Kinderwunsch und Depressionen - ein Teufelskreis

Corydora

Hallo zusammen,

nachdem ich hier nun schon zwei Wochen registriert bin, möchte ich etwas zu mir schreiben.

Ich bin weiblich, 33 Jahre alt und verheiratet.

Seit meinem 20. Lebensjahr war ich immer wieder in psychologischer Behandlung (bisher insgesamt 3 x). Die Gründe für die Behandlungen waren Depressionen sowie div. Angststörungen. Zeitweise habe ich Medikamente eingenommen (Citalopram und Zoloft).

Vor fast 5 Jahren lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Wir heirateten Ende 2009. Kurz nach der Hochzeit ging es in meinem Leben rapide bergab: Mein Vater starb plötzlich und unerwartet, kein halbes Jahr später mein Onkel nach kurzer, heftiger Krankheit. Ich musste meine Ausbildung abbrechen wg. starker psychischer Probleme, Burn-Out, Schlaflosigkeit etc. Mein geliebter Kater wurde überfahren (für mich war er viel mehr als „nur“ eine Katze...). Die zweite Katze erkrankte kurz darauf an Krebs. Noch lebt sie, aber die Prognose ist sehr schlecht. Das Arbeitsamt übte schließlich großen Druck auf mich aus und vermittelte mich in eine Umschulung für einen Beruf, der mir überhaupt nicht gefällt.

Das alles belastet mich schon sehr und ich habe ganz schön daran zu knabbern…

Erschwerend kommt jetzt noch folgendes hinzu:
Mein Mann und ich wünschen uns Kinder. Leider mussten wir feststellen, dass es auf natürlichem Weg nicht klappen wird. Wir machten eine kostspielige und körperlich für mich belastende Kinderwunschbehandlung durch (ICSI, falls das jemandem etwas sagt. Es handelt sich um eine Reagenzglasbefruchtung). Leider war sie erfolglos. Nach langem Hin und Her – es ist uns wirklich nicht leicht gefallen – haben wir uns für eine Behandlung mit Spendersamen entschieden, die wir nun bereits zweimal haben durchführen lassen. Ebenfalls erfolglos. Nun sind die Ärzte so langsam der Meinung, dass es an der Zeit wäre, bei mir weiterführende Untersuchungen durchzuführen, genauer gesagt: Eine Bauchspiegelung, gekoppelt mit Gebärmutterspiegelung und Eileiterdurchlässigkeitsprüfung.
Meine „Psycho-Medikamente“ musste ich schon vor Beginn der Kinderwunschbehandlung absetzen.

Mir geht es zur Zeit sehr, sehr schlecht. Ich bin stark depressiv, unsere Ehe leidet bereits darunter. Ich sehe keinen Sinn mehr im Leben. Ich leide unter der ungewollten Kinderlosigkeit. Jedes Mal, nach jedem Behandlungsversuch, habe ich riesige Hoffnung, dass es doch diesmal endlich geklappt haben muss. Umso schlimmer dann wieder die Enttäuschung. Dann kommt die Angst, niemals Kinder zu haben. Dann die Hoffnungslosigkeit. Und zeitweise kam das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit dazu, wo ich mein (Weiter)Leben in Frage stellte.
Mein Mann – glücklicherweise ein psychisch sehr stabiler Mensch – zeigt sich bisher relativ geduldig, verständnisvoll und stark. Aber zeitweise ist ihm auch schon mal der Kragen geplatzt.

Ein weiterer „Zankapfel“:
Ich sehe mittlerweile die einzige Möglichkeit, uns unseren Kinderwunsch zu erfüllen, in einer Leihmutterschaft. Da das in Deutschland verboten ist und ich auch keine Gesetze brechen möchte, wäre für mich der dauerhafte Umzug in ein Land, in dem die Leihmutterschaft gesetzlich gestattet ist, der einzige Weg, doch noch eine Familie zu sein. Selbstverständlich mit allen Konsequenzen, d. h. auch der Annahme der Staatsbürgerschaft des entsprechenden Landes.

Bei meinem Mann beiße ich damit total auf Granit. Er will nicht weg von hier, weg von seiner Verwandtschaft, seinen Kumpels, seinem Arbeitsplatz. Wenn ich das Wort „Trennung“ in den Mund nehme – was ja nun die einzige Lösung für unser Problem wäre – tickt er total aus, fängt an zu schreien, zu toben und will nicht, dass ich gehe. Irgendwann nach einem mehr oder weniger langen Streit, nimmt er mich dann wieder in die Arme und dann ist´s für den Moment wieder gut… bis zum nächsten Streit.
Tatsache ist (das sagen auch die Ärzte): Wir haben hier in Deutschland noch nicht alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, die die Kinderwunschkliniken in Petto haben. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen meines Mannes, er will hier weiterhin die Behandlungen durchführen lassen und glaubt felsenfest daran, dass es früher oder später klappen wird.

Tatsache ist aber auch: Ich bin schon jetzt psychisch am Ende. Körperlich vertrage ich die Behandlungen und Medikamente ganz gut, spreche auch medizinisch gut an. Aber psychisch bin ich fix und fertig. Schaffe keine weiteren Behandlungen mehr, weil ich nach jedem „Negativ“ in schwere Depressionen verfalle. Psychopharmaka darf ich lt. Kindewunsch-Docs überhaupt keine nehmen.

Irgendwie weiß ich gerade gar nicht mehr weiter.

Grüße
Corydora

20.08.2011 00:28 • #1


Serafina

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Hallo Corydora,

auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Willkommen.

Mir stellt sich die Frage, ob du überhaupt in der Lage bist mit einem Kind klarzukommen?

Aufgrund der Schilderung deines psychischen Zustandes bezweifele ich das.

Meinst du, mit einer Schwangerschaft lösen sich deine Probleme? Oder habe ich da was falsch verstanden?

Serafina

20.08.2011 10:07 • #2


Corydora

Hallo Serafina,

vielen Dank für deinen Willkommensgruß & deine Antwort.

Warum bezweifelst du, dass ich in der Lage bin, mit einem Kind klar zu kommen? Kannst du das etwas konkreter formulieren?

Ehrlich gesagt macht mich dein Posting gerade ziemlich wütend, sorry, wenn ich da etwas in den falschen Hals bekommen haben sollte.

Wir haben beide sehr viel Liebe zu geben und ich bezweifle in keinster Weise, dass sich ein Kind bei uns sehr wohl fühlen würde!!

Wenn aber dieser Herzenswunsch nicht in Erfüllung gehen will, wenn frau sich allmonatlich mit Medikamenten zubombt, die Nebenwirkungen tapfer erträgt und allmonatlich hofft und hofft und dann doch wieder ein „negativ“ kassiert, dann kann das ganz schön zermürbend sein auf Dauer. Vor allem dann, wenn kein Arzt sagen kann, WARUM es nicht klappen will. Aber wahrscheinlich ist das hier das falsche Board, um dieses Problem zu besprechen. Eine Frau, die diesen Behandlungsmarathon nicht selbst mitgemacht hat, kann wahrscheinlich NIEMALS verstehen, wie sich eine Frau in den Mühlen der Kinderwunschbehandlung fühlt! Mit der Angst im Nacken, dass es niemals klappen wird.

Nein, eine Schwangerschaft löst nicht alle Probleme. Aber die beste Prophylaxe gegen psychische Probleme ist ein erfülltes Leben, finde ich.
„Erfülltes Leben“ definiert sicher jeder anders. Ich selbst habe relativ „bescheidene Ziele“, finde ich: Ein Haus, ein erfüllender Job, eine Familie. Das wär´s.

Grüße
Corydora

20.08.2011 12:35 • #3


GastAccount

Zitat von Corydora:
Vor allem dann, wenn kein Arzt sagen kann, WARUM es nicht klappen will.


Das lässt mich jetzt aber stutzen. Wenn keine organische Ursache vorliegt, warum dann die ganzen künstlichen Befruchtungen?

Zitat von Corydora:
Ich selbst habe relativ „bescheidene Ziele“, finde ich: Ein Haus, ein erfüllender Job, eine Familie. Das wär´s


Finde ich ehrlich gesagt, gar nicht bescheiden. Du willst sozusagen das volle Programm. Z.B. nicht nur einen Job, sondern gleich auch ein erfüllender Job. Und dann die vollständige Familie. Das ist schon ganz schön viel. Der Großteil der Menschheit in diesem Land hat das nicht. Für die ist ein bescheidendes Ziel z.B. genug zum Leben zu haben, ohne von anderen abhängig zu sein.

Ich glaube du versteifst dich viel zu sehr darauf, dass ein Kind dein Leben erfüllen könnte. Das sollte nicht der Grund sein Kinder zu bekommen. Kinder sind nicht für das Seelenheil ihrer Eltern verantwortlich und sie sind auch nicht ein Lückenfüller. Sie sind eine Leihgabe, die den Eltern für eine befristete Zeit gegeben wurde. Die Eltern haben dann die Aufgabe das Kind zu begleiten, bis es in der Lage ist ein eigenes Leben zu führen. Kinder sind nicht dazu du die Eltern glücklich zu machen, sondern umgekehrt.

Ich glaube die Natur hat für vieles bestimmte Gründe. Wenn jemand so labil ist wie du, und das auch schon so lange (also wenn ich das richtig lese seit 13 Jahren), dann ist es vielleicht einfach noch nicht Zeit für ein Kind. Es gibt Studien darüber, dass in Krisenzeiten (z.B. während eines Krieges) die Geburtenrate rapide absinkt, einfach weil der Körper in diesen Krisenzeiten auf Sparflamme stellt. Denn schließlich ist es von der Natur so vorgesehen, dass nur die Stärksten überleben. Und stark kann ein Kind nur in einer gesunden Umgebung aufwachsen mit gesunden Eltern. Ich will damit sagen, dass deine Kinderlosigkeit möglicherweise eine psychische Ursache hat, die erstmal betrachtet werden sollte, vor allem im Hinblick darauf, dass organisch anscheinend ja alles in Ordnung ist.

20.08.2011 13:13 • #4


Serafina

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Zitat:
Warum bezweifelst du, dass ich in der Lage bin, mit einem Kind klar zu kommen? Kannst du das etwas konkreter formulieren?

Ehrlich gesagt macht mich dein Posting gerade ziemlich wütend, sorry, wenn ich da etwas in den falschen Hals bekommen haben sollte.

Wir haben beide sehr viel Liebe zu geben und ich bezweifle in keinster Weise, dass sich ein Kind bei uns sehr wohl fühlen würde!!


Genau deswegen:

Zitat:
Finde ich ehrlich gesagt, gar nicht bescheiden. Du willst sozusagen das volle Programm. Z.B. nicht nur einen Job, sondern gleich auch ein erfüllender Job. Und dann die vollständige Familie. Das ist schon ganz schön viel. Der Großteil der Menschheit in diesem Land hat das nicht. Für die ist ein bescheidendes Ziel z.B. genug zum Leben zu haben, ohne von anderen abhängig zu sein.

Ich glaube du versteifst dich viel zu sehr darauf, dass ein Kind dein Leben erfüllen könnte. Das sollte nicht der Grund sein Kinder zu bekommen. Kinder sind nicht für das Seelenheil ihrer Eltern verantwortlich und sie sind auch nicht ein Lückenfüller. Sie sind eine Leihgabe, die den Eltern für eine befristete Zeit gegeben wurde. Die Eltern haben dann die Aufgabe das Kind zu begleiten, bis es in der Lage ist ein eigenes Leben zu führen. Kinder sind nicht dazu du die Eltern glücklich zu machen, sondern umgekehrt.

Ich glaube die Natur hat für vieles bestimmte Gründe. Wenn jemand so labil ist wie du, und das auch schon so lange (also wenn ich das richtig lese seit 13 Jahren), dann ist es vielleicht einfach noch nicht Zeit für ein Kind. Es gibt Studien darüber, dass in Krisenzeiten (z.B. während eines Krieges) die Geburtenrate rapide absinkt, einfach weil der Körper in diesen Krisenzeiten auf Sparflamme stellt. Denn schließlich ist es von der Natur so vorgesehen, dass nur die Stärksten überleben. Und stark kann ein Kind nur in einer gesunden Umgebung aufwachsen mit gesunden Eltern. Ich will damit sagen, dass deine Kinderlosigkeit möglicherweise eine psychische Ursache hat, die erstmal betrachtet werden sollte, vor allem im Hinblick darauf, dass organisch anscheinend ja alles in Ordnung ist.


Und wenn du hier öffentlich postest, dann rechne bitte auch damit, dass nicht alle der gleichen Meinung sind. Ich verstehe deinen Kinderwunsch sehr gut, auch ich habe das durchlebt. Mit allen Hochs und Tiefs. Ich weiss also wovon du schreibst. Doch stellst du Ansprüche ans Leben, die eben nicht normal sind. Heile Familie, Haus, Job usw. sind eben nicht die Regel und wir haben keinen Anspruch darauf, wo steht das?

Zitat:
Wenn aber dieser Herzenswunsch nicht in Erfüllung gehen will, wenn frau sich allmonatlich mit Medikamenten zubombt, die Nebenwirkungen tapfer erträgt und allmonatlich hofft und hofft und dann doch wieder ein „negativ“ kassiert, dann kann das ganz schön zermürbend sein auf Dauer. Vor allem dann, wenn kein Arzt sagen kann, WARUM es nicht klappen will. Aber wahrscheinlich ist das hier das falsche Board, um dieses Problem zu besprechen. Eine Frau, die diesen Behandlungsmarathon nicht selbst mitgemacht hat, kann wahrscheinlich NIEMALS verstehen, wie sich eine Frau in den Mühlen der Kinderwunschbehandlung fühlt! Mit der Angst im Nacken, dass es niemals klappen wird.


Doch, das haben viele durch, ich auch.

Serafina

20.08.2011 13:36 • #5


Martina

Martina

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Zitat von Corydora:
Eine Frau, die diesen Behandlungsmarathon nicht selbst mitgemacht hat, kann wahrscheinlich NIEMALS verstehen, wie sich eine Frau in den Mühlen der Kinderwunschbehandlung fühlt! Mit der Angst im Nacken, dass es niemals klappen wird.
Ich weiß wie man sich da fühlt, weil ich es auch eine zeitlang erlebt habe. Die Angst, dass es niemals klappen wird, hat jedes Paar, das dort vorspricht.
Ich finde Deine Einstellung dazu trotzdem zeimlich extrem. Die Ursache ist nicht bekannt und es sind noch nicht alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Trotzdem denkst Du daran, dafür sogar auszuwandern. Ich glaube, Du möchtest mit der Brechstange daran. Ich glaube nicht, dass das so gut ist. Glaube nicht, dass ich Dich nicht verstehe. Ich weiß, wie sehr der (unerfüllte) Kinderwunsch das ganze Denken und Fühlen in Anspruch nimmt. Leider liegt genau da meistens das Problem. Aber man kann es nicht abschalten.

Ich bin schon seit langer Zeit der Meinung, dass es seinen Grund hat, wenn der Körper eine Schwangerschaft nicht zuläßt. Bei mir hat es sich im Nachhinein jedenfalls bewahrheitet.

20.08.2011 13:38 • #6


Corydora

Hallo ,

wir sind ursprünglich wg. meinem Mann in Kinderwunschbehandlung.
Er hat eine Krebserkrankung hinter sich und die Chemo hat das spermienproduzierende Gewebe stark geschädigt.
So stark, dass sogar nur operativ Spermien gewonnen werden konnten (sog. TESE).
Diese hatte übrigens zur Folge, dass die Hormonwerte meines Mannes noch weiter in den Keller gingen und er nun lebenslänglich mit Hormonmedikamenten wird substituieren müssen. Das heißt auch: Eine zweite OP dieser Art wird es aus gesundheitlichen Gründen nicht geben. Wir werden keine weiteren Proben gewinnen können.

Weil nur so wenige Spermien gewonnen werden konnten und dafür auch noch Hodengewebe entnommen werden musste, war die einzige Behandlung, die wir durchführen konnten, die sog. ICSI.
Das heißt: Ich (körperlich lt. Ärzten völlig gesund) musste meine Eierstöcke mit Hormonspritzen aufs Maximum stimulieren, um so viele Eizellen wie möglich heranreifen zu lassen. Du musst nämlich wissen, dass das Hodengewebe meines Mannes eingefroren wurde und die Anzahl der gewonnenen Spermien nur für 3 bis max. 4 ICSIS reicht. Und auch nur dann, wenn die Eizellanzahl möglichst hoch ist. Es wird dann pro Eizelle unterm Mikroskop ein Spermium eingespritzt. Nur so können wir gewährleisten, dass wir die wenigen Spermien, die wir haben, nicht unnötig "verschwenden".
Naja, ich schweife ab: Jedenfalls: Während eine Frau in einem normalen Zyklus eine, max. zwei Eizellen "produziert", wurden aus meinem Körper mal eben in einem Monat 21 (!!) Eizellen "herausgekitzelt", die per Punktion aus den Eierstöcken gewonnen werden mussten (Vollnarkose, OP).
Dass frau sowas auch körperlich "spürt", kannst du mir glauben!!!

Leider ließen sich von den 21 nur 7 befruchten. Davon entwickelten sich nur 2 weiter und die wurden mir dann eingesetzt. Um eine Schwangerschaft zu fördern, wurde ich weiterhin bis Oberkante Unterlippe mit Hormonen (Progesteron) zugebenzt und zwar in nicht ganz unerheblichen Dosen. Leider überlebten auch die zwei implantierten Embryonen nicht lange genug, um eine Schwangerschaft entstehen zu lassen. Ich glaube (nein, ich WEISS), dass eine Frau, die sowas niemals mitgemacht hat, nicht den Hauch einer Ahnung hat, wie belastend eine solche Behandlung ist! Ich hätte es vorher ja auch nicht geglaubt.

Nach der gescheiterten ICSI wollte und konnte ich nicht mehr (psychisch). 3 Monate Pause wurden mir von den Ärzten verordnet, damit der Körper überhaupt mal wieder in die Spur kommen konnte, nach dieser Behandlung. Danach sollte es direkt wieder weitergehen, mit gleicher Hormonstimulation. Das habe ich verweigert. Dann haben mein Mann und ich uns für die Samenspende entschieden. Problem hierbei: Die Spermien müssen für mindestens 6 Monate eingefroren werden (solange ist die Inkubationszeit für HIV). Erst nach einem nochmaligen negativen Bluttest des Spenders werden die Proben freigegeben. Nach dieser langen Zeit des Einfrierens sind leider die Spermien nicht mehr so lange überlebensfähig im Körper (max. 24 Stunden, während "Frischmaterial" sich bis zu fünf Tage hält)und bewegen sich auch nicht mehr so schnell. Das heißt für mich: Wieder die Eierstöcke stimulieren, damit mehrere Eizellen heranreifen und die Chance auf eine Schwangerschaft sich erhöht. Zwar musste ich nicht mehr so stark stimulieren, wie bei der ICSI, aber wenn dir 2 Monate hintereinander je 4 Eizellen heranreifen und du nach den Inseminationen wieder Hormone nehmen musst, um den Eintritt einer Schwangerschaft zu begünstigen, spürst du trotzdem etwas, glaub mir...

20.08.2011 14:19 • #7


Corydora

Wobei - ich wiederhole mich - die schlimmsten Schmerzen sind nicht die körperlichen.
Trotzdem habe ich schon jetzt mehrere Schmerzen aushalten müssen, als eine gesunde Frau während ihrer ganzen Schwangerschaft (das haben mir mehrere Freundinnen bestätigt, die das Glück hatten, auf normalem Wege schwanger werden zu können).
Da bis jetzt die Behandlungen erfolglos waren, steht demnächst bei mir eine Bauchspiegelung mit Gebärmutterspiegelung und Eileiterdurchlässigkeitsprüfung auf dem Programm. Also wieder OP unter Vollnarkose mit all ihren Risiken. Dabei - das sagen selbst die Ärzte - glauben sie nicht einmal, dabei etwas zu finden. Es geht nur um die minimale Wahrscheinlichkeit, dass dort doch noch etwas ist, was der "Normal-Ultraschall" nicht entdeckte und dass man meinen Körper nicht evtl. weiterhin sinnloserweise mit Hormonbomben zubenzt.
Mir stellt sich so langsam aber sicher die Frage: Wie lange und wie intensiv muss ich meinen Körper eigentlich noch malträtieren, bis ich an das Ziel komme, das die meisten anderen mühelos erreichen?

Zu deinen anderen Ausführungen ( es ist noch nicht die Zeit für ein Kind, psychische Ursachen für die Sterilität usw.) schreibe ich mal lieber nichts, sondern verweise auf eine Studie, die belegt, dass psychischer Stress keinen Einfluss auf den Eintritt einer Schwangerschaft hat.

Diese Art von "Schuldgefühlen" á la: Bist selber schuld, weil du labil bist, entspann doch mal, mach mal Urlaub, bla, sülz. habe ich schon lange hinter mir.
Demnach dürften durch Vergewaltigungen oder bei unreifen Teenies auch keine Schwangerschaften entstehen.

Meine Ziele sind nicht hochtrabender als die meiner Mitmenschen in meinem Lebensumfeld. Und ich würde sogar soweit gehen zu sagen: Sie sind völlig normal, sonst wäre die Menschheit bereits ausgestorben.
Der Kinderwunsch ist immer ein Stückweit auch ein egoistischer, das ist in unserem "genetischen Bauplan" so angelegt.

Ach ja, bzgl. psychischer Labilität: Stimmt, ich war deutlich vorbelastet diesbezüglich und natürlich hat mir auch das Absetzen der Medikamente überhaupt nicht gut getan (ich war SEHR gut eingestellt). Ich möchte aber andererseits denjenigen sehen, der innerhalb kurzer Zeit so viele Schicksalsschläge verarbeiten muss wie ich (siehe oben), der zudem noch ständig die Angst hat, dass der eigene Lebenspartner einen Rückfall haben könnte (seine Vorerkrankung war ja nun auch nicht gerade harmlos), der unter dem unerfüllten Kinderwunsch leidet, auch unter den Nebenwirkungen der starken Hormon-Medikamente, der tagtäglich in eine Arbeit geht, die ihn ank****, die er aber trotzdem macht, weil er sie eben machen muss, der sich ständig Vorwürfen stellen muss von seinem Partner á la: "Warum machst du nicht die nächste ICSI, wofür hab ich mich eigentlich operieren lassen" usw. UND den das alles kalt lässt! Ich behaupte: Selbst ein psychisch stabiler, unbelasteter Mensch hätte DARAN zu knabbern!

Viele Grüße
Corydora

20.08.2011 14:19 • #8


Martina

Martina

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Zitat von Corydora:
Ich möchte aber andererseits denjenigen sehen, der innerhalb kurzer Zeit so viele Schicksalsschläge verarbeiten muss wie ich (siehe oben),
Liebe Corydora, siehe Forum! Das Forum ist voll von Schicksalsschlagen. Was schlimm ist und was nicht schlimm ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Das kommt ja auch immer auf das persönliche Empfinden der Einzelnen an. Hier hat jeder so sein Päckchen zu tragen.

Was Du mit Deinem Mann durchmachst, ist mit Sicherheit Eure perönliche Hölle. Ob andere das vestehen können oder nicht sei einfach mal dahin gestellt. Ist auch nicht wichtig. Für EUCH ist es schlimm, sehr schlimm.

Wie könnte es denn jetzt weitergehen? Nicht, was den Kinderwunsch angeht. Da können wir hier fachlich nicht weiterhelfen. Wie könnte es bezüglich der Depressionen und der Ängste, von denen Du schreibst, weitergehen? Denn mal angenommen, es klappt trotz allem nicht mit einer Schwangerschaft, sollte es ja einen Weg geben, die psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Hast Du da eine Idee?

20.08.2011 14:37 • #9


Corydora

Hallo Serafina,

ich rechne nicht damit, dass alle meiner Meinung sind.

Was ich nur irgendwie… ganz schön heftig… finde ist die Tatsache, dass meine Fähigkeit zur Mutterschaft angezweifelt wird!

Dass du selbst in Kinderwunsch-Behandlung warst, tut mir sehr leid! Mir tut – spätestens seit ich selbst in dieser Spirale drin bin – JEDE/R leid, der das mitmachen muss!!

Was meine Lebensziele angeht, bin ich halt einfach anderer Meinung: Es sind dieselben Ziele, die 99% der Mitmenschen in meinem Umfeld auch haben. Demnach lebe ich wohl in einem nicht-normalen Umfeld, ok, damit kann ich leben. Normal war ich ja noch nie…

Dass ich diese Lebensziele habe und sie verfolge heißt ja nicht, dass ich gleichzeitig der Meinung bin, einen Anspruch darauf zu haben. Wie kommst du darauf?

Grüße
Corydora

20.08.2011 14:40 • #10


Corydora

Hallo Martina,

tut mir leid, dass auch du/ihr diese Probleme hattest/hattet.

Ja, ich würde für mein Wunschkind sogar auswandern, so stark ist der Kinderwunsch!

Grüße
Corydora

20.08.2011 14:58 • #11


Serafina

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Hallo Corydora,

Zitat von Corydora:
Hallo Serafina,

ich rechne nicht damit, dass alle meiner Meinung sind.

Was ich nur irgendwie… ganz schön heftig… finde ist die Tatsache, dass meine Fähigkeit zur Mutterschaft angezweifelt wird!

Dass ich diese Lebensziele habe und sie verfolge heißt ja nicht, dass ich gleichzeitig der Meinung bin, einen Anspruch darauf zu haben. Wie kommst du darauf?



Dazu habe ich mich ja schon geäußert, bezügl. anderer Meinung usw. Mit Anspruch meinte ich, den Anspruch auf heile Familie, Haus, Job etc. Diesen Anspruch haben wir leider nicht. Wenn du dich jedoch zu diesem Kreis der Auserwählten zählst, Glückwunsch.

Zitat von Corydora:
Aber psychisch bin ich fix und fertig.


Und genau deshalb meine Äußerung. Du schreibst, dass du seit 13 Jahren unter Depressionen und einer Angststörung leidest. Da stellt sich mir als Leserin die Frage, ob du es überhaupt kräftemäßig bewältigen kannst, ein Kind zu bekommen und den anfänglichen Streß auszuhalten. Ein anderer Wunsch wäre, erst die Krankheit besiegen und dann den Kinderwunsch in die Tat umsetzen.

Ich bleibe dabei und wenn ich dir zu nahe getreten bin, sorry. Das ist halt meine Meinung. Und indem du hier postest, stellst du deinen Beitrag zur Diskussion.

Serafina

20.08.2011 16:13 • #12


Corydora

Zitat von Martina:
Wie könnte es denn jetzt weitergehen? Nicht, was den Kinderwunsch angeht. Da können wir hier fachlich nicht weiterhelfen. Wie könnte es bezüglich der Depressionen und der Ängste, von denen Du schreibst, weitergehen? Denn mal angenommen, es klappt trotz allem nicht mit einer Schwangerschaft, sollte es ja einen Weg geben, die psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Hast Du da eine Idee?


Hallo Martina,

wenn ich wüsste, wie ich meine psychischen Probleme händeln kann, wäre ich nicht hier.
Dann wäre ich auch nicht jahrelang in Therapie gewesen und dann hätte ich auch keine Psychopharmaka nehmen müssen.

Wenn die Kinderwunschbehandlung nicht fruchtet und auch die Leihmutterschaft nix wird, wäre das Leben nicht mehr lebenswert für mich.
Das werden einige hier vielleicht nicht verstehen, das versteht auch mein Mann nicht. Es ist aber so. Leider.

Viele Grüße
Corydora

20.08.2011 17:03 • #13


Corydora

Hallo Serafina,

Zitat:
Mit Anspruch meinte ich, den Anspruch auf heile Familie, Haus, Job etc. Diesen Anspruch haben wir leider nicht. Wenn du dich jedoch zu diesem Kreis der Auserwählten zählst, Glückwunsch.
Ich weiß zwar noch immer nicht, wo in meinen Äußerungen du etwas anderes herausgelesen hast, als einen geäußerten Wunsch - und mitnichten einen irgendwie formulierten Anspruch - aber gut, ist vielleicht einfach Interpretationssache...

Ich habe verstanden, dass du meine Fähigkeiten zur Mutterschaft anzweifelst.
Ist natürlich dein gutes Recht. Ich persönlich finde es zwar ein wenig anmaßend, so etwas einer Person ggü. zu äußern, die du gar nicht kennst. Aber du begründest deine Meinung ja, indem du sagst, dass du aufgrund meiner Vorgeschichte (Depressionen, Angststörung) meine Fähigkeit zur Mutterschaft anzweifelst. Sowas nun ausgerechnet in einem Forum für depressive Menschen zu lesen, hätte ich zugegebenermaßen nicht erwartet. Vielmehr dachte ich, dass gerade HIER die Vorurteile, denen sich Depressive in der Öffentlichkeit stellen müssen (nichts auf die Reihe zu kriegen, zu nichts gut zu sein, nicht zum Leben zu taugen etc.) nicht präsent sind.

Glaubst du denn, dass der Kinderwunsch - so er unerfüllt bleibt - eine positivere Auswirkung auf meinen Zustand hätte als eine Mutterschaft?

Viele Grüße
Corydora

20.08.2011 17:19 • #14


Serafina

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Zitat von Corydora:
Glaubst du denn, dass der Kinderwunsch - so er unerfüllt bleibt - eine positivere Auswirkung auf meinen Zustand hätte als eine Mutterschaft?


Gegenfrage:

Glaubst du denn, dass ein Kind dich von einer mittlerweile 13-jährigen Erkrankung heilen kann?

Hört sich ja so an wie: Kind als Allheilmittel. Was passiert denn, wenn das Kind da ist und du weiterhin unter starken Beschwerden leidest? Es ist doch nicht gesagt, dass nach der Geburt deine Depressionen wie weggeblasen sind.

Und auch wenn du hier in einem Depressionsforum bist, heißt das noch lange nicht, dass das, was wir (Erkrankte) wollen und denken immer richtig ist. Auch hier wirst du auf andere Sichtweisen und Meinungen stoßen. Und wenn dir dein Leben ohne Kind nichs mehr wert ist, dann tust du mir leid. Du hast einen dich liebenden Mann und DEIN Leben. Das Leben besteht doch nicht nur daraus, ein Kind zu bekommen.

Aber ich glaube wir sprechen unterschiedliche Sprachen. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute und viel Kraft, vor allem für deinen Mann.

Serafina

20.08.2011 17:50 • #15




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