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Sich Freunden & Angehörigen öffnen - eure Erfahrungen

Alexandra2
Liebe Dakota,
Ich wünsche Dir auch, daß es Dir schnell besser geht. Ist es "üblich" nach der OP noch Bauchschmerzen zu haben? Kannst Du die verringern? Und was wurde gemacht?
Meine Erfahrungen mit der älteren Generation sind anders als Deine. Ich dachte, sie wäre durch die Kriegshölle instabil, besonders bei psychischen Krankheiten. Aber nein, selbst die Frage der Bombardierung (Gomorrha, 24 Stunden Dauerangriff im II. WK) wurde entspannt beantwortet, obwohl die Befragten als Kinder nicht evakuiert waren.
Es braucht Bereitschaft zur Offenheit, zuzuhören, Empathie und Mut. Diese Eigenschaften scheinen zu schrumpfen.
Für uns ist es wichtig, die fehlenden Fähigkeiten möglichst da zu lassen, wo sie hingehören und das nicht auf uns zu beziehen. Dazu brauchen wir "nur" das Bewusstsein, daß es Andere sind, die keinen normalen Umgang mit uns finden. Und daß wir gut daran tun, uns damit nicht weiter zu befassen, Grübelstopp.
Es ist wirklich schwierig, aber möglich. Ich übe immer noch, meine Traurigkeit, den Frust über eine Freundin, die keine ist, umzuwandeln und zu akzeptieren, daß ich ihr unwichtig bin. Es ist ihr Recht, und meines ist es, das bei ihr zu lassen und eben nicht auf meine Unzumutbarkeit aufzuhäufen. Dafür brauche ich bewusste Entscheidungen, immer wieder.
Liebe Grüße Alexandra

10.07.2019 20:22 • x 4 #46


Eis
Zitat von Alexandra2:
Aber nein, selbst die Frage der Bombardierung (Gomorrha, 24 Stunden Dauerangriff im II. WK) wurde entspannt beantwortet, obwohl die Befragten als Kinder nicht evakuiert waren.


Da habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Meine Eltern waren ja beide relativ alt als ich geboren wurde und auch andere Überlebende des 2.WK haben eher von einer Hölle berichtet und haben sich nur die guten Ereignisse rausgepickt, die sie immer wieder erzählt haben. Das Schlimme haben sie für sich behalten. Und da waren bei meinem Vater etwa 4 Jahre Fronteinsatz und 6 Jahre russische Kriegsgefangenschaft und bei seinen jüngeren Geschwistern und den Großeltern die Gefangenschaft in tschechischen Internierungs- und Arbeitslagern unter grausamsten Bedingungen, da wurde NIE darüber gesprochen. Und dann wurden sie auch noch ihrer Heimat beraubt, indem man sie aus dem Sudetenland vertrieben hat. Die waren mit Sicherheit traumatisiert. Vielleicht ist auch deshalb eine psychische Erkrankung für diese Generation keine Erkrankung, weil sie alle gelitten haben und es für sie normal ist. "Aufstehen und weitermachen wenn du überleben willst"


Zitat von Alexandra2:
Bereitschaft zur Offenheit, zuzuhören, Empathie und Mut. Diese Eigenschaften scheinen zu schrumpfen.


Da stimme ich dir voll und ganz zu, diese Eigenschaften werden nicht mehr wertgeschätzt und werden in unserer Gesellschaft immer weniger. Wie viele Menschen schauen ins Handy, während sie dir zuhören?

LG Eis

10.07.2019 21:18 • x 2 #47


Alexandra2
Liebe Eis,
Es gibt wohl große Unterschiede in den Kriegserlebnissen und jedes ist eines zuviel.
An der Front und in den Lagern muss es unvorstellbar grausam gewesen sein. Mein Großvater war infiziert vom kriegerischen Größenwahn und mit Hingabe im I. WK an der Front.
Seine Nachkommen waren kriegsuntauglich und hatten "nur" mit Hunger und bitterer Armut zu kämpfen. Die Kinder blieben in der bombardierten Stadt, in einem Stadtteil, der weniger interessant für die Alliierten war. Dort fielen weniger Bomben. Der Vater konnte eine unglaubliche Sicherheit vermitteln und zeigte seinen Kindern vom Zuhause aus, welche Bomben auf welche Stadtteile fielen. Die Kinder hatten keine Angst, blieben oft im Keller, anstatt im Bunker Zuflucht zu suchen. Ich verstehe nicht, daß 5 Kinder so ruhig blieben.
Während in anderen Stadtteilen Phosphorbomben alles verbrannten und sie nichts löschen konnte, kam im bäuerlichen Umland der Krieg nicht an. Dort fielen keine Bomben, Selbstversorgung ersparte Hungersnot.
In einem anderen Gebiet wurden Kinder von Tieffliegern auf freiem Feld beschossen.
Es gibt sehr große Unterschiede.
So wie man schlafende Hunde nicht wecken soll, möchten wir die Erlebnisse nicht anrühren, wenn sie nicht von selbst berichtet werden. Aber wir möchten uns gegenüber Offenheit erfahren, auch wenn psychische Probleme nicht thematisiert werden können oder unerwünscht sind.
Liebe Grüße Alexandra

10.07.2019 21:47 • x 2 #48


am wichtigsten finde ich ja, dass man auch die Eigenanteile sieht. Es ist immer leicht, sich als Opfer darzustellen. Ich hoffe, dabei wird nicht vergessen, wer die beiden WW angezettelt hatte. Mir kommt da etwas die Galle hoch bei solchen Schilderungen, mein Mitgefühl hält sich in Grenzen, wenn Täter als Opfer angesehen werden (sollen). Ich vermisse in den Schilderungen der Angehörigen/Nachfahren oftmals Reue. echte Reue, für die Untaten, die kausal die Auslöser für alle nachfolgenden Greuel waren.
Es waren Kinder, die in den letzten Kriegstagen an die Front geholt wurden und als Kanonenfutter dienten, aber die auch selber bewaffnet waren und den rechten Arm nach oben reckten, weil sie es in ihrem Elternhaus so gelernt hatten.
Ich vermisse ein gewisses Schuldbewusstsein angesichts der 6 Millionen absolut unschuldiger Opfer, die jahrelang misshandelt und in Öfen geschoben wurden einzig und alleine wegen ihres Glaubens.
Die Alliierten haben Deutschland befreit. Bitte nicht sie als Bösewichte abschelten!

Best regards,
Wallis

God save the Queen

10.07.2019 23:02 • x 1 #49


Alexandra2
Liebe Wallis,
Dein Problem ist nicht meins. Du weißt nicht, ob und welche Anteile wer wo sieht und es ist nicht in Ordnung, "allen" mangelndes Feingefühl zu unterstellen. Es ging um die psychischen Auswirkungen aus Kriegen auf betroffene Familien, mit denen wir alle konfrontiert sind. Die Traumen haben weitreichende Folgen, auf mich ganz bestimmt. Ich bin mit einer schwer kranken Mutter allein gewesen und es hilft mir etwas, die Zusammenhänge zu verstehen.
Liebe Grüße Alexandra

11.07.2019 06:39 • x 7 #50


Mandinka
@Wallis
Mit diesem Post, der vor Oberflächlichkeit, Unwissen, absoluter Überheblichkeit, Respektlosikeit und fehlender Menschlichkeit nur so strotzt und den du hier im Glauben deiner moralischen Überlegenheit den anderen Forumsmitgliedern entgegen rotzt, bist du für mich absolut raus hier.

Du bist genau die Sorte Mensch, vor denen Betroffene sich hüten, sich jemals zu öffnen. Unglaublich.

Und bevor du mir gegenüber auch nur anfängst irgend eine Sorte von "Keule" auszupacken: ich habe Juden und Israelis in meiner Familie, aber auch traumatisierte Weltkriegs-Soldaten und damalige Kinder, die Kampfeinsätze, Gefangenschaft und Bombenangriffe erleben mußten. Beide Gruppen sind Opfer und vor allem verdienen beide Gruppen, daß man ihre Lebensläufe nicht vergisst - es ist sogar bitter nötig, wie man an deinem Beispiel sieht.

11.07.2019 09:31 • x 5 #51


maya60
Hallo, ich leide unter dem vererbten Kriegskindheitstrauma meiner Mutter und Teil ihrer unbändigen Wut, die wir Kinder als Psychoterror brutal abbekamen, ist, dass sie etwas erleiden musste, was unser eigenes Volk angezettelt hat und was unser eigenes Volk also Millionenfach nicht nur anderen, sondern auch de en Unschuldigen des eigenen Volkes angetan hat, was nach dem Krieg dazu führte, dass Deutsche als international als Kriegsverbrecher erst nach Jahrzehnten überhaupt äußern durften, selber auch traumatisiert zu sein.
Nicht die Kriegstreiber büßten das, sondern die Generationen ihrer Kinder und Enkel.

Die Familie meiner Mutter war gegen den Krieg und die Nationalsozialisten und noch heute, wenn wir hören: "Ihr müsst dieses Alter ehren, sie haben schließlich Deutschland wiederaufgebaut." antworten wir Mantrahaft: ", das sie selber vorher zerstört haben."

Mein Vater war minderjähriger Soldat in Russland, wo die Deutschen schlimm gewütet haben, 6 Millionen Tote, zweimal, er hat sich völlig begeistert nach dem Kriegsabitur freiwillig gemeldet mit all seinen Klassenfreunden. Nachdem er in Russland war, war die Begeisterung völlig beendet.
Seine Eltern waren Ludendorffler, also abolut überzeugte Deutschnationale und haben ihren Sohn unterstützt, diesen edlen Krieg zu kämpfen.
Dafür haben sie die Folgen ihrer Kriegsbegeisterung schwer getragen, mussten aus ihrer alten Heimat fliehen, mein Großvater starb auf der Flucht, meiner Großmutter passierte Schlimmes von den Russen, denen deutsche Soldaten, darunter ihr Sohn, aufgehetzt auch durch sie, vorher Schlimmes angetan hatten.

Mein Vater sah diesen Zusammenhang und gehörte niemals zu den dreisten Landsmannschaften, die nach dem Krieg ihre "Heimat" zurückforderten. Auch meine Großmutter hörte ich niemals gegen die Russen schimpfen. Sie erzählte traumatisiert, aber sie wusste, wer das eigentliche Monster gewesen war.
Sie waren tief traumatisiert und tief traurig, aber sie sahen Ursache und Wirkung und heute ist mein Vater Ehrenbürger in seinem früheren, heute polnischen, Wohnort, weil er für die Völkerversöhnung eintrat nach dem Krieg und oft dort war.

Jahrzehntelang das "Kriegsverbrecher-Stigma" zu haben, obwohl man selber Kind war wie meine Mutter und noch minderjährig wie mein Vater war ein eigenes Trauma und verunmöglichte die rechtzeitige Bewältigung der eigenen Kriegstraumata.

Viele tatsächlichen KriegsverbrecherInnen saßen in der jungen BRD lange in hohen Positionen und das hat bis heute noch rechtsradikale Nachwirkungen in der Bundeswehr und im Verfassungsschutz, man denke nur an Maaßen, der immer noch auf dem rechten Auge blind war als Präsident. Erst 1985 konnte von Weizsäcker zum ersten Mal wagen, zu sagen, dass Deutschland nicht von den Alliierten besiegt, sondern befreit worden ist. So viele Unverbesserliche, die alle Kriegstraumata verschlimmerten, gab es zuvor noch in hohen Ämtern.

Wir Kriegskinder und Kriegsenkel haben unsere Traumata und das lange erlebte Kriegsverbrecher-Stigma-Trauma unserem eigenen Volk zu verdanken. Gerade das machte sie ja so schlimm und so viele Jahrzehnte unbearbeitbar.

Ich traf meinen Vater einmal in den 70er Jahren angetrunken weinend an, weil er weinte über das, was er getan hatte im Krieg. Und die Folgen trug er stoisch. Er fand, er hatte nicht verdient, sie zu bearbeiten! Doch, hatte er! Und seine Mutter trug ihre Schuld, sie kannte sie.

Alle Kriegstraumata wurden viel tiefer durch die tiefe Schuld der Generationen der Kriegstreiber. Oh, sie fühlten Reue, es sei denn, sie blieben Unverbesserliche. Sie fühlten tiefe Reue, wenn sie ihre kaputte Heimat, aber vor allem ihre kaputten Kinder sahen, aber diese Reue, diese Schuld und die eigenen Kriegstraumata blieben ihnen im Halse stecken. Es gab noch keine Kultur, darüber zu reden.

Die Kriegskinder und Kriegsenkel waren nicht schuld. Aber sie trugen schwer für ihr ganzes Leben. Und das, diese Schuld, blieb den Tätern vor Augen bis zu ihrem Tode.

Jetzt erstarkt wieder der Rechtsextremismus in Deutschland und Europa und den USA.

Wer seine eigenen Traumata vom letzten Krieg kennt, die nicht mal überwunden sind, wird da ganz nervös und aktiv.

Von daher verstehe ich Wallis und auch Mandinka, bitte nur um den zugewandten Tonfall, der hier im Forum üblich ist. Gerade bei diesem schmerzhaften Thema, wir sitzen doch alle in einem Boot. Beides gehört zu unseren Traumata.

Liebe Grüße! maya

11.07.2019 12:32 • x 2 #52


ZeroOne
Hi!

Ich denke, dass der WKII (ebenso wie andere Kriege) noch für viele Jahre seine Schatten werfen wird und es noch vieles zu verstehen, aufzu- und verarbeiten und auch auszudiskutieren gibt.

Aber sind wir jetzt nicht ein wenig OT gekommen bzgl. der Headline des Threads "Sich Freunden & Angehörigen öffnen - eure Erfahrungen" ?

Vielleicht wäre es einen eigenen Thread wert, wenn diese schreckliche Thematik auch heute noch das psychische Befinden einiger beeinflusst? Nur so ne Idee nebenbei.

LG
ZeroOne

11.07.2019 12:54 • x 4 #53


maya60
Natürlich, Zero, es musste nur geklärt werden, denn die häufige Härte, Kälte und Empathielosigkeit vieler Verwandten, um die es hier im Thema geht, stammen daher. Und auch daher, dass psychisch Kranke damals umgebracht wurden. Das wirkte auch noch lange nach.

Als ich als Kind mal bei meiner Großmutter war, begegneten wir einer Gruppe Männern mit geistiger Behinderung, Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre. Sie waren mit Ketten aneinandergekettet wie die Tiere. Und meine Großmutter zog mich zur Seite und murmelte: "Da musst du immer gleich wegrennen. Die sind ganz gefährlich."

Das habe ich dann auch gemacht bei der depressiven Frau unseres Schulhausmeisters, die weinte. Ich hatte gelernt: Alles gefährliche Geisteskranke!

Aber in meiner engen Familie, voller Depressiven und mit lernbehinderter Großtante lernte ich zum Glück anderes als von der fernen Großmutter.

Das Gift dieser menschenverachtenden Lügen steckt noch teilweise bis heute ganz unreflektiert als Prägung in der Elterngeneration von Leuten wie mir so um die 60 Jahre alt.

11.07.2019 13:01 • x 2 #54


Forenleitung
Liebe Mitglieder,

vielen Dank für die Meldungen zu diesem Thema. Ich möchte euch freundlich auf den §3.1 der Forenregeln hinweisen:

§ 3 Unerwünschte Inhalte und Hinweise zur Forennutzung

Zitat:
9. Diskussionen, die sich mit Politik, Weltanschauung, Partnerschaft und ähnlich brisanten Themen befassen, sind besonders vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl zu führen. Solche Themen können schnell zu erbitterten Auseinandersetzungen führen, weshalb die Moderation bei solchen Tendenzen die Diskussion beenden wird.


Wir möchten dieses Thema nicht schließen. Gleichwohl würde ich euch bitten, den Schwerpunkt etwas zu verlagern. Lasst das Thema Politik und 2 Weltkrieg hier raus oder tauscht euch diesbezüglich privat aus.

Herzlichen Dank und liebe Grüße
Alex

11.07.2019 14:34 • x 8 #55


Frederick1
hallo,

ja wie gehen wir mit Freunden, Bekannten, in unserer Depression um? Unsere Welt, auch unsere private Welt wird immer schnelllebiger, mein Bedürfnis nach Liebe, Annahme, echter Freundschaft immer größer. Ich durfte es auch schon einmal früher erleben, wie Freunde mein Leben bereichern können, mir Halt gegeben haben, mir Wertschätzung geschenkt haben.

Doch wo finde ich gerade in meiner Depression wieder echte Freunde, wie beginne ich eine Freundschaft, und wie kann ich sie bewahren. Wir brauchen Beziehungen, Freundschaften, denn das können so große Schätze sein, die man nicht kaufen kann.

Meinen Sinn für mein Leben kann und darf ich auch in guten Beziehungen finden. Ich kann viele Menschen kennen, und doch keine richtigen Freunde haben. Ja es tut uns auch einfach gut, wieder einmal allein zu sein. Das sollten wir uns immer wieder gönnen, aber auch zumuten. Versuchen mit mir wieder in Beziehung zu kommen, zur Ruhe kommen, meine ungelösten Fragen anschauen, nachdenken über mein Leben usw.

Doch auch ich merke es gerade wieder, wie bedeutend Freundschaft für meine Lebensqualität sein kann.

Doch gerade massive Verletzungen, Enttäuschungen, die wir immer wieder in unseren Beziehungen erleben müssen. Oft sind es banale Ursachen, verletzt werden, versetzt werden. Aber auch in unserer Beziehungen sind wir Originale, unterschiedliche Wesen, Persönlichkeiten. Wir leben anders, denken anders, fühlen anders.
Was für den einen gar nicht so wichtig ist, ist für mich wieder ganz besonders wichtig. Da hilft nur immer wieder reden, reden, reden.meiner Erfahrung nach. Ein offenes und ehrliches Gespräch.

Aber oft ist das tiefe Vertrauen gestört, mein eigenes Selbstvertrauen wieder mal ganz klein.

Es fällt mir gerade auch in meiner Depression schwer zur Ruhe, zum Frieden mit mir selbst zu kommen. Es gibt heute ja aber auch so viele Möglichkeiten, ständige Beschallung durch Musik, Infos, Bilder.

In weniger reichen Ländern wie Deutschland usw. ist man als Mensch freundlich, zugewandt, entgegenkommend, hilfsbereit usw, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Man ist offener zu einem netten Gespräch bereit, und trotz großer materieller Armut, kannst du mehr Wärme und Fröhlichkeit erfahren.

Nicht das ich jetzt viel besser bin, aber ein Leben in sozialer Kälte kann uns krank im Herzen machen, und auch eine Depression bewirken.

Eine verzweifelte Suche nach immer mehr Ablenkung, immer neuen Kicks, immer brutalere Fernsehsendungen usw.

nur weil ich keine annehmenden und liebevollen Beziehungen mehr für mich finde.

Doch als Mensch brauchst du Zugehörigkeit, Anerkennung, Nestwärme, Ideale.

sonst wird das Interesse, die Freude am Leben immer weniger, tiefe Hoffnungslosigkeit, Vereinsamung, Lähmung.

Selbst finde ich es besser manchmal lieber auf etwas zu verzichten, um dafür bessere Beziehungen zu haben.

Denn durch Geld allein findest du auch nicht immer gute Beziehungen.

Besser wieder Begegnungen und gute Gespräche, Austausch von Gedanken und Gefühlen, Beziehungen die auch durch Krisen tragen, wo ich wieder so was wie Heimat leben, spüren und erfahren darf.

Manchmal greife ich auch gerne zu einer Notlüge, stehe nicht so ehrlich zu mir und meiner Depression. Oder ich würde zu gerne da auch flüchten. Oder wenn jemand was Dummes über mich und meine Depri sagt,, dem auch mal eine auf den Deckel geben. Alles liegen und stehen lassen.mir einfach etwas kaufen, obwohl ich mir das gar nicht leisten kann.


Aber was hilft es mir, wenn ich oft lüge werde ich zum Lügner, wenn ich vor allem weg laufe, werde ich zum Feigling, unzuverlässig, wenn ich auf zuviel Pump lebe werde ich zum Dieb.

Aber was ich für eine gute Beziehung geben und gut tun kann, möchte ich geben.

Und ich wünsche uns hier auch im Forum ganz viel Liebe, Annahme, aber auch Vergebung, wenn ich falsch liege.


viele liebe Grüße an alle hier,


Frederick

11.07.2019 16:54 • x 3 #56


Blume71
Hallo!

Mein Freundeskreis hat sich auch verändert.

Einige meiner Freunde haben aus der nächsten Nähe mitbekommen, als ich einen BO erlitt. Allein schon deswegen, weil wir anfangs gar nicht wussten, um was es sich handelte . Da war ein Verschweigen im nachhinein gar nicht mehr möglich.


Die Freunde, die mir jetzt geblieben sind, haben alle in irgend einer Weise Erfahrungen mit psych. Erkrankungen, entweder selbst oder in ihrem nahen Umfeld - somit ist das Verständnis da.

Bei Menschen, die mir unsicher gegenüber treten, versuche ich offen damit umzugehen und ihnen die "Angst" bzw. Unsicherheit zu nehmen. Ich /wir sind keine Alien´s.


Allerdings öffne ich mich nicht bei jedem, ich schaue mir mein Gegenüber erst an. Ich gehe aber fest davon aus, dass die meisten in meinem Umfeld Bescheid wissen. In einem Dorf wird sehr schnell geklatscht und wenn man 1/2 Jahr Arbeitsunfähigkeit ist, sorgt das auch im Büro für Gerede.
Auch im Arbeitsumfeld bin ich offen damit um gegangen. Da hat mein Chef mir Schützenhilfe gegeben. Jedoch merkte ich bei einigen nach meiner Rückkehr Vorbehalte. Ich habe dann versucht, mit Ungezwungenheit und Offenheit dem zu begegnen - das hat geholfen. Allerdings muss ich das immer wieder neu tun, sobald ich mal fehlen sollte, sei es auch nur wg. einer Grippe. Sofort sind da wieder Vorbehalte bzw Unsicherheiten bei einigen Kollegen.

Ich mache diesen Menschen keine Vorwürfe, wer weiß vllt. hätte ich genauso reagiert, wenn es anders herum wäre. Sicherlich spielt viel Angst eine Rolle. Angst, dass es einen auch erwischt. Das geben auch einige bei mir zu.

Es gibt die eine oder andere Freundschaft, die ist auseinander gegangen. Das schmerzt. Sollte aber dann so sein.
Andere Freundschaften haben sich verändert zB reduziert. Sicherlich kommen da aber auch andere Dinge zum Tragen. Mir tut das bißchen leid, aber diese Menschen haben jetzt auch Familien mit mehreren Kindern und da fehlt dann oftmals auch Zeit bzw. sind unsere Leben in zu verschiedene Richtungen gegangen.

Alles in allem ist dieser Thread ein wichtiges Thema. Wir hatten im BOF-Forum mal eine ähnliche Fragestellung und wir sind alle darüber ein gekommen, dass es ganz wichtig ist, dass andere Menschen weiterhin aufgeklärt werden, damit mehr Offentheit und weniger Berührungsängste bzw. Schubladendenken geschieht.

Alles Gute, Blume!

11.07.2019 18:34 • x 4 #57


maya60
Ja, liebe Blume, das ist auch wichtig! Immer, wenn ich aufklärte, erzählten mir hinterher etliche, dass sie auch Depressionen haben oder depressive Symptome, aber noch nie beim Arzt waren.

Meine Familie beiderseits war nur interessiert an meinem großen Nutzen für die Großfamilien und hat mir einen riesigen Widerstand gemacht, als ich kürzer treten musste. Sie wussten, was Depressionen sind weil sie sie entweder selber haben oder weil sie ÄrztInnen sind, aber dennoch wollten sie, dass ich genauso weitermachte wie bevor.
Da musste ich mich selber rausarbeiten mit Sturheit und Desillusionierung und heute besteht weitgehend Distanz.
Auch besteht Null Krankheits-Einsicht bei meiner Herkunftsfamilie bei sich selber, alles ist immer irgendwer "Schuld", wenn sie zusammenbrechen und sogar, wenn sie in die Psychiatrie müssen, vorzugsweise vermutlich jetzt ich. Beim letzten Treffen mit meiner Mutter war ich es aus ihrer Sicht schuld und hatte sie ja aus ihrer Sicht gar keine Depression, wonach sie ein halbes Jahr in die Psychiatrie musste vor Leid. Das war dann auch das letzte Treffen vor 2 Jahren.

Im Freundeskreis wandte sich niemand ab, aber alle neigten auf einmal dazu, mir ihre eigenen psychischen Sorgen in epischer Breite zu erzählen, ohne mir zuzuhören und das wurde mir zu anstrengend, schließlich war ich das familiär gerade los, so dass ich Kontakte von mir aus sehr reduzierte auf Leute und Verhalten, das beiden gut tat, mir und ihnen.

Im Ehrenamtsrahmen habe ich mich, weil es notwendig war, ab 2015 auf Menschenrechtsarbeit fokussiert und den kirchlichen Rahmen verlassen, weil man dort meinte, Jesus und das Kreuz stünde für Ausgrenzung von Flüchtlingen. Die Freundschaften ließ ich also auch hinter mir.

Mittlerweile aber auch nach einem vollen Leben mit Menschenrechtsarbeit als meine persönliche Antwort auf den Krieg ist es genug und ruhe ich aus.
Ich hatte jahrelang über die psychischen Belastungen von Familien mit behinderten Kindern liebevoll aber offen in einem Magazin einer Behindertenorganisation als Autorin und Redakteurin geschrieben und das sprach vielen aus dem Herzen. "Endlich sagt mal einer wie es ist." hörte ich oft.

Die Familienfreunde treffen mich, sobald ich nur kann und freuen sich jedesmal, auch wenn sie nicht ganz verstehen, wie sich mein ADHS und meine Depression anfühlen und ich daher immer sagen muss, wo bei mir meine Belastungsgrenzen sind.

Aber weder früher kirchlich noch in der Flüchtlingshilfe noch unter unseren Familienfreunden gibt es Ablehnung oder Probleme wegen meiner Erkrankungen und sehr verquere Eltern haben dort auch viele.


Liebe Grüße! maya

11.07.2019 18:54 • x 3 #58


Frederick1


DU bist wertvoll, DU bist einmalig.DU


liebe Blume,

meine Beziehungen haben sich leider auch geändert, verändert. Doch meine wichtigste Beziehung, die liebevolle Beziehung zu mir selbst, die ist besser geworden.und dafür bin ich von Herzen dankbar.

Menschen haben auch mich einfach vergessen, einfach ohne Worte, andere tun noch immer sehr nett und freundlich, aber eine Beziehung wollen sie zu mir nicht mehr. Doch sie sagen es mir nicht ehrlich.


Selbst wurde, werde ich in meiner Depression immer ruhiger. Früher musste ich als Briefträger oder am Postschalter immer viel mit Menschen reden, erklären, bei Kritik beruhigen usw.Ich war sehr viel am Reden. Auch aus Zeitgründen.
Da hatte ich nicht die Zeit, lange zu reden, oft musste es ganz schnell gehen. Das hat mich manchmal schon geschmerzt, einige Menschen wollten auch mehr reden, doch es ging einfach nicht.

Heute kann und darf ich in der Beziehung mehr zu hören. Dafür habe ich ja auch zwei Ohren, und nur einen Mund. Es tut gut wenn du von Menschen geschätzt wirst, du selbst Menschen schätzen darfst. Gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung werden mir heute immer wichtiger.

Auf einen guten Freund möchte ich mich so gut es geht verlassen können´, möchte selbst auch wieder verlässlicher werden. Unsere Depression ist ja auch eine Angstkrankheit, doch Angst gehört nun mal auch zu unserem Leben dazu.

Angst ist auch ein guter Schutz für uns, vor Missbrauch, Mobbing, Ausnutzen, Diebstahl usw.

Und Angst bewahrt mich auch davor, mich ohne Schutz in irgendeine gefährliche Situation zu begeben. Doch Angst liebe Blume, kann unser Leben auch schwer belasten, bis hin zur Depression.

Ich mache mir zu viele Sorgen darüber, was mir, meiner lieben Frau, meinen Kindern alles passieren könnte.

Ode über Dinge, die mir einfach nicht gelingen wollen, auch wenn ich mich noch so anstrenge.

Aber gerade durch gute Beziehungen im Leben, Menschen die dich wieder aufmuntern, dich trösten, mit dir lachen aber auch mit dir weinen, kannst du dich geborgener fühlen, sicherer, geschützter.

Schon allein die Tatsache, dass du nicht allein in deinem Leben bist, sondern Menschen, die dich unterstützen, dir helfen, dich immer wieder in Liebe annehmen, die uns beistehen, das kann so was von wichtig und wertvoll sein.

Schon allein wenn du zu zweit bist, ist oft vieles besser zu ertragen.

Ein Kind hat zum Beispiel Angst, allein in den Keller zu gehen, geht aber Schwester oder Brunder mit, dann wagt man es, denn "gemeinsam sind wir stark," so auch hier in unserem Forum. Irgend jemand hat immer eine liebevolle, ermutigende Antwort für uns!

Beziehungen können wirklich unsere Ängste mindern. Es ist vielleicht nicht mehr ganz so wichtig ein dickes Sparkonto zu haben, mir dieses oder jenes kaufen zu können usw.Unsere materielle Versorgung mit der ich mein Leben zu sichern und abzusichern versuche, kann an Gewicht verlieren. Wenn ich irgendwo ganz tief in mir weiß, es gibt Menschen, die lassen mich auch da nicht im Stich, bei Gelddingen hört die Freundschaft da auch nicht auf. Wenn mir etwas passiert werde ich aufgefangen, doch ich muss auch bereit sein, andere Menschen da aufzufangen.

Ängste befallen mich auch wenn ich vor größeren Entscheidungen stehe. Soll ich meinen Arbeitsplatz wechseln, mir eine Wohnung kaufen, in welche Schule schicke ich meine Kinder, wie gehe ich mit meinen kranken Eltern um usw.

Eine große Entscheidung ist auch immer mit der Angst verbunden, werde ich richtig enstscheiden, treffe ich eine falsche Wahl. Da ist man froh, wenn man Freunde haben darf, die dich ehrlich und aufrichtig beraten.

Entscheiden muss ich letztendlich selbst. Doch es ist für mich auch eine große Hilfe zu sehen, wie andere Menschen das so leben, wie die sich entscheiden, wie die mit ihrem Geld umgehen usw. Mehrere Augen sehen mehr als nur meine zwei Augen. Das kann liebe Blume unsere Ängste mindern, kleiner machen. Ich bin auf neuen mir unbekannten Wegen nicht ganz allein.

Oder wenn ich meine Ängste einfach auch mal aussprechen darf, einer vertrauten Person sagen kann, was mir Angst und Sorgen macht. Und vor guten Freunden stehe ich da auch nicht als Versager und Schwächling da, sondern werde auch in meinen Ängsten wahr genommen, ernst genommen, und dabei auch nicht ausgenutzt.und wir verlieren da auch nicht an unserem Ansehen.


in guten Gedanken für DICH liebe Blume,

ganz viele liebe Grüße,


Frederick

12.07.2019 16:51 • x 3 #59


Blume71
Vielen lieben Dank von Herzen, lieber Frederick für diese lieben Worte!

12.07.2019 17:42 • x 2 #60




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