Zitat von HundKatzeMaus: Kennt jemand Erfahrung mit Mobbing? Weiß jemand, ob man da wieder rauskommt?
Oh ja! Ich wurde an der Grundschule als Zugezogener von der einheimischen Dorfjugend regelmäßig gemobbt und auf dem Nachhauseweg verdroschen. Das ist kein Spaß, das kann ich dir sagen. Ich war regelmäßig am Heulen. Und so wütend! Aber was willst du machen, wenn sie von allen Seiten kommen. Meine Eltern waren mir da leider keine Hilfe. Wie wünschte ich mir später, mein Vater hätte so was wie Kampfsport mit mir geübt, damit ich mich hätte wehren können! Aber das war wohl ein unrealistischer Wunsch, zumal ich nicht so kräftig war wie die anderen. Diese Mobberei war jedenfalls einer der Einflüsse, die mein Wesen - wie ich mich anderen gegenüber gebe - nachhaltig beeinflusst haben. Nie wieder, so habe ich mir geschworen, nie wieder wirst du dich so demütigen, heulend und unkontrolliert um dich zu schlagen und das Objekt der Belustigung anderer zu sein - weder tatsächlich, noch im übertragenen Sinne.
Tja, was soll ich sagen: Man bezahlt natürlich einen Preis dafür. Der Preis war in meinem Falle soziale Selbstisolation, von ein paar Freunden, denen ich mehr oder weniger vertraute, einmal abgesehen. Ich war immer sehr kontrolliert, konnte mir keine Blöße geben, nicht locker sein. Mädels kennen zu lernen, war extrem schwer für mich.
Das wieder auf ein Maß zurückzuführen, das einen nicht zu sehr einschränkt, ist harte Arbeit und dauert Jahre und Jahrzehnte. Aber es lohnt sich.
Zitat von HundKatzeMaus: Teilweise gehen mir immer noch so Fantasien durch den Kopf, dass ich vereinzelt jemandem echt richtig eine reinhauen könnte. Ich habs halt nicht getan oder so. Ich will mich auch nicht strafbar machen, aber diese Aggressionen teilweise, das macht mich so fertig. Irgendwie denke ich, unterdrücke ich ein "gesundes" Verhalten.
Das bin ich zum Glück los geworden. Es ist nicht gesund.
Was mir geholfen hat: Ich versuche, mich in den anderen hineinzuversetzen. Die Situation durch seine Augen zu sehen, zu erkennen, was seine Interessen sind. Wie würde ich an seiner Stelle handeln? Wie würde ich an seiner Stelle empfinden, wenn ich selbst so-und-so reagiere (z.B. ihn beleidige)? Wäre das, was dabei mutmaßlich rauskommt, hilfreich? Wenn ich das alles bedenke: Kann ich ihm dann noch böse sein? Wie reagiere ich am Besten? Meistens kann ich ihn dann verstehen, ihn zumindest als menschliches Wesen mit den typischen Schwächen anerkennen. Auch wenn ich sein Verhalten nicht billige oder meine Interessen zu wahren habe.
Zitat von HundKatzeMaus: Also ich sitze aktuell nur zu hause, bin am überlegen: gehe ich raus, spazieren?
Ja, unbedingt! Spazieren gehen, Bewegung, körperliche Aktivität: Das baut Stress ab.
Aber kein Stadtbummel. Jedenfalls nicht für mich. Stadtbummel (Geschäfte, Lokale und andere Konsumgelegenheiten) lenken mich zu sehr von mir ab, ich kann dann nicht bei mir sein. Sie deprimieren mich, sie zeigen mir, wie hohl das Leben ist. Stattdessen gehe ich durch Feld und Wald, durch die Natur, vielleicht auch ein paar stille Wohnstraßen...
Bis bald!