dann immer noch ausweicht, werde ich ihm vorschlagen, dass ich mit den Kindern alleine fahre.

wenn du es so tun willst, dann mach es so !
ich befütchte nur, dass wenn er sich einer hilfe weiter verweigert, wird die situation nicht einfacher.
doch würde ich dich dann ermutigen, mit deinen Kindern allein zu fahren, damit ihr mal durchatmen könnt u. ihr mal wieder etwas schönes erleben u. einwenig unbeschwert die gemeinsame zeit genießen könnt.

LG Jedi

23.05.2019 17:45 • x 2 #8


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Hallo ihr Lieben, die mir geantwortet haben!
Ich brauche einen neuen Rat. Heute habe ich fast den ganzen Tag nur geweint. Wir haben vor von Donnerstag bis Sonntag zu einem Treffen "Campen mit Kindern" zu fahren. Ich habe schon geahnt, dass unsere Tochter nicht gerne mitfahren möchte. Ich habe dann vorgeschlagen, dass sie eine Freundin mitnimmt, was auch in Ordnung war. Jetzt ist die Mathearbeit, die für sie und ihre Freundin superwichtig ist (beide sind nicht soooooo gut in Mathe) vorgezogen worden. Sie wird jetzt am kommenden Montag geschrieben und die Freundin unserer Tochter darf nicht mitfahren. Unsere Tochter möchte nun partout nicht mitfahren, da sie die Stimmung nicht erträgt und meint, dass sie dort nicht gut lernen kann. Alleine kann ich sie hier zu Hause absolut nicht lassen, meine Eltern (also Omi und Opi) sind über 80, zwar noch fit, aber für 4 Tage mit einem kleinen Pubertier auch nicht unbedingt belastbar. Wir haben eben beide hier gesessen und geweint. Ich bin total zerissen: Ich würde unsere Tochter gerne dabei haben um ihr zu helfen (Mathe und Situation) auf der anderen Seite möchte ihr diese knapp vier Tage trotzdem "ersparen". Sie fühlt sich total zurück gestoßen und von ihrem Papa überhaupt nicht geliebt und erträgt laut ihrer Aussage weder "gute Stimmungsmache" vor anderen noch weitere "Attacken". Andererseits muss man eben - auch gerade in ihrem Alter - Dinge machen, die man nicht will (ich erinnere mich an die Zeit als ich in ihrem Alter war). Was soll ich nur machen? Ich habe das Gefühl, dass mir langsam alles über den Kopf wächst und ich alles falsch mache. Ich kann meinen Mann nicht dazu bewegen sich helfen zu lassen, ich habe das Gefühl die Kinder einer Situation auszusetzen, der sie überhaupt nicht gewachsen sind und die ihnen schaden kann und besonders heute habe ich das Gefühl daran zu zerbrechen. Ich ertrage diese Kälte, dieses "genervt von allen" sein und diese Gefühlslosigkeit nicht mehr lange (ich hoffe, das sieht morgen wieder anders aus).

Liebe Grüße
Claudia

27.05.2019 22:08 • x 2 #9


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Zitat von Alexandra2:
Liebe Claudia,
Das Muster Papa ist krank und darf alles, und Du bist der Puffer, hat ausgedient.

Aber was soll ich machen? Ich habe so oft versucht mit ihm zu sprechen und ihn dazu zu bewegen sich Hilfe zu holen. Wir reden hier noch nicht einmal von "besorgen", denn es wäre ein Anruf bei seinem Hausarzt um sich eine Überweisung zu einem Facharzt wegen Medikamenten zu holen und ein Anruf bei einer Psychologin, bei der er schon war und mit Sicherheit wieder hingehen kann. Ich würde diese Termine auch für ihn machen, da ich weiß, dass er mit diesen banalen Dingen "überfordert" ist, aber lehnt es kategorisch ab.

Ich denke, es nützt niemandem, auf Deinen Mann einzureden. Er ist jetzt emotional so nicht erreichbar. Deshalb ist es umso wichtiger, daß Du Dich um Dich vermehrt kümmerst und falls ein Spruch kommt, nicht rechtfertigen. Stattdessen könntest Du ganz emotionslos sagen, daß momentan alles auf Dir lastet. Punkt.

Aber wie soll es weiter gehen? Wie soll er denn begreifen, dass er Hilfe braucht, wenn er nicht erreichbar ist?

Solange Du für ihn denkst und handelst, bist Du überfordert und Dein Mann sieht ggf keine Notwendigkeit, sich Hilfe zu holen. Die besteht nicht nur in einer Packung Pillen.

Da hast Du Recht! Das hat eine befreundete Psychologin auch gesagt. Aber wie "lasse ich ihn auflaufen" - so, dass er von sich aus darauf kommt sich Hilfe zu holen?

Laß ihn seine Erfahrungen machen, während Du Dich um Dich und die Kinder kümmerst. Wenn es jemanden gibt, dem Dein Mann zuhört und Glauben schenkt, könntest Du da mal vorsichtig nachfragen.

Ich befürchte, dass er im Moment allen Personen (Familie und Freunde) gegenüber so negativ eingestellt ist.

Ich wünsche Dir starke Nerven, eine gesunde Distanz zum veränderten Mann und die Kraft für Dich und Deine Kinder da zu sein.
Liebe Grüße
Alexandra
P.S. in der Depression ist das Gefühlsleben verändert und nicht mit dem Verstand zu steuern

27.05.2019 22:17 • #10


Ylvi13

Ylvi13

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Hallo Claudia,
meine Tochter ist jetzt 16 und mit 13 hätte ich sie nicht allein gelassen und wäre weggefahren.
Aus heutiger Sicht weiss ich , dass es in Ordnung gewesen wäre, wenn sie sich für das zu Hause bleiben entschieden hätte. Meine Eltern sind auch über 80, dort verhält sich ein Pubertier ganz anders und auch eine Ansage von Oma oder Opa ist was ganz anderes, als die von Mama. Es hätte noch ein paar Regeln gegeben und ich hätte mich im Loslassen üben können.
Vielleicht ist das doch eine Option für euch. Ich kann mir gut vorstellen, dass deiner Tochter ein bisschen Abstand zum Papa gut tut und das ihr entgegengebrachte Vertrauen stärkt sie.
Viele Grüsse

28.05.2019 06:21 • x 2 #11


Alexandra2

Alexandra2

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Liebe Claudia,
Kann Deine Tochter, wenn nicht allein, zur Freundin fahren? Oder eine andere vertraute Person schaut nach ihr?
Warte nicht auf den Zusammenbruch, suche Dir Hilfe
Liebe Grüße

28.05.2019 06:54 • x 2 #12


sundancere20j

sundancere20j

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Hallo Claudia,

zuerst einmal möchte ich Dir mitteilen, wie sehr ich Dich und Deine Verzweiflung verstehen kann. Ich selbst bin mit einem Vater groß geworden, der wahrscheinlich auch schwerst depressiv war und seine gesundheitlichen Probleme bis zum Schluss in Alk. und Glücksspiel ertränkt hat.

Von meiner Mutter hätte ich mir vielleicht doch ein wenig mehr Schutz (räumliche Trennung) gewünscht, diesen aber nicht bekommen.

Und ich sehe in Deinem Verhalten einige parallelen

Zitat von FC2012:
Aber er war so unglücklich in seinem Arbeitsverhältnis, dass ich das damals als Neuanfang und Chance gesehen habe. Es sind dann einige Dinge passiert, die sehr unschön waren, die haben meinen Mann (verständlicherweise) ziemlich runter gezogen. Dann kam aber eine sehr gute Chance, die er auch ergriffen hat.


Diese Art von Verleumdung hat meine Mutter ihr Leben lang auch betrieben, sie macht es heute noch. Auch dort vermute ich eine tiefsitzende Depression und pure Hilflosigkeit, sowie die Angst vor dem Alleinsein. Und darin sehe ich wiederum auch einen Grund, warum ich ebenfalls erkrankt bin. Ich wurde nicht geschützt, meine Mutter hat sich nicht selbst geschützt.

Es ist wohl eine sehr schwierige Angelegenheit, bei der nur professionelle Hilfe wirklich etwas erreichen kann.

Zitat von FC2012:
Nach etwa einem Jahr hat er diese Besuche dann abgebrochen, da er meinte keine Zeit mehr dafür zu haben


Ein Arzt wird häufig erst dann konsultiert, wenn körperliche Beschwerden wie Erschöpfung und Schlaflosigkeit oder ein Burnout-Gefühl gravierende Auswirkungen auf den Lebensalltag haben oder Betroffene die gesundheitlichen Spätfolgen von vermehrtem Alk. und Nikotinkonsum verspüren

Zitat von FC2012:
In der Zeit ist er von einem (sehr gesicherten, aber nicht ausgefüllten) Arbeitsverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt.


In vielen Fällen reagieren depressive Männer auf die Erkrankung mit vermehrtem Zig. und Alk. oder allgemein riskantem Verhalten

Zitat von FC2012:
am Wochenende liegt mein Mann bis nachmittags im Bett und danach ist er in seinem Zimmer, schaut TV und trinkt.


Suchterkrankungen sind häufige Begleiterkrankungen von Depression - insbesondere bei Männern.

Zitat von FC2012:
Eine weitere Therapie lehnt mein Mann ab, auch Medikamente, die er damals genommen hat, möchte er nicht nehmen.


s.o.

Zitat von FC2012:
Wenn er mit mir spricht, sagt er zwar, dass er depressiv ist, aber er lässt immer durchscheinen, dass in erster Linie die Selbstständigkeit Schuld hat und danach die Kinder, die nicht "funktionieren". Mit mir spricht er eigentlich auch nur sehr sarkastisch, unfreundlich oder gar nicht.


Männer zeigen im Gegensatz zu Frauen deutlich seltener und weniger intensiv hilfesuchendes Verhalten - auch weil Betroffene dazu neigen, die Erkrankung zu verdrängen. Männer führen Befindlichkeitsstörungen häufig auf Stress und berufliche Belastungen zurück und ziehen eine psychische Erkrankung eher nicht in Betracht. Auch von Ärzten werden Depressionen bei Männern daher oft nicht erkannt. Frühsymptome wie Schlafstörungen oder erhöhte Erschöpfbarkeit führen bei männlichen Patienten dann oft nicht zu adäquaten Behandlungsmaßnahmen. Männern fehlt dabei oft das Krankheitsgefühl, sie projizieren ihre Probleme eher auf die Umwelt.

Im Übrigen neigen Männer zu mehr Aggressivität, bei einer depressiven Erkrankung. Sowohl gegen sich selbst gerichtet, als auch teilweise nach außen.


Ich kann mir vorstellen, wie sich Deine Kinder fühlen. Und ich kann mir sogar vorstellen, wie Du Dich fühlen magst. Aber wenn Du stark bist, setzt Du dem ganzen entsprechende Grenzen und schützt Deine Familie. Vor allem tu Du Dir den Gefallen und such Dir selbst entsprechende Hilfe. Denn Du wirst einige Kraft und Unterstützung gut gebrauchen können.

Wünsche Dir alles Gute.

Liebe Grüße
S.

28.05.2019 07:04 • x 4 #13


FC2012


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Hallo Alexandra2!

Erst einmal vielen Dank, für Deine Antwort. Ich möchte meine Tochter eigentlich nicht so gerne für 4 Tage bei einer Freundin lassen - das finde ich zu lange. Und gerade bei der einen, die mitfahren sollte/wollte, geht es da eher nicht, da sie ja noch mehr für die Arbeit am Montag lernen soll als unsere Tochter. Bei meinen Eltern könnte sie natürlich bleiben - obwohl die beiden gestern schon haben durchblicken lassen, dass das viel Verantwortung für sie ist.

Und da kommt die Zerissenheit: Bürde ich meinen Eltern zum Schutz meiner Tochter die Verantwortung auf? Sie fühlt sich so schlecht und hat Angst, dass es vor den anderen im "Urlaub" zu erzwungen guter Stimmung kommt - die ja dann bei der Abfahrt sofort vorbei ist oder auch vier Tage relativ nah beieinander zu sein und ständig etwas abzubekommen.

Ich habe versucht ihr zu erklären, dass es die Krankheit ist, die ihren Papa so sein lässt. Da das aber seit etwa einem Jahr permanent schlimmer wird und sie sich von ohm überhaupt nicht geliebt fühlt, kann sie das doch nicht ganz verstehen. Und sie merkt, dass auch ich mittlerweile nicht mehr alles wegstecke.

Ich fühle mich so hilflos.

28.05.2019 08:05 • x 1 #14


FC2012


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Hallo sundancere20j,

vielen Dank, für Deine Antwort, die mich sehr nachdenklich gemacht hat. Ich habe im letzten Jahr, als die Depressionen sich wieder in unser Leben geschlichen haben, tatsächlich viel "schön geredet" oder versucht es "weg zu erklären". Mittlerweile sind wir aber in einem Stadium, in dem man nichts mehr "schön reden" kann. Aber wenn ich versuche mich und die Kinder zu schützen, lasse ich dann nicht meinen Mann im Stich, der dringend Hilfe braucht? Wie gelingt mir der Spagat?

Ich habe ja in den vergangenen Monaten schon immer versucht Kinder und Papa so "auseinander zu halten", dass es zu so wenigen Situationen wie möglich kommt. Das legt er mir aber bei Freunden so aus, dass die Kinder und ich ihn ausgrenzen. Dann denke ich schon wieder, dass ich alles falsch mache.

Fakt ist natürlich, dass er sich durch seinen Rückzug aus dem Familienleben selbst ausgrenzt. Er verbringt ja die Wochenende in "seinem" Zimmer, er hat die Abendessen mit der Familie, die wir aus zeitlichen Gründen sowieso nur am Wochenende hinbekommen haben, gecancelt, in dem er seit Wochen sagt, dass er keinen Hunger hat. Er unternimmt rein gar nichts mit uns - er geht weder mit mir zu Geburtstagen zu denen wir eingeladen sind noch unternehmen wir als Familie etwas. Wohl aber trifft er sich sonntags mit Freunden zum Stammtisch. Ich weiß ja, warum das so ist - ein an Depressionen erkrankter Mensch schafft so etwas nicht - aber er merkt das doch selbst, sagt ja auch, dass er eine "depressive Phase" hat - aber lässt es so laufen. Meine Bitten sich Hilfe zu holen werden abgetan. Dann denke ich immer, dass er uns vielleicht gar nicht mehr will.

Ich selbst ertrage diese Kälte und Unfreundlichkeit kaum noch - wie soll es dann unserer Tochter gehen. Unser Sohn steckt das noch weg.

Liebe Grüße

28.05.2019 08:17 • x 2 #15




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