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Gehe ich richtig mit meinem depressiven Partner um?

Da mein Partner kaum Familie hat bzw. dort kaum Kontakt besteht und er sich nun komplett isoliert hat. Sprich selbst sein bester Freund und dessen Familie, was für ihn quasi ein Familienersatz ist, haben ihn im ganzen letzten Monat nur flüchtig , quasi im Vorbeigehen gesehen und gehen auf sein Loch nicht ein, da sie es von ihm quasi kennen das er sich ab und an zurück zieht und er mit ihnen nie darüber gesprochen hat. Er sagte mir auch das er bis jetzt nur mir von seinem Loch erzählt hat. ich habe vorsichtig versucht mit seiner "Ersatzfamilie" zu reden, aber die gehen nicht drauf ein. Also gibt es kein soziales Netzwerk was ich aktivieren könnte. Aber irgendwas muss doch machbar sein, das er selbst versteht das er HILFE braucht und sie auch bekommt. Darüber grübel ich nun, aber finde keine Antwort. Hat irgendwer eine Idee ?

02.12.2019 20:15 • x 2 #676


@Carouzo

Hat Dein Mann wirklich Angst geäussert, dass er für Dich nichts mehr empfindet nach einer Therapie?
Ich kenne es gar nicht, dass man soweit im voraus denken kann während einer starken depressiven Episode.
Deiner denkt jetzt schon ans weihnachten und ans flüchten an dem Tag, er denkt jetzt schon an das Resultat der Therapie. Meiner kann an gar nichts im voraus denken.er ist nur in dem loch im hier und jetzt.

Kannst Du denn mit Deinem normal sprechen? Oder redet er kaum, starrt leer oder gegen die Wand? Hat er dauerhaft einen ernsten Gesichtsausdruck seit der Episode?

02.12.2019 20:59 • x 2 #677


Zitat von Carouzo:
Ist Depression an sich heilbar, wenn man sich auch drauf einlässt und die Maßnahmen in Anspruch nimmt, die einem helfen?

Ja, eine Depression ist heilbar. Leider kann man das während der Erkrankung nicht glauben. Auch wenn man es schon mal erlebt hat.

Zitat von selly:
Hat Dein Mann wirklich Angst geäussert, dass er für Dich nichts mehr empfindet nach einer Therapie?
Ich kenne es gar nicht, dass man soweit im voraus denken kann während einer starken depressiven Episode.


Wenn ich mich zurück erinnere, hatte ich diese Angst auch. Die gehört vermutlich grundsätzlich zu dem ganzen "depressiven Angstgefüge" das einen denken lässt, dass man zb wahninnig wird, dass man sich komplett verändert, etc. Man weiß ja gar nicht mehr, wer man ist.

Tatsache ist, dass man darauf vertrauen kann, dass man wieder ein Gefühl für sich selbst bekommt und sich auch wieder vertraut. Man wird wieder stabil.
Eine Therapie hilft einem dabei. Man findet zu sich zurück. Davor muss man sich nicht fürchten.

Lg

02.12.2019 22:08 • x 4 #678


Carouzo
@sandra-k:
Das ist echt traurig, dass sein "Ersatzfamilie" einfach drüber hinweg sieht und nicht darauf eingehen will. Das wäre für deinen Freund natürlich besser. Gibt es in eurer Nähe Selbsthilfegruppen? Ich weiß jetzt nicht mehr genau euren Hintergrund.
Ist er sich bewusst, dass er depressiv ist?
Wie ich damals bei der Hotline um Rat gefragt hatte, meinte sie, dass es neuerdings auch so etwas wie Apps oder Handy-Tools gibt in Zusammenarbeit mit einem Therapeuten/Arzt. Damals wollte Männe noch nicht zur Therapie.
Vielleicht würde so etwas in der Art funktionieren?

@selly:
Ich kann mit meinem Mann Sachliches und Belangloses besprechen, wie Essensplan, Arbeit etc
Sowie es emotional wird, blockt er ab. Er kann mir auf meine Fragen oft keine Antworten geben, weil er es derzeit nicht weiß und das erstmal mit seiner Therapeutin besprechen muss.
Ernst und traurig sieht er fast immer aus. Ich glaube bei den Kindern versucht er es ein wenig auch Freude zu zeigen.
Aber, wenn es um uns geht, ist er völlig anders.

Männe meint, er müsse erstmal wieder lernen glücklich zu sein oder Glück zu empfinden. Derzeit hat er aber die negative Brille auf und meinte deswegen, dass durch die Therapie auch was Schlimmes hervor bringen kann, wie z.B. dass er von uns weg muss oder so.

Ich hoffe, dass es einfach die Depression ist, die aus ihm spricht.

03.12.2019 08:42 • x 3 #679


Das ist alles nur die Depression die da spricht. Nicht er! Das habe ich in den letzten vier Monaten gelernt.

Und auch meiner antwortet sofort per Whatsapp auf sachliches,nicht aber Arbeitsunfähigkeit emotionales oder Artikel oder Thema Depression. Da kommt kein Wort als Antwort.

Auch schrieb meiner vor drei Wochen, dass er Therapie in Angriff nimmt und dort dann klären wird, ob es richtig sei, dass er sich nur alleine in Sicherheit fühlt.
(als könne er das nicht selber entscheiden.aber die Depression eben)

Auf heulen hab ich keinen nerv und keine Lust mehr und nach vier Monaten, davon drei mit dauer-heulen, hab ich auch keine Tränenflüssigkeit mehr und bin leer

03.12.2019 10:05 • x 6 #680


Ja das ist die Depression die aus ihm spricht, würde ich auch sagen.
In meiner Nähe gibt es keine Selbsthilfegruppen. Ich denke nicht das meiner sich das 100 % eingesteht, sonst hätte er sich schon Hilfe gesucht. Er ist durch seine Therapie damals noch kaum im Netz unterwegs, also bringen mich leider apps etc nicht weiter.

03.12.2019 11:03 • x 6 #681


Kack Depression.Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich nicht mehr kämpfen mag. Kämpfen ist so anstrengend, andauernd habe ich Bilder aus besseren Tagen vor meinen Augen. Und dann sehe ich es, wie es derzeit ist.
Auf Heulen habe ich auch keine Lust mehr, doch schiessen mir seit 2 Tagen wieder die Tränen in die Augen. Heute morgen kam einer meiner liebsten Kollegen ins Büro und meinte: was ist los mit Dir? Ihm habe ich dann eine Kurzfassung erzählt, es tut irgendwie gut mit ein paar Leuten darüber zu sprechen. Natürlich nicht bis ins kleinste Detail. Ich mache viele Sachen nur mit mir selber aus, aber so langsam schaffe ich es, mich zu öffnen und zu reden. Die Therapeutin meinte auch zu mir, dass es gut und wichtig sei, mit ein paar engen Leuten zu reden und auch mal um Hilfe zu bitten.
Bin auch sehr froh, dass meine Mutter ab Donnerstag für eine Woche zu Besuch kommt.

03.12.2019 14:58 • x 5 #682


@Juli1 es gibt sie immer wieder diese doofen Tage. Mir tut es auch total gut das meine Freunde, und dazu zähle ich wirklich nur die wenigen echten, und meine Familie von dem aktuellen Zustand wissen. Mit dem Rest gehe ich auch so oberflächlich um wie der Umgang halt ist. Bei den echten Freunden und der Familie kann man Kraft tanken, das tut gut.
Ganz klar das dir Tränen in die Augen schießen und grade wenn man sich an schöne Zeiten erinnert. Es werden wieder bessere Tage kommen, wie die aussehen weiß keiner, aber sie werden kommen.

03.12.2019 15:10 • x 5 #683


Jedi
Hallo !

Zitat von Carouzo:
Ist Depression an sich heilbar,

Sicher kann eine Depression heilbar sein, doch sollten immer die unterschiedlichen Hintergründe u. Auslöser berücksichtig
werden, die zu einer Depressionserkrankung geführt haben !
Auch sollte durch einen Facharzt Psychiater/Psychologe festgestellt werden, ob die Depression ursächlich ist oder
ob es sich, um eine weitere andere psychische Erkrankung handeln könnte.

Meine Erfahrung ist diese, dass es zu differenzieren gilt u. das individuelle Erleben des Betroffenen zu berücksichtigen ist !
Es wird auch abhängig davon sein, welche Diagnose gestellt u. mit welcher Therapie gearbeitet wurde u. welche, ggfs. medikamentöse Behandlung nötig wurde !
Die Ursachen für eine Depression sind vielfältig u. es ist zu klären, welche Ereignisse, der Depression vorrausgegangen sind !
Generell zu sagen, die Depressionserkrankung ist heilbar, damit wäre ich persönlich sehr zurückhaltend,
denn das Spektrum depressiver Erkrankungen ist groß !

So konnten wir immer wieder einmal erleben, dass Menschen (wie zbspl. der Prominente Torwart Robert Enke) trotz einer guten
therapeutischen Begleitung, eines intakten sozialen Umfeld, dann einen Suizid unternahm.
Heute ist ist Ehefrau Teresia Enke durch ihre "Robert Enke Stiftung" sehr aktiv, um über diese Erkrankung aufzuklären !
Ich finde, dass diese Stiftung sehr unterstützennswert ist !

Eines ist dabei sicher, je früher ein Betroffener sich Hilfe sucht u. in Behandlung geht, um so eher,
dass eine Heilung wahrscheinlicher ist, aber eben auch kein garant dafür !
Die dauer einer therapeutischen Begleitung kann sehr stark variieren u. es kann auch zu weiteren Folgetherapien kommen.

Wer von immer wiederkehrenden depressiven Episoden heimgesucht wird,
sollte schnellstmöglich Hilfe in Anspruch nehmen u. Menschen, wo sich die Depression schon chronifziert hat,
können mit professioneller Hilfe lernen, gut mit der Depression umzugehen u. damit auch ein gutes berufliches, so aber auch partnerschaftliches Leben zu führen !

Dies zu meiner persönlichen Meinung u. Erfahrung, zu der Frage, "Ist die Depression heilbar" ?

LG Jedi

03.12.2019 17:08 • x 5 #684


Da ich ja keine weitere Unterstützung oder soziales Netz um meinen Partner habe. Habe ich ihm heute ganz klar geschrieben das er sich schon mal Hilfe gesucht hat, zwar bzgl. Der Sucht und das er jetzt auch Hilfe suchen soll, denn er weiß ja das ihn das damals weiter gebracht hat und es da schon Recht spät war. Ich hoffe es kommt an und er setzt es um.

03.12.2019 17:25 • x 5 #685


Jedi
Ergänzung !

Wissenschaftlich erprobte Methode, um die Depression in den Griff zu bekommen,
ist die KVT-Kognitive Verhaltens Therapie.
Der Begriff, kognitiv besagt, dass sich die Therapie mit dem Denken u. Einstellungen der Betroffenen beschäftigt.
Dabei geht es darum, dass das übertriebene pessimistische Denken, von an Depression Betroffenen umgewandelt wird,
in eine neue, eher realistische Sicht, auf sich -die Welt u. das Leben !
Dabei geht es um eine Verbesserung, weg von negativen Stimmungen u. das der Betroffene in die Lage versetzt werden soll,
bei zukünftigen Krisen, sich selbst helfen zu können.

KVT ist mit harter Arbeit an sich selbst verbunden !
Es kann gelingen, wenn man es als Betroffener wirklich ernst meint, denn es ist nicht einfach,
von einem Extrem, zum anderen Extrem zu gelangen.
Was können- sollten wir die Betroffenen dazu tun:
- die Bereitschaft sich auf den TP u. dem Therapieplan einzulassen !
- es muss uns wichtig sein, dass mit dem TP abgesprochene Ziel auch erreichen zu wollen !
- und wir müssen geduldig mit uns bleiben, denn Therapieerfolge stellen sich nicht nach ein paar Sitzungen ein,
denn es ist ein Prozess, der nur langsam in uns reifen kann !

LG Jedi

03.12.2019 17:32 • x 5 #686


Carouzo
@Jedi
Danke für deine Erklärungen.
Soweit ich weiß, ist Männes Therapeutin eine Verhaltenstherapeutin.
Ich hoffe einfach mal, dass so etwas in der Art gemacht wird und dass es Männe auch mit macht.

03.12.2019 18:31 • x 3 #687


Carouzo
Eben hatte ich für mich ein kleines Aha-Erlebnis:
Wir kamen kurz ins Gespräch und ich meinte dann zu Männe, dass, wenn wir keine Gefühle füreinander hätten, dann nicht so weit gekommen wären.

Darauf fragte er mich, was wäre, wenn wir die Gefühle uns eingebildet hätten?

Erst merkte ich, wie ich verletzt reagieren wollte. Ich hielt kurz inne und sagte mir, dass das jetzt die Depression war, die gesprochen hat und nicht er.

Das hätte er früher nie gesagt.
Irgendwie konnte ich dadurch besser mit seiner Antwort umgehen.

Hattet ihr auch solche Momente?

03.12.2019 20:02 • x 1 #688


Nein das nicht. Wir wohnen nicht zusammen und er zieht sich ja zurück. Aber ich habe sowas gelesen als Symptom!
Und mich würde nicht wundern, wenn meiner auch so reden würde, wenn wir kontakt hätten.

Heute hat er mir mal wieder geantwortet auf eine whatsapp sogar sofort! Allerdings war es eine sachliche emotionslose Frage. Auf diese konnte er dann scheinbar und schnell reagieren

03.12.2019 20:34 • x 2 #689


Hallo Carouso,
das was Du beschreibst, kenne ich leider nur zu gut.
Das erste Mal, als er so sprach, bin ich fast ausgeflippt, wusste es da noch nicht besser. Ich sage mir mittlerweile, dass das die Krankheit ist, die da spricht, nicht mein Freund.
Aber trotzdem tut es weh.

03.12.2019 20:47 • x 2 #690





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