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Fehlende Anerkennung - oder erwarte ich zu viel?

Lilly-18
Meine Angst begleitet mich schon sehr lange. Es sind sehr vielfältige Ängste, Angst vor Verlusten, Versagensängste, Angst vor Veränderungen und schlimmen Ereignissen.
Gott-sei-Dank bin ich inzwischen fast 60 und bin froh, dass ich das meiste schon hinter mir habe.
Im Moment habe ich einen sehr lieben Partner, der die Wunden, die mein Ex geschlagen hat, fast geheilt hat. Mein Partner ist selbst sehr angeschlagen, schrammt immer leicht am Burnout vorbei, leidet an einer Essstörung und hat aufgrund seiner sehr schwierigen Familiengeschichte auch sehr viele Wunden und Narben.
Deshalb verstehen wir uns auch so gut, weil wir viel Ähnliches erlebt haben und eigentlich immer wissen, wie der andere sich fühlt. Wir machen uns gegenseitig keine Vorwürfe und nehmen den anderen so, wie er ist.
Und wir geben dem anderen die Anerkennung, die er braucht. Das tut gut. Damit stärken wir uns gegenseitig.

Mein größtes Problem ist, dass ich beruflich gescheitert bin. Durch meine Angst habe ich fast immer mit angezogener Handbremse gearbeitet, ich brauche unheimlich viel Bestätigung und Anerkennung. Aber die bekommt man ja erst, wenn man sie verdient hat. Meinen ersten Job habe ich bis zu meinem ersten Kind gemacht und war froh als ich da endlich weg war. Da mein Mann gut verdiente, konnte ich viele Jahre zuhause bleiben bei den Kindern und bin aufgegangen in der Rolle. Ich hatte immer panische Angst davor, mal wieder arbeiten zu gehen. Ein paar Jobs hatte ich schon, aber nichts anspruchsvolles, das ging schon.
Dann ist meine Ehe in die Brüche gegangen. Ich hatte 2 Kinder, ein Haus und einen 450 Euro-Job. Ich war gezwungen, wieder mehr zu arbeiten, habe mich durchgekämpft und bin immer wieder an meine Grenzen gestoßen. Ich habe gelernt, dass Chefs es riechen, wenn du Angst hast. In der heutigen Arbeitswelt musst du frech und selbstbewusst sein, um was zu erreichen. Beides bin ich nicht. Ich weiß, dass ich nicht dumm bin, aber meine Angst bremst mich aus. Und sobald ich Widerstand spüre, falle ich zusammen. Chefs loben einen natürlich nicht immer, das ist ja normal.
Leider habe ich inzwischen so viele schlechte Erfahrungen (extremes Mobbing, 3x ist mir ohne Vorankündigung gekündigt worden, wegen schlechter Leistungen) dass ich einfach keine Lust mehr habe. Wenn du immer wieder von vorne anfängst, was Neues lernst, dich durchbeißt, und nie sowas wie Routine und Erfolgserlebnisse erlebst, das laugt dich aus.
Trotzdem hab ich immer wieder von vorne angefangen. Diesmal habe ich die Probezeit geschafft, mich in eine völlig neue und mir unbekannte Materie eingearbeitet und hoffe, dass ich es diesmal länger schaffe, den Job zu behalten.
Was mir fehlt ist Anerkennung. Wie geht ihr damit um, keine Anerkennung zu kriegen? Mein Chef ist Perfektionist. Ich mache 10 Sachen gut. Kein Kommentar. Ich mache einen Fehler, kommt sofort eine Rüge.
Ich setze mich schon wieder so unter Druck, habe Angst davor, Fehler zu machen und wieder mal den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Ich will nicht wieder arbeitslos werden, das wirft mich jedesmal so zurück, mein Ego ist so klein wenn ich arbeitslos bin. Ich ertrage nicht noch ein Scheitern.
Ich habe noch viele andere Baustellen, die ich noch bearbeiten muss. Der Titel dieses Beitrags passt zu jeder meiner Baustellen, das ist mein Grundproblem.
Ich habe das Gefühl, es tut mir gut, mir das von der Seele zu schreiben.
Ich weiß, ihr habt alle große Probleme und schäme mich fast, dass ich euch mit meinem hier belästige. Aber, wie gesagt, es tut mir gut, hier zu schreiben.

02.09.2019 08:44 • x 6 #1


Mayke1
Liebe Lilly,
ich finde es ganz wichtig und richtig, dass du von deinen großen Sorgen erzählst. Schreiben und die Probleme zu Papier zu bringen, dabei Gedanken zu ordnen tut gut.
Bitte denke nicht, dass das, was dich bewegt, weniger Wert bzw. weniger an Schärfe und Gewicht hat als das, wovon andere Betroffene berichten. So unterschiedlich unser aller Probleme sind, jedes davon ist gleich wichtig, gleich schwer. Hier im Forum gibt es kein kleiner oder größer. Aber ich verstehe dich. Auch ich denke mir oft beim Schreiben, dass ich mit "meinen paar Störungen" gar nicht mitreden kann, zumal eine Diagnose auf Burnout oder Depression oder was auch immer, noch aussteht. Unser spanischer Nachbar und Arzt fand in Gesprächen heraus, dass ich eine große Angststörung mit daraus resultierender Depression habe. Das ist alles noch nicht gesichert. Ein Arzt in D wird es sicherlich herausfinden bzw. bestätigen.
Deine Ängste kann ich allesamt nachvollziehen, denn es ging und geht mir nicht anders. Auch ich habe schon ein "gewisses Alter" erreicht. Meine Ängste, besonders davor, dass Personen aus meinem Familienkreis samt mir selber, bei Krankheiten es nicht schaffen, wieder gesund zu werden. Angst, dann nicht genug Hilfe leisten zu können. Darauf folgt die nächste Angst: In Situationen zu kommen, wo meine Verantwortlichkeit wieder gefordert sein könnte, weil ich diese Hilfe gar nicht leisten kann.
Du fragst danach, wie du Anerkennung im Beruf bekommen kannst. Indem du dir selbst klar machst, wie viel Gutes du leistest. Du weißt, was du kannst, denn davon schreibst du. Von mindestens 10 guten Dingen. Wahrscheinlich sind es viel mehr tolle Leistungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, die du vorweisen kannst. Die meisten Chefs würden uns gerne als eierlegende Wollmilchsau sehen. Vielleicht gibt es einige Menschen, die tatsächlich das schier Unmögliche im Beruf schaffen und daheim noch Haus und Garten pflegen, nachdem sie tagsüber den Kreis zum Quadrat gemacht haben.
Aber wie lange halten diese Menschen das aus?
Meine Chefin hatte in den letzten Jahren auch immer mehr verlangt, ein Plus an Aktionismus, der uns ältere Kolleginnen schwindelig vor diesem Tempodruck gemacht hat. Eines Tages habe ich mir gesagt, dass ich da nicht mehr mitmache. Habe Bilanz gezogen: Was leiste ich wirklich? Sind damit diejenigen Personen zufrieden, für die ich gearbeitet habe? Es waren Schulkinder (und deren Eltern). Wobei bin ich noch auf die Hilfe anderer angewiesen? Daraufhin habe ich mir alles nötige Material besorgt und mir noch fehlendes Wissen angeeignet, um nicht bei anderen mehr nachfragen zu müssen. Ich stand beruflich auf eigenen Beinen und genau das sah auch die Chefetage. Sie machten meine Arbeit schlecht, obwohl sie gut war. Und ich war anfangs noch so unsicher, ob sie tatsächlich wertvoll war, weil ich bei anderen Kolleginnen sah, dass sie anders arbeiteten. Doch meine Art war für mich und die Kinder genau richtig. Ich bin mir meines Wertes bewusst geworden und meine Ängste ließen dann nach.
Aus anderen gesundheitlichen Problemen musste ich mich krankschreiben lassen und bin nun, nach einem halben Jahr in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. Dein Bild mit der jahrelang angezogenen Handbremse trifft voll ins Schwarze. Auch ich bezeichne meine Arbeit als gescheitert und sehe nur manchmal die ganzen Schikanen und Bürden, die mir nun erspart bleiben. Glücklich bin ich dennoch (noch) nicht.
Liebe Lilly, alles Gute - und vor allem, schreib weiter hier!
Mayke

02.09.2019 10:03 • x 5 #2


Resi
Liebe Lilly,
Mayke hat schon ganz wesentliches geschrieben.
Und es gibt hier keinen "Wettbewerb", wem es schlechter geht oder nicht, sondern wir wollen uns unterstützen und helfen, so gut wir können.


Zitat von Lilly-18:
Was mir fehlt ist Anerkennung. Wie geht ihr damit um, keine Anerkennung zu kriegen?.

Ich geb sie mir selbst.
Und ich mach das auch, so albern das klingt, auch ganz konkret:
Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, ich sag mir "Gut gemacht, Resi".
Und das wirkt auch, Lilly und auch nach "außen", es dauert halt ein bißchen.

Schau doch mal, was du machst, Lilly.
Das ist doch bewundernswert, immer wieder die Energie zu mobilisieren, neu anzufangen- dazu braucht man Mut!
Du hast Kinder groß gezogen, du bist hingefallen und immer wieder aufgestanden.
Wieso fühlst du dich als "gescheitert"?
Wer sagt das?

Lilly, Chefs "riechen" keine Angst, das sind keine Übermenschen, sondern höchstenfalls Menschen mit Macht.
Und du bist auch ein Mensch, der Fehler machen darf- nur setzt du dich ganz schlimm unter Druck.
Ja, vielleicht erwartetst du zu viel, und zwar vor allem von dir

02.09.2019 12:40 • x 3 #3


Lilly-18
Ich danke euch beiden, das was ihr schreibt macht mir Mut. Liebe Mayke, ich habe im Freundeskreis auch eine Lehrerin und weiß, was ihr leistet. Die ist sogar jünger als ich, hat schon einen Burnout hinter sich und quält sich jetzt noch bis zur Rente durch als mobile Reserve. Und wenn sie nicht mehr kann lässt sie sich zwischendurch immer wieder krank schreiben.
Ja, die eierlegende Wollmilchsau müsste man sein . aber das sind wir doch alle nicht.
Ich müsste alles ein bisschen leichter nehmen, aber das fällt mir so schwer. Jeder Fehler ist eine persönliche Niederlage für mich. Ein Beweis für meine Unfähigkeit. Ich strenge mich wirklich an aber ich kann aus meiner Haut nicht raus.
Liebe Resi, den Tip mich selber zu loben, hat mir mein Therapeut auch gegeben. Das tue ich auch immer wieder, leider mit wenig Erfolg.
Ich bin wahnsinnig streng mit mir, ich versuche ständig, es allen recht zu machen. Ein sehr verbreitetes Frauenproblem, ich weiß. Aber nicht alle entwickeln eine Angststörung.
Ich bin seit vielen Jahren in Behandlung, habe auch schon einige Medikamente genommen. Das was ich grade nehme (Paroxetin) hilft mir sehr gut. Ich habe die Dosis inzwischen stark reduziert vor allem deswegen, weil mein Freund so darunter leidet dass ich Medikamente nehme. Meine Gefühle werden dadurch abgeflacht. Aber die Angst verschwindet ganz gut damit.
Ich versuche, mich mit der Angst zu akzeptieren. Damit kann ich schon leben, wenn es wieder ganz schlimm wird erhöhe ich die Dosis meiner Tabletten.

02.09.2019 20:55 • x 1 #4


Ylvi13
Hallo Lilly,
ich habe über so viele Jahre versucht, es alles recht zu machen und mich dabei verloren. Die Depression hat mich sowas von aufwachen lassen. In der Verhaltenstherapie habe ich so einiges begriffen und habe die Prioritäten neu geordnet und das Wichtigste überhaupt, ich habe gelernt NEIN zu sagen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und auch konsequent dabei zu bleiben. Ich habe auch bestimmte Einstellungen im Umgang mit mir überdacht und geändert. Ich mache alles, so gut ich es kann und meine Ansprüche an mich sind so, dass ich es gut schaffen kann, diesen gerecht zu werden. Alles andere zieht mich nur runter.
Noch ein anderer Gedanke . . . Du stemmst dein Leben, mit allem was dazu gehört, da kann man doch absolut nicht von scheitern sprechen. Deine Ängste sind eine Krankheit ( meine Angststörung hält sich momentan in Grenzen) und da ist man beeinträchtigt. Von jemandem mit gebrochenen Bein erwartet auch niemand einen Sprint. Von dem Blickwinkel aus betrachtet sehe ich kein Scheitern.
Hab eine gute Nacht!

02.09.2019 21:45 • x 4 #5


Lilly-18
Liebe Ylvi, du hast Recht, ich stemme mein Leben und es kostet mich irre viel Anstrengung, alles am Laufen zu halten. Ich habe jahrelang versucht, für meine Kinder sowas wie Normalität zu bewahren. Das hat mich viel Kraft gekostet.
Jetzt im Nachhinein denke ich oft, dass ich so unter Strom gestanden bin, das durchzuhalten,dass ich gar nicht gemerkt habe, wie sehr mich das alles belastet hat.
Meine Angststörung habe ich lange nicht als solche erkannt. Erst als ich mich mit einer alten Schulfreundin unterhalten habe und ihr von meinen Symptomen erzählt habe, hat die mich drauf gebracht. Man fühlt sich ja normal wenn man es nicht anders kennt.
Ich war auch öfter wegen Depressionen in Behandlung, das war hauptsächlich die Trauer um meine gescheiterte Ehe. Mein Exmann konnte das Scheitern auch nicht einfach so akzeptieren (er hatte jahrelang eine Freundin nebenbei, ohne dass ich es wusste), er musste behaupten, dass es meine Schuld war, dass es ihm bei mir nicht gut ging.
Die fehlende Anerkennung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Natürlich könnte ich stolz sein auf das was ich geleistet habe. Aber was nützt dir das, wenn das niemand anerkennt?
Ich dürste so danach, dass mir meine Mutter mal was aufmunterndes sagt, aber die ist selbst depressiv, die muss ich noch aufheitern.
Ich wünsche mir einen Job, der mir ein gutes Auskommen ermöglicht ohne mich total auszulaugen. Utopie, ich weiß.
Ich wünsche mir dass ich mich nicht so unter Druck setze.

03.09.2019 07:06 • x 2 #6


Resi
Liebe lilly,
das sich-selbst-loben war für mich ganz schwierig am Anfang.

Es ist wirklich eine Sache der Übung, es ist auch ein "Langzeit-Projekt".

Mit streng-zu-sich-sein kennen wir uns vermutlich alle ganz gut aus, weil daraus auch die permanenete Überforderung resultiert.

Ich weiß noch gut, wie ich zu Anfang meines BO, als die schlimmen körperlichen Symptome etwas gelindert waren, als erstes lernen mußte, bewußte Pausen zu machen, also eine halbe Stunde was tun, eine Stunde Pause machen.
Ich habe jeden Tag Zettel ausgefüllt, auch, wie ich mich dabei fühle, und das waren die ersten Schritte, aus der Falle der permanenten Überforderung raus zu kommen.

Lilly, was passiert denn, wenn du im Job Fehler machst?
Nur wer nichts tut macht keine Fehler, das ist mein Spruch im Job, und aus Fehlern lernt man doch auch.
Das ist doch völlig normal, Fehler zu machen (ich hab am Anfang einen Auftrag von 1.500 Euro in den Sand gesetzt), und schon allein die Tatsache, daß du die Probezeit geschafft hast ist eine Anerkennung.
Vielleicht kannst du mal mit dem Vorgesetzten ein Gespräch führen, ich habe das alle drei Monate gamacht, um mir selbst die Sicherheit zu geben, daß alles ok ist.

03.09.2019 08:52 • x 1 #7


Lilly-18
Liebe Resi,
das mit den Gesprächen
war eigentlich so geplant, aber es kommt immer was dazwischen. Mein Chef ist etwas chaotisch in seinem Zeitmanagement. Ich hab ihn dann mal angesprochen, dass ich mir deswegen Sorgen mache und ihn gefragt ob das was mit mir zu tun hat, dass er sich keine Zeit für die Gespräche nimmt. Da ist er erschrocken und meinte, das hat es nicht.
Ich nehme immer alles so persönlich, das macht mir natürlich zusätzlich Druck.
Fehler mache ich hauptsächlich weil ich unkonzentriert und ängstlich bin. Oft nur Kleinigkeiten, über die ich mich sehr ärgere und meinen Eindruck von mir stärken, ich tauge nichts.
Wenn dann vom Chef noch ein "das darf aber nicht passieren" kommt, klappe ich ganz zusammen.
Am Anfang habe ich aus lauter Überforderung größere Böcke geschossen. Inzwischen geht es schon besser.
Ich sollte meinen Chef wirklich mal ansprechen, ob alles soweit passt.
Ich werde in Zukunft versuchen, mich zu loben und das immer wieder. Vielleicht klappt es ja irgendwann.
Das mit den Pausen mache ich sehr konsequent. Ich arbeite jetzt ja weniger Stunden, mache meine Mittagspause und schaffe es schon, mich an meinen freien Tagen zu entspannen. Das ist jetzt weniger auf der Couch liegen, ich treffe Freundinnen, arbeite im Garten, lese oder bewege mich im Fitnessstudio oder fahre Rad.
Was ich auch festgestellt habe, dass der Kontakt zu Freunden extrem wichtig ist. Danach geht es mir immer viel besser. Wenn ich mir alles von der Seele reden kann, mich verstanden fühle, das tut gut. Ich habe da ganz liebe Menschen, die mir sehr helfen und bei denen ich mich auch öffnen kann.
Dieses Wochenende war wieder besonders schlimm, weil ich länger mit meiner Mutter zusammen war. Das zieht mich immer so runter. Seit mein Bruder tot ist (das ist immerhin 40 Jahre her) bin ich Luft für sie. Manchmal habe ich das Gefühl es wäre ihr lieber gewesen, ich wäre gestorben. Ich habe mich immer angestrengt, ihr etwas recht zu machen. Sehr schwierig. Sie freut sich ja schon, wenn ich wieder einen neuen Job finde aber der Kommentar ist dann nicht "du schaffst das schon, ich bin stolz auf dich" sondern "meinst du schon, dass das diesmal was wird?" Na danke, sehr ermutigend. Umso weniger möchte ich mir die Blöße geben und vor ihr zugeben, dass ich kämpfen muss.

03.09.2019 18:08 • x 1 #8


Ylvi13
Liebe Lilly,

Zitat von Lilly-18:
Ich dürste so danach, dass mir meine Mutter mal was aufmunterndes sagt, aber die ist selbst depressiv, die muss ich noch aufheitern.
Ich wünsche mir einen Job, der mir ein gutes Auskommen ermöglicht ohne mich total auszulaugen. Utopie, ich weiß.
Ich wünsche mir dass ich mich nicht so unter Druck setze.


Meine Situation ist eine andere, aber ich kann das total nachempfinden, dieses dürsten danach, dass die Mutter reagiert. Ohne jetzt soweit auszuholen . . . ich habe mir so lange gewünscht, dass ich nur einmal an erster Stelle stehe, dass meine Mutter mir das Gefühl gibt, genau so wichtig zu sein, wie meine Schwester. Dafür habe ich so viel getan, immr umsonst. Es war dann Thema in der Therapie. Meine Therapeutin hat zu mir gesagt " Da hilft nur radikale Akzeptanz". Meine Mutter wird sich nicht mehr ändern. Ich kann mich bis zur Bewusslosigkeit anstrengen, dieser Wunsch wird nicht erfüllt werden.Dieser Tatbestand ist Fakt. Es ist also besser , es so zu akzeptieren und die Kraft darauf zu verwenden, den Umgang damit zu lernen. Ich habe gelernt und ich erwarte in dieser Richtung von meiner Mutter nichts mehr. Ich habe akzeptiert, dass ich bei meinen Eltern in der zweiten Reihe stehe und ich verhalte mich entsprechend. Natürlich rutsche ich hier und da nochmal in mein altes Vehaltensmuster, das gilt es zu korrigieren. Insgesamt geht es mir , was diese Baustelle betrifft, viel besser.
Vielleicht kannst du für dich in dieser Richtung einen Weg finden.
Wäre es möglich, dass du versuchst, den Druck, den du dir selbst machst, ein wenig rauszunehmen? Vor meiner Krankheit war ich Perfektionist, dass laugt aus ohne Ende und oftmals ist das sogar unnötig. Mittlerweile konnte ich bei mir einiges verändern . Ich mache so gut, wie ich kann. Und wenn es nicht perfekt ist , kann ich gut mit leben.
Für heute sage ich :Gute Nacht!

03.09.2019 21:46 • x 1 #9


Lilly-18
Liebe Ylvi,
meine Therapeutin hat mir diesen Rat auch gegeben, meine Mutter so zu akzeptieren wie sie ist. Oder den Kontakt abzubrechen, aber davon hat sie mir abgeraten und das wollte ich auch gar nicht. Wir sehen uns eh nicht so oft und ich denke, meistens gelingt mir das Akzeptieren auch ganz gut. Aber dieses Wochenende hatte ich mal wieder eine Überdosis von ihr und das war einfach zu viel.
Druck raus nehmen möchte ich gerne, leichter gesagt als getan. Ich bin irgendwie darauf gepolt, immer alle Erwartungen erfüllen zu wollen und bin von mir selber enttäuscht, wenn ich das nicht kann.
Ich habe momentan leider einen Job, bei dem ich ganz alleine in einem Büro sitze und nur mit dem Chef zusammen arbeite. Wenn ich etwas fragen muss, muss ich direkt zu ihm. Und ich weiß nie ob das grade blöd ist was ich wissen muss oder nicht. Manchmal hätte ich gerne eine Kollegin. Aber so ist das eben jetzt.

04.09.2019 07:10 • #10


Ylvi13
Liebe Lilly,
der Kontaktabbruch wurde mir auch angeraten. Das kam für mich nicht in Frage. Mittlerweile habe ich gelernt, die Dosis Mutter so zu portionieren, dass ich damit gut leben kann. Ich renne nicht mehr etwas hinterher, was ich sowieso nicht kriege. Diese Einsicht hätte 7ch gern früher gehabt.
Ja du hast recht, Druck rausnehmen ist leichter gesagt, als getan. Es hat , gefühlt, ewig gedauert, bis ich das halbwegs hinbekommen habe. Und mit dem Arbeiten daran wird man wohl auch nie fertig. Darauf kommt es für mich aber auch nicht an. In kleinen Schritten hier und da was ändern hilft schon und irgendwann wird es eine stabile Summe, die mich entspannter leben lässt.
Ganz grundsätzlich denke ich , wenn man etwas nicht weiss, muss und darf man fragen, das ist für mich absolut positiv besetzt. Zuzugeben, etwas nicht zu wissen, zeugt von Stärke. Kein Mensch weiss alles, jedenfalls ist mir noch keiner begegnet. Und wenn ich das richtig verstanden habe, hast du doch deine Probezeit bestanden, dann ist dein Chef doch mit deiner Arbeit zufrieden! Oder meinst du nicht ? Kann man nicht auch sagen - Du fragst, um Fehler zu vermeiden; Fragen zeugen vom Interesse an der Arbeit; Du möchtest dazu lernen und dein Wissen vergrössern ? Und jeder Mensch darf auch mal was vergessen, tut dein Chef bestimmt auch.
Vielleicht suchst du in einer ruhigen Minute mal das Gespräch mit deinem Chef . Das kann dir ein sicheres Gefühl geben und Druck rausnehmen.
Hab einen schönen Tag!

04.09.2019 08:47 • x 1 #11


Lilly-18
Danke Ylvi, für deine Ermutigung
Deinen Tip, das Gespräch mit meinem Chef zu suchen, habe ich heute tatsächlich beherzigt. Ich habe ihn darauf angesprochen, dass ich es schade finde, dass unsere Mitarbeitergespräche fast nie statt gefunden haben und weil ich jetzt dann 2 Wochen Urlaub habe hätte ich gerne vorher noch ein Gespräch, um beruhigt die freien Tage genießen zu können. Wir haben gleich einen Termin vereinbart und er meinte, ich solle ihn unbedingt daran erinnern.
Ja, die Probezeit habe ich bestanden. Da hat er auch gar nicht groß Aufhebens drum gemacht. Aber ich glaube schon, dass er spürt, wie verletzlich ich bin. Ich wäre so gerne robuster und würde mir lieber nicht so viele Gedanken machen. Aber ich kann aus meiner Haut nicht raus.
Ich hatte heute auch das Gefühl, dass er tatsächlich öfter mal was Positives einfließen lassen hat. Ich glaube schon dass er genau weiß was mir fehlt. Und ich schätze ihn eigentlich auch relativ sensibel ein. Aber er ist ein Perfektionist und kann ganz schlecht damit umgehen, wenn andere nicht so arbeiten wie er.
Vor den nächsten 2 Tagen graut es mir sehr, denn ich muss noch so viel machen vor meinem Urlaub. Chef möchte möglichst alles was noch offen ist erledigt haben. Er hat ja sonst niemanden, der den Kleinscheiss macht.
Heute Nacht bin ich mit Herzrasen aufgewacht, mein Blutdruck war aber heute früh ganz normal. Da hab ich auch vor ein paar Wochen die Dosis meiner Medikamente erhöht, der war ordentlich hoch in letzter Zeit.
Wünsche euch eine gute Nacht, werd heute früh ins Bett gehen, ich muss morgen gut bei Kräften und Konzentration sein.

04.09.2019 19:52 • x 1 #12


Ylvi13
Liebe Lilly,
wenn du erlaubst, dann klopfe ich dir aus der Ferne mal ordentlich lobend auf die Schulter. Das hast du super hinbekommen. Vielleicht hilft es dir, mit einem Spickzettel in das Gespräch zu gehen, da hast du Sicherheit, dass dir alles, was du loswerden möchtest, auch einfällt. Und durch das Schreiben sortierst du deine Gedanken.
Wäre es vielleicht eine Option, etwas länger zu arbeiten. Das würde dir etwas den Druck rausnehmen. Und vielleicht kannst du die Dinge, die noch erledigt werden müssen, nach Wichtigkeit oder Dringlichkeit sortieren. Dein Chef würde sehen, dass du durchaus gewillt bist, deine Arbeit gut zu erledigen und zu schaffen. Und wenn dann etwas liegenbleibt, ist es wahrscheinlich nicht so schlimm. Mehr als arbeiten kannst du nicht.
Und abends tust du dir was besonders Gutes, als Belohnung .
Hast du dir für deinen Urlaub was schönes vorgenommen?
Schlaf gut und erholsam. LG

04.09.2019 21:35 • x 1 #13


Lilly-18
Danke für das Lob . das mit dem länger arbeiten mache ich sowieso schon immer, wenn ich viel zu tun habe. Ich mag nicht gern was liegen lassen und am Anfang, als ich angefangen habe, war ich ein paarmal dort zum einarbeiten - ohne Bezahlung. Ich habe mich dann irgendwann auch ein wenig ausgenutzt gefühlt, weil ich eben wenig zurück bekomme. Ich verdiene nicht so viel. Aber ich bin schon willens, mich durchzubeißen.
Für morgen Abend habe ich mich mit meinen beiden liebsten Freundinnen verabredet. Die haben auch beide grade Urlaub und das wollen wir zusammen feiern. Das ist ein Lichtblick, an dem ich mich festhalte.
Für den Urlaub hab ich mir nicht viel vorgenommen, weil ich momentan etwas Ebbe auf dem Konto habe . Ich hoffe auf schönes Wetter, dass ich mit meinem Liebsten zuhause was Schönes unternehmen kann. Wir wollen meine Töchter in ihrer neuen Wohnung besuchen, meine Cousine hat uns eingeladen. Die werden wir auch besuchen, darauf freue ich mich.
Jetzt stürze ich mich in den vorletzten Arbeitstag vor dem Urlaub.
Einen schönen Tag euch allen.

05.09.2019 07:07 • x 4 #14


Liebe Lilly,

ich kann mich in deinen Verhaltensformen in vielerlei Hinsicht wiedererkennen.

Viele liebe Grüße
laluna

05.09.2019 08:17 • #15




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