Zitat von Löckchen73: Kann ja auch nicht alles an mir vorbei gehen lassen
Naja, genau genommen kannst Du das schon, wenn Du es so willst. Du bist ja auch nicht in einem Bootcamp, in dem Dein Wille gebrochen werden soll. Tatsächlich kann Dir nur vermittelt werden, welche Möglichkeiten es gibt um psychisch so stabil zu sein um damit leben zu können. Du bist weder gezwungen an Therapien teilzunehmen, noch musst Du Medikamente nehmen. Du solltest halt lediglich entscheiden, ob Du die Angebote, die man Dir macht, ausprobieren willst, oder eben nicht. Und selbst ein Umentscheiden ist Dir nicht verboten.
Du hast ja sicher ein Ziel, dass Du erreichen willst. Jedenfalls wird in der Regel am Anfang danach gefragt und dann wird idealerweise darauf hingearbeitet. Das die Klinik die Rahmenbedingungen dafür liefert, sollte obligatorisch sein. Was einem aber tatsächlich hilft, kann man ja nur selbst beurteilen, wenn man es probiert hat. Es sollte halt meinem Dafürhalten nach, nur nicht erwartet werden, es wäre ohne eigenes aktives Zutun eine Heilung zu erlangen, die dann den Rest des Lebens anhält.
Daher wäre auch nicht die Frage, ob man nun zwei Tage oder eine Woche mehr oder weniger nur im Bett verbracht hat, seitens der Klinik wie auch immer bewertet würde, sondern was das mit einem selbst macht. Ungünstig wäre, wenn man sich dann vorwerfen würde, man käme nicht in die Gänge und wäre ein nutzloses kaputtes Etwas, das zu nichts in der Lage ist. Wohingegen, wenn man sich danach gut fühlen würde und sagen könnte, so gut habe ich mich die letzten Jahre nicht mehr erholen können weil ich immer auf dem Sprung sein musste, ja eher positiv zu bewerten sein könnte. Denn ersteres könnte einen natürlich noch mehr belasten und letzteres für genug Antrieb sorgen um sich neuen Ufern zuzuwenden.
Ob eine Klinik jemanden im Bett liegen lässt oder nach einer gewissen Zeit da raus holt, wäre eher dem Behandlungsauftrag geschuldet, denn es herrscht Berichtspflicht gegenüber dem Kostenträger, der grob gesagt zu der Entscheidung kommen könnte, dass der Patient auch zuhause im Bett liegen kann und wenn er sich oder andere dadurch nicht schädigt, die Klinik auch verlassen könnte. Es muss nämlich gegenüber dem Kostenträger eigentlich eine positive Prognose vorgelegt werden um eine weitere Behandlung finanziert zu bekommen und das gilt auch für ambulante Therapien, wenn eine Verlängerung gewünscht ist.
Ich habe schon erlebt, dass Mitpatienten nach Hause geschickt wurden, bei denen kein Behandlungsfortschritt erkennbar war und die Klinik auch keinen prognostizieren konnte. Wobei das selbstverständlich nicht ausließt, dass sie nicht irgendwann wieder in eine Klinik aufgenommen werden, wenn es notwendig ist.
Und lässt man mal den wirtschaftlichen Aspekt, den es selbstverständlich gibt, außer Acht, so ist ja trotzdem nachvollziehbar, dass ein Platz in einer Klinik für jemanden bei dem eine gute Prognose vorliegt und der die Klinik dementsprechend stabil und vielleicht sogar genesen verlassen könnte, zweckmäßiger angesehen wird, als für jemanden der aktuell unzugänglich für eine Behandlung ist. Wohlgemerkt, wenn keine Gefahr für Leib und Leben erkennbar ist.
Umgekehrt kann man ja auch selbst entscheiden eine Klinik zu verlassen, wenn man der Meinung ist, dass das ganze gerade irgendwie nichts bringt. Und auch das schließt nicht aus, es irgendwann wieder in dieser oder einer anderen Klinik zu probieren. Dann war es eben damals nicht der ideale Zeitpunkt, der ja nun gekommen sein könnte.