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Unseren schädlichen Gedanken ihre Macht nehmen

Jedi
Hallo

Ich möchte gerne einmal meine Erfahrungen mit diesem Thema, "unseren schädlichen Gedanken die Macht nehmen"
mit Euch teilen.
Und bitte Mitmachen u. schreibt hier in diesem Thread,
- Wie ihr unter diesen schädlichen Gedanken leidet.
- Wie diese unwahren Gedanken Euch in eurem Leben behindern.
- Wie geht ihr mit schädlichen Gedanken um ?
- Was sind Eure persönlichen Erfahrungen ?

Gedankenkarussell, Grübelgedanken, Selbstverurteilende Gedanken, Gedanken einer übermäßigen Sorge, einer diffusen Angst,
der Wut, der Ohnmacht uvm. sind hier im Forum sicherlich einigen Mitgliedern nicht unbekannt.
Auch haben solche Gedanken lange Zeit, Macht über mein Denken, mein Verhalten ausgeübt u. meine Gefühle u. Emotionen bestimmt.
Durch die KVT konnte ich lernen, meine Gedanken zu identifizieren, ihnen nicht länger uneingeschränkt zu glauben, was sie mir erzählten u. welche Geschichten sie über Mich u. mein Leben, wie Andere über mich denken würden, mir aufgetischt wurden.

Die heutige Neurowissenschaft spricht von einer "kognitiven Umstrukturierung" !
Denn wir sind in der Lage, durch Übungen u. Training, unsere unglücksfördende Gedanken abzulegen u. neue Denkgewohnheiten uns anzueignen, indem wir unsere Gedankeninhalte verändern u. so verändern wir auch zugleich unsere Gefühle.

Villt. ist einigen hier "der Sokratische Dialog" aus der Verhaltenstherapie bekannt, eine Methode der Selbsterkenntnis !
Durch Nachfragen des TP, kann der Sokratische Dialog dabei helfen, unsere Denkfehler zu enttarnen u. so den Raum dafür zu schaffen, für neue Sichtweisen.
So kommen wir nach u. nach unseren falschen Grundannahmen, unserer Konditionierung u. überholten Glaubenssätzen auf die Schliche, die oft unser Leben deutlich erschweren u. unglücklich zurücklassen, wo wir oft keinen wirklichen Grund finden können, warum wir uns so schlecht, traurig, erschöpft, müde u. depressiv fühlen.

Mittels der Selbsterkenntnis in einer therapeutischen Begleitung kommen wir unseren frühen Prägungen, Konditionierung u. in uns tief verwurzelten Denk- u. Handlungsmuster auf die Spur.

Das Orakel von Delphi, (eine Kult- u. Weissagungsstätte des antiken Griechenlands), ist bei vielen Menschen folgendes bekannt,
"Erkenne dich Selbst".

Der Philosoph Sokrates folgte seiner Leidenschaft andere Menschen zu erforschen u. bezweckte damit, dass er wollte, dass die Menschen nicht so Schlafwandelnd durch ihr Leben taumeln, sondern sich ihrer Existenz bewusst werden u. den Sinn ihres Daseins einmal erforschen.
Es ist schon erstaunlich, das Sokrates vor 2500 Jahren bereits einen Zusammenhang hergestellen konnte, zwischen dem was der Mensch denkt u. seiner psychischen u. körperlichen Gesundheit.
Er war meist auf Marktplätzen anzutreffen u. befragte dort die Menschen.
Durch sein beharrliches Nachfragen, stellte er die Überzeugungen seiner befragten Mitmenschen auf den Prüfstand.
Und so wird auch in der Therapie, unser Denken u. dem was wir davon glauben, einer Überprüfung auf inhaltlicher Wahrheit unterzogen.

Mal ein Beispiel, dass ich auch schon so erlebt hatte u. was villt. auch einige von Euch kennen, gar schon mal so erlebt hat:
(Ihr seit auf eine Party eingeladen u. kennt dort aber niemanden. Nun steht ihr mit Eurem Glas Wein od. Sekt irgendwo in der Ecke u. beobachtet die andere Partygäste.
Was für Gedanken sich da melden, fand ich für mich unglaublich,
"Was denken die Anderen über mich",
"Der/Die dort drüben, schaut immer komisch zu mir herüber",
"Eigentlich habe ich ja auch nichts interessantes zu erzählen; die haben bestimmt wichtigeres sich zu Erzählen",
"Bin ich eigentlich passend für diese Party angezogen" ?
"Alles so schöne u. attraktive Menschen hier u. Ich" ?
uvm. !
Was macht das mit unseren Gefühlen ?
Wir trauen uns dann oft nicht, uns irgendwo zu ein paar Gästen dabei zu stellen, zuzuhören u. in das Gespräch uns einzubringen.
Gehen evtl. früher nach Hause u. fanden die Leute u. die Party doof.
Haben aber villt. mit niemanden gesprochen, aber unsere Gedanken haben uns wieder eine tolle Geschichte drumherum aufgetischt u. wenn wir diesen Gedanken u. Geschichten auch noch glauben schenken, dann kann bei der nächsten Partyeinladung, unser "innerer Vermeider" wieder sein Unwesen treiben u. wird uns abhalten, wieder mit seiner unwahren Geschichte, diese Party nicht
zu besuchen).
Was erzählen uns dann unsere Gedanken möglicherweise, "Bleib besser zu Hause",
"da will sich eh keiner mit Dir unterhalten u. langweilig wird es werden u. Spaß wirst Du da nicht haben können und- und-und" !
So kann man noch viele Beispiele aus dem Leben finden, indem es ähnlich zu solchen Situationen gekommen ist u.
noch kommen kann !

Im Grunde gibt es wenig Grenzen für unsere Gedanken u. Gefühle.
Erst unser Denken u. die oft damit erschaffenen Ängste, ziehen die Grenzmauern vor uns immer höher u. werden so für uns
oft unüberwindbar !

LG Jedi

13.08.2019 13:06 • x 9 #1


Dakota
Wow, tolles Thema! Ich bin dabei.

Ich persönlich muss sagen, dass ich "kleinere" und v.a. aktuelle und frische dieser schädlichen Gedanken noch relativ gut beeinflussen kann. Beispiel: Als ich soviel zugenommen hatte, habe ich mir einen Zettel am Spiegel aufgehangen und meinen niedrigen Selbstwert positiv beeinflusst durch den Satz "Auch wenn ich übergewichtig bin, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz." Es wurde tatsächlich besser.

Zitat von Jedi:
Die heutige Neurowissenschaft spricht von einer "kognitiven Umstrukturierung" !
Denn wir sind in der Lage, durch Übungen u. Training, unsere unglücksfördende Gedanken abzulegen u. neue Denkgewohnheiten uns anzueignen, indem wir unsere Gedankeninhalte verändern u. so verändern wir auch zugleich unsere Gefühle.


Ich unterschreibe das sofort, aber ich muss auch sagen, dass die Chronifizierung mir die letzten Jahre wahnsinnig viel Kraft abgesaugt hat. Ich kann kaum gegen manche negative Gedanken anhalten, ich war einfach zu oft, zu sehr, zu schwer krank. "Früher" ging es besser. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich meinen Kahn über Wasser halten kann.

13.08.2019 13:21 • x 6 #2


Nickse
Hallo Jedi,

was für ein interessantes Thema - vielen Dank!

Zitat von Jedi:
Im Grunde gibt es wenig Grenzen für unsere Gedanken u. Gefühle.


Nein, meine Gedanken und Gefühle sind natürlich grenzenlos.
Wir alle müssen uns aber an "die Spielregeln" halten.
Und das lässt sich - zumindest bei mir - sehr oft schlecht vereinbaren.
Dann maßregelt man sich.
Und dann ist alles, was vielleicht richtig und gut gewesen wäre, der Etikette zum Opfer gefallen.

Aber ist das nicht fast immer so?

Dein Beispiel mit der Party ist so typisch dafür.

lg Nickse

13.08.2019 13:26 • x 5 #3


Rowi
Hallo Jedi,
ein wirklich schönes Thema.

Ich selbst arbeite in dem Bereich der Denkmusterumgestaltung, an falschen Glaubenssätzen und konditionierten Schemata in meiner Therapie.
Fürmich selbst ist es unheimlich wichtig mir mein Denken immer wieder bewusst zu machen und aktiv daran zu arbeiten es mal zu überprüfen und umzuformulieren.

Bei mir haben sich Gedanken wie:
Früher oder später verletzt mich wieder jemand dem ich vertraue.
Mir wird eh wieder weh getan und ich schütze mich ja nur.
Andere wissen zu lassen wie es mir geht, macht mich verletzlich und angreifbar.
Ich werde eh wieder ausgenuzt.

Um ein guter Mensch zu sein muss ich jedem Helfen dermich darum bittet und darf nicht Nein sagen.
Meine eigenen Interessen sind nicht so wichtig wie das wohl der Allgemeinheit (Familie).
Ich kann nur glücklich sein wenn andere mich mögen.
Nein sagen ist selbstsüchtig und egoistisch.

stark in meinem Denken verankert und mir wurde das auch mit vorgelebt bzw. ich habe es durch Erfahrungen von klein auf so gelernt.

Mich darauf einzulassen das mal zu überprüfen und wirklich zu meken, "Hey das stimmt ja gar nicht so pauschal wie ich das denke", hat einige Zeit gebraucht und ich bin auch jetzt jeden Tag am dazulernen wie ich wohlwollender mit meinen Gedanken über mich und meine Umwelt umgehe.

Ich finde es toll das es unsere Neuroplastizität gibt und das wir unsere schön geteerten negativen mehrspurigen Gedankenautobahnen wieder zu kleinen Waldtrampelpfaden werden lassen können und dafür unseren unscheinbaren positiven Feldweg ausbauen können, so das sich unser Denken eher an dem positiven Weg orientiert als an dem negativen.

Mich mit meinem eigenen Denken auseinander zu setzen ist ein tagtäglicher Prozess. Manchmal sage ich mir, das ist mein kleines Hirnfitnessprogramm, wobei das nichtsmit Leistungssteigerung zu tun hat. Ich will damit eher deutlich machen, dass es mirnichts bringt das nur mal eben 4 Wochen oder eine Zeitlang während einer Intensivtherapie zu machen und es dann schleifen zu lassen, weil "geht mir ja besser." Sondern ich muss es jeden Tag aufs neue mir bewusst machen, damit arbeiten und mich freuen wenn ich es wieder geschafft habe einen kleinen Unhold aufzudecken und ihn umzuwandeln. z.B. Nur wenn ich Glücklich bin und mich selbst mag, können auch andere in meiner Umgebung mich mögen.

In diesem Sinne hört nie auf euer Denken auch mal zu hinterfragen.

LG
Rowi

13.08.2019 13:47 • x 8 #4


Jedi
Hallo

Das Phänomen unserer Selbstsabotage !
Damit komme ich zu dem Thema unserer Selbstansprache oder auch unseres inneren Dialogs.

Welche Frau kennt das nicht, man ist auf eine Party eingeladen u. steht nun zu Hause vor dem Kleiderschrank u.
die Gedanken rattern durch den Kopf,
"Was ziehe ich an" ?
"Puh, was sehe ich in diesem Kleid dick aus",
"Was habe ich da für einen dicken Hintern drin",
"Was habe ich nur für schwablige Unterarme",
"Wer nur noch zum Friseur gegangen" Furchtbar sehe ich auf dem Kopf aus" u. noch vieles vieles mehr !

Unsere innere Simme sagt uns, wie beschissen wir heute aussehen u. erschaffen uns vor unseren Augen innere Bilder,
welch schöne u. attraktive Frauen dort auf der Party sein werden.
Natürlich alles nur junge, hübsche u. attraktive Frauen


Wie fühlt man sich da ?
Wirklich kein Geheimnis,"schlecht u. unattraktiv" !
Da hilft es auch oft auch wenig, wenn der Partner dich toll findet u. das Kleid u. dich gar toll findet.
Wir glauben einfach unreflektiert unserer Stimme im Kopf.

Habt ihr schon einmal euren Autoschlüssel verlegt u. wie seit ihr da mit Euch umgegangen ?
Da soll es innere Stimme in unserem Kopf geben, die uns sagen,
"So ein Mist, ich bin auch zu blöd".
"Das ist mal wieder so typisch für mich",
"So etwas bekomme auch nur ich hin",
"Ich könnt mir eine reinhauen",
uvm. !
Wie fühlt ihr Euch in solchen Momenten ?
Ich glaube, da braucht man kein 1,0 Abi zu haben , um sich vorstellen zu können, wieviel Energie da verpulvert wird u. was das an Stress erzeugt.

Alles selbsterschaffene Gedanken über uns, die wenig bis gar nichts mit Selbstannahme, Wertschätzung der eigenen Person u. schon gar nicht mit Selbstliebe zu tun haben.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie wir mit Uns umgehen können !
So würden wir mit einem Anderen kaum umgehen wollen.
Wir beschimpfen uns oft auf das Übelste, lassen an Uns Selbst kaum ein gutes Haar u. vergleichen Uns gerne mit Anderen,
die natürlich von Uns immer besser beurteilt werden.

Wissenschaftlich ist schon längst erwiesen, dass ein solch Selbstkritisches Verhalten, zu einem erhöhten Risiko führt,
mal an eine Depression od. gar einer anderen Psychischen Erkrankung zu erkranken.

Sicherlich werden jetzt der ein oder andere Leser denken, dass ist doch Allzu Menschlich.
Ja, dass stimmt !
Doch meine Frage wäre, ist es sinnvoll, so mit sich umzugehen ?
Wenn es doch durch Studien belegt ist, dass uns ein solches Verhalten krank macht, was können wir dagegen tun,
bevor wir krank werden u. irgendwo uns in einer Psychiatrie wiederfinden, beim Psycholgen auf der Couch uns die Tränen aus den Augen heulen oder uns schließlich, in einem solchen Forum anmelden u. auf Hilfe, Verstanden werden u. Unterstützung hoffen ?

Villt. schaffen wir es in diesem Thread, durch unseren gemeinsamen Erfahrungsaustausch, unsere inneren Dämonen,
so unsere Gedanken, ihnen ihre Macht über unser Denken zu nehmen.

LG Jedi

.

13.08.2019 14:21 • x 8 #5


Jedi
Hi Rowi !

Zitat von Rowi:
Hirnfitnessprogramm

Finde ich ich gut
Zitat von Rowi:
In diesem Sinne hört nie auf euer Denken auch mal zu hinterfragen.

Ja, dass ist so Wichtig u. Richtig !
Zitat von Rowi:
Ich will damit eher deutlich machen, dass es mirnichts bringt das nur mal eben 4 Wochen oder eine Zeitlang während einer Intensivtherapie zu machen und es dann schleifen zu lassen, weil "geht mir ja besser.

Genau ! Es ist ein Prozess, dem keine begrenzte Zeit unterliegt.
Es kann zu einem lebenslangen dran arbeiten werden !
Aber manche Menschen arbeiten ihr lebenlang an ihrer körperlichen Optimierung, warum können wir nicht so lange unser Hirnfitnisprogramm machen ?

LG Jedi

13.08.2019 14:41 • x 8 #6


ZeroOne
Hi Jedi!

Ein tolles Thema, danke!

Die Gedanken sind das Eine. Für mich persönlich sind sie (mal mehr, mal weniger) gut greifbar, bzw. umbaubar. Ich versuche mich - wie @Rowi - auch gerne mit Reframing.

Aber wesentlich mehr Respekt habe ich vor meinen Handlungen! Insbesondere vor denen, die ich immer wieder unbewusst ausführe, weil sie über die Zeit so selbstverständlich geworden sind, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, sie mir aber dennoch schaden.
Allerdings kann ich nun auch nicht jede Minute durch´s Leben gehen und jede einzelne meiner Handlungen wahrnehmen, analysieren, etc.

Und was "bewusste" schädliche Gedanken und/oder Handlungen betrifft, so frage ich mich öfters, ob der Mensch das manchmal nicht sogar will und braucht - der eine mehr, der andere weniger: Selbstmitleid. Da gibt es doch auch diesen knackigen Spruch: "Wer leben will, muss leiden!"

LG
ZeroOne

13.08.2019 14:46 • x 8 #7


Nickse
Zitat von Jedi:

Ja, dass ist so Wichtig u. Richtig !


Trotzdem führt aber das ständige Hinterfragen zum - wie hast du gesagt Jedi? - inneren Vermeider?!

Zitat:
ob der Mensch das manchmal nicht sogar will und braucht - der eine mehr, der andere weniger: Selbstmitleid.


Da hast du sicher recht, ZeroOne - aber ohne unser Selbstmitleid würde manche Wunde nicht heilen können. Davon bin ich fest überzeugt!

Nickse

13.08.2019 14:49 • x 5 #8


maya60
Hallo Jedi, ein wirklich zentrales Thema! Gerade heute wieder exerziert! Ich arbeite eher damit, dass ich den Quälgedanken ihre emotionale Macht nehme. Vorher musste ich natürlich jahrelang erstmal draufkommen, woher sie kommen, wie ich daran gekommen bin und was unter dem jeweiligen Gedanken für eine Emotion liegt und warum.

Das ist so ähnlich wie bei Harry Potter ein magisches Wesen namens "Irrwicht", der die Eigenschaft hat, sich immer in die größte Angst seines Gegenübers zu verwandeln. Dagegen wirkt, sich ihm zu stellen und ihn in was anderes zu verwandeln.

Bei Harry Potter in eine Witzfigur, beim Kognitiven Umstrukturieren in was anderes, bei mir gleich das, was alle Ansätze wollen: ihm die Angst zu entziehen.

Bei mir war es heute mal wieder der Perfektionismus! Dahinter steckt die Angst von früher, erlernt, sich bloß keine Blöße, Schwäche zu erlauben. Und auch nicht zeigen, von Angst und von welcher peinlichen Angst gepeinigt zu werden. Mit der Folge, in irgend einen Aktionismus auszubrechen, die Fassade zu wahren und das Gegenteil zu behaupten.

Und genau da mache ich heute das Gegenteil:

Ich sage, vor was ich Angst habe, ich sage, dass ich schwach und ängstlich sein darf, ich sage, dass ich das sogar momentan bin und sein darf, ich verstecke das nicht und zeige das sogar hier öffentlich und ich breche in keinen Aktionismus aus, um mich abzulenken und eine Fassade zu errichten.

Und schon wird aus dem in meine Mutter verwandelten Irrwicht meine Mutter, die durch eine Pipe skatet mit Skaterklamotten an.

13.08.2019 15:10 • x 5 #9


Frederick1
hallo,

ja meine Gedanken spiegeln mein Fühlen, mein Denken, mein Handeln. Für mich ist es maßgeblich was ich sehe, was ich höre. Da versuche ich selbst zu bestimmen, was tut mir gut, was nicht. Welche Filme tun mir gut, welche Musik.

Was mir nicht gut tut, muss ich mir nicht ansehen, anhören. Im weltweiten Internet gibt es oft so viel Mist, das muss ich mir nicht mehr antun. Natürlich kann ich aber nicht alles für mich Negative in meinem Leben ausblenden.Doch ich muss auch nicht mehr alles anschauen.

Ich darf so gut ich es kann, meine Gedanken bestimmen. Wenn negative Gedanken wieder hoch kommen wollen, wie ich kann das nicht, das ändert sich ja nie, wie soll das bloß weitergehen.Dann schreibe ich mir diese Gedanken noch von Hand auf, und formuliere diese Gedanken für mich positiver. Da bleibt bei mir mehr hängen, als wenn ich es nur lese. Und ich kann immer wieder nach lesen.

Manche Gedanken können aber auch richtig zäh sein, das ich keine Möglichkeit sehe, sie zu kontrollieren. Dann schreibe ich es mir immer wieder auf. Damit die Gedanken von meinem Kopf auch in mein Herz kommen.

Wenn ich ein neues Lied lerne, die Melodie, den Text, den Rhytmus, dann muss ich da auch lange üben, dran bleiben.

Immer wieder vom Kopf in mein Herz, und von meinem Kopf wieder ins Herz. Denn Gedanken und Gefühle gehören zusammen. Nur Gedanken sind nicht gut, aber nur Gefühle auch nicht. Es sollte ein Zusammenspiel bleiben.

Meine Gefühle wie Angst, Eifersucht, Stolz, Liebe usw.bestimmen unser Erleben und Verhalten. Auch meine Lust, Unlust zum Leben, aber auch Freude, Glück.

Gefühle sind sehr wichtig und dürfen sein. Doch es ist für mich auch wichtig, mit meinem Kopf, Verstand, meine Gefühle zu kontrollieren.

Selbst bin ich ein Gefühlsmensch, und bei mir besteht die Gefahr, das meine Gefühle mit mir durchgehen wollen.

Gerade meine Depression ist eine Störung meiner Gefühlswelt. Und da brauche ich mit meinem Verstand einen Ausgleich.

Meine liebe Frau ist eher der Kopfmensch, und das ist gut, da können wir uns gegenseitig ergänzen.

Leider machen wir uns oft zu viele Gedanken, oder zu viele Gefühle. Aber um ausgeglichener Leben zu können dürfen wir es lernen, irgendwo die Mitte zu finden.

Unser Leben wird heute immer komplizierter. Ein Mensch kann das gar nicht mehr alles fassen, was durch die neuen Medien auf uns einstürmt. Und jeder denkt anders, meint es anders, so viele Bücher usw.

Wichtig finde ich, das ein jeder von uns, seinen ganz persönlichen Weg durch diesen ganzen Dschungel findet, für sich so glücklich und zufrieden wie nur möglich wird.


liebe Grüße,

Gnadenmann

13.08.2019 15:24 • x 6 #10


Frederick1
hallo,

mir ist es auch schon passiert, ich habe die Kontrolle über mich verloren, und wurde süchtig. Und das kann leider sehr schnell gehen. Lange konnte ich mir das auch nicht eingestehen, und das ich da echte Hilfe brauche. Wenn ich enttäuscht bin durch meine Depression, dann versuche ich einen Ausgleich zu finden. Das ich beginne zu viel zu essen, zu viel zu trinken, süchtig werde nach Anerkennung und Zuwendung usw.

Schmerzhafte und unangenehme Gefühle in meiner Depression versuche ich mit Sucht zu bekämpfen. Aber letztendlich wirst du durch die Sucht noch abhängiger, noch enttäuschter.


Wenn ich mich an etwas binde, das mich noch mehr runter zieht, als meine Depression.

Helfen kann mir da nur ein anderer Mensch. Allein kommt man da ganz schlecht wieder raus. Deshalb, lasse es raus, auch hier im Forum, viele Menschen hier können das echt verstehen.


liebe Grüße,

Frederick

13.08.2019 16:02 • x 5 #11


Nickse
Zitat von Frederick1:
Helfen kann mir da nur ein anderer Mensch.


Das kann ich gut verstehen und nachvollziehen.

13.08.2019 16:09 • x 4 #12


Frederick1
liebe Nickse,

ja gute Gedanken, gute Worte können fliegen, von einem Menschen zu einem anderen Menschen.

Gute Worte, gute Gedanken können uns neu ermutigen, Hoffnung schenken, neue Liebe für mein Leben.

Deshalb finde ich es in diesem Forum hier super, wenn andere Menschen hier, meine manchmal zu negativen Gedanken verwandeln können, in wieder gute Gedanken.

Wenn gute Gedanken zu deinem Herzen, zu meinem Herzen fliegen, dann verfliegt manche graue Wolke.

Gute Gedanken sind mehr als ein Traum. Sie sind ehrlich, wenn sie von Herzen kommen.

Weil ich meine negativen Gedanken hier nicht verstecken muss. Weil es vielen auch so geht wie mir.


liebe und gute Gedanken für dich liebe Nickse, für uns alle hier.

von Herzen,

Frederick

13.08.2019 16:22 • x 4 #13


Jedi
Hallo

Zitat von Nickse:
Trotzdem führt aber das ständige Hinterfragen zum - wie hast du gesagt Jedi? - inneren Vermeider?!

Zitat von Nickse:
das ständige Hinterfragen

Dies Hinterfragen ist eine Methode für die Menschen, die wegen ihrer Gedankenschleifen, dem ständigen Denken müssen,
sich hilflos ausgeliefert fühlen u. durch ihre ständigen Grübelgedanken krank geworden sind.
(Die Person, die Krank geworden ist, kann mit Hilfe lernen damit umzugehen. Viele fühlen sich nicht beeinträchtigt, werden aber trotzdem auch von ihren schädlichen Gedanken beherrscht).

In der Zeit meines Klinikaufenthalts u. der Reha, ist mir kein Betroffener begegnet, denen nicht diese ständigen Gedanken gequält haben u. dieses ständige Denken, ihnen ihre Energie geraubt haben, bis hin, dass sie gar immer häufiger Suizid Pläne geschmiedet haben.
Es war wichtig für Sie geworden, ihre Gedanken einmal aufzuschreiben u. ihren Ursprung auszumachen.
So kann man seinen Prägungen, seiner Konditionierung u. Glaubenssätzen, die man so mitbekommen hat u. dies so als Kind od. noch junger Mensch uneingeschränkt glauben geschenkt hat auf die Schliche kommen.
Vielen Betroffenen wurde ihr Denken u. Verhaltensmuster klarer u. konnten nun durch gezielte Überprüfung, für sich nun andere Entscheidungen treffen u. eine andere Sichtweise annehmen u. ihr Verhaltensmuster verändern.
Dies ist ein Prozess, der Unterumständen bei manchen Betroffenen dazu führen kann, dass eine Therapie nicht ausreicht u.
das es möglicherweise noch eine zweite od. gar dritte Therapie nötig werden kann.

Ich selbst hatte so viele Aha-Erlebnisse, als ich meine "inneren Instanzen" kennengelernt habe, die lange Zeit über mein Denken,
mein Verhalten, über meine Gefühle u. Emotionen mitbestimmt hatten.
Zu den inneren Instanzen gehören,
"der innere Kritiker/ Richter"
"der innere Antreiber"
"der innere Vermeider"
"der innere Katastrophierer".

Diese zu erkennen, ihre Herkunft bewusst zu werden, sich einmal klar zu machen, dass sie unsere selbsterschaffenen Dämonen in uns sind u. uns ihre Geschichten genau anhören, die sie uns so prima Erzählen u. so ihnen dann diese ihre Macht zu nehmen, ist ein Ziel der KVT.

Ich möchte dies mal an einem Beispiel, des "inneren Vermeiders" aufzeigen, weil der hier schon genannt wurde.
Dieser ist ein häufiger Störenfried in uns u. ist sehr oft dafür Verantwortlich, dass wir uns etwas vornehmen, dann aber plötzlich uns energielos fühlen u. schnell Ausreden parat haben, warum wir dies oder jenes jetzt nicht tun können, gar wollen oder es nicht schaffen.
Diese Ausreden ist die Stimme des "inneren Vermeiders" !
Dieser "innere Vermeider" tut "vermeintlich" alles, um uns vor negativen Gefühlen zu schützen.
Dabei ruft er uns gerne ins Gedächnis, dass wir Gekränkt werden könnten, gar Ablehnung erfahren oder unser Vertrauen verletzt,
gar missbraucht werden könnte uvm.
Da geht es dem "inneren Vermeider " nicht darum , uns schützen zu wollen, weil er nicht unterscheidet zwischen realen u. unrealen Gefahren !
So geraten wir oftmals sehr früh in Sresssituationen, die unsere Ängste auf den Plan rufen, wir so unsere Unsicherheit zeigen u.
Mutlos uns zurückhalten, gar zurückziehen oder dem Fluchtreflex folgen.

Den Preis für "No-Risk" den wir dafür bezahlen, ist sehr hoch !
Es gibt Forschungen die gezeigt haben, das unser Geist mit negativen Anweisungen nicht umgehen kann.
Ihr könnt ja mal selbst einen Versuch machen, sagt Euch selbst einmal, "Ich möchte mal ein paar Minuten nicht an einem leckeren Eisbecher denken".
Was glaubt ihr, was geschieht ?
Wie häufig wird wohl der leckere Eisbecher in euren Gedanken u. virtuellen Vorstellung auftauchen ?

Also versuchen wir nicht länger auf unseren "inneren Vermeider zu hören, ihm glauben zu schenken !
Sonst kann es uns dahin führen, dass unser Leben nur noch aus Gewohnheit u. Langeweile besteht.
Ängste vor Allem tauchen auf, Grübelgedanken, Schuldgefühle , wir fühlen uns Machtlos, gar Ausgeliefert u. Energielos.
Wir sind den Herausforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen.

Aber nur indem wir Erfahrungen machen können, werden wir Entscheidungsfähig, Selbstbestimmt u.
stärken unser Selbstvertrauen !
Vermeidung führt zur Isolation, Mutlosigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, wir machen uns zunehmend abhängig von Anderen u. deren Beurteilung u. Berwertungen.
Wir geben unser Verantwortung für uns u. unser Leben dabei völlig aus der Hand.
Darum ist dieser "innere Vermeider" so gefählich !
Aber diese anderen Instanzen in uns, sind auch nicht zu unterschätzen !

So meine Erfahrung mit diesem "inneren Vermeider", der auch eine Zeitlang in meinem Leben, sich als Störenfried präsentiert hat.

LG Jedi

13.08.2019 17:22 • x 3 #14


Frederick1
lieber Jedi,

eine der ersten Schritte das ich wieder positiver über mich und mein Leben denke, ist meine ganz persönliche Einstellung.
Das ich sehe und erkenne, wie wichtig meine positive Einstellung für mich und mein Leben ist. Oft ist meine Einstellung zu mir selbst, oft wichtiger als meine Fähigkeiten. Meine Einstellung ist eines meiner wichtigsten Dinge die ich für mich habe.

Entweder ich bin für mich, oder ich bin gegen mich.

Wenn ich für mich und mein Leben bin, pro Frederick, dann kann ich manches Hindernis besser überwinden. Bin ich aber gegen mich, dann führt mich vieles in Verzweiflung.

Wie ein Steuerruder bei einem Schiff, das den Kurs des Schiffes bestimmt.

Auf dem Meer meines Lebens, kann mich eine gute Einstellung zu mir und mir selbst, auch durch einen Sturm tragen.

Wenn ich den Sinn meines Lebens erkannt habe, das mein Leben und ich wertvoll bin.

In der Depression haben wir leider oft eine negative Grundhaltung zum Leben. Und da muss ich meiner Meinung nach ansetzen. Oder Menschen, die unter einem burn out leiden, waren vorher oft sehr erfolgreiche, positive Menschen.

Wenn meine Grundeinstellung ist, es geht sowieso nichts mehr, warum erst versuchen, bei diesem Grundgedanken geht gar nichts.

Und deshalb muss ich eine Grundsatzentscheidung treffen. Meine Einstellung zu meinem Leben verändern.

Das wenn in meinem Leben etwas schief läuft, und in jedem Leben läuft etwas schief, ich trotzdem zu mir und meinem Leben stehe.

Es ist meine ganz persönliche Entscheidung, die Wahl für mich selbst.

Ich weiß das es in meiner Depression schwer ist, eine gute Einstellung für mich zu haben. Denn ich neige dann auch dazu, mich von meinen negativen Deprigefühlen leiten zu lassen.

Ich sollte mir immer mehr bewusst machen, wie wertvoll ich bin, und das ich ein Recht habe, mich auf das Gute, auf das Positive in meinem Leben zu konzentrieren.

In der Depression hast du viele Möglichkeiten negativ zu denken. Du bist enttäuscht vom Leben, mir selbst, anderen Menschen. Ständig wirst du geschlagen mit negativen Gedanken und Gefühlen.

Ich muss es mir zur Gewohnheit machen, mich zwingen, meine Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die gut sind.

Ich neige auch dazu, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Meine Realität ist verzerrt, ich treffe Entscheidungen aufgrund von Vermutungen und negativen Gefühlen. statt von Tatsachen.

So lange sollte ich schauen, um das Gute zu erkennen für mich. Meine Gedanken besser an den guten Dingen fest machen. Mich mit guten Dingen füllen. Gute Worte, gute Bücher, Gutes und Wertvolles in den Medien suchen und finden,
dankbar sein und werden für das Gute in meinem leben, gute Gespräche, wertvolle Beziehungen. Meine Augen und Gedanken das Gute sehen lassen.


Alles Gute für dich, für uns alle hier,

Frederick

13.08.2019 18:07 • x 2 #15




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