Also liebe Lost,
jetzt mal - auf die Gefahr hin, dass du mich danach nicht mehr magst.. - das Risiko gehe ich ein.
Wenn du arbeiten gehst, dann machst du das aus voller Überzeugung. Du übernimmst in Krankheitsfällen andere Abteilungen, du hilfst anderen und du machst Überstunden. Manchmal sitzt du um 7 Uhr in der Früh am Schreibtisch, wenn andere noch schlafen. Weil du nicht mehr schlafen kannst, gehst du zur Arbeit. Andere dösen noch eine halbe Stunde, ziehen sich dann langsamer an und genießen noch 2, 3 Tee, bevor sie losfahren. Ja, oke, du magst keinen Tee - aber verstehst du, was ich meine?
Das machst du, weil du nett bist, weil du so erzogen wurdest und weil du nicht Nein sagen kannst. Was dir das am Ende bringt, habe ich noch nicht verstanden, ist aber auch egal. Das Übel daran badest du aber jetzt gerade und jedes weitere mal selbst und ganz alleine aus. Du hast es nicht gelernt, gut genug auf dich aufzupassen, zusätzlich ist dein familiäres Umfeld schwierig. Die Menschen, die dich auffangen sollten, können oder tun es einfach nicht. Du musst immer irgendwo alleine durch. Es ist quasi glasklar, dass du total ausgelaugt bist und ehrlich - würdest du in meiner Nähe wohnen, ich hätte dich schon viel früher zum HA geschlürt.
Gib deinem Körper Zeit zum durchatmen. Es ist völlig nebensächlich, dass du nach einer Woche noch nicht wieder ausgeruht bist. Du hast wochenlang, nein MONATElang kräftig durchgezogen. Eine Erholungsphase darf dauern. Es ist auch völlig egal, was deine Familie dazu sagt. Sie stecken nicht in dir drin. Sie haben nicht mal Mitspracherecht.
So.
Und jetzt.. wird es für mich gefährlich.
Ich glaube, dir fehlen Erfolgserlebnisse und Sonnenmomente in deinem Alltag. Du brauchst etwas, was dir das Gefühl gibt, am Leben zu sein. Wäre es nicht auch etwas für dich, etwas zu haben, worauf du dich freust, wenn du morgens aufstehst? Wenn es da etwas geben würde, wofür du gern aufstehst? Das müssen ja gar nicht die Tollsten Sachen sein. Es reicht, wenn es für dich etwas Schönes ist. Ins Blaue gesprochen.. vielleicht ein kleiner Spaziergang, beim Bäcker dein Lieblingsbrötchen kaufen, zu einem Lieblingssong tanzen, etwas Sport machen, Yoga, radeln, joggen.. irgendetwas, was dir Spaß macht und wichtig: nichts, wofür du funktionieren musst. Mir gehen jetzt hier die Ideen aus, stehe damit ja selbst irgendwie am Anfang, aber wäre das nicht auch etwas für dich?
Du bist nicht auf der Welt, um zu funktionieren.
Gerade wenn man so oft über seine Grenzen hinausgeht und immer nur für andere funktionieren muss - gerade dann ist es wichtig, auch Dinge für sich zu finden, die gut tun.
Und jetzt hör ich auf und hoffe, du magst mich noch..
Ich drück dich fest