Heute geriet sogar mein Minimalismus an seine Grenzen! Denn es gibt so Zeiten, aber selten, denn er klappt seit langem gut und Ausnahmen bestätigen die Regel, aber heute war einer der Tage, wo nicht mal er richtig klappt, weil selbst für ihn keine Kraft mehr da ist - eigentlich. Eigentlich bedeutet, dass für ihn keine Kraft da ist und dass ich unter Schmerzen wenigstens die allerkleinsten Aufgaben in meinem Alltag erfülle, aber vor ihnen Angst habe, weil alles wehtut, was ich mache, denn ich habe ja keine Kraft dazu.
Das Wichtige an meinem Minimalismus ist es ja gewesen, siehe meine ersten Beiträge hier im Thema, dass ich all die
gesellschaftlich vorherrschenden Reinlichkeits- und Ordnungsmaßstäbe,die als Alltagserfolg gelten,
zwar nicht schaffe,
aber krankheitsbedingt das wenigere, das ich schaffe,
nicht mehr als Misserfolg zu werten lernte,
sondern als Erfolg,
weil es mit so wenig Kraft unter so großer Anstrengung geschieht bzw.,
weil ich mir beigebracht habe, die wichtigsten Dinge,
damit es hygienisch bei mir und im Haushalt bleibt,
auf nicht-anstrengende Weise
in kleinen Einzelschritten
und mit viel Zeit zu erledigen,
weil Daueranstrengung und Dauerschmerz der Überanstrengung eine Zumutung sind und krankmachend dazu.
Momentan, seit ich seit 1 Woche von der Beerdigung meines Vaters heim kam und erfolgreich 10 Monate des Sterbens und des Todes beider Eltern begleitete und alles Notwendige zusammen mit meinen Geschwistern und vielen anderen Freundinnen lebte,
bin ich ohne Ende erschöpft.
Das ist ja nur verständlich und ich gestehe es mir zu und fühle, dass ich jetzt den ganzen März mir gönnen muss und werde im Mini-Minimalismus-Modus, um mich zu erholen, denn ich bin am Ende meiner Kräfte.
Das bedeutet, dass ich wirklich fast nur im Bett liege, viel schlafe und döse, mich verwöhne und verwöhnen lasse und so gut wie alles liegenlasse, mir viel helfen lasse, so dass es hier nicht unhygienisch wird, aber mit weiten Grenzen.
Seit 1 Woche habe ich mir nicht mehr die Haare gewaschen und nicht mehr geduscht. Das ist schlampig und angelottert, aber n i c h t unhygienisch, weil dabei nichts fault oder schimmelt oder gesundheitsgefährlich ist. So lebten meine Großeltern als Kinder, die nur einmal in der Woche badeten.
Und ich kann nicht anders. Ich stinke auch noch nicht und meine Haare sehen noch nicht ekelerregend aus. Wielange ich mich nicht mehr geduscht habe, weiß nur ich und meine Männer merken nichts davon.
Bevor Sohni am Mittwoch seine abendliche Betreuung bekommt, die wir seit Wochen Trauerfallbedingt abgesagt haben und der nun endlich wieder Geld verdienen muss, m u s s aber das Gästebad sauber gemacht werden, da hilft auch kein Mini-Minimalismus. Und für die baldige Urlaubsreise von Sohni m ü s s e n wir Eltern seinen Urlaub anmelden bei seiner Arbeitsstelle als seine gesetzlichen Betreuer und wir m ü s s e n eine ärztliche Bescheinigungsvorlage über seine Medikamentendosierung anfordern und von seiner Ärztin unterschreiben lassen.
Dies liegt mir Hammerschwer auf der Seele, weil ich keine Kraft dazu habe und es macht mir darum nur Angst.
Und das ist natürlich gar nicht im Sinne der Situation, das habe ich nicht verdient, mich so zu fühlen.
Als mein Mann darum vorhin ganz lieb fragte, was es wäre, dass ich noch so schlapp und zurückgezogen sei die ganzen Tage, da habe ich einen Wutanfall bekommen, weil ich es einfach sooooooo leid bin, dass ich nach Jahrzehnten allein mit diesem ganzen Selbstmanagement überhaupt erklären muss, w a s bei mir los ist.
Nachher habe ich mich entschuldigt, weil mein Mann das genauso wenig verdient hat wie ich, aber dies war wirklich eine Grenze meines Minimalismus wie meines Mini-Minimalismus.
Doch es war auch eine Erleichterung meiner Anspannung und weiter geht es wie gehabt mit Minimalismus, Aufgabenteilen mit meinem Mann und mit Mini-Minimalismus.