Ich stelle fest, ich bin zwischen belustigt und traurig.
Eine Frau an der Kasse vor mir war ganz ungehalten, weil ihre vorbestellte Ente nicht gefunden wurde. Ich hab das anfangs gar nicht begriffen, hab mich ernsthaft kurz gefragt, ob es da um eine Quietscheente geht - bis sie völlig aufgelöst erklärte, dass sie dann etliche andere Artikel auch da lassen könne, weil es dann kein Weihnachtsessen bei ihr gäbe. Dann hätte sie sich auch das Vorbestellen sparen können. Währenddessen war eine Mitarbeiterin panisch am suchen und erklärte, dass sie irgendwie alle Enten nicht finden könne.
Dieses ganze Szenario, diese aufgelöste Frau völlig im Stress, diese kuriose Suche nach den Enten - das fand ich echt lustig. Dass es dabei aber um Enten geht, die in einen Teich, einen See oder Fluss gehören und dort bitte ihr Leben verbringen sollen statt unter schlimmsten Bedingungen (denn selbst diese Bio-Enten hatten kein so wundervolles Leben wie es die Werbung verspricht und getötet werden wollte ganz sicher keine einzige von ihnen) gehalten und am Ende umgebracht zu werden -- am Fest der Liebe. Das macht mich inzwischen so traurig.
Dieser Weihnachtsstress hat nichts mit Liebe zu tun. Sinnlos massenhaft Geschenke zu konsumieren hat nichts mit Liebe zu tun. Ein anderes Lebewesen zu töten für 10 Minuten eigenen Genuss hat nichts mit Liebe zu tun.
Ich kann mit Weihnachten echt nichts anfangen, aber ich stelle fest, dass nicht nur der ursprüngliche Gedanke dahinter lange in Vergessenheit geraten ist, sondern auch die ganze Aufmachung um das Fest der Liebe pure Heuchelei ist.
Aber bitte. Wenigstens ist Deutschland deswegen ein paar Tage lahm gelegt und das genieße ich sehr.
23.12.2022 10:39 •
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