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Was hat euch am meisten gegen die Depression geholfen?

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sylvinchen

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@Sanny1990 Die Erfahrungen, die du (und viele von uns )hier beschreibst, kenne ich zur Genüge. Ja, leider sterben die sogenannten Besserwisser nicht aus. Und ja, es ist ungerecht und es tut unwahrscheinlich weh. Das alles sind nicht wegzuschiebende Tatsachen. Und doch, der Ärger darüber schadet nicht denen, sondern mir, und zwar nur mir. Es führt dazu, das meine Depressionen noch schlimmer werden, als sie schon sind. Darum übe ich mich darin, mich davon zu distanzieren. Ich gebe zu, das ist nicht leicht und oft genug gelingt es mir nicht. Aber alleine die innere Einstellung dazu hilft mir, mich daran nicht innerlich aufzureiben. So erlebe und erfahre ich es. Meine (und auch deine) Erkrankung ist zu schwer, als das wir uns weitere Pakete aufhalsen lassen. Und inzwischen habe ich persönlich auch die Erfahrung gemacht, das es auch Menschen gibt, die nicht selbst betroffen sind, und dennoch Verständnis für mich haben.

04.11.2022 10:24 • x 1 #61


Sanny1990

Sanny1990

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@sylvinchen

Ja, das war auch der Grund, warum ich damals in die Psychiatrie gegangen bin, weil ich lag nur rum und mein Vater hat dann noch gesagt, dass er auch eine Krankheit hätte, aber deswegen auch nicht in der Ecke liegen würde. Da hab ich mich so unverstanden gefühlt, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe und in die Klinik gegangen bin. Seitdem ist es besser, aber ich höre immer noch Tipps, was ich alles zu machen hätte und das tut weh, weil es einfach noch nicht besser geht. Ich weiß ja selbst, was ich machen müsste, aber es geht einfach noch nicht. Man muss sich wirklich von den Besserwissern fernhalten, aber die sind leider bei mir auch in der Familie und da wird es dann schwer den Kontakt abzubrechen.

04.11.2022 10:32 • x 1 #62



Hallo Sanny1990,

Was hat euch am meisten gegen die Depression geholfen?

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sylvinchen

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@Sanny1990 Nein, es geht dabei nicht um Kontakt abbrechen. Das stimmt, das geht nur bedingt. Ich meine eine Art innere Distanzierung. Ich selbst habe auch jahrzehntelang versucht, mich den Forderungen anzupassen, obwohl ich gemerkt habe, wie du, das ich sie nicht 1zu 1 umsetzen kann. Mit anderen Worten: Ich habe diese Menschen innerlich als meine Befehlshaber eingesetzt, die ungefragt über mich herrschen dürfen. Doch das dürfen sie nicht. Verstehst du, wie ich es meine? Das sind innere Prozesse. Ich musste meine Denkrichtung korrigieren. Vorher war das Ergebnis: ich bin in eine erneute Episode gerutscht. Bis ich das begriffen habe, hat es einige Jahre gedauert. Sicher auch, weil es mir niemand gesagt hat. Aber wie gesagt, so habe ich es erfahren, das mag für jemand anders gar nicht passen. Jeder findet da seinen Weg. Auf jeden Fall wünsche ich dir von Herzen, das du deinen Weg findest, mit dir selbst versöhnt zu leben.
Und das du in die Psychiatrie gegangen bist, war ein wichtiger und mutiger Schritt.

04.11.2022 10:45 • x 2 #63


Bassmann72

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Zitat von Sanny1990:
Aber vielleicht sollte ich einfach entspannt sein.

Tja, echte Entspannung kann man sich meist schlecht verordnen... ich zumindest kann das nicht.
Ich finde, du hast allen Grund, wütend zu sein und siehst viele Dinge richtig aus meiner Sicht.
Mir hilft Musik unheimlich, sowohl machen als auch nur hören. Spielst du ein Instrument? Wenn nicht, vielleicht mal anfangen (sofern es finanziell usw. möglich ist)? Ansonsten hilft mir Bewegung auch immer sehr. Das alles holt mich nicht aus meiner Depression heraus, aber es ist für mich ein Baustein, um nicht noch weiter abzurutschen und zumindest ein paar angenehme Momente am Tag zu erleben.

In diesem Sinne, bewegende Grüße

04.11.2022 12:11 • x 2 #64


Sanny1990

Sanny1990

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Ja, es war gut, dass ich in die Psychiatrie gegangen bin. Dadurch ist es erträglicher geworden. Aber ich bin noch lange nicht gesund. Es ist wirklich eine schwere Depression mit Panikattacken. Durch sie lebe ich im Rückzug, aber das macht mir erstmal nicht so viel aus, weil ich eben noch nicht gesund bin und die Ruhe auch brauche.
Musik hilft mir auch sehr. Ich singe und spiele Gitarre. Wenn ich das mache, geht es mir echt für einen Moment wieder gut. Das hilft sehr. Da muss ich dir Recht geben.
Ich gehe fast jeden Tag spazieren und im Sommer bin ich auch ins Freibad schwimmen gegangen. Das hat sehr gut getan.
Bei uns wird gerade das große Schwimmbecken saniert, aber danach möchte ich auch wieder schwimmen gehen.

An euch auch viele liebe Grüße

Sanny

04.11.2022 18:04 • x 1 #65


Ex-Mitglied

Eigene Hilfe, sich selbst helfen ist für mich die beste Therapie bei Depressionen und Angstzustände.
Nur ich weiß selber wie mein Körper, Geist und Seele tickt .
Positive Energie auftanken und nur schönes machen auch im Alltag. Abschalten und zur inneren Ruhe kommen. In eine andere Welt abtauchen wo das Leben noch Lebenswert ist. So mache ich es so. Die Depression und die Angstzustände haben dann keinen Platz mehr in meinen Gedankengänge.

04.11.2022 20:26 • x 2 #66


anir

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@Liebewoman

Guten Morgen, Liebewoman.

Na ja, da muß man erst mal hinkommen.
Oftmals kann ich nicht mehr.
In der D. kann ich mir kaum selbst helfen.
Außerhalb der D. , kann ich alles anwenden, weiß was gut ist für mich,
kann mich abgrenzen, habe eine eigene Meinung, trenne mich von dem
was mir nicht gut tut,..................................................
In der D., ist alles weg,.........................husch...............Fort...........................
Ich verstehe nichts mehr, der Sinn des Lebens ist dahin.
Es gibt keine Ziele mehr.
Alles ist pure Belastung.
Es gibt keine Freude mehr, das ist ein großer entsetzlicher Zustand.
Ich habe dann keinen Bluthochdruck.
Alles an mir ist klitzeklein geworden..........................................
Und da muß ich erst mal raus sein und dann kann ich mich wieder ins
Leben zurückkäpfen.
Es gelingt mir seit 22 Jahren.
Mit Gottes Hilfe.

05.11.2022 07:28 • x 2 #67


Sanny1990

Sanny1990

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In der schweren Depression hilft wirklich wenig habe ich das Gefühl. Mir hat nur der Klinikaufenthalt und die Medikamente geholfen. Ich hab da so tief drin gesteckt, dass glaube ich nichts anderes mehr geholfen hätte. Das ist der Fall, wenn die Depression echt sehr stark ist.
Bei leichteren Depressionen helfen sicherlich auch andere Methoden wie Sportmachen, Freunde treffen, Musik hören oder machen.

05.11.2022 18:33 • x 1 #68


Sanny1990

Sanny1990

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Jetzt ist meine Depression nicht mehr ganz so stark und ich mache zwei Therapien. Einmal eine Gruppentherapie in der Klinik und dann eine Psychotherapie.
Ich denke mir hilft auch Beschäftigung wie Spazierengehen, Musik machen oder hören, Tv gucken, zeichnen und Freunde treffen.
Aber so weit muss man erstmal kommen. Es war ein sehr langer steiniger Weg bis es mir etwas besser geht.
Heute bin ich wieder beim Psychiater und ich bin gespannt, was er vor hat.
Mit Depressionen fühlt man sich oft sehr hilflos und es kann ewig dauern bis sich etwas verbessert.

09.11.2022 09:21 • #69


anir

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@Sanny1990

ja das sehe ich genauso, das es oft eine Ewigkeit dauert bis etwas geschied, ich wieder aus dem
Loch raus bin.
Die D. ist die Krankheit der ........losigkeit.
Freudlos, ideenlos, kraftlos, interessenlos, ziellos, schlaflos, sprachlos, humorlos, sinnlos, lustlos, gefühlslos,
antriebslos, orientierungslos, glücklos, hoffnungslos, mutlos, appetitlos, kontaktlos, zufriedenheitslos, wunschlos,
erinnerungslos, zeitlos, hilflos.
So siehts dann bei mir aus.

09.11.2022 13:37 • x 1 #70


Sanny1990

Sanny1990

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Ja, es dauert wirklich ewig bis was passiert. Bei mir auch.
Das ist eine ganz gute Beschreibung von dir! Danke dafür @anir

09.11.2022 17:34 • #71


Bassmann72

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Zitat von Sanny1990:
Ich singe und spiele Gitarre.

Wie schön! Singen kann ich leider nicht...

09.11.2022 18:11 • x 1 #72


anir

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@Sanny1990

Gerne .
Dir alles Gute.

10.11.2022 05:21 • #73


Sanny1990

Sanny1990

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Bei mir wird jetzt der Spiegel vom Doxepin (Antidepressivum) bestimmt und dann wird wahrscheinlich noch mal aufdosiert. Ich hoffe, dass es mir dann bald besser geht.

Ich habe auch mit einer Ärztin über die EKT gesprochen und sie will den Chefarzt fragen, ob das für mich in Frage kommt.

Also ich habe das Gefühl, dass es voran geht. Jedenfalls kümmern sich die Ärzte um mich.

10.11.2022 07:48 • x 1 #74


Sonnenstrahlen

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Das ist doch schön zu hören! Ich hoffe es geht weiterhin bergauf bei dir

10.11.2022 09:37 • x 1 #75


Bassmann72

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Zitat von Sanny1990:
Also ich habe das Gefühl, dass es voran geht.

Das ist gut zu hören. Über das EKT habe ich auch schon nachgedacht.
Jedenfalls freut es mich für dich. Vergiss nicht zu singen, wenn dir danach ist - du kannst es wenigstens, nehme ich an

10.11.2022 09:58 • #76


Sanny1990

Sanny1990

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Ja, ich denke auch über die EKT nach. Weil bisher haben die Medikamente nicht ausgereicht, aber vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die richtige Dosis. Das wird man noch sehen.

Ja, ich werde heute auch noch mal singen. Ich kann es ganz ok. Es macht auf jeden Fall Spaß.
Dadurch vergesse ich auch etwas meine Depression.

10.11.2022 11:46 • x 1 #77


Bassmann72

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Ja, ich habe heute auch schon fleißig gebasst, dabei auch die Welt um mich herum vergessen - außer als das Kopfhörer-Kabel herausgerissen war... Da war sie dann wieder kurz, die Welt.

Du bist auch in Therapie, richtig?

10.11.2022 12:10 • #78


Sanny1990

Sanny1990

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Ja, genau man vergisst Gott sei Dank etwas die Welt während man Musik hört.
Ja, ich bin auch in Therapie. Ich mache Einzel- und Gruppentherapie.

10.11.2022 12:12 • x 1 #79


Bassmann72

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Ja, richtig. Sorry, ich habe die Welt nicht immer komplett im Kopf

10.11.2022 12:13 • #80


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Wolkenlos

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Mir hat am meisten geholfen meine Gefühle zuzulassen, sie anzuerkennen und auch alle Tränen laufen zu lassen
die raus mussten. Viel reden mit Therapeuten, aber auch mit meinen Mann der alles von mir weiß.
An mir ernsthaft gearbeitet zu haben und nicht immer die Flinte ins Korn geworfen zu haben.
Hätte ich all dies nicht getan, ich würde heute noch dort stehen wo ich vor Jahren stand.

10.11.2022 20:33 • #81


anir

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@Sanny1990

Guten Morgen, Sanny1990.

Ich habe Ekt gemacht. Mir hat es heholfen

11.11.2022 07:11 • #82


Sanny1990

Sanny1990

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@anir

wie hat dir die EKT genau geholfen? Ist es dann deutlich besser geworden?

Liebe Grüße

Sanny

11.11.2022 08:47 • #83


Sanny1990

Sanny1990

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Ja, ich hoffe, dass man medikamentös noch etwas machen kann und mit anderen Verfahren.
In einer Depression positiv zu denken ist echt verdammt schwer. Das gelingt mir auch nicht immer.
Aber ich versuche es.
Es kann auch sein, dass alles so bleibt hat mein Arzt gesagt, aber eigentlich habe ich eher einen Aufwärtstrend.
Es ist auf jeden Fall besser als noch vor einem Jahr.

11.11.2022 18:36 • #84


anir

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@Sanny1990

Guten Morgen, Sunny1990.

Super hat es geholfen.
Wie ein Phönix aus der Asche bin ich mir vorgekommen.
Meine gesamten D. defizide, sind verschwunden.
Bin wieder in meinem kleinen Leben angekommen.
Kann wieder telefonieren, lesen, Freude empfinden, arbeiten, glücklich sein, Freunde treffen.....................
Kann wieder leben.
Ich war kurz davor Berufstätigkeits-Rente beantragen zu müssen.
Dann kam die Ekt und alles wandelte sich ins Positive.

12.11.2022 05:54 • x 1 #85


Sanny1990

Sanny1990

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@anir

Das ist sehr schön zu lesen. Das habe ich auch von einer anderen Depressiven gehört, dass es bei ihr wie ein 6er im Lotto war.

Ich hoffe, dass mir die EKT auch genehmigt wird und dass sie mir genauso gut hilft.

Es macht echt Hoffnung so positive Berichte zu lesen.

12.11.2022 08:36 • #86


anir

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@Sanny1990

Das ist schön.
Alles Gute für dich.

13.11.2022 07:11 • #87


Sanny1990

Sanny1990

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Heute ging es mir recht gut beim Spazierengehen.
Ich war auch vorher mit meiner Mutter beim Bäcker frühstücken.
Das hat auch richtig gut getan.
Aber ich muss mich aufraffen zum Beschäftigen.

@anir

auch alles Gute für dich!

13.11.2022 13:25 • #88


Sanny1990

Sanny1990

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Ich habe auch noch gesungen, gezeichnet, gelernt und gelesen.
Ich habe mich zur Beschäftigung aufgerafft und bin jetzt relativ gut gelaunt deswegen.

13.11.2022 16:55 • #89



Hallo Sanny1990,

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Sanny1990

Sanny1990

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Heute gehe ich zum Blutabnehmen in die Klinik und da wird der Medikamentenspiegel vom Doxepin (Antidepressivum) bestimmt. Ich hoffe, dass dann noch aufdosiert werden kann und dass es mir dann besser geht.

Dann habe ich noch Gruppentherapie in der Klinik. Das wird sicher wieder anstrengend, obwohl es nur eine Stunde geht.

Ich möchte heute wieder spazieren gehen, singen, lernen, lesen und zeichnen. Mal sehen, ob ich das schaffe, wenn nicht ist es auch nicht so schlimm.

Was habt ihr heute vor?

Liebe Grüße

Sanny

14.11.2022 08:43 • #90

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