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Wie geht ihr mit Sinnlosigkeit um?

Emo85

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Hallo ihr Lieben,

ich würde gerne mal wissen, wie ihr mit dem Thema Sinnlosigkeit umgeht?
Bei mir ist es so: Ich gehe noch ganz normal arbeiten (allerdings kann ich mich nur schwer konzentrieren und leiste viel weniger), gehe 2x die Woche zum Sport, 1x die Woche tanzen und gehe auch noch mit Freunden raus. Allerdings stehe ich ganz oft da und denke "das alles ist so bedeutungslos". Ich bin also gar nicht richtig in der Lage den Moment zu genießen, einfach mal glücklich zu sein.
Genau so sieht es auch mit der, sagen wir mal Zukunftsplanung aus. Ich bin 33 und habe gerade eine sehr intensive Affäre hinter mir, welche mich wohl auch depressiv gemacht hat. Die Affäre habe ich selbst beendet, weil er es einfach nicht auf die Kette bekommen hat mit seiner Freundin schluss zu machen. Ich weiß. nicht die feine Art, aber ich war blind vor Liebe.
Ich habe es nie lange ohne ihn ausgehalten, fühle mich jetzt aber stark genug, auch wenn ich ihn vermisse. Eben auch, weil ich eine Beziehung generell irgendwie als sinnlos sehe. Klar, wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht und es war auch schön, aber wenn ich diesen Gedanken weiter denke. so wie wir es geplant haben mit zusammen ziehen etc. erscheint das plötzlich alles als sinnlos. Dann ziehen wir zusammen. Und dann? Liege ich halt anstatt alleine auf der Couch mit ihm vor der Couch. Oder koche eben anstatt alleine mit ihm zusammen. Was soll das bringen?

Versteht mich nicht falsch, ich weiß theoretisch, dass das schon einen Sinn hat. Das Zweisamkeit schön ist und das es Spaß macht mit jemandem den man liebt etc., aber durch meine Depression hat das für mich einfach alles gar keinen Sinn. Ich kann mich eben einfach an kaum noch etwas erfreuen, weil meine Gedanken ständig damit enden, dass es doch vollends bedeutungslos ist.
Kennt das jemand? Hat es schon mal jemand da raus geschafft und hat Tipps für mich?
Ich gehe seit Oktober wieder zur Therapie und denke auch über Medikamente nach. Termin beim Psychiater habe ich allerdings erst am 2. Mai.

LG
Emo

28.01.2019 15:41 • x 1 #1


CeHaEn

CeHaEn

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Moin!

In welcher Verfassung bist du denn in diese Affäre gegangen? Du hast geschrieben, dass du seit Oktober wieder in Therapie bist.
Kann es bspw. sein, dass du dir von dieser Affäre etwas erhofft hast, was dir vorher schon sehr gefehlt hat? Die Hoffnung auf diese Sache hätte sich dann natürlich mit dem Ende des Verhältnisses erstmal wieder zerschlagen.
Da liegt es nahe, dass dir jetzt alles sinnlos erscheint.
Wie kommt dieser Gedanke von Sinnlosigkeit zustande? Stecken da andere Gedanken hinter? Du hast dich bislang offenbar nicht komplett zurückgezogen; du gehst raus. Wenn du mit Freunden unterwegs bist, fällst du dann währenddessen schon ins Loch, oder passiert das erst hinterher?

28.01.2019 16:10 • x 3 #2


Emo85


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Danke für deine Antwort.

Ich bin psychisch relativ "stabil" in diese Affäre gegangen. Muss aber dazu sagen, dass ich seit meiner Jugen mit Problemen zu kämpfen habe (Angststörung, Phobien). Die Depression stand dabei aber nie im Vordergrund, auch wenn es mir mal von einem Therapeuten diagnostiziert wurde. Ich weiß schon, dass ich zu viel Hoffnung in diesen Menschen, der vorher im übrigen mein bester Freund war, gesteckt habe. Ich war sehr lange Single und natürlich war es schön wieder jemanden zu haben.

Dieses Gefühl von Sinnlosigkeit habe ich so ca. seit Juni letztes Jahr. Und es wird immer schlimmer. Selbst mein Wunsch nach Familie und Kind ist weg, weil es irgendwie sinnlos erscheint. Daher habe ich jetzt auch die Affäre endgütlig beendet, weil er definitiv dazu beigetragen hat. Ob er der einzige Grund ist weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich dieses Gefühl einfach nicht mehr haben will.

Zitat:
Wie kommt dieser Gedanke von Sinnlosigkeit zustande? Stecken da andere Gedanken hinter? Du hast dich bislang offenbar nicht komplett zurückgezogen; du gehst raus. Wenn du mit Freunden unterwegs bist, fällst du dann währenddessen schon ins Loch, oder passiert das erst hinterher?

Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal habe ich das schon bevor wir uns überhaupt treffen, aber zuhause bleiben ist für mich keine Option, das macht es noch schlimmer. Gestern Abend war ich bei einer sehr guten Freundin und zunächst war es ok. Dann haben wir über ein befreundetes Paar geredet, die aktuell wohl Probleme haben und schon war dieser Gedanke wieder da, wie sinnlos doch alles ist. Diese Gedanken kommen und gehen einfach wie sie wollen.
Ich sehe das aber nicht nur bei Beziehungen so, ich finde das ganze Leben irgendwie sinnlos. Ich weiß eben nicht wer ich bin und was ich will. Ich hoffe das mit der Therapie irgendwie raus zu finden, fühle mich aber momentan eher so, dass dieses Gefühl niemals weg geht.

Es ist so dieses Große Ganze. Wofür lebt man denn überhaupt? Wie kann es sein, dass es Menschen gibt, die so viel Leidenschaft für eine Sache entwickeln können? Oder deren Traum es ist eine Familie zu haben? Oder glücklich sind mit dem was sie haben? Ich will das nicht verteufeln, ich will einfach nur verstehen wie das geht, damit ich das auch wieder fühlen kann.
Sicher weiß ich auch, dass es die Depression ist die mir vorgaukelt, das alles sinnlos ist. Aber dieses Wissen scheint mir irgendwie nicht zu reichen, um da wieder raus zu kommen.

28.01.2019 16:27 • x 1 #3


CeHaEn

CeHaEn

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Zitat von Emo85:
Ich weiß eben nicht wer ich bin und was ich will.

Das wird sicherlich ein Problem sein, aber ein Stück weit weißt du vermutlich doch, was du willst. Immerhin bist du das Verhältnis zu deinem ehemaligen Freund mit bestimmten Hoffnungen eingegangen und hast hier auch deinen Familienwunsch angeführt. In diesem Punkt fehlt dir jetzt vielleicht lediglich die Zuversicht, weil der letzte Versuch ein Griff ins Klo war.
Immerhin hast du festgestellt, dass dir diese Affäre nichts mehr bringt und sie dann beendet, anstatt dich an ihr festzuklammern und noch Jahre mit vergblichen Rettungsversuchen zu vertun.

Möglicherweise weißt du in anderer Hinsicht tatsächlich noch nicht, was du wirklich willst. Sei es beruflich oder sonstwas.

Zitat von Emo85:
Sicher weiß ich auch, dass es die Depression ist die mir vorgaukelt, das alles sinnlos ist. Aber dieses Wissen scheint mir irgendwie nicht zu reichen, um da wieder raus zu kommen.

Das ist ja Standard bei Depression: Eigentlich weißt du alles besser. Es fühlt sich aber nicht so an und mitunter kommt einem dieses Wissen dann eher wie abgeschmackte Parolen vor. Ich habe da auch kein Patentrezept und kann im Grunde nur immer wieder hinterfragen, ob ein Gedanke wirklich von mir oder "der Depression" kommt.

Zitat von Emo85:
Es ist so dieses Große Ganze. Wofür lebt man denn überhaupt?.

Ich denke, zum Teil lässt sich diese Frage mit deinen eigenen Prinzipien beantworten und eigentlich kannst du dir aussuchen, wofür du leben möchtest. Der geringste Zweck könnte sein, dir deine begrenzte Zeit möglichst angenehm zu gestalten. Da solltest du zunächst natürlich wissen, was du willst und brauchst. Danach kannst du dir passende "Projekte" suchen, die deine Leidenschaft wecken können. Das ist mit Depri-Kopf aber leider nicht einfach und tatsächlich war das am Anfang eine meiner schmerzhaftesten Erfahrungen: Zu erleben, wie selbst meine größten Interessen quasi verschwanden. Dann ist die Angst, dass auch zukünftig alles irgendwie dröge und unwichtig erscheinen könnte, doch logisch.
Du kannst dir allerdings aktiv vor Augen halten, dass du deinen "Funken" noch nicht verloren hast. Wenn du etwas tust, was du gern machst, dann achte ganz genau auf deine Empfindungen. Bestimmt wirst du feststellen, dass da irgendwo noch Freude ist - du kannst sie zur Zeit nur nicht richtig sehen und dir schwirren noch viele andere Dinge durch den Kopf.

28.01.2019 16:54 • x 3 #4


Juju

Juju

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Ich kenne das sehr gut!
Mir geht es momentan sehr oft so.
Allerdings jetzt nicht so ganz krass wie bei Dir. Ohne Dich jetzt niedermachen zu wollen.
Bitte nicht falsch verstehen.
Ich frage mich oft, wozu das alles?
Müssen ja doch irgendwann alle sterben.
Also wofür dann den ganzen Aufwand, wenn ja doch alles einmal vorbei ist.
Ich hatte auch eine lange Affaire.
Ich denke, das ist der Reiz und man hat keine Verpflichtung.
Nun bin ich seit über 4 Jahren Single. . .
Aber hast Du was an Deinem eigenen Schreiben erkannt?
Du schreibst, zuhause bleiben ist keine Option für Dich, weil es dann noch schlimmer wäre.
Da steckt schon ein kleiner Sinn dahinter.
Und weißt Du was?
Jetzt wo ich das schreibe. . .
Wie wäre es denn, wenn wir uns jetzt einfach zur Aufgabe machen den Sinn zu finden.
Ich denke unser Sinn ist es, die Freude am Leben zu finden.

Die Freude an uns selbst?

Na?
Wie findest Du diese Idee?

Könnte Sinn machen. . oder?!

28.01.2019 17:02 • x 3 #5


Frederick1

Frederick1

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liebe Emo,

vielen Dank für deine offene und ehrliche Art. Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, ein Mensch kann dir helfen, dich aber auch zerstören, beides ist möglich. Doch nichts hilft mir mehr in meiner Depression, als Liebe und Annahme von Menschen.

Plötzlich, von jetzt auf nachher kommt die Dunkelheit über dich. Es wird plötzlich dunkel in uns, ob ich es möchte oder nicht. Meine Stimmung verdüstert sich. Und wenn ich an meine Zukunft denke, da sehe ich auch nur Dunkel. Alles wirkt bedrohlich, selbst gute Beziehungen werden plötzlich sinnlos.

Und ich habe Angst, nicht mehr heraus zu finden, Obwohl ich das auch schon erleben durfte, plötzlich, ganz langsam wird es wieder auch mal heller.

Das ist meine Depression. In dieser Depression wirkt alles sinn und dunkel. Ich habe den Eindruck, ich sitze in einem ganz dunklen tiefen Loch, aus dem ich nicht mehr heraus komme. Da spüre ich nicht mal mehr mich selbst. Selbst die Liebe von Menschen scheint uns nicht mehr zu erreichen.

Gut gemeinte Worte erreichen mich nicht mehr, die Worte der Liebe wirken schal und abgestanden.

Menschen geben gute Ratschläge, aber mein Herz erreichen diese Worte nicht mehr.

Und die Menschen die mir helfen möchten, kommen selbst an ihre eigenen Grenzen, ohne mir helfen zu können.

Nachdem ich das schon so oft erlebt habe weiß ich, nicht immer gleich und sofort, Depression ist eine Lüge, nicht die Wahrheit. Die Liebe der Menschen ist da, nur ich spüre sie nicht.

Doch die Wahrheit ist, die Liebe ist da.

Menschen die uns ganz nahe stehen wissen das, ich lehne nicht die liebevollen Menschen ab, die mir helfen möchten, sondern ich lehne mich selbst ab.

So stark ist meine Ablehnung, das ich mir keine Hilfe gönne, keine Liebe annehmen kann.

Menschen die das wissen,, reichen deshalb auch in der Depression Hände, sie schrecken vor meiner Depression nicht zurück. Sie halten mich, auch wenn ich gar nicht gehalten werden möchte, weil ich mich selbst ablehne.

Und wenn ich mich selbst ablehne, lehne ich auch jede Hilfe ab.

Deshalb finde ich es wertvoll zu lernen, uns nicht abzulehnen, sondern uns, so gut es geht, in der Depression liebevoll anzunehmen.

Weil du ein wertvoller Mensch bist, und daran ändert auch deine Depression nichts.

Die Menschen sollten es aber wissen, warum wir Menschen mit Depression, uns so verhalten.


in guten Gedanken für dich,

ganz viele liebe Grüße,


Frederick


Ja, wir Menschen mit Depression haben auch ein Recht auf Freude am Leben! Und Liebe und Annahme kann uns etwas Freude schenken. Und Freude ist nicht immer etwas Leichtes, Lustiges, sondern oft etwas ganz tiefes. Und je tiefer die Freude ist, um so stabiler ist sie.

Doch woher die Freude nehmen? Es gibt doch soviel Leid und Not, Enttäuschung, Verbitterung. Und schaue ich in die Welt, eine Katastrophe nach der anderen, Hungersnöte, Kriege usw.

Und selbst, unruhig, aufgewühlt, zerschlagen

Dann aber Menschen die mich noch lieb haben in meiner Depression. Die mir etwas von ihrer Liebe und Freude geben.

Dafür lohnt es sich zu leben, zu kämpfen.

28.01.2019 17:13 • x 1 #6


Matt_iu

Matt_iu

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Hallo Emo85,

ist das Grübeln über Sinnfragen ein Symptom der Depression oder ist es umgekehrt, dass die Depression aus diesem Philosophieren entstanden ist?

Mit diesen das Leben und seine "Bedeutung" hinterfragenden Gedanken habe ich mich seit meiner Pubertät beschäftigt und hätte mir damals gewünscht, zu der Zeit mit gewissen Autoren in Verbindung gekommen worden zu sein. Sich alleine auf diesen mehr als tückischen kognitiven Pfad zu begeben, kann einen in sehr tiefe Zerwürfnisse um das eigene Selbstbewusstsein und das Selbstbild bringen.
Es ist aber nicht so, dass ich an einem Punkt bin, wo ich das Leben genieße, auch habe ich keine Schablone, an der ich die Fragen über meine Existenz und ihren Inhalt abarbeiten kann - das wäre zwar angenehm, aber auch nicht mehr menschlich. Es ist vielmehr so, dass ich sehr viele Erkenntnisse wie auch "Methoden" gewonnen habe und versuche, mein Leben dadurch in einen neuen (Bedeutungs-/ oder Sinn-)Zusammenhang zu bringen, der mir vorher vielleicht ob der Grenzen meiner geistigen Leistung oder Mangel an Lebensweisheit nicht möglich war.

Dazu muss man auch bereit sein die eigenen Glaubensvorstellungen kritisch zu überprüfen und nicht selten zu ändern. In diesem Zusammenhang schreibt Rudolf Lütte über Albert Camus, dass letzterer in seinem Gesamtwerk die fälschlich vermählten Begriffe "Glück" + "Sinn" wieder trennte, welche von fast allen - jedenfalls in westlichen Gesellschaften lebenden - Menschen als Synonym empfunden werden. "Nur wenn eine vollständige Erfüllung eines nach meinem Verständnis glücklichen Lebens stattfindet, ist es ein sinnvolles Leben", heißt es meistens, aber nicht immer so direkt, wie ich es schreibe. Das gesamte Leben besteht aus Inhalten, die, wenn sie einem nicht gefallen, nicht glücklich machen und nicht erfüllen, somit sinnlos erscheinen. Ich wähle hier das wort sinnlos markiert und mit bedacht.
Ich muss auch zugeben, dass ich hier nicht zu meiner vollen Zufriedenheit von allen Erfahrungen und Erkenntnissen schreiben kann, weil sie nicht jedem verständlich oder nachvollziehbar wären. Viel Mehr kann ich mehr Stichpunktartig und zu verallgemeinert davon berichten.

Die Frage, ob ich ein glückliches Leben führen kann, in dem ich auf keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Sinn gekommen bin? Ich würde die Frage heute eindeutig mit Ja beantworten.

Die Gründe liegen darin, dass ich 1. gelernt habe, was es bedeutet diese philosophischen Fragen zu stellen und welche überhaupt (sprachlich/syntaktisch) sinnvoll sind, bzw. welche ich stellen kann, auf die ich eine wie auch geartete Antwort erhalten könnte. Das war mir vorher nicht bewusst und wie so jeder, stellte ich viele Fragen, die ich heute für unsinnig hielte, einen Großteil davon als Scheinfragen entlarvt habe und einen anderen Teil umformuliert habe.
Wir versuchen so oft eine einfache Frage auf eine komplexe Prämisse wie das Leben zu stellen, jedoch stellt es ich heraus, dass eine angemessene Frage auch eine komplizierte sein kann, um dem Leben gerecht zu werden.
Der Punkt ist, dass ich über die Sprachphilosophie, oder anders genannt Analytische Philosophie einen Zugang dazu bekommen habe, wie Sprache mit dem Denken verbunden ist und was ich erwarten kann, mit ihr auszudrücken. Besonders hervorzuheben sind Schriften von Ludwig Wittgenstein und Hilary Putnam. Das hat mir wesentlich geholfen, Klarheit in bestimmten Fragen zu bekommen.

2. Bin ich über die Erkenntnisse des Autors Albert Camus, der vornehmlich einige wenige Bücher, Essays und ein philosophisches Buch geschrieben hat, zu Fragen nach dem Rechten Maß von Glück und Gerechtigkeit. Sein berühmtestes Buch hat den Titel "Der Mythos des Sisyphos" und behandelt das Thema der Menschen, die erkennen, dass ihr Lebensinhalt sinnlos ist. Viele Menschen begehen, in der Vorstellung die logische Schlussfolgerung davon wäre sich gegen das Leben zu entscheiden, den Freitod. Camus zeigt jedoch auf, dass das im Widerspruch zum Leben steht und das man sich Sisiphos auch als einen glücklichen Menschen vorstellen kann und dass ein glückliches Leben keines sein muss, deren Sinnfragen man auf irgendeine Weise beantworten muss. Das Buch ist zwar nicht einfach geschrieben, aber wirkmächtig und hat viel Einfluss in der späteren Lebensphilosophie hinterlassen. Den besten Zugang zum Inhalt bekommt man durch Rezensionen und Diskussionen darüber von anderen Autoren und Philosophen; anregende Diskussionen und Vorstellungen gibt es auf Youtube. Verständliche Interpretationen überall im Internet. Raphael Enthoeven hatte auf ARTE eine kurze aber prägnante Zusammenfassung präsentiert.

Meine Einstellung steht heute im Kontrast zu meinen alten Überzeugungen; den Schaden, den sie über die Jahre angerichtet hatten, sind jedoch nur schwerlich zu beseitigen und deswegen sind die positiven Resultate und Konsequenzen und die Klarheit daraus nicht sofort erkennbar und anwendbar, als wenn ich mit diesen Gedanken erwachsen geworden wäre. Aber es verhilft mir, trotz chronischen Schmerzen und psychischen Belastungen langsam ein mir würdiges Leben zu leben.

Gruß und bis bald.

28.01.2019 17:28 • x 1 #7


Pilsum

Pilsum

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Hallo Emo,
Zitat:
ich würde gerne mal wissen, wie ihr mit dem Thema Sinnlosigkeit umgeht?


Meiner Meinung nach gehst Du am besten so vor, dass Du Dir einen Sinn im Leben
erschaffst. Also Deinem Leben selbst einen Sinn gibst.

Falls Du Lust hast, können wir dies gern mal bis in die Tiefe diskutieren.

Zitat:
Allerdings stehe ich ganz oft da und denke "das alles ist so bedeutungslos".

Fast jeder kennt solche Gedanken und Lebensphasen. Ich selbst habe sie auch über lange
Zeiträume gehabt. Du kannst nur selbst da wieder herauskommen.
Was hätte denn für Dich eine besondere Bedeutung, etwas, was für Dich einen Sinn
machen würde, das Leben angenehmer zu empfinden?
Zitat:
Ich bin also gar nicht richtig in der Lage den Moment zu genießen, einfach mal glücklich zu sein.


Was hindert Dich daran, den Moment zu genießen?
Zitat:
Genau so sieht es auch mit der, sagen wir mal Zukunftsplanung aus.


Überhaupt eine persönliche Zukunftsplanung zu haben, halte ich für mitunter schwierig.
Man kann Leben kaum planen. Es läuft doch fast immer anders, als man es sich vorgestellt hat.
Zitat:
Eben auch, weil ich eine Beziehung generell irgendwie als sinnlos sehe.


Warum ist eine Beziehung sinnlos? Sie kann unser Leben doch bereichern.
Zitat:
Oder koche eben anstatt alleine mit ihm zusammen. Was soll das bringen?


Da besteht wohl ein großer Unterschied, ob man etwas alleine macht oder mit einem Partner, mit dem
man sich gut versteht.

Zitat:
Versteht mich nicht falsch, ich weiß theoretisch, dass das schon einen Sinn hat. Das Zweisamkeit schön ist und
das es Spaß macht mit jemandem den man liebt etc., aber durch meine Depression hat das für mich einfach
alles gar keinen Sinn.


Wenn ich Dich richtig verstehe, macht es für Dich nur deswegen keinen Sinn, weil Deine
theoretische Sichtweise und Deine praktischen Erfahrungen bisher nicht zusammen gepasst haben.

Da stellt sich nun die Frage.
Was kannst Du von Deinen theoretischen Erwartungen abändern und was traust Du Dir zu,
praktisch in Deinem Lebensalltag anders zu machen.
Danach kann es dann viel besser passen.
Zitat:
Hat es schon mal jemand da raus geschafft und hat Tipps für mich?


Es gibt Wege aus dieser scheinbaren Sinnlosigkeit.
Deinen persönlichen Weg da heraus kannst Du nur selbst finden. Wenn ich Dir sage, so musst Du leben,
könnte es sogar passieren, dass ich Deine Sinnlosigkeit verstärke, weil Du ganz andere Vorstellungen hast, wie ich.

Zitat:
Muss aber dazu sagen, dass ich seit meiner Jugend mit Problemen zu kämpfen habe (Angststörung, Phobien).
Die Depression stand dabei aber nie im Vordergrund,


Es kann gut sein, dass es genau so war, wie Du es beschreibst. Eine Depression
stellt sich meistens erst dann ein, wenn Du keine Möglichkeit mehr siehst, Deine
inneren Ängste mit irgendetwas anderem (Lebensplanung, Partner, Beruf oder anderem)
klein zu halten.

Viele Grüße

Bernhard

28.01.2019 17:37 • x 5 #8


Chaosmama

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Hallo,
Mir geht es ebenso. Was soll das ganze? Dieser Alltag. Kann mich auf gerne nichts mehr freuen. Unternehmen tu ich auch nichts mehr. Oft zu wenig Kraft. Trotz Medis

28.01.2019 17:49 • x 1 #9


Frederick1

Frederick1

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lieber Pilsum,

als Mensch mit Depression fällt es ganz arg schwer, sich einen persönlichen Sinn zu geben. In dir drinnen ist alles ganz dunkel. Mir helfen oft Zusprüche von anderen Menschen in meiner Depression. Eine Depression durchkreuzt oft deine ganz persönlichen Lebenspläne.

Da entgleitetet dir der Boden unter deinen Füßen. Alle Träume von einer guten Zukunft zerplatzen wie eine Seifenblase. Die Zukunft, aber auch schon deine Gegenwart legt sich auf dich wie ein dichter Nebel, der nicht nur jeden festen Schritt unmöglich macht, sondern selbst das Atmen fällt dir schwer.

Und dann diese quälenden fragen nach dem "warum". Warum gerade ich?

Aber ohne meine Depression hätte ich nie manchen so liebevollen Menschen kennen gelernt, der trotzdem zu dir steht, es mit dir aushält. Das schenkt mir oft den Mut und die Kraft, trotz allem weiter zu machen, weiter zu leben.


liebe Grüße an dich,

Frederick

28.01.2019 18:03 • x 2 #10


Frederick1

Frederick1

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hallo ihr Lieben,

was wir brauchen ist ganz arg viel Mut, doch gerade der fehlt mir in der Depression. So bin ich selbst immer wieder auf Ermutigung von außen angewiesen.

Ich brauche immer wieder Mut, mein Leben mit der Depression zu tragen, zu ertragen. Auch muss ich mir immer wieder und anderen Menschen eingestehen, das ich es allein nicht packe, und oft fällt uns das oft schwer. Auch es mir einzugestehen.

JA ich habe diese Depression, trotzdem bin und bleibe ich ein wertvoller Mensch!

Mut, diese Wahrheit mir einzugestehen, und trotzdem, so gut ich es kann, zu mir zu stehen.

Wenn ich nicht nur an Vergeltung denke, sondern das ich versuche, mich mit meiner Depression immer wieder zu versöhnen. Auch wenn manches für mich jetzt nicht mehr so machbar ist.

Aber wenn ich mich und meine Depression hasse, ablehne, dann wird es ja noch schlimmer.

Dann brauchen wir Mut, anders zu leben. Auch wenn alle anderen anders leben, möchte ich zu mir stehen.


liebe Grüße,


Frederick

28.01.2019 18:30 • x 1 #11


Pilsum

Pilsum

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Hallo Frederik,

Zitat:
als Mensch mit Depression fällt es ganz arg schwer, sich einen persönlichen Sinn zu geben.


ich weiß das. Eine richtige Depression ist kann so etwas heftiges sein, wie wenn ein Computerprogramm abstürzt.
Nichts geht mehr. Alles ist überlastet.
Zitat:
Und dann diese quälenden fragen nach dem "warum". Warum gerade ich?


Deine Antwort auf diese Frage scheinst Du ja zumindest zum Teil schon gefunden zu haben.
Sonst hättest Du Deine Depression ja nicht überwunden.
Zitat:
Aber ohne meine Depression hätte ich nie manchen so liebevollen Menschen kennen gelernt, der trotzdem
zu dir steht, es mit dir aushält.


Wenn Du damit sagen willst, dass eine Depression auch Positives bewirken kann, dann stimme ich Dir zu.
Man muss nicht einmal annähernd perfekt sein, damit man von anderen Menschen geschätzt, gemocht und
geliebt wird.
Das wunderbare am Menschen kann auch sein, das er eben nicht perfekt funktioniert.
Dies macht unser Leben lebenswert. Es lässt sich nicht genau planen und schon gar nicht
vorherbestimmen, was in unserem Leben zukünftig passiert.

Bernhard

28.01.2019 18:31 • x 1 #12


Chaosmama

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Hallo Frederick,
Das hast du wirklich ganz toll formuliert. Dankeschön. Trifft es auf den Punkt. Mir geht's gerade nicht so gut, daher nur wenige Zeilen.
Grüße Chaosmama

28.01.2019 18:35 • x 1 #13


Frederick1

Frederick1

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liebe Chaosmama,

du da wünsche ich dir aber jetzt ganz viel Geborgenheit und Liebe für dich. Gerade wenn der Sturm der Depression wieder tobt. Wenn du dich gerade schwach fühlst. Das du dich trotzdem in Liebe umarmen kannst.

Das du bald wieder ein Licht sehen darfst, mitten in deiner Dunkelheit. Du, liebe Chaosmama, es wird aber nicht immer dunkel bleiben. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen, eine neue Hoffnung.


Das alles wünsche ich dir, und noch ganz arg viel mehr.


Viele liebe Grüße an dich,


Frederick

28.01.2019 18:47 • x 1 #14


Pilsum

Pilsum

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Lieber Frederik,

was wir brauchen ist ganz arg viel Mut, doch gerade der fehlt mir in der Depression. So bin ich selbst immer
wieder auf Ermutigung von außen angewiesen.

Du beschreibst hier eine grundsätzliche Frage.
Auch ohne Depression sind wir Menschen ständig auf Bestätigung und Ermutigung von außen angewiesen.
So gibt Dein Hund Dir ebenfalls ständig diese Bestätigung.
Zitat:
JA ich habe diese Depression, trotzdem bin und bleibe ich ein wertvoller Mensch!


Das ist so. Aus sozialem Denken heraus sind depressive Menschen häufig
sehr wertvolle Menschen, die es manchmal aber mit dem sozialen Denken übertreiben.
Man darf und muss auch schon mal häufiger egoistisch sein und sollte nicht immer nur sozial denken.
Zitat:
Dann brauchen wir Mut, anders zu leben. Auch wenn alle anderen anders leben, möchte ich zu mir stehen.


Ja, tu das, nimm Deinen Mut und lebe anders als andere Menschen. Damit schaffst Du Dir Deinen eigenen Lebenssinn.
Du lebst schließlich nicht dafür, nur andere in ihrem Lebenssinn zu bestärken, sondern Du lebst vor allem auch dafür,
Deinen eigenen Lebenssinn zu bauen und ihm zu folgen.

Wie Du schreibst, wird es von vielen sehr akzeptiert, wenn Du Deinen persönlichen Zielen weitgehend folgst.
Das ist doch wunderbar.

Bernhard

28.01.2019 18:48 • x 1 #15