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Die Hypochondrie besiegen - Erfahrungen

dari86

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Hallo zusammen,

ich habe nun seit längerem schreckliche Angst vor lebensbedrohlichen Krankheiten. Ganz schlimm ist die Angst vor Krebs.
Täglich muss ich daran denken evtl. eine schlimme Krankheit zu haben und kontrolliere oft meinen Körper und recherchiere im Internet. Seit dem mein Sohn (1,5 Jahre alt) auf der Welt ist, ist es noch schlimmer geworden.

Ich war bereits bei einem Psychater, dieser entsprach jedoch nicht meinen Vorstellungen. Ich habe das Gefühl das Thema selbst mit mir ausmachen zu müssen.

Habt ihr wertvolle Tipps wie ihr das Thema in den Griff bekommen habt? Ich möchte das einfach nicht mehr.

Herzlichen Dank !

15.10.2018 11:11 • #1


JuliaW

JuliaW

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Hallo Dari,

aus Deinem Beitrag kommt ganz klar herüber, dass Du nicht mehr mit diesen Ängsten leben möchtest und Du hast die ersten Schritte gemacht, um es zu ändern. Ich hatte selten solche Gedanken, doch in einigen Situationen hat mich die Angst vor Krebs etc. mehrere Tage beschäftigt und ich musste mich da richtig wieder rausarbeiten. Das ist mit Sicherheit nicht vergleichbar mit Dir und Deiner Situation, doch ich habe darüber nachgedacht, was mich davor "bewahrt" haben könnte und dafür gesorgt hat, dass ich damit umgehen konnte. Ich habe dazu mehrere Gedanken - vielleicht hilft Dir ja einer oder auch mehrere davon:


Eindrucksvolles Beispiel, was diese Art Stress mit einem machen kann
Ich kenne einen mir nahestehenden Menschen, der ähnlich wie Du dauernd seinen Körper kontrolliert hat, Angst vor unterschiedlichsten Krankheiten hatte und wegen diverser Themen beim Arzt und im Krankenhaus war, um checken zu lassen, ob er nicht vielleicht doch krank wäre. Die Antwort lautete jedes Mal: Da ist nichts. Ich habe erlebt wie dieser Mensch über Monate aus diesen Gedanken nicht rauskam, am Ende kaum noch schlafen konnte und immer stärkere Symptome entwickelt hat. Nicht, weil er wirklich krank war, sondern weil er sich so gestresst hat. Heute hat er das überwunden (mit Hilfe eines Therapeuten) und es geht ihm gut.


Ich wusste, dass das Wissen über Symptome angsterregend sein kann
Dazu hatte ich hier im Forum schon mal was geschrieben und baue es als Zitat ein:
Zitat von JuliaW:
...ich habe überhaupt nicht nach Symptomen gegoogelt und das hat auch einen Grund: Ich habe meinen Vater öfter eine Geschichte aus seinem Medizinstudium erzählen hören, als auf einmal sehr viele Mitstudenten die seltsamsten Symptome entwickelt haben, krank wurden und zum Arzt gingen, der nichts fand. Das war etwas, was regelmäßig passierte und immer in einem bestimmten Semester. Der Grund war, dass die Studenten für dieses Semester einen dicken Wälzer mit allem Krankheiten und Symptomen brauchten. Sie haben also ähnliches getan wie Du beim googeln, sie haben sich die Krankheiten durchgelesen und plötzlich entwickelten sie Symptome, einfach weil sie sich so sehr darauf konzentrierten und Angst davor hatten. Die Angst war der Hauptfaktor für ihre gesundheitlichen Probleme.

(aus dem Beitrag: angst-vor-krankheiten-was-sind-eure-symptome-t24874.html#p283831)


Buch über den Placebo-Effekt gelesen und verstanden wie stark der Einfluss unserer Gedanken auf unseren Körper ist
Auch hier zitiere ich aus einem schon geschriebenen Beitrag für ein Mitglied, das genauso wie Du unter Ängsten vor Krankheiten und dem Tod litt und das diese Frage hatte (Beitrag: angst-vor-dem-tod-t24847.html):
Zitat von Maehvin:

Ich könnte noch Stundenlang weiter schreiben aber mein Hauptproblem ist, dass ich es nicht verstehen. Wie kann mein Körper sich so etwas nur durch Stress einbilden? Sowas ist für mich nicht möglich.

Meine Antwort lautete:
Zitat von JuliaW:
In dem Buch "Du bist das Placebo - Bewusstsein wird Materie" von Dr. Joe Dispenza (https://www.amazon.de/Du-bist-das-Place..._1?ie=UTF8) wird genau dieser Mechanismus erklärt. Vielleicht hast Du schon mal etwas vom Placebo-Effekt gehört? In der Forschung bezieht sich das häufig auf Medikamente. Patienten bekommen kleine Pillen, die keinen Wirkstoff enthalten, und werden trotzdem gesund. Genauso kann es in die andere Richtung gehen: Der Gedanke, eine schlimme Krankheit zu haben und deshalb bald zu sterben, erhöht den Stresslevel in Deinem Körper. Der Körper schüttet dann tatsächlich chemische Verbindungen aus, die eine Veränderung in Deinem Körper bewirken und so wird der ursprüngliche Gedanke plötzlich sehr real. Und wenn dann noch Emotionen hinzukommen wie Angst vor dem Sterben, wird das nochmal intensiver. Der Autor bringt viele wissenschaftlich erforschte Hintergrundinformationen (in diesem zum Teil esoterisch anmutenden) Buch. Vielleicht könnte Dir das helfen, um etwas besser zu verstehen, was in Dir passiert und auch, wie Du damit gelassener umgehen kannst.

(aus dem Beitrag: angst-vor-dem-tod-t24847.html#p283588)


Ich konnte gegensteuern, weil ich wusste wie ich über Gedanken meine eigenen Emotionen (Angst) regulieren kann
Diese Art der mentalen Selbstregulation ist eine Fähigkeit, die ich mir über mehrere Jahre angeeignet habe. Heute würde ich jedem, der sich damit befassen will, für den Einstieg das folgende Buch empfehlen: "Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern" von D. Greenberger & C. A. Padesky (https://www.amazon.de/Gedanken-ver%C3%A...ks&ie=UTF8)


Ich habe mich mit dem Tod auseinandergesetzt und ihn akzeptiert
Da spielt eine Menge mit rein und ich kann das im Moment nicht im Einzelnen sagen. Das Ergebnis ist, dass ich keine Angst mehr habe vor dem Sterben und auch nicht vor dem Tod.


Du schreibst, dass Du bei einem Psychiater warst und das Gefühl hast, dass Du das eher mit Dir ausmachen willst. Ich glaube, dass das möglich ist und dass Du das schaffen kannst. Und gleichzeitig könnte es genauso hilfreich sein, einen Therapeuten hinzuzuziehen, der sich mit Hypochondrie auskennt und Dir mit seiner Erfahrung zur Seite stehen kann.

Egal wie Du es angehst, ich wünsche Dir sehr, dass Du diese Ängste bald hinter Dir lassen kannst.

Liebe Grüße,
Julia

15.10.2018 14:52 • x 3 #2


dari86


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Julia ein herzliches Dankeschön für deinen super ausführlichen Beitrag! Du hast mir sehr geholfen

16.10.2018 22:58 • #3


Timeless77

Timeless77

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Hallo,

wirklich besiegen kann man die Hypochondrie meiner Meinung nicht. Man kann es aber schaffen, dass man nicht mehr nach Krankheiten online sucht und die Krankheit insoweit relativiert, dass man gelassener ist. Dazu bedarf es auch keine Medikamente. Was man braucht ist ein Paradigmenwechsel also einen anderen Blick auf das eigene Sein. Das hört sich jetzt vielleicht esoterisch aber so ist es nicht gemeint.

Liebe Grüße

17.10.2018 07:34 • x 1 #4


dari86


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Zitat von Timeless77:
Hallo,

wirklich besiegen kann man die Hypochondrie meiner Meinung nicht. Man kann es aber schaffen, dass man nicht mehr nach Krankheiten online sucht und die Krankheit insoweit relativiert, dass man gelassener ist. Dazu bedarf es auch keine Medikamente. Was man braucht ist ein Paradigmenwechsel also einen anderen Blick auf das eigene Sein. Das hört sich jetzt vielleicht esoterisch aber so ist es nicht gemeint.

Liebe Grüße


Hallo und viele Dank für deine Antwort!
Hast du denn so ein Paradigmenwechsel erlebt ?

17.10.2018 07:54 • #5


JuliaW

JuliaW

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Hallo Dari,

gern geschehen und das freut mich. Ich war selbst erstaunt wie viel da am Ende zusammengekommen war. Umso schöner, wenn Du es für Dich als hilfreich empfindest.

@timeless77: Dem "Paradigmenwechsel", den Du ansprichst, kann ich viel abgewinnen. Das ist etwas, was ich bei mir selbst als sehr hilfreich erlebt habe. Beispielsweise die neue Perspektive auf das Sterben und den Tod würde ich in die Richtung einordnen und das macht für mich einen enormen Unterschied.

Zitat von Timeless77:
wirklich besiegen kann man die Hypochondrie meiner Meinung nicht.

Ich achte die Meinung anderer Menschen und gleichzeitig habe ich etwas anderes erlebt und deshalb glaube ich, dass es möglich ist. Ich kenne jemanden, der das Thema Hypochondrie komplett hinter sich gelassen hat. Und was ich davon miterlebt habe, das war schon arg. Wir sind alle einzigartig und gleichzeitig denke ich: Wenn es einem Menschen möglich ist, dann ist es möglich. Daraus beziehe ich dann auch Kraft, um selbst neue Wege zu finden und zu gehen, um meine Symptome aufzulösen, was immer besser funktioniert. Deshalb würde ich jedem Mut machen wollen, daran zu glauben, dass es möglich ist.

Liebe Grüße,
Julia

17.10.2018 09:59 • x 1 #6


dari86


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Julia klasse Worte! Ich sehe das genauso!

Wie hattest du dich denn speziell aus dem Thema heraus gearbeitet ?

17.10.2018 12:28 • #7


JuliaW

JuliaW

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Hallo Dari,

freut mich, dass Du mit dieser Sichtweise was anfangen kannst. Für mich war die Überzeugung, dass es möglich ist, etwas ganz wichtiges, denn lange Zeit habe ich gar kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Deine Frage so verstanden habe wie Du sie meintest. Ich antworte mal so wie ich sie verstehe: Mein Thema ist ja nicht Hypochondrie, wie ich oben in Beitrag # 2 geschrieben hatte, bin ich da gut drum herum gekommen, indem ich vieles angewendet habe, was ich schon wusste oder schon konnte. Beispielsweise die Emotionsregulation (über die Steuerung meiner Gedanken) hat mir sehr geholfen.

Mein Thema sind vor allem körperliche "Angst"-Symptome. Deshalb habe ich mich intensiv mit den Hintergründen und körperlichen Zusammenhängen befasst und versucht zu verstehen, was hinter bestimmten Symptomen stecken könnte. Ich habe mir angeschaut wie Stress im Körper und im Gehirn wirkt, wie Körper und Psyche zusammenhängen, wie das Nervensystem funktioniert, habe mich mit der körperlichen Seite der Angst befasst und ich habe gelernt, dass die Muskulatur und das Bindegewebe (Faszien) eine sehr große Rolle bei Missempfindungen spielen - zum Glück gibt es zu allem inzwischen Fachleute, die das in sehr verständlichen Worten darstellen können (falls es Dich interessiert, findest Du hier einige Buchempfehlungen und eine Website dazu: woher-nehmt-ihr-die-kraft-jeden-tag-neu-zukaempfen-t24902.html#p284019). Dadurch habe ich Möglichkeiten erkannt wie ich auf meine Symptome einwirken kann. So arbeite ich auf allen Ebenen (mental, emotional und körperlich) daran, die Symptome Schritt für Schritt aufzulösen und auch mit den Rückschritten umgehen zu können. Es ist ein riesiger Unterschied, ob Du Dich hilflos ausgeliefert fühlst oder weißt, dass Du etwas ändern kannst.

Gerade am Anfang war es sehr langwierig auch nur kleinste Fortschritte zu erzielen. Ich habe deshalb verschiedene Möglichkeiten gefunden, um nicht aufzugeben und jeden Tag weiterzumachen, die habe ich in diesem Beitrag woher-nehmt-ihr-die-kraft-jeden-tag-neu-zukaempfen-t24902.html#p283976, schon mal beschrieben.

Inzwischen bin ich auf einem sehr guten Weg, auch die körperlichen Symptome regulieren zu lernen. Mein Weg da durch hat übrigens auch sehr nette Nebeneffekte: ich ruhe jetzt sehr stark in mir, bin viel geduldiger als früher, kann besser mit Konflikten umgehen, rege mich kaum noch auf und lebe mit sehr viel mehr (Selbst-)Mitgefühl. Die Liste ließe sich wahrscheinlich noch fortsetzen, doch das ist das, was mir spontan einfällt. Diese "Reise" hat mich sehr verändert und zwar in eine Richtung, die ich sehr mag. Ich habe sehr viel investiert, um dorthin zu kommen. Ein Wendepunkt war, es zu akzeptieren wie es ist, und dann damit zu arbeiten.

Beantwortet das Deine Frage?

Liebe Grüße,
Julia

18.10.2018 09:25 • x 1 #8


Timeless77

Timeless77

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Zitat von dari86:
Hast du denn so ein Paradigmenwechsel erlebt ?


Ja, ich habe diesen bei mir erlebt. Allerdings nicht im gewohnten Umfeld. Mir ging es wochenlang schlecht. Ich habe es nicht geschafft positiv zu denken. Durch einen Umzug in Verbindung mit einem vorherigen Urlaub habe ich neue Impulse bekommen und kurz danach, konnte ich überhaupt nicht mehr verstehen, warum es mir so schlecht ging. Sich selbst nicht als Mittelpunkt zu sehen hat mir am meisten geholfen. Damit meine ich, dass ich keine Schmerzen hatte. Ich habe ein Bett und habe keinen Hunger. Mir könnte es viel schlechter gehen. Unsere Zeit zu auf diesem Planeten ist begrenzt, warum dann diese Zeit mit Gedanken an Krankheiten verschwenden, welche ich sowieso nicht ganz beeinflussen kann?

Zitat von JuliaW:
Dem "Paradigmenwechsel", den Du ansprichst, kann ich viel abgewinnen


freut mich :)

19.10.2018 09:36 • x 1 #9


Juju

Juju

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Wie geht es Dir denn mittlerweile? Auch allen anderen, die hier geantwortet haben?
Ich plage mich halt auch mit Hypochondrie.
Ich habe Symptome und dann kann ich mich so richtig reinsteigern. . . Dabei dreht es sich nicht um eine spezielle Krankheit oder um die Angst vor dem Sterben. Ich habe generell wohl die Angst, die Kontrolle zu verlieren, abhängig zu werden. . . ich sehe Krankheit als etwas schlechtes an. Wer will schon einen kranken Menschen. . . usw.

06.01.2019 09:57 • #10


AnnyBanny

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Mir geht es auch so und ich würde auch gerne wissen wie es euch hier so ergangen ist
Ich möchte einfach nur das der Wahnsinn hier bald mal ein Ende hat denn auch mein Verlobter weiß sich langsam nicht mehr zu helfen was meine ständige Angst angeht :(

06.01.2019 10:58 • x 1 #11




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