Keine Gefühle mehr - wie kommen sie zurück?

Naturfreund

17
2
Hallo,

ich wollte mich noch einmal melden.

Leider hat sich meine Frau jemandem anderen zugewandt. Ich mußte es ihr erst nachweisen, damit sie es zugab.
Sie hat sich nicht getraut mir es zu sagen.

Aber:

Ich habe es geschafft sie aus den Depressionen herauszuholen. Sie kann jetzt wieder klar denken. Sie versteht, daß ich
nicht schuld war an ihrer Entwicklung. Sie weiß jetzt, dass sie in Zukunft ihr zu schwaches, nicht richtig entwickeltes
Ego weiter entwickeln muß. Sie ist intelligent. Sie wird es schaffen.

Sie hat es übrigens alleinig durch die Einnahme von Antidepressiva ( zweimal gewechselt ) und meine Unterstützung geschafft. Zusätzlich hat sie sehr viel Zeit in sportliche Betätigung (Kraftsport) investiert, was bestimmt auch einen Anteil an ihrer Besserung hat. Einen Therapeuten hat sie nicht in Anspruch genommen.

Die Entwicklung ist zwar nicht schön für mich aber ich freue mich das ich es bis hierhin für sie geschafft habe.
Wir waren immerhin acht Jahre zusammen.

Viele liebe Grüße

Naturfreund

19.07.2011 11:30 • #31


Pyxidis

1045
17
Lieber Naturfreund,

es ist schön, daß Du Deiner Frau so helfen konntest und so verständnisvoll bist. Aber zu welchem Preis.

Zitat:
Leider hat sich meine Frau jemandem anderen zugewandt. Ich mußte es ihr erst nachweisen, damit sie es zugab.
Sie hat sich nicht getraut mir es zu sagen


Das würde mich zunächst einmal wütend machen umso mehr nach der vielen Hilfe von Dir.

Wie gehst Du jetzt damit um?

Viele Grüße
Scorpio

19.07.2011 11:43 • #32


Naturfreund


17
2
Hallo Scorpio,

ich bin eher unendlich traurig. Ich glaube aber nicht, das wir wieder zu einander gefunden hätten.

In der Zwischenzeit hat sie alle Fehler gemacht, die man machen kann, um eine Beziehung auseinander
zu bringen. Gedanklich, in meinem Unterbewusstsein, hatte ich wohl schon abgeschlossen.

Wir haben weiterhin freundlichen SMS-Kontakt, um die vebliebenen Dinge noch etwas abzuwickeln. Da ich
nun schon so in dem Thema stecke, werde ich auch zukünftig aus der Entfernung noch etwas auf sie
achten.

Viele Grüße

Naturfreund

19.07.2011 12:07 • #33


Glasscherbe

Glasscherbe

576
11
Ich finde, dass du wirklich Großes vollbracht hast und noch vollbringst. Nicht jeder würde so reagieren, eher im Gegenteil. Wut oder Enttäuschung wäre mehr als verständlich.

Ich wünsche dir alles Gute - was auch immer auf dich zukommt.

19.07.2011 19:13 • #34


Martina

Martina

1979
14
3
Zitat von Naturfreund:
In der Zwischenzeit hat sie alle Fehler gemacht, die man machen kann, um eine Beziehung auseinander
zu bringen
Das ist vielleicht Deine Art mit dem Schmerz fertig zu werden? In dem Du Sie für die Trennung verantwortlich machst, ist das evtl. leichter für Dich zu verarbeiten und zu ertragen. Denn eigentlich gehören ja immer zwei dazu, hm?

20.07.2011 09:32 • #35


Naturfreund


17
2
Hallo Martina,

ich dachte immer der Depressive sollte während seiner Krankheit froh sein, einen Partner zu haben, der sich wirklich effektiv um den anderen kümmert, anstatt das Weite zu suchen. Dann kann man doch auch vielleicht verlangen, das er sich nicht in eine andere Beziehung stürzt.

Inzwischen ist es übrigens so, dass sie es bitter bereut! Am liebsten würde sie es ungeschehen machen, da sie jetzt erkennen kann, wie schön es mit uns weitergegangen wäre. Das sind ihre Worte!

Ihr neuer Partner hat Familie mit vier Kindern, seiner Frau hat er es gebeichtet, aber die Kinder sollen es noch nicht erfahren, also wird dort alles verschwiegen, was los ist.

Dolle Situation.

Außerdem ist er gerade, so wird mir erzählt, aus seinem Job gemobbt worden. Er ist leider psychisch auch nicht ganz stabil. Da wird es in einer gehobenen Position als Dipl. Ingenieur schon einmal schwierig.

Offensichtlich hat er sich auch mit der Krankheit meiner Frau nicht beschäftigt. Denn von ihm kamen ihr gegenüber bisher
keine Tipps, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen soll.

Ich vermute, daß er ein Kandidat ist, der sich im Falle eines Rückfalles meiner Frau, mit hineinziehen lässt. Das kann man natürlich nur vermuten. Wir wollen es nicht hoffen, denn dann wäre der soziale Abstieg wohl perfekt.

Wieso soll ich meine Frau nicht für die Trennung verantwortlich machen? In der Zeit ihrer Krankheit hat sie mir alle möglichen Vorwürfe gemacht, wie es wohl während der Krankheitsphase üblich ist. Heute sieht sie ein, daß ihr schwaches Ego dafür verantwortlich war, dass Probleme entstehen und sie mich ständig dafür verantwortlich gemacht und angegriffen hat. Ihre Worte!!!

Sie hätte einfach noch ihren Weg der Genesung selbst begleiten können, oder meinst Du nicht?

Liebe Grüße

Naturfreund

20.07.2011 11:56 • #36


Martina

Martina

1979
14
3
Hallo Du,
Zitat von Naturfreund:
Wieso soll ich meine Frau nicht für die Trennung verantwortlich machen?
Doch, Du kannst uns sollst sie verantwortlich machen - das wird Dir vermutlich helfen, damit klarzukommen. Aber ich bin trotzdem nach wie vor der Meinung, dass schon beide Partner dazu beitragen, wenn es zu einer Trennung kommt. Wenn sich einer von beiden einem anderen Partner zuwendet, hat das auch seinen Grund.

Weißt Du, ich habe auch schon ähnliches erlebt. Mein Mann wollte aus einer Depression heraus die Trennung - aus heiterem Himmel. Na gut, habe ich gedacht, wenn Du es so willst, kann man es nicht ändern. Ich hatte schon eine kleine Wohnung gefunden und gedanklich damit begonnen, unser Hab und Gut aufzuteilen. Innerhalb weniger Tage hat er aber gemerkt, was er angerichtet hat und wollte mich wieder haben. Da bei uns beiden keine andere Partner im Spiel waren, waren wir beide froh, dass er nochmal gutgegangen ist. Und das ist es bis heute.

Wenn da zwischenzeitlich eine andere Frau gewesen wäre, hätte sich das Thema genau in diesem Moment erledigt. Da hätte ich auch Depressionen nicht als Entschuldigung gelten lassen.

Dass Du noch eine ganze Weile für die Verarbeitung brauchen wirst, sieht man daran, wie sehr Du noch in ihr jetziges Leben unvolviert bist. Das ist aber auch völlig verständlich, sie hat Dich sehr verletzt. Von der Logik her würde ich sagen: kümmere Dich nicht darum, laß sie machen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass das wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis Du Dich gedanklich davon verabschieden kannst.

20.07.2011 14:38 • #37


Naturfreund


17
2
Hallo Martina,

vielen Dank für Deine Antwort.

Genau. Ich werde sie jetzt machen lassen.

Damit ich das alles besser vergessen kann, werde ich mir jetzt wohl mit ein bischen Nachdruck eine Freundin suchen. Ich denke das wird mir am besten helfen. MeineTochter hatte mich letztens noch gefragt, wann sie ihren Ex-Freund endlich
vergessen wird. Ich sagte ihr, wenn der Richtige kommt hast du ihn schnell vergessen. Jetzt hat sie glücklicherweise wieder einen sehr netten jungen Mann kennengelernt und hat es mir bestätigt.

Viele liebe Grüße

Naturfreund

20.07.2011 15:14 • #38


Martina

Martina

1979
14
3

22.07.2011 14:16 • #39


Naturfreund


17
2
Hallo Martina,

stell Dir vor, ich habe mich bei ElitePartner angemeldet und aller Voraussicht nach meine große Liebe
gefunden. Das hat sofort geklappt.

Oh Mann, endlich noch einmal Schmetterlinge im Bauch!

Endlich bin ich auch noch einmal glücklich.

Viele liebe Grüße

Naturfreund

29.07.2011 10:00 • #40


Martina

Martina

1979
14
3
Zitat von Naturfreund:
Endlich bin ich auch noch einmal glücklich.
Na das freut mich aber für Dich . Ob das so klappt, wie Du Dir das wünschst, wirst Du ja sehen - ich hoffe es für Dich. Jetzt kommst Du wenigstens auf andere Gedanken .

29.07.2011 12:18 • #41


Hilflosallein

2
4

Bereue alles

Hallo zusammen,
ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Wir haben vor 5 Jahren ein Haus gekauft, den wir uns mit meiner Frau zusammen ausgesucht haben.
Wir haben 2 Kinder 7 und 9 Jahre alt. Wir mussten viel am Haus alleine machen und hatten nur ein Monat Zeit gehabt aus der alten Eigentumswohnung aus zu ziehen. Die Zeit hat nicht so gereicht. In der Zeit wo ich am Haus gas gegeben habe, ging meine Frau mit den kids zur Kur danach zu ihren Eltern und dann zu meinen.
Am Ende war das Haus Wohnlich fertig und die nerven auch.
Es musste im Laufe der Zeit noch vieles gemacht werden. Durch meine Arbeit und der finanziellen Krise konnten wir das Haus nicht fertig machen. Meine Frau hat nach ca. 6 Monaten als wir das Haus gekauft haben alarm geschlagen und Lösungsvorschläge mit gesagt. Aber ich war damit nie einverstanden weil das unser Traum war.
ich habe ihre Gefühle nie wahrgenommen. Sie hat immer gesagt das sie auch belastet ist, 8 std. Arbeit am Tag dann 180qm Haushalt dann die Aktivitäten der Kids etc. Ich habe Ihr natürlich auch geholfen aber nicht so oft.
Meine Aufgaben habe ich erledigt.Mit der Zeit wurde die Stimmung immer schlechter, das Hauptthema war immer das Haus, verkaufen oder ins Erdgeschoss einziehen und Obergeschoss vermieten. Ich war so was von über fordert und verzweifelt das ich zu allen Vorschlägen nein gesagt habe. Und meine Frau um Geduld gebeten, das wir etwas an die Seite sparen und dann eine Veränderung vornehmen.Aber sie hatte Burn Out und ich auch. Sie hat sich mit der Zeit immer von mir weg gelebt zuhause keine Zuneigung und keine Liebe mehr. Bis letztes Jahr Mai.
Da hat sie die Hoffnung nach 5 Jahren aufgegeben. Ich habe mich auch in den 5 Jahren negativ verändert und verstehe immer noch nicht warum ich sie so traurig gemacht habe. Als sie in dem Jahren immer kalt zu mir war, da fing meine Eifersucht an.
Habe ihr vieles verbietet und wollte nicht das sie mit Freundinnen ausgeht wenn dann früh zuhause ist.
Habe sie als Frau, Mutter, Hausfrau kritisiert. Also ich habe alles falsch gemacht was man machen kann.
Habe auch sehr viele Jahre ihre Mutter für unser Beziehung schuldig gemacht, weil sie eine schwere Person ist.
Was mir auch leid tut. Ich bin kein Aggressiver Mensch oder Alk., keine Dro. oder Schläge.
Ich bin sehr Familiär und Liebe meine Frau sehr.

Stand der Dinge ist.
Das ich das Haus Verkaufe jetzt.
Und wir eine Mietwohnung am 01.05.19 genommen haben.
Erst wollte sie nicht das ich mit einziehe, aber im Mietvertrag steht mein Name sie wollte das ich das auch unterschreiben.

Wir leben zuhause wie 2 fremde nur vor den kids sind wir mama und papa.

Ich bereue es sehr das ich sie nicht verstanden habe.

Ich habe mich seit 8 Monaten verändert und das sieht sie auch.Aber sie hat keine Gefühle mehr denke ich.Ich war vor dem Haus Kauf nicht so.Es war alles zu viel für mich.Habe jeden Tag Heulkrämpfe.Komme nicht mehr auf die Beine.

Habe mich auch in die Kindererziehung eingemischt etc .Durch die ganze lasst habe ich die Entlastung beim Fußball gefunden. Ich bin Trainer von meinem Sohn. Ich habe leider zu viel Zeit damit verbracht, so das meine Tochter zu kurz kam und meine Frau auch. Ich musste 02:30 aufstehen zur Arbeit als ich nach 12 std zuhause war habe ich keine kraft mehr gehabt.
Habe einen durchschnittlichen schlaf von 3.5 std gehabt und das 8 Jahre lang.

Habe alles aufgegeben was meine Ehe belastet hat.
Bin ein toleranter Ehemann der Verständnis voll ist und ihr Gefühle wahr nimmt.
Habe den job aufgeben und den Fussball.

23.01.2019 12:01 • x 1 #42


Frederick1

Frederick1

1052
6
1616
lieber Hilflosallein,

das tut mir jetzt echt leid für dich. Du hast alles gegeben was du hattest, deine Liebe, deine Kraft, deine Zeit. Aber deine liebe Frau genau so. Aber ihr habt euch beide an dem neuen Haus überschätzt. Ja ihr wolltet es besser haben, deine Frau, DU, und ihr habt es auch für eure Kinder gemacht.

Leider habt ihr euch übernommen, überschätzt. Vor lauter Begeisterung habt ihr nicht die Kosten überschlagen, nicht gemerkt, was da alles zu tun ist, wieviel Zeit dir dafür investieren müsst, Zeit die für eure Beziehung und für eure Kinder fehlte. Das soll jetzt keine Kritik sein, aber so ist deine Realität heute.

Du ich bin auch Familienvater, aber meine Kinder sind schon älter, stehen auf ihren eigenen Beinen. Auch ich habe nicht alles richtig gemacht. Geholfen hat mir, meine Fehler nicht zu übermalen, wie bei der Renovierung meiner Wohnung, sondern das ich meine gemachten Fehler zugeben konnte. Das fällt erstmal schwer. Gerade als Mann möchtest du doch eher perfekt dastehen.

Aber deine liebe Frau hat ja auch Fehler gemacht. Jeder Mensch, auch deine Frau hat eigene Interessen, andere Meinungen, eigene Überzeugungen. Und die decken sich nicht unbedingt mit deinen Wünschen und Meinungen. Das liegt in der Natur der Sache, führt aber zum Konflikt in unserer Beziehung.

In jeder Beziehung gibt es Konflikte. Und es ist gut, das du die Konflikte mit deiner Frau nicht einfach unter den Teppich kehrst. Sondern das du offen dazu stehst, das in eurer Beziehung gerade ganz schön viel Sand im Getriebe ist.

Damit der Sand aus dem Getriebe kommt, muss etwas verändert werden. Oft geht es um die Fragen, was ärgert euch, was ärgert den anderen, was wünscht er sich usw.Erst wenn alles auf dem Tisch ist, könnt ihr zu einer gemeinsamen Lösung kommen.

Aber wer ist schuld, wer hat recht, wer hat Unrecht, es bleibt beim Schlagabtausch, führt aber zu keiner Lösung. Der Dauerstreit bleibt, zwei harte rechthaberische Herzen.

Was mir geholfen hat, ich habe meine liebe Frau um Vergebung gebeten, das wir uns wieder versöhnen, nicht nur, aber auch wegen der Kinder. Heute bin ich froh darüber, das ich meinen Stolz. Egoismus überwinden konnte. Und dann konnte auch meine Frau ehrlich zu ihren Fehlern stehen, hat von ihrer Seite aus um Vergebung gebeten.

Vergeben können hat nicht immer etwas mit meinen Gefühlen zu tun, sondern auch in Beziehung zu meinem Denken, meinem Verstand.

Wenn ich nicht bereit bin zur Vergebung, schade ich nicht nur dem anderen, sondern mir selbst. Deine Gefühle kommen oft erst hinterher. Aber bei eurer gegenseitigen Vergebung, werden eure Gedanken und Gefühle heilen.

Das euer Leben wieder gelingt, ihr euch sagen könnt, es ist wieder gut so, wie es ist. Trotz dem Verlust eures Hauses.

Häuser sind was Gutes, aber die Liebe, eure Beziehung ist größer, schöner und wichtiger. Das eine Narbe über eure Verletzungen wachsen darf, ihr euch wieder in die Arme nehmen könnt.

Das wünsche ich dir und deiner lieben Frau, das ihr wieder in Berührung mit euch selbst und miteinander kommt, das ihr wieder leben könnt, Hoffnung habt für euer Leben.


in guten Gedanken für dich und deine Frau,


liebe Grüße,


Frederick

23.01.2019 17:02 • x 2 #43


Hilflosallein

2
4
Danke das du dich gemeldet hast.
Sie geht mir aus dem weg, vor den Kindern spielen wir die Glücklichen.
Gestern war wieder ein Streit Thema.
Ich nehme seit 3 Tagen Beruhigungsmittel das mir auch sehr gut tut. Sie will ja nicht das ich über uns beiden rede oder Heul Krämpfe habe.
Und die Tabletten helfen mir dabei.
Sie will nicht das ich die nehme.
Und hat noch mal erwähnt das sie keine Gefühle mehr für mich hat.

26.01.2019 08:14 • x 2 #44


Rindri

1
1

Gefühle von Partnerin weg - Burnout oder Depression?

Hallo,

ich muss hier auch mal meine Situation schildern, weil ich glaube, dass es mir hilft, und versuche mich so kurz wie möglich zu halten.

Meine Freundin und ich sind seit 4 Jahren zusammen und wohnen seit einem Jahr such in einer gemeinsamen Wohnung. Gegen Spätsommer hat sie ihre Abschlussarbeit angefangen, nebenbei noch gearbeitet und auch weiterhin fleißig zur Uni gegangen. Sie hat sich viel aufgebürdet, aber so ist sie nun mal. Mit der Zeit, so ab Mitte Dezember habe ich so langsam gespürt, dass sie durch den ganzen Stress keinen klaren Kopf für andere Dinge bekommen kann. Dadurch ist auch unsere Beziehung auf der Stecke geblieben, aber auch ihrer Ansicht nach, ist die Arbeit ja im Februar abgegeben und dann geht es wieder Berg auf.
Das dem nicht so war, muss ich, glaube ich, nicht erwähnen.
Sie wurde mit der Zeit immer distanzierter, das einzige was wir wirklich noch taten, war kuscheln. Ich reagierte dann ab und zu auch etwas schnippisch, wenn sie auf körperliche Nähe keine Lust hatte.
Kurz vor Abgabe ihrer Arbeit ist dann zu allem übel auch noch ihre Oma gestorben, zu der sie eine sehr enge Beziehung hatte. Ich war verblüfft, dass sie nur einen Abend darüber wirklich traurig war und danach sich sofort wieder an ihre Arbeit setzte. Da ich sie natürlich gut kenne, habe ich eigentlich erwartet, dass sie das viel härter treffen würde. Aber sie meinte, sie kann jetzt nicht trauern, die Arbeit muss fertig werden.
Kurzum, Arbeit war abgegeben, sie ist mit ein paar Freunden weggefahren und auf die Frage, als sie wieder kam, ob sie mich eigentlich vermisst hat, entgegnete sie: nicht wirklich. Klar war ich dann total gekränkt und fragte sie, wie ich das verstehen soll. Sie meinte, das einzige was ihr gerade Angst macht, ist, wenn ich garnicht mehr da bin. Aber sie fühlt gerade nichts und kann sich das nicht erklären.
Darauf hin ist sie für 2 Wochen zu einer Freundin gezogen. Wir hatten wenig Kontakt, haben uns Zeit jeweils einen netten Brief geschrieben und sie ist selbst zu dem Entschluss gekommen sich einen Therapeuten zu suchen, weil sie sich das selbst nicht erklären kann.
Zum Hintergrund: sie wollte da schon vor der aktuellen Situation mal hin, da sie viele Dinge aus ihrer Kindheit belasten. Scheidung der Eltern und Beziehung zum Vater, sowie Beziehung zu ihren Stiefgeschwistern, von denen sie sich Anerkennung wünscht, diese aber nicht bekommt. Aber da sie sich selbst keine Zeit nehmen konnte/wollte, ist das auch auf der Strecke geblieben.
Nun war sie bei einem und der war grauenhaft (ihre Aussage). Wir sind lange spazieren gewesen und haben viel geredet. Ohne zu wissen, ob sie nun eine Depression, Burnout oder ähnliches hat, sagte ich ihr, ich liebe dich und ich werde dich unterstützen, wenn du das möchtest. Ich bin für dich da, wenn du das brauchst.
Sie kam zu dem Entschluss, dass das ja auch alles nichts mit mir zu tun hat und sie vom Kopf her ja auch mit mir zusammen sein will, aber das gerade nicht fühlen kann und deshalb Angst hat, dass sie Gefühle dafür wieder reichen werden, wenn sie denn wieder kommen.
Ich meinte, sie soll sich die Zeit nehmen, die sie braucht, sie muss aber nicht vor mir weglaufen, weil ich sie nicht als diese Belastung sehe, die sie denkt, die sie für mich darstellt. Also schlug ich ihr vor, doch einfach ins Gästezimmer zu ziehen, da hat sie ihre Ruhe und auch ihr eigenes Reich.
Konnte sie nicht, wollte sie nicht.
Zum Ende meinte sie, sie hat mich nicht verdient und sie nicht versteht, warum ich so gut zu ihr bin. Danach sind wir erstmal auseinander gegangen.
Eine Woche später meldete sie sich und meinte, vielleicht könne sie ja doch ins Gästezimmer ziehen. Das hat mich natürlich total gefreut. Seit letzten Sonntag wohnt sie nun auch wieder in unserer gemeinsamen Wohnung. Sie hatte bis Freitag (natürlich) noch eine stressige Hausarbeit abzugeben und seit Samstag erst wirklich frei.
Und irgendwie ist die Situation sehr schön, aber auch komisch. Wenn wir reden, dann ist fast alles wie früher. Sie erzählt mir alles, was sie so macht. Arbeiten und mit Freunden was unternehmen scheinen sie nicht wirklich zu belasten. Nur mit ihrer Mutter redet sie auch viel weniger als damals, was auch merkwürdig ist, da die beiden sonst mehrmals täglich telefoniert haben. Und auch erzählt sie ihrer Mutter zur Zeit nicht alles, was sie sonst getan hat.
Körperlich erwarte ich von ihr auch nichts, es fühlt sich ein bisschen an wie WG, nur dass sie ganz vereinzelt mal näher kommt und in den Arm genommen will, aber nach wenigen Sekunden wieder wortlos geht. Sie sagt, sie braucht noch Zeit, einen neuen Termin bei einem Psychologen hat sie Mitte April. Sie erhofft sich davon so viel, allerdings weiß ich auch nicht, was sie sonst so rum treibt. Ab und zu schaut sie mal nach Wohnungen oder WG Zimmern, aber nie wirklich ernsthaft so wie mir das vorkommt.

Ich weiß, dass ich ihr Raum und Abstand geben muss und ich weiß, dass ich mich um mich selbst kümmern muss und mit der Situation umgehen muss. Habe mehrere Leute, mit denen ich da auch fast täglich drüber rede. Habe ihr ein paar kleine Aufmerksamkeiten gekauft, sie liebt Kakao, und auf jeden einen kleinen Zettel geklebt, warum ich sie so gern habe. Auf der einen Seite freut sie sich darüber, auf der anderen schämt sie sich, weil sie mir nichts zurückgeben kann, wobei ich das auch nicht erwarte, ich möchte sie ja nur wissen lassen, dass ich sie immer noch gern habe, such wenn es gerade schwierig ist.
Ja es gibt noch keine Diagnose, aber sie ist spätestens seit dem Tod ihrer Oma wie ausgewechselt. Man erkennt, dass da noch die Person vor einem steht, die man so liebt, aber zum Großteil ist das plötzlich wer anders.
Irgendwie bin ich nur echt verzweifelt und am Ende, weil dieses hin und her, mal ein bisschen Annäherung, dann wieder totale Distanz mir wirklich zu schaffen macht. Und ja, ich erzähle ihr auch, wie es mir geht, wenn sie das wissen will und auch was mich beschäftigt. Insgesamt ist das, aus meiner Sicht, alles sehr ehrlich, auch was von ihr zurückkommt.
So langsam plagen mich nur Zweifel, Zweifel, ob wie und überhaupt ich ihr Vertrauen kann, dass sie wirklich etwas probiert zu tun. Denn sie hat Tage, da sagt sie selbst, dass sie denkt, dass alles mit ihr in Ordnung ist, obwohl sie auch an diesem Tag, wohl nichts fühlt.

Meine Hoffnung liegt nun in ihrer neuen Therapeutin. Für mich ist dieser Schwebezustand quasi Beziehung okay, Mir ist auch klar, dass nach einem Therapiegespräch nicht alles klar sein wird, aber ich hoffe zumindest auf die Richtung. Selbst, wenn es dann zu Ende sein sollte, weil sie das halt nun gerade nicht kann oder meint mich nicht zu brauchen oder als Belastung zu empfinden, kann ich damit -schmerzlich- auch leben. Aber es wird eine ganze Weile dauern dies zu verarbeiten. Anders rum, bin ich auch sehr wohl bereit, den steinigen Weg mit ihr zu gehen, aber nur wenn sie das auch möchte.

Nun meine abschließende Frage: hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es Hoffnung?

Ist doch viel länger geworden als gedacht, danke an alle, die es lesen.

Grüße
Rindri

02.04.2019 12:52 • x 1 #45




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag