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Verhaltens- oder Gestalttherapie

Lajosh

Lajosh

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Hallo Zusammen

Mit meinem Psychiater diskutiere ich immer wieder über die Therapieart.
Er ist der Meinung, dass es keinen Sinn macht nur über das 'Hier und Jetzt' zu sprechen, sondern dass man bis zur Kindheit zurück die Probleme angehen muss.
Ich möchte eigentlich nicht zurück sondern vorwärts schauen.
Immer wenn es zurück geht, erscheint wieder etwas neues, welches ich anscheinend ausgeblendet habe und es geht mir dann immer schlechter.

Was habt ihr für Erfahrungen?

Danke und liebe Grüsee
Lajosh

02.04.2018 13:09 • #1


Crecker692

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Hallo Lajosh, mir geht es nach den Therapiestunden auch oft erst mal etwas schlechter. Insgesamt glaube ich trotzdem, dass mir diese Therapieform langfristig am Besten hilft. Erste kleine Verbesserungen haben sich schon eingestellt. Wichtig ist dabei, dass man sich wirklich darauf einlässt. Viele Dinge, die mich aus der Vergangenheit so belastet haben, kann ich mittlerweile mit mehr Abstand betrachten. Das tut mir sehr gut. Aber das Wichtigste ist sicher, überhaupt eine Therapie zu machen.

02.04.2018 15:08 • x 1 #2


Lara80

Lara80

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Ich habe bisher nur eine Verhaltenstherapie gemacht und die waren sehr gut.

02.04.2018 18:13 • x 1 #3


Dakota

Dakota

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Die Frage stellen sich wohl viele, wenn sie eine ambulante Therapie machen wollen. Einige Stimmen sagen, es sei fast egal, ob man sich für eine Verhaltens-Therapie oder für eine tiefenpsychologosch fundierte Therapie entscheide, wichtig sei die Chemie mit dem Therapeuten. Manche meinen auch, dass die beiden Verfahren heutzutage in der Praxis gar nicht mehr so unterschiedlich seien.
Nun ja. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sehr wohl sehr deutliche Unterschiede gibt.
Nur Du kannst am besten wissen, was für Dich richtig ist. Geht es um platt gesagt "Mutter-Vater-Kind" und Du brauchst sehr viel Verständnis und willst getragen werden? Dann ist wohl Tiefenpsychologie angesagt. Hast Du bereits Vieles klar über Dich, weisst woher die Probleme stammen und kannst sie zuordnen, möchtest den Fokus darauf richten, welche Ressourcen Du jetzt nutzen kannst um Dich stabil zu halten bzw. wieder stabil zu werden? Dann ist wohl eher konkrete Verhaltenstherapie angesagt.
Die Entscheidung kannst Du nur allein treffen.
Du kennst Dich aus mit probatorichen Sitzungen und dem Procedere? Du kannst bei mehreren Therapeuten Probatorik machen und so auch schauen, mit wem und welcher Ausrichtung Du am besten zurecht kommst.

05.04.2018 21:01 • x 1 #4


JuliaW

JuliaW

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Hallo Lajosh,

ich bin gerade auf Deine Frage gestoßen und würde dazu gerne etwas beitragen. Du hast geschrieben:

Zitat von Lajosh:
Mit meinem Psychiater diskutiere ich immer wieder über die Therapieart. Er ist der Meinung, dass es keinen Sinn macht nur über das 'Hier und Jetzt' zu sprechen, sondern dass man bis zur Kindheit zurück die Probleme angehen muss. Ich möchte eigentlich nicht zurück sondern vorwärts schauen. [...] Was habt ihr für Erfahrungen?


Ich finde Deinen Wunsch völlig nachvollziehbar, dass Du lieber vorwärts als zurück schauen möchtest. Die gute Nachricht ist, dass es eine Therapieart gibt, die das aufgreift. Diese Therapieart heißt "lösungsfokussierte Kurztherapie" (ich hatte hier schon kurz darüber geschrieben: ist-meine-mutter-depressiv-wie-richtig-unterstuetzen-t24811.html#p283421). Die Therapeuten, die diese Therapieart entwickelt haben, haben meiner Meinung nach etwas sehr sinnvolles gemacht: Sie haben geschaut, was funktioniert. Dazu haben sie mit dem Einverständnis ihrer Klienten Therapiesitzungen aufgezeichnet und sich später diese Aufzeichungen angeschaut. Sie wollten herausfinden, was genau dazu geführt hat, dass es den Klienten besser ging. Was sie entdeckten, haben sie beim nächsten Klienten wieder angewendet und so haben sie immer mehr darüber gelernt, wie Therapie am besten funktioniert. Sie heißt übrigens nicht einfach nur so "Kurztherapie". Das erstaunliche ist, dass die Therapeuten es schaffen, dass ihre Klienten meistens innerhalb von 10 Sitzungen einen Lösungsansatz für ihre Probleme finden, so dass es ihnen spürbar besser geht.

Hört sich schon fast zu gut an, um wahr zu sein, oder? Es gibt Bücher, in denen ganze Dialoge aus den aufgezeichneten Therapiestunden als Beispiele abgedruckt sind, um zu illustrieren, was sie herausgefunden haben. Wer die liest, kann schnell erkennen, dass diese Therapeuten einige Dinge ganz anders machen. In dem Buch von Lösungen (er-)finden von Peter De Jong / Insoo Kim Berg (https://www.amazon.de/L%C3%B6sungen-er- ... ks&ie=UTF8) gehen die Autoren sehr stark auf den Unterschied ein zwischen Ansätzen, die auf das "Problem-Lösen" setzen (so wie Dein Psychiater es favorisiert ) und dem Ansatz des "Lösungen-Findens" (was Du gerne hättest). Wobei es auch beim Lösungen-Finden zurück in die Vergangenheit geht, allerdings geht es darum, dort "Ressourcen" zu finden (z.B. Fähigkeiten, die Du an anderer Stelle schon einsetzt, und die hilfreich sind für die Lösung).

Diese Grundbausteine der lösungsfokussierten Kurztherapie finden sich übrigens auch im Coaching wieder. De Shazer (der Autor des anderen Buches, das ich in dem oben verlinkten Beitrag empfohlen habe) gilt als einer der Gründerväter des Coachings. Dazu hatte ich ebenfalls schon mal was geschrieben und kopiere das als Zitat hier rein, auch wenn es in dem konkreten Fall um einen Burnout ging:

Zitat von JuliaW:
Ein Coaching bietet die Möglichkeit Klarheit in das Chaos zu bringen und für sich einen gangbaren Weg da raus zu finden. Es ist ein deutlich anderer Ansatz als Psychotherapie. Bei den meisten Therapieformen steht die Vergangenheit im Vordergrund; es gilt die Ursache in Deiner Vergangenheit zu finden, um dann das Problem lösen zu können. Coaching geht da einen anderen Weg. Es ist lösungsorientiert und von vornherein darauf ausgerichtet, was Du erreichen möchtest. Damit lösen sich die Herausforderungen, vor denen Du stehst, nicht einfach in Luft auf, doch Du gewinnst eine andere Sichtweise auf die Herausforderungen und damit siehst Du Lösungsmöglichkeiten, die vorher nicht erkennbar waren. Wichtig zu wissen ist, dass Coach nicht gleich Coach ist. "Coach" ist keine geschützte Berufsbezeichnung und es gibt keine einheitlichen Ausbildungsstandards. Es kann sich also jeder Coach nennen. Hier gibt es eine nützliche Liste von Kriterien, die bei der Auswahl helfen: https://www.emotion.de/de/coaching-tipp ... inden-6906. Und falls Du noch mehr wissen willst, wirst Du wahrscheinlich auf dieser Seite fündig werden: https://www.coaching-report.de/.

(aus dem Beitrag: burnout-ich-traue-mich-nicht-zum-arzt-t24816.html#p283435)

Das wären zwei Möglichkeiten, um Deinen Wunsch in die Tat umzusetzen, Deine Probleme hinter Dir zu lassen und nach vorne zu schauen. Wenn Lesen für Dich eine Option ist, würde ich Dir dieses Buch von Peter De Jong / Insoo Kim Berg sehr empfehlen. Es ermöglicht eine neue Sichtweise und wer weiß, vielleicht würdest Du mit Deinem Psychiater bald eine ganz neue Diskussion führen ;-)

Liebe Grüße
Julia

30.08.2018 15:10 • #5