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Fehlende Anerkennung - oder erwarte ich zu viel?

Lilly-18
Endlich Urlaub! Ich habe alles geschafft und musste auch nicht länger arbeiten. Vieles was ich mir vorher so schlimm vorgestellt habe, ist gar nicht eingetreten.
Das Gespräch mit dem Chef hat ganz zwiespältige Gefühle in mir ausgelöst. Mein Chef ist schon zufrieden mit mir, er mag mich auch. Aber er hat meine Ängste genau erkannt. Er sieht mir an dass ich unter Strom stehe und Angst habe, Fehler zu machen. Ich bin fleißig und interessiert, aber die Angst kann ich nicht verbergen.
Ich schäme mich so. Ich fühle mich schwach und verletzlich. Ich fühle mich ausgeliefert. Mein Chef wird mich nie respektieren und mir Wertschätzung entgegenbringen.
Er meint, er kann mich nicht für Dinge loben, die selbstverständlich sind. Auch wenn er weiß, dass mir das gut täte. Aha. Das hat mich verletzt, weil ich mich so durchschaut gefühlt habe.
Ist das eine Basis? Ich bin schon so oft davon gelaufen. Ich bin mir zwar sicher, dass mir nicht gekündigt wird, weil meine Arbeit schon geschätzt wird. Aber meine Ängste sind zu offensichtlich. Ich weiß, dass ich dem Job gewachsen bin. Aber ich schäme mich so, dass ich durchschaut worden bin. Andererseits brauche ich keine Fassade aufrecht erhalten, ich kann so sein wie ich bin.
Wie gesagt, ich fühle mich so zwiespältig.
Jetzt habe ich erstmal Urlaub. Ich werde versuchen, abzuschalten. Aber ich kenne mich, es wird mir nicht gelingen. Mein Fluchtreflex ist schon wieder so stark.

07.09.2019 22:57 • #16


Ylvi13
Liebe Lilly,
wenn ich darf, klopfe ich dir nochmal lobend auf die Schulter. Diesmal nehme ich die andere Seite.

Zitat von Lilly-18:
Mein Chef ist schon zufrieden mit mir, er mag mich auch. Aber er hat meine Ängste genau erkannt. Er sieht mir an dass ich unter Strom stehe und Angst habe, Fehler zu machen. Ich bin fleißig und interessiert, aber die Angst kann ich nicht verbergen.
Ich schäme mich so. Ich fühle mich schwach und verletzlich. Ich fühle mich ausgeliefert. Mein Chef wird mich nie respektieren und mir Wertschätzung entgegenbringen.


Grundsätzlich denke ich, wenn du noch etwas länger dort arbeitest, wird sich eine gewisse Routine und Sicherheit einstellen.Dann wird deine Angst vielleicht nicht mehr so vordergründig sein.
Gib dir doch mehr Zeit ! Du bist fleissig und interessiert, dass ist das Wichtige für deinen Chef.
Und ja, du hast recht, du brauchst keine Fassade aufrecht zu erhalten. Und schämen brauchst du dich auch nicht. Wofür denn auch, dass du krank bist. Niemand kann etwas dafür, wenn er krank wird , dass passiert einem. Du versuchst mit deiner Krankheit umzugehen, gehst arbeiten und stemmst dein Leben. Das verdient Respekt und Wertschätzung. Dein Chef gehört vielleicht nicht zu den Menschen, die das rauslassen können. Nicht loben heisst ja nicht zwangsläufig unzufrieden.
Ich bin schon eine Weile EU- Rentner , von daher weiss ich nicht, wie das heute so ist. Ich finde es aber nicht ungewöhnlich, wenn ein Chef für Selbstverständliches nicht lobt. Vielleicht gelingt es dir, dort dein Bedürfnis etwas abzuwandeln. Wdnn es für dich ein guter Tag war, tu dir was gutes. In Chef ist NUR dein Arbeitgeber und so verhält er sich auch.
Und mach mal deinem Fluchtreflex eine Ansage, ich weiss, leichter gesagt als getan. Aber nach dem was du schreibst, gibt es, meiner Meinung nach, für eine Flucht erstmal keinen Grund. Das dein Chef dir deine Angst ansieht, ok, aber du leistest gute Arbeit. Und ich denke, es ist auch für dich gut, dir noch ein bisschen Zeit zu geben. Gehen kannst du immer noch.
Ich wünsche dir einen ganz schönen, erlebnissreichen Urlaub.
Liebe Grüsse

08.09.2019 12:14 • #17


Lilly-18
Liebe Ylvi, vielen Dank für ein Schulterklopfen . Du hast schon recht, ein Chef ist ein Chef und kein Freund oder Familienangehöriger. Ich erwarte wahrscheinlich wirklich zu viel. Und bin wahrscheinlich auch zu ungeduldig.
Natürlich werde ich durchhalten.
Noch mehr Angst als vor der Arbeit habe ich Angst vor Arbeitslosigkeit. Es sind Existenzängste, die mich quälen. Ich schaue oft ängstlich auf mein Konto und versuche mich zu beruhigen, dass es mir doch gut geht, auch wenn ich mich noch nicht so richtig mit meinem geringeren Einkommen abfinden kann.
Ich bin schon öfter in meinem Leben sehr tief gefallen, habe es mit großer Anstrengung immer irgendwie geschafft, wieder auf die Füße zu kommen. Aber ich habe einfach keine Lust und keine Kraft mehr.
Momentan stehe ich auf relativ sicheren Beinen, wenn auch auf einem relativ niedrigen Niveau. Das ist eben der Preis dafür, dass ich mehr auf mich schaue, weniger arbeite, mir mehr Zeit gebe und mich weniger stresse - für meine Verhältnisse. Ich weiß inzwischen, dass der Preis für gutes Einkommen bedeutet, dass ich Raubbau mit meinem Körper und meiner Psyche treibe. Das kann ich nicht mehr. Damit bin ich inzwischen 3 x gescheitert. Das reicht.
Ich habe, als ich das letzte Mal arbeitslos wurde - von einem Tag auf den anderen, ohne Vorwarnung und völlig überraschend - den nächsten Job, den ich bekommen habe angenommen, so panisch war ich, nichts mehr zu finden. Ich hätte 1,5 Jahr Arbeitslosengeld bekommen, mehr als ich jetzt verdiene, aber ich war überzeugt, dass ich danach alles verlieren werden, wofür ich bis jetzt gekämpft habe.
Inzwischen hat sich das als Glücksfall erwiesen. Dass ich nur noch 28 Stunden arbeite tut mir gut, auch wenn ich am Anfang unbedingt mehr arbeiten wollte. Und ich glaube auch inzwischen, dass ich es mit meinem Chef gar nicht so schlecht getroffen habe. Kämpfen würde ich überall, auch die Angst würde mich in jedem Job begleiten.
Das mit der Routine kommt sicher noch. Ich will arbeiten und ich muss arbeiten. Deshalb werde ich durchhalten.

08.09.2019 22:04 • #18


Ylvi13
Liebe Lilly,
ich finde es wirklich sehr mutig, dass du dich für dich entschieden hast und damit für ein geringeres Einkommen. Meinen , das habe ich nicht geschafft. Ich bin selbst noch mit zwei Bandscheibenvorfällen in Teilzeit arbeiten gegangen Wegen Geld
Durch einen Vorfall in meiner Familie habe ich auf die ganz harte Tour gelernt, dass es, weiss Gott, wichtigeres gibt als Geld. Manches ist auch mit sehr viel Geld nicht zu kaufen. Wenn man nur arbeitet und zum Leben kommt man nicht mehr, dass ist für mich mittlerweile eine gruselige Vorstellung. Natürlich gab es dann auch Menschen, im weiteren Familienkreis, die meinen Mann, meine Tochter und mich sehr von oben herab behandelt haben, nur, weil wir mit dem Konsumverhalten nicht mithalten konnten und auch nicht wollten. Die Kontakte sind abgebrochen. Ich hatte keine Lust mehr, mich für unser geringeres Familienbudget zu rechtfertigen.
Du wirst dich sicherlich mit deinem geringeren Einkommen anfreunden und dir dein Leben so einrichten, dass es dich glücklich macht.

Zitat von Lilly-18:
Das mit der Routine kommt sicher noch. Ich will arbeiten und ich muss arbeiten. Deshalb werde ich durchhalten.


Klasse Einstellung

Hab einen schönen Abend, lG

09.09.2019 17:49 • x 2 #19


ZeroOne
Hi @Lilly-18 !

Zitat von Lilly-18:
Ich weiß inzwischen, dass der Preis für gutes Einkommen bedeutet, dass ich Raubbau mit meinem Körper und meiner Psyche treibe.


Ich war zu Beginn meiner Erkrankung auch deiner Meinung, lasse bei mir aber zwischenzeitlich einen "Graubereich" zwischen schwarz (viel Geld, aber krank) und weiß (wenig Geld, aber halbwegs gesund) zu.

Meinen alten Job konnte und wollte ich nicht mehr machen, konnte aber in den freien Zeiten, die ich mir (natürlich unter finanziellen Einbußen) zugestanden hatte, viel an meinen eigenen Stärken und Schwächen hinsichtlich Arbeit basteln. Das führte dazu, dass ich trotz meiner noch bestehenden Erkrankung mich beruflich so aufstellen konnte, dass ich ordentlich verdiene und es trotzdem mit meinem krassen, gesundheitlichen Umfeld harmoniert.

Ich finde, dass man immer irgendwann kreativere und passendere Lösungen finden kann, wenn man sich die Zeit dafür nimmt - auch wenn das mit einer vorübergehenden Durststrecke verbunden ist.

Ich drücke dir die Daumen.

LG
ZeroOne

Gestern 16:08 • x 1 #20


Lilly-18
Hallo ZeroOne, ich befinde mich eigentlich auch im Graubereich, denn selbst die 28 Stunden sind mir eigentlich zu viel aber von noch weniger könnte ich nicht leben. Ich habe mich arrangiert.
Meine Stärken und Schwächen kenne ich eigentlich auch ganz gut, ich bin nicht dumm, aber ich kann inzwischen kaum noch mit Druck umgehen. Ich weiß auch, was ich gerne machen würde, habe das auch mit Leidenschaft und Motivation gemacht, aber ich konnte leider meine jeweiligen Chefs nicht überzeugen. Warum weiß ich bis heute nicht und zermartere mir das Gehirn, suche irgendwo meine Schuld.
Ich habe festgestellt, dass ich zu alt für diesen Wahnsinn bin, die junge Kollegin, die jetzt meinen letzten Job macht ist weder schlauer noch fleißiger als ich, aber die lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und macht sich keinen Stress.
Und der psychopatische Chef, bei dem ich gekündigt habe, weil ich dachte was Besseres gefunden zu haben, hat inzwischen nach mir schon wieder 3 Leute ausgewechselt.
Und das Problem mit dem Geld ist darin begründet, dass ich eigentlich was ganz anderes gelernt habe und somit überall nur "angelernt" bin. Außerdem kann ich mich schlecht verkaufen, es fällt mir irre schwer, Forderungen zu stellen und gebe mich mit allem zufrieden was ich bekomme.
Natürlich komme ich zurecht, ich habe auch noch einen Partner der mich unterstützt, ohne ging es gar nicht.
Mir ist klar, dass es keinen Sinn macht rum zu jammern. Entweder ich ändere etwas an der Situation oder ich lasse es so wie es ist und akzeptiere es.
Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil ich die Energie nicht mehr aufbringe, etwas zu ändern und ich die Erfahrung gemacht habe, dass nicht zwingend etwas Besseres nachkommt.

Vor 5 Stunden • #21




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