Ich stelle fest, ich habe keine Lust auf diesen Tag, auf diese Woche, auf dieses Leben.
Ich stelle fest, dass ich heute Dinge zum Recyclinghof bringen werde, die ich möglicherweise nächste Woche schon vermissen werde, weil ich gerade dabei bin mir ein paar Kleinigkeiten anzuschaffen. Ich habe aber ausgemacht heute das Auto zu holen und ich habe diese Woche Urlaub. Dann ist das jetzt so.
Ich stelle fest, dass ich so etwas richtig ätzend finde. Weil ich ständig auf irgendwelche Post oder Mails von anderen warte - wochenlang aber, nicht nur ein oder zwei Tage - mache ich das, was ich selbst machen kann. Das wiederum könnte den Antworten entgegenstehen. Ich habe aber keinen Bock mehr noch weiter zu warten, ich würde sowieso am liebsten viel mehr aus meiner Wohnung und dem Dachboden einfach entsorgen. Weg damit. Und wenn ich in einigen Wochen - wenn in dem Leben mal Antworten kommen - dann merke, dass ich die Hälfte davon noch gebraucht hätte, kotzt mich das alles nur noch mehr an.
Ich stelle fest, leben ist nicht meins. Ich möchte einfach mal das Gefühl haben nicht jedem scheixegal zu sein, nicht nur eine Nummer, irgendein Name, irgend jemand, den man bis zum Sankt Nimmerleinstag warten lassen kann. Tja, was ich so alles möchte... Aufhören zu leben, das wäre gut, aber natürlich bin ich familiär vorbelastet für ein besonders langes Leben. Besten Dank auch. Für nichts.
31.05.2022 07:39 •
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