Kinderwunsch und Depressionen - ein Teufelskreis

Steffi
Hallo Corydora,

ich misch mich mal kurz dazwischen, weil ich nur eine Frage an Dich habe : warum möchtest Du ein Kind ? Welche Gedanken, welche Wünsche verbindest Du damit ? Was kann Dir ein Kind geben, was Du jetzt vielleicht (noch) nicht hast ?

20.08.2011 17:56 • #16


Ich rede nicht von künstlichen Befruchtungen, sondern von natürlich gezeugten Kindern. Und wie du dieser Grafik entnehmen kannst. haben eben gerade Krisenzeiten einen großen Einfluss auf die Geburtenrate und Emfpängnismöglichkeit.

Was aber jetzt der Vergleich mit Teenies soll, wird mir nicht klar. Sind die jetzt so großem Stress ausgesetzt? Leben die in Kriegszeiten?

20.08.2011 21:30 • #17


Hallo Serafina,

nein, ein Kind wird mich nicht heilen. Das erwarte ich nicht.

Aber ich möchte dennoch – trotz meiner Erkrankungen – ein möglichst erfüllendes und glückliches Leben führen (auch depressive Menschen wollen so etwas ).

Mir ist spätestens seit dem Absetzen der Medikamente sehr klar geworden, dass ich ohne sie wohl dauerhaft nicht mehr leben kann. Ein Kind kann und wird mich nicht heilen, meine Erkrankungen bestanden schon lange vor dem Kinderwunsch. Ich werde, auch wenn sich der Kinderwunsch erfüllen sollte, die Medikamente wieder ansetzen müssen. Hoffnung auf Heilung (egal, durch „was“)? Habe ich nicht mehr. Hatte ich früher mal, als ich noch ein naives, junges Mädchen war und dachte, nach ein, zwei Monaten Pillen schlucken wär alles wieder gut. Wie nach einer Angina z. B.

Viele Grüße
Corydora

22.08.2011 22:07 • #18


Hallo Steffi,

ich könnte jetzt eine seeeehr lange Abhandlung darüber schreiben, warum ich so gerne Mutter werden würde. Ich würde dabei auf biologische, zwischenmenschliche, psychologische, emotionale Aspekte eingehen.

Gerne würde ich stattdessen einen Link setzen zu einem Text, den ich vor einiger Zeit einmal gefunden habe und der mir in großen Teilen aus der Seele spricht.

Ich möchte lediglich ein paar Aussagen, die in dem Text getroffen werden, kommentieren und meine Sicht der Dinge darlegen (die von der der Autorin abweicht):

- ich kann mir eine erfüllende Mutterschaft OHNE vorangegangene Schwangerschaft durchaus vorstellen

- ich VERSUCHE zumindest, die Mutterschaft/Elternschaft nicht in dem romantisch-verklärten Licht zu sehen, in dem viele ungewollt Kinderlose sie sehen. Mir ist bewusst, dass auch mit Kindern nicht alles eitel-sonnenschein ist, das sehe ich ja auch bei den Verwandten/Bekannten, die bereits Kinder haben. Trotzdem scheint mir ein Leben mit (gesunden) Kindern und all den Sorgen, Nöten und Problemen, die es gratis dazu gibt, tausendmal erfüllender als ein Leben ohne Kinder. Nein, auch falsch, ein Leben ohne Kinder ist gar nicht erfüllend für mich.

- sollte der Kinderwunsch unerfüllt bleiben, kann ich mir ein (Weiter)Leben nicht mehr vorstellen. Schon gar kein intensives und leidenschaftliches.

Viele Grüße
Corydora

22.08.2011 22:12 • #19


Hallo ,

die Kurve zeigt einen Abfall der Geburtenrate in Krisen-/Kriegszeiten. Aber sie zeigt nicht, warum das so ist. Es könnte auch andere Ursachen dafür geben, neben psychischem Stress, z.B.:

-Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist zu Ungunsten der Männer verschoben. Diese sind im Krieg oder gefallen. Ohne Männer keine Kinder…

- Schlechter Ernährungszustand der Menschen

- Schlechter Gesundheitszustand der Menschen (mangelnde Gesundheitsprophylaxe, schlechte hygienische Bedingungen in Kriegsgebieten, Ausbrüche von Krankheiten/Seuchen).

- Die Kurve zeigt die KINDERZAHL pro Frau, nicht die SCHWANGERSCHAFTSRATE. Diese kann durchaus weitaus höher sein und es könnte viel mehrere Lebendgeburten geben (gegeben haben), wären die medizinischen Bedingungen besser (gewesen).

- Es kommen auch Schwangere/Kinder durch (Waffen-)Gewalt im Krieg um.

Das wären mal so in Kürze ein paar Aspekte, die mir zu den Ursachen für die Entwicklung der Kurve einfallen würden.

Für meinen Mann und mich in unserer speziellen Situation ist die Frage nach den Ursachen für die sinkende Anzahl von Kindern in Kriegszeiten unter natürlicher Befruchtung ohnehin irrelevant.

Was mir aber wichtig ist: Es ist NICHT die SCHULD der Frau, wenn keine Schwangerschaft eintritt. Sie kann höchstens die VERURSACHERIN der Kinderlosigkeit sein (im biologischen Sinne). Zum einen, weil die Studienlage eindeutig aufzeigt, dass der Eintritt einer Schwangerschaft von biologischen und nicht von psychologischen Faktoren abhängt. Zum anderen, weil es extrem unfair ist, einer Frau dennoch Schuldgefühle einzureden á la: „Selber Schuld, weil du dich nicht entspannst!“, „Kann ja nichts werden, mit DEINEM psychischen Knacks!“ usw.usf.
Kannst du dir vorstellen, wie sehr man einer Frau mit solchen Aussagen weh tun kann, die ohnehin schon am Boden ist?
Und dabei ist es schlicht nicht wahr...

Wie soll „frau“ sich denn entspannen können in so einer Situation? Wenn sie weiß, dass das „Material“ ihres Mannes nur für max. 4 Versuche reicht, pro Versuch die Wahrscheinlichkeit eines Schwangerschaftseintritts bei 30 – 40 % liegt, wobei (und das ist das eigentlich wichtige!) die „Baby-Take-Home-Rate“ NUR ca. 15 % beträgt(!!), wenn man bei jedem dieser Versuche finanziell ausblutet (je nach Medikamenteneinsatz und je nachdem, ob Embryonen zur Kryokonservierung übrig bleiben, sind zwischen 1500 und 5000 Euro pro Versuch fällig). Wenn die Frau permanent unter den Nebenwirkungen der starken Hormonpräparate leidet.

Und weißt du was? Wider besseren Wissens leide ich DENNOCH unter Schuldgefühlen! Nicht weil ich mich nicht „entspanne“, sondern weil ich das Gefühl habe, körperlich versagt zu haben: zu wenige Eizellen „geliefert“ zu haben, einen Teil des wertvollen Materials meines Mannes „verschlissen“ zu haben, weil mein Körper die Embryonen nicht halten konnte, weil andere nach der 1. ICSI schwanger sind und mein Körper dazu nicht fähig war. Weil der Versuch sehr viel Geld gekostet hat. Weil auch die Behandlung mit Spendersamen teuer ist und weil ich auch da scheinbar nicht schwanger werden kann, ohne dass ein Arzt mir die Ursache sagen kann. Ich habe Schuldgefühle nicht wg. meiner Psyche, sondern wg. meinem unzulänglichen Körper. U. a. deshalb möchte ich die Schwangerschaft an eine andere Frau (=Leihmutter) abgeben, die auch wirklich schwanger werden kann und in der Lage ist, ein lebendes, gesundes Kind zu gebären (es werden nur Leihmütter ins Programm genommen, die mind. schon ein gesundes Kind geboren haben).

Ach so, und bzgl. deiner Frage des Vergleichs mit Teenies: Ich bezog die Teenies nicht auf den psychischen Stress oder die Kriegszeiten, sondern auf das Argument, dass bei mir evtl. die Zeit noch nicht reif sei für ein Kind. Nunja, viele Teenies sind auch nicht gerade bekannt für ihre psychische Stabilität und ihre emotionale Reife. Dennoch werden manche von ihnen schwanger. An der Reife kann´s also auch nicht liegen.

Viele Grüße
Corydora

22.08.2011 22:20 • #20


Zitat von Corydora:
sollte der Kinderwunsch unerfüllt bleiben, kann ich mir ein (Weiter)Leben nicht mehr vorstellen. Schon gar kein intensives und leidenschaftliches.


Hallo Corydora,

ich schreibe Dir jetzt auch mal als Mutter, aber auch als eine depressive Patientin.

Ich habe zwei jetzt junge erwachsene Kinder. Einen Kinderwunsch zu verspüren das kenne ich auch.
Ich hatte komischerweise schon als Jugendliche den dringenden Wunsch, ein Kind zu bekommen, habe aber Gott sei Dank aus Vernunftsgründen das nicht herausgefordert.

Bevor meine Tochter geboren wurde, wollte ich natürlich auch unbedingt schwanger werden. Leider hatte ich damals eine Eileiterschwangerschaft und nach der OP stand nicht fest, ob der Eileiter jetzt verklebt ist und die Chance auf eine Schwangerschaft war nicht mehr so hoch.
Es hat trotzdem geklappt, das hat mich natürlich gefreut.

Ich möchte Dir Deine Gefühle, die mit dem starken Kinderwunsch und dem bisherigen "Nichtklappen", entstanden sind, nicht absprechen.Ich kann mir vorstellen, dass das weh tut!
Auch wenn ich das so intensiv natürlich nicht erlebt habe.

Aber diese Aussage hat mich stutzig, hellhörig gemacht, aber auch erschreckt:
Zitat von Corydora:
sollte der Kinderwunsch unerfüllt bleiben, kann ich mir ein (Weiter)Leben nicht mehr vorstellen. Schon gar kein intensives und leidenschaftliches.


Da solltest Du ansetzen. Es scheint mir erschreckend, dass ein Kind quasi Dein Weiterleben sichert, aus Deiner Sicht.
Damit hat das Kind, was Du evt. mal haben wirst, bereits jetzt schon eine Riesenverantwortung. Es hat also die Aufgabe, Dich zu retten, denn wenn das Kind ausbleibt, dann könnte es ja durchaus sein, dass Du Deinem Leben ein Ende setzen möchtest. Entschuldige, dass ich das jetzt so schreibe. Aber so sehe ich das.

Weißt Du, ich habe auch schon sehr schlimme depressive Phasen gehabt, wo ich absolut keine Perspektive mehr für mich in der Zukunft sah. In meiner Therapie ging es also darum, welche Perspektive kann ich mir schaffen mit dem, was "machbar" ist. Das ging auch nicht von heute auf morgen, zwischenzeitlich hatte ich sie auch mal wieder verloren, aber eines wurde mir klar: Irgendein anderer Mensch oder irgendein Ereignis, was ich mir sehnlichst wünschte, was aber auch unerreichbar war,kann nicht für mein Glück verantwortlich sein.

Wenn Du tatsächlich Dein Weiterleben von einem Kind abhängig machst, dann wird es meiner Meinung nach höchste Zeit, Dich dieser Thematik psychotherapeutisch zu stellen. Und zwar nicht, indem Du immer weiter versuchst, "mit Technik" schwanger zu werden, sondern indem Du mithilfe eines Therapeuten hinterfragst, warum das so ist und vielleicht doch andere Perspektiven für Dein Glück erarbeitest.

Zitat von Corydora:
Zum einen, weil die Studienlage eindeutig aufzeigt, dass der Eintritt einer Schwangerschaft von biologischen und nicht von psychologischen Faktoren abhängt

Wie erklärst Du Dir aber dann den Umstand, dass es Frauen gibt, bei denen (und auch bei ihren Männern) biologisch und körperlich alles in Ordnung ist, die aber doch nicht schwanger werden können. Und in dem Moment, wo sich sich mit der Tatsache abgefunden haben, dass sie eben keine Kinder bekommen, sich also auch von diesem psychischen Druck, der sich aufbaut, befreit haben, dass sie plötzlich doch schwanger geworden sind?

Zitat von Corydora:
Und weißt du was? Wider besseren Wissens leide ich DENNOCH unter Schuldgefühlen! Nicht weil ich mich nicht „entspanne“, sondern weil ich das Gefühl habe, körperlich versagt zu haben: zu wenige Eizellen „geliefert“ zu haben, einen Teil des wertvollen Materials meines Mannes „verschlissen“ zu haben, weil mein Körper die Embryonen nicht halten konnte, weil andere nach der 1. ICSI schwanger sind und mein Körper dazu nicht fähig war.

Auch das könnte ein Thema für eine Therapie sein. Die Schuldgefühle, die entstehen, kann ich nachvollziehen, aber so steckst Du immer wieder in diesem Teufelskreis, wenn Du sie weiter zulässt.

23.08.2011 00:09 • #21


Hallo Sonnenblume 20,

vielen Dank für deine Antwort.
Wie schön, dass es bei dir geklappt hat mit der Erfüllung deines Kinderwunsches.

Zitat von Sonnenblume 20:
Da solltest Du ansetzen. Es scheint mir erschreckend, dass ein Kind quasi Dein Weiterleben sichert, aus Deiner Sicht.
Damit hat das Kind, was Du evt. mal haben wirst, bereits jetzt schon eine Riesenverantwortung. Es hat also die Aufgabe, Dich zu retten, denn wenn das Kind ausbleibt, dann könnte es ja durchaus sein, dass Du Deinem Leben ein Ende setzen möchtest. Entschuldige, dass ich das jetzt so schreibe. Aber so sehe ich das.

Ich sehe es so:
Das Wichtigste für mich (auch schon vor dem Kinderwunsch) war und ist ein selbstbestimmtes Leben. D. h. ich selbst möchte bestimmen, wann und wie es endet, sollte meine Lebensqualität aus welchem Grund auch immer unter ein bestimmtes Minimum sinken.

Ich gehe mal weg von dem Kinderwunsch:
Mein Onkel, von dem ich weiter oben schrieb, ist ja vor Kurzem gestorben. Er hatte Krebs. Für mich war der Verfall dieses ehemals so starken, großen, stämmigen, lebenslustigen, freundlichen, handwerklich so begabten Mannes derart schockierend, dass ich noch heute Albträume habe und panische Angst vor dem gleichen (oder einem ähnlichen) Schicksal. Ich sage es ganz ehrlich und falls ich hier gg. irgendwelche Forumsregeln verstoße, so möge man den entsprechenden Abschnitt bitte editieren:

Kann triggern:

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Ich würde heute – bekäme ich die gleiche oder eine vergleichbare Diagnose – meinem Leben ein Ende setzen, bevor ich derart elendiglich verrecken muss wie mein Onkel, der zuletzt mit Windeln im Bett lag, weil die Metastasen seine Wirbel zerfressen hatten und die Wirbelsäule gebrochen war. Der nichts mehr essen konnte, weil sein Magen ein einziges Krebsgeschwür war und der deshalb nur noch mit Infusionen am Leben gehalten werden konnte. Der deshalb bis aufs Skelett abgemagert war. Der weinte und schrie, weil er Schmerzen hatte oder auch „nur“, weil er selbständig zur Toilette wollte und sich mit den Händen auf dem Boden kriechend dahin robben wollte und ihn die Kräfte verließen. Und falls jetzt irgendjemand daherkommt und etwas von Palliativmedizin und Schmerzlosigkeit erzählt, dann kann ich nur sagen: Märchenstunde!

Mein Onkel war zuletzt im Hospitz (ist dort auch gestorben), weil sich die Familie genau DAS erhoffte: Eine professionelle Schmerztherapie unter med. Aufsicht, die zu Hause nicht mehr zu leisten war (wo mein Onkel eigentlich sterben wollte). Vor lauter Schmerzen ließ er sich auf das Hospitz ein. Die Schmerzen waren trotzdem stark genug, ihn zeitweise zum Schreien und Weinen zu bringen. Ihn, diesen Berg von Mann, der so lebenslustig war, den ich niemals habe weinen sehen.
Zuletzt bettelte er seine Angehörigen um Sterbehilfe an (die diese ihm natürlich nicht gaben/geben durften, aber insgeheim hoffte doch jede/r, er möge doch ganz bald friedlich einschlafen können).
..
..
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..
Um den Bogen nun wieder zurück zu schlagen: Ich möchte unterhalb eines bestimmten Levels an Lebensqualität nicht mehr leben. Dieser Level wäre bei einer Diagnose, wie sie mein Onkel erhalten hat, eindeutig unterschritten. Er wäre auch unterschritten, wenn ich ein kinderloses Leben leben müsste. Er wäre weiterhin unterschritten bei Eintreten noch ein paar weiterer, weniger Schicksalsschläge.

Ich definiere mich selbst als selbstbestimmt und autark und betrachte es als mein Recht, selbst über mein Weiterleben zu entscheiden. Andere mögen das anders sehen, ihre Lebensqualität anders definieren. Ich erwarte gar nicht, dass mich jeder versteht.


Fortsetzung folgt...

24.08.2011 21:13 • #22


.

Zitat von Sonnenblume 20:
Wie erklärst Du Dir aber dann den Umstand, dass es Frauen gibt, bei denen (und auch bei ihren Männern) biologisch und körperlich alles in Ordnung ist, die aber doch nicht schwanger werden können. Und in dem Moment, wo sich sich mit der Tatsache abgefunden haben, dass sie eben keine Kinder bekommen, sich also auch von diesem psychischen Druck, der sich aufbaut, befreit haben, dass sie plötzlich doch schwanger geworden sind?
Gewinne gibt es immer wieder.

Ganz vereinzelt passieren diese Wunder.

Es gibt soweit ich weiß, ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren aber keinerlei Hinweise darauf, dass die Psyche dafür verantwortlich ist. Genausogut könnten es schwankende Hormonwerte sein oder eben einfach das Schicksal, dass DIE richtige Samenzelle und DIE richtige Eizelle im richtigen Moment doch noch zusammenbrachte. Da bei einigen Paaren der Grund der Sterilität im Dunkeln liegt, könnte es auch an einem Parameter liegen, der heute noch nicht bekannt/noch nicht messbar ist.

Wenn es die Psyche wäre (hast du eigentlich eine Studie bei der Hand, die diese These stützt?):
Warum gibt es dann nur diese paar Einzelfälle? Ein paar einzelne Glückspilze, denen Millionen von Paaren entgegenstehen, die ebenfalls mit der Kinderwunschbehandlung abgeschlossen haben/abschließen mussten, aber doch niemals ein Kind bekommen? Teilweise sogar mit therapeutischer Hilfe abgeschlossen haben, denn es gibt ja speziell für diese Problematik geschulte Psychotherapeuten (http://www.bkid.de).

Ich persönlich bin der Meinung: Noch weiß niemand, warum solche Wunder passieren. Wenn man es wüsste, wäre die Medizin einen riesigen Schritt weiter.

Solange die These, die Psyche nehme Einfluss auf das Entstehen einer Schwangerschaft, nicht gesichert ist, halte ich es nach wie vor für unfair, einer Frau mit Kinderwunsch eine Mitschuld dahingehend einzureden.

Zum Thema Therapie:
Ich würde gerne eine machen, habe aber ein handfestes Zeitproblem.
Wegen meiner Termine im Rahmen der Kinderwunschbehandlung, die ich aufgrund meiner unflexiblen Arbeitszeiten nicht ausschließlich außerhalb meiner Arbeitszeiten legen kann, habe ich ohnehin 3 5 mal im Monat Erklärungsnotstand. Denn mein Arbeitgeber darf von den Behandlungen nichts wissen. Er würde mich ganz sicher kicken, wenn er wüsste, dass ich daran arbeite, schwanger zu werden. Also lüge und täusche ich bereits ständig (auch noch eine Zusatzbelastung, ich weiß schon bald nicht mehr, was ich meinem AG noch vorlügen soll ). Nebenbei habe ich auch noch Probleme mit zwei Zähnen, wg. denen ich nun auch schon einen Monat in Dauerbehandlung bin (das ist nicht gelogen ). Wie soll ich nun meinem AG verdolmetschen, dass ich eine Psychotherapie brauche? Das Problem ist nämlich: Der nächste Psychologe, der auf diesem Gebiet geschult ist, ist ca. eine Std. Fahrzeit entfernt. Schwierig, wenn man jeden Tag erst um ca. 19:30 Uhr zu Hause ist Somit würde ich meinem AG auf jeden Fall irgendwie begründen müssen, dass ich 1 x pro Woche (das ist ja die Behandlungsfrequenz i. d. R., oder?) früher weg müsste

Alles nicht so einfach

Viele Grüße
Dorynka

24.08.2011 21:18 • #23


Hallo,

hier noch eine aktuelle, interessante Lektüre zum Thema Kinderwunsch und psych. Belastung

Ich bin also nicht allein.

Grüße
Corydora

24.08.2011 21:22 • #24


Zitat von Corydora:
Alles nicht so einfach…

Da gebe ich Dir recht. Vieles ist schwer, manches erscheint sogar auswegslos, aber es gibt trotzdem Wege und Auswege.
Manchmal sind es eben nicht die Wege, auf die man sich so sehr fixiert hat, manchmal muss man vielleicht mal die Richtung wechseln, um weiter zu kommen.

Zitat von Corydora:
Es gibt – soweit ich weiß, ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren – aber keinerlei Hinweise darauf, dass die Psyche dafür verantwortlich ist.

Zitat von Corydora:
Wenn es die Psyche wäre (hast du eigentlich eine Studie bei der Hand, die diese These stützt?):

Nein, ich habe keine Studie zur Hand, aber gerade aufgrund meiner Krankheit Depression, die bei mir seit drei Jahren diagnostiziert ist, habe ich sehr viel darüber gelernt, dass die Psyche sogar Auslöser von vielen "körperlichen Krankheiten" sein kann. Ich habe einige körperliche Krankheiten, die sich oft in Zeiten, wo es meiner Psyche schlecht geht, auch sehr verschlimmern. Und dafür brauche ich keine Studie, das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen.

Zitat von Corydora:
Solange die These, die Psyche nehme Einfluss auf das Entstehen einer Schwangerschaft, nicht gesichert ist, halte ich es nach wie vor für unfair, einer Frau mit Kinderwunsch eine Mitschuld dahingehend einzureden.

Ich merke, dass Du in Deinen Beiträgen immer wieder auf das Thema Schuld oder Mitschuld der Frau beim Ausbleiben einer Schwangerschaft eingehst. Vielleicht hast Du ja auch in Deinem persönlichen Umfeld solches schon vorgeworfen bekommen?
Vielleicht projezierst Du aber auch Deine eigenen Schuldgefühle, die aus Dir heraus entstehen, darauf?
Es macht mir zumindest den Eindruck.
Ich persönliche mag das Wort Schuld sowieso nicht und ich würde nie im Leben auf die Idee kommen, einer Frau oder auch dem Mann die Schuld dafür zu geben, dass sie keine Kinder bekommen können. Selbst, wenn erwiesen ist, dass irgendetwas bei der Frau oder dem Mann nicht so funktioniert, wie es soll, dann kann derjenige nichts dafür.
Wir sind eben keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren.

Genauso, wie man einem depressiven Patienten nicht die Schuld daran geben kann, dass er eine Depression entwickelt hat.

Und trotzdem widersprichst Du Dir in Deinen Aussagen:

Zitat von Corydora:
hier noch eine aktuelle, interessante Lektüre zum Thema Kinderwunsch und psych. Belastung:

Ich habe die Studie gelesen und sie besagt, dass die psychische Belastung bei Paaren, die einen erfolglosen Kinderwunsch haben, sehr groß ist. Und hier setzt mein Denken an: Die psychische Belastung bei erfolgloser Kinderlosigkeit steigt extrem an und diese wiederum kann doch durch aus dazu führen, dass es eben nicht zur Schwangerschaft kommt, weil der psychische Druck vielleicht zu hoch ist?

Zitat von Corydora:
Ich möchte unterhalb eines bestimmten Levels an Lebensqualität nicht mehr leben. Dieser Level wäre bei einer Diagnose, wie sie mein Onkel erhalten hat, eindeutig unterschritten. Er wäre auch unterschritten, wenn ich ein kinderloses Leben leben müsste

Ich weiß, dass jeder Mensch seine eigene Definition und Vorstellung davon hat, was für ihn Lebensqualität bedeutet.
Aber ich maße mir hiermit trotzdem mal an, zu sagen, dass es schon einen Unterschied gibt zwischen einer Krebserkrankung, die zum Zerfall des Körpers und einem schlussendlich "Dahinvegetieren" führen kann, weil man nur noch Schmerzen hat und nichts mehr tun kann, und einer Kinderlosigkeit.
Ich weiß, dass diese Kinderlosigkeit für Dich sehr schlimm ist und das möchte ich Dir auf keinen Fall absprechen.

Aber wenn Du mit dieser psychischen Belastung in therapeutische Behandlung gehen würdest, hättest du auf jeden Fall gute bis sehr gute Chancen, dass sich Deine Psyche auch ohne eigene Kinder zu bekommen,wieder regenerieren könnte.
Ein Krebskranker mit fortgeschrittener Krankheit hat das nicht. Der muss sich wirklich damit abfinden, dass er Stückchen für Stückchen immer mehr verfällt, bis er letztendlich stirbt.

Teil II folgt....

24.08.2011 22:18 • #25


Zitat von Corydora:
Zum Thema Therapie:
Ich würde gerne eine machen, habe aber ein handfestes Zeitproblem.
Wegen meiner Termine im Rahmen der Kinderwunschbehandlung, die ich aufgrund meiner unflexiblen Arbeitszeiten nicht ausschließlich außerhalb meiner Arbeitszeiten legen kann, habe ich ohnehin 3 – 5 mal im Monat Erklärungsnotstand. Denn mein Arbeitgeber darf von den Behandlungen nichts wissen. Er würde mich ganz sicher kicken, wenn er wüsste, dass ich daran arbeite, schwanger zu werden.

Due siehst an Deinem eigenen Beispiel, dass es aber möglich ist, sich trotz Berufstätigkeit drei bis viermal im Monat Termine zu organisieren. Da ist es genauso gut möglich, sich Zeit für eine Psychotherapie zu nehmen, wenn Du es dann auch willst.

Meine Wahrnehmung bei Dir ist, dass Du sehr fixiert bist. Du hast es Dir in den Kopf gesetzt, auf Gedeih und Verderb schwanger zu werden (ist jetzt kein Vorwurf, sondern einfach nur eine Wahrnehmung von außen). Du bist nicht bereit, sich Deiner Problematik auf eine andere Art und Weise zu nähern.

Da Du Dich nicht damit auseinandersetzen möchtest, dass Deine Psyche vielleicht auch einer Behandlung bedarf und sich dadurch sogar so manches verändern ließe, wüsste ich jetzt auch nicht, was ich Dir noch raten sollte, denn wir sind ja hier immerhin in einem Depressionsforum und nicht in einem Forum für Menschen mit ungewollter Kinderlosigkeit.

Außer das hier vielleicht noch:

Hast Du Dich schon mal mit dem Gedanken einer Adoption befasst? Ich weiß, dass das hier in Deutschland sehr schwer ist, aber auch im Ausland gibt es Möglichkeiten, auch auf legalem Wege. Auf der einen Seite gibt es viele Menschen, die so gerne Kinder wollen, aber keine bekommen können und auf der anderen Seite gibt es ebenso viele Kinder, die entweder keiner will, wenn sie geboren werden, oder die aus irgendwelchen Gründen nicht von den eigenen Eltern versorgt werden können.
Wäre das nicht auch eine Option für Dich?

Und ganz zum Schluss noch eine Anmerkung von mir: Obwohl ich es gut verstehen kann, dass man sich Kinder wünscht, finde ich es manchmal befremdlich, wie sehr wir heutzutage, wo die medizinischen Fortschritte so hoch sind, in die Natur eingreifen. Da darf das Kind nicht mehr auf natürliche Art und Weise entstehen, da wird Hightech eingesetzt, es ist einfach nur noch ein mechanischer, fast technischer Vorgang und entstehen soll dabei ein Lebewesen.Es gibt quasi das Wunschkind auf Bestellung. Als wäre ein Kind kein Mensch, sondern ein Ding, dass man sich irgendwo kauft.
Das ist einfach nur meine Meinung.

24.08.2011 22:19 • #26


Hallo Sonnenblume 20,

ich werde dir bei Gelegenheit ausführlich auf deine Beiträge antworten, vielen Dank jedenfalls schon mal für deine Antwort.

Nur ganz kurz zu diesem Zitat von dir:
Zitat von Sonnenblume 20:
Und ganz zum Schluss noch eine Anmerkung von mir: Obwohl ich es gut verstehen kann, dass man sich Kinder wünscht, finde ich es manchmal befremdlich, wie sehr wir heutzutage, wo die medizinischen Fortschritte so hoch sind, in die Natur eingreifen. Da darf das Kind nicht mehr auf natürliche Art und Weise entstehen, da wird Hightech eingesetzt, es ist einfach nur noch ein mechanischer, fast technischer Vorgang und entstehen soll dabei ein Lebewesen.Es gibt quasi das Wunschkind auf Bestellung. Als wäre ein Kind kein Mensch, sondern ein Ding, dass man sich irgendwo kauft.
Das ist einfach nur meine Meinung.

In die Natur eingegriffen wurde in unserem speziellen Fall schon viel früher. Nämlich als mein Mann seine Krebs-OP und die Chemo hatte, die das spermienproduzierende Gewebe irreparabel schädigte.
Ich finde diesen Eingriff in die Natur keineswegs befremdlich, sondern bin dankbar, dass es ihn gibt.
Das Prinzip "Ursache-Wirkung" führte uns dann zur künstlichen Befruchtung.
Was ich eher befremdlich finde ist die Art und Weise, wie mit Kinderwunschpaaren in diesem Land umgegangen wird: Bei jüngeren Paaren (Frau unter 40 J., Mann unter 50 J.) werden 3 Behandlungen hälftig übernommen, alle anderen sind Selbstzahler. Adoptieren dürfen wir nicht, weil mein Mann zu alt ist (46 J.) und weil er eine "lebensverkürzende Krankheit" hatte. Deshalb werden wir als Adoptionsbewerber nicht anerkannt, wir haben uns dahingehend bereits bei mehreren Jugendämtern erkundigt.
Falls ich nicht schwanger werde, wäre die Leihmutter unser einziger Weg, Eltern zu werden.

In unserem Fall ein Kind auf natürliche Art und Weise entstehen zu lassen hieße de facto: Fremdgehen.
Mir wäre es auch lieber, wenn mein Mann und ich unser Kind im Ehebett in einem Akt der Liebe und der gegenseitigen Hingabe zeugen könnten.
Leider bleibt uns beiden - egal, welchen Weg wir beschreiten - nur der medizinisch-technische Weg, ein Kind zu bekommen. (Oder eben das Fremdgehen, aber das steht für uns beide außer Frage).

Viele Grüße & Gute N8
Corydora

24.08.2011 23:07 • #27


JeanLucca
Hallo.

Ich möchte Eure interessante Diskussion nicht stören aber ich möchte gern etwas zum Thema "Adoption <> unerfüllter Kinderwunsch" machen.

Zitat von Corydora:
Adoptieren dürfen wir nicht, ....
Dennoch, ....

.....Es ist ein grosser Unterschied ob ich mich zu einer Adoption entschliesse wenn ich sie als eine Art erweiterte Familienerweiterung ansehe oder als Ersatz für die ungewollte Kinderlosigkeit.
Bei einer Adoption muss ich mir darüber klar sein das ich ein adoptiertes Kind so lieben kann wie ein biologisches Kind, es aber
immer einen anderen Status hat, es ein ganz normales Kind ist jedoch mit einer eigenen Geschichte.
Paare mit/nach einem "Kinderwunsch-Syndrom" sollten zuerst ihre eigene Kinderlosigkeit bearbeit haben bevor sie sich zu einer
Adoption entschliessen. Denn die "Gefahr" das das adoptierte Kind unbewusst als Ersatz für ein biologisches Kind angesehen wird
und diese Lücke schliessen soll, bzw. den Schmerz der Eltern lindern soll ist latent vorhanden und wird immer zwischen der Beziehung des (Adoptiv)Kindes und der (Adoptiv)Eltern stehen.

Deshalb finde ich es für unerlässlich, das Paare, die sich zu einer Adoption nach den ganzen psychischen Belastungen der ReproMedizin interessieren, therapeutische Hilfen in Anspruch nehmen.

Lieben Gruß, JeanLucca

25.08.2011 09:11 • #28


Kinderwunsch bei schweren Depressionen

Guten Tag,

mein Mann und ich würden gerne Richtung Kinderplanung gehen, bevorzugt schon Ende diesen/ Anfang nächsten Jahres.

Heute wurde mir aufgrund einer schweren depressiven Phase Sertralin 50mg verschrieben.

Vor einer Schwangerschaft würde ich die Tabletten doch gerne weglassen, selbst wenn das Risiko für das Baby gering ist, kann es dennoch nicht ausgeschlossen werden.

Wie lange sollte man für einen Behandlungserfolg Sertralin einnehmen?

Viele Grüße

Sandy

13.02.2019 13:22 • x 1 #29


Frederick1
liebe Sandy,

erstmal ein ganz herzliches Willkommen hier im Forum. Schön das es dich gibt, und das du den Mut hast hier zu schreiben.

Und ich finde deinen Kinderwunsch auch ganz toll, schön das ihr euch beide ein Kind wünscht. Selbst bin ich Vater von zwei Mädchen, die sind aber schon beide aus dem Haus und gehen ihren Weg. Ja Kinder sind etwas Schönes und Erfüllendes, können manchmal auch ganz schön Stress machen.

Bei dem Wort "Kinderplanung" fällt mir ein, was wir so Menschen alles gerne planen. Meine liebe Frau und ich "planten" damals auch unser erstes Kind. Und dann hat es trotz Planen und viel guter Hoffnung fünf lange Jahre gedauert, bis unser erstes Kind sich auf den Weg machte.

Deshalb würde ich dir persönlich raten, bitte lasse dich nicht unter Druck setzen. Das kann so was von nerven.

Ich meine dieses Sertralin ist so eine mittlere Dosis, und das Wort "Behandlungserfolg" ist auch so eine Sache. Die ist bei jedem Menschen unterschiedlich.Wenn du dich aber von Anfang an gleich so unter Druck setzt, es muss mir sofort helfen, davon würde ich selbst abraten.e

Versuche etwas gelassener und ruhiger dabei zu sein. Versuche jetzt einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Wenn du jetzt zu schnell läufst, kann manches schief gehen.

Deshalb, nehme erst mal deine Tabletten, schaue wie du sie verträgst, nehme sie so lange du sie brauchst, bespreche es mit deinem Arzt.

Du und dann wünsche ich dir von Herzen, das so ein kleines Kind in eure Welt kommen darf.


in guten Gedanken für dich,

ganz viele liebe Grüße,


Frederick

13.02.2019 17:05 • x 1 #30




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