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Sich der Angst stellen - wie schafft man das?

Hallo ihr Lieben.
Seit langer langer Zeit möchte ich auch einmal wieder einen Beitrag hier veröffentlichen. Einen sehr wichtigen für mich sogar.
Ich kämpfe immer wieder mit einer Art von Furcht. Nicht Furcht wie etwa von Höhe oder Tieren, nein sondern eher mehr Furcht und Angst meinen Mund aufzumachen und anderen in meine Gedanken einzuweihen.
Ich stelle mir zwar vor, wie ich ich mit anderen ein Gespräch über Thema führe, jedoch schaffe ich es nie in Wirklichkeit umzusetzen.
Ich möchte so gerne andere erzählen, was ich gerne machen würde, wie und was ich mir wünsche, aber ich traue mich schlussendlich nicht.
Ich habe Angst andere zu enttäuschen, sowie verspüre ich eine Angst, dass die Antwort auf meine Frage nicht die entspricht die ich mir erhoffe und sogar das Gegenteil dessen ist und ich nur noch mehr Enttäuschung empfinde.
Ich habe bis jetzt erst nur wenige Personen in Dinge eingeweiht, was ich gerne machen würde und die Antwort darauf, war bis jetzt immer eine negative bzw eine wollten mir alle davon abraten oder haben gemeint, dass das doof ist.

Hat irgendwer vielleicht ein paar Tipps bzw möchte sich wer vielleicht wer austauschen und seine Geschichte hier in diesem Beitrag teilen?
Danke schon einmal.

23.06.2019 23:44 • x 2 #1


CeHaEn
Moin Biene,

ich kenne dein Problem und habe es selbst noch nicht richtig überwunden - aber es ist schon besser geworden.

Mal ins Blaue geraten: Du nimmst nahezu alle Reaktionen sehr persönlich, richtig?
Mal frech behauptet: Dazu besteht seltener Anlass, als du denken magst.
Es kommt auf viele Dinge an.
Wenn du beispielsweise über Pläne redest, hast du sie möglicherweise nicht hinreichend bedacht und dein Gegenüber möchte dich vor Fehlentscheidungen bewahren - weil dir diese Person wohlgesonnen ist. Vielleicht hast du deine Pläne aber auch von allen Seiten betrachtet, dein Gegenüber weiß das nicht und warnt dich in der Annahme, dass du ein bestimmtes Risiko nicht bedacht hättest.
Das ließe sich dann recht einfach klären, aber dazu müsstest du dir einen Ruck geben und trotz der anfänglich negativen Reaktion weitersprechen.

Und selbst wenn dein Gegenüber die Idee immer noch blöd findet: Es ist nicht deine Aufgabe, anderen Menschen zu gefallen. Zuallererst lebst du nämlich für dich.

24.06.2019 00:03 • x 5 #2


Pilsum
Hallo Biene,

was hat verhindert, dass Du mehr Selbstbewusstsein aufbauen konntest?
Zitat:
Ich möchte so gerne andere erzählen, was ich gerne machen würde, wie und was ich mir wünsche, aber ich traue mich schlussendlich nicht.


Warum traust Du Dich nicht, über Deine Wünsche zu reden. Es sind Deine Wünsche und
andere dürfen gern anderer Meinung sein.
Du teilst ja auch nicht die Meinung vieler anderer Menschen.

Zitat:
Ich habe Angst andere zu enttäuschen, sowie verspüre ich eine Angst, dass die Antwort auf meine Frage nicht die
entspricht die ich mir erhoffe und sogar das Gegenteil dessen ist und ich nur noch mehr Enttäuschung empfinde.


Ich glaube nicht, dass Du Angst hast andere zu enttäuschen.
Vermutlich hast Du Angst davor, andere werden Dich nicht mehr so gern haben, wenn Du ihnen nicht das erzählst,
was sie hören wollen.

Davor brauchst Du keine Angst zu haben.
Im allerschlimmsten Fall bist Du als Frau auch ganz alleine lebensfähig.
Und wirkliche Freunde sind diejenigen, die eine völlig andere Meinung akzeptieren und aushalten.

Was würdest Du denn gerne machen, was andere doof finden?

Viele Grüße

Bernhard

24.06.2019 09:19 • x 5 #3


Hallo @cahaen , vielen Dank für deine Antwort.
Ja ich nehme Reaktionen schon recht persönlich, aber nicht aufgrund dessen, dass ich Mitleid möchte oder das ich meine Probleme zu anderen zu schieben möchte, sondern ich möchte alles was ich tue gut machen. Ich denke mehr an andere Personen als an mich selbst und möchte mein Umfeld glücklich machen und so wenig Probleme wie möglich machen, sodass ich Angst verspüre, wenn ich meinen Mund aufmache und etwas sage.

Vielleicht hast du recht, dass sie mich einfach warnen möchten, aber es schmerzt einfach, dass gefühlt alles was ich sage und tue nicht richtig ist. Ich weiß, dass diese Aussage nicht wahr ist, aber das Gefühl und der Gedanke bleibt dennoch bestehen.

Ich muss sagen, dass ich auch schon ein bisschen besser damit geworden bin. Aber.
Wenn ich ganz ehrlich bin, traue ich mich nicht einmal ganz offen über meine Gefühle und Gedanken HIER auf eine anonyme Website zu öffnen.
Die Furcht, dass irgendwer was schlechteste von mir denkt, aber auch das mein Umfeld mit bekommt, dass ich Probleme, Furcht und Angst vor und mit mir selbst habe begleitet mich doch ständig.

25.06.2019 00:46 • #4


@Pilsum
Ich kann es dir nicht sagen, vielleicht war es meine Vergangenheit, vielleicht habe ich mich aber auch so entwickelt seitdem ich in einem anderen Land wohne. Ich weiß es nicht.

Ich möchte einfach keinen enttäuschen. Ich möchte mein Umfeld nicht mit meinen Sorgen belasten.

Ich hä glaube ich einfach einen kleinen Perfektionismus in mir, denn ich nicht enttäuschen möchte.

Das wäre auch möglich, dass sie dann etwas falsches von mir denken, wenn ich nicht deren Meinung teile.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich eigentlich schon sehr selbstständig und unabhängig. Das war ich immer schon. Ich bin schon sehr früh unabhängig geworden.

Ich würde mich gerne mehr mit dem Umweltwesen auseinandersetzen.
Ich möchte gerne einen Nebenjob annehmen, wie modeling (weil ich ein bisschen Geld nebenbei dazu verdienen möchte, damit ich mir Schulungen und Ausbildungen leisten kann).
Ich möchte vielleicht auch gerne, mal ehrlich mit wem über meine innerliche Furcht auseinandersetzen. Einfach mal ehrlich reden und endlich mal sagen: ich habe Angst und Probleme, bitte hilf mir.

Ich habe auch schon einmal versucht, einer Person davon zu erzählen, dass ich Probleme in mir selbst verspüre und Angst habe. Die Antwort war: schau was andere schon mitgemacht haben ODER du hast doch alles ODER sei doch froh was du hast ODER jaja da habe ich mehr Probleme.
Aber auch würde meine Fragestellung/Auseinandersetzung einfach ignoriert.

25.06.2019 01:05 • #5


Ylvi13
Hallo 1Biene,
hast du schon mal darüber nachgedacht, eine Verhaltenstherapie zu machen. Meine Krankheit hat mich richtig auf die Bretter geschickt und die Therapie hat mir die Augen geöffnet und was viel wichtiger ist, ich habe soviel gelernt und umsetzen können.
Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.
Liebe Grüsse

25.06.2019 07:08 • x 2 #6


Pilsum
Hallo Biene,
Zitat:
Ich würde mich gerne mehr mit dem Umweltwesen auseinandersetzen.
Ich möchte gerne einen Nebenjob annehmen, wie modeling (weil ich ein bisschen Geld nebenbei dazu verdienen
möchte, damit ich mir Schulungen und Ausbildungen leisten kann).


Dann mach das doch. Welche Möglichkeiten siehst Du da, vorwärts zu kommen?

Zitat:
Ich möchte vielleicht auch gerne, mal ehrlich mit wem über meine innerliche Furcht auseinandersetzen.
Einfach mal ehrlich reden und endlich mal sagen: ich habe Angst und Probleme, bitte hilf mir.


So etwas kannst Du schlecht mit jedem besprechen. Das weißt Du selbst.
Und eine Aussage "bitte hilf mir" geht in eine falsche Richtung.
Im Grunde kannst Du andere nur nach ihrer Meinung fragen.
Helfen kannst Du Dir nur selbst.
Es ist Dein Leben. Deshalb musst Du auch alles selbst entscheiden.
Aber dadurch auch die Misserfolge selbst verantworten.

Zitat:
Ich habe auch schon einmal versucht, einer Person davon zu erzählen, dass ich Probleme in mir selbst verspüre
und Angst habe. Die Antwort war: schau was andere schon mitgemacht haben ODER du hast doch alles ODER
sei doch froh was du hast ODER jaja da habe ich mehr Probleme.
Aber auch würde meine Fragestellung/Auseinandersetzung einfach ignoriert.


War es bei den falschen Personen? Nur wenige sind so einfühlsam, dass sie verstehen, was
Du suchst.
Oder hast Du Deine Fragen nicht deutlich und verständlich genug formuliert?

Und nun zu einer Kernaussage von Dir.
Zitat:
Ich möchte einfach keinen enttäuschen. Ich möchte mein Umfeld nicht mit meinen Sorgen belasten.


Wenn Du nie jemanden enttäuschen möchtest, dann kannst Du Dein eigenes Leben gar nicht leben.
Wie will jemand zufrieden leben, ohne dass er andere dabei auch mal enttäuscht?
Hier gibt es einen gedanklichen Widerspruch in Dir. Den musst Du auflösen.

Zitat:
Das wäre auch möglich, dass sie dann etwas falsches von mir denken, wenn ich nicht deren Meinung teile.


Das verstehe ich nicht. Du kannst Doch nicht einmal annähernd die Meinung von anderen Menschen teilen.
Du hast doch eigene Ansichten.
Was bedeutet denn "Etwas Falsches von Dir Denken"?

Gruß
Bernhard

25.06.2019 08:56 • x 3 #7


CeHaEn
Sag mal, @1Biene du erkennst dich darin bestimmt wieder:
  • Du hast etwas zu Stande gebracht und bist ein wenig Stolz auf dich - aber ohne Schulterklopfen von Anderen hält dein Stolz nicht lange an. Dabei traust dich manchmal gar nicht, ein Ergebnis (oder deinen Büchergeschmack oder deine Lieblings-Discounter-Ravioli.) zu zeigen. Die Leute könnten es ja doof finden.
  • Du willst etwas zu Stande bringen, kommst an einer Stelle nicht weiter - und du traust dich nicht, um Hilfe zu bitten. Du schämst dich. Die Leute könnten dich für inkompetent halten.
  • Du hast etwas vermurkst und willst am liebsten verschwinden, bevor dein Fehler bekannt wird. Dann sehen die Leute nämlich, dass du einen Fehler gemacht hast. Vermutlich sind die Leute nicht einmal überrascht, denn "natürlich hätte man dir die Aufgabe nicht überlassen sollen". Das denken die Leute ganz bestimmt von dir!
  • Dein Gesprächspartner kann dir etwas von Raumenergie und Seelenreinigung durch Marderpipi erzählen. Du wirst ihn nicht wissen lassen, dass er Schrott redet; selbst wenn es eine völlig fremde Person ist, die du vermutlich nie wieder treffen wirst.
  • Du weißt ganz genau, warum diese Person Schrott redet. Du könntest die Begründung im Gespräch aber nicht sicher vertreten, weil du dich furchtbar schnell verunsichern lässt. Da reicht es schon, wenn dein Gegenüber die Augenbrauen hebt und dich schief anguckt. Du selbst fragst dich sofort, was du bei deiner Argumentation übersehen hast. Irgendwas MUSST du übersehen haben, denn sonst würde dein Gegenüber anders reagieren. Und du fühlst dich wieder inkompetent - obwohl du es besser weißt!
  • Du magst anderen Leuten nicht sagen, dass sie dich gerade stören. Penetrante Spendensammler umgehst du lieber und hoffst, gar nicht erst gesehen zu werden. Denn wenn sie dich ansprechen und du freundlich sagst, nein danke - dann könnten sie dich für einen herzlosen Geizknochen halten. Dabei bist du keiner.
  • Du kannst nur schwer ablehnen, wenn du um einen Gefallen gebeten wirst. Du hoffst auf einen realen Verhinderungsgrund, den du anführen kannst. Zweitbeste Möglichkeit ist die Lüge; Sorry, ich habe einen Termin, Durchfall und nachher stirbt bestimmt meine Oma. Alles ist besser, als ehrlich abzusagen. Deine Zeit oder andere Ressourcen wären dir zu schade, aber das soll der Andere nicht wissen. Er könnte dich für einen Egoisten halten.
  • Dann sagst du also zu. Es würde ja auch ganz fix gehen. Nach drei Stunden seid ihr noch immer nicht fertig, innerlich schimpfst du, und hälst doch lieber die Klappe.
  • Hinterher leihst du ihm noch 40 Euro. Du kannst nicht nein sagen, obwohl du garantiert wieder hinter deinem Geld wirst herrennen müssen. Sechs Wochen später wirst du sauer, brauchst aber noch zwei weitere Wochen, bis dir der Kragen platzt. Bis dahin hast du aber immerhin schon 15 Euro zurück und die Welt ist fast in Ordnung. Er hat es ja auch nicht so dicke mit dem Geld, das verstehst du.
  • Wenn du selbst ein Anliegen hast und die von dir beschriebenen Reaktionen erhälst, dann fühlst du dich nicht nur unverstanden - du zweifelst an dir selbst und an der Legitimität deines Anliegens. Vielleicht stelle ich mich ja wirklich nur an.
Die Aufzählung könnte ewig so weitergehen.
@Pilsum hat da recht: So kannst du dein eigenes Leben nicht leben.

Fast jeder Mensch möchte Anerkennung erfahren, gelobt werden, ein danke sehr hören. Das ist ganz normal. Du scheinst jedoch deinen Wert ausschließlich aus äußerer Anerkennung zu beziehen. Ich denke, dass du es so gelernt hast. Die Leute mögen dich, wenn du artig bist. Wenn du nein sagst oder Fehler machst, dann wenden sie sich von dir ab. Das ist eine ganz schlimmer Vorstellung für dich, weil du dich dann einsam fühlst. Dir fehlt die Geborgenheit, nach der du dich so sehr sehnst.

Meiner Ansicht und Erfahrung nach wäre es für dich gut, die Hintergründe aufzudecken. Woher kommt diese Perfektionistin eigentlich, die da in dir sitzt?
Wie kannst du ihr begegnen? Da könnte dir eine Therapie wie von @Ylvi13 angeregt, helfen. Du musst die Erfahrung machen, dass ein Nein kein Weltuntergang ist. Dass es oft völlig legitim ist, andere Leute vor den Kopf zu stoßen. Nein - ihnen abzusagen oder zu widersprechen. Denn das ist noch lange kein Angriff auf diese Leute.

25.06.2019 12:53 • x 3 #8


@Ylvi13 : Danke für deine Antwort. Zwecks Verhaltenstherapie, habe ich mir schon einmal überlegt, überwinden kann ich mich dazu aber nicht, wirklich in Therapie zu gehen. Der allergrößte und schwerste Schritt für mich selbst, war es hier in diesem Forum sich anzumelden und wenigstens irgendwie und irgendwem über meine Sorgen und Probleme zu sprechen.

@Pilsum : Ich sehe Möglichkeiten mich weiter zu entwickeln und mehrere Möglichkeiten in meiner Zukunft zealot zu öffnen.
Ich glaube nicht das es alleine um meine Furcht geht mit der Aussage : bitte hilf mir. Ich weiß in mir drinnen, dass es eine viel größere Bedeutung wahrscheinlich hat, aber eingestehen kann ich es mir irgendwie nicht.
Ich will mir doch selbst helfen. Ich möchte es selber schaffen und machen. Aber ich weiß, dass das halt irgendwie nicht möglich ist.
Nein, dass war definitiv nicht die falsche Person. Um ehrlich zu sein es waren Familienmitglieder und beste Freunde. Naja ob ich es unverständlich beschrieben habe, kann ich nicht beurteilen, aber ich glaube mit Aussagen wie: ich kann nicht mehr ODER ich weiß nicht mehr weiter, habe ich eigentlich schon eine gute Arbeit oder so gemacht.
Vielleicht hast du recht, das Leben besteht aus Enttäuschungen und die gehören dazu, ABER es ist sooo schwer mir selbst das einzugestehen.
Ich möchte einfach mein Umfeld glücklich machen, denn wenn mein Umfeld glücklich ist, habe ich das Gefühl, dass ich auch glücklich bin.

@CeHaEn : ja ich erkenne mich in vielen Aussagen schon wieder.
Jedoch Aussagen (,,zeichnen mich nicht aus) wie:
- ich brauche ein Schulterklopfen oder ein ,gut gemacht von anderen stimmt nicht, ich suche keine Anerkennung, dass ich weiß, dass ich meinen Job gut gemacht habe
- Eine Geste wie ein Zucken von einer Augenbraue verunsichern mich nicht

Jedoch beschreiben mich manche Aussagen schon recht gut. Der Satz: vielleicht stelle ich mich echt nur so an , habe ich mich echt schon ein paar mal gestellt.
Ich kann es nicht sagen, woher dieser Perfektionismus kommt, vielleicht würde ich einfach ein bisschen so erzogen, oder vielleicht wollte und will ich immer mehr erreichen. Ich habe mir in meiner Hauptschulzeit (nach all den Mobbing Attacken) geschworen, dass ich etwas aus mir machen werde, sodass meine alten Schulkollegen sehen, dass ich doch nicht so dumm, beschi**** bin wie sie immer behaupten. Ich weiß, dass das ein doofer Schwur ist, aber ich will einfach nicht schwach wirken.

25.06.2019 20:16 • #9


Pilsum
@1Biene
Zitat:
Ich möchte einfach mein Umfeld glücklich machen, denn wenn mein Umfeld glücklich ist, habe ich das Gefühl,
dass ich auch glücklich bin.


Diese Aussage kann ich gut verstehen. Sie ist auch teilweise logisch richtig.
Deine Überlegung funktioniert aber leider deswegen nicht weil, damit das funktioniert,
müssen die Menschen mit denen Du zu tun hast sehr ähnlich denken.

Leider tun sie das aber nicht. Und deshalb brauchst Du eine komplett andere Verhaltensweise.
Gute Gefühle darfst Du deshalb nur dorthin verschenken, wo jemand Deine Bemühungen
auch belohnt.
Es ist ein Lernprozess, mit der eigenen Energie hauszuhalten und sie nicht überall zu verschwenden.

26.06.2019 09:07 • x 1 #10


@Pilsum
Zitat:
damit das funktioniert,
müssen die Menschen mit denen Du zu tun hast sehr ähnlich denken.

mit diesem Gedankenzug habe ich mich, wenn ich ehrlich bin, erst recht wenig auseinander gesetzt. Danke!
Zitat:
Und deshalb brauchst Du eine komplett andere Verhaltensweise.

Wie macht man das? Das es ein Lernprozess ist, kann ich sehr gut verstehen, aber wie startet man diesen Prozess?

Ich habe zeitweise das Gefühl, dass ich gute Gefühle von anderen Gefühlsarten nicht voneinander unterscheiden kann.
Ach die liebe Energie. Man braucht sie oft nur zu genüge und in großen Mengen und sie scheint mir so langsam auszugehen.

26.06.2019 20:35 • #11


CeHaEn
Moin Biene!

Mein Schulterklopfen und dein Schwur gegenüber dir selbst liegen vielleicht gar nicht so weit auseinander. Ich kann da jetzt bloß aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Für mich war/ist die Anerkennung von anderen Menschen auch mittelbar meine eigene Anerkennung.
Es ist grundsätzlich gut, wenn man keine halben Sachen machen möchte. Aber wie so oft im Leben: Man muss seine eigene Balance finden, damit man sich nicht zwischen zwei Extremen verliert. Genau das wird jedoch schwierig, wenn der Selbstwert zu sehr auf Dingen fußt, mit denen man andere Menschen beeindrucken will.

Wie beginnt man den Lernprozess? Gute Frage. Einerseits ist es wichtig, zu tun und auszuprobieren, um dadurch die Erfahrung zu machen, dass sowohl du selbst als auch die anderen Leute dein Nein unbeschadet überstehen können. Andererseits solltest du genau hinschauen: Ist dein schlechtes Gewissen nach einer negativen Reaktion überhaupt berechtigt? Worum ging es bei deinem Anliegen, warum hast du eine negative Reaktion erhalten, zielt die Reaktion auf dein Anliegen oder auf dich persönlich? Und muss dich diese Reaktion überhaupt jucken?
Dazu muss dir hinreichend klar sein, dass deine Sorgen und Wünsche zuallererst dich betreffen. Es geht vorrangig um dein Leben und die Zufriedenheit anderer Leute folgt erst dahinter.

27.06.2019 00:49 • x 1 #12


Mandinka
@CeHaEn OMG, wo hast du diese Aufzählung her? Obwohl ich natürlich schon stark an mir gearbeitet habe, trifft deine Aufzählung leider immer noch den Kern auch vieler meiner Probleme. Es ist unglaublich schwer, diese Reaktionsmuster abzulegen bzw. erfolgreich zu bekämpfen. Wahrscheinlich werde ich selbst sie niemals wirklich aus mir heraus bekommen. Aber es hilft bereits, sich dieser Mechanismen erst einmal bewusst zu sein und sich einzugestehen, daß es ist, wie es ist, finde ich.
Ich hatte in der Vergangenheit mal eine analytische Therapie, die zwar dazu führte, daß mir das ein oder andere Licht aufging, woher meine Probleme wahrscheinlich zum Teil kommen, aber das hat letztlich nicht geholfen, etwas an diesen Dingen zu ändern. In der Hinsicht geholfen und etwas den Leidensdruck zu nehmen, weil ich merkte, ich kann evtl. etwas verändern, hat mir nur eine Verhaltenstherapie.

27.06.2019 08:54 • #13


Mandinka
@Biene Ich dachte auch sehr lange, ich kann es selbst schaffen und mir ganz alleine helfen. Aber das war ein großer Irrtum. Solange die Belastungen in meinem Leben relativ überschaubar blieben, konnte ich immer die Fassade aufrecht erhalten. Aber sie bröckelte über die Jahre immer wieder und immer mehr. Dann wurde ich Mutter eines Babys, das sehr viel schrie und auch sonst nicht einfach zu handhaben war und auch da kämpfte ich wieder mit sehr viel Energie gegen meine Grenzen an. Irgendwann kam dann ein sehr schwerer familiärer Schlag und Todesfall, der mich im Grunde umhaute. Auch da rappelte ich mich wieder auf - schwer angeschlagen -, aber ich wußte, wenn ich nicht auch irgendwann mein Leben verlieren will, muß ich jetzt Hilfe suchen. Die richtige Hilfe zu finden, hat etwas gedauert. Aber im Nachhinein bereue ich zutiefst, nicht viel eher etwas unternommen zu haben. Die jungen Lebensjahre vergehen schneller, als man glaubt. Es ist so schade, sie damit zu vergeuden, sich zu verausgaben, in dem man gegen etwas angkämpft, das man nicht wirklich richtig deuten kann und wogegen einem auch die "Waffen" fehlen.

Als ich endlich eine Therapeutin gefunden hatte, dachte ich im ersten Moment zugegebenermaßen überheblich, was soll mir denn diese junge Person beibringen. Es war mir auch etwas peinlich, von so einer jungen Frau Unterstützung zu bekommen und mich ihr gegenüber zu öffnen. Aber ich schob das zur Seite und ließ mich auf die ambulante Therapie bei ihr ein - zum Glück. Es war für mich ein großer Erkenntnisgewinn und ein Aufwachen.

27.06.2019 09:09 • x 3 #14


CeHaEn
@Mandinka Diese Aufzählung entstammt meiner eigenen Lebensrealität.
Die große Schwierigkeit der Veränderung besteht schlicht in der Angst, dass die Befürchtungen eintreffen könnten; die Angst konnte sich festsetzen, weil diese Befürchtungen in der Vergangenheit eingetreten waren. Natürlich war das Gegenteil auch oft der Fall, aber negative Erfahrungen merke ich mir leichter.
Deshalb ist es wohl sehr wichtig, dass man sich dieser Umstände bewusst ist und neue Erfahrungen sucht. Schlechte neue Erfahrungen muss man dann akzeptieren, weil man sie ohnehin nicht ändern kann. Gute neue Erfahrungen sollte man sich immer wieder selbst unter die Nase reiben und ins Verhältnis zu den schlechten setzen. Jetzt zur Zeit mache ich auf einem Teilgebiet, welches mir sehr wichtig ist, eine sehr gute Erfahrung. Da gibt mir bereits die bloße Feststellung, dass die positive Erfahrung für mich möglich ist, etwas Aufwind. Genießen ist angesagt!

27.06.2019 21:35 • x 1 #15





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