Hi @MKDiddelDrölf13 !
Was den guten Freund aus deinem Eingangspost betrifft, so kam mir ganz spontan die Idee, dass der vielleicht mehr
"Ambitionen" hatte, als nur zu helfen und die fiese Reaktion kam, weil sich seine Erwartungen nicht erfüllten? Aber ich bin sicher auf dem Holzweg - kenne die Situation ja auch nicht näher.
Was das generelle Öffnen gegenüber dem näheren Umfeld betrifft, so sind meine Erfahrungen eher negativ und ich persönlich lege keinen großen Wert mehr auf
"Outing".
Mein langjähriger, sehr enger Freundeskreis - dem ich sowas als letztes zugetraut hätte - hat sich aus dem Staub gemacht, als ich meine Erkrankung ins Gespräch brachte. Das war u.a. nötig geworden, da ich irgendwann erklären musste, warum ich an bestimmten Aktivitäten nicht mehr wie früher teilnehmen konnte.
Zu dieser Zeit war ich in Therapie und die Therapeutin hatte die glorreiche Idee, dass sich meine Freunde verlegen fühlen könnten und das alles fremd für sie sei. Ich solle ein direktes Gespräch mit ihnen suchen und ihnen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Das würde Wissen und Aufklärung bringen, die Scham nehmen und die Freundschaft wieder öffnen. Pustekuchen!

Das Gegenteil war der Fall: bis dahin hatte ich wenigstens noch gelegentlichen Kontakt - ab diesem Gespräch folgte totale Funkstille - trotz mehrfacher Bemühungen meinerseits.
Eine zweite Clique (eher entfernter, aus einem Hobby heraus) hat den Kontakt zu mir abgebrochen, weil ich auf einer bedeutenderen Hochzeit nicht erscheinen konnte. Ich hatte es versucht, aber selbst mit Benzos konnte ich mich nicht in einen Zustand
"beamen", dass ich diese Menschenmengen ertragen hätte. Trotz meiner Erklärungsversuche erntete ich nur Missbilligung und Beleidigungen. Hätte ich mir ein Bein gebrochen, mit Grippe und 40 Fieber im Bett gelegen, eine OP gehabt, oder ähnliches, dann wäre das alles zu entschuldigen gewesen. Aber wegen einer psychischen Erkrankung? Niemals!
Den letzten Versuch hatte ich erst im letzten Dezember unternommen - Jahre nach den o.g. Erlebnissen: da war ich zu Besuch bei meiner Verwandtschaft und habe mich nach Jahren dazu durchgerungen, mit ihnen endlich über meine Erkrankung zu sprechen. Auch darauf hatte ich mich vorbereitet, auf den passenden Moment gewartet (den es wahrscheinlich gar nicht gibt), ruhig erklärt, teils mit Späßchen unterlegt, die Möglichkeit gegeben, Fragen zu stellen, etc. Gleiches Resultat: ebenfalls Endstation!
Peinlich nur, dass ich dort noch meinen restlichen Urlaub verbringen musste und nicht früher abreisen konnte. Auf jeden Fall wurde ich dann aber noch nie so schnell von jemandem verabschiedet, wie dort!

Trotzdem traurig: seit diesem Zeitpunkt auch keinen Ton mehr von der eigenen Verwandtschaft gehört.
Mein Fazit aus allem: ich tausche mich gerne mit Mitpatienten und Gleichgesinnten aus und bin der Meinung, dass ich in diesem Rahmen gut versorgt bin. Wenn´s zu extrem wird, dann muss halt Therapeut/in herhalten - die werden zudem fürstlich dafür entlohnt, sich meinen seelischen *beep* anzuhören.
Aber ansonsten erfährt kein Mensch in meinem direkten Umfeld (egal, ob privat, geschäftlich, oder wie auch immer) mehr etwas von meinem Seelenleben. Und wenn ich mal wieder irgendwo wegen meiner Psyche nicht teilnehmen kann, dann schieb ich eine Grippe, oder sonst was, vor - da bekommt man wenigstens Genesungswünsche und es wird nachgefragt, wie man sich erholt.
LG
ZeroOne