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Gestörtes Essverhalten und Appetitlosigkeit bei Depressionen

Irgendeine
Irgendwie würgt der Psychologe hier mich immer nur ab. Nur ein kurzes Gespräch, heute sogar halb auf dem Flur.
Deshalb konnte ich auch noch nichts mit ihm bereden. Ich hoffe, dass sich morgen in der Visite Zeit dafür findet.
Der Psychologe ist dafür, dass ich weiter zu meiner alten Psychiaterin gehe, quasi als "Konfrontationstherapie".
Er meinte, wenn ich mit keinem Arzt klar komme, müsste ich auch mal überlegen, welchen Anteil ich denn daran tragen könnte.
Das hat mich sehr getroffen, denn das ist genau der Vorwurf, den ich mir selbst bzgl. des Mobbings gemacht habe/mache.

12.03.2020 18:12 • #46


Krizzly
Zitat von Irgendeine:
Und ich bin echt am Überlegen, ob ich mir nach der Ausbildung und dem Rettungssani nicht einen geplanten Aufenthalt auf der störungsspezifischen Station "gönne".
Das wäre etwas, an dem ich mich festhalten könnte, was mir beim Überleben helfen würde.

Ich finde, das klingt gut. Mir geht es zumindest so, dass ich alles besser ertragen kann, wenn ein Ende oder ein Rettungsanker in Sicht ist.

Zitat von Irgendeine:
Er meinte, wenn ich mit keinem Arzt klar komme, müsste ich auch mal überlegen, welchen Anteil ich denn daran tragen könnte.
Das hat mich sehr getroffen, denn das ist genau der Vorwurf, den ich mir selbst bzgl. des Mobbings gemacht habe/mache.

Ist es denn wirklich so, dass du mit keinem Arzt zurecht kommst? Und falls ja, hat das immer wieder dieselben Gründe?

12.03.2020 22:45 • #47



Hallo Irgendeine,

Gestörtes Essverhalten und Appetitlosigkeit bei Depressionen

x 3#3


Irgendeine
Zitat:
Ist es denn wirklich so, dass du mit keinem Arzt zurecht kommst? Und falls ja, hat das immer wieder dieselben Gründe?

Ich hatte halt viele Ärzte, die mich nicht ernst genommen haben. Aber bestimmt liegt das auch wieder nur an mir.

Ich bin am Ende. Ich kann nicht mehr. In der letzten Visite wurde gesagt, dass das Krankenhaus hier bei der anderen Psychiatrie Befunde etc. wegen Mediumstellung einfordert.
Heut - 3 Tage vor Entlassung - erfahre ich, dass dies noch gar nicht passiert ist und dass ich mit meiner aktuellen Medikation ja eh relativ stabil sei (haha).
Ich habe der Pflegekraft gesagt, dass ich einfach nicht mehr will und kann.
Hatte dann irgendwann 50mg Atosil und 1mg Tavor intus. Damit wurde es nach 2h mit Heulkrämpfen ohne Ende etwas besser.

Dann wurde mir vom Oberarzt gesagt, dass ich am WE zu hause übernachten MUSS. Das setzt mich jetzt schon wieder so massiv unter Druck.
Dieses Leben ist so nicht zum Aushalten.
Ich liege hier schon wieder und bin nur am Heulen. Die Anspannung ist kaum auszuhalten.
Traue mich aber auch nicht zur Pflege zu gehen, nachdem der OA sowas gesagt hat.

13.03.2020 18:05 • #48


Krizzly
Wie erklären sie sich denn, wie du da gelandet bist, wenn du mit deiner Medikation angeblich stabil bist? Und warum musst du zu Hause übernachten, wenn doch dein Aufenthalt bis Montag geht? Versteh ich irgendwie nicht.

13.03.2020 22:47 • #49


Irgendeine
Zitat von Krizzly:
Wie erklären sie sich denn, wie du da gelandet bist, wenn du mit deiner Medikation angeblich stabil bist?

Keine Ahnung. Man bräuchte Arztbriefe ja nicht mal zwingend, ich könnte auf den Monat bzw. Klinikaufenthalt genau sagen, wann welches Medi angesetzt bzw. abgesetzt wurde.
Ich bin so wütend, dass ich es scheinbar nicht mal wert bin, dass man sich um sowas kümmert. Ständig werden mir Sachen versprochen, die dann doch nicht eingehalten werden.
Das fördert mein Misstrauen anderen gegenüber und die Gedanken, dass eh alle schlecht von mir denken, natürlich überhaupt nicht
Gestern bin ich dann auch noch von der Schwester zusammengefaltet worden, weil ein Mitpat. denen (in bester Absicht und ohne mein Wissen) gesagt hatte, wie sch. es mir geht.
Da hieß es dann, ich solle meine Mitpat. nicht auch noch belasten, die hätten selbst genug Probleme, ich solle lieber zur Pflege kommen.
Klar. Um mir dann anhören sowas anhören zu müssen. Ich hab die Schnauze so voll.
Zitat von Krizzly:
Und warum musst du zu Hause übernachten, wenn doch dein Aufenthalt bis Montag geht?

"Belastungserprobung" heißt das hier. Danke, ich habe bis zum Examen noch genug "Belastungserprobungen".
Zitat von Krizzly:
Versteh ich irgendwie nicht.

Ich auch nicht.
Es ist ja nicht so, dass ich meinen Freund nicht sehen will, aber ich weiß einfach nicht, wie ich es zu hause weiter aushalten soll. Auch nicht, wie das nach Montag funktionieren soll.
Da meine Berufsschule ab Dienstag evtl. geschloss wird und wir dann entweder von zu hause aus lernen oder im KH arbeiten müssen, hätte ich sogar noch die Chance länger zu bleiben.

Ich bin so fertig, ich kann einfach nicht mehr. Und ich will einach nicht mehr. Habe mal wieder das Gefühl, dass mich niemand sieht. Wie mein ganzes Leben lang schon.

14.03.2020 09:51 • #50


Irgendeine
Das war's dann. Disziplinarische Entlassung wegen angeblich 2 Mal SVV. Bin jetzt zu Hause und kurz vorm Durchdrehen. Ich kann nicht mehr, halte mich selbst nicht mehr aus.
So unglaublich viel Druck und gleichzeitig Leere in mir.
Zurück geht nicht. Der Oberarzt würde mir eh nicht glauben.
Ich habe den Leuten da vertraut und wurde wieder mal enttäuscht. Wie schon so oft.
Ich bin echt fertig und weiß nicht, was ich machen soll.

16.03.2020 20:04 • #51


Irgendeine
Also entweder ist meine/unsere Waage kaputt oder ich hab bald ein Problem. Ich hab jetzt in 1 1/2 Wochen von 57,5kg auf 53,4kg (bei 1,66m) abgenommen.
Mich freut das natürlich.
Klar, es ist noch kein Untergewicht, aber ich weiß, dass das bald ziemlich eskalieren wird.
Und das Schlimme ist, dass ich mich immer noch zu dick fühle, obwohl ich sehe, dass die Lücke zwischen meknen Beinem immer größer und die Rippen immer sichtbarer werden.
Der Gedanke daran, wieder mehr zu wiegen, macht mich trotzdem wahnsinnig.

18.03.2020 19:20 • #52


Hey,

habe mit großer Sorge diesen Thread gelesen.

"Disziplinarische Entlassung" klingt sehr heftig!

Wie geht es dir denn jetzt?

Hast Du mit deiner Therapeutin sprechen können?

Ich nehme an, dass du nun von zu Hause aus lernen "darfst"?

Viele Grüße!

23.03.2020 18:58 • #53


By the way, das Problem mit dem Essen kenne ich auch.

Bei mir ist das Ganze damals aus den 10 Jahren Mobbing in der Schule und einem verdammt miesen 1. Freund resultiert.

Die Kalorientabelle konnte ich rauf und runter leiern.
Heute noch muss ich darauf achten, dass ich nicht zu oft auf die Waage steige und das schlechte Gewissen beim Verzehr von Eis und Konsortien abzuschalten/ zu unterdrücken.

Eine ES ist bei mir nicht diagnostiziert worden.
Weil ich immer im Normalgewicht war.
Ein Teufelskreis.

Derzeit habe ich leichtes Übergewicht.
Innerhalb von einem guten Jahr habe ich ca 18KG zugenommen.
Was den Antidepressiva zu danken sein wird, nehme ich an.
Whatever.

Es ist gerade schwer mich so zu mögen, wie ich bin.
Aber durch die Depression ist es mir - gefühlt - unmöglich die Finger von Süßigkeiten zu lassen.
Ich schaffe es momentan wieder hier und da einen Spaziergang und Yoga zu machen.
Versuche mir immer vor Augen zu halten, dass ich nicht für immer so sein werde, wie ich jetzt bin.
Das hilft mir an vielen Tagen.

23.03.2020 19:03 • #54


Irgendeine
Zitat von Dani82a:
"Disziplinarische Entlassung" klingt sehr heftig!

Wie geht es dir denn jetzt?

Es war heftig. An dem Tag ging es mir abends so schlecht, dass mein Freund mir Tavor quasi in den Mund gelegt und mich dann durchs komplette Wohnviertel geschleift hat, damit ich runterkomme. Ich war kurz davor, mich selbst auf die Geschlossene einzuweisen (unter Androhung eines Psych KG).
Am Tag danach ging's mir auch noch schlecht.
Die Art der Entlassung war das Schlimme. Es fühlte sich einfach wie eine ungerechtfertigte Bestrafung an.
Es hat mir dann irgendwie "geholfen", als ich erfahren habe, dass die Entlassung wohl auch (u.a.) Corona-bedingt war.
Hätte man mir das so erklärt, wäre es mir mit der Entlassung wahrscheinlich auch nicht so schlecht gegangen.

Aktuell geht es mir ganz gut. Ich war och bis Sonntag krank geschrieben und hab die restlichen Tage genutzt, um mich noch etwas zu erholen. Heute war ich das erste Mal wieder arbeiten. Auf in den Corona-Wahnsinn.
Zitat von Dani82a:
Hast Du mit deiner Therapeutin sprechen können?

Ja. Sie hat mir zu verstehen gegeben, dass ich für sie kein einfacher Fall sei und sie nicht weiß, ob sie sich das zutraut.
Das hat weh getan, wenn man bedenkt, dass ich mit dem Mist noch ein paar Jahre weiterleben soll/muss/will(?)
Aber sie will es ja zumindest versuchen.
Zitat von Dani82a:
Ich nehme an, dass du nun von zu Hause aus lernen "darfst"?

Wir wurden alle auf die Stationen "eingezogen". Aktuell ist es noch ziemlich entspannt.
Lernen muss ich natürlich trotzdem neben der Arbeit.
Zitat von Dani82a:
Die Kalorientabelle konnte ich rauf und runter leiern.
Heute noch muss ich darauf achten, dass ich nicht zu oft auf die Waage steige und das schlechte Gewissen beim Verzehr von Eis und Konsortien abzuschalten/ zu unterdrücken.

Oh ja, die Kalorien konnte/kann ich auch von allem Möglichen. Die Waage ist Freund und Feind. Ich esse so oft ungesund und habe immer ein schlechtes Gewissen.
Wirklich mit Genuss esse ich selten.
Dass ich immer noch eher im unteren Bereich des Normalgewichts bin, liegt nur daran, dass ich so geringe Mengen esse.
Trotzdem macht mich jedes Gramm mehr wahnsinnig. Ich habe endlich das Gewicht erreicht, was ich mir schon so lange gewünscht habe. Aber zufrieden bin ich natürlich trotzdem nicht. Das bin ich nie.
Zitat von Dani82a:
Eine ES ist bei mir nicht diagnostiziert worden.
Weil ich immer im Normalgewicht war.
Ein Teufelskreis.

Es ist bei mir auch erst "diagnostiziert" worden, als ich es den Ärzten/Therapeuten quasi auf die Nase gebunden habe. Aus dem selben Grund, wie bei dir. Ich hab Jahre lang gehungert und trotzdem hat mein Körper hat es irgendwie geschafft, sich über Wasser zu halten.

24.03.2020 02:04 • #55


Hey,

danke für deine ausführliche Antwort.

Zitat:
Die Art der Entlassung war das Schlimme. Es fühlte sich einfach wie eine ungerechtfertigte Bestrafung an.


Mir will nicht in den Schädel gehen, dass jemand einem Hilfesuchenden so etwas sagen kann.Da bekomm ich Wut sondergleichen im Bauch! Unprofessionell.
Was so dumme Kommentare anrichten können.Gänsehaut.
Es ist schwer einen solchen "Beigeschmack" bei etwaigen zukünftigen Arzt-/Krankenhausbesuchen beiseite zu legen.

Zitat:
Hätte man mir das so erklärt, wäre es mir mit der Entlassung wahrscheinlich auch nicht so schlecht gegangen.


Das wäre mit Sicherheit die angebrachtere Erläuterung zur Entlassung gewesen.
Evtl hat der Arzt diese blöden Sätze dir gegenüber aus Frust oder so gesagt.
Angebracht war das jedoch keinesfalls - entschuldbar ist es nicht.
So eine emotionale Entgleisung seitens Ärzte bzw Behandler kann ganz fies nach hinten losgehen für den Patienten.
Bin stolz auf dich, dass du durchgehalten hast, trotz diesen Idioten.
Chapeau!

Zitat:
Heute war ich das erste Mal wieder arbeiten. Auf in den Corona-Wahnsinn.


Als Aussenstehende, virtuelle Person stellt sich mir gerade die Frage: ist es ratsam, arbeiten zu gehen, wenn man sich nicht zu 100% fit fühlt?
Finde deine Entscheidung im Kampf gegen das Corona an die Front zu gehen mutig - Respekt.
Die Frage soll keine Entmutigung oder so sein für dich.
Nicht falsch verstehen, bitte.
Ich mache mir Sorgen, dass das körperlich und seelisch zu viel für dich werden könnte.

Zitat:
Sie hat mir zu verstehen gegeben, dass ich für sie kein einfacher Fall sei und sie nicht weiß, ob sie sich das zutraut.


Okay.Nicht das Optimum in deiner Lage.
Hat sie denn gesagt, wo für sie der Punkt wäre, an dem sie die Therapie abbrechen, bzw du zu jemand anderem gehen solltest?
Damit du nicht von nun an mit einem Gedanken wie "Sie kann mir nicht helfen" zu ihr gehst?
Bist bestimmt nun sehr unsicher.

Zitat:
Es ist bei mir auch erst "diagnostiziert" worden, als ich es den Ärzten/Therapeuten quasi auf die Nase gebunden habe. Aus dem selben Grund, wie bei dir. Ich hab Jahre lang gehungert und trotzdem hat mein Körper hat es irgendwie geschafft, sich über Wasser zu halten


Zu krank, um gesund zu sein. Zu gesund, um krank zu sein.
Ich meine: wenn ich mit dem Essen richtig Probleme habe (ob Binge oder Bulimie, etc), dann ist es doch reiner Hohn, den Menschen auf einen BMI zu reduzieren und zu sagen: "Hey, du magst ein Problem haben, aber gemäß BMI hast du kein Untergewicht". Für einen Betroffenen ein Tritt in den ohnehin angeschlagenen Magen. Der BMI ist ohnehin ein Instrument, welches ich persönlich verachte.

24.03.2020 07:45 • #56


Irgendeine
Zitat von Dani82a:
Mir will nicht in den Schädel gehen, dass jemand einem Hilfesuchenden so etwas sagen kann.Da bekomm ich Wut sondergleichen im Bauch! Unprofessionell.
Was so dumme Kommentare anrichten können.Gänsehaut.
Es ist schwer einen solchen "Beigeschmack" bei etwaigen zukünftigen Arzt-/Krankenhausbesuchen beiseite zu legen.

Ich fand es auch gewagt. Sie haben damit die guten Ergebnisse einer ganzen Woche zerschlagen. Und meine Hoffnung, in dieser Klinik (die ja wohngebietstechnisch nun für mich zuständig ist), "Zuflucht" zu finden.
Zitat von Dani82a:
So eine emotionale Entgleisung seitens Ärzte bzw Behandler kann ganz fies nach hinten losgehen für den Patienten.
Bin stolz auf dich, dass du durchgehalten hast, trotz diesen Idioten.
Chapeau!

Danke! Es hätte wirklich richtig nach hinten losgehen können. Ih war das erste Mal seit langer Zeit wieder "richtig" suizidal.
Zitat von Dani82a:
ist es ratsam, arbeiten zu gehen, wenn man sich nicht zu 100% fit fühlt?
Finde deine Entscheidung im Kampf gegen das Corona an die Front zu gehen mutig - Respekt.

Ob es ratsam ist, weiß ich nicht. Aber ich darf meine Fehlzeiten nicht überschreiten. Ich muss also arbeiten gehen.
Außerdem wird an medizinischem Personal momentan alles eingezogen, was 2 Arme und 2 Beine hat.
Gerade wir als Pflegepersonal sind die Infanterie. Ohne uns geht gar nichts.
Und ich arbeite ja ansich auch gerne.
Zitat von Dani82a:
Ich mache mir Sorgen, dass das körperlich und seelisch zu viel für dich werden könnte.

Lieb, dass du dir Sorgen machst.
Zitat von Dani82a:
Hat sie denn gesagt, wo für sie der Punkt wäre, an dem sie die Therapie abbrechen, bzw du zu jemand anderem gehen solltest?

Nein, dazu hat sie sich noch nicht geäußert. Montag hab ich den nächsten Termin.
Zitat von Dani82a:
Zu krank, um gesund zu sein. Zu gesund, um krank zu sein.
Ich meine: wenn ich mit dem Essen richtig Probleme habe (ob Binge oder Bulimie, etc), dann ist es doch reiner Hohn, den Menschen auf einen BMI zu reduzieren und zu sagen: "Hey, du magst ein Problem haben, aber gemäß BMI hast du kein Untergewicht". Für einen Betroffenen ein Tritt in den ohnehin angeschlagenen Magen.

Genau so ging es mir jahrelang. Ich habe sehr gelitten, aber niemand hat es/mich gesehen!

24.03.2020 22:43 • #57





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