Ein Leben ohne Depressionen führen

Tussideluxe

Tussideluxe

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Hallo....

ich glaube ich habe den Grund, die Begründung meiner immer wieder kehrenden Depression noch immer nicht wirklich erreicht.
Aber gibt es ihn wirklich oder ist das nur eine romantische Vorstellung von Gründen, die man finden und beheben kann, die ich mir immer wieder in den Kopf hole um nicht einsehen zu müssen das ich schlicht und völlig ohne jeden Schnörkel krank bin?

Ich wünsche mir ein normales Leben. Ein Leben ohne Störungen. ...Ein Leben ohne Störungen ist nicht normal. Da ist ein widerspruch in sich vorhanden... Ich will ein Leben ohne Krank sein müssen. Ich will ein Leben das frei ist davon. Ich tue seit Jahren alles dafür, ich kämpfe darum. Aber die Kraft hat nie gereicht. Oder sehe ich schon wieder das Land, das ich mit eigenen Händen erschaffen habe nicht mehr? Ist es schon wieder so weit?

Und wenn ich diesen Grund wirklich finde, was ist dann? Dann hängt er vielleicht wie Blei an mir und zieht mich nur weiter runter... Aufhören mit der Suche und glücklichsein mit dem was man schon erreicht hat, wäre das nicht eine Option? Zufrieden sein. Die Dinge wieder hinnehmen. Wäre das nicht besser?

10.09.2012 21:29 • #1


Martina

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Zitat von Tussideluxe:
Ich wünsche mir ein normales Leben. Ein Leben ohne Störungen. ...Ein Leben ohne Störungen ist nicht normal. Da ist ein widerspruch in sich vorhanden... Ich will ein Leben ohne Krankseinmüssen. Ich will ein Leben das frei ist davon.


Dieses Leben gibt es nicht! Es haben ALLE ihre Probleme, Krankheiten, Störungen.....
Falls du es doch finden solltest, sage mir Bescheid - ich will dann auch so eins!

11.09.2012 10:32 • #2


Laterne

Zitat von Tussideluxe:
Aber gibt es ihn wirklich oder ist das nur eine romantische Vorstellung von Gründen, die man finden und beheben kann, die ich mir immer wieder in den Kopf hole um nicht einsehen zu müssen das ich schlicht und völlig ohne jeden Schnörkel krank bin?


Hallo Tussideluxe,

vielleicht gibt es einen grund, vielleicht auch nicht. Ich habe lange nach Grund meiner Krankheit gesucht, meine ihn gefunden zu haben, aber weißt du was? - es hat nichts an der Krankheit an sich geändert. Ein wenig an meiner Einstellung dazu, daß ich ich mir nun sage: du darfst krank sein. Aber das geht auch, ohne den Grund zu kennen.

Ich füchte auch, daß du ein Leben ohne Störungen nicht finden wirst. Aber du kannst aus dem was du hast das Beste machen, indem du akzeptierst wie es ist und jeden Tag bewußt darauf achtest was geht, nicht immer nur darauf, was nicht klappt.

Viel Erfolg.

11.09.2012 13:48 • #3


Tussideluxe

Tussideluxe

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Ich glaube das die Suche nach dem Grund eine Behinderung ist. Dennoch suche ich. Es ist so sinnlos wie vieles. Aber man tut es.

Wenn ich so ein Leben gefunden habe, gebe ich eine Runde aus. Sicherlich wollen das viele, auch wenn es mir immer schwer fällt zu glauben das andee das gleiche wollen wie ich.

17.09.2012 20:48 • #4


Pyxidis

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Hallo Tussideluxe,

Zitat:
Ich wünsche mir ein normales Leben. Ein Leben ohne Störungen.


das ist doch ein Widerspruch in sich. Ein normales Leben ist ein Leben mit Störungen. Jeder Mensch erlebt Krisen, Niederlagen, Enttäuschungen, Ungerechtigkeiten. Die gesunden Menschen haben nur gelernt damit anders umzugehen und stellen nicht sofort alles in Zweifel, wenn eine Sache nicht stimmt.

Und überhaupt was ist das für ein Leben ohne jegliche Störungen? Ist doch bestimmt total langweilig.

Tussideluxe, Du suchst nach den Ursachen Deiner Depression? Darf ich Dich fragen, ob Du eine schöne Kindheit hattest mit liebevollen unterstützenden und fürsorglichen Eltern? Das ist nicht immer der Grund und nicht jeder mit einer schlechten Kindheit bekommt Depressionen. Aber manchmal kann es ganz einfach sein, wenn man sich seine Kindheit anschaut und dort nicht so viel Schönes entdeckt.

Im Grunde genommen ist die Ursache für die Heilung auch manchmal egal. Nicht jeder möchte zum Beispiel seine Kindheit aufarbeiten und kann trotzdem wieder gesund werden. Manchmal hilft es aber auch die Augen vor manchen Wahrheiten nicht mehr zu verschließen. Dafür sollte man aber schon eine gewisse Stabilität haben.

Ich beispielsweise akzeptiere mittlerweile, daß es dieses eine allumfassende glückliche Leben nicht gibt. Es gibt glückliche Tage und traurige Tage und ich möchte beides nicht mehr missen. Denn das ist da echte Leben.

Ich wünsche allen Lesern eine gute Nacht,
Pyxi

17.09.2012 21:12 • #5


Tussideluxe

Tussideluxe

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Hallo Pyxidis,

nein, eine schöne Kindheit hatte ich nicht.

Ich finde den Gedanken gut, nicht alles aufarbeiten zu müssen und dennoch gesünder zu werden. Das bedeutet für mich, das es nicht an Bedingungen geknüpft ist - wie vielea im Leben. Bedingungen sind nichts schlechtes, es sei denn sie werden pervertiert von Erziehern, die das für sinnvoll erachten.
Nun ... Ich habe lange lange ... laaaange darüber nachgedacht, bevor ich eine Antwort gefunden habe, in mir, für mich, auf deine Fragen und Anregungen.

Früher wäre das schneller gegangen, Heute geht das bewusster.

Im Moment kann ich dem Leben mit Störungen nichts abgewinnen. Vielleicht auch, weil mir die Kraft für Auseinandersetzungen (noch?) fehlt. Ich kann das (noch) nicht als etwas sinnvolles empfinden. Ich weiß das es richtig ist und stimmt was du sagst. Wissen und fühlen sind wohl zweierlei. Was das Gehirn weiß, erachten die Gefühle nicht automatisch als sinnvoll. Diese Verbindung scheint getrennt zu sein. Vielleicht existiert sie auch überhaupt nicht?

Liebe Grüße
T*

02.12.2012 21:22 • #6


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Eisbärchen

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Hallo Tussideluxe,

Zitat von Tussideluxe:
Ich will ein Leben ohne Krankseinmüssen. Ich will ein Leben das frei ist davon. Ich tue seit Jahren alles dafür, ich kämpfe darum. Aber die Kraft hat nie gereicht.


Vielleicht ist es an der Zeit, nicht mehr zu kämpfen, sondern einfach Du zu sein. Mal traurig, mal fröhlich, mal schlapp, mal von Energie triefend, ....
Vielleicht steht die Akzeptanz am Anfang?

Schönen Abend!
Eisbärchen

02.12.2012 21:56 • #7


Frankfragt

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Hallo,

in den Therapiegesprächen während meines Klinikaufenthaltes haben wir an den "Gründen" gekratzt. In meiner weiteren ambulanten Therapie will ich da schon noch etwas tiefer rangehen. Wichtigste Botschaft für mich bisher ist: Das innere Kind ist noch da und will geliebt werden, der erwachsene Frank, straight, zielgerichtet, immer gut oder gar perfekt sein zu wollen (warum wohl ???), das ist die Maske des heutigen Menschen, die andere sehen und die einen schützen (oder eher vernichten?) soll. Und jetzt beginnt die mühevolle, aber lohnenswerte Lebensumstellung. Selbst sich seine inneren Gefühle eingestehen, sie wahrnehmen, achtsam mit ihnen umgehen. Und meine bisherige Umwelt weiß noch nichts davon, wenn ich so zurückkehre und danach lebe und handele, werden alle erst Recht denken, der war in der Klappse So what?

Kannst du dich noch erinnern, wie du so im Alter zwischen vier und sechs Jahren warst? Was waren schöne Erlebnisse? Wobei hast du dich wohlgefühlt? Was war nicht schön, wobei hast du dich nicht wohlgefühlt? Ob dir das dann für heute weiterhilft, weiß ich nicht. Mir hat es ein wenig geholfen, etwas mehr meine Gefühle zu verstehen und vor allem, sie zu akzeptieren. Das bin ich. Und nicht das, was ich jahrzehntelang (durch meine Einflüsse anerzogen) vorgegaukelt habe.

12.12.2012 21:46 • #8


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Schneckchen

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Hey Frank, hat sich echt gelohnt, dass Du an Dir gearbeitet hast. Herzlichen Glückwunsch!

Tussi, das hört sich an, wie der Anfang von der Veränderung. Jetzt musst Du den Weg finden, um etwas zu verändern. Grübeln bringt nichts und Wünsche sind keine Bestellungen!

Ich habe mir in meinen Vorstellungsgesprächen bei Therapeuten "gewünscht wieder zu funktionieren und normal zu sein". Rate mal, warum ich noch nicht für eine Therapie bereit war?

Weil man die Krankheit(en) erst einmal erkennen und akzeptieren muss. Erst dann kann man an sich arbeiten. Und hierzu muss man nicht alle Einzelheiten der Kindheit aufarbeiten, wenn man sie auch durch Hilfe der Therapie anders verarbeiten bzw. hinnehmen kann. Ich habe auch nicht alle Traumata aufgearbeitet, bin auch noch nicht am Ziel meiner Wünsche, aber Wünsche sind keine Bestellungen und eine ewige Suche kann einen kranker machen als man eigentlich ist. Grübeleien sollte man auf alle Fälle stoppen!

LG Schneckchen

14.12.2012 09:48 • #9


Frankfragt

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Zitat von Schneckchen:
Hey Frank, hat sich echt gelohnt, dass Du an Dir gearbeitet hast. Herzlichen Glückwunsch!

Danke - fällt immer noch schwer, Lob anzunehmen...

Zitat von Tussideluxe:
Im Moment kann ich dem Leben mit Störungen nichts abgewinnen. Vielleicht auch, weil mir die Kraft für Auseinandersetzungen (noch?) fehlt. Ich kann das (noch) nicht als etwas sinnvolles empfinden. Ich weiß das es richtig ist und stimmt was du sagst. Wissen und fühlen sind wohl zweierlei. Was das Gehirn weiß, erachten die Gefühle nicht automatisch als sinnvoll. Diese Verbindung scheint getrennt zu sein. Vielleicht existiert sie auch überhaupt nicht?


Hierzu ist mir noch was eingefallen. Die von dir genannten "Störungen" sind vielleicht eine präzise Wahrnehmung deiner inneren Konflikte. Der Vorteil ist aber, du kannst sie wenigstens wahrnehmen, andere beschäftigen sich lieber mit "Störungen" in Königshäusern oder bei Filmstars oder was es sonst so alles in der yellow-press gibt. Ich habe einige Menschen in der Klinik kennengelernt, alles ganz verschiedene Menschen. Aber fast keiner war irgendwie "einfach gestrickt", der ganz große Teil war nachdenklich, emotional, intelligent - viele waren sehr kreativ usw. Ich hoffe, das kommt jetzt nicht als Klischee rüber, aber so meine Wahrnehmung.
Es ist eigentlich wertvoll, seine eigenen Konflikte wahrzunehmen. Was nicht gut ist, wenn diese Wahrnehmung dazu führt, dass man sich wertlos fühlt, dass man sich vielleicht sogar selbst nicht mehr liebt, dass man traurig und antriebslos wird.
"Was das Gehirn weiß, erachten die Gefühle nicht automatisch als sinnvoll" - das würde ich gerne umdrehen: Was die Gefühle einem mitteilen (wollen), erachtet das Gehirn nicht automatisch als sinnvoll. Wenn der Konflikt darin besteht und bisher immer das Gehirn die Oberhand hatte (dafür ist es ja auch der Boss vom Ganzen, das komplizierteste Organ, was uns von anderen Lebewesen deutlich abhebt), weil es ja von all den Informationen der anderen Gehirne, der Umwelt, der Gesellschaft gefüttert wurde, ist vielleicht nun die größte Herausforderung des Gehirn, auch auf andere Dinge zu hören, die bisher nicht zu Wort kamen, die nicht "rational" waren - die Gefühle.

Kannst du damit was anfangen ?

20.12.2012 09:56 • #10


Tussideluxe

Tussideluxe

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Hallo ihrs ..

es klingt logisch nicht mehr zu kämpfen. Kampf erzeugt Gegenwehr .. erzeugt irgendwann Krieg. Ich bin im Krieg mit mir und der Depression. Es ist für mich auch logisch das es so ist. Es ist etwas das ich nich will. Ich bin ein Mensch, der nicht stillschweigend hinnimmt, was er nicht will. Ich bin aber dummerweise ein Mensch, der aus lauter Angst nicht mehr erknnen kann, wenn etwas nicht bedrohlich ist.
Gründe zu kennen, heißt nicht die Dinge verändern zu können... Leider.

Im Moment mache ich auch wieder Therapie. Die Gespräche lassen mich viel in Kontakt mit mir treten. Ich erkenne Zusammenhänge, ziehe meine Schlüsse daraus. Dann muss ich erst mal wieder eine Weile schweigend trauern. Das immerhin kann ich ganz gut.

Veränderung ist immer da. Wie die Äste eines Baumes oder dessen Wurzeln verzweigt sich das Gewächs namens Entwicklung. Mal schneller, mit Früchten und Blättern, mal langsamer.

Ich halte es für sinnvoll hier zu schreiben und die Reaktionen zu erhalten, die nicht verständnisvoll klingen - zunächst. Verständnishaberei hat noch niemandem etwas geholfen sich zu entwickeln!

Frank, Gehirn und Gefühl sind keine Freunde. Sie teilen sich gezwungenermaßen den Organismus, was aber nicht heißt das das eigentlich sinnvoll ist.

28.12.2012 22:12 • #11

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