14

Krankengeld nach Lohnfortzahlung / Krankenkasse ruft an

Greta

Greta

144
8
213
Liebe Forumer*innen,

in diesen Tagen endet die Lohnfortzahlung und ich rutsche ins Krankengeld.

Vorhin rief mich meine Sachbearbeiterin der Krankenkasse an. Eigentlich ja nicht schlimm; nun habe ich wenigstens eine persönliche Ansprechpartnerin.

Sie war sehr freundlich und verständnisvoll, fragte nach meinem Befinden und ob sie etwas für mich tun könne.
Ob ich in Therapie sei und ob ich bei einem Facharzt in Behandlung wäre, da ja stets mein Hausarzt die Arbeitsunfähigkeit ausstellt.
Sie riet mir, den Hausarzt auf die R-Diagnose anzusprechen und ihn zu bitten, künftige AU-Bescheinigungen mit ein F-Diagnose zu versehen. Derzeit schreibt mein Arzt mich ja immer noch auf Müdigkeit/Erschöpfung krank. Da hat sich die Krankenkasse wohl gefragt, warum diese Müdigkeit nach mehr als sechs Wochen immer noch andauert.

Im Gespräch habe ich erzählt, dass ich bereits seit fast 30 Jahren immer wieder in Therapie bin. dass ich meine Arbeitszeit auf Grund der Depri schon verkürzt habe. dass ich mich bisher immer über die Zeit gerettet habe mit flexiblen Arbeitszeiten, Urlaub, Überstundenabbau etc. dass derzeit ein Neurologe meine Erkrankung medikamentös begleitet. dass ich 2019 eine Reha beantragt habe, die mir aber leider nicht genehmigt wurde.
Die Sachbearbeiterin wollte noch wissen, ob es einen konkreten Auslöser für meine Erkrankung gäbe. also Stress im Job oder so. Das habe ich verneint, denn ich denke, dass geht die Krankenkasse nicht wirklich was an, was da in meinem Leben alles so los ist und war.

Wie gesagt, sie war wirklich sehr verständnisvoll, und ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, dass mich da jemand unter Druck setzen will.

Dennoch habe ich im Nachhinein ein bisschen Sorge, dass ich vielleicht zuviel erzählt haben könnte.
Darf die Krankenkasse solche Fragen überhaupt stellen? Oder besser: Haben die ein Recht auf derlei "persönliche" Infos?

Irgendwie bin ich verunsichert.

Was meint ihr zu der ganzen Sache?

Liebe Grüße
Greta



Übrigens: bei meinem Bandscheibenvorfall vor zehn Jahren, als ich beinahe sechs Monate Arbeitsunfähigkeit war, hat sich die Krankenkasse nicht ein einziges Mal telefonisch bei mir gemeldet

12.01.2021 15:38 • x 1 #1


Avatar

michi2879

219
3
346
Das ist leider die neue "Masche" der Kassen.

Mich haben die auch sofort kontaktiert, in dem Fall aber weil meine Cheffin, die mich anschließend prompt rausgeworfen hat, behauptet hat ich wäre nicht Krank.

Da wurde ich dann sofort zum mdk gebeten. Danach haben die alle paar tage angerufen, und schnell erzählt man mal was. Ich habe dann schriftlich daraum gebeten es zu unterlassen mich anzurufen und seit dem habe ich Ruhe vor denen.

Die drängeln mittlerweile ganz ordentlich. Z.B. zur Reha, haben sie bei mir schon zum 2ten mal getan. Die erste war komplett für den Müllkübel, ein Abfertigungsmassenbetrieb. Jetzt lässt sich halt die DRV Zeit, bzw. mein Orthopäde kommt nicht mit dem Befundbericht über'n Deich. Nun müssen Sie die Füße Still halten.

Allein der Begriff "Fallmanager" ...... Neusprech. Leider.

Gruß michi

12.01.2021 15:47 • x 1 #2


Avatar

ZeroOne

615
3
1426
Hallo @Greta !

Leider sind diese Anrufe der Krankenkassen zwischenzeitlich Standard. Und die Sachbearbeiter sind meist freundlich und zuvorkommend, weil sie so viele Informationen wie möglich von dir bekommen wollen, die ihnen dabei helfen, die Leistungen auf ein Minimum zu begrenzen.

Tatsache ist, dass das Krankengeld die Kassen sehr viel Geld kostet und sie daher bemüht sind, einen so schnell wie möglich wieder aus diesem Bezug raus zu bekommen. Sei es, dass man wieder arbeitet, oder die Bezüge über eine andere Schiene laufen (z.B. DRV).

Dazu und zu den "freundlichen Anrufen" der Krankenkasse findest du aber schon sehr viele Erfahrungsberichte hier im Forum.

In der Regel wird versucht, dass du schnellstens eine Reha beantragst - dabei bietet man großzügig Unterstützung an. Häufig schreibt einen der MDK einfach "nach Aktenlage" wieder arbeitsfähig. Mit etwas Glück erhält man noch einen Termin bei einem begutachtenden Arzt - was an der Feststellung der Arbeitsfähigkeit aber meist auch nicht viel ändert.

Leider alles nicht so rosig...

Gut ist (so war meine Erfahrung), wenn du Fachärzte hast, die den Sch**** nicht vor der Kasse einziehen und dich entsprechend unterstützen und auch, wenn du der Kasse bereits vereinbarte Termine präsentieren kannst. Ich stand z.B. auf der Warteliste einer psychosomatischen Klinik - insofern mussten sie still halten und weiter bezahlen.

LG
ZeroOne

12.01.2021 15:49 • x 1 #3


Greta

Greta

144
8
213
Zitat von michi2879:
Mich haben die auch sofort kontaktiert, in dem Fall aber weil meine Cheffin, die mich anschließend prompt rausgeworfen hat, behauptet hat ich wäre nicht Krank.


Das verstehe ich ja dann noch irgendwie.
Würde mein Chef aber nie machen.

Zitat von ZeroOne:
In der Regel wird versucht, dass du schnellstens eine Reha beantragst - dabei bietet man großzügig Unterstützung an.


Ja, das Reha-Thema hat sie tatsächlich angesprochen. Jetzt schon!
Aber da konnte ich mit meinem vergeblichen Reha-Antrag von 2019 punkten.

Zitat von ZeroOne:
wenn du der Kasse bereits vereinbarte Termine präsentieren kannst


Klingt logisch.

Zitat von ZeroOne:
Dazu und zu den "freundlichen Anrufen" der Krankenkasse findest du aber schon sehr viele Erfahrungsberichte hier im Forum.


Danke. Die forsche ich nachher mal durch.

12.01.2021 16:05 • #4


Avatar

Albarracin

Experte
1382
24
583
Experte

13.01.2021 09:13 • x 2 #5


Greta

Greta

144
8
213
Hallo Zusammen,

Zitat von Albarracin:
Dabei könnte es sich vielöleicht um einen üblen Trick handeln, durch entsprechenden Diagnoseschlüssel anrechenbare "Vorerkrankungszeiten" zu generieren, die den aktuellen Krankengeldanspruch zeitlich reduzieren.


Das verstehe ich nicht ganz. Kannst du mir das ein bisschen näher erklären?

Zitat von Albarracin:
Allerdings ist mir gerade nicht ganz klar, was Du mit "R"- und "F"-Diagnose meinst


Derzeit bin ich mit R53 G krankgeschrieben. Dieser ICD steht für "Erschöpfung und Müdigkeit".
Mein Therapeut spricht allerdings von eine rezidivierenden mittelgradigen Depression, also F33 o.ä.

Ist es wirklich so, dass die Sachbearbeiter der Krankenkasse es grundsätzlich nur darauf anlegen, uns irgendwie auszutricksen?
Das mag ich fast nicht glauben; wäre ja furchtbar
Es ist doch auch im Interesse der Krankenkasse, dass ich dauerhaft wieder gesund werde.
Was haben die davon, wenn ich z.B. zu früh wieder arbeiten gehe und dann nach einem halben Jahr erneut zusammenklappe? Wieder Arztkosten, Medikamente, Therapiestunden, Krankengeld... Das kann doch nicht das Ziel der Krankenkasse sein
Natürlich will gut überlegt sein, was man der Sachbearbeiterin am Telefon erzählt.
Aber darüber, dass ich zum Therapeuten gehe, Medikamente nehme etc., kann man doch reden... oder besser nicht?
Ich denke, ein guter freundlicher Kontakt zur Sachbearbeiterin kann doch nicht verkehrt sein?

Vor einigen Jahren war meine Tochter lange Zeit wegen psychischer Probleme erkrankt.
Da gab es auch ab und zu mal Rückfragen der Krankenkasse; hauptsächlich zu "organisatorischen" Dingen.
Meine Tochter hat das jedes Mal so aus der Spur gebracht, dass ich mich irgendwann mit der Sachbearbeiterin in Verbindung gesetzt habe und sie bat, sich bei Fragen künftig an mich zu wenden. Die SB hatte vollstes Verständnis und hat in der Folge dann die Dinge immer mit mir geklärt.
Damals wurde das Krankengeld stets pünktlich gezahlt und es hat auch nie jemand versucht, meine Tochter wieder zur Arbeit zu drängen oder ähnliches.

Hat jemand auch mal positive Erfahrungen mit der Krankenkasse gemacht?

Es grüßt
Greta

13.01.2021 11:55 • #6


Avatar

bones

633
5
475
Ja ich habe positive Erfahrungen mit der Krankenkasse gemacht. Da gab es nie Probleme, ganz im Gegenteil. Sehr kompetent und denke man sollte das nicht immer negativ auffassen, nur weil andere es leider anders erlebt haben. Das rechtfertigt noch lange nicht, dass es immer so sein muss.

13.01.2021 12:58 • x 2 #7


Greta

Greta

144
8
213
Nun hat mir die Krankenkasse einen Fragebogen zur Arbeitsunfähigkeit geschickt, den ich ausfüllen soll.

Da gibt's z.B. die Frage nach meinen jetzigen Beschwerden und Funktionseinschränkungen, und ich frage mich schon, wozu die das brauchen

Und dann die Frage nach dem voraussichtlichen Zeitpunkt meiner Arbeitsfähigkeit... das weiß ich doch jetzt noch nicht

Dazu diverse Einverständiserklärungen ... dass die Krankenkasse mich zu Leistungen und Angeboten zur Wiederherstellung meiner Arbeitsfähigkeit beraten darf ... Schweigepflichtentbindung meiner Ärzte / Therapeuten ...

Kann ich da was falsch machen?

Es grüßt
Greta

13.01.2021 13:44 • x 1 #8


Avatar

ZeroOne

615
3
1426
Zitat von Greta:
Kann ich da was falsch machen?


Ich habe damals immer Rücksprache mit meiner Hausärztin und den Fachärzten gehalten und sogar ggf. von denen ausfüllen lassen, wenn Anfragen und Formulare von der Krankenkasse und der DRV kamen. Aber ob die das immer richtig machen, ist die andere Frage...

Generell sollte man mit Schweigepflichtentbindungen vorsichtig sein (auch gegenüber der Krankenkasse). Wenn, dann nur für die bestimmte Krankheit, einen bestimmten Arzt und einen bestimmten Zeitraum.

Aber am besten wartest du mal ab, ob sich @Albarracin nochmals meldet. Der kennt sich rechtlich aus und kann es verbindlich auf den Punkt bringen.

LG
ZeroOne

13.01.2021 15:01 • x 2 #9


Avatar

michi2879

219
3
346
Hi,

dazu habe ich das gefunden:

Wer krankgeschrieben ist, erhält von seiner Krankenkasse oft einen "Selbstauskunftsbogen" mit medizinischen und persönlichen Fragen. Zulässig ist das meistens nicht. Deswegen sollten Betroffene ihre Daten keinesfalls gutgläubig der Kasse zur Verfügung stellen. Denn das kann Folgen haben.

https://www.vdk.de/rheinland-pfalz/page...scc=essenc

Wenn Du einen VDK in Deiner nähe hast lass Dich da beraten. Dieses Spielchen hat man ausnahmsweise nicht mit mir getrieben.

gruß michi

13.01.2021 19:10 • x 1 #10


Avatar

Eis

1748
10
3775
Hallo Greta,
An einen Selbstauskunftsbogen kann ich mich nicht erinnern, ich glaube nicht, dass man das ohne weiteres ausfüllen sollte. Lass es doch erstmal liegen, bis nochmal nachgefragt wird.

Bei meiner 1. langen Arbeitsunfähigkeit hat sehr selten jemand von der Krankenkasse angerufen. Mein damaliger Neurologe hat mir geraten, zu sagen, dass es mir nicht gut geht und dass sie sich für weitere Auskünfte an den behandelnden Arzt wenden sollen.

Bei der jetzigen Arbeitsunfähigkeit (jetzt 6 Monate) hatte ich ca. 3 Anrufe. Die wollten nur hören, dass man in Behandlung und beim Facharzt ist, evtl. noch eine Reha "aufschwatzen". Die wollen Druck aufbauen, dass sie möglichst kurz Krankengeld zahlen müssen.

Ansonsten einfach sagen, dass es dir gerade nicht so gut geht. Mehr nicht.

VG Eis

13.01.2021 20:38 • x 1 #11


Greta

Greta

144
8
213
Hallo @albarracin,

Zitat von Albarracin:
Dabei könnte es sich vielöleicht um einen üblen Trick handeln, durch entsprechenden Diagnoseschlüssel anrechenbare "Vorerkrankungszeiten" zu generieren, die den aktuellen Krankengeldanspruch zeitlich reduzieren.


in einem alten Thread habe ich folgenden Satz von dir gefunden:

Zitat von Albarracin:
Ist es eine andere Diagnose, gibt es sowieso erst mal wieder LFZ.


Nun geht mir ein Licht auf!
Ist ja klar!
Wenn mein Hausarzt die Diagnose ändert, ist erstmal wieder der Arbeitgeber mit Lohnfortzahlung dran.
Gar nicht so dumm, was meine Sachbearbeiterin von der Krankenkasse da vorgeschlagen hat
Frechheit

14.01.2021 13:31 • #12


Avatar

michi2879

219
3
346
das stimmt tatsächlich:

Legen sie nach sechs Wochen erneut ein Attest vor, können sie wieder Lohnfortzahlung bekommen. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um eine neue Erkrankung handelt, die in keinem Zusammenhang mit der vorherigen steht. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hin.

das sind dann aber schon ganz schöne Tricksereien die am Ende dann dazu führen können das die Kasse Dir gar kein Krankengeld zahlt. Weil nicht mit jeder Diagnose auch am Ende langfristige Kranschreibungen möglich sind. Je nachdem schreibt Dich dann der Mdk nach Aktenlage gesund.

Ich würde mich darauf nicht einlassen. Hat mein Arzt auch zu mir gesagt, immer darauf achten worüber das Kranekgeld läuft.

Letztlich sind die nicht "nett" die wollen einen einfach nur loswerden.

gruß michi

14.01.2021 13:37 • x 1 #13


Avatar

sinje

21
1
19
Hallo, das ist alles nicht so einfach: Es ist eine hinzugetretene noch dazu im Zusammenhang stehende Erkrankung! Wenn du dazwischen nicht wieder gesund warst. Du bleibst im Krankengeld. Die Diagnose spielt eine Rolle bei der Zeit bzw. Blockfrist für die Dauer des Krankengeldes. Oft gehören zu einer Erkrankung verschiedene Diagnosen. Also alles nicht so einfach. Am besten die Sachbearbeiterin fragen, warum sie dazu geraten hat... Lg Sinje

Gestern 19:22 • #14


Avatar

Albarracin

Experte
1382
24
583
Experte

Vor 5 Minuten • x 1 #15

Pfeil rechts