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Unheilbare Depression?

JeMiTa

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Hallo Linda,
ich bin 24 und habe das selbe wie du. Habe immer wieder kehrende Depressionen mit absolutem Appetitmangel, Ekel vorm essen und Übelkeit. Ich habe das schon seit meinem 10. Lebensjahr. Ich hatte immer wieder Phasen wo alles gut war aber die Depressionen kommen immer in kürzeren Abständen wieder.
Ich hab noch tausend andere Symptome, aber das nichts essen können ist am schlimmsten. Ich neige dazu mich genau in diese Sache immer reinzusteigern. Obwohl es nicht die Ursache für meine Depression ist sondern nur ein Begleitsymptom. Mit den Jahren wurde es leider immer schlimmer. Mein Psychologe sagt ich soll mich nicht so hängen lassen, auf mich selbst aufpassen, mein Denken immer wieder zu korrigieren.

Und das solltest du auch machen, lass dich nicht so hineinfallen in die Depressionen, verlass dich nicht auf irgendwelche Medikamente, nicht auf die Psychotherapeuten. Sie sind nur eine stütze und nur du hast die Macht etwas an deiner Situation zu ändern. Versuch dein Denken irgendwie umzulenken. Auch ich will immer alles perfekt machen usw. und dadurch baut sich extremer Druck auf der sich dann in der Depression und dem nichts essen können zeigt. Unsere Körper wollen uns etwas mitteilen. Ich weiß es ist eine sch. Krankheit die einem das Leben vermiest. Aber wir müssen versuchen es nicht so zuzulassen.

Ich sitze auch gerade hier, weil ich mich meine Depression nicht mehr schlafen lässt und versuche mir ein trockenes toast reinzuwürgen. Fühle mich total kaputt und ängstlich. Sitze hier in dem Glauben, dass ich auch unheilbar krank bin und mein Leben für immer so schrecklich sein wird. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben , dass es wieder weggeht. Weil auch ich möchte am leben teilhaben so wie alle anderen.

25.12.2018 08:00 • x 2 #16


Wende2018

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Liebe Linda,

danke für die PN.

Da ich nicht weiß, wie es Dir momentan geht, möchte ich Dich um etwas bitten.
Lies bitte den Text nur dann, oder wahlweise mehrmals, wenn Du psychisch etwas stabiler bist. Denn im tiefsten "Loch" ist man nicht wirklich offen für diverse Ideen, weil einfach alles nur grau ist.

Die Frage, Beruf oder Berufung habe ich, auch wenn es vielen merkwürdig erschien, ganz bewusst gestellt.
Man kann das nicht an Zahlen festmachen, aber eine große Zahl von Menschen geht einem Beruf nach, Berufung ist es nur selten.
Man muss ja von was leben heißt das Motto. Die meisten haben in ihrem Privatleben einen Ausgleich gefunden, um eine Balance zu erreichen.

Du stehst beruflich an einem Punkt, von dem ganz viele träumen. Das nützt Dir im Moment aber nichts.

Von Beginn an hast Du, nach den Konventionen Deiner Familie und der Gesellschaft gelebt. Alles was Deine Eltern Dir gesagt haben, Schule ist wichtig, ein Beruf ist wichtig usw. ist vollkommen richtig. Auch an dieser, von Generation zu Generation weiter gegebene Regel, Du sollst es einmal besser haben als wir, ist in keiner Weise falsch, aber es ist die Sicht Deiner Eltern.

Als Kind möchte man den Eltern, den Erwachsenen gefallen, denn man glaubt, sie würden uns die Liebe entziehen, wenn man nicht "brav" ist.
So wurdest Du zu einer jungen Frau, die permanent versucht, den auferlegten Regeln zu entsprechen. Auch Dein Ausflug mit den Freundinnen zeigt es. Du möchtest Dich anpassen.

Dein Körper zeigt Dir, dass er das nicht möchte, weil Du selbst noch nicht dazu in der Lage bist, zu rebellieren.

Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Du kannst diesen angepassten Weg weiter gehen und möglicher Weise immer unzufriedener werden?

Oder, Du kannst aus diesem Käfig aussteigen.

Mit 23 Jahren bist Du noch sehr jung, hast also noch sehr viele Möglichkeiten, genau genommen alle, die Welt wartet auf Dich.

Du könntest z.B. als Arbeitsunfähigkeit Pair (das System kennt offenbar dieses Wort nicht, Kindermädchen)
ins Ausland gehen, wenn Du nicht so weit weg möchtest, die Schweiz eignet sich dafür auch, auch für nur sechs Monate geht.

Du könntest auch ein soziales Jahr machen. Auch ökologische Camps könnten für Dich interessant sein. Das Netz ist nicht nur Spaßfaktor, es hält auch sehr viele Ideen bereit.
Für die Ideen musst Du nicht gleich alles über Bord werfen. Dein Körper wird es Dir zeigen, wenn Er sich für eine Idee erwärmen könnte.

Ich persönlich fände die Idee mit Arbeitsunfähigkeit Pair am besten. Denn, Du würdest die Welt aus einem neuen Blickwinkel sehen, eben, mit Deinen Augen, und nicht mehr nur mit den Augen Deiner Eltern, Familie und/oder Freunde.

Vielleicht gelingt es Dir, eine solche Möglichkeit im Kopf einmal durchzuspielen und darauf zu achten, wie Dein Körper darauf reagiert.

Liebe Grüße Renate

28.12.2018 06:03 • x 2 #17


col

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Hallo, Linda, dein und einige andere posting haben mich bewegt. Und ich möchte gerne was schreiben.

Ich bin schon über 60 also deutlich älter. Trotzdem kann es sein dass mein Weg dir einen Tipp gibt.

Für mich war es hilfreich als ich ekannte, ja ich bin psychisch krank und es ist chronisch - es kann zu Rezidiven kommen.
Ich kam zu diesem Ergebnis weil es in mehreren Fachartikeln so stand, weil ich es durch Selbsthilfekontakte bei einer vielzahl von Betroffenen so erlebte und weil ich es damals zum 2. Mal erlebte.

Heftig ja, aber ich kann mit meinem tun versuchen möglichst wenig rezidive zu haben. Das ist das postive konstruktive an diesem Ansatz auf dem ich aufbauen konnte.

Meine Anforderungen an mich habe ich dann nach unten korriegiren. Auch im Job bin ich proaktiv aus der Personalverantwortung gegangen. Ein schwerer Schritt denn ich konnte das, bsi eben auf meine Psyche.

Natürlich ist es ein schmaler Grad aus zu loten, was kann ich mit meiner Erkrankung mir zumuten um meine Talente zu leben und wo gibt mir die Krankheit Grenzen wegen derer ich nicht all meine Talente leben kann.

Im Kern ging es für mich ab einem gewissen Punkt darum wie schaffe ich es Geld zu verdienen - wie bekomme ich es hin nicht ab zu stürzen.

vielleicht sit was für dich dabei

col

28.12.2018 23:19 • x 1 #18


col

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kleiner Nachtrag

Im Kern stehen sich glaube sich glaube ich A oder B gegenüber

A
die Depression ist durch die falsche Aufgabe das falsche Umfeld ausgelöst oder zumindest befeuert. Wird dies geändert verschwindet die Depression.

B
die Depression ist da und es geht darum den Rahmen so zu gestalten dass es einerseits genug anreize andererseits keine ünerreizung gibt.

Mal mag es A sein, mal B oder eben Mischformen.
Blind oder pauschal würde ich weder auf A noch aud B setzen.

So kann es gut sein z.B den Job zu wechseln oder in ein anderes Land zu gehen, es kann auch auch fatal sein.

Meiner Meinung nach wird der A Fall - z.B. ein Wechsel etwas zu oft prioisiert. Vielleicht deshalb weil "die Auslöser" am ganzen dann noch auf äuseren Faktoren liegt.

col

28.12.2018 23:51 • x 1 #19


Wende2018

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Guten Morgen liebe col und liebe Florica,

entschuldigt bitte die Nachfrage.

Zitat von col:
Ich kam zu diesem Ergebnis weil es in mehreren Fachartikeln so stand, weil ich es durch Selbsthilfekontakte bei einer vielzahl von Betroffenen so erlebte und weil ich es damals zum 2. Mal erlebte.


Jede, wirklich jede Depression ist anders, so wie jeder Mensch anders ist. Einer jungen Frau von gerade einmal 23 Jahren zu sagen:
ich wusste, dass ich chronische depressiv bin weil es in mehreren Fachartikeln so stand, das kann ich leider nicht nachvollziehen.

Ist es nicht wichtiger, sich erst einmal ganz ganz sicher zu sein?
Es ist einfach viel zu früh, so eine Aussage macht mehr Angst, als dass sie hilfreich sein kann.

Kennst Du die Ursache für Deine Depression col?

Was genau hat Linda zu verlieren, wenn sie für sechs Monate als Au-Pair-Kinderbetreuung in die Schweiz geht? Gar nichts, denn sie hat offenbar eine hervorragende Ausbildung.
Vielleicht kann sie es sogar im Einverständnis mit der Firma machen. Einfach nur, um ihr Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Liebe Grüße Renate

29.12.2018 04:35 • x 2 #20


col

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Wenn JeMiTa Fragen hat, antworte ich gerne, denn an sie hatte ich mein posting gerichtet
col

29.12.2018 22:33 • #21


Wende2018

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Zitat von col:
Wenn JeMiTa Fragen hat, antworte ich gerne, denn an sie hatte ich mein posting gerichtet
col


Entschuldige bitte, ich dachte, hier sprechen die Leute miteinander.

30.12.2018 06:05 • x 3 #22


Wende2018

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Hallo Linda,

wie geht es Dir inzwischen? Ich würde mich freuen, wenn Du Dich einmal melden möchtest?

Liebe Grüße Renate

07.01.2019 18:53 • #23


Emi92

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Liebe Linda,

ich habe mich sehr in Deinen Schilderungen wieder gefunden! Seit knapp sechs Monaten stecke ich in einer schweren depressiven Episode fest und auch bei mir scheint auch (bisher) einfach nichts zu helfen. Ich habe ebenfalls einen zweimonatigen Klinikaufenthalt und mehrere Medikamentenversuche hinter mir. Deine Verzweiflung und Hoffnunglosigkeit kann ich demnach sehr gut nachvollziehen.

Um kurz ein bisschen was zu mir zu sagen: ich bin 26 Jahre alt, mache gerade meinen Master in Psychologie (allerdings pausiere ich dieses Semester, weil ich momentan meinen normalen Alltag nicht bewältigen kann) und bin eigentlich ein sehr lebensfroher und positiver Mensch.

Ähnlich wie Du, habe ich das Gefühl, schon so viel probiert zu haben, um eine Besserung zu erreichen. Außerdem habe ich die für mich besten Genesungsbedingungen: zurzeit bin ich nicht an meinem Studienort, sondern bei meinen Eltern Zuhause (nachdem ich von Mitte August bis Mitte Oktober in der Klinik war leider ohne Erfolg). Meine Eltern sind sehr verständnisvoll, unterstützen mich in jeglicher Hinsicht und dank ihnen habe ich auch keine materiellen Sorgen. Ich gehe offen mit der Erkrankung um und erfahre auch von meinem restlichen sozialen Umfeld viel Unterstützung und Verständnis. In der Uni habe ich ein Urlaubs-Semester eingereicht, um auch hier nicht "funktionieren zu müssen" - was zurzeit sowieso nicht ginge. Meine Tage sind strukturiert, ich bewege mich viel in der Natur (mit Hund), ernähre mich gesund und versuche nachsichtig und geduldig mit mir umzugehen (was mir allerdings schwer fällt). Zusätzlich habe ich psychotherapeutische Unterstützung und bin auch weiterhin in psychiatrischer Behandlung. Außerdem nehme ich zusätzlich Vitamin D, B-Vitamine und Omega3-Fettsäuren. Hinzu kommt auch, dass ich viel über die Erkrankung weiß - bedingt durch mein Studium, meine Arbeit und mittlerweile viele viele Bücher, die ich in meiner Verzweiflung schon gelesen habe.

In Hinblick auf die Ursachen und somit auch der Behandlungsansätze ist meiner Meinung nach eine Differenzierung sehr wichtig, insbesondere in Hinblick auf die unterschiedlichen Schweregrade der Depression. Auch wenn ich die hier viel geäußerten Gedankengänge nachvollziehen kann, finde ich es problematisch, die (schwere) Depression (fast) ausschließlich mit einer Sinnkrise zu verbinden. Meiner Meinung oder auch Erfahrung nach, muss man nicht mit irgendetwas in seinem Leben unglücklich sein, um in depressive Phasen zu rutschen. Zu anfangs hatte ich das auch gedacht und verzweifelt nach irgendwelchen Ursachen gesucht und alles (auch Gutes) in Frage gestellt. Das hat es jedoch für mich noch schlimmer gemacht, weil ich dachte "da muss doch irgendwas sein" oder "Ich muss die tieferen Ursachen finden". Ich wünschte mir regelrecht etwas zu finden, damit ich dann daran arbeiten könnte. Aber z.B. zwischen meinen Episoden, wenn ich keine Symptome der Depression spüre, geht es mir sehr gut und ich merke, wie sehr ich mein Leben mag, genieße und schätze. Außerdem würde das ja auch allgemein bedeuten, dass Menschen, die ein glückliches Leben führen, nicht an einer Depression erkranken "dürften" - und das trifft nicht zu, da zum Beispiel auch Menschen nach positiven Lebensereignissen in eine depressive Phase abrutschen. Damit möchte ich allerdings nicht sagen, dass es bei mir keine "Baustellen" gibt. Ich habe durchaus gewisse Persönlichkeitseigenschaften (hoher Anspruch an mich selbst, Leistungsorientierung), die auch in Phasen, in denen es mir gut geht, ein erhöhtes Stresslevel begünstigen. Allerdings denke ich, dass diese nicht als DIE Ursache angesehen werden können, denn dann müssten ja auch alle anderen Menschen, mit diesen Bausstellen, an einer schweren Depression erkranken. Meiner Meinung nach sollte man die biologische Komponente bei dieser Schwere der Erkrankung nicht unterschätzen. Das Gehirn ist ein Organ und kann genauso erkranken, wie andere Organe auch. Ich denke, eine reine "Psychologisierung" setzt die Betroffenen häufig noch zusätzlich unter Druck - zumindest kann ich das von mir sagen, ohne dass ich mich der Auseinandersetzung mit meinen Themen entziehen möchte (aber konstruktiv ist das in dem depressiven Zustand sowieso nicht möglich).

Ich versuche mir zu sagen (auch wenn ich es die meiste Zeit selbst nicht glauben kann) "Jede depressive Phase geht irgendwann vorbei" und ich hoffe einfach sehr, dass das endlich bald der Fall sein wird. Bis dahin nicht aufzugeben, ist wirklich die größte Herausforderung überhaupt.

Linda, wenn Du magst, kannst Du mir auch gerne mal eine PN schicken.

Alles Gute für Dich und die restlichen Kommentator/innen.

Emi

11.01.2019 10:20 • x 3 #24


Mdurmus

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Hallo Linda,

Bis gestern ging mir genau so mit ganzen Beschwerden seit vier Monaten. Ich habe zufällig Allergiker Tabletten
Antihistaminika gestossen.

Wahrscheinlich werden mich alle auch aus alachen aber mit dieser tablette schon mit eine von Abend zum Morgen wie neu geboren wie ein Wunder passiert.Von allen Beschwerden befreit, glücklich und aus geglichen.Heute Morgen schon das zweite Tablette eingenommen.Habe auch schon sofort ein Termin für Allergie Test beim Arzt.
Ich hoffe das auch damit gerettet bin.

Ich hoffe auch für dich und anderen das gleiche Probleme haben Hilfe bereitet.(tut mir leid wegen meinen schlechten Deutsch)

LG.
Mehmet

11.01.2019 11:14 • #25


Engel66

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Zitat von Linda95:
Hallo liebe Forengemeinde,

bevor sich jemand meinen Text durchliest: DANKE, für Deine Zeit - ich weiß, dass dies nicht selbstversändlich ist!

Kurz zu mir:
Meine Name ist Linda, ich bin 23 Jahre alt und lebe noch bei meinen Eltern im Haus. Letztes Jahr habe ich meine Studium - trotz einigen schweren Einbrüchen - sehr erfolgreich abgeschlossen. Direkt im Anschluss bekam ich eine super Stelle in einem Unternehmen und alles lief "perfekt". Nach drei Jahren dualem Studium konnte ich somit endlich durchatmen und muss mich aktuell nicht mehr um "Prüfungen" kümmern, welche mir das Leben in der Vergangenheit so schwer machten. Kurz zu den Prüfungen: Ich hatte extreme Angst zu versagen, war zudem extrem perfektionistisch. Folge: Wenig Hunger, des Öfteren Erbrechen und Depressionen. -> Waren die Prüfungen vorbei, waren alle Sypmtome auch wieder verschwunden! Von heute auf morgen.

Meine aktuelle Situation:
Nach Abschluss des Studiums ging es mir etwa ein halbes Jahr gut. Ich habe mich wieder um meine Freunde gekümmert, ein soziales Leben aufgebaut und ich war weit davon entfernt, mir die Frage zu stellen, warum ich eigentlich lebe. Das änderte sich allerdings Ende März diesen Jahres schlagartig. Ich fragte mich plötzlich genau diese Frage: Warum lebe ich eigentlich? Warum stehe ich jeden morgen auf und gehe arbeiten? Ich merkte, dass irgendwas nicht stimmt (zu dieser Zeit hatte ich - unter ärtzlicher Absprache - auch mein Antidepressiva abgesetzt). Dieser Zustand ging etwa drei Wochen weiter; ich bestellte mir etliche "Wie werde ich glücklich"-Bücher und machte viel Sport, in der Hoffnung, dass es irgendwie besser werden würde. Aber das wurde es leider nicht. Als Ausweg sah ich damals dann meinen wohlverdienten "Urlaub". Dass dieser aber der Startpunkt eines extremen Leidensweg darstellte, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht.

Mit ein paar Freundinnen ging es im Mai also an den Goldstrand nach Bulgarien, um ein paar Tage zu feiern. Bereits am Anfang merkte ich, dass auch hier etwas nicht stimmt. Ich füllte mich irgendwie unter "Druck" gesetzt "Alk. trinken zu müssen", obwohl keiner mich dazu zwang. Es war eben als "Partyurlaub" gedacht. Die Folge war: Ich konnte die vier Tage fast nichts Essen bzw. Trinken. Gewichtsabnahme 5 Kilo. Symptome waren die Gleichen wie in einer Prüfungssituation, nur, dass es hier eben Urlaub war. Ich dachte: Okey, bestimmt ist es nach dem Urlaub wieder besser. Es war zwar ein bisschen besser, aber ich bin - nachdem ich noch eine Woche Urlaub zuhause hatte - bei der Arbeit am 2. Tag komplett zusammengebrochen. Dabei verlor ich komplett mein Hungergefühl, hatte an nichts mehr Spaß und war völlig am Boden - fast schon wie "ausgebrannt".

Seit diesem Tag bin ich nun wegen schweren Depressionen krankgeschrieben. Seit einem halben Jahr kämpfe ich wortwörtlich um "mein Leben", denn: Ich muss schauen, dass ich jeden Tag - trotz keinem Appetits - auf meine Kalorien komme, was ich leider nur bedingt schaffe. Kalorienshakes und weitere Nahrungsergänzungsmittel halten mich irgendwie am Leben. Aber es ist kein Leben mehr. Ich kann kaum noch raus, hab an nichts (!) mehr Freude und bin aktuell komplett hoffnungslos! Ich habe nun etliche Antidepressivas durch und war bei diversen Ärtzen - alles kein Erfolg. Zur Krönung war ich noch für drei Monate (!) stationär in einer psychosomatischen Klinik, allerdings wurde es nicht besser, eher schlimmer. Besonders in den letzten Wochen wurden der Gang zum täglichen Sport oder den Therapien wirklich zur Qual. Am Ende hatte ich das auch Gefühl, dass die Ärzte dort nicht mehr weiter wussten.

Seit einigen Wochen mit ich nun wieder zu Hause. Doch aktuell geht es überhaupt nicht mehr. Heute war es dann fast soweit, dass ich komplett aufgegeben hätte. Ich kann es einfach nicht mehr mitansehen, wie meine Mitmenschen - vor allem meine Eltern - mitleiden, meine verbleibenden Freunden der Rat ausgeht und ich langsam immer mehr und mehr in meinem Leben verliere. Ich wünsche mir doch nichts mehr, als ein "normales" Leben - mehr will ich überhaupt nicht.

Naja, wie ihr seht - ich sitze noch hier. Zu dem finalen Schritt habe ich mich - wie so oft - nicht getraut (ich schisser, ich muss immer an meine Familie denken. !). Aber es bringt auch nichts, so wie jetzt einfach weiter zu existieren. Vor allem weiß ich nicht, wie lange das mit meiner Ernährung noch gut geht. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich komplett anderst als alle anderen Depressiven da draußen. Alles habe ich versucht, es hilft mir einfach nichts. Kein Sport bringt Besserung. Keine Meditation. Keine Therapie. Keine Medikation. Keine Ablenkung. NICHTS! Nichtmal für eine kurze Zeit! Was ich alles an Methoden schon ausprobiert habe, das wollt ich garnicht wissen. Ich würde ALLES tun, damit es mir besser geht! Aber seit einiger Zeit bin ich überzeugt davon, dass ich irgendwie unheilbar krank bin.

Jaa. und euch unbekannten Menschen schreibe ich das jetzt, in der Hoffnung, dass irgendjemand noch einen Rat weiß. Ich bin für alle Vorschläge offen! Vielleicht hat jemand ein geheimes "Medikament", eine geheime "Therapie" oder irgendeinen Tipp für micht?. Ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Liebe Grüße
Linda

Hallo ich kann nur sagen lass dir helfen.ich wollte mich auch aufgeben.heut ist nicht alles Rosa doch ich lebe und genieße das.denn mit den richtigen Medikamenten und annehmen das es ok ist Depressionen zu haben. Man gut ist wie man ist damit fällt der Druck. Du musst dich nicht verstecken nehm dich an.kämpfe denn depresion ist nicht das ende

11.01.2019 14:38 • #26


Pilsum

Pilsum

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@Emi92

Hallo Emi,
Zitat:
In Hinblick auf die Ursachen und somit auch der Behandlungsansätze ist meiner Meinung nach eine Differenzierung sehr wichtig, insbesondere in Hinblick auf die unterschiedlichen Schweregrade der Depression.
Auch wenn ich die hier viel geäußerten Gedankengänge nachvollziehen kann, finde ich es problematisch, die (schwere) Depression (fast) ausschließlich mit einer Sinnkrise zu verbinden.


Ich finde nicht, dass man Depressionen ausschließlich mit einer Sinnkrise verbinden sollte.

Zitat:
Meiner Meinung oder auch Erfahrung nach, muss man nicht mit irgendetwas in seinem Leben
unglücklich sein, um in depressive Phasen zu rutschen.


Da wirst Du völlig Recht haben. Wer behauptet denn so etwas?

Kann es nicht eher so sein, das man zwar mit seinem Leben zufrieden ist, nicht aber mit
Teilen der eigenen Denkweise. Und auch nicht mit dem eigenen Standpunkt in der Familie und der Gesellschaft?

Zitat:
und das trifft nicht zu, da zum Beispiel auch Menschen nach positiven Lebensereignissen in eine
depressive Phase abrutschen.


Genauso ist es. Gerade nach positiven Lebenserfahrungen ist die Gefahr groß, in eine depressive Phase abzurutschen. Welche körperliche Ursache sollte es dafür geben?

Zitat:
zumindest kann ich das von mir sagen, ohne dass ich mich der Auseinandersetzung mit meinen Themen
entziehen möchte (aber konstruktiv ist das in dem depressiven Zustand sowieso nicht möglich).


Warum soll das in einem depressiven Zustand nicht zumindest in geringem Maße möglich sein?
Ich hoffe, in einem Psychologie-Studium wird unter anderem auch geleehrt, wie man Menschen
in schweren psychischen Krisen erreicht.
Eine wichtige Grund-Voraussetzung kann die Bereitschaft sein, positiv nach vorn zu schauen.
Werden deshalb gerade an Depressionen erkrankte Menschen nicht parallel mit Medikamenten und einer
begleitenden Therapie behandelt?

Viele Grüße

Bernhard

11.01.2019 18:30 • x 1 #27


Emi92

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@Pilsum

Hallo Pilsum,

danke, dass Du so explizit auf meinen Eintrag eingegangen bist.

Zitat:
Ich finde nicht, dass man Depressionen ausschließlich mit einer Sinnkrise verbinden sollte.

Genau das habe ich auch geschrieben: "...finde ich es problematisch, die (schwere) Depression (fast) ausschließlich mit einer Sinnkrise zu verbinden."

Zitat:
Kann es nicht eher so sein, das man zwar mit seinem Leben zufrieden ist, nicht aber mit
Teilen der eigenen Denkweise. Und auch nicht mit dem eigenen Standpunkt in der Familie und der Gesellschaft?

Ja da stimme ich Dir zu. Allerdings geht das mit Sicherheit vielen Menschen in ihrem Leben so. Und nicht all jene erkranken an einer Depression.

Zitat:
Genauso ist es. Gerade nach positiven Lebenserfahrungen ist die Gefahr groß, in eine depressive Phase abzurutschen. Welche körperliche Ursache sollte es dafür geben?

Gute Frage! Leider sind die körperlichen Ursachen der Depression noch sehr unzureichend erforscht. Ich würde vermuten, dass positive Lebensereignisse auch mit (positiven) Stress einhergehen und dass dieser evtl. zu physiologischen Veränderungen im Gehirn führt. Aber das ist nun rein spekulativ!

Zitat:
Warum soll das in einem depressiven Zustand nicht zumindest in geringem Maße möglich sein?
Ich hoffe, in einem Psychologie-Studium wird unter anderem auch geleehrt, wie man Menschen
in schweren psychischen Krisen erreicht.

Da hast Du Recht, da habe ich mich etwas drastisch ausgedrückt. In einem geringen Maße ist es möglich, in einer schweren depressiven Episode bereits an seinen Themen zu arbeiten. Allerdings, und das wird auch im Psychologiestudium gelehrt, findet in dieser Zeit erst einmal vermehrt eine kriseninterventionsmäßige Unterstützung statt, um eine Stabilisierung zu unterstützen. Und ich persönlich mache für mich die Erfahrung, dass in Akutphasen ein Arbeiten an den eigentlichen Themen nicht sehr fruchtbar ist. Oft habe ich das Gefühl, dass mich die Dinge einfach nicht erreichen können und mein Kopf so auf Autopilot geschaltet ist, dass ich wenig Chancen habe, zu intervenieren (was wiederum starke Schuldgefühle auslöst, da ich denke, dass das doch möglich sein sollte und andere das doch auch schaffen).

Zitat:
Eine wichtige Grund-Voraussetzung kann die Bereitschaft sein, positiv nach vorn zu schauen.

Meiner Erfahrung nach ist leider genau das in einer schweren Depression nicht möglich, auch wenn ich es noch so sehr versuche. Die Fähigkeit, positiv nach vorne zu schauen (die ich in gesunden Phasen habe), ist wie ausgelöscht. Auch wenn ich rational weiß, dass nicht alles hoffnungslos ist, fühlt es sich einfach anders an.

Viele Grüße zurück

Emi

11.01.2019 19:09 • x 1 #28


Pilsum

Pilsum

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@Emi92

Hallo Emi,
Zitat:
Pilsum schreibt.
Eine wichtige Grund-Voraussetzung kann die Bereitschaft sein, positiv nach vorn zu schauen.

Zitat:
Meiner Erfahrung nach ist leider genau das in einer schweren Depression nicht möglich, auch wenn ich es noch so sehr versuche. Die Fähigkeit, positiv nach vorne zu schauen (die ich in gesunden Phasen habe), ist wie ausgelöscht.


Da gebe ich Dir Recht. Dies betrifft aber meiner Ansicht nach hauptsächlich den
Gefühlsbereich. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass man auch in depressiven Zeiten
sachlich seinen Tagesablauf bestreiten kann, bzw. dies lernen kann.

Hier könnte der persönliche Wille eine nennenswerte Rolle spielen. Für diese Aussage werde ich jedoch
regelmäßig zumindest am Anfang heftig angegriffen.

Da entstehen immer wieder Gespräche wie:

Ich sage - "Du kannst doch."
Ein depressiver Mensch - "Nein, ich kann nicht. Du verstehst mich auch nicht!"

Ich habe nur äußerst selten die Erfahrung gemacht, dass ich etwas im psychischen Bereich nicht verstehe, wenn
man mir in Einzelheiten erklärt, wie eine Denkweise zustande kommt.
Jedoch habe ich immer wieder mal die Vermutung, das ein depressiver Mensch
noch nicht versteht, wie es zu gegensätzlichen Ansichten (depressiv) in der eigenen Gedankenwelt
gekommen ist und vor allem, wie man Gegensätze auflöst oder zumindest zunächst akzeptiert.
Zitat:
Auch wenn ich rational weiß, dass nicht alles hoffnungslos ist, fühlt es sich einfach anders an.


Ja natürlich ist das so. Es bedarf einer sehr intensiven Betrachtung im gedanklichen Bereich zwischen
Ursache (ein Gedanke) und Wirkung also dem Gefühl, richtig zu liegen und erfolgreich zu sein oder dem Gefühl,
falsch zu liegen und sich unglücklich zu fühlen.

Das hört sich nun sehr schlicht und nüchtern an. Dazu kann ich aber gern mehr erklären.
Zitat:
Allerdings geht das mit Sicherheit vielen Menschen in ihrem Leben so. Und nicht all jene erkranken an einer Depression.


Das ist sicherlich so. Ich denke Menschen mit Depressionen sind eventuell Menschen mit einem grundsätzlich
sehr starken Willen, was zu Folge hat, dass sie sich möglicherweise schwer tun, grundlegende Dinge zu
hinterfragen und einmal aus einer komplett anderen Sicht zu sehen versuchen.

Zitat:
Oft habe ich das Gefühl, dass mich die Dinge einfach nicht erreichen können und mein Kopf so auf Autopilot geschaltet
ist, dass ich wenig Chancen habe, zu intervenieren (was wiederum starke Schuldgefühle auslöst, da ich denke, dass
das doch möglich sein sollte und andere das doch auch schaffen).


Und hier gehen unsere Meinungen vermutlich auseinander.
Ich glaube, Du hast jederzeit die Chance einmal andere Sichtweisen in Deine Gedankenwelt einzubauen.
Dummerweise hat so etwas möglicherweise heftige Konsequenzen. Dabei könntest Du erkennen, dass Du eine
Zeit lang einen, nur für Dich falschen Gedankenweg gegangen bist.
Und dann taucht die Frage auf. Was nun?
Lieber den alten Gedankenweg verfolgen und teilweise nicht zufrieden zu sein.
Oder gedankliches Neuland betreten und sehen und staunen, was sich in der
Gefühlswelt verändert, wenn man bestimmte Sachen aus einer anderen Richtung betrachtet.

Schließlich ist nur wenig in unserem Leben absolut gültig, das heißt, absolut "richtig" oder "falsch".
Und dann stellt sich die Frage. Wie relativ ist es überhaupt, ob ich zufrieden oder unglücklich bin.

Bernhard.

11.01.2019 20:18 • #29


veisenhammer

Hallo Linda. Ich habe mich tatsächlich nur hier angemeldet um dir antworten zu können...und vielleicht können viele andere auch davon profitieren.
Depression ist das mit unter am stärksten missverstande Symptom überhaupt; die am meisten unbeantwortete Frage ist, was die Ursache der Depression ist. Ärzte mögen ihr erworbenes Wissen anwenden aber verschreiben zu oft aus Ratlosigkeit Antidepessiva ohne den Körper in seiner Gesamtheit zu untersuchen - dies wäre einerseits sehr kostspielig (kaum eine Krankenkasse würde das bezahlen) und es entspräche nicht der Standard-Vorgehensweise. Wir leben heute in einer überaus toxischen Welt - der Preis der Industrialisierung. Viele Umweltgifte sammeln sich im Körper. Zudem kommen noch die ausgelaugten Böden der Landwirtschaft denen mit allen chemischen Mitteln eine Ernte ohne nennenswerten Vitaminen, Mineralstoffen und Elementen abgezwungen werden. Hier kommen viele Faktoren zusammen - daher wirkt der Text etwas nach Blockform. Die Natur bevorzugt den Erwachsenen (bereits überlebensfähigen) Organismus vor dem Nachwuchs - daher wird das Ungeborene Erstgeborene genutzt um so viele Schadstoffe wie möglich von der Mutter loszuwerden; das landet natürlich im Kind. Die Folge ist eine gestörte Darmflora (leaky gut), Toxinbelastung und die Mangelernährung durch die Füllstoffe, die allgemein Nahrungsmittel genannt werden. Wir sind Symbionten. Wir leben in Kooperation mit unseren Bakterien im Darm die etwa 80% unserer gesamten Körperzellen ausmachen - sie sind gleichzeitig Analyselabor, Hormonfabrik und Dirigent des Immunsystems und haben wahrscheinlich noch millionenfach mehr Aufgaben zu verrichten als sich die Menschen je bewusst werden können. Wir haben also eine große Anzahl von Faktoren, die dem Körper zu schaffen machen...und die müssen beseitigt werden. Zum einen müssen dem Körper die nötigen Vitamine, Mineralstoffe und Elemente zugefügt werden - über die Nahrung allein ist das nicht mehr möglich. Zeitgleich muss die Exposition von Toxinen so weit wie möglich verringert werden, der Körper entgiftet und der Darm geheilt werden (leaky gut). Die Darmflora muss ins Gleichgewicht gebracht werden (Probiotika) - der Darm ist unser Hauptlieferant von Serotonin. Das klingt jetzt nach sehr umfangreichen Maßnahmen aber die "Baustelle Mensch" ist global in einem grenzwertigem Zustand von Mangelernährung, schwachem Immunsystem und Schadstoffbelastung.

12.01.2019 19:58 • x 3 #30




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