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Schwerbehinderung, wieviel Prozent bei welcher Krankheit?

Hallo!

Ich habe im August 2007 die Schwerbehinderung über den VdK mit folgenden Diagnosen beantragt:
rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig schwere Episode)
Somatisierungsstörung
Leider habe ich bis heute noch keine Post vom Integrationsamt erhalten. Jetzt war ich aber 7 Wochen in der Klinik und es sind noch folgende Diagnosen dazu gekommen:
Postzosterneuralgie bzw. Trigeminusneuralgie
Restless-Legs-Syndrom
Ich telefonierte daraufhin mit dem VdK und fragte, ob es ratsam ist, diese beiden neuen Diagnosen dem laufenden Antrag mit zuzufügen. Der VdK sagte ja und ich schicke morgen den Brief mit den neuen Diagnosen ab.
Folgende Fragen:
1. Hat Jemand diese Diagnosen von euch und wieviel % Schwerbeschädigung könnte ich erwarten (ca-Werte)?
2. War es schlau, die neuen Diagnosen noch nachzuschieben?
3. Wer hat da in dieser Richtung irgendwelche Erfahrungen?
Bin über jede Antwort dankbar !!!
LG
Eini

18.12.2007 21:36 • #1


Albarracin
Hallo Eini,

"Nachschieben" ist prinzipiell möglich. Ich hoffe, man hat Dir gesagt, daß die Diagnose beinhalten muß, daß die Störung seit 6 Monaten besteht oder aber mind. noch 6 Monate anhalten muß.

Schwere depressive Episode allein bringt idR mind. 30
Trigeminusneuralgie ist stark abhängig von den Auswirkungen, bewegt sich daher im Bereich von 20 - 70.
Restless legs alleine bringt gar nix.

Genaueres findest Du hier:
http://anhaltspunkte.vsbinfo.de/
Beachte aber bitte, daß GdB-Werte für mehrere Krankheiten nicht einfach addiert werden, sondern in ihren gesamten Auswirkungen gemeinsam betrachtet werden.

19.12.2007 13:06 • x 1 #2


Hallo Wolfgang!

DANKE wiedermal für deine Mail!!!

An die 6 Monate habe ich und auch wahrscheinlich der VdK nicht gedacht. Ich habe sofort in den Krankenhausbericht geschaut und da steht drin: "Patientin mit Herpes Zoster V1-3 rechts 2005, seitdem Schmerzattacken mit ..." Also das müsste doch für das Integrationsamt ersichtlich sein. Meinst du, ich müsste den VdK nochmal anrufen und darauf hinweisen?
Ich hatte in 2005 eine Gürtelrose im Gesicht und seitdem habe ich diese unerträglichen Schmerzen.
Im Januar 2008 gehe ich nochmal stationär in die Klinik (Neurologie), damit per cMRT die Nerven untersucht werden können. Die Neurologin meinte dort, es ist bei mir schon ziemlich fortgeschritten, da die rechte Gesichtshälfte taub ist und runterhängt. Na wir werden sehen!

Achso ich hatte in 1996 schon 20 % auf meine beidseitige Hüftdysplasie erhalten.

Meinst du mit allem sind wenigstens 50 % drin?

Wolfgang ich wiederhole mich ungern, aber ich muss es nochmal loswerden: deine Antworten sind immer der Hammer - kurz, präzise und für jeden verständlich. Und vor allem man kann damit was anfangen!!!!!

Liebe Grüße und schöne Feiertage wünscht
Annett

19.12.2007 19:20 • #3


Albarracin
Hallo Annett,

also die Dauerhaftigkeit der Beschwerden müßte durch die Berichte eigentlich nachgewiesen sein.
Wie Du ja selber in den Anhaltspunkten nach lesen kannst, ist bei den dauerhaften und wiederkehrenden Schmerzen alleine schon ein GdB von 50 (juristisch gibt es keine "%") möglich. Zusammen mit der Depression und den bereits begutachteten Hüftproblemen sollte das schon 'rauskommen.
Wenn Du tatsächlich die 50 gleich bekommst, dann halte sie fest, vor allem, wenn sie unbefristet sind, denn jede weitere Erhöhung macht nur Sinn, wenn sie die sog. Zusatzkennzeichen wie B oder G bringt. wenn nicht, ist es egal, ob Du 50, 60 oder 90 hast.
Denke auch immer dran, daß jeder Erhöhungsantrag dazu führen kann, daß Du theoretisch auch 'runtergestuft werden kannst.

Ansonsten...
Zitat:
Wolfgang ich wiederhole mich ungern, aber ich muss es nochmal loswerden: deine Antworten sind immer der Hammer - kurz, präzise und für jeden verständlich. Und vor allem man kann damit was anfangen!!!!!
... kannst Du das so oft schreiben, wie du magst
Aber vergesse nie, daß auch ich nicht unfehlbar bin und mich irren kann, wie ich erst gestern in einem anderen Thread leidvoll erfahren mußte.

Alles Gute

19.12.2007 21:34 • #4


Hallo Wolfgang!

DANKE für deine Tipps !!! Sind alle sehr wertvoll für mich !!! :lol:

Also ich hab den Brief mit den Zusatzdiagnosen abgeschickt und werde abwarten. Sofern ich was weiß - ich denke, dass das noch eine Weile dauern kann - schreibe ich hier rein, wie hoch der GdB ist.

Lieber Wolfgang ich wünsche dir und deiner Familie schöne Feiertage und bedanke mich nochmal für die prima Antworten.

LG von Annett

20.12.2007 16:05 • #5


Hallo!

Sind hier keine Schwerbehinderten unterwegs? Ich warte ganz dringend auf Antwort.

LG
Eini

27.12.2007 21:38 • #6


Hallo Eini,

doch, schwerbehindert sind hier sicherlich einige.
Auch ich habe lange überlegt, ob ich einen Schwerbehindertenausweis beantragen soll und habe mich dagegen entschieden, und zwar aus folgendem Grund:
Belegst du eine psychische Schwäche mit einem Behindertenausweis, kann dir das ganz, ganz schnell wirklich negativ ausgelegt werden. Gerade psychische Probleme werden immer ganz anders ausgelegt als organische.

Ich werde einen Teufel tun und belegen, dass es meiner Psyche nicht gut geht und pfeiffe auf die Vorteile der anerkannten Schwerbehinderung.
Einzig organische Störungen oder muskuläre, bzw. Probleme an Gelenken, der Wirbelsäule, etc würde ich angeben.

31.12.2007 20:14 • #7


Albarracin
Sorry Cakes,

Zitat:
Belegst du eine psychische Schwäche mit einem Behindertenausweis, kann dir das ganz, ganz schnell wirklich negativ ausgelegt werden. Gerade psychische Probleme werden immer ganz anders ausgelegt als organische.

Ich werde einen Teufel tun und belegen, dass es meiner Psyche nicht gut geht und pfeiffe auf die Vorteile der anerkannten Schwerbehinderung.


aber da mußt Du irgendwas falsch verstanden haben. In deinem Ausweis steht keinerlei Diagnose drin. Die findet sich nur im Bescheid und da darfst Du die Diagnosen abdecken.
Den AG gehen Diagnosen nix an, aber gesundheitliche Einschränkungen (=Symptome) mußt Du auch ohne Anerkennung offenlegen, wenn sie Deine arbeitsvertraglichen Pflichten berühren.

31.12.2007 21:53 • x 1 #8


Hallo Wolfgang, hallo Cakes!

DANKE für Eure Antworten !!!

Cakes ich muss zu deinem Beitrag dem Wolfgang 100%ig recht geben. Es ist genauso, wie er es geschrieben hat. Ich habe lange überlegt und abgewogen, ob ich diesen Schritt tue. Und ich habe mich dafür entschieden, aus folgendem Grund:

Ich arbeite seit 17 Jahren im öffentlichen Dienst. Ich arbeite im Osten, da gilt der BAT-O und in diesem gibt es keinen offiziellen Kündigungsschutz, den gibt es nach 15 Jahren Zugehörigkeit nur im Westen, also nach BAT-W.

Mir geht es hauptsächlich um den Schutz des Arbeitsplatzes!!! Von irgendwas muss man ja leben!!!

Cakes du hast meine eigentlichen Fragen mit deinem Beitrag nicht beantwortet, aber ich danke trotzdem für deine ehrliche Meinung.

Wolfgang und du hast wie immer meinen vollen Respekt!!!

Viele liebe Grüße und allen ein gesundes, erfolgreiches und neues Jahr
wünscht
Annett

01.01.2008 16:07 • #9


Ich bezog die negativen Auswirkungen auch nicht auf den Arbeitgeber.

Ich persönlich habe leider die Erfahrung machen müssen, dass man mit einer psychischen Störung immer anders behandelt wird, als mit einer "greifbaren" Behinderung.

Dass ein Beleg einer Behinderung (und dazu gehört selbstverständlich die Depression und andere psychische Störungen - das ist unumstritten) in Bezug auf den Arbeitsplatz hilfreich sind, ist doch klar und nachvollziehbar - ihr müsst nur die eventuellen Nachteile bedenken.

Und wer keine 50% erreicht, erhält ja (und das ist ebenfalls bekannt) keinen Schwerbehindertenausweis, sondern eine Bescheinigung, auf der die Diagnose mit aufgeführt ist. Ob der Arbeitgeber mit einer Kopie und einer abgedeckten Diagnose so "glücklich" und zufrieden ist, sei dahingestellt.

Viel Glück, auch wenn ich wieder nicht auf die ursprüngliche Frage geantwortet habe.

01.01.2008 19:50 • #10


Albarracin
Hallo Cakes,

Zitat:
Ich persönlich habe leider die Erfahrung machen müssen, dass man mit einer psychischen Störung immer anders behandelt wird, als mit einer "greifbaren" Behinderung.

das liegt aber an den leuten, denen Du Dich offenbart hast und ist m. E. unabhängig davon, daß Du dafür eine Schwerbehinderung anerkannt bekommen hast.

Zitat:
Und wer keine 50% erreicht, erhält ja (und das ist ebenfalls bekannt) keinen Schwerbehindertenausweis, sondern eine Bescheinigung, auf der die Diagnose mit aufgeführt ist. Ob der Arbeitgeber mit einer Kopie und einer abgedeckten Diagnose so "glücklich" und zufrieden ist, sei dahingestellt.

Und wer keinen GdB von mind. 50 erhalten hat und Bescheide offenbart, ist leider selber schuld, wenn negative Rückmeldungen kommen, da ein GdB von weniger als 50 erst mal keinerlei Rechtswirkungen nach sich zieht und eine Offenlegung daher völlig überflüssig ist.
Wer allerdings einen GdB von 30 oder 40 hat, kann ja einen Antrag auf Gleichstellung stellen. Wird dem stattgegeben, stehen in dem Bescheid definitiv keine Diagnosen drin und Du mußt auch niemanden den Ursprungsbescheid offenbaren.

01.01.2008 20:49 • #11


Hallo!

Würde sich mal Jemand bitte outen!

Wieviel % bzw. GdB gibt es für schwere Depressionen? Hat da Jemand mal eine Angabe?

Würd mich freuen!

Hab im August 2007 einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt, aber leider bis heute noch keinen Bescheid.

Liebe Grüße
Eini

28.01.2008 13:46 • #12


Albarracin
Hallo Eini,

für "schwere depressive Episode" allein (F32.2 nach ICD-Code) gibt es mind. einen GdB von 30.
Den link findest Du im entsprechenden Thread "Schwerbehinderung".

29.01.2008 19:27 • x 1 #13


Zitat von Eini95:
Hallo!

Würde sich mal Jemand bitte outen!

Wieviel % bzw. GdB gibt es für schwere Depressionen? Hat da Jemand mal eine Angabe?



kann man nicht so verallgemeinern..... allein die definition ist ja etwas schwammig......
ich hab 70% für die spastik im bein (+10% für die psyche), kannte aber einen hemi (= halbseitig gelähmt) im netz, der weniger prozente bekommen hat - obwohl er nen fischerstock braucht zum gehen...

da hängt eben schon alleine per definitionem viel vom gutachter ab, habe ich das gefühl....

26.02.2008 23:08 • #14


Hallo!

Heute ist der 06.03.08 und ich habe noch immer keinen Bescheid vom Integrationsamt. Beantragt wurde die Schwerbehinderung Ende August 2007. Wenn der März um ist, sind es schon 7 Monate. Also in Berlin dauert es wohl ziemlich lange.

Sofern ich was weiß, schreib ich es hier rein!

Und DANKE für die bisherigen Antworten.

LG
Eini

06.03.2008 16:18 • #15




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