Zitat von Scorpio:Hallo Jannis,
Zitat:Ich werde mir also einen proppevollen Terminkalender anfertigen, der mich den ganzen Tag in folgenden Dimensionen fordert: Beruf, Freizeitaktivitäten (Kultur und Sport), Intellekt und Alltagspflichten.
ich weiß nicht, ob das die Lösung sein kann. Sicherlich wird es Dir damit erstmal besser gehen, aber für mich ist das eine Flucht. Wann willst Du und kannst Du mal die Seele baumeln lassen und das Nichtstun geniesen ohne gleich depressiv zu werden. Was passiert wenn Du diesen Leistungsanforderungen nicht mehr gerecht werden kannst, weil Du vielleicht körperlich krank wirst, eine Erkältung reicht da ja auch schon. Ist das dann Dein Weg zurück in die Depression.
Ich bin immer skeptisch, wenn der Weg aus der Depression heißt, keine freien Zeiten mehr zu haben. Zu sehr erinnert es mich an Perfektionismus und Leistung, Leistung, Leistung.
Alles Gute
Scorpio
Gegenfrage: Genießt Du das Nichtstun? Baumelt dann Deine Seele wirklich, oder verbaumelt sie nur Lebenszeit? Und ist es nicht tatsächlich so, dass Du dann ziel- und ergebnislos grübelst? Fühlst Du Duch wirklich durch und durch wohl, wenn Du ständig im Schonwaschgang verharrst? Wenn das so ist, dann hast Du Deinen Weg gefunden, Glückwunsch, anderseits, dann wärst Du nicht auf dieser Seite unterwegs...
Warum sollte ich krank werden und meinst Du ernsthaft, eine Erkältung könnte mich so sehr lähmen, dass sie jegliche Aktivität verunmöglicht? Ist es so, dass eine Muskel sich abnutzt, wenn er benutzt wird? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der Körper ist m.E. nicht dazu geschaffen, untätig zu bleiben, Geist und Seele ebenfalls nicht. So sind wir schlicht nicht konstruiert. Wenn ein Jäger nichts erbeutet und ein Sammler nichts findet, verhungert er. Daran ändert auch seine Befindlichkeit nichts, nicht einmal Hartz IV. Viele Therapeuten kamen mir vor, als seien sie sinnentleerte "Berufsentspanner", ich habe sie auf Gomera mit orangenen Umhängen in Bäumen sitzend meditieren sehen, soll so einer mir helfen? Wenn Du meinst, es gehe um Leistung, ist das nicht zutreffend, ich fühle mich einfach wohl, wenn ein Tag, auf den ich zurückschaue, in irgendeiner Form Sinn ergeben hat, statt nur von der Tanzkarte meines Lebens abgeschnitten worden zu sein. Die zur Verfügung stehenden Abschnitte, ich bin jetzt 52, werden immer weniger und die will ich nicht auch noch verplempern.
Ganz sicher - und da bin ich wieder bei Dir - gibt es Situationen, in denen eine Ruhigstellung/Entschleunigung notwendig ist. Dies aber ist ein regelwidriger Zustand, der eher die Ausnahme ist. Sobald diese Ausnahme aber beendet ist, muss der Betroffene aber zusehen, in das alltägliche Leben zurückzufinden, das ist meine feste Meinung. Es wird ja immer wieder in dieser Branche betont, man solle mit den gesunden Anteilen arbeiten, warum macht es dann keiner? An dieser Stelle der Rückführung in den Alltag scheitern die Therapeuten - und zwar ALLE !!!
Ich kenne niemanden (!) - und ich kenne viele Betroffene - dem ein Therapeut jemals aus der Depression nachhaltig herausgeholfen hätte, stattdessen begleiten sie einen Zustand, kommentieren und festigen ihn auch noch. Man unterhält sich - "gut, dass wir darüber gesprochen haben" - findet Ursachen in der ach so schlimmen Kindheit, weist anderen Schuld zu, bricht den Kontakt zu den eigenen Eltern ab, läßt sich scheiden und der Erfolg: Es geht einem schlechter als vorher, weil auch noch der von jedem dringend benötigt Rückhalt wegbricht. Rückblickend habe ich selten ein so dämliches Geschwätz gehört, wie das von den Therapeuten, die vorgaben, meine vermeintliche Depression (was ist das überhaupt?) heilen zu können. Und eines kommt hinzu: Ein chronifizierter Patient ist auch eine nachhaltige Einnahmequelle, warum diese Quelle schließen? An mir hat man jedenfalls bestens verdient, das Geld hätte ich besser für Reisen, Konzertbesuche und gutes Essen ausgegeben.
Grüssle
Jannis