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Hochfunktionale Depressive

Topo

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@maya60

Hey,

also bei mir ist es seit längerem so, dass ich mich von Nachrichten zu bestimmten Themen (Krieg, Klima) fernhalte. Das habe ich lange vermieden, da ich es als Gesellschaftsmitglied eigentlich notwendig finde, Dinge mitzubekommen und dann meine Meinung dazu im Alltag zu vertreten. Aber ich habe mir zugestanden, dass ich es psychisch-gesundheitlich weniger gut als andere vertrage und daher auf die Nachrichten verzichten darf. Und wenn wirklich essentielle Dinge wie eine Ausweitung des Kriegs passieren, würde man das ja schon irgendwie mitbekommen. Ich kann ja dennoch im Alltag sagen, was ich vom Krieg halte und mich ökologisch nachhaltig verhalten. Unabhängig davon ob irgendwo wieder eine Dürre droht.

Vielleicht ist das ja für dich auch eine Idee.

LG

12.07.2022 14:28 • x 1 #61


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Schlüsselkind

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Zitat von maya60:
Ideen von euch in eurem Leben?


Die Entlastung kann vermutlich nur rein gedanklich stattfinden. Also, dass man einen anderen gedanklichen Umgang damit findet, ohne sich einem Druck von außen auszusetzen. Es ist tatsächlich so, dass ich mir seitdem ich chronisch krank geworden bin (Endometriose, Migräne und Erschöpfung) hierzu auch verstärkt Gedanken mache. Zum einen hat mich der Gedanke erstmal entlastet, dass ich die Welt nicht retten kann und muss und mich dann auf wenige Dinge im Alltag beschränkt habe, die ich selbst beeinflussen kann (möchte hier keine Beispiele nennen, ich denke, dass führt nur wieder zu unnötigen Druck). Jede*r kann doch etwas tun, wie viel er/sie kann und wenn jemand gar nicht kann oder möchte, ist das ebenfalls in Ordnung (dafür macht dann jemand anderes mehr). Das hat mich erstmal etwas entlastet. Also mehr an das Jetzt zu denken und die Erkenntnis bzw. Unterscheidung, was ich selbst ändern kann und was nicht. Und das was-ich-nicht-ändern-kann ist doch sehr groß!

Zudem habe ich mich mehr dem Minimalismus oder wie man es nennen möchte zugewandt, also meinen Alltag meinen Fähigkeiten angepasst, um mir tägliche Arbeitsgänge möglichst einfach zu gestalten und sie schneller abarbeiten zu können. Mir hilft z. B. eine tägliche Routine sehr, die immer gleich abläuft.

Nachrichten etc. schaue/lese ich nur 1x am Tag und dann auch nicht mehr so häufig (dafür habe ich dann Warn-Apps, die mich benachrichtigen). Auch schaue ich abends nur noch selten Filme und lese dafür lieber, weil mich das einfach besser auf die Nacht vorbereitet (aber hier auch nur eine Idee, das muss man für sich selbst herausfinden, was einem da gut tut).

Zu Beziehungen/Freundschaften habe ich auch etwas sortiert. Jedenfalls investiere ich da nicht mehr so viel wie früher und merke ich, dass der Kontakt einseitig ist, beende ich es jetzt eher. Sicherlich könnte man es auch so schleifen lassen, aber ich merkte, dass mir dass zu viel Energie frisst, diese Oberflächlichkeit. Auch wenn ich früher öfter meine Hilfe angeboten habe, bezieht sich das jetzt nur noch auf enge Beziehungen und auch da schaue ich, ob ich die Energie dafür wirklich übrig habe und wenn nicht, sage ich dann Nein.

12.07.2022 14:53 • x 1 #62



Hallo maya60,

Hochfunktionale Depressive

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maya60

maya60

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Danke euch, @Topo und @Schlüsselkind ! Das sind auch meine Stellschräubchen seit Jahren wie auch der generelle Minimalismus im Alltag, der aussortiert und aus "weniger" mehr "macht"!
Gut zu sehen, wie ihr euch entlastet, das schafft Gemeinschaftsgefühl!

Ich bin schon seit Jahren weg vom Sorgendenken zu Bauchdenken, also mehr Intuitionsorientiert.

Wenn aber dann Zeiten sind wie diese, wo im ersten Jahreshalbjahr ich gerade wegen dringender Krankheitsthemen bei mir und anderen Nahestehenden viel öfter die mir krankheitsbedingt nötige Stille daheim verlassen musste als zuvor und mit viel mehr Außenreizen umgehen musste als mir gesund ist, dann reicht das alles an Minimalismus und Stellschrauben manchmal nicht und ich muss da durch mit gutem Erfolg, aber ebenfalls mit altbekannten Überforderungsblessuren.

12.07.2022 15:13 • x 2 #63


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Schlüsselkind

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Zitat von maya60:
Wenn aber dann Zeiten sind wie diese, wo im ersten Jahreshalbjahr ich gerade wegen dringender Krankheitsthemen bei mir und anderen Nahestehenden viel öfter die mir krankheitsbedingt nötige Stille daheim verlassen musste als zuvor und mit viel mehr Außenreizen umgehen musste als mir gesund ist, dann reicht das alles an Minimalismus und Stellschrauben manchmal nicht und ich muss da durch mit gutem Erfolg, aber ebenfalls mit altbekannten Überforderungsblessuren.


Ja, diese krankheitsbedingten Stressfaktoren habe ich leider auch (seit einiger Zeit etliche weite Arztbesuche und Stress durch Untersuchungen, die zu nix führen, unnötige Diskussionen mit (überforderten) Ärzt*innen und Arztwechsel, alles während man sowieso schon nicht körperlich kann). Das ist tatsächlich auch meine Schwachstelle, denn das wirft gefühlt alles angewandte mit einem Wisch um. (Meine Therapeutin ist da auch immer ganz entsetzt, aber diese Außenreize – wie Du es so passend nennst – sind ja von einem selbst nicht beeinflussbar: Gesundheitssystem, Personalmangel etc.). Das einzige, was ich dahingehend jetzt anders umsetze, ist, dass ich nicht mehr zu viel an einem Tag abarbeite und die Termine nicht so knapp setze, sondern mir jetzt Urlaubstage genommen habe, um mir zumindest etwas den Stress zu nehmen (während ich früher während der Arbeitszeit zu Terminen gefahren bin, was extrem stressig war). Dafür habe ich auch noch keinen guten Umgang gefunden. Echt schwierig!

12.07.2022 15:29 • x 1 #64

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