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Wie neue Kraft tanken und weiter kämpfen

Ani86

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Hallo zusammen.

Wie bereits berichtet, leidet mein Mann unter Depressionen und ist ganz am Anfang der Therapie.
Ich weiß ich muss jetzt Geduld haben und hinter ihm stehen, aber wie tankt man als Angehörige diese Kraft dafür?

Ich habe aktuell das Gefühl ich verliere die kraft alles weiter zu schaffen, wir haben 3 gemeinsame Kinder , den Haushalt , seine Stimmungsschwankungen. Jetzt total gut drauf und der Mann mit dem man Bäume ausreißen kann und im nächsten Moment diese Kälte.
Ich weiß das er mich liebt, da er mir immer wieder sagt das ich ganz tief in seinem Herzen verankert bin. Wie reden auch wenn es ihm gut geht sehr viel über das was in der Therapie passiert, was er sich wünscht und wo er sich sieht.

Aber ich selbst habe hin und wieder das Gefühl , ich schaffe das alles nicht auf Dauer und doch will ich meinen Mann nicht an diese Krankheit verlieren. Vor ihm weinen möchte ich nicht, aus Angst ihn damit weiter runter zu ziehen. Wünscht man sich in seiner Situation das der Partner zeigt wie es ihm geht? Ist es einem egal? Zieht es einen weiter runter?
Vielleicht kann mir jemand sagen, wie es als Angehörigen aber auch als betroffener geht?

30.11.2018 20:47 • #1


Liselotte

Liselotte

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Liebe Ani,

ich möchte Dir als erstes meine Hochachtung und Bewunderung für Deine Haltung aussprechen
Ich selbst bin Betroffene und habe leider keine Unterstützung von meiner erwachsenen Tochter. Sie schämt sich für mich, weil ich halt anders bin und
das ist sehr hart.
Deshalb kannich Dir nur sagen, was ich als hilfreich empfinden würde. Authentisch sein, Du selbst bleiben, Deine Überforderung auch zeigen, auch weinen, denn Du bist berührt .
Dein Mann hat ja auch Unterstützung und Hilfe durch professionelle Personen.
Du selbst brauchst natürlich auch Tankstellen, weil nur geben wird nicht funktionieren. Besonders weil ja auch die Kinder Liebe, Verständnis und Unterstützung benötigen.
Aus eigener Erfahrung als Mensch mit Depressionen kann ich Dir aber auch sagen, man ist nicht nur die Depression sondern noch viel mehr.
Ich wünsche Dir in dieser schweren Zeit auch Momente des freien Durchatmens und des befreienden Lachens .
Ganz liebe Grüße
Martina

30.11.2018 21:28 • x 4 #2


Ani86


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Vielen Dank für die Worte.

Ich weiß ich muss durch halten und nicht aufgeben und das möchte ich auch. Aber es ist echt schwer. Diese Haltung , ich mache nur was mir Spaß macht und worauf ich Bock habe, ist eine enorme Belastung , vor allem was die Erziehung der Kinder betrifft.
Ein Hobby ist in der aktuellen Situation leider nicht möglich, da unser kleinster gerade 4 Wochen alt ist.

Gruß
Ani

30.11.2018 21:38 • #3


Liselotte

Liselotte

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Liebe Ani,

oh, so einen kleines Menschenkind, hoffentlich hast Du Dich einigermaßen von der Geburt erholen können. Da leistest Du ja unheimlich viel. Hast Du Verwandte, die Dich da unterstützen können?

30.11.2018 21:49 • #4


JuliaW

JuliaW

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Hallo Ani,

was Martina in Beitrag # 2 geschrieben hat, finde ich ganz wunderbar. Vielleicht findest Du hier eine hilfreiche (und konkrete) Ergänzung: Diesen kurzen rbb Abendschau-Beitrag hat mir ein Freund vor ein paar Tagen geschickt. Darin kommen zwei Menschen zu Wort, die in einer langjährigen Beziehung Depressionen auf Seiten des Betroffenen wie des Angehörigen erlebt und gemeistert haben. Es ist nicht mit Deiner Familienkonstellation vergleichbar, doch vielleicht ist es trotzdem interessant. Der Betroffene hat hierzu anscheinend auch ein Buch geschrieben. Er heißt Manfred Bieschke-Behm und das Buch trägt den Titel "Wer A sagt wie Angehörige meint auch B wie Betroffener". Ich selbst habe das Buch noch nicht gelesen, doch vielleicht bietet es ja die Form von Einblick und konkreten Tipps, die Du Dir wünschst?

Wenn Du etwas findest, was Dir hilft, wäre es toll, wenn Du das Forum teilhaben lassen würdest. Wie Dir geht es wahrscheinlich vielen Angehörigen und jeder Tipp kann hilfreich sein und dafür wären wahrscheinlich viele dankbar. Doch erstmal geht es um Dich und Deine Familie. Ich wünsche Dir und Euch alles Gute.

Liebe Grüße,
Julia

30.11.2018 21:51 • #5


Ani86


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Zitat von Liselotte:
Liebe Ani,

oh, so einen kleines Menschenkind, hoffentlich hast Du Dich einigermaßen von der Geburt erholen können. Da leistest Du ja unheimlich viel. Hast Du Verwandte, die Dich da unterstützen können?


Ich habe zum Glück meine Eltern ein Haus weiter wohnen , die mir zur Seite stehen und mir auch mal die beiden großen abnehmen. Alles andere versuche ich soweit es geht alleine, dann wird halt mal ein Tag später geputzt , wenn viele Termine sind.
Unsere älteste Tochter ist 9 Jahre alt und hilft auch gerne was den kleinen angeht und füttert ihn mal oder kuschelt ein bisschen, wenn sie damit dem Zimmer aufräumen aus dem Weg gehen kann. Ich möchte nur nicht, dass sie sich um die kleinen kümmern muss , sie ist ein Kind und soll dies auch bleiben.

30.11.2018 22:23 • #6


Ex-Mitglied

Zitat von JuliaW:
Vielleicht findest Du hier eine hilfreiche (und konkrete) Ergänzung: https://twitter.com/rbbabendschau/statu...8734826496 hat mir ein Freund vor ein paar Tagen geschickt.


Den Beitrag finde ich schön.
Und es stimmt die Liebe kann viel bewirken.

Wir reden z.B. auch über meine Selbstwahrnehmung in bestimmten Situationen.
Und ich glaube das hilft uns beiden.
Wenn ich z.B. denke - alle gucken mich an, als ob ich was blödes gemacht habe.
Ich erzähle es (manchmal - nicht immer ) und dann reden wir drüber.
Er ist oft der Meinung das gar keiner geguckt hat und ich versuche ihm zu erklären, wie ich mich in der Situation gefühlt habe.

Das hilft irgendwie beiden - mir weil ich mich danach besser fühle - und ihm weil er versteht warum ich mich so komisch verhalten habe.
Aber das funktioniert auch nur mit Liebe und Vertrauen - weil ich ihm sonst nicht glauben würde, und er sich sonst nicht die Mühe machen würde mich zu verstehen.

01.12.2018 00:31 • #7


Ani86


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Guten morgen,
Vielen Dank für eure Antworten, dass hilft mir sehr.
Momentan weiß ich einfach nicht woher ich die Kraft nehmen soll, diese Schwankungen der Stimmung. Mal liebt er mich, dann soll ich gehen, dann will er gehen.
Manchmal wenn ich unruhig werde, weil einfach nichts klappt, wirft er mir vor ich sei überfordert und ich solle mich nicht so anstellen, so viel Arbeit habe ich ja nicht. Dann kommt aber es tut ihm weh zu sehen, was ich machen muss und er liegt einfach nur da.

Das ist das schlimmste an der Situation , nicht zu wissen was ist richtig und was ist falsch.

01.12.2018 09:17 • #8


Ex-Mitglied

Zitat von Ani86:
Guten morgen,
Vielen Dank für eure Antworten, dass hilft mir sehr.
Momentan weiß ich einfach nicht woher ich die Kraft nehmen soll, diese Schwankungen der Stimmung. Mal liebt er mich, dann soll ich gehen, dann will er gehen.


Wäre es vielleicht eine Möglichkeit ein Paargespräch bei seinem Therapeuten zu führen?
Denn du brauchst auf jeden Fall Hilfe. Das was du gerade durchstehst ist unheimlich schwer und kaum ohne Hilfe zu schaffen.

01.12.2018 13:28 • #9


Ani86


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Ich glaube dazu ist er noch nicht bereit. Er sagt zwar er hat den Ärzten gesagt das ich gerne dabei wäre, aber sich darum kümmern oder nachfragen macht er nicht.
Das ist halt auch schwer.

01.12.2018 15:33 • #10


Ex-Mitglied

Und wenn Du einfach nach einem Termin für Angehörige fragst?
Evtl. könntest Du ja auch alleine erst einmal einen Termin holen.
Und fragen was der Therapeut dir raten kann.

01.12.2018 15:36 • #11


Ani86


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Das überlege ich auch aber ich möchte nicht das er sich von mir übergaben fühlt.
Heute War auch eine Situation, er ist am Anfang der Therapie und ich weiß selbst nie ob das was wir Vorhaben klappt, was mich schon verletzt , ich aber mittlerweile verstehen kann, dass er es nicht schafft. Jetzt möchte er aktuell nicht das hier zu hause viel Besuch ist, meine Schwiegereltern wollen kommen und ich bat um Verständnis, dass die nicht kommen weil es ihm heute nicht gut geht. Jetzt geben die mir natürlich die schuld an allem und sagen ich werde sehen was ich davon habe, denen abzusagen. Ich meine es doch überhaupt nicht böse

01.12.2018 16:05 • #12


Ex-Mitglied

Wissen die Schwiegereltern von seiner Krankheit?

01.12.2018 16:08 • #13


Ani86


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Ja ich habe es denen gesagt und er selbst hat mit seiner Schwester geschrieben und mitgeteilt das es ihm nicht gut geht. Er hat auch seinem Vater gesagt was er hat.

Ich würde mir auch wünschen wir sitzen alle am Tisch und lachen, aber selbst ich muss ihn oft in ruhe lassen und das fällt verdammt schwer, neben ihm zu liegen und ihn nicht zu berühren

01.12.2018 16:10 • #14


Ex-Mitglied

Dann versuche doch sie mit ins Boot zu nehmen.
Sag ihnen wie es dir nach dem Anruf geht und evtl. versuchst du mal Material über Depressionen zu sammeln und dann können sie es lesen und sich damit beschäftigen.
Und sie wollen doch auch das es ihrem Sohn besser geht. Diese Krankheit verschwindet ja nicht plötzlich wieder.
Dann ist es besser sie von Anfang an wissen was genau los ist.
Und vielleicht lernen sie mit der Situation umzugehen und dann müssten sie auch sehen das Du ja nicht aus Spaß abgelehnt hast und solche Situationen nun öfter entstehen können.

01.12.2018 16:20 • #15




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