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Ich schaffe es nicht mein Leben zu ändern

Milena

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hallo,

stelle mich dann bei vorstellung kürzer vor und schreibe nun hier meine ganze geschichte:

ich bin weiblich, um die 40 jahre alt und in den letzten vier jahren hatte ich bereits zwei längere krankschreibungen und
aufenthalte in tageskliniken (den letzten aufenthalt brach in nach 3 wochen ab) und nahm auch niederig dosiert antidepressiva = trevilor.
zudem bin ich nun seit fast einem jahr in einer "analytischen?" therapie.

Da ich nach erneutem, diesmal über neun monatigen arbeitsausfall und einer missglückten verfrühten wiedereingliederung nach 3 monaten
noch immer keine gravierende änderung in meinem befinden feststellen konnte, nahm ich all meine kraft zusammen und wagte die erneute
wiedereingliederung und bin nun seit ca. 4 monaten wieder voll arbeitsfähig.

ich wollte meinen job und den anschluss nicht verlieren und habe es mir so zurecht gelegt, dass sich ja eh nichts ändert
und ich eben den rest meines lebens "durchhalten" muss und keine andere wahl habe, als schwermütig durchs leben zu gehen. meine alte
arbeitseinstellung (ablenken bis zum umkippen) bekam ich nie wieder hin. sie hatte mirja sehr lange geholfen. aber nach so einem langen ausfall
ist man einfach nicht mehr die alte, auch nicht im betrieb.

ich hatte auch den eindruck diese bereitschaft zeigen zu müssen, da ich mich in die ecke gedrängt fühlte, weil sich schon so lange
keine besserung einstellte. auch könnte ich mir eine frührente einfach nicht leisten. ab da begann wieder schaupielerei vor
familie und kollegen und eine art verstecken meines eigentlichen unwillens zu arbeiten und weiter zu machen vor meiner therapeutin.

die trevilor habe ich inzwischen abgesetzt. ich habe die chemie nur genommen, weil ich dachte "naja vielleicht ist dies ja dann doch
ein ausweg". ich lehnte medikamente bis vor drei jahren immer ab. kann auch keine große veränderung mit/ohne feststellen, außer dass ich
wesentlich öfter weine nun ohne die trevilor.

eigentlich würde ich die krankheit, die mich befallen hat, auch gar nicht depression nennen, sondern innere einsamkeit. ich weiß, dass man nicht
all sein glück mit/bei einem partner findet. und doch fehlt mir einfach liebe im leben bzw. das gefühl, angenommen zu sein. Ob überhaupt ein
partner mir das geben könnte, was mir so fehlt innerlich, weiß ich nicht.
Tue mich aber auf der anderen seite sehr schwer einen partner zu finden, da meine ansprüche hoch sind und ich sehr schnell verletzt bin und
auch allgemein sehr dünnhäutig.

ich habe auch das gefühl, das leben gibt mir einfach keine chancen mehr, als hätte ich all diese schon in der ersten lebenshälfte alle auf
einmal bekommen auf der sonnenseite des lebens, um nun die letzten 7 jahre immer wieder vom pech verfolgt zu sein.
Ich komme plötzlich nicht mehr an, werde ignoriert oder komisch behandelt, jedenfalls war einfach kein potentieller partner dabei.
obwohl ich allgemein als "sehr attraktiv" bezeichnet werde und auch selber denke, im vergleich vielleicht nicht allzu schlecht abzuschneiden,
verläuft mein leben so, dass mir trotz vieler unternehmungen am woe einfach niemand begegnen will, wo die anziehung auf gegenseitigkeit beruht.

Als ich letztens gegenüber meiner therapeutin äußerte, wieder gedanken in die richtung zu haben, nicht mehr weiter machen zu wollen/zu können, da ich
so eine art "schachmattgefühl" habe, was mein leben betrifft und es nun schon seit so vielen vielen jahren nur noch einem hamsterrad gleicht,
war sie natürlich nicht begeistert. mir tut die wöchentliche therapie ganz gut, aber ich bekomme trotzdem aufgrund vieler ereignisse und rückschläge
kein bein mehr auf die erde.

tja, so sieht es aus. und ich weiß auch nicht weiter. nochmal in einer tagesklinik körbe flechten und autogenes training machen wird mir nicht helfen,
da die positive energie, die da beim ersten mal bei rumkam, beim zweiten mal schon gar nicht mehr auftauchte, im gegenteil, da ich es öfter mal nicht pünktlich schaffte zu erscheinen wurde mir das ganze ausmaß auch selber nochmals sehr bewusst und es gab deswegen auch ärger in der klinik.

ich hatte einfach quasi aufgegeben, und entschied mich, es WENN alleine schaffen zu müssen. 4 monate später war ich dann ja auch in der wiedereingleiderung.

so alles sehr viel, ich denke was euch näher interessiert fragt ihr einfach am besten.

lg, magena

31.07.2011 20:18 • #1


Martina

1982
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Hallo Milena,

ein paar Dinge fallen mir in Deinem posting auf:
Zitat von Milena:
meine alte
arbeitseinstellung (ablenken bis zum umkippen) bekam ich nie wieder hin
Wäre es denn erstrebenswert für Dich, das wieder so hinzubekommen? Erfahrungsgemäß trägt eine solche Arbeitseinstellung dazu bei, an Depressionen o. ä. zu erkranken. Raushelfen würde es Dir mit Sicherheit nicht!
Zitat von Milena:
kann auch keine große veränderung mit/ohne feststellen
Das solltest Du mit Deinem Arzt besprechen, da muß evtl. eine Veränderung vorgenommen werden. Das häufige Weinen ist nämlich kein so gutes Zeichen. Bei mir fing es auch so an und dann bin ich vollständig abgestürzt.
Zitat von Milena:
Tue mich aber auf der anderen seite sehr schwer einen partner zu finden, da meine ansprüche hoch sind und ich sehr schnell verletzt bin und
auch allgemein sehr dünnhäutig.
Auch da kann eine gute Therapie helfen.
Zitat von Milena:
dass mir trotz vieler unternehmungen am woe einfach niemand begegnen will, wo die anziehung auf gegenseitigkeit beruht
Ich glaube, wenn man sucht (zumindest unbewußt) funktioniert das am wenigsten. Den richtigen Partner triff man morgens im Supermarkt, Lockenwickler auf dem Kopp und Kippe im Mundwinkel Du weißt wie ich das meine.
Zitat von Milena:
nochmal in einer tagesklinik körbe flechten und autogenes training machen wird mir nicht helfen
Das allein wird sicher nicht helfen, wobei ich glaube, dass nicht ganz so war, hm? So weit ich weiß, gibt es gute und weniger gute Kliniken - diese Unterscheide gibt es bei Therapeuten auch. Du könntest Dich auf die Suche nach einem anderen Thera oder einer anderen Klinik machen. So wie Du Dich und Deinen Zustand beschreibst, kann da bestimmt noch einiges bewirkt werden.

01.08.2011 10:35 • #2


Milena

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hallo, erst einmal lieben dank für dein feedback .. ;)

ja das "suchen" meine ich mir ja auch schon längst "abgewöhnt" zu haben, aber anhand meiner enttäuschung zu silvester zum beipiel, wenn schon wieder ein jahr rum ist bemerke ich, ich hatte ja doch viel hoffnung und habe unbewusst wohl doch gesucht/gehofft.

Tabletten möchte ich erst einmal nicht mehr nehmen. Diese Nebenwirkungen tue ich mir nur noch einmal an, wenn ich gleichzeitig krank geschrieben bin, und das möchte ich ja einerseits unbedingt vermeiden, während die andere Seite beinahe jeden Tag drüber nachdenkt, ob sie es schon wieder tun soll. Der Kopf sagt aber eindeutig: nein! Das kannst du dir nicht mehr leisten in den nächsten 5 Jahren.

Meine Therapeutin ist ganz gut, also ich komme gut mit ihr klar, nur so richtig voran kommen wir irgendwie nicht ...? Spreche immer Alltagserlebnisse an, die mich belasten, und vielleicht kommt man deshalb nicht zum "Eingemachten". Als ich ihr gegenüber diese Überlegung aber mal äußerte, also Alltag mal beiseite zu lassen, (weil mein Leben eben generell eine einzige Pechsträhne ist), um mal so "richtige" Therapiearbeit zu machen, sagte sie, das täten wir bereits. Öhm. Naja ich lasse sie mal machen. Ich hab mir da eben was anderes drunter vorgestellt.

Was sie allerdings schon erreicht hat, also die Therapie ist, dass ich mich am WOE quasi ZWINGE etwas mit Leuten zu unternehmen, obwohl alles in mir nach Rückzug drängt. Ich finde auch, ich kann mich mit dieser Stimmung auch gar nicht leuten zumuten, bin schnell verletzt, beleidigt und fühle mich vollkommen überflüssig. Aber noch versuche ich eisern, meinem Drang, einfach überhaupt niemanden mehr zu sehen oder zu sprechen außerhalb der Arbeit, nicht nachzugehen. Wenn ich das nämlich tue, ist spätestens Sonntag morgen ein Riesentief da und ich heule wo ich gehe und stehe und bemitleide mich den ganzen Tag selbst, was ich für ne arme Wurst bin.

lg, Milena

01.08.2011 17:35 • #3


Tho

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Hallo Milena,

du schreibst, dass das "körbe flechten und autogenes training machen" in einer Tagesklinik nicht mehr helfen wird. Hast du schon einmal darüber nachgedacht es mit einem stationären Aufenthalt zu versuchen? Ich war selber in einer stationären Reha, hatte aber auch jemanden, der die Reha in Form einer Tagesklink machte, in meiner Gruppe. Ich hatte das Gefühl, dass jeden morgen, wenn er kam, er etwas "zurückgeworfen" war. Ich bin kein Psychologe und dieses Gefühl ist natürlich rein subjektiv.

Mir hatten in der stationären Reha vor allem die Gespräche in der Freizeit mit den Mitpatienten gut getan. Einfach zu hören, dass ich nicht der einzige bin der unter Depressionen leidet und auch die gemeinsamen Unternehmungen, wo ich einfach ich sein konnte, ohne jemanden etwas vorspielen zu müssen. An diesen selbst organisierten Freizeitaktivitäten nahm der Tagesklinik-Patient nicht teil. Ich denke, ihm ist da einiges an Gesprächen, die mir sehr gut getan haben, entgangen.

Zum Thema Partner, ich habe in der Reha jemanden kennen gelernt, auch wenn das von der Klinikleitung nicht gerne gesehen wurde. Ich bin nicht dem Willen in die Reha gefahren, dort eine Partnerin zu finden, ganz im Gegenteil. Als in der Begrüßungsrunde das Thema Pärchen zur Sprache kam, dachte ich nur bei mir "Blos nicht!". Wir war nicht das einzige Pärchen, aber mittlerweile sind alle anderen Pärchen, die ich kenne und die sich dort gefunden hatten, auseinander gegangen. Meine Beziehung ist zwar (noch?) nicht beendet, aber sehr, sehr schwierig.

Ich war vor dieser Beziehung auch lange Jahre ohne Partnerin und sehnte mich insgeheim danach (wollte es am ende mir selber nicht mehr eingestehen). Was ich in meiner Beziehung gelernt habe, die Probleme, die ich bewältigen muss, sind nicht weniger geworden, nur anders und nicht unbedingt einfacher. Klar, es gibt Zeiten, da kann ich aus der Beziehung Kraft schöpfen, es gibt aber auch Zeiten, wo ich aufpassen muss, dass mich die Beziehung nicht runter reißt und sie mich zusätzliche Kraft kostet. Ich lernte, bzw. lerne immer noch, dass eine Beziehung nicht unbedingt ein Heilmittel ist.

Das Tho

04.08.2011 08:08 • #4


Milena

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Hallo Tho,

am woe antworte ich dir, wollte nur kurz eben ein danke für antwort schreiben ...

04.08.2011 22:28 • #5


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Birke

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Hallo Milena!
Dein Beitrag interessiert mich. Vielleicht, weil wir ein ähnliches Alter haben und ich mich in ähnlicher Situation befinde. Du hast nicht so genau beschrieben, was passiert ist. Ist es die Einsamkeit, weil Du keine Partnerschaft findest oder hast Du eine schwere Enttäuschung erlitten? Und seit wann fühlst Du Dich depressiv?
Ich kann Deine Angst vor Tabletten und einer stationären Behandlung nachempfinden. Für mich ist das, als würde man eine Schwelle überschreiten und wer weiß, wo es hinführt. Als ob man die Selbstkontrolle verliert.
Was Tho schreibt, daß man aber Menschen treffen kann, denen es genauso geht, ist allerdings sehr hilfreich.
Ich denke mittlerweile, daß eine eigentliche Heilung nur erfolgen kann, wenn man den Abstand zum eigenen Leiden erreicht. Das Fehlen, den Mangel wahrnimmt, aber sich nicht von der gefühlsmäßigen Bewertung "auffressen" läßt.
Es ist super, daß Du die Kontakte am Wochenende hast. Da kannst Du wirklich stolz sein und ich weiß, wieviel Kraft das verlangt. Liebe Grüße! Birke

06.08.2011 09:23 • #6


Milena

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Hallo ihr,

ich weiß wie gut es tut, mit leidensgenossen zu reden, deshalb bin ich auch hier :) hier bemerke ich immer wieder, wie wertvoll andere menschen sind, die sich selbst für überflüssig halten. anhand von ein paar zeilen erkennt man, andere machen das gleiche durch und haben auch die kraft, weiter zu machen und zusätzlich noch dazu, andere aufzubauen.

ich weiß nicht, ob es gut ist sich rauszuzwingen. ich habe bei neuen bekanntschaften schon den ruf "schwierig" zu sein und mehr als eine lockere facebook-bekanntschaft kommt eh nicht zu stande. und wenn ich doch einmal richtig interesse haben sollte klappt es eh nicht.

vielleicht verbaut man sich auch mehr chancen, wenn man "so" unter die leute geht? oder sie passen sowieso charakterlich nicht zu einem, das kann natürlich auch sein. jedenfalls bin ich nicht die freundlichste unter der sonne, bin schnell dabei zu bewerten und zu urteilen, genauso unbarmherzig wie mit mir gehe ich auch mit den fehlern anderer um. sympathisch komme ich da sicher nicht rüber? aber verstecken mag ich mich auch nicht und nach jahrzehnten freundlichkeit, bis hin zur naivität & gutgläubigkeit bin ich jetzt eben mal längere zeit durchweg ziemlich schnell "angepisst", sobald ich zurückweisung erfahre. (sorry für die wortwahl).

der zynismus ist mein ständiger begleiter und auch wenn mein trockener humor so manche zum lachen bringt, viele verschreckt er auch. ich gehe auch wohl deshalb nicht in eine klinik, weil ich so sehr die nase voll habe vom "freundlichen bemühen, beflissenen befolgen und fröhlichen mitmachen" ... ich kann mich einfach fast gar nicht mehr verstellen außerhalb meiner arbeit. nur dort bin ich noch ein abklatsch meines alten selbst.

wenn ich nicht gerade rumheule, mache ich dr. house sozusagen alle ehre.

tja. ich weiß ja eben auch nicht.

lg ... und noch einen erträglichen restsonntag für euch ...

@ birke: wurde ohne begründung verlassen vor jahren, war meine große liebe. weiß bis heute nicht den grund und kam sehr plötzlich. habe ihn lange zeit idealisiert. seitdem auch nicht vergleichbares mehr erlebt. vielleicht stehe ich mir mit dem wunsch, wieder dort anknüpfen zu können, wo ich vor 7 jahren aufhörte (glücklich sein) auch selber dauerhaft im weg.

07.08.2011 17:56 • #7


Tho

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Hallo Milena.

ich kann ein Stück weit verstehen, dass du dich gegen eine staionäre Behandlung sträubst. Mir ging es genau so, ich hatte vor meinem Zusammenbruch beruflich oft in Massenunterkünften leben müssen und auf eine weiter "Massenunterkunft" hatte ich keine Lust. Ich war deswegen heilfroh, in eine Klinik mit Einzelzimmern zu kommen, und ich hatte während meines ganzen Aufenthalts nicht das Gefühl in einer Massenunterkunft zu sein. Meine Befürchtungen waren also grundlos. Ich hatte genug Rückzugsmöglichkeiten.

Zu Anfang hatte jeder Patient in der Klinik seine "Maske" auf, ich auch, sogar doppelt. Ich dachte, ich spiele nur den freundlichen, bin aber eher ein Eigenbrrödler. Mein Ziel war es, mich nach Möglichkeit von anderen Menschen so gut es ging fern zu halten. Das habe ich beim ersten Mittagessen auch so durchgezogen, ich aß alleine. Beim Abendessen hatte ich dann schon eine kleine Gruppe um mich herum, ohne dass es "erzwungen" worden war. Ich kann nicht einmal beschreiben, wie sich diese Gruppe genau gebildet hat, aber sie hat funktioniert. Ich merkte auch recht schnell ich kann meine Masken ablegen. Zum einen die, keinen nah an mich ran lassen zu wollen, zum anderen aber auch die, nicht zu zeigen wann es mir schlecht ging. Ich war einfach ich. Und ich wurde so akzeptiert von den anderen. Das hatte ich bis dahin nicht glauben wollen.

Meine Freundin hatte auch den Ruf schwierig zu sein, es hat bei ihr länger gedauert bis sie sich geöffnet hatte, aber auch sie hat sich geöffnet, zwar später, aber damit hatte niemand Probleme. Letztendlich konnte sie sich sogar so weit öffnen und Vertrauen finden (und ich auch), dass wir eine Beziehung gewagt haben (mit allen Schwierigkeiten halt). Etwas woran ich zu Anfang des Aufenthalts nicht gewagt habe dran zu denken, bzw. ich war davor schon so weit mir einzureden, ich finde eh niemanden mehr als Partnerin.

Unsere Beziehung ist, nett ausgedrückt, schwierig und ich empfinde für diese Person Gefühle die ich so vorher noch nicht kannte, Auch ich habe die Befürchtung, wenn die Beziehung zerbrechen sollte, werde ich mich nie wieder neu verlieben können, zumindest nicht so stark. Mein Verstand weiß, dass das Quatsch ist, aber das Gefühl halt. Das ist eine Sache, an der ich noch arbeiten muss.

Wie ich es bei einer anderen Mitpatientin sehen konnte, deren "große Liebe" aus der Reha sehr schnell zerbrach (und die galten unter den Mitpatienten als Vorzeigepärchen) kann man sich neu verlieben, zwar war es bei ihr nicht ganz so krass wie Martina es beschrieben hat: "Den richtigen Partner triff man morgens im Supermarkt, Lockenwickler auf dem Kopp und Kippe im Mundwinkel", aber die Richtung passt schon.

Solange du aber alle und alles mit deiner alten Beziehung vergleichst wird das nicht funktionieren. Loslassen können. Ich weiß es schreibt sich leicht, ist aber schwer. Ich arbeite auch noch daran.

Das Tho

07.08.2011 19:33 • #8


Milena

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Hallo,
ich vergleiche weder körperlich noch charakterlich neue Männer mit meinem alten Freund. Vielleicht würde er mir auch gar nicht mehr so gefallen, wenn ich ihm heute begegnete.

ABER ich hätte gerne mein inneres Empfinden von damals zurück, Vertrauen in die Zukunft, das Gefühl eines Hafens ... da ich erkannt habe (erkennen musste) dass all dies eine Illusion ist, bin ich doch meist sehr traurig darüber, nur mit der schnöden "Realität" leben zu müssen. Soviel nur kurz zu meinem Ex, es ist sehr lange her und ich denke nicht mehr an ihn. Sehr wohl kann ich mich aber noch an das Glück erinnern :(

Gute Nacht

09.08.2011 00:02 • #9


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Birke

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Liebe Milena!

Das tut mir sehr leid, was Dir passiert ist.

Das Schlimmste ist vielleicht sogar diese Desillusion. Vielleicht ist es in den letzten Jahren einfach Pech gewesen, daß es nicht klappte. Du machst auf mich einen gesunden Eindruck und kannst klar benennen, wie und warum es Dir so geht. Daß man nach so einem Schock und nachfolgend fehlenden guten Erfahrungen Frust und Trauer schiebt, finde ich nachvollziehbar.

Dein Dr.House ist mir ganz sympathisch. Vielleicht muß er ein bißchen ausgleichen, was Du früher zu lieb warst. Und da sich Dein Ex einer Auseinandersetzung entzogen hatte, stehst Du ja auch irgendwie allein da mit Deinen Gefühlen. Ich glaube, es ist sehr schwer dann abzuschließen. Aus meinem Bekanntenkreis liefen ähnliche Sachen nur so ab, daß irgendwann ein neuer Partner da war, so daß die alten Erfahrungen überdeckt wurden. Aber die Verletzung war natürlich nicht weg.

Was Du schreibst klingt danach, daß Du zwar den Ex loslassen kannst, aber nicht dieses Gefühl. Und auch das kann natürlich den Blick auf potentielle Partner einengen. Eine Portion Neugierde ohne Erwartung wäre gut.

Ich denke, Du mußt Dich jetzt irgendwie neu finden, herausfinden wer Du bist. Die frühere liebe, nette Frau scheint ja nicht mehr zu stimmen. Das ist jetzt bestimmt ne ganze Weile chaotisch und verunsichernd. Weißt Du, Desillusion kann auch positiv bedeuten, daß man nicht trauert um etwas was man sich erträumt. Dafür aber wertschätzen lernt was da ist. Das ganz Reale.

Ansonsten wollte ich Dir noch sagen, wegen dem "Rauszwang". Das ist echt ne knifflige Kiste. Sich zurückziehen ist verlockend. Ich habs gemacht und mich lange Zeit wie in einem geborgenen Nest gefühlt, da ich eh niemandem vertrauen konnte. Aber es ist zu geborgen geworden. wenn ich jetzt wieder raus will, weiß ich gar nicht mehr richtig wie und bin unsicher im Umgang mit anderen Menschen. Allerdings sich richtig zwingen müssen, ist auch blöd. Wichtig finde ich es zu spüren, wann es einem gut oder besser geht.

Ich wünsch Dir eine gute Woche!
Birke

09.08.2011 08:48 • #10


Milena

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hallo birke,

endlich komme ich dazu zu antworten.

ich denke, du solltest dich ruhig öfter mal trauen, raus zu gehen unter leute, aber genauso auch dein "castle" weiterhin wertschätzen als rückzugsort.

mir ist durch das viele "durchhalten/aufraffen" in letzter zeit aufgefallen, dass unter 10 neuen bekannten eine/r ist, die einen richtig gut leiden kann und sich auch für einen interessiert. für die man auch selber eine kleine bereicherung im leben ist. das habe ich lange nicht gesagt bekommen und fast hätte ich diese menschen auch gar nicht kennen gelernt, weil ich mich lieber auf der couch eingemuckelt hätte.

bei mir persönlich fangen dann auch ganz andere probleme an, WENN mich dann mal jemand gut leiden kann, egal ob männlich oder weiblich. denn nun gilt es mehr nähe zuzulassen. manchmal denke ich, ich will offensichtlich gar nichts anderes, als alleine sein und bleiben, zumindest verhalte ich mich so widersprüchlich. jammer rum, wenn es nicht so ist und nehm die beine in die hand, wenn freundschaften entstehen und gepflegt werden wollen.

aber vielleicht ist das bei dir anders und du kannst gut damit umgehen und dich somit über neue menschen im leben richtig freuen, denn die kommen offensichtlich auch MIT komischer laune.

meine "selbstfindung" dauert ja nun schon 7 jahre (spiegel zerbrochen?) und ich lasse mich von den vielen rückschlägen und enttäuschungen immer wieder zum fallen verleiten, anstatt beim stolpern noch das gleichgewicht zu kriegen. die wichtigsten werkzeuge bleiben aber weiterhin mut & hoffnung. die wünsche ich dir ebenfalls ... lg, M.

15.08.2011 17:17 • #11


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Birke

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Hallo!
Ja, ich glaube Mut ist mein Thema. Ich trau mich nicht raus.

Du hast vom zerbrochenen Spiegel geschrieben und meinst sicher Dein Selbstbild. Im Kontakt mit anderen Menschen erleben wir ja auch einen Spiegel durch die Reaktion der anderen. Ich habe vor diesem Spiegel Angst und auch vor den Projektionen. Ich bin auch eine von den "Lieben" und hoffnungslos unsicher. Hinzu kommt, daß ich kein Selbstbewußtsein als Frau empfinde. Ich bin recht hübsch und versuche mich nett anzuziehen, aber wenn Fraulichkeit und toll gefragt sind, bin ich wie eine 12-jährige: linkisch und unsicher. Mich nervt es nur noch.

Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Die letzten 10 Jahre habe ich im Dornröschenschlaf verbracht. Der Auslöser war eine schwerere Unterleibs-OP. Damals war ich mit einem Mann zusammen, der mir gut gefiel, auch in seiner Art zu leben, zu genießen. Das war etwas von der Lebenslust, die mir fehlte. Nach der OP sagten mir die Ärzte, ich solle mit dem Kinderwunsch nicht warten. Ich war damals 32 und hatte schon eine Abtreibung mit 18 und eine Fehlgeburt im Gepäck, waren alles noch offene Wunden. Mein Freund sagte mir direkt ins Gesicht, daß er mit mir keine Kinder möchte. Er wollte sich nicht trennen. Ich tat es dann, aber fühlte mich selbst als Verlassene.

Daß ich mich danach so zurückzog, hatte nicht nur mit dem Mann zu tun. Er war der Auslöser. Da wiederholte sich auch die Kindheitserfahrung, daß ich zurückgewiesen werde, wenn ich mich ganz und gar auf jemand einlasse. Letztendlich waren immer wieder Verrat und Verletzung in meiner Familie der Grund, daß ich kein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen konnte.

Ich hatte also Kinderwunsch und wollte nicht allein bleiben. Und hatte gleichzeitig solche Angst vor neuer Zurückweisung oder daß mein Kinderwunsch abschreckt. Ich war wie gelähmt. Da war die Stimme: los, geh raus, unternehm was! und gleichzeitig das verletzte zerzauste Hühnchen, das sich zurückziehen wollte ganz tief in eine dunkle Höhle. Ich hatte damals starke Suizidgedanken. Das ging ungefähr 2 Jahre. Immer wieder stellte ich mir vor, in einen tiefen Wald zu fahren und mich zu vergraben, so daß ich nie gefunden werde. Wenn ich das so schreibe, finde ich es schlimm, wie sehr ich mich auslöschen wollte.
Um mich herum sah es anders aus. Freunde und Kolleginnen gründeten sämtlich Familien, heirateten... Das ganz normale Leben.

Dann wurde ich wieder krank. Ein Grund mehr, mich zurückzuziehen, diesmal sogar ohne schlechtes Gewissen. In dieser Zeit stellte sich heraus, daß meine Freundschaften nur funktionierten, wenn ich auf die anderen einging. Dafür hatte ich jetzt nicht mehr die Kraft. Ich kündigte quasi sämtliche Freundschaften nach und nach auf. Mir ging es allein einfach besser
Jetzt würde ich mich als emotional stabil bezeichnen. Ich habe immer wieder Tage, an denen ich heule und verzweifle über die Vergangenheit und die nicht eingelösten Versprechen des Lebens, daß alles gut wird.

Aber mittlerweile weiß ich, daß es immer wieder vorbeigeht und ich wieder den Blick auf den Alltag lenken kann.
ich hasse es, 43 Jahre alt zu sein. Ich kann mich nicht mit dem Alter identifizieren und fühle mich um 10 Jahre betrogen. Da ist zu wenig gelebt.
Ich weiß, daß es längst Zeit ist, wieder rauszukommen. Es fällt mir schwer, es nicht als ein "Muß" zu empfinden. Mal davon abgesehen, daß ich auch gar nicht mehr richtig weiß, wie. Das sind jetzt die Konsequenzen meines Rückzugs.

Momentan spüre ich, daß sich was bei mir verändert. Ich bin offener und neugieriger geworden. Ich unternehme immer noch nichts, aber auf der Straße laufe ich nicht mehr mit dem Blick Richtung Straßenpflaster. Das ist schon mal was.

Wie geht es mit Deiner Therapie voran?
Sei lieb gegrüßt und einen schönen Abend! Birke

18.08.2011 19:32 • #12


Milena

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Hallo Birke,

mit dem Spiegel meine ich die 7 Jahre, man sagt hier so, wenn ein Spiegel zerbricht hat man 7 Jahre Pech ;) Nichtsdesdotrotz ist der Spiegelvergleich von dir sehr zutreffend.

Ich hatte Mitte Juli eine sehr sehr schlimme Nacht und Stimmung. Saß auf einem Hocker in der Disko (ich gehe nur "schwarz" aus, das heisst ich höre gerne düstere Musik und mag auch lieber ruhige Menschen um mich herum) ... es lief ein Lied aus meiner Jugend ... und ganz plötzlich war es so, als würde ich sterben bzw. als wäre ich schon tot. Irgendwie war ich wie ausgelöscht, es gab keine Zukunft mehr. Weiß gar nicht, wie ich diesen Zustand besser erklären soll. Ganz starr habe ich einfach mein Gesicht so gelassen wie es war, trotzdem kullerten dicke Tränen (es war also schon noch Leben in mir) ... und zum ersten Mal hatte ich ernsthafte Suizid-Gedanken, wohingegen es sonst immer nur so als logischer Ausweg schien, den ich aber nicht nutzen wollte und weiterhin nicht will. Es war nur sehr traurig zu spüren, alles ist vorbei und wo ich sonst immer dachte "ich muss nur noch bis zum Ende durchhalten" schien das Ende plötzlich DA. ich erwartete quasi vom Stuhl zu fallen. Ein guter Bekannter, der direkt neben mir stand, bekam gar nichts mit, redete irgend etwas mit mir, ich habs gar nicht richtig wahr genommen, immer nur genickt. Und fühlte mich dadurch noch mehr darin bestärkt ein Nichts zu sein, niemand bemerkt dass ich gerade hier sterbe, eigentlich schon weg bin, ich war so isoliert in mir, dass ich nicht merkte, dass ich gleichzeitig BEI MIR war..

Ich erzähle dir das so ausführlich, weil danach folgendes passierte:

danach war da eine unglaubliche "*beep*" ... (mit großer Ausnahme, wie ich mich am Arbeitsplatz verhalte):
ich hab nicht mehr gelächelt, wenn ich nicht wollte
ich war so schön "bei mir" ... nicht wie sonst immer im Kopf bei den anderen (wie geht es denen wenn ich DAS sage/tue)
ich habe mich hier angemeldet
ich habe mich wieder an kleinen Tieren erfreut wie früher, hat wieder Spaß gemacht eine Ameise zu beobachten etc.
ich habe wieder angefangen zu malen
ich hab nicht mehr außen gesucht, was mir innerlich fehlte

Mit anderen Worten:
es kann auch sein, dass etwas in einem richtig gehend "sterben" muss. Vielleicht machst du so etwas ähnliches durch ... kämpfen, kämpfen und beim Rückschlag wieder resignieren und zurückziehen. So ging das bei mir jahrelang wie gesagt. Hab mit dem Leben gehadert, es für ungerecht mir gegenüber gehalten (war es auch, so!), Entscheidungen von mir bereut (hab auch keine Kinder), und meine ganze Hoffnung in einen neuen Partner gelegt, der sicherlich irgendwann mal erscheinen wird. Wenn ich den erst wieder habe, dann wird vieles leichter, dann wird alles gut ...

Also bei mir hat die neue Qualität eines nagenden Dauerzustandes etwas bewirkt. Wenn alles so egal ist, man anderen so egal ist, sich selbst so egal ist: dann kann man auch aufhören, alles richtig zu machen. Dann kann man mit komischer Frisur einkaufen gehn. Dann kann man beim Laufen die Baumkronen begucken und lächeln und wenn Leute glotzen: so what! Dann kann man den ganzen Tag im Bademantel abhängen und es nicht faul nennen sondern Luxus.

Liest sich als ginge es mir sehr gut. Ist auch so momentan, 3 Tage nach dieser Nacht, in der ich von mir selber schockiert war, seitdem ist es so. Aber ich traue dem Braten nicht, das ist aber erst mal egal, weil jetzt ist es so.

Das wünsche ich momentan jedem ... aber ich weiß ja selber, man kann es sich nicht vornehmen. Ich wünsche jedem von euch, auf eine ganz andere Art "bei sich" zu sein, als man es sich sonst erlaubt = Depression. Im Prinzip bin ich jetzt verrückter als zu meinen schlimmsten Zeiten. Ich sag was ich will, tu was ich will und das ist oft "kindlich", so als wären die anderen Leute da auf der Strasse gar nicht da. Ich hatte SOOOO die Nase voll, dass ich nicht mehr darüber nachdenke, was andere denken, weil mich das NIRGENDWO HIN gebracht hat.

Jetzt hab ich ganz viel von mir geschrieben, aber nur deshalb, weil ich etwas schönes zu berichten habe: man liebt sich selbst schon längst. man muss das nicht "lernen" ... "nachholen" .... man muss es sich nur endlich mal erlauben ;)

Grüße aus dem Aufschwung, Milena

18.08.2011 22:25 • #13


Milena

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PS.: ich komme aus einem sehr ähnlichen Elternhaus, und habe nie bekommen wonach ich mich gesehnt habe ---> solange ich mich danach gesehnt habe.

18.08.2011 22:44 • #14


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Birke

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Hallo Milena!
Wow, bei Dir ist richtig was im Gange. Spannend und n bißchen gruselig. Du bist richtig mutig. Ich finde das toll. ich habe zwar so etwas noch nicht erlebt, aber ich kenne dieses kindliche Gefühl, wenn mal alle Last abgefallen ist. Einfach daß die Gedankenflut zur Ruhe kommt. Im Moment brauche ich den Sport dafür. Ist nicht so viel, was ich mache: joggen und Fahrrad fahren. Aber dabei bekomme ich den Kopf frei. Es hält nur nicht so lange an, das Gefühl.

Hatte wieder ein Wochenende zu Hause verbracht. Ich weiß auch nicht. Ohne Verpflichtung gehe ich nicht raus. Das Grundgefühl gegenüber Menschen ist bei mir nicht Neugierde und Interesse sondern Angst. Ich möchte endlich aus dieser Passivität rausfinden. Die Angst kommt doch daher, daß ich mich ausgeliefert fühle. Das ist immer noch eine kindliche Haltung, daß da jemand kommen soll, der sich um mich kümmert. Das ist jetzt analysiert, bewußt empfinde ich es gar nicht so.

Gestern habe ich nach 4 Monaten mal wieder meine Mutter angerufen. Solange ich ihr zuhöre ist alles ok. Wenn ich mich jedoch hinreißen lasse, etwas von mir zu erzählen, fühle ich mich danach schlecht. Weil nicht die Reaktionen kommen, die ich brauche. Es interessiert sie einfach nicht. Das kann mir doch eigentlich völlig egal sein. Aber es versetzt mir jedes Mal einen Stich. Ich hatte deshalb angerufen, weil ich irgendwie zu hart werde, wenn ich den Kontakt abbreche.

Ich vergrabe negative Gefühle in mir, die werden nur stärker. Ich sagte mir: ich möchte meine Mutter nicht hassen. Ich hab auf dieses Gefühl keinen Bock. Ich weiß was hinter dem Haß steht: da steht Liebe, die nicht weiß wohin. Ich möchte meine Mutter lieben und bin traurig, daß ich keinen Zugang finde. Ist doch verrückt, oder?
Alles Gute! Birke

22.08.2011 06:45 • #15


Milena

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Hallo Birke,

ich war am woe auch nicht raus, habe momentan urlaub. noch diese ganze woche und heute musste ich mich zum einkaufen zwingen. also gut ist alles doch noch nicht so.

nun zu dir .. jetzt wird es "esoterisch" ---

was mir sehr sehr gut geholfen hat -was meine mom betrifft- war eine gedankenreise ... die musste ich nur so 10 mal machen und dann war da schon viel wut weg und sie konnte mir nichts mehr "anhaben" wenn ich mich ihr "aussetzte" ...

man stellt sich einfach vor, wie man neben dieser person steht an einem ort deiner wahl. ich habe einen fluss genommen, sie stand einfach an einem fluss. dann sagt man zu dieser person (die merkt das natürlich gar nicht, sieht dich nicht, hört dich nicht))

"ich lasse meine negativen gefühle dir gegenüber jetzt los. du hast mir oft weh getan. all das übergebe ich nun dem universum. du darfst so sein wie du bist. sei so wie du bist. aber nichts was du tust oder sagst kann mich ab heute mehr verletzen. " dann umarmt man diese person (alles in der vorstellung).

Am Anfang ist das ziemlich schwer mit der Umarmung. Will auch nicht zuviel vorweg nehmen, aber man wundert sich, was da in einem passiert wenn man sagt "sei wie du bist" und dabei jemanden umarmt, den man alles andere als gerne umarmen würde oder so lassen möchte, wie er ist. Mir hat diese ganz simple Übung aber sehr geholfen. Ich wurde jedoch nicht geschlagen oder schlimmeres, nur immer sehr sehr heftig kritisiert. In allem was ich tat. Das hörte schlagartig auf. Ich hatte durch diese Übung plötzlich eher Mitleid statt Furcht vor weiteren Verletzungen.

Ich weiß jedoch nicht, wie lange man an diesem Fluss/Wald/Meer oder was auch immer braucht, wenn man körperlich misshandelt wurde. Ein Versuch ist es aber immer wert, sich zu be-frei-en. Man kann ja nix verlieren dachte ich mir, nur gewinnen. Und das war auch so ;)

ganz liebe grüße. Ich finde dich durch deine zeilen hindurch sehr symapthisch, und da bin ich sicher nicht die einzige.

30.08.2011 00:29 • #16


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JeanLucca

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Hallo.

Zitat von Milena:
Ich finde dich durch deine zeilen hindurch sehr symapthisch, und da bin ich sicher nicht die einzige.
Ich schreibe mich zwar mit einem anderen Artikel, aber den Satz unterstreiche ich trotzdem.

Zitat von Milena:
was mir sehr sehr gut geholfen hat -was meine mom betrifft- war eine gedankenreise ...
Deswegen schreibe ich eigentlich. Solche Gedankenreise kenne ich und sie hilft mir negative Gefühle, gegenüber anderen Personen die mich verletzen können, aufzulösen.
Ich nenne es 'Verzeihen' - ich verzeihe ihr ohne das dabei ist. Dann entsteht so ein innerer Dialog - "Du bist so wie Du bist. Hast so viele schlechte Eigenschaften die ich nicht mag, die mich verletzen können, mich so oft verletzt haben. Diese Eigenschaften hast Du. Und diese Eigenschaften finde ich nicht gut, aber Du kannst nicht anders weil Du so bist wie Du bist" Dieser Dialog (in mir) ist manchmal sehr intensiv und variiert auch. Aber der Effekt ist, dass ich der Person gegenübertreten kann ohne das sie mich verletzen kann, denn ich habe mir mit meinem Dialog eine Art Schutzmauer aufgebaut. Ich könnte auch denken: "Gleich sagt sie wieder so eine verletzende Bemerkung, weil sie eben so ist und nicht anders kann".

Mehr wollt ich gar nicht sagen ...

Einen lieben Gruß an Euch Beide, JeanLucca

30.08.2011 01:16 • #17


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meckpommbi

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Hallo

bin zwar neu hier, aber mir ist da etwas aufgefallen was ich gern los werden wuerde.

Zitat:
die Venlafaxin habe ich inzwischen abgesetzt. ich habe die chemie nur genommen, weil ich dachte "naja vielleicht ist dies ja dann doch ein ausweg". ich lehnte medikamente bis vor drei jahren immer ab. kann auch keine große veränderung mit/ohne feststellen, außer dass ich
wesentlich öfter weine nun ohne die Venlafaxin.

weinen kann zwar befreien aber aus meiner sicht heisst es:
es hat schon gewirkt stärkere suiztgedanken kommen oft mit einer verbesserung der psyche weil man dann wieder mehr kraft hat ohne es selber zu merken

warum lehnst du chemie generell ab? ich persoenlich bin über die chemie sehr dankbar sonst wäre ich schon mindesten 25 jahre tot

gruss Birgit

01.09.2011 21:38 • #18


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Birke

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Hallo Milena!
Wollte Dir nur schnell von der Gedankenreise berichten. Hab ich gleich ausprobiert, mit Ohrstöpseln, damit ich mich richtig konzentrieren kann. Ich fand es richtig gut, ich fühlte mich danach stärker und freier, war wie aufgedreht. Komischerweise habe ich seitdem aber wieder Alpträume, in denen meine Mutter wieder der "Bösewicht" ist. Ich nehme es als Zeichen, da mein Unterbewußtsein arbeitet. Vielleicht wiederhole ich die Reise nochmal, es fühlte sich wirklich gut an.
Was macht Deine Therapie? Seit ihr noch bei den Alltagssituationen? Wie entwickeln sich die Stunden? Und was macht das "Egal"? Heb Dir mal ein Stückchen davon auf: ES IST SCHNUPPE, WAS ANDERE MENSCHEN ÜBER DICH DENKEN! DU BIST DIE MILENA UND BASTA!

Hallo meckpommbi!
Du hast ja die Frage an Milena gerichtet, aber ich finde das auch eine sehr wichtige Frage. Psychopharmaka zu empfehlen oder nicht zu empfehlen finde ich nicht nur wegen der möglichen Nebenwirkungen schwierig, sondern auch, weil es schwer einzuschätzen ist, wieviel ein Mensch aushält an Traurigkeit, Niedergedrücktsein und dergleichen. Körperlich läßt es sich vielleicht nur mit Schmerzpatienten vergleichen. Es gibt kein sichtbares Maß für das, was ein Mensch als unerträglich empfindet. Da spielt so viel subjektives Empfinden rein. Und das denke ich auch bei Suizidgedanken, nicht jeder ist wirklich gefährdet, obwohl er Suizigedanken hat.
Wie lange hast Du denn das Venlafaxin genommen? Hast Du Nebenwirkungen? Hat es Dich verändert?
Liebe Grüße v. Birke

02.09.2011 10:27 • #19


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meckpommbi

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Ich hatte dieses Mittel nur kurz ich kenne es unter anderem namen und es hat bei mir nicht gewirkt, mir ging es um das generelle ablehnen von chemie was aus dem posting hervorging
Ich hatte bisher cipramil,trevilor,zoloft,mianserin,imap,insodin vieleicht habe ich auch noch welche vergessen 30 jahre sind lang.
natuerlich ist jeder mensch anders und spricht auch anders auf mittel an und hat damit auch andere nebenwirkungen ohne frage.
und deine worte zum suizid sind mehr als wahr bin ich ein super beispiel fuer versuche ich grad hier meinen neuen ärzten klarzumachen-das mein plan der 20 jahre alt ist ueber das wie- im moment nicht wirklich eine gafahr darstellt aber man sollte genau wissen oder einschätzen können wann es gefährlich wird
gruss birgit

ps. werden hier die medinamen generell durchs system abgeändert ich hatte "t r e v i l o r" und z o l o f t geschrieben?

02.09.2011 13:30 • #20


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meckpommbi

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Nachtrag
Wie lange hast Du denn das Venlafaxin genommen? Hast Du Nebenwirkungen? Hat es Dich verändert?
mein Kurz war schon ein halbes Jahr bis 1 weiss es nicht mehr genau, ich erinner mich das es sehr auf den kreislauf ging standigen durst und mich wie besoffen machte aber ich habe es probiert weil mein altes mittel cipramil nicht mehr wirkte
nach einer gewissen zeit habe ich dann meiner ärztin gesagt wir muessen etwas anderes testen ich komme mit dem mittel nicht klar und es hilft nicht
wie ich schon schrieb es geht mir nicht um ein einzelnes mittel sondern die frage ob man tabletten generell ablehnt - natuerlich ist dies im endeffekt jedem sein ding - aber empfehlen moechte ich diese einstellung aus eigener erfahrung defenitiv nicht
gruss birgit
ansonsten habe ich versucht meine haltung dazu in dieses buch zu packen und bin nur durch die moeglichkeit nach werbepunkten auf dieses forum gestossen aber da mich die chefin so nett empfangen hat moechte ich mich auch gern hier ein bisschen einbringen
gruss birgit

02.09.2011 13:50 • #21


Milena

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Hallo,

@ Birke: hey, das freut mich, dass sich da gleich beim ersten mal einiges bei dir los getreten hat, ich hoffe es ist nicht zu heftig und du kommst mit dem, was es in einem anstellt, gut zurecht und hast jemandem, dem du deine Gefühle danach berichten kannst. Mich hat es damals auch total gefreut, dass da "was passiert", auch wenn es erst einmal ganz schön aufwühlend ist und die ganze Choose wieder "nach oben holt". Aber genau da kann man sie am Schopf packen und sagen "so, bis hierhin und nicht weiter. Jetzt bleibe ich am Ball und renn nicht weg. ".

@meckpomm:
Ich habe zu dem ganzen und zur Krankheit an sich mittlerweile eine andere Einstellung bekommen. Es gibt in meinen Augen keine Substanz, die ich von außen zuführe und die mich heilen kann. Sie kann mich dämpfen (beruhigend), oder innerlich unruhig machen (antriebssteigernd) ... aber dass es mir so schlecht geht, ist ein Symptom.

Vielleicht mal so erklärt: wenn ich schlimmes Zahnweh habe, nehme ich Schmerztabletten, aber weiß doch eigentlich ganz genau, der Weg zum Zahnarzt bleibt mir nicht erspart, ich kann ihn nur heraus zögern, bis ich genug Mut dazu habe oder mürbe bin. Den Zahn heilen die Tabletten nicht.

Ich verurteile niemanden, der gerade nicht die Kraft hat, irgend etwas zu tun. Wenn man dann die Tabletten nimmt ist das sicherlich in Ordnung, weil man dann eh nach jedem Strohhalm greift, Hauptsache "es hört auf". So war es ja auch bei mir, warum ich sie genommen habe. Aber es läuft doch eindeutig ständig etwas schief in meinem Leben, weshalb das immer wieder ausbricht. Und ich begebe mich lieber "nüchtern" auf die Suche danach und versuche mit allen Kräften, die mir zur Verfügung stehen, meinen negativen Gedanken nicht mehr zu glauben, ab und an etwas zu unternehmen und harte Nächte der Einsamkeit durchzustehen. Ich gebe meine Seele/Psyche sozusagen nicht mehr entmutigt aus der Hand, indem ich mir Substanzen zuführe, sondern versuche selber aktiv nach dem Kern des Problems zu forschen und eingeschliffene Verhaltensweisen zu ändern.

Das gelingt mir auch nicht von heute auf morgen. Aber ich fühle mich einfach besser wenn ich weiß, ein kleiner Erfolg ist mir zuzuschreiben, und nicht irgendeinem Wirkstoff, der jetzt mein Hirn manipuliert. Für mich ist da kein großer Unterschied zu Dro. und so hat eben jeder seine eigene Einstellung dazu. Bei mir war es eben so, dass ich untätig wie ich war darauf wartete, wieder die alte Milena zu werden, nur weil ich mir xy milligramm von etwas reinschmiss. Auf ein Chemiewunder gewartet habe, als würde ich jetzt ne Glücksdroge nehmen. Dass ich selber etwas tun muss und für mich verantwortlich bin, habe ich erst viel später kapiert. Und ließ die Tabletten weg.

03.09.2011 21:48 • #22


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meckpommbi

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hallo milena
die Einstellung mit dem Ansatz deine negativen handlungsweisen zu bekämpfen finde ich echt toll, meinen respekt und alle guten wuensche hast du !
ich will auch gar nicht bezweifeln das es fuer dich der richtige weg ist, da erstens jeder mensch seinen eigenen finden muss und auch die erkrankung depression so manigfaltig ist in ihren ursachen und auswirkungen.
so wie du schreibst hört sich das fuer mich an als wenn du ein guter (Kunde) für die kognitative Therapie sein könntest.
und generell bin ich auch der meinung das man ob mit chemie oder ohne, selber den schlüssel in der hand hält, kein arzt oder ein nicht betroffener kann diese tiefe verzweiflung und die qualen einer depression richtig verstehen, er kann nur helfen und wege zeigen aber nichts ersetzt den eigenen willen aus dem loch herauszuklettern oder den willen nicht so schnell wieder reinzufallen.
für dich hört sich das sehr positiv an und ich wünsche dir allen erdenklichen erfolg.
nur bedenke auch es gibt menschen wie mich die trotz positiver grundeinstellung und guten persönlichen voraussetzungen (27 Jahre verheiratet,kinder,familie,umfeld positiv) erkranken immer wieder die sogenannten (endogenen) depressionen, und die sind wirklich ohne chemie arm dran.
ich schreibe es noch einmal damit es nicht falsch verstanden wird: es geht mir nicht so sehr um dich sondern allgemein weil eben jeder Mensch(depri) anders ist und andere ursachen und hintergruende hat.
der idealfall ist sicher in jedem fall eine Mischung aus chemie und therapie und wenn die therapie ausreicht für den knkreten fall auch dieses.
ich hoffe ich habe das jetzt in der kurzfassung und meinem alltagsdeutsch(rechtschreibung 5) verständlich ruebergebracht.
gruss Birgit

04.09.2011 12:21 • #23


Milena

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Hallo, ja das hast du. Ich denke halt, meine Depressionen bzw. ist es eher ein immerwährender Zustand, der mal schlimmer mal besser ist, ist hausgemacht. Ich kann mich da nicht entscheiden, ob ich da froh oder traurig drüber sein soll. Wenn es mich in einer eigentlich positiven Lebenslage ständig "überkommen" würde, wäre es auch sehr schlimm und ja, ich wäre dann eher geneigt, das chemisch zu regulieren. Das könnte ich dann als eine Krankheit wie Zucker anerkennen, wo man eben lebenslang auf Medis angewiesen ist.

Eigentlich könnte ich aber auch glücklich sein, fällt mir gerade mal ein, man hat ja alles, was man zum überleben braucht *grübel*

Nichtsdestotrotz "suche" ich scheinbar regelrecht nach der Bestätigung, dass mein Leben seitdem irgendwie ständig schief läuft, dass da eine Art "Fluch" auf mir lastet, es ist eine self fullfilling prophethy, und da kann nur ich etwas gegen tun, leider keine Chemie der Welt. Ich war schon von Kind auf phantasievoll und als man mir das erfolgreich "aberzogen" hatte, von der Jugend an ständig melancholisch. Ich bastel mir scheinbar meine negative Weltsicht einfach nur selber. Deshalb denke ich, im Grunde sind wir uns da einig ;)

Wünsche dir noch einen schönen Sonntag ... Milena

04.09.2011 16:01 • #24


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Birke

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Hallo! Mann, bei mir gehts im Moment rauf und runter. nachdem ich wieder Alpträume hatte, habe ich nochmal eine Art Ritual gemacht. Dieses Mal war es eine Bitte an meine Mutter, mich in Ruhe zu lassen mit ihrem Hass und ihren Projektionen. Sie soll ihr Leben leben und mir meines lassen. Ihre Worte, die ich viele Jahre über mich hab ergehen lassen, lasten wie ein Fluch über mir. Ich kann sie nicht wegwischen. Das ist auch eine Art Verwünschung.

Weißt Du, wovor ich eine Höllenangst habe: daß ich irgendwann feststellen muß, daß ich mein Leben nur damit verbracht habe, meinen Seelenzustand immer wieder zusammenzuflicken. So am Leben vorbei.

ich bin mir nicht mehr sicher: ist die verkorkste Kindheit daran Schuld, daß ich Probleme habe? Mir kommt mein Empfinden manchmal vor, wie gar nicht geboren zu sein. Noch immer ein Warten, daß es los geht, aber diesmal richtig. Eine Art Erlösungswunsch: ob nun die warmherzige Mutter oder der liebende Mann.
Wie wäre unser Leben verlaufen, wenn wir Glück in der Liebe gehabt hätten? Oder haben wir deshalb kein Glück, weil die Kindheit verkorkst war?
Aber mir fällt grade ein, das ist doch bei uns verschieden. Du hast einen ganz konkreten Auslöser. Hattest Du eigentlich nach der Trennung nochmal versucht, Kontakt aufzunehmen, um die Gründe zu erfahren?

Ich habe das "Glück" im Verkauf zu arbeiten. Es ist oft nervend, weil man sich überhaupt nicht verstecken kann und trotzdem hat es mich über meine schlimmsten Zeiten gerettet, eben weil ich mich nicht zurückziehen konnte. Und so kurze unverbindliche Gespräche mit Kunden können eigene Grübeleien für ein paar Stunden verdrängen. Jedenfalls erlebe ich genug Menschen, die auch nicht bewußter, reflektierter, "mit sich im Reinen" und so sind, z.T. wirklich schwierige Charaktere. Aber trotzdem haben sie Partnerschaft und Kinderkriegen erlebt. Das stand gar nicht in Frage.
Auf Arbeit hat jetzt eine Kollegin ihre Hochzeit angekündigt, eine andere ist schwanger. Das geht ja schon seit vielen Jahren so, da wir ein junges Team sind. Ich freue mich für sie, aufrichtig. Und trotzdem stehe ich manchmal wie neben mir, kann nichts mehr fühlen. Das ist auch dieses: ich bin raus.
ich habe wirklich niemanden, mit dem ich reden kann. Jetzt habe ich mich schon bei Selbstgesprächen erwischt. Arbeitsunfähigkeit Backe!
Das hält mich auch ab, nochmal eine Therapie zu starten. ich weiß, daß ich neue Freunde finden muß und das würde ich bei einem Therapeuten durcheinanderbringen, glaube ich.

Aber ich habe auch noch was Positives: hab nen Tip für Schlafstörungen. Avens sativa comp.Globuli. Ich bin so ein Homöopathie-Fuzzi, weiß gar nicht, warum ich das nicht schon eher ausprobiert habe. Es wirkt erstaunlich gut.
L.G. Birke

12.09.2011 07:10 • #25


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meckpommbi

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birke ich finde es sehr traurig das du schreibst du hast niemanden zum reden
ja da kann ich ohne weiteres verstehen das dies auch durch chemie nicht zu ersetzen ist
ich habe zwar genug leute mit denen ich reden kann aber auf der anderen seite giebt es einfach dinge ueber die man trotzdem nicht reden kann weil sie einfach zu krass sind um den anderen damit zu belasten - und da beist sich die katze in den *beep*
obwohl ich ja nun sehr offen mit meiner erkrankung umgehe und wirklich keine grossen tabus deswegen mehr kenne ja so ist es doch ein problem
wenn du allerdings so gar niemand hast das ist natuerlich noch viel schlimmer-wuerde in deinem falle nicht vieleicht eine gruppentherapie das optimum sein du triffst leute mit ähnlichen problemen die dich auch verstehen ?
gruss birgit

14.09.2011 01:54 • #26


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Birke

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Hallo meckpommbi! Ja, ich glaube, das wäre der richtige Weg. Ich habe schon öfters nach einer Selbsthilfegruppe gesucht. Irgendwie hatte ich nur Adressen von Seniorengruppen gefunden oder die Treffen fanden zu einer Zeit statt, wo ich noch arbeite. Aber ich muß mich da nochmal hinterklemmen. Ich hab zwar in den letzten Jahren immer wieder Wochenenden mit Familienaufstellungen besucht, aber ich glaube ich brauche mehr Kontinuität.

Mir ist heute morgen noch was passiert. Nachdem ich wieder eine schreckliche Nacht hatte, verheult und mit Kopfschmerzen aufgestanden, hatte ich plötzlich eine Erkenntnis. Eine meiner Stimmen im Kopf ( ) sagte zu mir:
Du mußt Dir selbst die Mutter sein.
Und Du mußt Dir selbst die beste Freundin sein.
Ich versuche das zu halten.
Und dann noch: die Traurigkeit nicht wegwischen. Sie einfach akzeptieren. Das eigene Leben akzeptieren, so wie es nun einmal ist. Nicht nach links und rechts schauen. Nicht vergleichen.

Es ist schwer, aber niemand kann uns diese Arbeit abnehmen.
Liebe Grüße!

14.09.2011 10:09 • #27


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meckpommbi

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ja da hast du recht, allerdings darfst du auch nicht zuviel von dir verlangen, trotz aller positiven ansätze klingt das fuer mich ein bisschen durch das du dich auch damit schon wieder unter druck setzt.
das ist zwar im grunde genommen richtig aber auch ein schmaler grad von positiv unter druck setzen zur überforderung.
gruss Birgit

14.09.2011 15:03 • #28


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Birke

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Hallo Birgit!

Du schreibst von unter Druck setzen. Ich würde es für mich als eine Form von Härte bezeichnen. Ich wirke auf viele Menschen vielleicht schwach und nachgiebig, aber mir selbst gegenüber bin ich sehr streng. Es ist meine Überlebensstrategie. Ich bin so aufgewachsen, daß es für mich nur noch schlimmer wurde, wenn ich schwach war. Entweder wurde ich noch stärker abgelehnt oder es verhallte im Nirwana, wenn ich um Hilfe bat. Deshalb hab ich mich von Kleinauf auf mich selbst verlassen (müssen).

In mir ist noch immer das Gefühl von Vernichtung, wenn ich es nicht selbst schaffe. Leider ist es so, daß ich auch in kleinen Dingen nicht gelernt habe um Hilfe zu bitten, man mir es auch meist gar nicht mal ansieht, wenn es mir schlecht geht.

Und ich fürchte, daß diese Härte mich immer mehr umgibt. Ich merke auch, daß ich Mißgunst empfinde, wenn andere Menschen viel Zuspruch und Unterstützung bekommen. Dieses Gefühl ist schrecklich und ich bin froh, daß ich es wahrnehme und an mir arbeiten kann. ("arbeiten": da ham wa wieder den Salat)
Trotz alledem: mich selbst zu mögen, mir Gutes zu tun, mein Innerstes zu beschützen, das möchte ich lernen. Das kann mir wirklich niemand abnehmen, schon gar nicht in meinem Alter.

Mich würde Deine Geschichte interessieren. Ist das eine endogene Depression? Wie und wann hatte es angefangen? Es interessiert mich, weil ich aus meiner eigenen Erfahrung nur Depression kenne mit einer mehr oder weniger klaren, nachvollziehbaren Ursache.

Liebe Grüße! Ina

16.09.2011 11:41 • #29


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meckpommbi

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das ist gar nicht so einfach alles so in form eines forumbeitrages zu beantworten aber ich versuche es mal

1 dieses um Hilfe bitten für dich zum erlernen da würde sich die gruppentherapie die wir schon einmal besprochen hatten wirklich eignen denke ich
aber glaube nicht das du da alleine bist auch mir fällt das nicht immer leicht wobei ich zu den menschen gehoere denen man das meilenweit gegen den wind ansieht es sei denn ich setze meine maske auf, allerdings ist das so anstrengend das ich das nur begrenzte zeit durchhalte

2 ja die diagnose heisst endogen
wobei es da immer das aber giebt weil niemand unabhängig von äusseren einflussen ist
in meinem falle ist es so das alle mitglieder meiner familie muetterlicherseits diese erkrankung haben und hatten, das spricht fuer eine erbliche veranlagung
aber ich hatte auch so meine trigger im leben 8 jahre mobbing in der schule/viele Umzuege um nicht selber arbeitslos zu werden/probleme mit meiner Tochter/stress im job

bei mir liegt das so wenn ich grossen stress habe dann funktioniere ich hervoragend löst sich aber der stress breche ich zusammen
ich wirke auf andere oft eingebildet und stark und will das auch das ich so wirke weil es fuer mich so eine art schutzmaske ist
denn ausserhalb eines gewissen schutzraumes den so ein forum oder die familie oder eine therapiegruppe gibt ist es doch so das auf die vermeintlich schwachen eher herumgetrampelt wird
der glaube an das gute im menschen der ist mir einfach abhanden gekommen ich weiss auch nicht ob ich ihn je hatte aber ich glaube an mich und das ist schon sehr viel wert denke ich
ich hoffe du kannst mit meinen etwas wirren zeilen etwas anfangen
gruss Birgit

16.09.2011 12:51 • #30

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