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Warum schaffe ich es nicht, mich selbst zu beruhigen?

Violett

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Hallo Ihr Lieben! Hier verfasse ich meinen ersten Beitrag. Bitte um Nachsicht, wenn Fehler drin sind . Auch ich leide immer wieder mal unter der Angst an Krebs zu erkranken. Ich möchte Euch mit Wiederholungen nicht langweilen. Ausloeser gibt es in meiner Kindheit. Ich musste oft operiert werden. Ich habe einige Buecher darueber und auch hier gelesen. Ich habe versucht, die Gedanken Gedanken sein zu lassen,auch autogenes Training und Jacobson versucht. Wenn aber diese Angst kommt, erfasst sie meinen Koerper und hat mich komplett im Griff. Hat jemand von Euch eine Idee fuer mich?
Liebe Grueße
Violett

19.11.2020 10:12 • #1


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Pilsum

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Hallo Violett,

hier im Forum begrüße ich Dich.

Wenn Du früher häufiger krank warst, können sich Angstgefühle bei Dir durchaus
verfestigt haben.
Da wird es nicht reichen, wie Du es schreibst, die Gedanken einfach sein zu lassen.

Ängste als weniger stark zu empfinden und sich gedanklich davon etwas zu distanzieren
setzt voraus, dass Du aktiv Einiges machst.
Dazu gehört vor allem, das Du lernst, mit Dir selbst zu reden und Dich damit gegen Deine Angstgefühle zu stellen.
Sicher haben auch einige Mitglieder hier Tipps für Dich, von denen Du etwas mitnehmen kannst.

Viele Grüße

Bernhard

19.11.2020 10:52 • #2


Violett

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Lieber Pilsum, Danke für Deine Antwort. Ich habe es auch - wie Du schonmal hier geschrieben hast-mit positiven Saetzen versucht . Ich glaube nur nicht daran , auch wenn ich es mir selbst sage . Ich glaube nicht , dass mein Koerper gesund bleibt , da ich bei meiner Verwandtschaft ersten Grades mehrere
"Krebstote "hatte . Dein Text ueber Sicherheitsbeduerfniss hat mir geholfen. Kannst Du mir vielleicht Literatur dazu empfehlen?
Ueber weitere Erfahrungen bin ich auch dankbar.
LG
Violett

19.11.2020 11:02 • x 2 #3


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Pilsum

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Zitat von Violett:
Ich habe es auch - wie Du schonmal hier geschrieben hast-mit positiven Saetzen versucht .
Ich glaube nur nicht daran , auch wenn ich es mir selbst sage . Ich glaube nicht , dass mein Koerper gesund bleibt ,
da ich bei meiner Verwandtschaft ersten Grades mehrere "Krebstote "hatte .
Dein Text ueber Sicherheitsbeduerfniss hat mir geholfen. Kannst Du mir vielleicht Literatur dazu empfehlen?
Ueber weitere Erfahrungen bin ich auch dankbar.


Liebe Violett,

Bücher empfehle ich nicht. Sie spiegeln fast immer nur das Weltbild desjenigen wieder, der das Buch
geschrieben hat. Du kannst dir aber gern selbst Bücher zu den von Dir gewünschten Themen
heraussuchen.
Es geht im Grunde eigentlich nur um Dein eigenes Weltbild, welches in Deinem Kopf Unsicherheiten erzeugt
und welche Du als sehr belastend fühlst.

Die Angst, an einer Krankheit sterben zu können ist weit verbreitet. Möglicherweise kommt sie von einer
irrigen Annahme.
Ich habe alles im Leben im Griff - aber eine Krankheit kann ich nicht beeinflussen.

19.11.2020 11:13 • x 3 #4


Violett

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Koenntest Du mir schreiben, was Du mit Weltbild meinst ? In den Buechern, die ich gelesen habe, kam immer wieder vor , man solle kognitive Verhaltenstherapie und verschiedenen Entspannungstechniken erlernen . Das hat mir offen gestanden nicht geholfen, Deine Worte bzgl. Sicherheit aber schon , deswegen dachte ich, dass ich und vielleicht auch andere Mitglieder etwas ausfuehrlicher darueber lesen koennen. Ich denke auch ,dass in dem Wort "Weltbild" etwas hineinstecken koennte!

19.11.2020 11:19 • #5


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Pilsum

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Zitat von Violett:
Ich habe es auch - wie Du schonmal hier geschrieben hast-mit positiven Saetzen versucht .
Ich glaube nur nicht daran , auch wenn ich es mir selbst sage . Ich glaube nicht , dass mein Koerper gesund bleibt ,
da ich bei meiner Verwandtschaft ersten Grades mehrere "Krebstote "hatte .
Dein Text ueber Sicherheitsbeduerfniss hat mir geholfen. Kannst Du mir vielleicht Literatur dazu empfehlen?
Ueber weitere Erfahrungen bin ich auch dankbar.


Liebe Violett,

Bücher empfehle ich nicht. Sie spiegeln fast immer nur das Weltbild desjenigen wieder, der das Buch
geschrieben hat. Viele Bücher gehen auch gar nicht auf die eigentlichen etwas tiefer sitzenden Problematiken
ein. Du kannst Dir aber gern selbst Bücher zu den von Dir gewünschten Themen heraussuchen.

Es geht im Grunde eigentlich nur um Dein eigenes Weltbild, welches in Deinem Kopf derzeit noch
Unsicherheiten erzeugt und welche Du als sehr belastend empfindest.

Die Angst, an einer Krankheit sterben zu können ist weit verbreitet. Möglicherweise kommt sie von einer
irrigen Annahme.
Ich habe alles im Leben im Griff - aber eine Krankheit kann ich nicht beeinflussen.

Und weiterhin fällt sehr auf, dass Du sagst. Ich rede mit mir, aber ich glaube es (mir) nicht.
Was Du selbst nicht glaubst, brauchst Du Dir nicht zu erzählen. Deinem Gehirm musst Du
schon Vertrauen, sonst ärgert es Dich.

Gibt es in Dir eine persönliche Krise?
Gespräche mit Fachleuten, wie Therapeuten können dir helfen, Dir selbst wieder zu vertrauen und
Dir wieder die Kraft zum Denken uns Handeln zurück zu bringen.

19.11.2020 11:24 • x 1 #6


Violett

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Ich habe schon mit einem Therapeuten gesprochen, Gedankenprotokelle halfen nicht wirklich! Ich merke aber ,dass die Worte von Dir wie" irrige Annahme" oder falsches " Weltbild" mich ansprechen und ich sie in der Tiefe meines Gedankens zulasse! Vielleicht kannst Du mehr dazu schreiben! Eine Krise habe ich nicht.
LG
Violett

19.11.2020 11:35 • x 1 #7


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Pilsum

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Da habe ich Dir zuerst leider einen noch nicht fertigen Beitrag gesendet. Diesen Fehler bitte ich
zu entschuldigen. Leider lässt er sich nicht mehr löschen.

Jeder Mensch hat von der Welt ein bestimmtes Bild im Kopf.
Wenn wir darüber reden und unsere Sichtweisen vergleichen, können wir feststellen, dass wir
so manches total unterschiedlich sehen.

Wie ist unsere Welt denn nun wirklich?
Und was ist richtig und was ist falsch?
Welche Regeln sind sinnvoll und welche Gesetze gut?

Im Kopf hat jeder ein Wunschbild, wie die Welt für sie/ihn sein sollte.
Und dann sieht man jeden Tag.Die Welt scheint völlig anders zu sein, als ich sie haben möchte.

Was macht der Mensch nun? Verändert er seine Welt dort, wo ihm das möglich ist? Oder passt er sich an?
Oder beides?

Im Idealfal wird beides sinnvoll sein, damit man sich zufrieden fühlt und die Ängste klein bleiben.

19.11.2020 11:37 • x 1 #8


Violett

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Das hast Du wieder so treffend gesagt ! Ich glaube langsam verstehe ich, wie Du es meinst ! Ich habe Angst davor krank zu werden und mit meinen Schmerzen alleine zu sein ! Waere das die " irrige Annahme"? Und mein Wunsch z.B. mir finanziell leisten zu koennen, dass jemand als Pfleger bei mir wohnt ? Und dann mein Leben demnach jetzt schon gestalten bzw. verändern?
Bitte korrigiere oder ergaenze meine "Zitaten" und Du brauchst nicht dabei mich mit " Samthandschuhen " anzufassen

19.11.2020 11:46 • x 1 #9


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Kate

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Zitat von Violett:
Dein Text ueber Sicherheitsbeduerfniss hat mir geholfen.

Wo ist der denn? Ich lese ihn hier nicht

19.11.2020 11:56 • #10


Violett

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Den Text bzw. " Zitat" fand ich , während ich zum Thema "Hypochondrie" hier im Forum gestöbert habe!

19.11.2020 12:01 • x 1 #11


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Kate

4121
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8841
Zitat von Violett:
Den Text bzw. " Zitat" fand ich , während ich zum Thema "Hypochondrie" hier im Forum gestöbert habe!

Danke

19.11.2020 12:23 • #12


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Pilsum

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Zitat von Violett:
Das hast Du wieder so treffend gesagt ! Ich glaube langsam verstehe ich, wie Du es meinst ! Ich habe Angst davor krank zu werden und mit meinen Schmerzen alleine zu sein ! Waere das die " irrige Annahme"? Und mein Wunsch z.B. mir finanziell leisten zu koennen, dass jemand als Pfleger bei mir wohnt ? Und dann mein Leben demnach jetzt schon gestalten bzw. verändern?
Bitte korrigiere oder ergaenze meine "Zitaten" und Du brauchst nicht dabei mich mit " Samthandschuhen " anzufassen


Mit der irrigen Annahme meinte ich etwas anderes.
Aus der Psychologie ist bekannt. Das Wichtigste, was der Mensch sucht, ist Sicherheit.
Weil das Sicherheitsgefühl kann unsere Angstgefühle zurückdrängen.

Ich bezeichne es als Irrtum, wenn ich versuche, übermäßig starke Sicherheit zu erzeugen.
Es gibt in unserem Leben keine völlige Sicherheit. Auch ich kann im nächsten Moment schwer krank werden
oder tot umfallen. Dies macht mir aber wenig Sorgen, weil was kommt, das kommt.
Ich muss nur entsprechend darauf reagieren.

Deine Annahme, krank werden zu können und niemanden zu haben, der Dir zur Seite steht,
das sehe ich nicht als irrige Annahme. So etwas kann leider passieren.
Nur wie will sich jemand auf so etwas vorbereiten? Ich halte das für kaum möglich.

Deinen Wunsch, genügend Geld im Krankheitsfall zu haben, finde ich wenig sinnvoll. Mit Geld
kann man viel machen. So ein von Dir beschriebenes Problem läßt sich aber wohl kaum mit
Geld lösen und auch kaum abmildern.

Für heute muss ich aus dem Gepräch aussteigen, da ich noch arbeiten muss.
Das Thema und Deine Herangehensweise finde ich sehr interessant.

Gruß Bernhard

19.11.2020 12:36 • x 3 #13


Violett

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@Pilsum
Hallo lieber Pilsum! Ich weiß nicht, ob es üblich ist ein" Gespräch " vom Vortag fortzusetzen oder nicht! Aber nach Deiner letzten Antwort ist mir die Frage aufgekommen: was mache ich denn mit diesem beängstigenden Gedanke
" krank und alleine zu sein" , wenn dies ganz realistische Gedanken sind?

20.11.2020 10:13 • #14


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Kate

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Zitat von Violett:
was mache ich denn mit diesem beängstigenden Gedanke
" krank und alleine zu sein" , wenn dies ganz realistische Gedanken sind?

Hi, die Realität ist es erst dann, wenn Du krank und alleine bist! Noch ist es keine Realität.
Was wäre wenn ist nie zielführend.

Lebe im hier und jetzt.
LG Kate

20.11.2020 10:47 • x 2 #15


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LeLion

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Hallo @Violett

ähnlich wie @Kate schreibt ist es ein Problem von uns Menschen das wir bevorzugt in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben und die Gegenwart in die unser Leben gerade spielt gar nicht mehr wahrnehmen.
Das macht einen verrückt denn so hat man immer etwas woran man denken muss sei es an Sachen die man noch erledigen muss oder Dinge wie Krankheiten die - wenn überhaupt - eintreten können.
In 20 Jahren fragen wir uns dann, wo ist die Zeit geblieben und stellen dann fest diese Zeit haben wir mit Schwachsinn verschwendet.

Mir hat Achtsankeitstraining als ein Pfeiler geholfen um wieder zu lernen wie schön die kleinen Dinge im Leben sind und es keinen Sinn macht nur an Morgen zu denken und besonders noch weniger sich mit Gedanken zu Beschäftigen die, die Stimmung drücken.

20.11.2020 11:47 • x 3 #16


Violett

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Ich habe es auch mit Achtsamkeit und Entspannungstechniken probiert. Ich denke, dass die Operation in meiner Kindheit solche tiefe Spuren hinterlassen haben , dass es nicht viel hilft, vielleicht eine langwierige Traumatherapie! Danke trotzdem für Eure Worte und Erfahrungen

20.11.2020 12:09 • #17


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Heideblümchen

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Ich kann dazu vielleicht eine kleine eigene Erfahrung zum Thema "somatoforme Hypochondrie" beitragen. Nachdem ich letztes Jahr sehr krank wurde, entwickelte mein Sohn (30) diese Form der Hypochondrie. Er hatte ständig Angst, an derselben Krankheit zu leiden wie ich und auch die Familiengeschichten über kürzlich verstorbene Mitglieder (überwiegend Krebserkrankungen) haben ihn eine zeitlang so sehr verunsichert, dass er bei jedem Missempfinden unglaubliche Ängste gespührt hat.
Auch die Diagnosen verschiedener Ärzte, dass bei ihm alles okay sei, hat ihn nicht wirklich beruhigt. Was ihm letztlich geholfen hat, war, immer wieder mit mir und anderen Familienmitgliedern zu reden. Darüber (vielleicht nicht immer hilfreich), dass es durchaus auch andere Erkrankungen gab, außer Krebs. Und dass ich ihn immer über meine Fortschritte im Positiven informiert habe, damit er sehen konnte, dass er sich keine Gedanken um mich machen muss.

Wenn sich aber Ängste so dermaßen manifestieren, kann ich mir vorstellen (und ich hadere auch schon seit längerem mit mir, ob ich das Thema nicht mal professionell angehen sollte), dass es hilfreich ist, tatsächlich mit einem Traumatherapeuten aufzuarbeiten, was die Erkrankungen - auch mit mir - gemacht haben.
Wobei ich selber sagen muss, dass ich rückblickend einfach nur stolz bin, aus einem Teil der Erkrankung mit eigener Kraft wieder herausgekommen zu sein. Ich habe auch lange gebraucht, nicht mehr jeden Tag auf Anzeichen einer erneuten Erkrankung zu achten.
Und jeder Tipp in die Richtung ist einfach nur eine (von mehreren) Möglichkeit, vielleicht mal eine andere Sichtweise auf seine Ängste zu bekommen. Letztlich glaube ich persönlich, dass das nur professionell geht. Bücher haben mir da übrigens auch nicht geholfen, denn auch ich denke immer gleich, dass sowas eher der Vermarktung dient und nur die Erfahrung eines Einzelnen entspricht und nicht auf JEDEN Betroffenen umzulegen ist, weil jeder Mensch individuell ist und entsprechend individuell mehr oder weniger Angst vor bestimmten Dingen hat.

20.11.2020 12:31 • x 4 #18


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Pilsum

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Hallo Violett,

Themen kann man beliebig oft und beliebig lang unterbrechen. Wir haben ja nicht
immer Zeit.
Zitat:
was mache ich denn mit diesem beängstigenden Gedanke
" krank und alleine zu sein", wenn dies ganz realistische Gedanken sind?


Zunächst erst einmal, ihn lange und gründlich anschauen. Ob der Gedanke realistisch
ist, entscheidest Du selbst. Haben nicht fast alle unsere Gedanken etwas Realistisches?

Beim Denken geht es meiner Ansicht nach weniger um real oder nicht real.
Es geht viel mehr um Wahrscheinlichkeiten. Dies wird leider oft verwechselt.

Wenn ich ohne Wecker schlafen gehe, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich morgens
verschlafe. Meine Angst halte ich gering, indem ich mir einen Wecker hinstelle.

Meine Angst, eine schlimme Krankheit zu bekommen ist dagegen eher unwahrscheinlich.
Das kann mich treffen. Nur wann wird mich das treffen und wie schlimm wird mich das
dann treffen?
Mich dagegen abzusichern, ist sehr schwierig bis fast unmöglich. Wenn Du Dich für den
Weg entscheidest, Dich gegen alles zu versichern und abzusichern, bist Du im Leben
fast überall nur Vierte oder Fünfte beim Rennen.
Andere Menschen tragen weniger Ballast mit sich herum und gehen etwas mehr Risiko ein.

Wenn Du Dich viel mit Angstgedanken beschäftigst, führst Du ständig große Denkschleifen
aus. Das ist so etwa, wie wenn zwei Menschen morgens zur Arbeit fahren.
Mit viel Angst stehst Du dreimal vorm Spiegel. An der Haustür gehst Du nochmal zurück, um zu schauen,
ob der Herd auch ausgeschaltet ist. Ein zweites Mal geht Du vielleicht zurück um
in den Kühlschrank zu schauen, ob Deine Lieblingsspeise noch ausreichend vorhanden ist.
Bevor Du in Dein Auto steigst, gehst Du erst einmal drum herum, um zu schauen, ob die
Reifen genug Luft haben und nirgendwo ein neuer Kratzer im Lack ist.
Am Arbeitsplatz angekommen stellst Du fest, dass Du gerade nur zwei Minuten vor der Zeit ankommst.
Das war mal wieder Stress pur.
Die Kollegin ist schon seit 10 Minuten da.

Vielleicht ist das kein gutes Beispiel. Allerdings, wer sich zu viel absichern möchte, der
verschenkt wertvolle Lebenszeit und kann auch schlecht locker leben. Weil
theoretisch kann alles Angst machen und einen Menschen blockieren.

Die Lösung liegt etwa darin, dass man sich bei den meisten Ängsten selbst damit
beruhigt.
Ich warte erst einmal ab, was passiert. Und wenn etwas Schlimmes passiert, dann
werde ich eine für mich passende Lösung suchen und finden.

20.11.2020 13:42 • x 3 #19


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Pilsum

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@LeLion

Hallo LeLion,

zu einer Aussage von Dir habe ich eine etwas andere Sichtweise.
Zitat:
ist es ein Problem von uns Menschen das wir bevorzugt in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben und
die Gegenwart in die unser Leben gerade spielt gar nicht mehr wahrnehmen.


Ich glaube wir leben gar nicht in Vergangenheit oder Zukunft.
Wir leben schon alle in der Gegenwart. Nur was uns, wie Du schreibst verrückt macht ist.

Erstens haben wir mit der Vergangenheit meistens noch nicht abgeschlossen. Obwohl es
wenig Sinn ergibt, schauen wir immer noch einmal darauf, was früher passiert ist.
Und zweitens, versuchen wir mit sehr, sehr vielen Gedanken, in der Zukunft unser Schicksal zu
beeinflussen.
Beides raubt uns viel Zeit und Kraft.

Wie sehr so etwas schief geht und das deshalb wenig Sinn macht, weiß jeder, der sich
auf ein schwieriges Gespräch versucht vorzubereiten.
Jedes hervorragende Konzept bricht nach dem fünften Satz in sich zusammen, wenn
mein Gegenüber völlig anders reagiert, als ich es erwartet habe.
Sich auf die Zukunft vorzubereiten halte ich deshalb für sehr sinnvoll, allerdings lohnt es sich nur,
ein grobes Konzept für mein klares Ziel im Kopf zu entwickeln.
Detail-Planungen scheitern fast immer.

20.11.2020 14:12 • x 1 #20


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LeLion

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Natürlich leben wir alle in der Gegenwart (besonders physisch).
Ich sehe das genau so wie du, worauf meine Aussage auch bezogen ist - ich würde es flüchten nennen - unsere Gedanken spielen sich oft in der Gegenwart oder Zukunft ab und um so länger wir mit diesen Gedanken verbringen, erschaffen wir damit eigentlich immer nur weitere/neuere Konflikte (wie man immer so schön sagst früher war alles besser), denn es wird zum einen nie wieder wie früher sowohl positiv als auch negativ und zum anderen können wir die Zukunft auch nie genau vorhersagen nur Individualitäten verhindern (bis zu einem gewissen Grad).

Und genau dieses Verhalten schafft wenn es gut läuft nur eine gewisse Melancholie im schlimmsten Fall aber Angst und Panik, und dann hat das Hamsterrad auch schon zugeschlagen..

Ebenfalls sehe ich es so wie du, man sollte sich immer auf die Zukunft vorbereiten bzw. auf zukünftige Ereignisse, aber diese müssen eben auch greifbar sein z.B. Termine oder Absicherung im Alter. Doch das sind eben auch reale Dinge, eine Krankheit die ganz vielleicht in 10 Jahren auftritt ist es bis dahin nicht.

20.11.2020 14:28 • x 3 #21


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Pilsum

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@LeLion

Ich stimme Dir völlig zu.
Zitat:
Ich sehe das genau so wie du, worauf meine Aussage auch bezogen ist - ich würde es flüchten nennen - unsere Gedanken spielen sich oft in der Gegenwart oder Zukunft ab und um so länger wir mit diesen Gedanken verbringen,

Das halte ich für eine interessante Aussage. Wie würdest Du das begründen?
Warum kann es eine Art Flucht sein, wenn man sich sehr viel mit Vergangenheit und
Zukunft beschäftigt?

20.11.2020 14:41 • #22


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LeLion

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Erst einmal kann ich sagen weil es mir einige Jahre genau so ging, aber das erklärt es noch nicht.
Ich hab for einige Zeit das Buch mit dem kontroversen Titel Mind f u c k von Petra Bock gelesen, welches mir unter anderem auf diese Sichtweise die Augen geöffnet hat.

So hab ich selbst immer in die eine oder andere Richtung geschaut ohne das es mir bewusst war. Entweder dachte ich mir wie unbeschwert früher doch alles war oder was ich noch alles zu erledigen habe und was passieren würde wenn ich dies oder das nicht auch noch erledige.
So habe ich dadurch erst verstanden über was für einen Schwachsinn ich mir alles einen Kopf gemacht habe und woran ich eh nichts ändern kann wenn es dann eben doch so ist.
Das schlimmste an dieser Flucht - und auch das habe ich erst jetzt verstanden - ist die Zeit die dadurch verloren gegangen ist durch dieses immer wiederkehrende Nachdenken, anstatt einfach mal zu leben und die Zeit zu genießen. Eine Menge Zeit die durch eine falsche Perspektive verloren gegangen ist, eine Flucht von der Gegenwart wie ich heute finde.

20.11.2020 15:06 • x 3 #23


Ex-Mitglied

Hallo @Violett ,

deine Ängste selbst an Krebs erkranken zu können, kann ich verstehen wenn du selbst als Kind schon sehr
viele Op's über dich ergehen lassen musstest. Man ängstigt sich um die eigene Gesundheit, ängstigt sich einfach darum
schwer zu erkranken. Das alles kann einem sprichwörtlich auch schon mal den Boden unter den Füßen wegziehen.
Ständig diese Grübelei und das in sich hineinhören und hineinfühlen auf mögliche Symptome.

Meine Mutter ist vor zwanzig Jahren an Darmkrebs verstorben, das war für mich als Tochter sehr schlimm.
Zumal ich sie in der Krankheit unterstützt habe wo ich nur konnte. Ich habe ihren leidvollen Weg mitbekommen,
ihre eigenen Ängste sterben zu müssen. Meine Mutter war vor ihrer Krebserkrankung auch ein sehr ängstlicher Mensch.
Sie hatte immer Angst irgendwann an Krebs zu erkranken. Immer wenn sie irgendwo Schmerzen oder Beschwerden hatte
äusserte sie ; das ist sicher Krebs....das ist sicher Krebs. Sie hatte eine riesige Angst davor. Und leider erkrankte sie
dann auch tatsächlich an diese grauenhafte Krankheit.

In den selben Jahr als meine Mutter verstarb, verstarb auch meine liebe Freundin nur vier Monate später im Alter von gerade
31 Jahren an Brustkrebs.Für mich war ein Welt zusammengebrochen.

Seither habe auch ich ständig Angst an diese Krankheit zu erkranken. Irgendwie erkenne ich mich in meiner Mutter wieder.
Bei vielen Schmerzen und Beschwerden die ich auch mal habe, ist bei mir immer alles Krebs. Meinem Mann gegenüber sage ich dann auch....das ist sicher Krebs. Es ist einfach die Angst die sich in mir manifistiert hat.

Weist du , es hört sich vielleicht bescheuert an, aber ich habe gar ein Problem damit, das Wort Krebs zu lesen.
Wenn ich schonmal Sternzeichen lese, dabei das Wort Sternzeichen Krebs lese, da bekomme ich schon Angst und ich muss
die Seite schnell zuschlagen. Oder ich kann mir das Tier, den Krebs, nicht ansehen, sehe ich es als Unglücksbringer.

Es macht mir gerade jetzt dieses Wort selbst auszuschreiben Angst, es löst jetzt in den Moment wieder diese Angst
aus, von der auch du schreibst und dich ängstigst. Aber ich wollte dir trotzt meiner Angst etwas dazu schreiben.

Ich habe diese Ängste über diese Erkrankung, das ich gar Angst vor dem Wort und dem Tier habe so oft mit meinen
Therapeuten besprochen, habe in der Klinik autogenes Training gemacht, meditiert. Aber ich schaffe es nicht diese Angst
loszulassen. Sehr gerne hätte ich dir einen guten Tipp, einen guten Rat gegeben...aber das kann ich leider nicht.

Ich wollte dir dennoch schreiben, das ich deine Sorgen und Ängste verstehen kann.

Lg. Maiblume

20.11.2020 21:29 • x 1 #24


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ClaraFall

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Zitat von Pilsum:
Deinen Wunsch, genügend Geld im Krankheitsfall zu haben, finde ich wenig sinnvoll. Mit Geld
kann man viel machen. So ein von Dir beschriebenes Problem läßt sich aber wohl kaum mit
Geld lösen und auch kaum abmildern.

Für heute muss ich aus dem Gepräch aussteigen, da ich noch arbeiten muss.
Das Thema und Deine Herangehensweise finde ich sehr interessant.

Gruß Bernhard


Dem kann ich mich leider gar nicht anschließen. Es gibt bestimmte Therapieformen, die nur mit - zumindest Extrageld - zu nutzen sind.

Ich habe ja, unter anderem, genau deswegen beruflich damals unmgesattelt. Und ich bin heute noch froh darüber, meinem Großen die Reittherapie 2 Jahre finanziert haben zu können. War bei Autismus nämlich keine Kassenleistung


Liebe Violett

20.11.2020 21:57 • x 2 #25


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ClaraFall

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Mhm, dann in einem 2. Post!

Die Angst vor Krankheit kann ich sehr nachvollziehen. Krebs ist nicht nur schon von Kindheitstagen an ein Begleiter innerhalb der Familie, sondern ich bekam 2008 ( während meiner 1 Schwangerschaft ) die Diagnose. Erst nur als Vorstufe - nach der Geburt dann die Volldiagnose. Ich hatte Glück im Unglück .. denn mit 2 Konisationen und einer Chemo war ich durch.

Aber die Angst davor, dass er wiederkommt, ist natürlich da.

Weist du, was mir hilft? Das Bewusstsein darüber, dass ich das nicht kontrollieren kann. Und was ich nicht unter Kontrolle haben kann. . das soll ich auch gar nicht versuchen, unter Kontrolle zu bringen.

Das macht nämlich nur eins: es kontrolliert mich! Und das.. wäre ja immerwährendes Leid.

Ich wünsche dir Strategien, dich mit dem unkontrollierbaren anzufreunden. Es ist nicht feindlich. Du bist ihm sogar fast egal.

Lass also nicht zu, dass die Unkontrollierbarkeit dich fest in der Hand hat.

Was passiert, passiert. Ob mit oder ohne Angst davor.

Angst ist übrigens Stress - und Stress Gift.

Willkommen!

20.11.2020 22:06 • x 8 #26


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Kate

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Zitat von ClaraFall:
Und ich bin heute noch froh darüber, meinem Großen die Reittherapie 2 Jahre finanziert haben zu können. War bei Autismus nämlich keine Kassenleistung

Wir hatten dafür damals das Rezept für die Ergotherapie nutzen können.
Wir waren aber auch nur ein paar Stunden, er hatte dann recht schnell das Interesse daran verloren.

LG

20.11.2020 22:43 • x 1 #27


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ClaraFall

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Zitat von Kate:
Wir hatten dafür damals das Rezept für die Ergotherapie nutzen können.
Wir waren aber auch nur ein paar Stunden, er hatte dann recht schnell das Interesse daran verloren.

LG


Ging nicht, weil Big ja Logo und Ergo bekam .. ich die Reittherapie zusätzlich für ihn wollte. Ergo ging er 3 Jahre ohne Pause ( du weißt, was das für ein Kampf sein kann ).

Aber ich würde alles immer wieder genauso machen. ( also auf Bigs Therapien bezogen ).

Erst durch das Reiten hat er sich nicht mehr selbst verletzt.. ich schwöre ja drauf;) zwei Narben sind geblieben ( er hat sich immer in seinen Arm festgebissen ) aber keine mehr dazugekommen

20.11.2020 22:46 • x 1 #28


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Kate

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Zitat von ClaraFall:

Ging nicht, weil Big ja Logo und Ergo bekam .. ich die Reittherapie zusätzlich für ihn wollte. Ergo ging er 3 Jahre ohne Pause ( du weißt, was das für ein Kampf sein kann ).

Aber ich würde alles immer wieder genauso machen. ( also auf Bigs Therapien bezogen ).

Erst durch das Reiten hat er sich nicht mehr selbst verletzt.. ich schwöre ja drauf;) zwei Narben sind geblieben ( er hat sich immer in seinen Arm festgebissen ) aber keine mehr dazugekommen

Ich liebe ja Deinen Humor
Das freut mich sehr, dass es ihm so geholfen hat.
Der Kampf ist mir bekannt, wir waren wöchentlich in der Autismusambulanz
Heute geht er zum Glück alleine hin und freiwillig.

20.11.2020 22:54 • x 1 #29


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ClaraFall

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Im AZ macht er seit 2019 Pause. War davor 5 Jahre angebunden. Aber wir werden für nächstes Jahr wieder beantragen .. Hormone.. schwierige Zeit für ihn. Und in der Schule wird s ja auch mehr Druck.

Schön, dass er mittlerweile allein hingeht. Big hat seinen Therapeuten geliebt. Aber da war er ja auch noch sehr jung. Er hat allerdings selbst nachgefragt. Für ihn war es immer wie eine Pause - auch wenn es Arbeit war. Hatte einen super Therapeut.

Ich schweife ab! Entschuldige, Violett!

20.11.2020 23:07 • x 3 #30

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