Wieder beruflich Fuß fassen, wie kann man sich motivieren?

RipEnke

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Ich habe jetzt seit 3 - 4 Jahren keine Arbeit. Bisher habe ich auch nie auf den 1. Arbeitsmarkt gearbeitet. Vor Jahren habe ich halbtags etwa 3 Jahre in gemeinnützigen Vereinen gearbeitet. Was auch soweit ganz ok war. 2001 - 2004 habe ich dann ne überbetriebliche Ausbildung in einem Berufsbildungswerk absolviert. Dort hab ich allerdings gemerkt das 8 Std. täglich mir zuviel waren. Ich hab's auch verpasst Probleme in der Ausbildung anzusprechen, bzw. zu verarbeiten. Aus dem Grund habe ich sehr oft gefehlt. Ich konnte den Abschluss nur schaffen da es eine überbetriebliche Ausbildung war.

Danach war mir die Lust auf Arbeit gründlich vergangen. Vor allem da die Arbeit mich nicht so richtig ausfüllen konnte. Ich habe Bürokaufmann gelernt. 2006 habe ich mich mit 2 Freunden selbstständig gemacht in einem Bereich der mir viel gibt. Ich habe mir über die Jahre Programmieren und Webdesign angeeignet. Das Projekt musste allerdings zuerst mit Geldgebern gestemmt werden. Andererseits hätten wir einen Kredit in mind. 6-stelliger Höhe aufnehmen müssen und das hätte uns niemand gewährt, da wir keine Sicherheiten hatten. Wir hatten schon jemand an der Hand, der uns helfen wollte und auch schon Geldgeber gefunden hat. Aber plötzlich und aus heiterem Himmel hieß es das der Geldgeber abgesprungen ist und er wegen der Finanzkrise nichts mehr für uns tun kann. Wir haben noch weiter gekämpft und auch jemand anderes gefunden der Geldgeber für Onlinespiele sucht. Aber auch der hat nichts mehr für uns tun können. Noch lange haben wir die Seite aufrechterhalten. Aber letztlich hat uns allen der Mut verloren und jeder hat andere Wege bestritten. Wir waren auch nicht die Typen, die sich in Messehallen stellen und Ihr Projekt lauthals verkünden und wir hatten auch niemand der diesen Part übernehmen konnte. Wir haben sehr viele Hürden gemeistert. Aber sind bei der größten Hürde gescheitert.

Da ich mich so sehr auf das Projekt fixiert hatte, habe ich eine Art Trotz gegenüber dem Finanzsystem und dem Staat entwickelt. Ich habe der Finanzkrise die komplette Schuld gegeben und überhaupt keine Lust mehr gehabt zu arbeiten. Letztendlich konnte ich mir aber auch nicht vorstellen 8 Std. in einem Betrieb zu arbeiten. Als Selbstständiger konnte ich meine Zeit frei einteilen und bei Fehlern konnten mich keine schrägen Chefs anmachen. Ich konnte, weil von zuhause aus, viel entspannter und produktiver arbeiten.

Nun bin ich schon fast 4 Jahren zuhause. Ich hatte schon das Gefühl gehabt das es mir gut tun würde wenn ich wieder 4 Std. arbeiten würde. Aber da ich damit nicht den Hartz-4-Satz erreichen konnte und deswegen weiter drauf angewiesen war hatte ich Angst gehabt wenn ich 4 Std. arbeite das Amt meint, ich könnte dann ja auch 8 Std. arbeiten. Weil Sie mich ja am liebsten ganz aus der Stütze haben wollen. Aus dem Grund hab ich's immer weiter schleifen lassen und nichts getan. Ich hatte das Gefühl nicht mit dem Amt darüber verhandeln zu können. Inzwischen denke ich das es eher Möglich ist. Schließlich ists ja für die ein Vorteil, wenn ich immerhin nicht ganz von der Stütze lebe.

Zudem finde ich es erschreckend, wie sich die Lage am Arbeitsmarkt zur Zeit entwickelt. Es wird zwar immer gesagt das wieder mehr Arbeitsplätze vorhanden sind. Aber verschwiegen das es sich hierbei meist um Leiharbeit auf Zeit handelt, bei denen man schlechter bezahlt wird als ein Festangestellter und zudem noch weniger Sicherheiten hat. Solche Meldungen motivieren nicht gerade.

Was ich nach dem ganzen Text fragen wollte. Kennt jemand das von euch auch? Das ihm der Mut verlassen hat und jahrelang nichts getan hat? Es aber evtl. trotzdem wieder oder überhaupt geschafft hat im Arbeitsleben Fuß zu fassen? Wie habt ihr euch motiviert? Was war euer Antrieb?

08.02.2012 17:04 • #1


mag

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Hallo RipEnke,

Zitat:
Schließlich ists ja für die ein Vorteil, wenn ich immerhin nicht ganz von der Stütze lebe.
auch wenn du das jetzt nicht hören möchtest, aber wieso "für die ein Vorteil". Du solltest dich von dieser Einstellung verabschieden. Alles was du unternimmst, wieder arbeitsfähig zu werden, solltest du mit der Einstellung machen, dass es für dich selbst ist.

Das einem der Mut verlassen hat, kennen wir sicherllich, aber dann muss man sich auch mal selber "treten" nach dem Motto, so kann es nicht weiter gehen. Mit Sicherheit wird der Anfang schwer, aber du wirst sehen, nach einer gewissen Zeit kommt Routine hinein und dann stellst du dir selbst die Frage, wieso habe ich das nicht schon eher geschafft.

Pack es einfach mal an!!!!!!

08.02.2012 18:17 • #2



Hallo RipEnke,

Wieder beruflich Fuß fassen, wie kann man sich motivieren?

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RipEnke

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Hallo mag.

Zitat von mag:
auch wenn du das jetzt nicht hören möchtest, aber wieso "für die ein Vorteil". Du solltest dich von dieser Einstellung verabschieden. Alles was du unternimmst, wieder arbeitsfähig zu werden, solltest du mit der Einstellung machen, dass es für dich selbst ist.


Nein. Fürs Amt mach ich's bestimmt nicht.

Zitat:
Das einem der Mut verlassen hat, kennen wir sicherllich, aber dann muss man sich auch mal selber "treten" nach dem Motto, so kann es nicht weiter gehen. Mit Sicherheit wird der Anfang schwer, aber du wirst sehen, nach einer gewissen Zeit kommt Routine hinein und dann stellst du dir selbst die Frage, wieso habe ich das nicht schon eher geschafft.

Pack es einfach mal an!!!!!!


Ja. Das versuche ich gerade. Werde ein berufliches Trainingszentrum absolvieren. Ich hoffe das ich dann wieder mehr Selbstbewusstsein bekomme und vor allem auch Selbstwert.

08.02.2012 23:00 • #3


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Nogua

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Hallo Rip Enke, ich kann das sehr gut nachvollziehen was in dir vorgeht. Mir erging es vor zwei Jahren so ähnlich. War immer Hausfrau und Mutter, hatte 400 Euro Jobs. Dann, nach der Trennung mußte ich mich beim Amt melden um überleben zu können mit zwei(drei) Kindern.

Eine Weile habe ich das ausgehalten aber dieses dauernde Nachweisen davon, dass ich mich bewerbe, in einem total unrealistischem Ausmaß hat mich echt fertig gemacht. Das war stressiger als arbeiten zu gehen.

Diese totale Kontrolle durch das Amt hat mir das Gefühl gegeben wieder ein Kleinkind zu sein. Das war meine Motivation mir was zu suchen.

Bin zwar noch nicht weg von der Arge(wie soll ich als Mutter von zwei Kindern mit einem Teilzeitjob(ungelernt) jemals so viel verdienen können das es reicht???), aber sie lassen mich größtenteils in Ruhe, da ich schon einen Großteil beisteuer mittlerweile.

Selbst wenn ich bei dem Stundenlohn Vollzeit arbeiten würde, würde es nicht reichen Ich finde auch, das Amt soll doch froh sein, wenn wir wenigstens Teilzeit arbeiten. Ist aber auch ein Kampf. Vor allen Dingen mit der Depression. Wobei aber auch diese sich durch das Arbeiten ein wenig verzogen hat.

13.02.2012 15:08 • #4


mag

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Hallo Nogua,
Zitat:
Ich finde auch, das Amt soll doch froh sein, wenn wir wenigstens Teilzeit arbeiten
deine Aussage, kann ich auch nicht so einfach ignorieren. So eine Einstellung "das Amt soll froh sein" ist doch total daneben.

13.02.2012 18:22 • #5


RipEnke

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Hallo mag. Was genau findest du an der Aussage von Nogua total daneben?

13.02.2012 23:50 • #6


mag

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Zitat von RipEnke:
Hallo mag. Was genau findest du an der Aussage von Nogua total daneben?

Hallo RipEnke,

diese Aussage "das Amt soll doch froh sein". Nicht das Amt sollte froh sei, sondern sie macht es für sich.

Man sollte von der Meinung abgehen, dass was man tut, für andere ist.

14.02.2012 12:11 • #7


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Nogua

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Hallo mag, es ist doch irgendwie beides. Das Amt hat mich extrem unter Druck gesetzt. Wie soll ich unter diesen Umständen etwas finden, was ich wirklich für mich tu??? Ich gehe arbeiten um meine Ruhe vor denen zu haben. Das tu ich für mich. Aber es erfüllt mich nicht, es stresst mich. So kann ich nicht sagen, dass ich es für mein Wohlergehen tue. Keine Ahnung ob du verstehst was ich meine...

14.02.2012 12:26 • #8


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Pyxidis

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Ich möchte auch noch mal etwas zu dem Thema sagen. Ich finde es ABSOLUT OKAY, wenn jemand krank ist oder keine Arbeit findet, daß er dann von den Sozialleistungen des Staates lebt. Dazu sind sie ja auch da. Und ich bin froh darüber. Aber es ist zu bedenken, daß dieses Geld ja von irgendwo her kommt. Sprich von den Steuerzahlern nämlich den Menschen, die arbeiten gehen. Dazu zähle ich auch mich.

Ich finde es absolut daneben, wenn jemand der Überzeugung ist, daß ihm dieses Geld ja zustehe, weil er keine Lust hat arbeiten zu gehen. Da könnte ich jedesmal an die Decke gehen.

@RIPEnke:
ich finde Deinen Beitrag extrem schwierig und er regt mich auch auf, denn für mich hört es sich so raus, wenn ich nichts finde, was mir Spaß macht, gehe ich halt gar nicht arbeiten. Ist ja auch nicht so schlimm, ich bekomme ja HART IV. Das ist für mich nicht okay. Du könntest ja auch arbeiten gehen und Dir in der Zeit überlegen, was Du lieber arbeiten würdest. Denn um herauszufinden, was einem Spaß machen könnte, muß man nicht zwangsläufig Zuhause sein.

@Nougua:
Zitat:
Ich finde auch, das Amt soll doch froh sein, wenn wir wenigstens Teilzeit arbeiten

auch diese Aussage finde ich schwierig. Ich finde, es ist Deine Pflicht, wenigestens Teilzeit arbeiten zu gehen, wenn Dir das aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, denn wie gesagt, das Geld des Amtes ist für die Menschen gedacht, die aus verschiedenen Gründen nicht arbeiten gehen KÖNNEN. Und wenn alle diese Einstellung hätten, würde der Sozialstaat zusammenbrechen, weil mehr Leute Geld wollen und weniger Menschen Geld einzahlen.

@Nogua:
Zitat:
Bin zwar noch nicht weg von der Arge(wie soll ich als Mutter von zwei Kindern mit einem Teilzeitjob(ungelernt) jemals so viel verdienen können das es reicht???)

Dazu könnte ich auch fragen, wie es kommt, daß Du ungelernt bist und zwei Kinder hast, Dich somit laut Deiner eigenen Aussage, finanziell nicht selbst versorgen kannst. Ich bin nicht Deine Mutter, aber wäre es nicht vielleicht sinnvoller gewesen, zunächst eine Ausbildung zu machen und dann eine Familie zu gründen. Was ich damit sagen will. Ich finde, Du solltest froh sein, daß es unser System gibt, das Menschen wie Dich finanziell unterstützt. Und was ich eigentlich damit sagen will: es ist keine Selbstverständlichkeit dieses Geld zu bekommen, sondern ein tolles Hilfsangebot bei dem man allerdings auch Mitwirkungspflicht hat.

So und mit diesem Beitrag gebe ich mich dem Abschuss frei.

Sorry, aber ich habe mich einfach mal aufgeregt.

Viele Grüße
Scorpio

14.02.2012 13:43 • #9


mag

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Hallo Scorpio,

du hast es sehr ausführlich geschrieben, wie ich es auch meine.

Ich habe es bewußt nicht so ausführlich ausgeführt, da mir klar war, dass die Wogen hochschlagen werden.

14.02.2012 14:25 • #10


RipEnke

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@Scorpio: Ich habe damals mich zur Selbstständigkeit entschieden da ich so am Effektivsten arbeiten konnte und das noch in einem Bereich der mir viel liegt. Ich konnte zu Hause arbeiten. Ich war damals hoch motiviert und es war mein Traum. Als dieser in die Brüche ging war ich am Boden zerstört und hatte schlimmere Depressionen als zuvor. Glaube mir, ich war nicht in der Lage zu arbeiten. Ich war von Amtswegen auch krank geschrieben.

Ich weiß nicht ob du das Gefühl das ich damals hatte nachvollziehen kannst. Warst du jemals auf Hartz 4? Hattest du jemals einen Traum aufgeben müssen? Ein Traum, der durch die Finanzkrise zerstört wurde? Weißt du wie man sich da fühlt? Ich denke es ist menschlich dem Gegenüber eine Trotzeinstellung zu entwickeln. Ich sage ja auch nicht das die Einstellung richtig war. Aber damals fühlte ich nun mal so. Ich suche hier deswegen nach ähnlichen Erfahrungen, weil ich wieder arbeiten möchte. Sonst hätte ich das Thema nicht angeschnitten.

Bei Nogua denke ich das das Leben nicht immer nach Plan verläuft. Vor allem wenn man schon in jungen Jahren mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen hatte. Wäre das bei mir nicht so gewesen hätte ich auch einen anderen Weg eingeschlagen. Wie verlief dein Weg Scorpio?

@mag Wie verlief dein Weg mag? Warum bekommst du EU-Rente mag?

14.02.2012 15:51 • #11


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Nogua

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Ja, ich denke tatsächlich, dass ich ein Recht habe auf Unterstützung vom Staat. Ich habe drei Kinder unter anderem auch für diesen Staat großgezogen. Sie werden Steuern zahlen bzw tun das schon. Außerdem haben meine Eltern auch wahnsinnig viel Geld abgeben müssen und ich finde es immer noch besser, wenn ich durch dieses geld unterstützt werde als das davon Waffen gekauft werden oder Atommülltransporte durch großen teuren polizeieinsatz gesponsert werden. So, das von meiner Seite. Und warum ich es unter meinen Lebensbedingungen nicht geschafft habe eine Ausbildung zu machen möchte ich hier nicht diskutieren.

14.02.2012 17:13 • #12


mag

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Hallo Rip Enke,

@mag Wie verlief dein Weg mag? Warum bekommst du EU-Rente mag?

Du solltest aber mal über deine Einstellung
Zitat:
Schließlich ists ja für die ein Vorteil, wenn ich immerhin nicht ganz von der Stütze lebe.
nachdenken und nicht nachfragen, wie war dein Weg. Dieser Satz ist eine Unverschämtheit.

14.02.2012 17:49 • #13


RipEnke

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Den Satz finde ich ganz legitim. Es ist ein Vorteil für das Amt und für die Gesellschaft wenn ich arbeite und nicht von der Stütze lebe. Ich glaube du interpretierst in diesem Satz zuviel hinein.

Warum findest du es eine Unverschämtheit das ich nach deiner Geschichte frage und wie du zur EU-Rente gekommen bist? Ich interessiere mich dafür wie es anderen auf ihrem Lebensweg ergangen ist und finde wenn du einen Kommentar zur meiner Situation stellst, habe ich auch das Recht nach deinem Lebensweg zu fragen. Wenn ich damit einen wunden Punkt angesprochen habe tut es mir Leid.

14.02.2012 19:37 • #14


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Pyxidis

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Hallo RipEnke,

Zitat:
Ich suche hier deswegen nach ähnlichen Erfahrungen, weil ich wieder arbeiten möchte. Sonst hätte ich das Thema nicht angeschnitten.


das finde ich gut! Und wenn Du wieder arbeiten willst, dann sollten wir uns hier in diesem Thread jetzt darauf konzentrieren, wie wir Dir helfen können, damit Du den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffst.

Was genau ist Dein Problem dabei? Könntest Du es noch mal präzisieren?

An der Motivation liegt es demnach nicht, denn Du schreibst ja, daß Du wieder arbeiten möchtest.

Also was genau ist Dein Problem dabei?

Viele Grüße
Scorpio

14.02.2012 19:53 • #15


RipEnke

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Die Motivation ist schwankend. Ich weiß das mir Arbeit gut tut. Aber ich habe Angst irgendwo reingeworfen zu werden. Wo man ausgebeutet wird. Man hört und liest halt viel. Ein Freund von mir ist 2 mal gekündigt worden weil die Firma für Angestellte subventioniert wurde. Nach dem die Subvention ausgelaufen war und damit er für die Firma zu teuer wurde, wurde er entlassen. Er ist dadurch auch in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe einfach Angst wieder in ein Loch zu fallen.

Ich glaube ich wollte mitteilen wie es mir die letzten Jahre ergangen ist und mir mit Leuten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, also wegen der Finanzkrise oder wegen anderen Probleme ihre Arbeit und Mut verloren haben.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken über die mögliche Zukunft und sollte nur sehen was auf mich zu kommt.

14.02.2012 20:32 • #16


Serafina

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Zitat von RipEnke:
Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken über die mögliche Zukunft und sollte nur sehen was auf mich zu kommt.


Genau so sehe und empfinde ich deine Beiträge.

Versuche doch dir Ziele zu setzen und sie zu verwirklichen. Alles Andere ist zurzeit wahrscheinlich für dich sinnlos.

Die Diskussion über Hartz 4 und Abhängigkeit vom Amt wird dich nicht wirklich weiterbringen. Auch ich habe genau DAS erfahren, was du durchmachst. Von der Selbständigkeit in Harzt 4. Weitermachen und Ziele anstreben sollte dein Ziel sein. Die Anspruchshaltung gegenüber dem Staat ist nur ein Schauspiel in deinem Kopf. In der Realität bedeutet das ein "No go". Leider. Ich verstehe dich wirklich nur zugut und weiss auch, was das bedeutet. Von 100 auf O. Wut, Zorn, Neid usw. auch ich habe das alles durchlebt. Doch hat mich meine Anspruchshaltung nicht weitergebracht. Im Gegenteil. Wir sind für uns selbst verantwortlich.

Ich wünsche dir, dass du für dich einen Weg findest, der dir gerecht ist.

Serafina

14.02.2012 20:49 • #17


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Nogua

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Wir sind für uns selbst verantwortlich. Wir sind aber auch alle voneiander abhängig. Alles ist im Austausch miteinander. man kann das nicht für sich alleine und getrennt von den anderen sehen...

14.02.2012 21:33 • #18


RipEnke

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Danke Serafina für deine lieben Worte und das Verständnis für meine Situation. Nicht jeder kann die Situation verstehen. Jeder Mensch ist eben anders und hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. Menschen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben können es leider schwer nachvollziehen. Bei mir war die Zeit wohl auch eine Trauerbewältigung. Den Traum aufzugeben und nun eine neue Richtung einschlagen.

Ich werde auch noch mal mit den Leuten im BTZ reden. Vor allem wie ich meine Ziele ausformulieren kann. Vielleicht finde ich auch neue Ziele oder entdecke neue Eigenschaften an mir, die ich noch nicht kenne. Inzwischen weiß ich auch das es mich nicht weiterbringt auf den Staat sauer zu sein. Aber das war ein Lernprozess.

14.02.2012 21:40 • #19


RipEnke

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Da gebe ich Nogua Recht. Wir sind für uns und auch für die anderen Menschen verantwortlich. Ein Arbeitgeber ist auch für das wohlergehen seiner Arbeitnehmer mit verantwortlich.

14.02.2012 21:44 • #20


Serafina

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Ich denke, dass jetzt alles gesagt wurde.

Hier weiter über Recht und Unrecht zu diskutieren bringt RipEnke nicht weiter und wir schaukeln uns hier hoch.

Bleiben wir doch beim Thema "Motivation zur Arbeit."

Serafina

15.02.2012 10:35 • #21


Leni66

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Motivation und Arbeit.

Nach einer Umschulung war ich arbeitslos und habe dann nichts anderes als eine 50 % Teilzeitstelle- immerhin übers Arbeitsamt- gefunden. Finanziell war das natürlich ein heftiger Einschnitt, denn das Übergangsgeld bei während der Umschulung betrug fast das Doppelte.

Aber: wenn ich diese Stelle nicht angenommen hätte, dann würde ich auch weiter keine Berufserfahrung vorweisen können, denn immerhin wurde ich als Bürokraft eingestellt (als nun gelernte Bürokauffrau).

Das Betriebsklima war fürchterlich und diese 4 Stunden täglich waren anstrengender, als all meine Vollzeitstellen davor, doch ich hielt durch und bewarb mich stetig weiter, leider ohne Erfolg.

Dann kam die Krise. Sie traf zuerst mich. Ich erhielt die erste Kündigung meines Lebens. Fast 200 Bewerbungen folgten, nur Absagen. Mein ALG I lief aus, dann traf es auch noch meinen Mann. Nach 13 Jahren im Betrieb wurde er ebenfalls arbeitslos- zum ersten Mal im Leben. Somit mussten wir ALG II beantragen. Finanziell waren wir nun ganz weit unten angekommen.

Was tun?

Als Zusatzverdienst haben wir nachts aushilfsweise Tageszeitungen und Briefpost ausgetragen. Allein hätte ich mich das nicht getraut, aber da wir beide arbeitslos waren, zogen wir einsam durch die Nacht bei Wind und Wetter unser Zeitungswägelchen, um wenigstens ein Zubrot zu haben, anstatt zu jammern.

Motivation.

Wir sind die ganze Zeit über trotzdem morgens früh aufgestanden, haben unserem Tag Struktur gegeben (schließlich wollte ich auf keinen Fall wieder zurück in die Angstspirale). Struktur in Form von Bewegung, Bewerbungen schreiben, Haushalt z. B. Und ich bin auch nie in Jogginghosen auf die Straße.....

Durch eine Initiativ-Bewerbung fand ich dann eine Stelle- und zwar zunächst nur als Krankeitsvertretung für ein paar Wochen! Wie viele Arbeitssuchende würde da wohl sagen: ok, mach ich! Ich behaupte, nicht viele. Die meisten erwarten nämlich immernoch, dass ihnen ein Festvertrag auf dem Silbertablett serviert wird. Egal- ich habs gemacht und mich sofort wohl gefühlt. Der Vertrag wurde dann um 6 Monate verlängert und heute habe ich tatsächlich meinen Festvertrag. Und was noch toller ist: es ist der beste Arbeitsplatz, den ich je hatte.

Ich bin zwar oft 12 Stunden außer Haus, verdiene nicht üppig- aber- ich muss mich dafür auch nicht überanstrengen. Früher habe ich ca. dasselbe in der Altenpflege verdient, doch da musste ich Schichten und unter hohem Zeitdruck arbeiten.

Bei meinem Mann lief es so, dass er über einen Bekannten nach 9 monatiger Arbeitslosigkeit eine Stelle gefunden hat. Seine ist noch bis Ende des Jahres befristet. Allerdings ist es schon zum Vorarbeiter aufgestiegen und ich denke, dass er ebenfalls seinen Festvertrag bekommt.

Kurz: wenn man sowieso keine Stelle hat, sollte man ruhig was wagen. Vllt macht die Stelle keinen Spaß, aber vllt findet sich über die nicht so tolle Stelle in einer anderen Abteilung was anderes- und- nicht vergessen- auf dem Lebenslauf macht es sich allemal besser, wenn nicht zu viele und zu große Lücken auftauchen. Das hat mich auch motiviert. Ebenso motiviert mich, dass ich nicht mehr jeden Cent umdrehen muss und für Juni ist schon eine Woche Mallorca gebucht.

Je länger ich jedenfalls zu Hause war, desto weniger habe ich mir zugetraut.

10.03.2012 14:39 • #22


Caspara

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Zitat von RipEnke:
@Scorpio: Ich habe damals mich zur Selbstständigkeit entschieden da ich so am Effektivsten arbeiten konnte und das noch in einem Bereich der mir viel liegt. Ich konnte zu Hause arbeiten. Ich war damals hoch motiviert und es war mein Traum. Als dieser in die Brüche ging war ich am Boden zerstört und hatte schlimmere Depressionen als zuvor. Glaube mir, ich war nicht in der Lage zu arbeiten. Ich war von Amtswegen auch krank geschrieben.
Ich glaube dir, dass du damals nicht arbeitsfähig warst. Allerdings finde ich deine Beschreibung der Suche nach Geldgebern schon sehr blauäugig. Sich hinzustellen und zu sagen: "WIr sind halt nicht die Leute, die in Hallen ihr Produkt anpreisen können" mag ja eine Tatsache sein - aber macht man sich dann selbständig? Ist nicht gerade das die Grundvoraussetzung dafür?

OK, es ist schief gegangen mit der Selbständigkeit. Jetzt fällt dir natürlich auf, dass ein angestelltes Arbeitsverhältnis Nachteile hat (Chef, Kontrolle, feste Zeiten usw.). Aber wenn A nicht geht, dann macht man halt B. Ich finde nicht, dass einem ARbeit unbedingt super viel Spaß machen muss. Es sollte auszuhalten sein, einen nicht krank machen und man sollte am Monatsende Geld dafür bekommen.

Zitat:
Ein Traum, der durch die Finanzkrise zerstört wurde?
Das redest du dir ein.

10.03.2012 17:17 • #23


Caspara

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Zitat von Nogua:
Ich habe drei Kinder unter anderem auch für diesen Staat großgezogen. Sie werden Steuern zahlen bzw tun das schon.
Demnach sind deine Kinder nicht mehr soooo klein. Warum kannst du dann nur Halbtage arbeiten?

Und wegen der Steuern, die deine Kinder mal zahlen: Kinder lernen am Vorbild. Ich hoffe, dass deine Kinder nicht lernen, dass ein Leben auch durch Stütze finanziert werden kann.

10.03.2012 17:20 • #24


RipEnke

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Zitat von Caspara:
Ich glaube dir, dass du damals nicht arbeitsfähig warst. Allerdings finde ich deine Beschreibung der Suche nach Geldgebern schon sehr blauäugig. Sich hinzustellen und zu sagen: "WIr sind halt nicht die Leute, die in Hallen ihr Produkt anpreisen können" mag ja eine Tatsache sein - aber macht man sich dann selbständig? Ist nicht gerade das die Grundvoraussetzung dafür?


Wir haben nicht weitreichend genug gedacht. Geldgeber waren ja schon vorhanden. Die dann ja abgesprungen sind. Darauf waren wir zu wenig vorbereitet. Wie schon gesagt weiß ich selbst das es nicht nur an der Finanzkrise liegt. Sondern auch an mir. Ich hab diese Form der Arbeit gewählt, da ich damit die wenigsten Schwierigkeiten mit der Erkrankung hatte und ich bin stolz darauf es wenigstens probiert zu haben. Die wenigsten hätten sich sowas zugetraut. Versuchen einen Traum zu verwirklichen, obwohl die Sterne nicht optimal stehen.

11.03.2012 22:03 • #25


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miezelina

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ich kann schon nachvollziehen, dass jemandem nach einem oder mehreren gescheiterten Versuchen, in der Arbeitswelt einen (nicht-krankmachenden) Platz zu finden, die Puste ausgeht.

Mir ist es auch so ergangen. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel gearbeitet. Ich habe im sozialen Bereich 20 Jahre lang extrem schwierige Jobs gemacht und mit extrem schwierigen, teilweise gefährlichen Menschen zu tun gehabt. Das war heftig und hat mir einige graue Haare eingebracht. Das hat mich allerdings weniger zermürbt, als die ständige Beschäftigungsunsicherheit. Ich hatte in den 20 Jahren 14 (!) befristete Stellen. Nie gab es eine Art Planungssicherheit.

Das alles liegt weit hinter mir. Ich bin seit 2,5 Jahren krank und kann diese Art Jobs auch nicht mehr machen.

Auch ich habe eine Zeit lang mit einer Selbständigkeit geliebäugelt, weiss aber, dass ich nicht belastbar genug dafür bin. Vor einem Job mit Chefs und Kollegen graust es mir allerdings , da ich inzwischen große Probleme im Umgang mit anderen Menschen habe.

Bin ich unmotiviert? Kann ich gar nicht beantworten. Ich habe einfach eine Riesen-Angst vor der Arbeitswelt, da ich dort keine guten Erfahrungen gemacht habee und da ich in meinem Umfeld in den letzen Jahren mitbekomme, dass sich alles immer weiter verschärft.

Leute mit einer Anspruchshaltung "dann zahlt halt das Amt für mich" fand ich auch immer egoistisch. Aber wenn jemand nicht mehr kann, dann finde ich es legitim, dass derjenige z.B. eine Rente bekommt (sofern er genug eingezahlt hat). Ob es für mich darauf rausläuft, wird sich noch herausstellen.

12.03.2012 19:39 • #26


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Anima

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Wenn etwas schief gegangen ist, dann ist man i. d. R. klüger - aber man sollte es auch abhaken. Geschehen ist geschehen.

Da die Überschrift "Motivation zur Arbeit" lautet und ich im Grunde nie in einer solchen Situation war (Glück und Biss), frage ich einmal generell an, was einen Menschen denn motivieren kann zu arbeiten! Ist es das Geld? Ist es die Beschäftigung? Sind es die Kollegen?

Was hat Dich, RipEnke denn dazu veranlasst, nicht mehr 8 Stunden arbeiten zu können? Was ist für Dich bei der Arbeit positiv und was negativ? Was möchtest Du gerne und was möchtest Du in Zukunft nicht mehr erleben (abgesehen von Arbeitslosigkeit, die sich vermutlich niemand wünscht). Oder ist es wirklich die Angst vor dem Arbeitsleben allgemein?

18.03.2012 19:55 • #27


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MoneH2O

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Hallo ihr Lieben,

kenne diese Gefühle bzgl. Arbeit. Bin zur Zeit in Ausbildung (2. Lehrjahr) zur Altenpflegerin. Wenn es alleine nach mir gehen würde, mir & meiner Gefühlswelt würde ich am liebsten alles hinschmeissen. Ich vermute dann aber dass es mir noch schlechter gehen würde. Deshalb beisse ich die Zähne so gut es geht zusammen & versuche es so gut es geht irgendwie über die Bühne zu kriegen. Der Druck ist enorm hoch, die Lehrer & Dozenten wollen Leistung sehen, ebenso wie meine Chefs im Betrieb. Meine Familie & Ehemann möchten auch Erfolge sehen. Wenn ich das nicht schaffe würde ich glaube einige Menschen sehr enttäuschen & zu guter letzt mich auch.

Vom Amt will ich gar nichts wissen, war etwa 1 Jahr arbeitslos in einer meiner schweren Phasen. Demütigungen & Nichtakzeptanz bzgl. der Krankheit waren meine Erfahrungen, deshalb versuche ich so gut es geht alles zu schaffen. Mehr schlecht, als recht aber immerhin.

Ich wünsche allen die diese Gefühle bzgl. Arbeit haben viel Kraft und Durchhaltevermögen.

18.03.2012 20:00 • #28


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Anima

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Wie bist Du auf den Beruf der Altenpflegerin gekommen?

18.03.2012 20:05 • #29



Hallo RipEnke,

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MoneH2O

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Habe eigentlich schon neben meiner Schulzeit immer im Heim gejobbt, deshalb war es für mich irgendwann klar, dass ich diese Ausbildung machen werde.
Nun habe ich es halt endlich mal geschafft es in Angriff zu nehmen und nun wieder dieser "Rückfall".
Für mich ist der Beruf Alten/Krankenpflege ein Beruf der wirklich Sinn macht, verstehst du? Zumindest hat es das immer. Aber seit einiger Zeit eben nicht mehr. Für mich macht das alles keinen Sinn mehr - ist eigentlich eh nur ne Endlosschleife, Fließbandarbeit und sehr viel Zeitdruck. Ich werde dem ganzen nicht mehr so gerecht.

18.03.2012 20:07 • #30

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