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Nach außen wirke ich stark - bin aber mit den Nerven am Ende

Melli83

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Guten Abend alle zusammen,

ich befinde mich seit vier Wochen in einer Therapie.Immer wenn ich zum Termin fahre, fragt mich mein Psychotherapeut wie die Woche für mich war.Ich berichte ihm dann von meinen Gefühlen und Ängsten.Er meint wir wären auf einem guten Weg.Nur leider sieht es in mir ganz anders aus.Zu Hause breche ich dann regelmäßig in Tränen aus und bin mit meinen Nerven völlig am Ende.In diesem Moment würde ich sofort freiwillig in eine Klinik gehen. Kann der Psychologe mich dann überhaupt richtig behandeln ?
Er möchte auch das ich das opipramol absetze.Ich habe das auch versucht,aber bei einer halben Tablette angelangt werden meine Gefühlzustände wieder viel schlimmer und ich komme nur schwer aus diesem Loch raus.

24.04.2019 21:11 • x 2 #1


ohneFunktion

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Guten Abend!

Manchmal sehen Therapeuten tatsächlich schon etwas Licht am Ende des Tunnels, wenn wir das noch nicht realisiert haben.
Allerdings muss die Wahrnehmung des Therapeuten nicht unbedingt die richtige sein.
Man darf und soll da durchaus in sich hinein fühlen und sich auch vertrauen. Das eigene Wohlbefinden kann keiner von außen beurteilen.
Nehme an, dass Dein Medikament ein Anridepressivum ist. Das nimmt man gewöhnlicherweise nach der Genesung eine längere Zeit (mindestens 1/2 Jahr) weiter um einen Rückfall zu vermeiden.
Welchen Grund hat Dein Therapeut, Dir jetzt schon eine Reduktion zu empfehlen?
Ist er derjenige, der es Dir verschreibt?
Dass man sich nach einer Therapiesitzung auch mal schlecht fühlt und diverse Themen in einem arbeiten, was sich zunächst als Rückschritt anfühlt, ist ganz normal. Aber ständig sollte das auch nicht so sein.
Es ist wichtig, dass Du darüber sprichst, wie's Dir wirklich geht.

Soweit meine Gedanken dazu.

Lg

24.04.2019 22:15 • x 4 #2



Hallo Melli83,

Nach außen wirke ich stark - bin aber mit den Nerven am Ende

x 3#3


Melli83

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Vielen Dank für deine Antwort.Das Antidepressiva hat mir mein Hausarzt verschrieben.Ich nehme es abends vor dem Schlafen und es entspannt mich und sorgt vor allen Dingen auch dafür,dass meine psychosomatischen Beschwerden besser werden.Ich persönlich fühle mich nur so hin und her gerissen,der Therapeut sagt absetzen,ich merke aber selber,dass es mir mit besser geht.
Morgens ist es immer besonders schlimm.Ich schlage die Augen auf und meine Gedanken kreisen und schon bin ich in dieser Spirale gefangen.
Ich suche dann oft das Gespräch mit meiner Familie,meinem Mann oder meiner Mutter.Mir geht es zum Beispiel besser,wenn ich morgens einen festen Termin habe und sei es nur ein Arztbesuch.Ich möchte diese Gefühle nicht zulassen,frage mich aber manchmal,ob das der richtige Weg ist.Denn es fühlt sich so an als würde ich davor weg laufen. Ist das der richtige Weg?
Ein anstehender Familienurlaub mit meinem Mann und meinem Sohn im August löst in mir aktuell keine Vorfreude aus.Das hatte ich früher nie. Ich war immer ein aktiver Mensch, lebenslustig und froh.Hab mich auf den Tag gefreut.Und jetzt fühlt es sich so an als wäre ich ein anderer Mensch geworden,der nicht mehr genießen kann und sich über schöne Dinge freut.
Ich möchte das so nicht akzeptieren,komme aber gerade nicht weiter.

25.04.2019 09:12 • x 2 #3


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Pilsum

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Hallo Melli,

warum zweifelst Du die Art der Behandlung durch Deinen Therapeuten schon
nach 4 Wochen an?
Gefällt Dir seine Vorgehensweise nicht?
Ob Du das Medikament noch weiter nimmst, solltest Du selbst entscheiden.
Dein Therapeut kann etwas empfehlen, Du selbst entscheidest aber immer,
ob Du etwas veränderst oder nicht.

Viele Grüße

Bernhard

25.04.2019 11:34 • x 2 #4


ohneFunktion

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Naja, ich sehe das ein wenig anders:
Die Chemie zwischen Therapeut und Patient sollte schon passen. Und das stellt sich meist schon sehr früh heraus, ob diese passt oder nicht.

Natürlich entscheidet jeder selbst, ob er ein Medikament einnimmt oder nicht.
Allerdings sollte ein Fachmann auch entsprechend aufklären. Im Fall von Antidepressiva ist es nunmal so, dass üblicherweise erst ausgeschlichen werden soll (dh, laaaangsam), wenn man über einen lämgeren Zeitraum stabil ist.

Wenn Du merkst, es hilft Dir und Du hast keine starken Nebenwirkungen, gibt es (noch) keine Grund zur Reduktion.

Sprich das doch mal in der Therapie an.
Vielleicht wirkst Du nach außen tatsächlich stabiler als Du bist?

Lg derweil

25.04.2019 12:53 • x 2 #5


Melli83

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Ich finde den Therapeuten im Prinzip gut, allerdings hat er gleichzeitig eine Zusatzausbildung zum Heilpraktiker gemacht und ist vermutlich deshalb gegen Tabletten.
Ich habe sie jedenfalls gestern Abend wieder eingenommen.
Gestern habe ich ihm gesagt, dass ich bei ihm stärker rüber komme als ich bin.
Zu Hause bin ich abends in Tränen ausgebrochen.Dort ist mir das noch nie passiert.
Ich bin seit Mitte Februar in diesem Zustand und suche nach guten Möglichkeiten mir auch selbst zu helfen.
Wie lange sollte ich einer Therapie erstmal eine Chance geben ?
Nichts mehr genießen zu können fühlt sich fürchterlich an

25.04.2019 14:19 • x 2 #6


ohneFunktion

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Guten Morgen!

Die Behandlung/ Heilung einer Depression braucht viel Zeit.
Geduld haben ist dabei die wichtigste Lektion. Das kennen wir alle.
Es sind die ganz kleinen Schritte, die uns voran bringen.

Verzweiflung, Tränen, etc, all das gehört auch dazu.

Aber Du kannst Dir sicher sein, dass Du danach wieder genießen kannst.

Lg

26.04.2019 07:13 • x 3 #7


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Hoffnung21

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Liebe Melli,
Die Wirkung nach außen ist auch bei mir deutlich stärker, als man sich innen drin fühlt. Man hat ja auch , zumindest in meinem Fall, über einen sehr langen Zeitraum gelernt, alles Schlechte zu verstecken. Das ging bei mir soweit, dass ich den Psychiater wechseln musste, weil er wohl das Gefühl hatte ich simuliere. Der neue Arzt hat dann auch nach einem schweren Rückfall, als ich heulend in der Praxis stand wegen einer Krankmeldung, und dem Gefühl hab es wieder nicht geschafft erst gesehen, wo ich wirklich stehe, wenn ich die Maske nicht mehr aufrecht halten kann.
Das mit den Tabletten ist so eine Sache. Natürlich ist es besser und schöner ohne Tabletten, aber das ist die Entscheidung von DIR und deinem Arzt. Normal nimmt man Antidepressiva's etwa 1/2 bis 3/4 Jahr weiter bis man stabil genug ist. So wie Du Dich beschreibst klingt das für mich leider nicht stabil.
Ich weiß nicht, ob im Prinzip gut ausreichend ist für einen Therapeuten. Es ist schon sehr wichtig, dass der Therapeut einen wirklich versteht.
Noch ein Tipp von mir, vereinbare mal vorsorglich einen Termin bei einem Facharzt, das dauert in der Regel sehr lang und vielleicht brauchst Du ja ein anderes Antidepressiva, das kann der Facharzt besser als der Hausarzt.


Alles Gute
Eis

26.04.2019 07:24 • x 3 #8


Melli83

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Nein stabil bin aktuell gar nicht.
Ich war jetzt über Ostern ein paar Tage bei meinen Eltern mit meinem Sohn,da mein Mann auf Grund von Schichtdienst eh nicht zu Hause gewesen wäre.
Als ich zurück gekommen bin,habe ich unser Haus als sehr negativ wahr genommen und würde am liebsten direkt wieder flüchten.
Auch das Verhältnis zu meinem Mann ist seit der Erkrankung Mitte Februar völlig anders.Ich zweifle sogar unsere Ehe an.Das war vorher nie so und macht mir große Angst.Dabei hat er Verständnis für meine Situation.Ich stelle alles in Frage.
Ist das normal ?Weiß langsam nicht mehr weiter.

26.04.2019 17:09 • x 1 #9


ohneFunktion

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Klingt alles ganz normal, sprich wie eine normale Depression:
Alles wird in Frage gestellt. Wo einst Wohlgefühl war, ist kein Gefühl oder gar Unwohlgefühl. Etc.

Was jetzt wirklich für Dich wahr ist oder nicht bzw. was die Ursachen der Depression sind, wirst Du vermutlich Schritt für Schritt aufarbeiten können.

Oft fühlt man sich vielleicht gerade zuhause so unwohl, weil einem sämtliche vertraute Gefühle abhanden gekommen sind. Das macht Angst.
Auch die fehlenden (positiven) Gefühle zum Partner verunsichern sehr.

So war es bei mir.

26.04.2019 18:48 • x 3 #10


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Hoffnung21

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Hallo Melli,
Das wichtigste im Moment ist, KEINE Entscheidungen zu treffen. Im Moment ist im Kopf alles durcheinander. Was Du v.a. brauchst, ist ganz viel Geduld. Es sind ganz kleine Schritte, die man am Anfang macht, manchmal geht man auch zwei Schritte vor und wieder einen zurück. Man glaubt dann lange, dass sich ja gar nichts ändert. Aber wenn Du irgendwann mal an den Anfang zurückblickt, wirst Du erkennen, dass sich viel getan hat.
Ich hab am Anfang erst mal lernen müssen, dass man nicht perfekt sein muss. Dann schaut es daheim halt furchtbar aus. Irgendwann ist auch wieder eine Zeit, wo Du Dich besser fühlst und dann kannst Du was verändern. Das ist im Moment nicht wichtig.
Mir haben vor allem - nach den ersten Wochen wo ich auf der Couch vor dem Fernseher versackt bin- Spaziergänge in der Natur geholfen. Ich bin dann oft ewig im Wald spazieren gegangen. Um das Grübeln zu vertreiben hab ich dann nach Empfehlung meiner Psychotherapeutin den Blick nach außen gelenkt, hab Wolken und Bäume genau betrachtet. Also ein bisschen wieder Kind sein und alles ganz genau aufnehmen.Das hat am Anfang noch nicht so gut geklappt, hab zwischendurch immer wieder angefangen zu heulen, aber mit der Zeit wird das besser. Immer wenn ich daheim zusammengebrochen bin, hab ich mich angezogen und bin spazieren gegangen. Vor allem im Wald ist es mir gut gegangen, ich hab mich da so geschützt gefühlt mit den Bäumen um mich rum. Probiers doch mal aus!
Alles Gute
Eis

26.04.2019 23:54 • x 2 #11


Melli83

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Ich bin euch wirklich dankbar.Eure Antworten geben mir Kraft, weil man merkt, dass es nicht nur mir so geht.
Ich befinde mich scheinbar noch ganz am Anfang von allem.Suche immer noch nach dem Knopf, der diese sehr sehr unangenehmen Gefühle und Gedanken ausstellt.
Ich habe auch immer wieder dieses Gefühl keine Liebe empfinden zu könnenbei meinem Sohn.
Ich fühle mich so schlecht deswegen.Das darf einer Mutter doch nicht passieren.Und sowas hatte ich nie zuvor.

27.04.2019 01:01 • x 3 #12


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Hoffnung21

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Liebe Melli,
Fühl Dich nicht schlecht deswegen, das ist die Depression.
Ich selbst habe eher das Problem mit zu wenig Antrieb gehabt, Gefühle waren nicht so stark beeinträchtigt. Jede Depression ist anderes!
Aber ich kann Dir von einem Fall aus der Reha berichten, der hatte genau das gleiche Problem seiner Frau und den Kindern gegenüber. Er meinte, es ist nett wenn sie ihn besuchen, aber er fühlt nichts dabei. Er ist dann (Nach über 1 Jahr!) medikamentös umgestellt worden und dann saß da ein ganz anderer Mensch bei uns am Tisch. Er hatte wieder Gefühle, hat mit uns gelacht und sich auf das Wochenende gefreut. Als wir ihn dann gefragt haben was sich bei ihm verändert hat kam die Antwort: neue Glückspillen! Aufgrund meiner und dieser Erfahrung hab ich dir ja empfohlen zum Facharzt zu gehen. Man muss nicht akzeptieren, wenn die Therapie nicht anschlägt oder nicht ausreichend ist. Allerdings muss man auch sehr stark an sich selbst arbeiten, und das geht nur mit begleitender Psychotherapie und GEDULD.
Alles Gute
Eis

27.04.2019 08:21 • x 2 #13


Melli83

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Hallo Eis,

der Fall aus der Reha ist wirklich wie meiner.Ich bin froh,dass du davon berichtet hast.
Was wäre denn ein richtiger Facharzt?Ein Psychiater und kein Psychotherapeut?
Das opipram welches ich einnehme,scheint dann wohl auch nicht das passende Medikament zu sein wobei ich auch nur abends 1x 50mg einnehme.Könnte es auf 3x erhöhen.Es macht nur so müde.
Morgens direkt nachdem ich die Augen aufschlage, ist für einen kurzen Moment alles ganz klar in meinem Kopf.Sobald ich eine halbe Stunde wach bin, geht das Rad der Gedanken wieder los.
Das mit dem Spazieren gehen werde ich ich auf jeden Fall machen.
Bei mir kommt noch hinzu,dass ich wirklich starke psychosomatische Beschwerden habe.Das beeinträchtigt mich sehr bei vielen Dingen.
Zur Abklärung stehen noch einige wichtige Untersuchungen Mitte Mai an.Dann hab ich wenigstens danach was die körperlichen Beschwerden angeht ein besseres Gefühl.

27.04.2019 09:11 • x 2 #14


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Hoffnung21

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Hallo Melli,
Ich hatte auch viele physische Baustellen und bin über Jahre! von einem Facharzt zum nächsten, i.d.R. ohne Befund, bis irgendwann gar nix mehr ging und die Depression erkannt wurde. Aber es muss halt alles andere ausgeschlossen werden.
Der richtige Facharzt ist der Psychiater oder Nervenarzt (=Neurologe+Psychiater). In der Regel wartest Du ziemlich lange auf einen Termin, deshalb würde ich das relativ bald machen. Der Facharzt (bis dahin der Hausarzt) kann dann auch entscheiden, ob die Dosis erhöht werden sollte, oder ob ein anderes Präparat besser ist. Als Anhaltspunkt nimm max. 4-6 Wochen. Wenn sich in dieser Zeit keine Änderung einstellt muss die Medikation angepasst werden.
An dem Gedankenrad musst DU arbeiten, Blick nach Außen. Versuch, Dich auf was bestimmtes zu konzentrieren und stell Dir vor z.B. wie alt mag der Baum sein, wie viel Hunde pinkeln da dran.usw. Das ist wirklich schwierig am Anfang, aber man kann es üben.
Alles Gute
Eis

27.04.2019 09:24 • x 2 #15


Melli83

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Ich musste gerade sogar richtig lachen als ich das mit dem Baum und dem Hund gelesen habe .
Habe mir gerade in der Nähe eine Praxis raus gesucht bei der ich Montag direkt anrufen werde zwecks Terminvereinbarung.Am Dienstag habe ich wieder mein Gespräch beim Therapeuten und muss ihm dann scheinbar mal deutlich sagen wie es in mir aussieht.Hoffe das gelingt mir.Ich stelle auch in Frage, dass ich eine Erschöpfungsdepression habe.Das kann sich doch nicht so schlimm anfühlen.
Meine allergrößte Angst ist die Gefühllosigkeit ggü. meiner Familie.Das belastet mich am allermeisten.
Es gab überhaupt keinen Auslöser dafür, dass ich so empfinde.Es war auf einmal da.
Heute regnet es leider,aber ich werde gleich trotzdem mal raus gehen.

27.04.2019 11:37 • x 1 #16


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Hoffnung21

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Hallo Melli
Schön, dass ich Dich zum Lachen gebracht habe.
Besprich Deine Angst mit Deinem Therapeuten. Es ist wichtig, darüber zu sprechen.
Ich hab übrigens meinen Mann ganz am Anfang zu einem Vortrag über Depressionen mitgenommen, damit er versteht, wie es mir geht. Er meinte damals, wenn er das vorher gewusst hätte, wären die Alarmglocken bei ihm schon viel früher losgegangen.
Es kann ja auch eine,normale Depression sein, wo die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn nicht in ausreichender Menge vorhanden sind. Deshalb ja die Medikation.
Viel Spaß beim Spazieren gehen.
Alles Gute
Eis

27.04.2019 11:54 • x 2 #17


Ylvi13

Hallo Melli,
die Angst über die Gefühllosigkeit ggü. deiner Familie kann ich nachvollziehen . Es ist ein Symptom der Krankheit, von daher ist die Information über die Krankheit für die Angehörigen eine grosse Hilfe. Oft bieten Krankenhäuser Infoveranstaltungen an, es gibt Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, auch für Angehörige.
Ich selbst war völlig gefühllos, allem gegenüber. Da war gar nichts mehr, völlig leer. Es hat sich so angefühlt wie eine Hülle mit nichts drinn.Alles war egal, Gleichgültigkeit 24h lang. Es war unerträglich. Ich bin zum Psychiater und habe Medikamente genommen. Es ging dann langsam berg auf. Zumindest in diesem Punkt bin ich wieder die Alte .
Ich hoffe, das kann dir ein wenig Hoffnung gegen. Es wird wieder besser.
Viele Grüsse

27.04.2019 12:49 • x 4 #18


Melli83

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Der Spaziergang war trotz Regen richtig wohltuend.Das werde ich jetzt regelmäßig machen.
Mein Mann versteht mich zum Glück sehr gut und hat Verständnis.Der Grund dafür ist, dass er seit ca. vier Jahren wegen starken körperlichen Beschwerden von Arzt zu Arzt gerannt ist, immer ohne Befund.Er war überhaupt nicht belastungsfähig und letztes Jahr dann vier Monate am Stück krankgeschrieben.Ein Klinikaufenthalt brachte dann wieder keinen Befund.Diese ganze Situation,Sorge um ihn,vieles selber stemmen zu müssen(Kind,Haushalt,Vollzeitjob,Haus mit Baustellen) war für mich schlussendlich zuviel und hat mich in diese Situation gebracht.Als er dann gemerkt hat welche Symtome ich habe und ich mir selbst eingestehen musste in eine Depression gerutscht zu sein, hat er vor ein paar Wochen eingesehen selbst eine Depression zu haben.
Er kann somit meine Situation sehr gut verstehen, aber ist auch viel mit sich selbst beschäftigt (treibt viel Sport zur Ablenkung und arbeitet in drei Schichten)
Ich kann immer mit ihm reden,aber richtig auffangen kann er mich nicht.
Zwei depressive Partner unter einem Dach .Positive Stimmung sieht anders aus.

27.04.2019 14:58 • x 3 #19


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Hoffnung21

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Schön, dass Dir der Spaziergang gut getan hat. Man braucht einen Plan, was man macht wenn es einem besch. geht. Dein Mann hat den Sport für sich gefunden, auch gut.
Du hinterfragt bei Deiner Geschichte die Erschöpfungsdepression? Ich glaube, Du hast es Dir vorhin selbst beantwortet.
Passt auf Euch auf und unterstützt Euch gegenseitig.
Alles Gute
Eis

27.04.2019 17:01 • x 3 #20


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maya60

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Hallo Mellie, ich kenne all deine Erfahrungen und Gedanken, die dich momentan umtreiben, auch alle so gut! Unsichtbare Schwäche und Zusammenbrüche, Gefühlstaubheit, psychosomatische Leiden, Gedankenkreisen, Zweifel an allem uvm. Und glaub´mir, das alles war eine Erschöpfungsdepression und zwar eine heftige!

Lies mal hier im Unterforum Burnout, da findest du viel dazu und auch zu den Erfahrungen deines Mannes. Es ist nicht selten, dass gleich und gleich sich gerade auch im Starksein bis es nicht mehr geht gesellen.

Niemand weiß genau, soweit ich als Nichtfachfrau weiß, ob die Neurotransmitter-Mängel hirnorganisch eine Begleiterscheinung von Depressionen sind oder die Ursache, das ist wie mit dem Huhn und dem Ei und immer gilt es bei Depressionen, die Verhaltensebene in Gegenwart und Vergangenheit sowie emotional-psychische Altlasten ebenso wichtig und gründlich zu behandeln wie die Hirnchemie.

Das Stärkerwirken als ich bin kenne ich auch und genau das hat mir in der Selbsterkenntnis viele interessante Prägungen aus meiner Kindheit offenbart, die Vor- und Nachteile haben.

Alle Antworten, die du hier bereits erhalten hast, finde ich sehr hilfreich und kann mich nur anschließen: Triff jetzt k e i n e Lebensentscheidungen aus deiner jetzigen depressiven Emotionalität heraus und habe bitte Geduld mit dir.

Vertraue dir auch! Du hättest keine Erschöpfungsdepression, wenn du nicht liebevoll, engagiert, verantwortlich und pflichtbewusst wärest. Jetzt hast du Überforderungsfolgen von Zuviel!

Denk also bitte bei allen deinen Zweifeln: Es geht n i c h t darum, ob dein Leben bisher erfolgreich war, das hast du schon bewiesen.
Es geht um eine Hochleistungsfolge! Wie bei Spitzensportlern. Es geht nicht ewig so anstrengend weiter.

Liebe Grüße! maya

28.04.2019 16:15 • x 3 #21


Melli83

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Hallo Maya,
danke für deine lieben Worte.Das Forum ist mit den vielen Leidensgenossen echt Balsam für die Seele und trägt wirklich dazu bei, dass man wieder Kraft schöpft.
Das mit der Kindheit habe ich bisher noch gar nicht so in Betracht gezogen, aber bei näherem Nachdenken fällt mir ein,dass ich schon sehr streng von meiner alleinerziehenden Mutter erzogen wurde.Ich hatte immer meine Pflichten zu Hause,musste immer sehr ordentlich sein und schon fünf Minuten Verspätung am Abend waren Grund genug für eine Standpauke.Selbst als ich 18 war hätte sie mir am liebsten noch vorgeschrieben wo ich wann wie lange bleibe.Daher scheinbar auch mein 120% Perfektionismus.Dieser ist mir jetzt leider zum Verhängnis geworden.
Was mich auch noch beschäftigt ist,dass mein Psychologe und meine Familie sagen, ich solle gerade jetzt Dinge machen,die mir Spaß machen.Mir fällt aber nichts ein!Andere haben Hobbys wie Basteln oder spielen ein Instrument.
Finde das wirklich erschreckend.

28.04.2019 19:04 • x 1 #22


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maya60

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Hallo Mellie, mach dir bitte bitte keine Vorwürfe! Du bist perfektionistisch von deiner alleinerziehenden Mutter erzogen und geprägt worden, weil sie selber als Alleinerziehende wahrscheinlich immer Angst hatte, nicht durchzuhalten und dir das Wichtigste, Durchzuhalten, beibringen wollte.
Weder du noch sie habt das wahrscheinlich bewusst bemerkt und habt einfach gemacht, was gemacht werden musste.

Dass unsere Arbeitswelt völlig überdreht und die Leute reihenweise mit Stresserkrankungen umkippen, hat auch keiner böse gemeint, die ganze Sache ist einfach gesellschaftlich aus dem Ruder gelaufen und wir müssen sie individuell und gesellschaftich zurückdrehen.

Zu allen Zeiten drangen Menschen zu unbekannten Grenzen vor bis sie mehr oder weniger schmerzhaft ihre Grenzen kennenlernten.

Um Schuld und Fehler geht es bei einer Erschöpfungsdepression überhaupt nicht.

Wenn du keine Hobbies ausgeübt hast, dann, weil du gelernt hast, dass Arbeiten wichtiger ist und damit bist du wahrhaftig nicht allein.
Viele Menschen lassen mehr und mehr Hobbies fallen, die sie vielleicht mal in ihrer Jugendzeit ausübten oder wurden so mit Arbeit zugeschüttet, dass sie nie Hobbies hatten.

Wenn dein Psychologe sagt, du sollst Spaß haben, dann bedeutet das nicht, dass du jetzt Hobbies aus dem Boden stampfen sollst, denn das ist ja schon wieder Leistungsdruck Du sollst auch nicht hinterhecheln, Spaß fühlen zu können, wenn du durch die Depression gar nicht fühlen kannst, auch das wäre schon wieder Leistungsdruck

Gemeint ist, denke ich, dass du dich gut behandeln sollst ohne Hektik, Druck. Eine Depression braucht Zeit. Und sie ist kein Scheitern sondern zeigt Überforderung, dass du so perfekt warst, dass du dir jetzt Ruhe gönnen sollst, du hast das auch verdient.

Was deine Familie sagt, ist Alltagspsychologie, lass sie reden!

Hier im Forum haben einige Erfahrungen mit Kuren, wo du dann mal siehst, wie du dir Gutes tun kannst. Vielleicht erzählen sie ja noch einiges.


Liebe Grüße! maya

28.04.2019 19:24 • x 1 #23


ohneFunktion

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Hallo!

Ja, dieses ständige Drängen von außen seinen Hobbies nachzugehen. Kommt mir auch sehr bekannt vor.
Und was in dem Zusammenhang auffällt: Man vergleicht sich sofort wieder mit den anderen, wobei dieser Vergleich auch gleich wieder negativ für einen selbst ausfällt.
Typisch für die Erkrankung.

Es gibt sie nämlich sehr wohl noch unsere Hobbies, unsere Kraft, die Ideen, die Zuversicht, die Gefühle. Nur eben gerade nicht jetzt. Aber alles ist da. In uns verborgen. Und es kommt wieder. Vertraue darauf!

Was mir aber tatsächlich sehr gut getan hat, war das Malen mit den Fingern (mit Pastellkreide) in der Ergotherapie: Mit der Farbe an den Händen über das Papier streichen.
Die Thetapeutin hat zu uns im Abschlussgespräch gesagt:Und vergesst nicht, immer wieder mal mit den Händen was zu machen.
Ich denke, gerade als kopflastiger Mensch vernachlässigt man die kreative Seite in sich. Diese Seite kann allerdings sehr viel zur Heilung beitragen.

Vielleicht magst Du mal versuchen, einfach kreative Dinge zu tun, auch wenn sie nicht Deine Hobbies sind? Steine bemalen oder mit Ton was fornen, Speckstein bearbeiten. Etwas machen, was nicht mit Leistung zu tun hat. Nur für Dich.

Muss das dringend auch mal wieder tun, fällt mir gerade auf.

28.04.2019 19:39 • x 3 #24


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Hoffnung21

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Hallo Melli,
Mir ging es genauso. Es ist mir kein Hobby eingefallen oder irgendetwas anderes, was mir Spaß gemacht hat. Zumindest hab ich in den letzten Jahren nach und nach alles außer der Arbeit aufgegeben, weil die Kraft nicht gereicht hat.
Ich hab in der Reha das Korbflechten für mich entdeckt, ansonsten hab ich versucht, den Sport, der mir mal gaaaanz früher gefallen hat wieder einzubauen. Aber im Sinn von langen Spaziergängen erst mal. Vielleicht hast Du ja gern was gekocht oder gebacken Oder einfach nur gern Musik gehört?
Probier Verschiedenes aus.
Alles Gute
Eis

28.04.2019 19:49 • x 2 #25


Melli83

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Ja jeder möchte einem innerhalb der Familie nur helfen und gute Ratschläge geben.Ich muss schauen womit es mir gut geht. Danke für eure Tipps
Morgen habe ich wieder Autogenes Training.Fahre dort ganz gern hin auch wenn die Gedanken mich oft zu sehr im Griff haben und verhindern,dass ich der Trainerin richtig folgen kann.
Nächste Woche werde ich es mal mit Yoga versuchen. Ich muss nämlich dringend etwas gegen meine starken Rückenschmerzen tun.Hatte vor der Krankheit nie Last damit.
Morgen sind die Osterferien vorbei, dann klingelt um 06:15 Uhr wieder jeden Morgen der Wecker, weil mein Sohn in die Schule muss. Es ist oft schwer, wenn man sich kaum um sich selbst kümmern kann, sich um sein Kind zu kümmern.Komme da oft an meine Grenzen. Fühle mich dann gestresst, weil ich natürlich weiterhin eine gute Mutter sein möchte.

28.04.2019 22:41 • #26


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maya60

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Liebe Melli, ja, es ist schwer, krank auch noch für sein Kind verantwortlich zu sein und wir machen uns dann Vorwürfe, unserem Kind mit unserer Krankheit womöglich noch zu schaden. Ging mir auch so. Doch wir haben uns das nicht ausgesucht, krank zu werden und es ist ja auch nicht für immer, es kommen wieder bessere und einfachere Zeiten und dein Kind kennt dich ja lange auch anders, dein Kind lernt so nur die Realität mit Höhen und Tiefen im Leben.

Wichtig ist, dass dein Sohn versteht, ohne dass er mit den Einzelheiten über Depressionen, die er nicht verstehen könnte, belastet werden sollte, dass du zur Zeit überarbeitet und darum müde bist und ihn aber noch genauso lieb hast und genauso stolz auf ihn bist und genauso interessiert, auch wenn du jetzt vielleicht schlapp wirkst.

Dass er n i c h t schuld ist daran, dass es dir momentan schlechter geht und dass das vorbei geht.

Kinder nehmen schnell unbewusst die Schuld für die Krankheit der Eltern auf sich oder versuchen, den Eltern ihre Last abzunehmen, auch unbewusst, aber sie sind und bleiben Kinder und dürfen nichts anderes werden.

Auch wenn dein Sohn bereits Jugendlicher sein sollte, gilt das. Je jünger er ist, desto mehr.

Wichtig für dich und für deinen Sohn sind auch noch eine oder mehr als eine weitere enge Bezugsperson, die Sicherheit gibt wie der Vater oder die Großeltern, Tanten oder Onkel oder Freunde, die belastbarer sind und dich entlasten wie auch dein Kind.

Wenn hohe Reizbarkeit zu den Symptomen der Depression gehören, musst du sehr vorsichtig sein, diese nicht an deinem Kind auszulassen. Müdigkeit ist nicht so verletzend wie Gereiztheit im Umgang.

Dass du Krankheitseinsicht hast ist aber schonmal die wichtigste Voraussetzung, denn gereizte Eltern ohne Krankheitseinsicht geben ihrem Kind schnell das Gefühl, eine Last zu sein, was schlimm wäre.

Dieses Thema des Umgangs mit deinem Sohn gehört auch ganz zentral in die Psychotherapie. Und nutze auch Entlastungsangebote bei der Haushaltshilfe, ruf mal bei der Krankenkasse an, was es da gibt oder erkundige dich bei einem sozialen Dienst in deiner Nähe.

Liebe Grüße! maya

29.04.2019 07:56 • x 2 #27


Melli83

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Hallo alle zusammen,

gestern hatte ich wieder einen Termin bei meinem Therapeuten.Er hat mir wieder gesagt ich soll versuchten die opipram weg zu lassen.Bin immer so hin und her gerissen, wenn der Fachmann sagt ich würde auch ohne klar kommen.
Hatte gestern meine fünfte Sitzung und bin auch noch für Mai komplett in Behandlung.
Auf der Suche nach einem richtigen Psychologen, habe ich gestern vorerst aufgegeben. Acht Anrufe und kein Termin, selbst wenn er erst in ein paar Monaten gewesen wäre.Morgen versuche ich erneut mein Glück.
Meine körperlichen Beschwerden machen mir sehr zu schaffen.Diese starken Rückenschmerzen und Druckschmerzen im Magen- und Darmbereich.
Die innere Unruhe ist zwischendurch auch sehr unangenehm. Habe mich dazu entschieden gern eine Reha machen zu wollen.Ich glaube, dass wäre ein guter Weg gerade auch wegen meiner Beschwerden.
Ich wünsche euch einen schönen ersten Mai.

Melli

01.05.2019 12:39 • x 1 #28


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Hoffnung21

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Hallo Melli
Du schreibst, Du bist auf der Suche nach einem Psychologen. Meinst Du damit einen anderen Psychotherapeuten oder einen Psychiater?
Stress Dich deswegen nicht, telefonier ein paar ab und wenn Dir die Energie ausgeht hör auf und mach am nächsten Tag weiter.
Dass Dir Dein Therapeut von Deinem Antidepressiva so abrät ist für mich schwer nachvollziehbar. Du hast es doch schon versucht zu reduzieren. Ich finde es nicht in Ordnung, dass er Dich hier unter Druck setzt. Auf der anderen Seite aber sieht er Dich persönlich und beurteilt die Lage vielleicht anders als wir das hier im Forum können. Ich persönlich würde mal in mich gehen und überlegen ob das Weglassen des Antidepressiva einen Versuch wert ist. Wenn Du das aber nach reiflicher Entscheidung nicht willst, dann würde ich es dem Therapeuten sagen, dass das für Dich im Moment keine Option ist und dass Du da nicht jede Woche darüber diskutieren möchtest, dass Du Dich entschieden hast und es erstmal dabei bleibt. Vielleicht kannst Du ja mal mit Deinem Hausarzt darüber reden, was er meint?
Wie viele Stunden Psychotherapie hast Du denn genehmigt bekommen, wenn Du schreibst der Mai ist voll? Du machst das doch noch gar nicht so lange? Ich mach seit fast 2 Jahren PT.
Das mit der Reha ist eine gute Entscheidung von Dir, bleib da dran. Mir selbst hat die Reha so gut getan, kann es nur empfehlen.
Liebe Grüße
Eis

01.05.2019 14:44 • x 2 #29



Hallo Melli83,

x 4#30


Melli83

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Hallo Eis,

einen richtigen Psychiater.Habe einfach das Gefühl, dass mein Therapeut die Lage völlig falsch einschätzt. Ich bin wirklich kein Typ der sofort etwas in Frage stellt, aber ich finde seine Ratschläge oder Argumentationen so seltsam.
Gestern habe ich ihm zum Beispiel erzählt, dass ich nach der Rückkehr einer Woche von meinen Eltern ggü. meinem Mann keine Liebe empfinden konnte.
Er meinte, dass wäre normal, weil wir uns eine Woche nicht gesehen haben und ich mich deshalb von ihm entfernt habe.
Damit kann ich nicht soviel anfangen. Denn eigentlich vermisse ich ihn ja,wenn ich länger ohne ihn unterwegs bin.
Heute bin ich innerlich fürchterlich unruhig.Ist es eigentlich normal, dass man das Gefühl hat man lebt ein anderes Leben und nichts ist mehr wie es vorher war ?

01.05.2019 20:57 • x 2 #30

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