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Sind Depressionen dauerhaft heilbar?

Frederick1

Frederick1

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liebe Versunkenheyt,

wir Menschen sind alles Originale, aber es geht um unsere persönliche Sichtweise. Ja ich bin Musiker, und manche Musik wirkt auf mich zerstörend, manche baut mich auf. Selbstmitleid ist das, was uns in den der Depression am meisten zerstört, in meinem Innersten, aber auch an meinem Körper.

Dieses alte Beispiel, ich sage die Weinflasche ist halb leer, meine liebe Frau sagt, oh die ist doch noch halb voll.

Dahinter steht...was sehe ich, ...sehe ich auf das was ich habe, oder das was mir fehlt........

Sehe ich nur noch meine eigene Depression, nur die Schwierigkeiten, mein Leid.............

Oder sehe und denke ich auch an die guten Seiten meines Lebens..............die Möglichkeiten, die darin liegen, das was ich habe und besitze.

Denn nicht nur von den Umständen , sondern gerade auch von meiner Sichtweise hängt es ab, ob ich mein Leben trotz Depression, noch lebenswert finde oder nicht.

Mein Lebensgefühl wird auch beeinflusst von meinen ganz persönlichen Sichtweisen. Positive Verstärker die mich aufbauen, oder negative Verstärker, die mich hinunterziehen wollen.

Sehr viel Not habe ich, wenn ich mich mit anderen vergleiche zum Beispiel. Ich habe Depression, mein Nachbar nicht usw.

Ich vergleiche mich mit den Menschen, denen es scheinbar besser geht als mir.................Da ist meine Unzufriedenheit vorprogrammiert.

Oder wenn ich zu hohe Erwartungen von mir selbst habe. Ich muss meine Depression nicht durchstehen, sondern erst einmal annehmen.

Mich mit mir und meinem Leben versöhnen. Ich kann es nicht ändern, wenn ich verletzt wurde, aber ich bestimme wie ich damit umgehe.


Positive Verstärker für mein Leben sind................

..........mein Leben ist kostbar,

,.........mein Leben ist wertvoll........das lasse ich mir nicht nehmen, egal wie andere darüber denken.

.......manchmal ist mein Leben ein Geschenk

,,,,,,,das oder mein Leben hat einen Sinn.


Das sind Sätze, die mein Grundvertrauen stärken. damit ich in meiner Depression durchhalte.

Ich bin meines Glückes eigener Schmied. Ich muss mich nicht fremdsteuern lassen, darf mein Leben selbst in die Hand nehmen.



ich darf JA; , aber auch NEIN sagen.

ich darf meine eigenen Entscheidungen treffen.

...aber auch die Folgen meiner Entscheidungen.


Für mich hat mein Wesen schon was mit meiner Depression zu tun, da ich schon eher schwermütig und sensibel bin.

Selbstmördern fehlt oft der Mut zur Schwere. Der Mensch hat keinen Mut zur Schwermut, tötet sich deshalb.


Deshalb ist für mich die Depression, meine Schwermut nicht nur negativ besetzt.


liebe Grüße,

Frederick

01.01.2019 17:23 • x 3 #16


Ex-Mitglied

Zitat von Frederick1:
Mein Lebensgefühl wird auch beeinflusst von meinen ganz persönlichen Sichtweisen.


...welche Deine Persönlichkeit formt.... und auch, oder gerade wegen Deiner Depressionen (und der dazugehörigen Tiefe, wie du es beschrieben hast), solltest Du Dir Deine Persönlichkeit bewahren. Aber am Ende mußt Du das tun, was Dir gut tut oder, was am wichtigsten ist, womit du Dich identifizieren kannst.

Ich lese hier viel von "Ändern", sich selbst ändern. Das ist in meinen Augen ein Anpassen, damit man in der Gesellschaft funktioniert.

Ich bin und bleibe da "Rebell", solang ich lebe. Auch wenn es der schwerste Weg von allen ist.

01.01.2019 17:33 • x 3 #17


Pilsum

Pilsum

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@Versunkenheyt
Zitat:
ich lese hier viel von "Ändern", sich selbst ändern. Das ist in meinen Augen ein Anpassen,
damit man in der Gesellschaft funktioniert.


Es ist auch meiner Meinung nach eher ein anpassen.
Nur wer sich sowohl anpassen, als auch bei Bedarf die Anpassung verweigern kann,
der schützt sich vor Depression.

Wenn ich weiß, dass ich entscheiden darf und muss, habe ich einige Gründe weniger
um überhaupt erst depressiv zu werden.

01.01.2019 17:43 • x 3 #18


Frederick1

Frederick1

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liebe Versunkenheyt,

du ändern heißt für mich, damit ich zufriedener leben kann. Obwohl ich Postbeamter war, bin und war ich schon immer ein Rebell. Als alt 68er habe ich schon gegen Atomkraftwerke protestiert. Nur bin ich gegen jegliche Form von Gewalt, Gewalt die einen Menschen zerstört, weil ich das schon als Kind erlebt habe.

Und ich habe mich schon für eher schwache Menschen eingesetzt, die von stärkeren Menschen ausgenutzt wurden.

Betrug, Heuchelei, Manipulation gegen Menschen, das finde ich schrecklich. Und weil ich so bin, hatte ich beruflich auch schon Nachteile................................................................................................................................................................

Aber ich darf meine Möglichkeiten im Leben ausschöpfen. Was ich an Gaben und Talenten habe, auch als Mensch mit Depression. Jeder Mensch hat das Recht sich zu entfalten, jeden einzelnen Tag.

Auch versuchen mal von mir wegschauen, kranke Menschen zu besuchen, die es noch schwerer haben als ich, damit ich mich nicht immer nur um mich und meine Depression drehe usw................

...anders sein zu dürfen kann auch Freude machen, gerade Menschen Freude bringen, kann ganz viel Freude machen.

anders sein, darf nicht gegen mich selbst sein. Ja ich war auch schon süchtig, Alk usw..., aber das brauche ich heute nicht mehr. Wer sich selbst zerstört, zerstört oft andere Menschen, oder Neid, Hass, Streit usw.........................................


liebe Grüße,

Frederick

01.01.2019 17:49 • x 1 #19


Ex-Mitglied

Zitat von Frederick1:
Aber ich darf meine Möglichkeiten im Leben ausschöpfen. Was ich an Gaben und Talenten habe, auch als Mensch mit Depression. Jeder Mensch hat das Recht sich zu entfalten, jeden einzelnen Tag.


Alles gut...ich bin da auch bei dir. Ich meinte eher, dieses "Ändern", was Depressiven vorgeschlagen / angeraten wird, damit es ihnen "besser" geht.

Natürlich spricht gar nichts gegen Ändern oder Entfalten seiner eigenen Persönlichkeit (das war nicht in diesem Kontext gemeint von mir), im Gegenteil (und ich könnte hier wieder ein neues Thema eröffnen, denn ich bin davon überzeugt, daß die persönliche Entfaltung in dieser Gesellschaft oft gestoppt wird, ja ich wage sogar zu sagen, daß niemand frei ist... :p, evlt. auch ein Depressions-Auslöser?...).

01.01.2019 18:01 • x 3 #20


Frederick1

Frederick1

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liebe Versunkenheyt,

bei der Frage nach Freiheit kann ich nur sagen, ich bin so dankbar, das ich nicht mehr süchtig sein muss. Durch die Liebe meiner Frau, wenn ich gerade durch Beziehung einen Sinn in meinem Leben finden darf.

Denn sie ganzen Suchtmittel machen dich voll unfrei, abhängig, zerstören dich.

Dankbarkeit hat aber auch wieder etwas mit meiner Lebenseinstellung zu tun. Dankbarkeit hängt nicht davon ab, was ich habe, oder eben nicht habe. Es gibt Menschen, die haben so viele Dinge im Leben, können aber auch undankbar und voll unglücklich sein.

Mein Dankbar sein setzt voraus, das ich mir bewusst mache, darüber nachdenke, was es Gutes in meinem Leben gibt, und das ist nicht selbstverständlich. Dann lerne ich wieder zu schätzen was ich haben darf. So darf ich mir die Dinge aufschreiben, die ich haben darf.

Innere Freiheit ist oft wichtiger als äußere Freiheit. Natürlich ist vieles in unserem Land, bei mir selbst, nicht perfekt.

Aber wenn ich anfange zu hassen, zerstöre ich mich selbst und andere Menschen. Du hast keine Kraft mehr, etwas positiv zu verändern.

Dankbar, ich habe jeden Tag etwas zu essen, zu trinken, ich darf mich frei bewegen, ich muss nicht frieren, usw......

Versuchen dankbarer zu sein, hilft mir auch in meiner Depression, die will, das ich eher undankbar bin, unzufrieden,


"Lebe, wie wenn du stirbst,
wünschen wirst, gelebt zu haben."


(von Christian Fürchtegott Gellert.)


liebe Grüße,

Frederick

01.01.2019 18:27 • x 1 #21


Ex-Mitglied

Zitat von Frederick1:
bei der Frage nach Freiheit kann ich nur sagen, ich bin so dankbar, das ich nicht mehr süchtig sein muss. Durch die Liebe meiner Frau, wenn ich gerade durch Beziehung einen Sinn in meinem Leben finden darf.



Dann weißt Du, was ich verloren habe...

01.01.2019 18:37 • x 1 #22


Ex-Mitglied

Zitat von Juju:
Woher weiss man denn, ob etwas genetisch ist?

Ich denke das ist vermutlich ähnlich wie bei einigen Krebsarten, man weiß das die Depression genetisch Ursachen haben können, aber nicht ob du es dann auch bekommst.
In der Familie meines Vaters, war auch seine Schwester depressiv, und meine Halb-Schwester auch - und ich auch.
Daher gehen die Ärzte davon aus das ich genetisch die Veranlagung habe.

Zitat von Frederick1:
Die Depression ist für mich ein Teil meines Lebens, und wenn ich das annehmen kann, und das ich mein ganzes Leben lang damit zu leben habe, dann kann ich persönlich besser damit leben.

Seit ich es weiß, kann ich es besser annehmen - weil das "Kind nun einen Namen hat"


Zitat von Frederick1:
Gute Beziehungen in der Familie, zu seinen Kindern, hier im Forum können ganz arg viel helfen.

Da kann ich nur zustimmen, ohne meinen Mann wäre es ganz sicher deutlich schlimmer damit zu leben.

Zitat von Frederick1:
Das ich in der Depression meine Opferhaltung verlassen, und wieder aktiv werden. Klar, zu resignieren, nicht mehr wollen gehört auch dazu, aber immer wieder versuchen das Beste daraus zu machen.

Als Opfer habe ich mich noch nie gefühlt, glaube ich wenigstens.
Ich sehe es Erkrankung und da gibt es auch viele anderen Erkrankungen, die einen erwischen können, bei mir war es nun einmal das.

01.01.2019 19:15 • x 1 #23


ulysses

Der Status meiner zwischenzeitlichen Nachforschungen ist folgender (in Kurzform)
--
Durch verschiedene Faktoren besitzen depressiv anfällige Menschen (erbliche und umweltbedingte Faktoren, genetische Veranlagung, Neurobiologische, Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren fehlgeleiteten Entwicklung in der Kindheit) eine geringere Toleranz gegenüber seelischen, körperlichen und biografischen Belastungsfaktoren.

Als Auslöser einer depressiven Episode wirken meist persönlich belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen. Auf diese reagieren die Risikopersonen sensibler als andere Menschen.

Das stressregulierendes System ist auch für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen mitverantwortlich. Eine veränderte Aktivität bei der Verarbeitung von Gefühlen erklärt die erhöhte psychische Verletzlichkeit Depressiver und warum oft Schicksalsschläge o.ä. einer Erkrankung vorausgehen.

Melancholische Menschen sind ebenfalls besonders gefährdet eine Depression zu entwickeln.

--
Durch wieder auflebende Diskussionen um die Wirksamkeit von Serotonin in Abhängigkeit von der Blutkonzentration und unwissentlich der wahren Beteiligung des Stresshormons Cortisol an depressiven Phasen könnte ich z.Zt. folgende Aussage wagen:
Depressionen sind (so man den Stoffwechsel wieder i.O. bringt) vollständig heilbar.
Die gefährdeten werden aber (gleich wie) immer Risikopersonen bleiben.

01.01.2019 19:27 • x 3 #24


ulysses

Zitat von ulysses:
Serotonin in Abhängigkeit von der Blutkonzentration


Ein Lapsus hat sich eingeschlichen. Es muss 'Konzentration im Gehirnwasser' heißen.
Serotonin kann die Blut/Hirn-Schranke nicht überwinden.
(ich kam fälschlicher Weise darauf weil sich die meisten Serotonin-Rezeptoren im Darm befinden
und einige Experten nun Darm und Hirn in Zusammenhang bringen wollen ohne zu erklären wie)

01.01.2019 22:58 • x 1 #25


Funnycat

Funnycat

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Hallo zusammen,

ich denke auch diese Frage ist nicht wirklich zu beantworten.

Sicherlich muss unterschieden werden zwischen z.B. depressiver Verstimmung oder z.B. reaktiver Depression (Depression auf ein Ereignis z.B. Tod eines Menschen. Diese Depression ist nach Durchleben der verschiedenen Trauerstufen irgendwann beendet) und chronischer Depression.

Aus meinem Erleben heraus sind die chronischen Depressionen nicht wirklich heilbar. Ja, es gibt gute Phasen, manchmal Jahre lang. Aber auch Rückschläge.

Ich glaube auch, es ist total wichtig achtsam mit sich selbst umzugehen und die eigenen Grenzen zu beachten.
Und genau das höre ich sehr oft von Betroffenen. Sobald man den eigenen Bedürfnissen gerecht wird, kann es sich auch mit der Depression bessern. Aber dass sie wirklich verschwindet, das glaube ich nicht.

13.01.2019 13:03 • x 3 #26


Ylvi13

Ylvi13

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Hallo,
prinzipiell sehe ich das wie Funnycat.
Aus eigenem Erleben kann ich sagen : nach Jahren mit etlichen Packungen Tabletten, Abstürzen und Therapiesitzungen wird mir immer klarer, die Depression werde ich nicht los, ich werde mit ihr leben müssen, sicherlich anders als früher. Ich werde mich täglich an die " Zauberwörter " Achtsamkeit und Selbstfürsorge erinnern müssen, meine Grenzen sind andere und ich muss lernen die Abstürze anzunehmen und auszusitzen. Leicht gesagt ...... Und das Leben spielt auch nicht immer mit.
Für mich - nicht heilbar.
Aber ich kann so gut wie möglich leben, mit allem, was für mich dazu gehört.

13.01.2019 13:47 • x 3 #27


Juju

Juju

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Ich glaube nach wie vor, dass es hierbei auf den Auslöser, den Grund, die Geschichte und die Gene ankommt.
Ich merke bei mir ganz eindeutig auch, je mehr ich denke, ich sei krank, je mehr bin ich es auch.
Soviel Aufmerksamkeit wie man dem schenkt.
Ob man sich selbst bedauert. . .
Wie man damit umgeht.
Ob mam Unterstützung hat, oder einen Grund zum Kämpfen.
Auch das ist alles individuell und personenbezogen.
Als ich Freitag zu meinem Psychologen sagte, ich bin froh, wenn ich wieder gesund bin. . . sagte er. . . Frau Juju, sie sind doch nicht krank!
Ich fühle es aber wie eine Krankheit, weil es mir nicht gut geht.
Bin aber auch vermessen, weil ich will, dass es mir immer gut geht.
Ungeduldig, weil ich der Sache keine Zeit lassen möchte.

Also ich für mich persönlich brauche nicht unbedingt die Heilung.
Aber ich möchte die absolute Besserung und auch die damit verbundene glückliche Lebenszeit.

Und das schaffe ich und mit mir eine Menge anderer hier!
Ganz sicher!

13.01.2019 14:27 • x 3 #28


Ex-Mitglied

Zitat von Juju:
Als ich Freitag zu meinem Psychologen sagte, ich bin froh, wenn ich wieder gesund bin. . . sagte er. . . Frau Juju, sie sind doch nicht krank!

Und was meint er was du bist?

Ich denke auch - heilbar ist es nicht wirklich - aber man kann Wege finden damit zu leben, wenn man die Krankheit annimmt. Das Wege finden ist nur recht kompliziert - weil jeder andere Wege gehen muss um damit zu leben.
Teilweise sind die Wege ähnlich, aber manchmal auch ganz anders.

Und es sind viele Stolperwege dabei

13.01.2019 15:06 • x 1 #29


Pilsum

Pilsum

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Zitat von Juju:
Ich merke bei mir ganz eindeutig auch, je mehr ich denke, ich sei krank, je mehr bin ich es auch.
Soviel Aufmerksamkeit wie man dem schenkt.
Ob man sich selbst bedauert. . .
Wie man damit umgeht.
Bin aber auch vermessen, weil ich will, dass es mir immer gut geht.
Ungeduldig, weil ich der Sache keine Zeit lassen möchte.



Liebe Juju,

ich finde Du schreibst hier sehr kluge Zeilen.
Auch ich denke, je mehr Aufmerksamkeit man seinen Ängsten und depressiven Gedanken schenkt, umso
schlechter fühlt man sich.
Natürlich ist es am Anfang außerordentlich schwierig, das umzudrehen.Immerhin hat man sich jahrelang
daran gewöhnt, den schwachen Seiten mehr Aufmerksamkeit zu gönnen, als seinen Stärken.
Zitat:
Also ich für mich persönlich brauche nicht unbedingt die Heilung.
Aber ich möchte die absolute Besserung und auch die damit verbundene glückliche Lebenszeit.

Und das schaffe ich und mit mir eine Menge anderer hier!
Ganz sicher!


Mit dieser Einstellung wirst Du sehr viel erreichen.

Bernhard

13.01.2019 15:41 • x 2 #30




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