191

Sport hilft oder ?

Sifu

Sifu
Mitglied

1225
194
883
Sport hilft gegen Depressionen, aber oft bin ich schwer wie Blei und kann mich nicht mal aufraffen die Turnschuhe anzuziehen. Gestern bekam ich deshalb enorme Wut auf mich selbst und zwang mich dann mit aller Kraft auf das Standfahrrad. Schon beim Aufstellen war ich kurzatmig (bin aber körperlich kerngesund), schrie und quälte mich dennoch 40 Minuten darauf. gegen jeden inneren Widerstand. Das Ganze war wie eine Folter. . aber es wirkte: Die Depressionen waren danach fast für einen Tag weg.

Lohnt sich so ein Aufwand ?

x 5 #1


77 Antworten ↓
S

Stik
Gast

Ok, ich versuche es mal. Ja, ich widerspreche mich vielleicht?

Vorweg: Es kommt immer darauf an, wo ihr steht.

Ich hatte irgendwann einen Tiefpunkt. Klingt etwas sehr nach Verharmlosung. Stimmt.
Dient aber der Verkürzung.
Da sah ich, wie Menschen aller Altersgruppen einen Marathon liefen.
Da sagte ich mir: Bin zwar krank - aber das schaffe ich auch.
Ich bekam von einem Freund (der ist schon lange...) ein altes Fahrrad.
Da fing ich an. Damals war "Draußen" noch kein Hindernis für mich, Menschen schon.
Ich fuhr so oft ich konnte. Dick wie eine Kartoffel.
4 Km, 10 Km, 20 Km, 40 Km, 60 Km. Monat für Monat mehr.
Bis ich so weit abgenommen und fit war, mit dem Laufen anzufangen
100 Meter, 200 Meter (immer im Dunklen) von Parkbank zu Parkbank.
Wo ich her kam und wie krank ich war, konnte im Dunklen niemand sehen.
Irgendwann schaffte ich nachts 1 Km, dann 2 dann 4. Es dauerte Jahre.
Aber ich war Draußen. Ich schaffte es, drei, viermal raus bevor die Sonne aufging
Dann meldete ich mich irgendwann online für meinen ersten 10 KM Lauf an.
Ihr fragt Euch vielleicht, ging es mir dadurch gut?
Ehrlich: Ja und Nein. Einerseits war ich durchs Training so kaputt, dass es vieles (negativ) nicht zuließ,
aber anderseits wusste ich, wenn ich nicht laufe, gehe ich kaputt.
Also trainierte ich. Erst einen Tag, dann Pause, dann den nächsten Tag. Laufen, Gehen, Laufen.
Nach Monaten lief ich 5 KM am Stück ohne zu gehen.
Dann irgendwann 10 KM. Trainieren, Essen, Schlafen, Trainieren.
War ich noch krank? Na klar, ich machte nur soviel Training, ich spürte nichts mehr. (nur die Knochen)
Den lief ich erfolgreich. 4 Monate später den ersten Marathon über 42 KM.
War ich glücklicher? Ging es mir besser?
Es tut mir Leid zu antworten: Nein!
Die Bilder, die viele Medien übertragen von glückbeseelten (Amateur-) Läufern im Ziellauf eines Marathons - es blieb bei mir aus.
Ich stand hinter der Ziellinie mit der Medaillie um den Hals und war völlig leer, weinend, nicht vor Glück.
Ich war nur traurig.
Ich machte aber weiter: Über Jahre lief ich im Training mindestens 20 KM vier Einheiten die Woche.
2 Halbmarathon, 2 Voll Stadtmarathon. 10 Kilometerläufe und besondere Veranstalltungen.
(Freiburg, Berlin, Hamburg, Köln, Lübek etc).
Dazu 4-5 mal Training die Woche.
War ich einen Tag glücklich? Nein. Ich versuchte nur meine Krankheit in Schach zu halten.
Dann kam es zu einem Unfall und mein "Weglaufen" hatte ein Ende.

Sport ist gut, wenn es nicht schon allzu schlimm um einen steht.
Mir hat es nur Zeit überbrückt, aber nicht geholfen.

Lasst Euch nicht entmutigen. Nicht jeder hat das Leben wie ich.
Stik
PS: Mein erster Versuch hier. Nochmal: Sport ist gut, wenn man noch nach Draußen kann. zwinkern

02.11.2023 20:58 • x 6 #69


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Hallo Sifu,

Sport hilft oder ?

x 3#3


Alexandra2

Alexandra2
Mitglied

Beiträge:
8976
Themen:
16
Danke erhalten:
13335
@Oli
Angst und Depression befeuern sich gegenseitig, Stress/ Druck verschlimmert das noch. Das sollte Dein Arzt eigentlich wissen. Oder Du hörst auf diesem Ohr "Du musst" besonders gut und blendest Konjunktive "Du könntest, würdest" unbewusst aus?
Deshalb würde ich eher fragen, was ist das kleinere Übel zZt, Sportarten ausprobieren und feststellen, was Dir ein gutes Gefühl macht? Einzelunterricht Reiten, ich persönlich finde das den für mich allerbesten Sport, weil die gesamte Aufmerksamkeit beim Pferd, bei einem selbst (Sitz/ Hilfengebung) ist und dadurch ein kompletter Abstand vom Alltag, zu Problemen, Gedanken möglich wird. Und körperlich ist es auch anstrengender als es aussieht. 2-3 Einzelstunden würden schon Klarheit schaffen, owelche Gefühle es auslöst-
Ausprobieren anstatt Dich unter Druck zu setzen (nicht zwingen, sondern möchten) scheint wichtig zu sein.
Vieles lässt sich mit Disziplin regeln, vieles aber auch nicht. Dann zählt es nach meiner Erfahrung, wenn der Aktionsradius über längere Zeit immer kleiner wird, eindeutig zur Verschlechterung. Dann muss die Behandlung angepasst werden.
Mir hilft manchmal, mir die Haupt- und Nebensymptome der Depression anzuschauen, um mein unbestimmtes Gefühl näher identifizieren zu können, also ob es eine Verschlechterung ist. Das kann leider immer der Fall sein.
Aber eine ausgewogene Mischung von Aktivität und Ruhe und Erholung ist generell wichtig. Da hat jeder sein eigenes Entdeckertempo.

15.10.2023 20:48 • x 3 #60


Zum Beitrag im Thema ↓

Alle Antworten:


BlackKnight
Bei mir geht's auch ohne😇😇😇 bin interessiert was hier noch kommt👍😊

Wenn es dir gut tut, klare Antwort: Ja👍

x 2 #2


Fritz
Hi Sifu
Ich glaube auch, dass man die Depression mit ein wenig Gewalt auflösen kann.
Irgendwie muss man sich dazu zwingen, dann passt es!
Eine verrückte Sache, aber es funktioniert!
Servus

x 5 #3


TomdeLone
@Sifu Unbedingt!
Ist doch sogar wissenschaftlich unstrittig und mehrfach bewiesen.

Außerdem, das Gefühl kenne ich, wenn ich mich zu meinen täglichen Ritualen, wie isometrisches Training (morgens) aufraffen, zwingen muss..., oder täglich raus an die frische Luft mit Fahrrad oder zu Fuß.

Als ich das mit den kranken Waden noch nicht hatte, sogar zusätzlich in der Woche 2-3 Mal 15-30 Minuten Joggen auf dem Laufband je nach Tagesform... zwinkern

x 4 #4


Alexandra2
Ich habe sehr viel Sport gemacht im Leben und meine Erfahrung ist, es ist das Antidepressiva für mich. Für die Selbstüberlistung plane ich schwimmen (ich hasse schwimmen) und zur Belohnung Sauna danach. Belohnung ist wichtig Mr. Green

x 8 #5


Sifu
Ich war einmal ein sehr guter Kampfsportler vor 30 Jahren mit 60 kilo weniger - daran werde ich keinen Anschluß mehr finden, aber mir macht das Fitnesstuido wieder Spaß.

x 7 #6


TomdeLone
Zitat von Sifu:
Ich war einmal ein sehr guter Kampfsportler vor 30 Jahren mit 60 kilo weniger - daran werde ich keinen Anschluß mehr finden, aber mir macht das Fitnesstuido wieder Spaß.

Das freut mich! 👍

Ich habe für mich herausgefunden, gerade immer soviel trainieren bis man anfängt gut zu schwitzen...
Bloß nicht über powern, dafür lieber regelmäßiger (innerer Schweinehund überwinden)

Irgendwann greift ein Automatismus und Normalisierung und kann an Tagen, an denen man sich besser fühlt, auchmal ein bisschen mehr machen...? zwinkern

Kleine Pausen währenddessen und Belohnung hinterher sind aber auch ganz wichtig, wie schon erwähnt wurde...

x 2 #7


TomdeLone
Zitat von TomdeLong:
Ich habe für mich herausgefunden, gerade immer soviel trainieren bis man anfängt gut zu schwitzen...

Da habe ich Mist geschrieben!
Beim Iso-Training, Gymnastik, Yoga o.ä. natürlich nicht, da kommts eher auf technisch korrekte Ausführung der Übungen an...

Anfangen zu Schwitzen beim Laufen, Radfahren oder anderen bewegungsintensiven Disziplinen, so rum war es gemeint. 😁

x 1 #8


Alexandra2
Und ich habe rhythmische Sportgymnastik, Kunstturnen, Volleyball, Dressurreiten jahrelang teils leistungsmäßig gemacht, etwas Leichtathletik, aber zu einem Marathon konnte ich mich nicht aufraffen

x 4 #9


Lost111
@Alexandra2

Dressurreiten! WOW! Herze

x 3 #10


Caro66
Sport, bei mir auch.
Früher Leistungssport Schwimmen.
Heute Viel Bewegung a.d.frischen Luft, lange Spaziergänge, die mir gerade mal wieder weniger gelingen,weil ich schnell k.o.bin und viel Erholung grad brauche.
Generell Bewegung,Bewegung,Bewegung ...
VGCaro63

x 4 #11


Trinidat
Mir hilft Sport überhaupt nicht. Habe 3 Monate 3 Mal täglich mindestens 2 Stunden intensiv trainiert ( Kraft und Ausdauer) Meine Stimmung wurde kein bisschen besser. Deshalb habe ich es einfach gelassen.
Was mir immer hilft, ist Yoga, Atemübungen und Meditation, im Garten buddeln, schöne Sachen draußen machen, immerzu neues entdecken, lesen, neue Interessen, immer auf der Suche nach neuen Anregungen sein und so vieles mehr. Das macht für mich in Bezug auf gute Stimmung einfach viel mehr Sinn als "Sport"

x 6 #12


Caro66
@Trinidat
...das stimmt natürlich.
Positive Erlebnisse sind wichtig,Kontakte in Familie,Freunde...Sport nur im Sinne ,wenn es Spass macht...Leistungssport zähle ich auch nicht dazu.
Progressive Muskelentspannung u.v.a

x 3 #13


HDD
Wenn du es ganz einfach und niederschwellig haben willst: Geh spazieren. Stundenlang. Dabei kannst du nach Herzenslust über deine Situation nachdenken, es tut was für deine Ausdauer, kostet nix und beruhigt. Danach kannst du besser schlafen. Immer wenn ich mich mal mies fühle, gehe ich nachts spazieren und danach geht es mir wieder gut.

x 7 #14


A


Hallo Sifu,

x 4#15


LittleWing
Also so grundsätzlich baut Sport (Bewegung) Adrenalin (Stresshormon im Körper) auf natürliche Weise ab,was nicht verkehrt ist.
Besonders dann nicht,wenn man das Gefühl hat "unter Strom zu stehen".

Ich finde auch,Bewegung hilft,den eigenen Körper besser zu spüren und darüber wieder mehr in´s "Hier und Jetzt" zu gelangen statt zuviel zu grübeln.
Man spürt halt,dass der Körper durchaus belastbar ist (auch wenn man schwitzt und keucht) und das stärkt wiederum das Empfinden,sich etwas zutrauen zu können.

Es gibt aber auch Phasen ,Tage oder Stunden,in denen man einfach Ruhe benötigt.

Die Herausforderung ist,zu erfühlen,was man (gerade) benötigt und was nicht.
Also seine Bedürfnisse (im Augenblick) wahr zu nehmen.

Verkehrt machen kann man dabei nicht viel,zumal man ziemlich zeitnah spürt,was einem (gerade) gut tut und was nicht.
Da geht es viel um Achtsamkeit und die ist erlernbar,wie alles natürlich Übungssache.

x 3 #15

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag