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Hypochondrie Gedanken stoppen - wie schaffe ich das?

Wie in meinem anderen Beitrag geschrieben, habe ich nun schon seit min. zwei Jahren eine Angst- und Zwangsstörung.

Gestern habe ich Badminton gespielt, was mir grundsätzlich auch Spaß macht und ein guter Ausgleich ist.

Allerdings spielte mir gestern ein Mitspieler den Ball genau ans Auge. Natürlich nicht absichtlich, allerdings kamen dadurch plötzlich wieder eine Reihe an Ängsten und Gedanken hoch.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Hypochondrie. Ich bin hörgeschädigt und habe mich ständig gefragt: Was wäre, wenn ich gleichzeitig auch blind werden würde?

Damals habe ich angefangen, jeden Tag zu überprüfen ob ich auf beiden Augen noch alles sehe. Dazu bin ich ständig zum Augenarzt gegangen, da ich glaubte ein Glaukom oder eine Netzhautablösung zu haben.

Es war so, dass ich mich nahezu tagtäglich mit solchen Themen auseinandergesetzt habe, ständig im Internet darüber rechachiert habe und die Gedanken so meinen Alltag betimmten.

Mit der Zeit habe ich diese Art von Gedanken in den Griff bekommen. Heute sind es dafür starke Angst und Zwangsgedanken die mich tagtäglich plagen.

Und das Erlebnis beim Sport gestern, muss meine Gedankenwelt so getriggert haben, dass die Ängste in der Situation hochstiegen.

Wieder kamen Sorgen in mir auf:

Ist mit dem Auge wirklich alles in Ordnung?

Ich spürte daraufhin während des gesamten Spiels immer wieder den Reiz dass andere Auge zu schließen, um zu gucken ob ich auf dem getroffenem Auge wirklich noch klar sehe.

Dann kam mir der Gedanke: Selbst wenn diesesmal nichts passiert ist, beim nächsten Mal kann es ja ganz anders ausgehen. Sollte ich dann nicht lieber ganz aufhören Badminton zu spielen?

Nach außen habe ich aber wiedereinmal so getan, als hätte mir die Situation nichts ausgemacht. Sprich, einfach weitergespielt. Jedoch konnte ich mich durch diese Gedanken nicht mehr wirklich auf das Spiel fokussieren und machte viel mehr Fehler als vorher.

Dadurch kamen dann wieder Gedanken des Typs: Merken die anderen meine Unsicherheit? Und könnten sie dann einen Verdacht schöpfen, dass ich ein psychisches Problem habe? Halten sie mich dann für meinen Beruf unfähig? Oder schmeißen sie mich dass aus dem Verein?
Der Trainer meldet mir auch oft zurück, ich würde teils "sehr hektisch" spielen.

Ich habe probiert mich aus diesem Kopfkino zu befreien, in dem ich mir sagte: "Jetzt fokussierst du dich erstmal wieder auf das Spiel" oder "Du siehst doch noch alles". Doch ich fühlte mich wie gefangen in meiner Gedankenwelt und konnte mich mal wieder nicht auf dass eigentlich relevante in diesem Moment konzentrieren.

Meine Frage: Wie kann man sich in so einem Moment wieder effektiv und voll aus den Gedanken rauskommen und sich auf das Wesentliche konzentrieren?

In dem Moment wo ich mir sage, "Ich möchte mich auf das Spiel konzentrieren" kommt dann meist schon wieder der Gedanke hoch, der mich davon abhält.

Wäre es auch eine Überlegung einfach kurz aus dem Spiel rauszugehen um erstmal von den Gedanken herunterzukommen? Aber dann müsste ich ja fast schon in die Richtung gehen, dass ich mein Problem offenbare.

19.06.2019 08:27 • #1


Pilsum
Hallo Neutral,

zunächst einmal freue ich mich, dass Dir beim Sport durch den Treffer im Gesicht
nichts Schlimmes passiert ist.

Zitat:
Meine Frage: Wie kann man sich in so einem Moment wieder effektiv und voll aus den Gedanken rauskommen und
sich auf das Wesentliche konzentrieren?


Dies ist nicht mit wenigen Sätzen zu beantworten. Es braucht dazu etwas mehr an Selbstbewusstsein.
Daran solltest Du ständig weiter arbeiten.
Zitat:
Vor einigen Jahren hatte ich eine Hypochondrie. Ich bin hörgeschädigt und habe mich ständig gefragt: Was wäre,
wenn ich gleichzeitig auch blind werden würde?


Die Frage, "Was wäre wenn" ist ja in Ordnung. Im nächsten Moment solltest Du aber dann sagen.
"Gut, dass mir Nichts passiert ist. Also weiter geht es in meinem Leben."

Aus der gesundheitlichen Höreinschränkung hast Du eventuell eine übermäßige
Angst davor entwickelt, weitere Beeinträchtigungen zu bekommen.
Kann das sein?
Zitat:
Wäre es auch eine Überlegung einfach kurz aus dem Spiel rauszugehen um erstmal von den Gedanken herunterzukommen?


Ich denke nicht, dass dies nötig und sinnvoll ist. Wenn Du Deine Einstellung zu Deiner Person änderst, wird
das auch anders gehen.


Viele Grüße

Bernhard

19.06.2019 10:04 • x 1 #2


Deine Gedanken bzgl. "was könnten denn die Anderen denken, wenn." solltest Du vlt. auch mal bearbeiten bzw. abhaken. Ist doch völlig schnurz, was Andere denken. Die denken heute so und morgen so oder auch Garnichts.
"Die könnten Verdacht schöpfen, dass."
"Die könnten merken, dass ich unsicher bin." usw.
Versuch mal, solche Gedanken bewusst zu stoppen. Du bist nicht auf der Erde, um ja nicht aufzufallen oder irgendwem zu gefallen oder auch nicht. Du bist der Herr über Dein Leben und bestimmst wohin und wie die Reise geht, Deine Zeitgenossen sind jeweils Randerscheinungen, die Dir eigtl. Wurscht sein müssten.
Und ob Dir morgen ein Dachziegel auf den Kopf fällt oder sonstwas passiert, wirst Du auch nicht verhindern können, was kommt- das kommt oder auch nicht, das meiste können wir eh nicht beeinflussen.
Wenn mir morgen das Haus überm Kopf zusammenfällt, mich ein Auto anfährt oder eine schlimme Diagnose kommt- dann ist das so- ich werde das nicht verhindern können. So ist das Leben eben.

19.06.2019 10:30 • x 3 #3


Alexandra2
Liebe/r Neutral,
Gottseidank ist nichts Ernstes passiert.
Und es Dir im Ansatz gelungen, die Gedanken zu handhaben. Das ist viel Wert.
Vielleicht hilft ein Perspektivenwechsel?
Du passt gut auf Dich auf und stoppst Dich, wenn die Sorgen mit Dir davongallopieren wollen. Diese Fähigkeit kannst Du sicher noch öfter anwenden. Bedanke Dich für die Aufmerksamkeit und sage Dir "gut aufgepasst" . Und dann stoppst Du weitere Gedanken.
Und was die anderen sagen, ist egal. Du bist wichtig, das kannst ggf noch ausbauen.
Liebe Grüße Alexandra

19.06.2019 12:13 • x 1 #4


Hallo,

vielen Dank für eure Antworten!

Zitat:
Aus der gesundheitlichen Höreinschränkung hast Du eventuell eine übermäßige
Angst davor entwickelt, weitere Beeinträchtigungen zu bekommen.
Kann das sein?


Guter Ansatz.

Diese Art von Ängsten fingen vor etwa 5 Jahren an. Damals bemerkte ich wirklich Augensymtome wie Lichtblitze und starke Trockenheit. Mein Augenarzt stellte lediglich trockene Augen fest. Ich hingegen habe mich dann immer weiter in die oben beschriebenen Muster hereingesteigert.
Zusätzlich fing ich in der Zeit an, mich mit meiner Hörschädigung sehr stark auseinanderzusetzen und mir Fragen zu stellen, welche Auswirkungen dass eigentlich auf mein Leben hat. Ich bemerkte damals schon, dass es mir sehr schwer fiel, Kontakt zu anderen zu knüpfen.
Ich fing dann an, in meiner Schwerhörigkeit die Ursache dafür zu suchen. Auch da habe ich mich dann sehr stark reingesteigert und mich in übermäßigem Maße mit diesen Themen auseinandergesetzt.

Zugegebenerweise bin ich zuletzt aber auch zu dem Schluss gekommen, dass meine Hörschädigung manchmal ein wenig die Funktion übernimmt, dass psychische Problem und meine Unsicherheiten zu kaschieren. Ich habe es lange als leichter empfunden zu einem körperlichen Problem zu stehen, als anzuerkennen, dass ich an meiner Psyche ansetzen muss.

Mittlerweile hätte ich immer noch sehr starke Hemmungen davor, mit meinem psychischen Problem so offen umzugehen wie mit meiner Hörschädigung. Obwohl ich es anderseits als sehr selbstbewusst empfinde nach außen zu sagen: "Ja, ich habe ein psyisches Problem, bzw. denke manchmal zu viel. Aber ich lebe damit, gehe trotzdem meinen Zielen nach und mache mein Ding"

Wenn man radikal sagen würde "Es ist mir egal was andere denken" müsste man ja im Umkehrschluss fast schon den Weg der absoluten Offentheit gehen und ehrlich gesagt, ist das Verstecken eines Problemes in einigen Situationen sehr anstrengend.

Aber an die Stelle einen solchen Ansatz umzusetzen bin ich lange noch nicht angelangt. Zu groß wären die Befürchtungen bezüglich Vorurteilen und negativen Auswirkugen im Beruf (vielleicht keine Stelle finden, da mir dann vielleicht weniger zugetraut wird etc.)

Andererseits habe ich bei meiner Hörschädigung lange ähnlich gedacht, bin da aber zu dem Ergebnis gekommen, dass der offene Umgang für mich der richtige ist.

Zitat:
Die denken heute so und morgen so oder auch Garnichts.
"Die könnten Verdacht schöpfen, dass."
"Die könnten merken, dass ich unsicher bin." usw.
Versuch mal, solche Gedanken bewusst zu stoppen.


Ich sage mir ja auch: "Es ist mir egal was die denken" Und grundsätzlich stimme ich dem auch so zu.

Die Angst entsteht nur dann, wenn ich die Befürchtung habe, dass das was die anderen denken Auswirkungen auf mein Leben haben könnte.

Beispiel:

Ein Vereinsmitgleid schließt aus meinem unsicheren Verhalten, dass ich ein psychisches Problem habe. Jetzt kennt ein Chef einer Firma bei der ich mich beworben habe jemanden aus dem Verein und beide unterhalten sich über mich. Nun würde ich vlt. den Job nicht bekommen, da der aus meinem Verein dem Chef über meine Wirkung auf sich erzählt hat.

Und schon hätte das was die anderen denken eine unmittelbare Auswirkung in meinem Leben.

Zitat:
Du passt gut auf Dich auf und stoppst Dich, wenn die Sorgen mit Dir davongallopieren wollen. Diese Fähigkeit kannst Du sicher noch öfter anwenden. Bedanke Dich für die Aufmerksamkeit und sage Dir "gut aufgepasst" . Und dann stoppst Du weitere Gedanken.


Ja, dass stimmt schon.

Ich probiere auch meist über den Gedanken drüberzustehen, mich im nächsten Moment wieder auf meine Ziele zu besinnen und mir zusagen dass ich mich für "Glück und Spaß" statt Angst entscheide. Ich hoffe mal, dass mir dass auch in Zukunft gelingt und die rationalen Denkmuster wieder zum Automatismus werden.

19.06.2019 19:35 • x 1 #5


"Ein Vereinsmitglied schließt aus meinem unsicheren Verhalten, dass ich ein psychisches Problem habe." Wieso denn das ? Das Vereinsmitglied sieht evtl. Dein unsicheres Verhalten Punkt- daraus ein psychisches Problem abzuleiten kommt aus Deiner momentan pathologischen Gedankenstruktur, die dann weiter fantasiert, dass das Vereinsmitglied u.U. irgend einen ominösen Chef kennt und die unterhalten sich dann natürlich über Dich und das VM steckt dem, dass Du psychisch krank bist und deshalb kriegst Du den Job dann nicht--- also hallo, schon sehr komplex, das alles, meinst Du nicht ?

19.06.2019 20:25 • #6


Zitat von mutmacher:
"Ein Vereinsmitglied schließt aus meinem unsicheren Verhalten, dass ich ein psychisches Problem habe." Wieso denn das ? Das Vereinsmitglied sieht evtl. Dein unsicheres Verhalten Punkt- daraus ein psychisches Problem abzuleiten kommt aus Deiner momentan pathologischen Gedankenstruktur, die dann weiter fantasiert, dass das Vereinsmitglied u.U. irgend einen ominösen Chef kennt und die unterhalten sich dann natürlich über Dich und das VM steckt dem, dass Du psychisch krank bist und deshalb kriegst Du den Job dann nicht--- also hallo, schon sehr komplex, das alles, meinst Du nicht ?


Wenn man es liest, ja.

21.06.2019 07:24 • #7


Hab mich jetzt auch mal neu mit meinen Lebenszielen auseinandergesetzt und mir Meditationen angehört. Dass hilft mir schon etwas runterzukommen und mich wieder neu zu fokussieren

21.06.2019 07:58 • x 1 #8


schön zu hören!

21.06.2019 15:29 • #9




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