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Gestörtes Essverhalten und Appetitlosigkeit bei Depressionen

Irgendeine
Hallo,

mein Essverhalten ist momentan katastrophal. Ich esse zwar, aber mengenmäßig oft viel zu wenig und dann auch noch oft ungesund, vor allem Süßigkeiten.
Oft ist meine einzige "richtige" Mahlzeit am Tag das warme Abendessen, aber das auch nur, wenn mein Freund kocht bzw. ich wegen ihm "gezwungen" bin zu kochen.
Diese Mahlzeit besteht dann meist aus Nudeln mit irgendeiner (immerhin selbstgemachten) Soße, manchmal etwas Gemüse dazu.

Tagsüber vergesse ich das Essen oft komplett, wenn man mir nicht grad was vor die Nase stellt. Oft kommt es auch vor, dass ich zwar ein Hungergefühl bemerke, aber keinerlei Lust habe, irgendwas zu essen.

Um die Mengen mal deutlich zu machen.
Ich habe heute gegessen:
- ein Brötchen mit Nutella (ca. 370 kcal)
- 3 kleine Kartoffeltaschen (300 kcal)
- 4 Mini-Frühlingsrollen (185 kcal)
- eine Hand voll Weingummi (ca. 200 kcal)

Macht knapp 1000 kcal. Und das ist mengenmäßig schon eher viel für mich. Und halt ungesund. Oft bestehg die Hälfte meiner Tageskalorien aus Süßigkeiten.
Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen ich mehr esse (aber auch welche, an denen es noch viel weniger ist), aber das ist so der Durchschnitt.

Ich hatte fast 10 Jahre lang eine atypische Magersucht. Aktuell ist die Appetitlosigkeit besonders schlimm.
Ich bin zwar noch weit vom Untergewicht entfernt (57,3kg bei 166cm), aber ich habe in den letzten 2-3 Wochen schon über 2kg abgenommen.

Einerseits freue ich mich sehr über die Abnahme, weil ich mich immer noch zu dick fühle, andererseits macht mir diese Lustlosigkeit am Essen zu schaffen.
Es ist so paradox.
Einerseits bersuche ich bei "normalem" Essen Kalorien zu sparen, wo immer es geht, andererseits esse ich kalorienreichen Süßkram.
Dieser ständige Zwiespalt und auch Selbsthass macht mich fertig.
Wenn ich die ganzen Süßigkeiten weglassen würde, würde ich (lt. meinem Arzt) wahrscheinlich kontinuierlich abnehmen.

Irgendwie weiß ich nicht mehr weiter.

02.03.2020 22:36 • #1


Krizzly
Die Diagnose atypische Magersucht hab ich auch bekommen. Wie dir fehlt mir oft jeglicher Appetit, hinzu kommt bei mir Übelkeit und manchmal fast schon ein Ekel vor Essen, und phasenweise sind auch bei mir Süßigkeiten das, was noch am ehesten geht.
Ich hab leider keine Lösung, wollte dir aber zumindest sagen, dass du damit nicht allein bist. Das einzige, was bei mir hilft, ist so konsequent es nur geht, trotzdem zu essen und auch nur für mich zu kochen. Das ist oft eine ganz schöne Überwindung. Aber ich will nicht in alte Muster verfallen. Vor ein paar Jahren hab ich es manchmal über den Tag gerade mal auf eine Breze gebracht. Je weniger ich gegessen hab, umso mehr hat sich mein Körper an diese winzigen Portionen gewöhnt und umso weniger Appetit hatte ich auch. Es war ein Kraftakt, da wieder rauszukommen.
Geht es dir in letzter Zeit allgemein schlechter als sonst? Ich habe oft das Gefühl, mein Appetit nimmt mehr und mehr ab je schlechter ich mich fühle.

02.03.2020 22:50 • x 1 #2



Hallo Irgendeine,

Gestörtes Essverhalten und Appetitlosigkeit bei Depressionen

x 3#3


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Das einzige, was bei mir hilft, ist so konsequent es nur geht, trotzdem zu essen und auch nur für mich zu kochen. Das ist oft eine ganz schöne Überwindung. Aber ich will nicht in alte Muster verfallen

Nur für mich würde ich wahrscheinlich gar nicht bzw. nur schnelle (Fertig)gerichte kochen. Ich will auch nicht in alte Muster verfallen, aber es ist so verlockend. Es ist so anstrengend, sich zu überlegen, was man essen soll/will, es dann zuzubereiten und zu essen.
Alles was über ein Butterbrot hinausgeht, überfordert mich einfach oft. In schlechten Zeiten geht nicht mal das.
Zitat von Krizzly:
Je weniger ich gegessen hab, umso mehr hat sich mein Körper an diese winzigen Portionen gewöhnt und umso weniger Appetit hatte ich auch.

Ja, das Problem kenne ich. Wenn ich satt bin, kann ich einfach nicht mehr weiteressen, auch wenn es mir noch so ggut schmeckt.
Es ist ja ansich auch gut, wenn man nicht über sein Sättigungsgefühl hinaus isst (das wurde mir zu Hause auch so vorgelebt), aber bei mir kommen dann halt wirklich nur Mini-Portionen raus.
In meiner schlimmsten Magersucht-Zeit habe ich weniger, als 500 kcal/Tag gegessen.
Zitat von Krizzly:
Geht es dir in letzter Zeit allgemein schlechter als sonst? Ich habe oft das Gefühl, mein Appetit nimmt mehr und mehr ab je schlechter ich mich fühle.

Ich hatte vor einigen Wochen einen ziemlichen Zusammenbruch. Aktuell bin ich im Examensstress, was die Sache natürlich auch nicht unbedingt besser macht.
Was die Süßigkeiten angeht, fühle ich mich oft noch zusätzlich schlecht, weil mein Freund oft sagt, ich soll nicht so viel davon essen. Er meint das nicht böse, aber ich fühle mich ja eh schon selbst schlecht deswegen.

02.03.2020 23:17 • #3


Krizzly
Zitat von Irgendeine:
Ich will auch nicht in alte Muster verfallen, aber es ist so verlockend. Es ist so anstrengend, sich zu überlegen, was man essen soll/will, es dann zuzubereiten und zu essen.

Das kann ich gut verstehen, das denk ich auch immer noch jede Woche, wenn ich meinen Einkaufszettel schreibe. Vielleicht könntest du klein anfangen, mit Dingen, die kaum Aufwand machen und kalorienreich sind. Bei mir gehen zum Beispiel Nudeln mit Pesto immer. Das geht schnell und ist lecker. Sowas ist bestimmt keine dauerhafte Ideallösung, aber ich denke, du wirst erst wirklich den Kopf frei haben, um das anzugehen, wenn dein Examen vorbei ist, oder? Und wenn dein Freund da ist und du dann kochst, gibt es vielleicht auch mal was gesünderes
Was die Größe der Portionen angeht, hilft es sicher auch nur, sich langsam zu steigern. Klar ist es nicht gut, ständig über sein Sättigungsgefühl zu essen. Aber ich glaube, man kann den Magen (und den Kopf) langsam wieder an größere Portionen gewöhnen. Vielleicht isst du einfach immer, wenn du satt bist, noch einen Löffel/Bissen mehr. Das überfordert dich nicht, macht nicht zu viel Druck und irgendwann gehen vielleicht zwei Bissen mehr.

Vielleicht hilft es dir auch, was die Süßigkeiten angeht, nicht so streng mit dir zu sein. Klar ist es auf Dauer nicht ideal. Aber du hast gerade viel Stress, dein Körper braucht Energie und offenbar vermittelt er dir das durch Lust auf Süßes. Magst du vielleicht gern Trockenobst oder Nüsse oder irgendwas anderes zum Naschen, das nicht so arg ungesund ist? Vielleicht könntest du ein paar der Süßigkeiten dadurch ersetzen.

Hast du denn nach deinem Examen ein bisschen mehr Ruhe, um das ganze entspannter angehen zu können?

02.03.2020 23:50 • x 1 #4


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Bei mir gehen zum Beispiel Nudeln mit Pesto immer. Das geht schnell und ist lecker.

Aus dem Grund gibt es bei uns fast täglich Nudeln mit Tomatensoße.
Zitat von Krizzly:
du wirst erst wirklich den Kopf frei haben, um das anzugehen, wenn dein Examen vorbei ist, oder? Und wenn dein Freund da ist und du dann kochst, gibt es vielleicht auch mal was gesünderes

Ja, bis zum Examen ist es purer Stress und Dauerüberforderung.
Wir wohnen zusammen und meistens kocht er zum Glück. Ich hasse kochen wirklich.
Zitat von Krizzly:
Was die Größe der Portionen angeht, hilft es sicher auch nur, sich langsam zu steigern.
1
Das Problem hier ist dann wieder die Essstörung. Denn die ist ja ganz froh, dass es so wenig ist und ich dadurch abnehme.
Als ich dieses Thema hier eröffnet habe, habe ich erst gemerkt, wie fest mich die ES immer noch bzw. wieder in der Hand hatte. Eigentlich dachte ich, dass ich das mittlerweile gut im Griff habe. Es ist so vertrackt.
Zitat von Krizzly:
Magst du vielleicht gern Trockenobst oder Nüsse oder irgendwas anderes zum Naschen, das nicht so arg ungesund ist? Vielleicht könntest du ein paar der Süßigkeiten dadurch ersetzen.

Das könnte ich wirklich mal versuchen
Studentenfutter mag ich gerne.
Zitat von Krizzly:
Hast du denn nach deinem Examen ein bisschen mehr Ruhe, um das ganze entspannter angehen zu können?

Leider geht es nach dem Examen gleich weiter. Entweder mit dem Rettungssanitäterlehrgang oder direkt arbeiten.
Eigentlich wäre ein Klinikaufenthalt dringend nötig, aber es geht einfach nicht.

03.03.2020 00:11 • #5


Krizzly
Zitat von Irgendeine:
Das Problem hier ist dann wieder die Essstörung. Denn die ist ja ganz froh, dass es so wenig ist und ich dadurch abnehme.
Als ich dieses Thema hier eröffnet habe, habe ich erst gemerkt, wie fest mich die ES immer noch bzw. wieder in der Hand hatte. Eigentlich dachte ich, dass ich das mittlerweile gut im Griff habe. Es ist so vertrackt.

Da kann ich dir leider nicht viel raten, denn ums Abnehmen ging es bei mir eigentlich nie. Allerdings hast du dadurch doch jetzt eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Wenn es schon deutlich besser war, ist das gerade vielleicht einfach ein Rückfall. Hast du einen Therapeuten, mit dem du so etwas besprechen kannst? Ich glaube, ein Rückfall bedeutet nie, dass man wieder ganz von vorne anfangen muss, manchmal reichen schon kleine Schritte, um wieder auf den richtigen Weg zurück zu kommen.

Zitat von Irgendeine:
Leider geht es nach dem Examen gleich weiter. Entweder mit dem Rettungssanitäterlehrgang oder direkt arbeiten.
Eigentlich wäre ein Klinikaufenthalt dringend nötig, aber es geht einfach nicht.

Ich kann dir aus eigener leidvoller Erfahrung nur sagen, dass Körper und Psyche ein "es geht jetzt nicht" oft herzlich wenig interessiert. Ich hab ein Jahr lang ständig Sätze gehört wie "Deine Gesundheit sollte dir das wichtigste sein", "Niemand wird es dir danken, wenn du für die Arbeit deine Gesundheit kaputt machst" usw. Aber wirklich verstanden hab ich es erst, als wirklich gar nichts mehr ging. Also werd ich jetzt nicht den Moralapostel spielen.
Aber vielleicht kannst du das Problem ja in einer ambulanten Therapie angehen?

03.03.2020 00:24 • x 1 #6


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Wenn es schon deutlich besser war, ist das gerade vielleicht einfach ein Rückfall. Hast du einen Therapeuten, mit dem du so etwas besprechen kannst?

Ich hab Mittwoch einen ersten Termin bei einer neuen Therapeutin.
Zitat von Krizzly:
Ich kann dir aus eigener leidvoller Erfahrung nur sagen, dass Körper und Psyche ein "es geht jetzt nicht" oft herzlich wenig interessiert.

Ich weiß, aber es geht momentan wirklich nicht. Weswegen genau hatte ich in einem anderen Thread schon mal genauer geschrieben, ist kompliziert.

03.03.2020 00:33 • #7


Irgendeine
Heute muss ich kochen, da mein Freund bis abends arbeiten ist. Allein der Gedanke daran, dass ich jetzt bald überlegen muss, was ich kochen könnte, überfordert mich schon komplett.

Meine Gedanken haben sich jahrelang nur ums essen bzw. nicht essen gedreht, deshalb ist jegliche längere Beschäftigung (d.h. überlegen, was ich kochen soll) mit dem Thema ein Trigger.

Am Ende wird es eh wieder auf Nudeln hinauslaufen.

03.03.2020 14:31 • #8


Krizzly
Lass dich doch ein bisschen im Thema "Was koche ich heute" inspirieren.
Oder wie wärs mit einer Kartoffel-Gemüse-Pfanne? Ist gesund, das einzige, was bisschen Zeit kostet, ist das Gemüse klein zu schneiden, und es schmeckt lecker.

03.03.2020 15:03 • #9


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Lass dich doch ein bisschen im Thema "Was koche ich heute" inspirieren.
Oder wie wärs mit einer Kartoffel-Gemüse-Pfanne? Ist gesund, das einzige, was bisschen Zeit kostet, ist das Gemüse klein zu schneiden, und es schmeckt lecker.


Dafür müsste ich einkaufen gehen. Sowas haben wir nicht im Haus, weil es verderben würde. Und auch wenn es läppsch klingt, aber selbst Gemüse schneiden und vor allem dafür einkaufen gehen, ist gerade schon zu viel.
Ich schaffe es grad nicht mal, mir ein Brot zu schmieren. Ich will nicht rumjammern, aber es ist leider die Wahrheit.
Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich mir "gutes" (also gesundes und leckeres) Essen unterbewusst nicht wirklich gönne.

Aber den Thread werde ich trotzdem mal versuchen, als Inspiration zu nutzen. Vielleicht fällt es mir dadurch leichter.

03.03.2020 15:11 • #10


Krizzly
Zitat von Irgendeine:
Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich mir "gutes" (also gesundes und leckeres) Essen unterbewusst nicht wirklich gönne.

Hast du eine Ahnung, warum das so sein könnte?

Vielleicht kannst du ja beim Einkaufen mal einen Vorrat TK-Gemüse mitnehmen. Dann kannst du immer einfach nur was in die Pfanne werfen. Das ist sogar fast noch weniger Aufwand als ein Brot schmieren

03.03.2020 15:28 • x 1 #11


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Vielleicht kannst du ja beim Einkaufen mal einen Vorrat TK-Gemüse mitnehmen.

Das habe ich gerade auch schon gedacht. Werde ich demnächst mal machen.
Zitat von Krizzly:
Hast du eine Ahnung, warum das so sein könnte?

Hm, wahrscheinlich eine weitere Variante von Selbstschädigendem Verhalten. SVV ist ja oft nicht "möglich", da ich meinen Freund nicht enttäuschen will und es auf der Arbeit auffallen würde.
Nicht essen ist also eins der wenigen "Ventile", dessen Konsequenz nicht sofort negativ auffällt.
Da müssen wohl (teilweise unbewusst) andere Dinge herhalten.
Ich merke, dass die Spirale wieder anfängt, sich zu drehen. Ich merke, dass ich mich jetzt schon drauf freue, dass die Waage bald wahrscheinlich noch weniger anzeigt. Dass der Drang, sich zu wiegen, wieder größer wird und gleichzeitig die Angst vor einer Zunahme wieder da ist.

03.03.2020 15:40 • #12


Krizzly
Ich hoffe, deine neue Therapeutin kann dich dabei unterstützen, aus dieser Spirale schnell wieder raus zu kommen. Und dir dabei helfen, den Wunsch, dich (auf welche Art auch immer) selbst zu verletzen, loszuwerden.
Schon ganz interessant gerade auch für mich. Meine Therapeutin meinte auch immer wieder, ich neige zu selbstzerstörerischem Verhalten. Vielleicht kamen meine Probleme mit dem Essen zum Teil auch da her.

03.03.2020 16:19 • x 1 #13


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Ich hoffe, deine neue Therapeutin kann dich dabei unterstützen, aus dieser Spirale schnell wieder raus zu kommen.

Das hoffe ich auch. Immerhin habe ich es geschafft, heute was "richtiges" zu kochen (hab noch eine Paprika gefunden). Sollte sogar noch für morgen reichen.
Während dem Kochen habe ich mich allerdings immer wieder dabei erwischt, dass ich im Kopf grob überschlagen habe, wie viele kcal das Ganze hat.
Viel zu viel, mMn. Komme aktuell für heute trotzdem wieder nur auf ca. 1000 kcal.
Ich hab Angst, dass ich total zunehme, wenn ich irgendwann wieder mehr esse(n kann).
Zitat von Krizzly:
Vielleicht kamen meine Probleme mit dem Essen zum Teil auch da her.

Das kann gut sein. Bei mir hat die ES sehr lange die BPS und die Depression in Schach gehalten. Als mein Essverhalten sich nach ca. 8 Jahren endlich etwas normalisiert hatte, schlugen die BPS und die Depressionen mit voller Wucht zu. SVV ersetzte von da an die ES als "Ventil".

03.03.2020 20:42 • #14


Irgendeine
Essen ist eine Katastrophe. Mein Vater sagt, ich müsse essen. Mein Freund sagt, ist soll nicht so viel "Mist" essen.
Ich habe bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen.

Niemand merkt was. Niemand nimmt es ernst. Ich fühle mich wieder genauso alleine, wie früher.
Ich hoffe nur, dass die Waage nicht wieder mehr anzeigt.

05.03.2020 21:09 • #15





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