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Selbstliebe lernen - wie schafft man das?

Jedi
Zitat von Wuslchen:
Ich glaube viele haben ein riesiges Problem mit diesem Wort Liebe.

Stimmt - dass ist auch meine Erfahrung aus vielen Gesprächen zum Thema, Selbstliebe.
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Zitat von Wuslchen:
Und die Aussage mich selbst mit allen Facetten anzunehmen ohne zu bewerten - ja schön, aber genau das ist ja das Problem, eben dass wir bewerten und es nicht schaffen uns wertfrei anzunehmen.

Weil wir es genau so vermittelt bekommen haben, uns hat nie jemand gezeigt wie das geht.

Auch hier stimme ich Dir zu !
Für mich war es auch ein langer Weg, bis ich bestimmte Begriffe so für mich verstehen konnte, wie ich hier darüber
schreibe.
Mir ist sehr bewusst, wenn ich über Selbstliebe, Annahmen, Akzeptanz schreibe, dass dies bei dem einen oder anderen ganz andere Assoziationen hervorrufen kann.
So ist mir hier auch immer bewusst, dass ich hier nicht nur mit von Depression Betroffenen schreibe, sondern es
noch viele unterschiedliche psychische Erkrankte hier sind, bei denen meine Themen ganz anders ankommen u.
gelesen werden.
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Zitat von Wuslchen:
Waffenstillstand klang für mich damals gut.

Finde ich auch nicht schlecht !
Für mich persönlich steckt da zum Beispiel auch schon Selbstliebe drin.
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Zitat von Wuslchen:
Meinen Feind liebe ich auch nicht und viele von uns sind eben im Krieg mit sich selber.

Ja stimmt ! Mich macht es immer betroffen, wenn ich solche Beiträge lese u. wünschte, dass sie es irgendwann/ irgendwie
es einmal schaffen, zum Waffenstillstand, im besten Falle , zu einem Frieden zu kommen.
Dieser Krieg mit sich selbst, hat natürlich seine Ursachen u. ich mag verstehen, dass dieser Krieg auch eine
Aufgabe erfüllt - leider wirkt dieser Krieg auch sehr zerstörerisch !
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Zitat von Wuslchen:
Einen Zustand zu finden, in dem ich mich nicht ständig selbst bekämpfen will,

klang für mich damals zumindest im Bereich des Möglichen und hat so ganz viel Druck rausgenommen.

Ja, so hast Du etwas für Dich finden können, was Dir dabei hilft.
Finde es sehr gut u. auch immer wichtig, dass es nicht immer nur einen Weg gibt, sondern auch ganz individuelle
Wege, jeder für sich auch finden kann.
So ist der Weg der Selbstliebe oder die Achtsamkeit nur zwei von meheren Möglichkeiten zu verstehen !

28.08.2022 21:23 • x 2 #391


Alexandra2
@Jedi
Zitat von Jedi:
Meinst Du damit die Liebe von außen ?
nein. Ich meine die Annahme, Geborgenheit, Sicherheit von kleinauf an. Die Liebe, die Urvertrauen ermöglicht und Stärke vermittelt. Da geht es mir wie Dir, vernachlässigt, abgelehnt, Gewalt. Und deshalb ist das Wort, wie @Wuslchen schrieb, das Problem (ich ergänze mit der lauernden Sehnsucht nach) Liebe. Das ist emotional, hochexplosiv und deshalb nie wertfrei. Der Wunsch, die Notwendigkeit von den Eltern geliebt zu werden und soviel entbehren zu müssen, mit den Folgen zu leben, wenn diese Liebe ausbleibt, so daß das Urvertrauen brüchig oder gar ncht entwickelt ist.

Zitat von Wuslchen:
Einen Zustand zu finden, in dem ich mich nicht ständig selbst bekämpfen will
, da ist schon viel erreicht
-und einen Zustand, die äußeren Angriffe abzuwehren, solange sie andauern. Oder sich mit manipulativen Menschen weiterhin zu umgeben. Ich hatte mir u.a. toxische Partnerschaften, in denen ich die Erfahrung, ich hätte keine anderen Partner verdient, zugemutet. Die Folgen der mangelnden Liebe habe ich solange weiter gelebt, bis ich selbstbewusst genug war, meinem Leben eine andere Richtung zu geben.

Achtsamkeit ist mit inneren und äußeren Reizen (als Beispiel die fortdauernden halben Gedanken, oft nur angerissen und sich gegenseitig unterbrechend) unvorstellbar. Vergleichbar wenn man mit Kopfschmerzen im Stau oder an überfüllten Bahnsteigen bei sengender Hitze, durstig unbedingt nach Hause muss, einfach mal Ruhe braucht, die es nicht gibt. Und das als Dauerzustand. Und nun würde ein Passant in dieser Situation sagen, 'achten sie (Aufmerksamkeit) auf den schönen blauen Himmel', das ist Achtsamkeit- ja genau! Ein Wunschzustand, Sehnsuchtsort, unerreichbar für mich.
Mit den Worten Selbstliebe, Achtsamkeit- kann ich wenig anfangen, es sind vermutlich Trigger, sie erinnern mich daran, daß etwas gefehlt hat bzw unerreichbar ist. Wichtig ist mir dabei, sich hier darüber auszutauschen, weil das auch Klarheit und Nähe schafft.

28.08.2022 21:41 • x 2 #392


A


Hallo Jedi,

Selbstliebe lernen - wie schafft man das?

x 3#3


P
Zitat von Jedi:
Achtsamkeit ist Aufmerksamkeit od. Bewusstheit, ohne zu beurteilen u.
zu bewerten.
In der Selbstliebe sollen uns annehmen, mit all unseren Facetten wie wir sind u. auch darauf zu verzichten,
uns ständig dabei zu beurteilen u. zu bewerten.
Das ruft doch meist unsere inneren Instanzen auf den Plan, (der innere Kritiker u. Antreiber, so wie den Vermeider u.
noch andere),

Wenn es heißt, wir sollen uns annehmen, dann bekommt der Mensch vermittelt, als ob das Sich-Annehmen dem Willen unterstellt wäre. Man nimmt es sich vor, und dann arbeitet man an der Selbstannahme. Das funktioniert aber so nicht (was nicht schlimm ist). Ebenso der Ratschlag, auf das Beurteilen und Bewerten zu verzichten. Denn das ist auch nicht dem Willen untertstellt. Warum nicht? Weil es seinen Ursprung auf einer tieferen seelischen Ebene hat, wohin der Wille nicht hinreicht. Wenn wir etwas doof finden, dann ändert sich auch nichts daran, wenn wir uns diese Bewertung verbieten. Tief in unserem Herzen finden wir es trotzdem doof.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass solche Ratschläge ständig gegeben werden. Auch von den Profis. Man solle nicht bewerten, man solle akzeptieren, vergeben, vergessen und nach vorne schauen usw. Das geht aber nicht per Vorsatz.

Also meine Erfahrung dazu:
man kann Selbstliebe nicht lernen! Man kann schließlich generell Liebe zu wem auch immer nicht lernen. Liebe entsteht unter bestimmten Bedingungen, aber sie wird nicht gelernt.
Unter welchen Bedingungen kann Liebe zu einem anderen Menschen entstehen? Wenn ich mit dem anderen Zeit verbringe, mich mit ihm beschäftige (auch mit seinen Schrullen und Eigentümlichkeiten), ihm nahe bin. Unter diesen Bedingungen lerne ich ihn kennen und entwickle Verständnis und Sympathie zu ihm (oder auch nicht, weil mir an ihm immer mehr missfällt).
Das gleiche gilt für die Selbstliebe. Sie entwickelt sich, wenn ich Zeit mit mir verbringe. Ich lerne mich immer besser kennen, daraus entwickelt sich Verständnis. Was ich verstanden habe, kann ich akzeptieren. Was ich akzeptiert habe, kann ich so lassen, wie es ist. Am Ende des Weges entsteht aus der Selbstakzeptanz die Selbstliebe. Beim anderen kann aus dem intensiven Kontakt eine Abneigung entstehen, bei der Beschäftigung mit sich selbst nicht. Selbstliebe ensteht immer am Ende des Weges, da der Keim dafür fest in uns angelegt ist. Je mehr wir allerdings dieses Ziel erreichen wollen, umso weniger wird es uns gelingen. Je weniger wir wollen, umso mehr kann entstehen (Stichwort Loslassen).
Schönen Abend noch.

28.08.2022 21:59 • x 3 #393


Jedi
Zitat von Alexandra2:
Ich meine die Annahme, Geborgenheit, Sicherheit von kleinauf an.

Verstehe jetzt - Ok !
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Zitat von Alexandra2:
Mit den Worten Selbstliebe, Achtsamkeit- kann ich wenig anfangen, es sind vermutlich Trigger, sie erinnern mich daran, daß etwas gefehlt hat bzw unerreichbar ist.

Ok, kann Dich da auch verstehen !
Doch villt. bleibt es nicht für immer unerreichbar ?
Möglich, dass auch Du irgendwann einen ganz eigenen Zugang dazu finden kannst u. dabei spielt es doch auch keine
so große Rolle, ob es dann Selbstliebe u. Achtsamkeit heißt !
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Zitat von Alexandra2:
Wichtig ist mir dabei, sich hier darüber auszutauschen, weil das auch Klarheit und Nähe schafft.

Finde ich sehr schön, wie Du es jetzt so beschrieben hast u. es empfindest

Auch wenn ich ich darüber des öfteren hier im Forum schreibe u. die Selbstliebe u. Achtsamkeit in meinen
Beiträgen erwähne, geht es nicht um Richtig oder Falsch - geht es nicht darum, das dies nur die einzigen Wahrheiten
enthalten, sondern es geht um meine Erfahrung damit u. um kein missionieren !
Jede andere Erfahrung u. auch Meinung, ist das Salz in der Suppe, die einen Austausch hier sso wertvoll werfen lässt

28.08.2022 22:01 • x 3 #394


G
Zitat von PeterStapel:
Mir ist sehr wohl bewusst, dass solche Ratschläge ständig gegeben werden. Auch von den Profis. Man solle nicht bewerten, man solle akzeptieren, vergeben, vergessen und nach vorne schauen usw. Das geht aber nicht per Vorsatz.

Schön, dass mit diesem Irrglauben, man könne von der Verstandesebene/Ich-Ebene sofort auf die Gefühlsebene runter, mal jemand aufräumt. Ist das nicht auch Gewalt, die man sich antut, wenn man sich zwingt, weniger zu fühlen, nicht zu bewerten, etc.? Läuft doch eher darauf hinaus, dass man den Bezug zu Gefühlen kappt, anstatt sie bewusst wahrzunehmen und damit ein Stück weit mehr Richtung Ganzwerdung zu steuern.

Zitat von PeterStapel:
Sie entwickelt sich, wenn ich Zeit mit mir verbringe. Ich lerne mich immer besser kennen, daraus entwickelt sich Verständnis. Was ich verstanden habe, kann ich akzeptieren. Was ich akzeptiert habe, kann ich so lassen, wie es ist.

Ah, das ist also ein Prozess und nicht einfach eine Essenz, die man sich so schlagartig einverleiben kann; die man eben nicht einfach hat oder nicht. Nur verstehe ich den Schritt nicht, wie Selbstakzeptanz sich in Selbstliebe umwandelt? Vielleicht ist da erstmal der Begriff Selbstachtung oder Selbstwürde griffiger, gerade im Kontext mit Depression, wo ja im depressiven Affekt eine (mehr oder weniger stark ausgeprägte) Autoaggression in Erscheinung tritt.

29.08.2022 11:17 • x 2 #395


Schlüsselkind
Zitat von Grothszes:
Ist das nicht auch Gewalt, die man sich antut, wenn man sich zwingt, weniger zu fühlen, nicht zu bewerten, etc.? Läuft doch eher darauf hinaus, dass man den Bezug zu Gefühlen kappt, anstatt sie bewusst wahrzunehmen und damit ein Stück weit mehr Richtung Ganzwerdung zu steuern.


Man nimmt seine Gefühle bewusst (und achtsam) wahr, aber die Gefühlsregulierung erfolgt in einem gesünderem und hilreichem Umgang, so habe ich es verstanden*. Vielleicht kann man sich das Ganze als eine Art Gefühlsumleitung vorstellen.

(*Während meiner derzeitigen Psychotherapie mit begleitender Hypnose.)

29.08.2022 14:15 • x 3 #396


Jedi
Interessante Beiträge - erstmal Danke dafür u. auch für eure Offenheit zu diesem Thema

Selbstliebe ist die Fähigkeit, sich selbst mit all seinen Stärken u. Schwächen anzunehmen u. die eigene
Persönlichkeit wertzuschätzen
.
Nehmt mal ein Blatt u. sicher kennt ihr das bestimmt Alle, zieht in der Mitte einen Strich u.
auf die eine Seite schreibt eure Schwächen u. auf der anderen Seite eure Stärken.
Was glaubt ihr wohl , welche der beiden Seiten schneller vollgeschrieben ist.
Bei mir war es die Schwächen, wo ich reichlich Punkte gefunden hatte - bei den Stärken, musste ich sehr lange Überlegen
u. es kamen zaghaft ein bis zwei Punkte zustande.
Die Beurteilung meiner charakterlichen Eigenschaften, viel eher auch vernichtend aus.
Und so lernte ich später, was Authentizität bedeutet - sich so annehmen können, wie man ist -
dies mit all seinen Ecken u. Kanten.
Karl Valentin schrieb einmal dazu: Nicht wenige Menschen werden als Original geboren u. sterben als Kopie !

Natürlich ist es ein Denkprozess, sich seiner Anteile u. Eigenschaften bewusst zu werden u. sie später nicht zu verurteilen,
sondern sie als einen Teil von uns zu integrieren.
Interessant dazu ist auch, etwas über die Archetypen mal von C.G. Jung zu lesen, so wie über die Archetypen,
Animus u. Anima, die wir auch in uns integriert haben.
(möchte jetzt da nicht intensiver Einsteigen, da es zu Umfangreich würde) !

Wenn wir uns mit unseren Anteilen auseinandersetzen, können wir von unserem inneren verletzten Kind etwas
erfahren, dem Erwachsenen Ich, sowie von dem inneren Team, das F. Schulz von Thun sehr gut beschrieben hat.
Dies sind Prozesse, die wir Verstandesgemäß erstmal kennenlernen müssen u. lernen, wie sie uns beeinflussen -
oft unbewusst !
Ganz langsam nähern wir uns dann, wenn wir uns in der Therapie damit beschäftigt haben, in Richtung
Selbstliebe u. Selbstakzeptanz.
Wir haben so lernen können, wer uns in unserem Denken u. Fühlen so beeinflusst, so dass unsere Psyche schaden
genommen hat.
Dann beginnt der nächste Schritt, sein so sein annehmen zu können u. wie man ist, sich zu akzeptieren,
ohne sich mit anderen zu vergleichen oder so sein zu wollen. (s.h. Karl Valentin)

Selbstliebe kann dann auf die Gefühlebene ankommen, wenn man damit positive Erfahrungen
machen konnte. Wenn ich mich mal nicht verurteilen musste, wenn mir etwas nicht gelungen war - ich etwas nicht wusste
oder gar konnte - ich mal wieder zu spät war - etwas vergessen hatte - etwas gesagt habe, was nicht Ok war - wenn ich mich
auf einer Party nicht klein u. zu unbedeutend gefühllt habe und vieles mehr !

Selbstliebe kann man nicht erlernen - stimmt - Selbstliebe muss man durch positive Erfahrung erst erfahren !
Doch zuerst, ist es eine Auseinandersetzung u. ein Kennenlernen mit seinen Anteilen (bes. die die wir in
unseren Schatten verdrängt haben) u. auch Eigenschaften.

- u. persönliche Erfahrung dazu ! -

Selbstliebe ist für mich auch zu wissen, wie großartig , mutig u. auch wichtig ich bin,
auch wenn ich mich manchmal nicht danach fühle !

29.08.2022 17:07 • x 3 #397


G
Zitat von Schlüsselkind:
Man nimmt seine Gefühle bewusst (und achtsam) wahr, aber die Gefühlsregulierung erfolgt in einem gesünderem und hilreichem Umgang, so habe ich es verstanden

Das wäre das Ideal, das Ziel - Frage wäre eben nur auch, ob man das richtige Verständnis und die richtigen Tools dazu hat, sich auf den Weg dorthin zu machen; sich immer mehr einem maximal möglichen Maß an positiver Gefühlsregulation durch Bewusstheit u. Integration anzunähern. Da kann es von der Anleitung, von den Begrifflichkeiten her ab und zu Schwierigkeiten geben.

Zitat von Schlüsselkind:
Vielleicht kann man sich das Ganze als eine Art Gefühlsumleitung vorstellen.

Interessantes Bild - also dass man von ungesunden Regulationsmechanismen im Innern wegkommt.

30.08.2022 07:10 • #398


Jedi
Selbstliebe u. Beziehung !

Nicht wenige Menschen sind davon überzeugt, ohne einen Partner an ihrer Seite nicht vollständig
zusein. Dies wird so auch in manchen Schlagern besungen.
Doch man wird nichmals durch einen anderen Partner erst vollständig.
Eine bindungsstabile Menschen u. Beziehung zu erleben ist etwas schönes u. doch gehört meiner Überzeugung
auch eine gute Bindung zu uns selbst.
Ich habe nicht selten Menschen erlebt, die sich sehr hart selbst kritisiere, sich nicht wirlich mögen, keinen Draht
zu sich finden können u. doch sehr darunter leiden.
Ich bin überzeugt, wenn man selbst zu sich eine gute Beziehung hat, sprich in seiner Selbstliebe ist,
dann zieht man auch eher Menschen an, die auch in ihrer Selbstliebe sind u. dann auch Bindungsstabil sind.
Wenn man glaubt, einen anderen Menschen (Partner) zu brauchen, dann führt dies meist nicht zu einer
Liebesbeziehung, sondern eher zu einer Verbrauchergemeinschaft !

Villt sagt mancher, Selbstliebe ist ein großes Wort, doch wenn ich mich nicht selbst lieben kann, mich selbst
villt. nur evtl. mag, so als wäre ich ein Hautausschlag, dann brauche ich die Liebe u. Anerkennung u. Bestätigung
durch einen anderen Menschen (Partner/in).
Wahre Liebe lässt freiheißt es u. da ist was sehr wahres dran !
Liebe ich mich selbst, akzeptiere mich so wie ich bin, bin ich frei u. brauche nicht u. kann dann
auch einen Partner/in seine Freiheit lassen u. brauche ihn/ sie nicht - kann ihn/ sie aber ohne Bedingungen lieben !

Ich denke auch, wenn ich in der Selbstliebe oder Selbstannahme bin, dann lebe ich auch nicht in meinen
Vorstellungen, wie etwas sein sollte- könnte, sondern kann mich mit den Realtäten des Lebens besser
arrangieren.
Passiert ja gar nicht so selten in einer Beziehung, dass man eine Vorstellung entwickelt, wie der Partner/in
sein sollte u. es die ewige Liebe geben sollte.
Ich bin eher der Meinung, Liebe ist eine Entscheidung u. kommt nach der Verliebtheitsphase,
wenn unser Dopamincocktail langsam sich wieder normalisiert.
Dann kann es heißen, ich entscheide mich Dich zu lieben, so wie Du bist u. ohne Bedingungen !
Wer in der Selbstliebe ist, der braucht einen anderen Menschen nicht, sondern kann ihn lieben,
ohne dies mit seinen Vorstellungen immer abzugleichen u. ohne Bedingungen !

So betrachte ich die Selbstliebe auch, als einen Garant für eine zufriedene u. stabile Partnerschaft,
die auch Probleme u. Krisen, die in einer Partnerschaft normal sind, diese besser meistern zu können !

LG Jedi

31.08.2022 12:25 • x 2 #399


Jedi
Zum Thema Selbstliebe fällt mir noch ein, dass wir Menschen einen anderen Menschen lieben können,
ihm/ ihr das auch sagen können - manche lieben auch ihre Eltern/ Kinder- ihr Haustier- ihr Auto- ihren Garten-
ein Hobby- gar ihren Job und sicher gibt es da noch vieles mehr.
Spricht man die Selbstliebe an, kommt häufig die Frage, Wie soll das gehen, sich selbst lieben ? - das geht doch gar nicht ?
Ist das nicht purer Egoismus ?
Dabei stelle ich mir dann die Frage, warum ist es möglich, so vieles anderes zu lieben u. es fällt auch
sehr leicht dies ausdrücken zu können ?
Doch beim Thema Selbstliebe, da scheint es eine Sperre, einen inneren Widerstand zugeben -
Zweifel melden sich u. es wird sogar Egoismus vermutet, manchmal gar fällt auch das Wort, Narzissmus.
Selbstliebe hat aber nun so gar nichts mit Egoismus u. schon gar nichts mit einer Form von Narzissmus
zutun !
Diese innere Abwehrhaltung u. Misstrauen gegenüber diesem Thema der Selbstliebe, ist ein Phänomen,
was mir doch sehr häufig begegnet !

Selbstliebe bedeutet nichts weiteres, Authentisch u. selbstbestimmt zu leben, sich selbst ein guter Freund zu sein
u. Dich in schwierigen Phasen unseres Lebens, selbst so zu behandeln, wie wir auch nahestehende Menschen,
gar Freunde behandeln würden.

Selbstakzeptanz ist meine Weigerung, eine feindselige Beziehung zu mir selbst zu haben !
(Nathaniel Branden)

31.08.2022 17:19 • x 4 #400


E
Zitat von Jedi:
ich hatte lange zeit angst, in die stille zu kommen, da meine gedanken mir meine Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle u. Selbstvorwürfe spiegelten.


Zitat von Jedi:
was du nicht willst, was man dir tut, dass füge auch dir selbst nicht zu .

Hallo Jedi,
deine ausführenden Gedanken zum Thema Selbstliebe sind wunderbar und so wahr und es steckt so viel Hoffnung und Zuversicht in deinen Worten. Ich stehe gerade mal wieder am Anfang meines Weges aus meiner Krise. Im Grunde bin ich ein optimistischer, lebensbejahender Mensch und es erschreckt mich, wenn ich mich in meinem depressiven Loch gefühlt ins Gegenteil verkehre.

Im Moment kämpfe ich noch sehr mit dem Umstand, dass , wenn ich mich aus den äußeren Geschehnissen, aus meinem sozialen Umfeld, aus meiner Arbeit, aus der Routine des Alltags für längere Zeit zurücknehme und mir selbst Raum für Stille, Nachdenken und Heilung gebe, dass ich dann das Gefühl habe, ich verprelle dadurch Menschen, die mir lieb sind, ich setze meine Arbeitsstelle aufs Spiel, ich setze mich dem Ratsch und Tratsch anderer Leute aus, die sich über mich lustig machen und über mich ablästern. Diese Ängste hindern mich daran, mir die Genesungszeit zuzugestehen, die ich brauche und vor allem auch, Dinge loszulassen.

Kennst du/kennt ihr diese Ängste auch?

Wie kann ich es schaffen in Sachen Selbstfürsorge für mich stärker einzustehen?

Ich weiß, dass der Weg aus einer Depression ein Prozess ist, der mit dem Mut beginnt, Dinge loszulassen, sich aus seiner Comfortzone zu bewegen und sich und seinem Umfeld klar zu machen, dass jetzt eine längere Pause von nöten ist und das mit der Pause dann auch ohne schlechtes Gewissen selbstbewusst einzufordern - das fällt mir schwer! Theoretisch ist mir vieles klar. Praktisch die Schritte auch zu gehen ist wirklich hart.

Was ich jetzt auch für mich, seitdem ich mich im Forum austausche, festgestellt habe, ist, dass es mir auf dem schriftlichen Weg leichter fällt, Situationen, Emotionen und Gedanken zu schildern als dies mündlich zu tun.
Geht dir/euch das auch so? Vielleicht sollte ich dem Arzt und/oder dem Therapeuten von der Tagesklinik (am 4. August habe ich mein Vorgespräch) vorab meine Gedanken in Schriftform vorlegen?

Danke an alle, die meine Gedanken mit mir teilen!
Und noch nen schönen Sonntag!

02.07.2023 17:12 • x 2 #401


E
Hab was zum Thema Selbstliebe geschrieben, mein Beitrag erscheint nicht.

Was ist da los?

02.07.2023 21:49 • #402


M
Hast du nach 17:12 noch etwas geschrieben? Den den Beitrag kann ich sehen?

02.07.2023 22:31 • #403


E
Guten Abend Machara,
mein Beitrag, der mit Zitat und Dank an Jedi beginnt, ist doch da.
Bin froh um jeden Austausch mit euch und wünsche allen eine gute Nacht.

Liebe Grüße Conny

02.07.2023 22:53 • #404


Jedi
Hallo @Connie

Zitat von Connie:
Kennst du/diese Ängste auch?

Ja, die kenne ich auch !
Zumal ich neben der Depression-, auch noch eine Angsterkrankung hatte.
Die Angst ist ja nicht unser Feind, erst wenn sie in unrealitischen Situationen,
immer uns blockiert in unserem denken- handeln u. entscheiden, dann ist die Angst
pathologisch u. dann wäre es gut u. hillfreich, sich dann professionelle Hilfe einzuholen !
--
Zitat von Connie:
ich hatte lange zeit angst, in die stille zu kommen, da meine gedanken mir meine Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle u. Selbstvorwürfe spiegelten.

Das war ein großes Problem für mich u. war das Ergebnis, auch meiner Prägungserfahrungen.
Therapie u. die intensive Beschäftigung mit der Achtsamkeit, haben mich aus diesen Gefühlen
letztendlich herausgeholt. Es brauchte eine lange Zeit, auch der Übung, bis dies sich in meinem Hirn
auch als Überzeugung festsetzen konnte. Es braucht viel Geduld mit sich, denn Rückfälle gehören
zu diesem Prozess durch den man da hindurchgeht. Dies darf einem aber nicht vom Weg abbringen,
sondern stur diesen eingeschlagenen Weg wieder aufnehmen u. ihn weitergehen !
---------------
Zitat von Connie:
Wie kann ich es schaffen in Sachen Selbstfürsorge für mich stärker einzustehen?

Selbstfürsorge ist kein Vodoozauber.
Es ist dies bewusste auf sich u. seine Bedürfnisse schauen.
Sorge so für Dich, wie Du auch für einen anderen Menschen (ob Kind/ Erwachsenen) sorgen würdest.
Schau darauf, dass es Dir dabei auch gut geht - vermeide faule Kompromisse u. Ja zusagen, wo Dir eine
innere Stimme Nein sagt - auch achte darauf, dass Deine Bedürfnisse nicht hinten runterfallen, sondern Du
sie an erste Stelle stellst (natürlich darfs Du auch Kompromisse eingehen, aber es sollte nicht dazu führen,
dass Dein Bedürfnis dabei völlig sich auflöst ! )
Selbstfürsorge hat nichts mit Egoismus zutun, wie es oftmals Fälschlicherweise so angenommen wird,
sondern ist der Umgang, mit dem eigen Respekt u. Wertschätzung sich selbst gegenüber.

Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben u. nur Du kannst wissen, was für Dich gut, stimmig u. richtig ist !
Und dies beinhaltet die Selbstfürsorge ! Denn wir haben auch eine Sorgfallspflicht unserer Seele u. unserem Körper
gegenüber. Wer seine Seele u. seinen Körper vernachlässigt, wird mit einer hoher Wahrscheinlichkeit auch krank
an seiner Psyche u. Körper werden können.

Übrigens: Wer gut für sich sorgt, der ist schon ganz in der Selbstliebe !

03.07.2023 11:48 • #405


Fritz
Hi
Für mich ist die Selbstliebe eine wichtige Sache. Als Baby ist die Selbstliebe groß. Mit der Zeit wird sie immer weniger und verschwindet ganz. Man lebt ohne Selbstliebe auch ganz gut. Irgendwann ist das Thema Selbsthilfe doch wieder sinnvoll und man merkt, sie ist eigentlich verschwunden. Aber wie die Selbstliebe lernen?
Ich glaube, die Selbstliebe kann nicht erlernt werden, sie bildet sich durch große Anerkennung für uns selbst, für die Anerkennung meiner Person, für Andere, für den Lebensvorgang, für den eigenen Körper und seine Funktionen, für Tiere, Vögel und Fische. Ich empfinde für diese Dinge eine große Liebe! Dadurch wächst meine Selbstliebe wieder!
Servus

03.07.2023 15:15 • x 1 #406


Jedi
Zitat von Fritz:
Aber wie die Selbstliebe lernen?

Gib Dir das, was Du brauchst - achte auf Deine Bedürfnisse - nimm Dich mit Respekt an,
so wie Du bist u. dazu gehören alle Deine/unsere Anteile in uns - sei Dir wichtig - kümmere Dich um Deine Seele u. Körper -
versuche Frieden in Dir zufinden - mache frieden mit Deiner Vergangenheit (wenn da etwas ist, was nicht gut war) -
versuche Dich gerade in Selbstliebe oder nenn es Selbstakzeptanz, wenn es Dir nicht gut geht, wenn Dir etwas
nicht gelungen ist, wenn Du Enttäuscht bist, wenn Vorstellungen sich nicht erfüllt haben - u. so könnte man die Liste
noch etwas erweitern !
Das ist Selbstliebe u. Du siehst, es ist gar nicht so etwas Großes, es braucht nur einwenig Deine /unsere Achtsamkeit.

03.07.2023 19:23 • x 1 #407


E
Zitat von PeterStapel:
Wenn es heißt, wir sollen uns annehmen, dann bekommt der Mensch vermittelt, als ob das Sich-Annehmen dem Willen unterstellt wäre. Man nimmt es sich vor, und dann arbeitet man an der Selbstannahme. Das funktioniert aber so nicht (was nicht schlimm ist). Ebenso der Ratschlag, auf das Beurteilen und Bewerten zu verzichten. Denn das ist auch nicht dem Willen untertstellt. Warum nicht? Weil es seinen Ursprung auf einer tieferen seelischen Ebene hat, wohin der Wille nicht hinreicht. Wenn wir etwas doof finden, dann ändert sich auch nichts daran, wenn wir uns diese Bewertung verbieten. Tief in unserem Herzen finden wir es trotzdem doof.

So habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht. Vor allem, wenn man sich partout zwingt, auf Beurteilen, Bewerten, Vergleichen zu verzichten, was nicht geht, dann setzt man sich ja selbst irre unter Druck.
Mir ist schon klar, dass Wertmaßstäbe dazu führen können, dass man sich von sich selbst entfremdet und zu sehr im Außen ist als bei sich selbst. Aber Werte und Normen entstehen nun mal aus einer Gesellschaft heraus, die sich diese als Orientierungsschnur für ein geregeltes Zusammenleben gegeben/vereinbart haben und da gibt es Urteile, die sagen, dass war richtig oder falsch.

Der Gedanke, dass sich Selbstannahme und Selbstliebe entwickeln kann, wenn man Zeit mit sich verbringt und wieder zurück zu seinen Bedürfnissen findet, leuchtet mir ein, find ich gut. Sich selbst akzeptieren, mit allen seinen Macken und Kanten, Stärken und Schwächen, genau das ist es, was mir in meiner Depression jedoch große Schwierigkeiten bereitet, denn ich mache mir dann viel zu viel Gedanken darüber, was reden andere Leute über mich, werde ich jetzt negativ bewertet?
Da kommt dann die Selbstfürsorge ins Spiel. Es ist ja an mir zu lernen, dass ich mir Zeit gönne, um zu heilen ohne schlechtes Gewissen gegenüber der Außenwelt.

04.07.2023 10:27 • x 2 #408


Jedi
Zitat von Connie:
wenn man sich partout zwingt, auf Beurteilen, Bewerten, Vergleichen zu verzichten, was nicht geht, dann setzt man sich ja selbst irre unter Druck.

Nein, nicht unter Druck setzen - so ist das hier u. auch von mir nicht so verstanden !
Es geht dabei um Bewusstheit.
Wir alle, zumindestens die meisten depressiv Erkrankten haben Vergleiche u. dies vorschnelle Beurteilen -
der ist so-schau wie der ist, wie der Aussieht, wie der/die sich verhält u. spricht.
Dies schwarzweiss Denken, dies schnell eine Person einer Schublade zuordnen, dass ist so manchen
durch ihren Prägungserfahrung nicht unbekannt.
Oft zeigen sich, die im Unterbewusstsein abgespeicherten Erfahrungen, so auch noch in unserem Erwachsenleben.

Wenn mir bewusst wird, in Begegnung mit anderen Menschen, wie schnell ich eine Beurteilung oder Bewertung angestellt
habe, dann habe ich auch die Chance, genauer hinzuschauen u. gebe so der Begegnung die Chance,
sich authentisch kennenzulernen, so wie jeder ist.
So ist es möglich, sich unverstellt zu begegnen - ohne das ich krampfhaft nun mir Beurteilung, Bewertung
verbieten muss. Dies passiert durch Bewusstheit !

- Wenn wir etwas doof finden, dann ändert sich auch nichts daran, wenn wir uns diese Bewertung verbieten. -
Das stimmt u. doch können wir durch die Bewusstmachung, anders mit einer sogenannten doofen Situation
anders umgehen !

---------------------------------------------------------------------
Zitat von Connie:
Selbstannahme und Selbstliebe entwickeln kann

Beides muss u. darf sich entwickeln. Ich denke, dass die Wenigsten solch Prägungserfahrung gemacht haben,
Du bist gut so , wie Du bist - Wir lieben Dich , ohne Gegenleistung - Du bist uns wichtig und und und !
Selbstannahme ist dann möglich, wenn es mir schlecht geht - wenn mir etwas nicht gelungen ist oder
gelingen will, trotz meiner Anstrengungen - wenn mir etwas Peinliches passiert ist - wenn ich jemanden Schaden
zugefügt habe (villt. völlig ohne Absicht) u. noch viele Situation mehr, dann tut es gut, sich nicht zu verurteilen,
denn die größten Kritiker sind wir doch oft selbst, wir geizen nicht mit Selbstbeschimpfung u. Selbstverurteilung.
Dann aber sich anzunehmen u. ja, da ist etwas nicht gelungen- uns geht es gerade nicht gut- uns ist etwas Peinliches
passiert ... u. zu Akzeptieren, was eben nicht ist.
So kommen wir auch zur Selbstliebe, die uns beruhigen kann u. uns dabei hilft, bestimmte Situationen
besser zu beherrschen.

LG Jedi u. Danke für diesen wertvollen Austausch !

04.07.2023 18:37 • x 1 #409


E
Zitat von Jedi:
Selbstannahme ist dann möglich, wenn es mir schlecht geht - wenn mir etwas nicht gelungen ist oder
gelingen will, trotz meiner Anstrengungen - wenn mir etwas Peinliches passiert ist - wenn ich jemanden Schaden
zugefügt habe (villt. völlig ohne Absicht) u. noch viele Situation mehr, dann tut es gut, sich nicht zu verurteilen,
denn die größten Kritiker sind wir doch oft selbst, wir geizen nicht mit Selbstbeschimpfung u. Selbstverurteilung.
Dann aber sich anzunehmen u. ja, da ist etwas nicht gelungen- uns geht es gerade nicht gut- uns ist etwas Peinliches
passiert ... u. zu Akzeptieren, was eben nicht ist.

Da hast du recht. Wenn mir die Selbstannahme in nicht gelungenen Dingen, Situationen, eigenen Stimmungen ... gelingt, dann mach ich ne Flasche Schampus auf . Daran werde ich in der Tagesklinik arbeiten .

Danke Jedi für deine wertvollen Ausführungen

04.07.2023 19:01 • x 1 #410


Dys
Hier sind so viele Begriffe gefallen, die mit Selbst beginnen. Ob man jetzt Selbstliebe sagen soll, oder lieber Selbstannahme oder sonst eine andere positive Umschreibung von etwas, dass man sich selbst zukommen lassen soll ist für mich zweitrangig. Denn Fakt ist, ich liebe ja auch nicht jeden oder nehme jeden zu jeder Zeit an. Ich ärgere mich über andere oder empfinde Wut über eine Person oder deren Handlung. Und das sehe ich als normal, denn andere tun das auch und wenn ich das einzige zugrunde lege, was mich in meiner Empfindung steuert und dem ich die Silbe „Selbst“ voranstellen kann, ist es das (mein) Bewusstsein. Wenn ich also anderen bestimmte Empfindungen entgegen bringe, muss ich mir auch gestatten, sie mir selbst entgegen zu bringen und auch in der gleichen Intensität.
Nur wäre es natürlich wünschenswert, dabei möglichst objektiv und rational zu sein und idealerweise in einem gesunden Maß damit umzugehen. In jedem Fall könnte es sich lohnen, mal zu prüfen was ich anderen entgegen bringe und ob sich das mit dem deckt, was ich mir entgegen bringe, denke ich. Ich könne mich hassen oder lieben und wenn ich es drauf anlege, könnte ich beides jeweils bis zur absoluten Unerträglichkeit. Und das ist für mich der springende Punkt, ein entweder/oder darf es dabei nicht geben um eine Bewertung zu treffen. Weder für mich, noch für Menschen mit denen ich zu tun habe. Das ist für mich schlichtweg Falsch. Es gilt für mich also nur, mein (selbst) Bewusstsein zu trainieren, möglichst zu erweitern und daraus resultierende Handlungen (wozu ich auch Gedankengänge zähle), darauf zu Prüfen ob sie angemessen sind. So gibt es natürlich Aspekte in meinem Leben, die meine Empfindungen mir gegenüber in die eine oder andere Richtung gelenkt haben und sowohl subjektiv als auch objektiv angebracht waren obwohl sie negativ besetzt waren und garantiert in Zukunft auch sein werden. Und selbst wenn ich oft ein entweder/oder präferiere, so gibt es ja das eine ohne das andere nicht. Ich kann mir nicht vergeben, wenn ich mich nicht schuldig fühle. Ich kann mich nicht lieben, wenn ich mir nicht auch Abneigung entgegenbringe. Ich kann mich keiner Verantwortung entziehen, wenn ich keine habe. Ich kann mir keine Fürsorge geben, wenn ich stets so fürsorglich bin, dass es zusätzlich keine braucht. Ich kann nicht der Mittelpunkt meines Selbst sein, wenn Drumherum keine Anderen sind. Ergo, so wie ich mit anderen interagieren kann, tue ich es zwangsläufig auch mit mir. Allein das Maß entscheidet. Was ich also lernen kann, sofern ich es kann, ist nicht nur Selbstliebe und diese auch noch als Königsdisziplin zu erachten, sondern Alles im Umgang mit Mir selbst und Anderen.

05.07.2023 13:03 • x 3 #411


Jedi
@Dys

Danke für Deinen Beitrag
Habe ihn interessiert gelesen u. es sind auch Aspekte darin enthalten, über die ich noch
Nachdenken werde.
Bei manchen Punkten, die Du angesprochen hast, kam mir das Thema, Projektion in den Sinn.
---
Zitat von Dys:
Was ich also lernen kann, sofern ich es kann, ist nicht nur Selbstliebe und diese auch noch als Königsdisziplin zu erachten, sondern Alles im Umgang mit Mir selbst und Anderen.

Ja, Selbstliebe zu lernen, gehört sicher zur Königsdisziplin.
Wer hier hat schon wirklich in seiner Prägung erfahren, dass wie Wir sind gut so sind - das wir Bedingungslos
geliebt werden, uvm. ?

05.07.2023 14:15 • x 1 #412


Jedi
Zitat von Dys:
Ob man jetzt Selbstliebe sagen soll, oder lieber Selbstannahme oder sonst eine andere positive Umschreibung von etwas, dass man sich selbst zukommen lassen soll ist für mich zweitrangig.

ist für mich zweitrangig - für mich ist es das nicht, denn wohlwollende Worte zu wählen, dass macht was mit uns !
So habe ich auch gelernt, bestimmte Sätze umzuformulieren - eher in eine wohlwollende Sprache u.
nicht nur ich, auch Andere bemerken da einen Unterschied im Selbst-Dialog.
Dies habe ich hier im Forum bei dem ein oder anderen auch schonmal getan u. das Feedback war auch
eher positiv - bestimmte eigene Sätze, von mir umformuliert, wurden anders gelesen, wahrgenommen u.
fühlten sich auch beim lesen anders an - so manches Feedback, was ich erhalten hatte.
-------------------------------------------------------------
Zitat von Dys:
Denn Fakt ist, ich liebe ja auch nicht jeden oder nehme jeden zu jeder Zeit an.

Da stimme ich Dir zu u. ja, so geht es mir auch mit anderen Menschen.
Doch mit mir selbst, versuche ich anders Umzugehen !
Zitat von Dys:
Ich kann mich nicht lieben, wenn ich mir nicht auch Abneigung

Ich empfinde keine Abneigung mir gegenüber - was nicht heißt, dass ich mich nicht auch reflektiere.
Abneigung gegenüber meiner Selbst, Nein, warum auch ?
Vielmehr herrscht bei mir Akzeptanz u. Annahme - auch wenn ich mal kritischer mit mir bin.
Zitat von Dys:
Ich könne mich hassen oder lieben

Ich hasse mich auch nicht - kenne aber dieses Gefühl des Selbsthasses.
Hass ist zerstörerisch u. hat auch viel Schaden an meiner Psyche u. Seele verursacht.
Durch die Achtsamkeit bin ich mehr u. mehr zur Erkenntnis der Selbstakzeptanz u. Annahme gereift u.
das tut mir gut - ohne natürlich nicht völlig Unkritisch zu sein - doch alles in einem gesunden Maße.
-----
Zitat von Dys:
In jedem Fall könnte es sich lohnen, mal zu prüfen was ich anderen entgegen bringe und ob sich das mit dem deckt, was ich mir entgegen bringe, denke ich.

Das finde ich von Dir ein guter Gedanke
Es hilft ganz sicher dabei, gut für sich zu sorgen, ohne auch durchaus weiter, sich gut gegenüber anderen
zu verhalten.
--------------------
Zitat von Dys:
Ich kann mir keine Fürsorge geben, wenn ich stets so fürsorglich bin, dass es zusätzlich keine braucht.

Auch da stimme ich Dir zu u. ja, wenn ich schon fürsorglich mit mir umgehe, dann braucht es nicht noch
weitere Fürsorge - dann ist man schon, wie ich es nun nenne würde, in der Selbstliebe !

LG Jedi

05.07.2023 19:34 • x 1 #413


Dys
Zitat von Jedi:
für mich ist es das nicht, denn wohlwollende Worte zu wählen, dass macht was mit uns !

Dies und alles andere, dass deine Meinung vertritt, darf auch so sein.

05.07.2023 20:02 • x 1 #414


Jedi
Zitat von Dys:
Dies und alles andere, dass deine Meinung vertritt, darf auch so sein.

Ich finde, jede Meinung ob sie zustimmend ist oder eine andere Meinung beinhaltet, hat ihre Berechtigung !
Nur so ist auch ein konstruktiver Austausch möglich, ohne das die eigene Meinung, als die nur Richtige zu
gelten hat.
Ich pers. mag gar nicht nur die zustimmenden Beiträge, auch die Kontroversen mag ich sehr,
da ich auch über meinen Tellerrand schauen kann - ansonsten wäre es mir auch zu öde.

LG Jedi

05.07.2023 20:21 • x 1 #415


Dys
Zitat von Jedi:
Ich finde, jede Meinung ob sie zustimmend ist oder eine andere Meinung beinhaltet, hat ihre Berechtigung !

Mehr als meine Meinung beziehungsweise meine Einstellung wollte und habe ich auch nicht geäußert. Ich spreche auch nur über mich, oder von mir. Nicht über uns oder wir als Gruppe oder alle oder jeden. Entsprechend weiß ich nicht was uns gut tut, was wir tun sollten oder was alle betrifft oder was jeder zu erkennen hat.

05.07.2023 20:50 • x 2 #416


E
Zitat von Jedi:
Wenn mir bewusst wird, in Begegnung mit anderen Menschen, wie schnell ich eine Beurteilung oder Bewertung angestellt
habe, dann habe ich auch die Chance, genauer hinzuschauen u. gebe so der Begegnung die Chance,
sich authentisch kennenzulernen, so wie jeder ist.
So ist es möglich, sich unverstellt zu begegnen - ohne das ich krampfhaft nun mir Beurteilung, Bewertung
verbieten muss. Dies passiert durch Bewusstheit!


Mir wird hier so einiges bewusst über das ich vorher nicht so tiefgründig nachgedacht habe. Sich unverstellt begegnen, ich glaube, davor haben viele Menschen Angst, ich auch.
Ich bin jemand, der sich bemüht, Menschen erst einmal unvoreigenommen zu begegnen. Diese Grundhaltung will ich mir bewahren. Und wenn mich andere Leute in eine Schublade stecken oder mir mißtraurisch oder kritisch begegnen, muss ich lernen, damit gelassener umzugehen und das nicht zu persönlich zu nehmen.

06.07.2023 11:26 • x 2 #417


Jedi
Zitat von Dys:
Mehr als meine Meinung beziehungsweise meine Einstellung wollte und habe ich auch nicht geäußert. Ich spreche auch nur über mich, oder von mir.

Das weiß ich @Dys !
Und ich habe so über manches, was Du geschrieben hast Nachgedacht !
Ich finde Deine Beiträge immer sehr wertvoll u. bereichernd !

Danke Jedi

06.07.2023 15:12 • #418


A


Hallo Jedi,

x 4#29


Jedi
Zitat von Connie:
Und wenn mich andere Leute in eine Schublade stecken oder mir mißtraurisch oder kritisch begegnen, muss ich lernen, damit gelassener umzugehen und das nicht zu persönlich zu nehmen.

Das geschieht leider allzu oft, so auch mir !
Für viele Menschen gibt es Sicherheit, wenn sie etwas für sich zuordnen können - dagegen kann man sich
kaum wehren.
Hoffen kann man da nur, dass sie, wenn sie Dich od. mich mal besser kennenlernen u. dies zulassen
können, dass die Schublade noch nicht allzu feste zu ist !
Kritisch ist gar nicht das Problem, dass ist auch Ok - es sollte nur konstruktiv sein, damit man weiter
im Gespräch oder Austausch bleinen kann.

06.07.2023 15:18 • x 1 #419

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